Ach du lieber Herrgott! Was gibt es nicht alles auf
diesem Jahrmarkt! Räder, Glas, Teer, Tabak, Riemen,
Zwiebel, Ware aus aller Welt ..... Und wenn man
selbst dreißig Rubel in der Tasche hätte, man
könnte noch lange nicht den ganzen Jahrmarkt
aufkaufen.
Aus einem kleinrussischen Schwank.
Ihr habt wohl schon einmal einen Wasserfall in der Ferne sich
herabwälzen hören? Die aufgestörte Gegend ist voller dröhnenden Getöses,
und ein Chaos wundersamer und unbestimmter Geräusche braust im Wirbel an
euch vorüber. Nicht wahr? Es sind dieselben Empfindungen, die euch
plötzlich im Trubel eines ländlichen Jahrmarktes erfassen, wenn das
ganze Volk zu einem riesigen Ungeheuer zusammenwächst und sich mit
seinem riesigen Leibe über den Platz und durch die engen Straßen
schiebt, schreit, johlt und tobt. Lärmen, Schimpfen, Meckern, Blöken,
Brüllen -- alles verschmilzt zu einem verwirrenden Mißklang. Stiere,
Säcke, Strohbündel, Zigeuner, Geschirr, Weiber, Lebkuchen, Mützen -- all
dies Grelle, Bunte, Mißklingende wühlt und wimmelt haufenweise herum und
schwirrt einem vor den Augen. Vielstimmige Reden verschlingen einander,
und in dieser Sintflut läßt sich kein Wort retten und ist kein Ruf mehr
deutlich zu vernehmen. Der Handschlag der Händler beim Kaufe ist noch
das einzige, was man auf allen Seiten des Jahrmarktes hört. Wagen
krachen, Eisenstangen klirren, Bretter fallen lärmend zur Erde nieder,
und der schwindelnde Kopf weiß nicht, wohin er sich wenden soll. Unser
zugereister Bauer mit dem schwarzbrauigen Töchterchen drückte sich schon
lange unter dem Volk herum: bald trat er an einen Wagen heran, bald
befühlte er den anderen und fragte nach den Preisen, unterdessen aber
kreisten seine Gedanken unaufhörlich um die zehn Säcke Weizen und die
alte Stute, die er zum Verkauf mitgebracht hatte. Aus dem Gesichte
seiner Tochter konnte man ersehen, daß es ihr nicht besonders angenehm
war, neben dem mit Mehl und Weizen beladenen Wagen herumlungern zu
müssen. Sie hätte lieber dahin gewollt, wo unter Leinwandzelten rote
Bänder, Ohrringe, Kreuze von Zinn und Messing und Schmuckdukaten kokett
aufgehängt waren. Aber auch hier fand sie viel Dinge zu beobachten: es
ergötzte sie höchlich, wie ein Zigeuner und ein Bauer einander den
Handschlag gaben und dabei selbst vor Schmerz aufschreien mußten; wie
ein betrunkener Jude einem Frauenzimmer von hinten Püffe versetzte; wie
zankende Händlerinnen einander mit Schlägen und Schimpfworten
überschütteten; wie ein Moskowiter sich mit der einen Hand sein
Ziegenbärtchen strich und mit der anderen ...... Aber da fühlte sie, wie
sie jemand am gestickten Ärmel zupfte. Sie wandte sich um -- und der
Bursche im weißen Kittel und mit den hellen Augen stand vor ihr. Sie
erbebte, ihr Herz schlug so heftig, wie es noch nie, bei keiner Freude
und keinem Schmerz geschlagen hatte: Wunderlich und lieblich zugleich
ward ihr zumute, und sie konnte sich selbst nicht erklären, was mit ihr
geschah.
»Fürchte dich nicht, Herzchen, fürcht' dich nicht!« sprach er halblaut
zu ihr und ergriff ihre Hand: »Ich will dir nichts Schlimmes sagen!«
»Es mag schon sein, daß du mir nichts Schlimmes sagen willst,« dachte
die Schöne bei sich, »aber mir ist so wunderlich zumute ... das ist
sicher der Satan! Ich weiß ja selbst, daß sich's nicht schickt ... aber
mir fehlt die Kraft, meine Hand fortzuziehen.«
Der Bauer drehte sich um und wollte seiner Tochter etwas sagen, aber da
hörte er plötzlich aus nächster Nähe das Wort: »Weizen!« fallen. Dieses
magische Wort veranlaßte ihn im Nu, sich an zwei laut miteinander
sprechende Handelsmänner zu wenden, und seine Aufmerksamkeit konnte nun
durch nichts mehr abgelenkt werden. Die Handelsmänner unterhielten sich
über den Weizen und sprachen folgendermaßen.