»Wie gut tatest du, daß du mich wecktest!« sprach Katerina, und während
sie sich mit dem gestickten Ärmel ihres Hemdes die Augen rieb,
betrachtete sie ihren Mann, der vor ihr stand, vom Kopf bis zu Füßen.
»Welch schrecklichen Traum ich gehabt! Wie schwer atmete meine Brust!
Oh! .... mir war's als stürbe ich ....«
»Was war das für ein Traum? Vielleicht dieser?« und Burulbasch erzählte
seinem Weibe alles, was er geschaut.
»Wie konntest du das nur erfahren, mein Gemahl?« fragte Katerina
erstaunt. »Doch, nein. Gar vieles, was du erzählt hast, ward mit nicht
bekannt. Nein, mir hat nicht geträumt, der Vater habe meine Mutter
getötet; auch hab' ich keine Toten gesehen, ich habe nichts gesehen.
Nein, Danilo, es war ganz anders, wie du's erzählst. O, wie furchtbar
ist doch mein Vater!«
»Das ist fürwahr auch kein Wunder, daß du gar vieles davon nicht sahest!
Du weißt doch nicht den zehnten Teil von dem, was deine Seele weiß.
Weißt du -- dein Vater -- das ist der Antichrist! Erst im vorigen Jahr,
als ich mich mit den Polen zum Feldzug in die Krim aufmachte (damals
hielt ich's noch mit diesem Heidenvolk), da hat der Abt des
Bruderklosters zu mir gesagt (und das ist ein heiliger Mann, Weib!), der
Antichrist habe die Macht, jedes Menschen Seele zu beschwören; die
lustwandle dann nach eigenem Willen, wenn er einschläft, und fliege
zusammen mit den Erzengeln um Gottes Gemach herum. Schon auf den ersten
Blick wollt' mir deines Vaters Gesicht nicht recht gefallen. Hätt' ich
geahnt, daß du solch einen Vater hast, nie hätt' ich mich mit dir
vermählt; ich hätt' dich verlassen und der Seele nimmer die Sünde
aufgebürdet, mich der Sippe des Antichrist zu verschwägern.«
»Danilo!« rief Katerina, verbarg ihr Gesicht in den Händen und
schluchzte auf. »Hab' ich je eine Schuld gegen dich auf mich geladen?
Ward ich dir je untreu, geliebter Gemahl? Womit hab' ich deinen Zorn auf
mich gelenkt? Hab' ich dir nicht treu gedient? Hab' ich denn je ein
widriges Wort gesprochen, wenn du angezecht vom lustigen Schmaus
heimkamst? Gebar ich dir nicht einen schwarzbrauigen Sohn? ...«
»Weine nicht, Katerina, jetzt kenne ich dich, und ich werde dich nie
verlassen. Alle Sünden liegen bei deinem Vater!«
»Nein, nenne ihn nicht meinen Vater! Er ist nicht mein Vater! Gott ist
mein Zeuge, ich sage mich von ihm los! Er ist der Antichrist und ein
Gottesverächter! Mag er verderben, mag er ersaufen, nie biet' ich die
Hand ihm zur Rettung. Und wenn er dahinsiecht an einem todbringenden
Kraut, so will ich ihm kein Wasser zum Trinken reichen. _Du_ bist mir
mein Vater!«