IV.

Hältst dich wohl für einen Mann,

Aber rückt ein Weibsbild an,

Dann setzt's Senge .......

_Kotljarewski._

»He, Frauchen, ich habe einen Bräutigam für unsere Tochter gefunden!«

»'s ist wohl gerad die rechte Zeit, sich einen Bräutigam zu suchen! Du

Dummkopf du, mußt wohl dein Leben lang ein Dummkopf bleiben! Wo hast du

gesehen oder wo hast du gehört, daß ein anständiger Mensch jetzt hinter

einem Bräutigam herläuft? Hättest du doch lieber daran gedacht, den

Weizen loszuwerden. Das wird ein schöner Bräutigam sein! Sicher ist's

der zerlumpteste aller Habenichtse!«

»Ach was, davon ist keine Rede! Du solltest nur mal sehen, was das für

ein Bursche ist! Sein Kittel allein kostet mehr als deine grüne Jacke

und die roten Stiefel zusammengenommen. Und wie der großartig Schnaps

saufen kann! ..... Der Teufel hole mich mit dir zusammen, wenn ich je

gesehen habe, daß ein Bursche ein halbes Maß hinuntergießt, ohne mit der

Wimper zu zucken .....«

»Ei freilich, also ein Trunkenbold und ein Landstreicher wie du! das

würde dir so passen! Ich möcht' darauf wetten, daß es derselbe Lümmel

ist, der uns auf der Brücke angerempelt hat. Schade, daß ich ihn bis

jetzt noch nicht erwischt habe -- ich hätte ihm schon was gezeigt!«

»Und wenn's nun wirklich derselbe wäre, Chiwrja? Warum soll er denn ein

Lümmel sein?«

»Warum soll er _kein_ Lümmel sein? Ach du hirnloser Schädel! So hör doch

-- warum soll er denn kein Lümmel sein! Wo hattest du denn deine

kreuzdummen Augen versteckt, als wir an den Mühlen vorbeifuhren? So

einem Mann kann man wahrhaftig geradeswegs vor seiner, mit Tabak

beschmutzten Nase die eigene Frau beleidigen, und er kümmert sich nicht

drum!«

»Ich kann nichts Schlimmes dabei sehen: der Junge ist großartig!

Höchstens, daß er dir die Fratze mit Mist vollgekleistert hat!«

»Aha! Ich sehe schon, du willst mich nicht mehr zu Worte kommen lassen!

Das wär' mir noch was Neues! Du hast wohl einen zu viel getrunken, noch

bevor du überhaupt etwas verkauft hast!«

Unser Tscherewik merkte jetzt selbst, daß er in seiner Rede zu weit

gegangen war, und bedeckte schnell den Kopf mit den Händen, da er

annehmen mußte, daß die erzürnte Gattin es nicht unterlassen würde, ihre

ehelichen Tatzen in sein Haar zu krallen.

»Den Teufel auch, da hast du deine Hochzeit!« dachte er bei sich,

während er die heftig vordringende Gattin abwehrte. »Ich werde dem

lieben Kerl ohne allen Grund eine Absage erteilen müssen. Himmel,

Herrgott! Wofür strafst du uns arme Sünder so? Es gibt doch schon soviel

Unrat, mußtest du auch noch die Weiber in die Welt setzen.«

Sämmtliche Werke 3: Abende auf dem Gutshof bei Dikanka; Phantastische Novellen · 第 11 / 45 题