Welch ein Malheur: da seh ich Roman kommen, der
bringt mir gewiß Schlimmes, aber auch Sie, Herr
Choma, kriegen was ab!
Aus einem kleinrussischen Schwank.
»Hier, Afannassi Iwanowitsch! Da ist der Zaun etwas niedriger, steigt
nur hinüber und habt keine Angst: mein Tölpel ist mit dem Gevatter zu
den Wagen gegangen, um dort zu übernachten, damit die Moskowiter nichts
stibitzen!«
So ermutigte Tscherewiks gestrenge Herrin freundlich den Popensohn, der
sich ängstlich an den Zaun quetschte. Eilig kletterte er hinauf und hing
lange und unschlüssig dort oben, wie ein hageres schreckliches Gespenst,
mit den Augen abmessend, wo er wohl am besten abspringen könne; endlich
plumpste er mit viel Lärm ins Gras.
»O jemine! Habt Ihr Euch nicht weh getan? Habt Ihr Euch nicht am Ende,
was Gott verhüte, noch gar das Genick gebrochen?« jammerte Chiwrja
besorgt.
»Pst! es ist nichts passiert, meine Liebe!« sprach der Popensohn
schmerzbewegt im Flüsterton, und sprang wieder auf die Füße: »abgesehen
von der Blessur durch die Nesseln, dieses schlangengleiche Kraut, wie
unser hochseliger weiser Protopope zu sagen pflegte.«
»Kommt nur in die Stube, es ist niemand da. Ich habe schon gedacht, was
hat bloß mein Afannassi Iwanowitsch? am Ende hat er gar das Reißen oder
das Magendrücken, er kommt und kommt nicht! Wie geht es Euch? Ich habe
gehört, Euer Herr Vater hat jetzt mancherlei schöne Dinge bekommen!«
»Ach, 'ne reine Kleinigkeit, Chawronja Nikiforowna: Väterchen hat
während der ganzen Fasten nur etwa fünfzehn Sack Korn, vier Sack Hirse
und etwa hundert Laib Brot bekommen; was die Hühner betrifft, so waren's
alles in allem höchstens fünfzig Stück; und die Eier waren zum größten
Teil faul. Wahrhaftig, gute Gaben sind nur von Euch zu erwarten, meine
Liebe!« fuhr der Popensohn fort, indem er sie süß ansah und näher
rückte.
»Da sind meine Gaben, Afanassi Iwanowitsch!« sprach sie, während sie die
Schüsseln auf den Tisch stellte und geziert ihre Jacke zuknöpfte, die
wie zufällig aufgegangen war, »da sind Zuckerfrüchte, Weizenklöße,
Krapfen und Strizel!«
»Ich wette darauf, daß dies hier die flinksten Hände aus Evas Geschlecht
hergerichtet haben!« sprach der Popensohn, indem er sich an die Strizel
machte und mit der anderen Hand die Krapfen zu sich heranzog. »Aber mein
Herz schmachtet nach einer anderen Speise, die süßer ist, als alle
Klößchen und Kräpfchen.«
»Ich weiß nicht, was für eine Speise Ihr meint,« antwortete die
wohlbeleibte Schöne, die so tat, als ob sie nicht verstände.
»Natürlich Eure Liebe, meine unvergleichliche Chiwrja!« sagte der
Popensohn im Flüsterton, indem er mit der einen Hand einen Krapfen
ergriff und die andere um ihre breiten Hüften legte.
»Weiß Gott, was Ihr Euch nur alles ausdenkt, Afanassi Iwanowitsch,«
sagte Chiwrja, schämig die Augen senkend. »Am Ende wollt Ihr mich gar
noch küssen!«
»Was das anbetrifft, so will ich Euch sagen,« fuhr der Popensohn fort,
»als ich gewissermaßen noch auf dem Seminar war -- ich erinnere mich
noch als wär' es heute, da ....«
Hier wurde auf dem Hof ein Bellen laut, und jemand klopfte ans Tor.
Chiwrja lief eilig hinaus und kam ganz bleich zurück.
»Wir sind verloren, Afanassi Iwanowitsch: ein ganzer Haufen Leute klopft
ans Tor, und ich glaube, ich habe die Stimme des Gevatters gehört ....«
Der Krapfen blieb dem Popensohn im Halse stecken .... Seine Augen
quollen heraus, als ob eine Erscheinung aus jener Welt ihm soeben ihre
Visite abgestattet hätte.
»Kriecht hier herauf!« rief die erschrockene Chiwrja und zeigte auf die
Bretter, die dicht unter der Stubendecke über zwei Balken angebracht
waren, und auf denen allerlei Hausgerümpel herumlag.
Die Gefahr verlieh unserem Helden Mut. Er kam wieder zur Besinnung,
sprang auf die Ofenbank und kletterte von dort vorsichtig auf die
Bretter; unterdessen lief Chiwrja ganz außer sich ans Tor, denn das
Klopfen wiederholte sich mit immer größerer Kraft und Ungeduld.