II.

Ach du lieber Herrgott! Was gibt es nicht alles auf

diesem Jahrmarkt! Räder, Glas, Teer, Tabak, Riemen,

Zwiebel, Ware aus aller Welt ..... Und wenn man

selbst dreißig Rubel in der Tasche hätte, man

könnte noch lange nicht den ganzen Jahrmarkt

aufkaufen.

Aus einem kleinrussischen Schwank.

Ihr habt wohl schon einmal einen Wasserfall in der Ferne sich

herabwälzen hören? Die aufgestörte Gegend ist voller dröhnenden Getöses,

und ein Chaos wundersamer und unbestimmter Geräusche braust im Wirbel an

euch vorüber. Nicht wahr? Es sind dieselben Empfindungen, die euch

plötzlich im Trubel eines ländlichen Jahrmarktes erfassen, wenn das

ganze Volk zu einem riesigen Ungeheuer zusammenwächst und sich mit

seinem riesigen Leibe über den Platz und durch die engen Straßen

schiebt, schreit, johlt und tobt. Lärmen, Schimpfen, Meckern, Blöken,

Brüllen -- alles verschmilzt zu einem verwirrenden Mißklang. Stiere,

Säcke, Strohbündel, Zigeuner, Geschirr, Weiber, Lebkuchen, Mützen -- all

dies Grelle, Bunte, Mißklingende wühlt und wimmelt haufenweise herum und

schwirrt einem vor den Augen. Vielstimmige Reden verschlingen einander,

und in dieser Sintflut läßt sich kein Wort retten und ist kein Ruf mehr

deutlich zu vernehmen. Der Handschlag der Händler beim Kaufe ist noch

das einzige, was man auf allen Seiten des Jahrmarktes hört. Wagen

krachen, Eisenstangen klirren, Bretter fallen lärmend zur Erde nieder,

und der schwindelnde Kopf weiß nicht, wohin er sich wenden soll. Unser

zugereister Bauer mit dem schwarzbrauigen Töchterchen drückte sich schon

lange unter dem Volk herum: bald trat er an einen Wagen heran, bald

befühlte er den anderen und fragte nach den Preisen, unterdessen aber

kreisten seine Gedanken unaufhörlich um die zehn Säcke Weizen und die

alte Stute, die er zum Verkauf mitgebracht hatte. Aus dem Gesichte

seiner Tochter konnte man ersehen, daß es ihr nicht besonders angenehm

war, neben dem mit Mehl und Weizen beladenen Wagen herumlungern zu

müssen. Sie hätte lieber dahin gewollt, wo unter Leinwandzelten rote

Bänder, Ohrringe, Kreuze von Zinn und Messing und Schmuckdukaten kokett

aufgehängt waren. Aber auch hier fand sie viel Dinge zu beobachten: es

ergötzte sie höchlich, wie ein Zigeuner und ein Bauer einander den

Handschlag gaben und dabei selbst vor Schmerz aufschreien mußten; wie

ein betrunkener Jude einem Frauenzimmer von hinten Püffe versetzte; wie

zankende Händlerinnen einander mit Schlägen und Schimpfworten

überschütteten; wie ein Moskowiter sich mit der einen Hand sein

Ziegenbärtchen strich und mit der anderen ...... Aber da fühlte sie, wie

sie jemand am gestickten Ärmel zupfte. Sie wandte sich um -- und der

Bursche im weißen Kittel und mit den hellen Augen stand vor ihr. Sie

erbebte, ihr Herz schlug so heftig, wie es noch nie, bei keiner Freude

und keinem Schmerz geschlagen hatte: Wunderlich und lieblich zugleich

ward ihr zumute, und sie konnte sich selbst nicht erklären, was mit ihr

geschah.

»Fürchte dich nicht, Herzchen, fürcht' dich nicht!« sprach er halblaut

zu ihr und ergriff ihre Hand: »Ich will dir nichts Schlimmes sagen!«

»Es mag schon sein, daß du mir nichts Schlimmes sagen willst,« dachte

die Schöne bei sich, »aber mir ist so wunderlich zumute ... das ist

sicher der Satan! Ich weiß ja selbst, daß sich's nicht schickt ... aber

mir fehlt die Kraft, meine Hand fortzuziehen.«

Der Bauer drehte sich um und wollte seiner Tochter etwas sagen, aber da

hörte er plötzlich aus nächster Nähe das Wort: »Weizen!« fallen. Dieses

magische Wort veranlaßte ihn im Nu, sich an zwei laut miteinander

sprechende Handelsmänner zu wenden, und seine Aufmerksamkeit konnte nun

durch nichts mehr abgelenkt werden. Die Handelsmänner unterhielten sich

über den Weizen und sprachen folgendermaßen.

Sämmtliche Werke 3: Abende auf dem Gutshof bei Dikanka; Phantastische Novellen · 第 9 / 45 题