täglich der Reis die Hauptrolle spielt. Aber wie gross ist die Zahl
der Nebenrollen! Zunächst wird der Reis mit zwei Saucen begossen. Die
eine, Kerry genannt, besteht aus Cocosmilch, Bouillon und zahlreichen
Gewürzen mit Stücken von Huhn, Fisch, Krabben u. s. w. Die zweite
Sauce besteht aus Bouillon und verschiedenen Sorten Grünzeug, worin
ebenfalls die Extremitäten eines Huhnes, der Kopf eines Fisches u. s. w.
schwimmen. Auf einem zweiten Teller werden aufgehäuft zwei bis drei
Sorten Rindfleisch, zwei bis drei Sorten Huhn, Fisch, Krabben, ein
bis zwei Sorten Eier, und niemals fehlt ein Stück gehacktes Fleisch
(Fricadell). Dazu werden noch verschiedene Grünzeuge mit Lombok
zubereitet gemischt.
Damit ist aber das Mittagsmahl noch lange nicht beendigt. Jetzt folgen
noch Beefsteak, Erdäpfel und Salat, Käse mit Butterbrod, Früchte und
Kaffee.
Die »Rysttafel« bekommt der Passagier nur auf den holländischen
Dampfern, und zwar sofort hinter Aden, d. h. bei der Einfahrt in den
Indischen Ocean. Auf den Schiffen der Franzosen und Engländer wird
diese nur in einer Miniaturausgabe geboten. Ebenso wie wir es in den
Hôtels auf Ceylon und Singapore sahen, wird nämlich auf diesen Schiffen
nach der Hauptmahlzeit Reis mit einer Kerrysauce servirt.
Bevor ich die weiteren täglichen Mahlzeiten auf Java mittheile,
muss noch erwähnt werden, dass Jeder, der es thun kann, nach diesem
üppigen Mittagmahle Siesta hält. Zwischen 4-5 Uhr wird aufgestanden,
ein Schiffsbad genommen, eine Schale Thee getrunken, ein Spaziergang
gemacht, und um 7 Uhr Abends beginnt das gesellschaftliche Leben, d. h.
man empfängt und macht um diese Zeit seine Visiten. Darnach nimmt man
ein paar Gläschen Genever oder Portwein, und um halb 9 Uhr geht man an
das Abendessen. Curiosums halber will ich die Abschrift des Menu geben,
welches am 17. Jänner 1897 (ich glaube es war ein Sonntag) im Hôtel du
Pavillon in Samarang (Java) den Gästen geboten wurde:
Caviar. -- Bruinsoep (braune Suppe). -- Croustades. -- Visch met
wortelen (Fisch mit jungen Rüben). -- Rolade met celleri (Sellerie) au
jus. -- Eend (Ente) met doperwten (Zuckererbsen). -- Compôte. -- Gebak
(Torte). -- Nougaijs (Nougat-Gefrorenes). -- Vruchten (Obst). -- Koffie.
Es kann wohl vorkommen, dass die Gäste hin und wieder eine oder die
andere Schüssel passiren lassen, ohne etwas davon zu nehmen, aber ich
kann auch behaupten, dass in Europa auf keiner Table d’hôte den Gästen
soviel geboten und von ihnen soviel gegessen wird als in Indien, und
zwar nicht nur in den Hôtels, sondern auch am häuslichen Herd. Kann es
also Wunder nehmen, dass die Europäer im Indischen Archipel so oft an
Krankheiten des Magens, des Darmes und der Leber leiden? Wir wollen
keine strengen Richter sein, schon darum nicht, weil die indischen
Früchte und Gewürze gar so herrlich sind. Ich habe eine Zeit gekannt,
dass ich dreimal des Tages die »Rysttafel« hätte essen wollen.
