III.

Schau, was für ein Kerl da steht!

So gibt's wenige auf der Welt.

Schnaps säuft der wie süßen Meth!

Kotljarewski »Äneas«.

»Du glaubst also, daß unser Weizen sich schlecht verkaufen wird,

Landsmann,« sagte der eine Mann, nach seinem Äußeren zu urteilen ein

zugereister Kleinbürger, in geteerten, fettigen und fleckigen

Hanfleinwandhosen, offenbar der Bewohner irgendeines winzigen

Städtchens, zu dem anderen, der einen blauen, stellenweise etwas

geflickten Kittel trug, und dessen Stirn eine riesige Beule schmückte.

»Was soll ich da groß von denken: ich will mir 'ne Schlinge um den Hals

legen und an diesem Baum hier hin und her baumeln wie die Wurst vor

Weihnachten in der Stube, wenn wir auch nur ein Maß verkaufen!«

»Was schwatzst du da, Landsmann? Wir sind doch hier die einzigen

Weizenleute,« erwiderte der Mann mit den Leinwandhosen.

»Ihr könnt reden, was ihr wollt!« dachte der Vater unserer Schönen, der

sich kein Wort vom Gespräch der beiden Handelsleute entgehen ließ: »Ich

habe meine zehn Säcke im Vorrat!«

»Das stimmt ja, aber wenn der Teufel sich ins Spiel mischt, richtet man

gerad so viel aus, wie bei einem hungrigen Moskowiter,« sprach der Mann

mit der Beule auf der Stirn bedeutungsvoll.

»Was für ein _Teufel_?« fragte der Mann mit den Leinwandhosen.

»Hast du nicht gehört, was die Leute da reden?« fuhr der mit der Beule

auf der Stirne fort und sah ihn mit seinen mürrischen Augen von der

Seite an.

»Nun?«

»Nun? Was >nun<? Der Präsident -- möge er sich doch nach der Rahmspeise

die Lippen nicht mehr wischen können! -- Der Präsident hat einen ganz

verdammten Ort für den Jahrmarkt ausgesucht, auf dem wird man kein

Körnchen los, und wenn man platzt! Siehst du dort am Berge die

verfallene Scheune?« (Hier rückte der neugierige Vater unserer Schönen

noch näher und wurde ganz Ohr.) »In dieser Scheune treibt der Teufel

sein Spiel, und an diesem Ort verläuft kein Jahrmarkt ohne Unglück.

Gestern geht da spät abends der Gemeindeschreiber vorbei und plötzlich

sieht er -- aus der Luke ein Schweinemaul herausgucken: das grunzte so,

daß es ihn ganz kalt überlief. Bald wird uns noch der _rote Kittel_

heimsuchen.«

»Was für ein _roter Kittel_?«

Hier sträubten sich unserem aufmerksamen Zuhörer die Haare. Voller Angst

drehte er sich um und sah, wie sein Töchterchen und der Bursche ruhig

dastanden, sich umarmt hielten, ein Liebesliedchen sangen und alle

Kittel der Welt vergessen hatten. Das zerstreute seine Angst und gab ihm

seine frühere Sorglosigkeit wieder.

»Hehe! Landsmann! Du verstehst dich aber aufs Küssen! Ich habe es erst

drei Tage nach der Hochzeit gelernt, meine selige Chwesjka zu küssen,

und auch das nur dank dem Gevatter: der hat's mich als Brautführer

gelehrt!«

Der Bursche merkte sofort, daß der Vater seiner Liebsten da stand, und

begann in Gedanken Pläne zu schmieden, wie er ihn für sich gewinnen

könne.

»Du bist sicher ein guter Mensch, du kennst mich zwar nicht, aber ich

habe dich gleich erkannt!«

»Kann schon sein.«

»Wenn du willst, kann ich dir deinen Vor- und Zunamen nennen und dir

auch alles andere sagen: du heißt Solopi Tscherewik!«

»Stimmt!«

»Sieh mich mal recht an, erkennst du mich nicht wieder?«

»Nein. Nimm's mir nicht übel, ich erkenne dich nicht! Ich habe mein

Lebtage so viel Fratzen gesehen, daß nur der Teufel sich auf alle

besinnen könnte!«

»Schade, daß du dich nicht mehr auf Golupupenkos Sohn besinnst!«

»So bist du der Sohn des Achrim?«

»Wer denn sonst? Bin ich etwa der kahlköpfige Satan?«

Da faßten beide an die Mütze, und es begann ein gegenseitiges

Abschmatzen; Golupupenkos Sohn beschloß sofort, ohne viel Zeit zu

verlieren, seinen neuen Bekannten zu überfallen.

»Sieh mal, Solopi, deine Tochter und ich, wir lieben uns und wollen

immer beieinander bleiben!«

»Nun, Paraßka,« sagte Tscherewik zu seiner Tochter und lachte,

»vielleicht solltet ihr wirklich, wie man so sagt, gemeinsam ..... auf

einer Weide grasen! Nun, schlag ein! Trinken wir eins darauf, mein Herr

nagelneuer Schwiegersohn!«

Und alle drei zogen miteinander zur wohlbekannten Jahrmarktsschenke --

in die Bude des Judenweibes -- die mit einer zahlreichen Flotille von

Kruken und Flaschen jeder Art und jeden Alters angefüllt war.

»Brav, brav -- alle Achtung!« rief Tscherewik lustig, als er sah, wie

sein künftiger Schwiegersohn sich ein Glas, das ein Viertelmaß faßte,

vollschenkte, es, ohne eine Miene zu verziehen, auf einen Zug

hinuntergoß und dann das Glas in Stücke schmiß. »Nun, was sagst du,

Paraßka? Was ich dir für einen Bräutigam ausgesucht habe! Schau, schau,

der säuft wie ein Held! ...«

Und lachend und sich hin und her wiegend, schwankte er mit ihr bis zu

seinem Wagen. Unser Bursche strich die Budenreihen ab, vor denen sogar

Kaufleute aus Gadjatsch und Mirgorod, jenen beiden so berühmten Städten

des Gouvernements Poltawa, standen; er wollte sich eine Holzpfeife mit

Messingbeschlag, ein rotgeblümtes Tuch und eine Mütze kaufen; als

Hochzeitsgeschenke für den Schwiegervater und die anderen, wie es sich

nun einmal gehörte.

Sämmtliche Werke 3: Abende auf dem Gutshof bei Dikanka; Phantastische Novellen · 第 10 / 45 题