Von den zahlreichen Früchten, welche besonders saftreich sind, und
deren Aroma oft von keiner einzigen europäischen Frucht übertroffen
wird, will ich nur einige erwähnen, und zwar jene, welche mir am besten
mundeten: die Ananas (A. sativa), Djambu (Anacardium occidentale),
die Papaja (Carica papaya), Nonafrucht (Anona reticulata), Durian
(Durio zibethinus), Mangistan (Garciana mangostana), Duku (Lantium
domesticum), Mangga (Mangifera indica). Von den zahlreichen Gewürzen
(Hass-Karl spricht von 119 allein aus dem Pflanzenreich) und ihren
Zusammensetzungen, z. B. Kerry, Ketjab (Soja) kann ich nur dasselbe
sagen; sie sind herrlich.
In den Hôtels habe ich natürlich von diesen herrlichen Speisen täglich
genug bekommen, ohne dass ich damals mich an dem »zu viel« versündigt
hätte, obzwar die alte Phrase: »in Indien muss man sich kräftig nähren«
und »flink trinken« in den verschiedensten Variationen mir vorgeleiert
wurde von Aerzten und auch von Laien, welche »in Indien geboren sind
und darum am besten wissen müssen, was in »de Oost« gegessen werden
muss, wenn sie auch keine Aerzte seien«. Es bleibt eine Phrase zu
sprechen von der Wahl einer »nahrhaften Speise«, wenn man vielleicht
10-20 Schüsseln oder Schüsselchen mit eiweissreichen Speisen vor sich
stehen hat. Für die Frage einer zweckmässigen Volksspeise, oder für
die Ernährung eines Soldaten auf dem Kriegszuge, oder für arme Leute,
welche keine Wahl haben, oder für Kranke, welche nur gewisse Speisen
vertragen, für diese Probleme ist es nöthig, genau zwischen nahrhaften
und nicht nahrhaften Speisen zu unterscheiden. Aber für das Gros
der Bevölkerung ist in +Indien+ diese Frage schon erledigt. Dem
Eingeborenen ist der Reis eine bessere und gesündere Nahrung, als dem
Proletarier in Europa der Erdapfel; denn nach Horford und Krocker
hat der Reis nur 15·1% Wasser (und 6·3% Albumin, 73·6% Stärke, 4·6%
Cellulose und 0·3% Salze), während die Erdäpfel nach Moleschot 0·5-2·5%
Eiweiss, 0·4-1% Cellulose, 9-23% Stärke und 69-81% Wasser haben. Wenn
der Malaye und Javane mehr Fleisch gebrauchen würde, dann wäre seine
»Volksnahrung« gewiss eine zweckentsprechende und »gesunde« zu nennen.
Die europäischen Soldaten bekommen aber so viel Reis (0·5 Kilo) und
so viel Fleisch (0·27-0·4 Kilo) und 30 Gramm Butter u. s. w., dass
die zweite Frage die Hauptsache wird, nämlich: ob genug Abwechslung
geboten wird und auch genug aufgenommen und verzehrt wird, oder ob
nicht vieles geradezu für den Organismus verloren gehe. Die zahlreichen
Gewürze haben zwar den Zweck, den Magen zur grösseren Production des
Magensaftes anzupeitschen; dieses gelingt zwar eine Zeit lang, aber
es dauert nicht lange. Auch Dr. Pollitzer, welcher fünf Jahre am
Mississippi wohnte, sprach als seine Ueberzeugung aus, dass mehr als
die Hälfte der Magen- und Darmleidenden nicht dem Tropenklima, sondern
der unzweckmässigen Lebensweise ihre Krankheit zuschreiben müssen,
weil, wie schon oben erwähnt, bei zu grosser Menge der aufgenommenen
Nahrung der Magen nicht genug sauern Magensaft erzeugen könne.
Auch mir ging es in Teweh nicht besser. Ich hatte grössere Sorgen,
etwas zu essen zu bekommen, +das ich gerne ass+, als eine
»nahrhafte Speise« am Tisch stehen zu sehen; im Gegentheil, diese
»nahrhafte Speise« bekam ich zum Ueberdruss und zwar: Beim Frühstück
Beefsteak, nach dem Reis Beefsteak und Abends Beefsteak; nebstdem
jeden Morgen zwei oder vier Eier; zu guterletzt konnte ich kein Ei
mehr sehen und schon der Geruch der Beefsteaks nahm mir allen Appetit.
Glücklicher Weise schmeckte mir damals die »Rysttafel« so gut, dass ich
mich beim Mittagsmahl für den ganzen Tag satt essen konnte. Denn nur
zu oft geschah es, dass das Brod von dem Lieferanten ungeniessbar war
und er uns dafür den zweifachen Geldbetrag erstatten musste; für jeden
Soldaten war dies ein Freudenfest, er konnte dafür eine halbe Fl. Bier,
Genever oder Aehnliches kaufen und ass dafür sein Surrogat, Reis
u. s. w. Für uns Officiere war es jedoch jeder Zeit eine arge
Enttäuschung, des Morgens kein Brod zu haben. Keine Erdäpfel zu haben,
-- das waren wir gewöhnt; als im Jahre 1878 durch aussergewöhnlich
niederen Stand des Flusses sechs Monate lang niemand zu uns
kommen konnte, und zwar nicht nur kein Dampfer, sondern auch kein
Transportboot mit Lebensmitteln, so dass z. B. kein einziges
Schächtelchen Streichhölzchen auf ganz Teweh zu kaufen war, da fühlten
wir erst recht unsere Einsamkeit. Nur die Post, welche auf einem Kahn,
der nichts anderes als ein ausgehöhlter Baumstamm war, jede Woche
uns gesendet wurde, war das Band zwischen uns und der ganzen übrigen
Welt. Mit Angst sahen wir dem Tage entgegen, dass unser Vorrath an
Kaffee, Bier, Wein und Genever ausgehen sollte. An »nahrhaften Speisen«
hatten wir genug grossen Vorrath; denn der Lieferant musste stets für
sechs Monate bei sich und für +einen+ Monat im Fort an Vorrath
haben: Reis, lebende Rinder, Petroleum, Salz u. s. w. Von diesen
Lebensmitteln hatte der Lieferant vor dem Eintritt der trockenen Zeit
zufällig für sechs Monate das verpflichtete Quantum in seinem Magazine
aufgespeichert, so dass wir keinen Hunger zu leiden brauchten. Ist
die Noth am grössten, ist die Hülfe am nächsten; es begann zu regnen,
und der Fluss begann zu steigen, als die Cigarren, Wein, Genever,
Streichhölzer und Butter nur noch in ganz kleinen Mengen in Teweh zu
bekommen waren und zwar nur bei dem chinesischen Lieferanten der Armee.
Ein anderes Geschäft bestand natürlich in Teweh nicht. Endlich konnte
ein Dampfer wieder zu uns kommen, und ein Stein fiel uns vom Herzen,
als wir ein Glas Bier erhielten und ein Päckchen Streichhölzchen in
unserer Vorrathskammer geborgen werden konnte.
Die Worte »gesundes Essen« werden jedoch mit mehr Recht gebraucht als
»nahrhaftes Essen«; es wird am häufigsten gebraucht bei der Wahl von
Grünzeug, Früchten und gewisser nur in Indien gebrauchter Zuspeisen.
Zu den letzten gehört die »Rudjak«, das sind Scheiben von meistens
unreifen Früchten, welche mit einer dicken Sauce von Lombok, Zucker
und »Trassi« gegessen werden. Verschiedene Sorten von kleinen Fischen
werden mit Garneelen in Wasser und Salz in einem irdnen Topf zum Gähren
gebracht und darin gelassen, bis ein Brei daraus geworden ist; das
Wasser wird danach weggegossen, und der Brei wird zu kugelförmigen
Stücken getrocknet. Diese stinkende Zuspeise (Trassi) wird von manchen
Europäern und allen Eingeborenen sehr gern bei der »Rysttafel«
gebraucht. »Rudjak« wird ohne Löffel oder Gabel und nur mit den Fingern
gegessen. Ein Stück rauhe Gurke, Manga, Papaya u. s. w. wird in die
oben erwähnte Sauce getaucht, gegessen und -- als »gesundes Essen«
gepriesen, d. h. von den halbeuropäischen Damen. Ueber die Frage, ob
Grünzeug ein »gesundes Essen« sei, lässt sich weniger streiten; denn
wenn auch Fleisch (in allen Sorten) ein gesundes Essen ist, so regt es
zu wenig die Peristaltik des Darmes an, natürlich in gebräuchlicher
Menge; darum ist es gut, neben dem Fleische auch andere Speisen zu
nehmen, welche, wenn auch nicht reich an nahrhaften Stoffen, doch für
eine hinreichende Bewegung des Darmes sorgen. Von diesem Standpunkte
aus muss theilweise auch der Gebrauch der Früchte beurtheilt werden.
Andererseits sind die Früchte so mannigfaltig, und es giebt von vielen
Früchten so zahlreiche Sorten, dass es schwer fällt zu generalisiren,
d. h. sie im Allgemeinen zu den »gesunden« oder »ungesunden« Essen zu
rechnen. Es darf aber nicht vergessen werden, dass der Zuckergehalt
gewisser Früchte und ihr Reichthum an Cellulose im Darme ungeheure
Massen von +nicht+ pathogenen Bacterien entstehen lassen, welche
gewiss ein kräftiges Agens gegen die Entwicklung vom Krankheitserreger
unter Umständen sein können. Wenigstens auf diese Weise erklärt
Loebisch in Innsbruck den günstigen Erfolg einer Traubencur bei
gewissen Erkrankungen des Darmes. Uebrigens hat die Früchtecur, von
Sonius gegen die »Indische Spruw«[9] in Java eingeführt, wahrscheinlich
derselben Ursache ihre günstigen Erfolge zu verdanken.
Die Zahl der Früchtesorten in Indien ist zu gross, um sie an dieser
Stelle hinsichtlich ihres Nährwerthes zu beschreiben; aber ich kann
nicht umhin, die am meisten gebrauchten Früchte mit einigen Worten zu
besprechen:
Die +Pisang+, von welcher wir auf S. 16 bereits sprachen, kommt in
zahlreichen Varietäten auf den Tisch der Europäer; wegen ihres reichen
Gehaltes an Amylum (±70%) wird von ihr niemals bezweifelt, dass sie
»ein gesundes Essen« sei.
Die +Ananas+ (Ananassa sativa) erfreut sich diesbezüglich schon
mehr eines zweifelhaften Rufes; sie ist nämlich sehr saftreich und wird
daher nicht von Menschen mit Hyperacidität vertragen; auch die Frauen
fürchten manchmal diese süss-säuerlich aromatische Frucht, weil sie
den weissen Fluss verstärken, die Menstruation zu stark anregen solle
und das Fleisch ihrer Frucht wegen des grossen Gehaltes an Cellulose
schlecht verdaut werde. Es ist gewiss überflüssig, das Fleisch der
Frucht zu essen, und ich habe mich immer mit ihrem herrlichen Saft
begnügt. (Dass sie jedoch, wie behauptet wird, auch ein Diureticum sei,
weiss ich nicht aus eigener Erfahrung.)
+Djambu+ ist, ich möchte sagen, ein Sammelname für Früchte aus
den verschiedensten Pflanzenfamilien. Die Djambu bidji (Psydium
guajava) kann leicht gelb oder roth sein; diese letztere mit Zucker
bestreut, giebt den Geschmack von Himbeeren; sie ist so reich an
Samenkörnchen wie die Ribisel, die Körnchen sind aber etwas grösser
und haben ihr daher den schlechten Ruf besorgt, dass sie den Darm
reizen, Proctitis und sogar den Tod unter Cholera ähnlichen Symptomen
zur Folge haben könne. Kirschenkerne haben auch schon manchmal eine
Apendicitis verursacht, ohne dass man darum die Kirsche selbst in den
Bann gethan hätte. Die herrliche aromatische Djambu verdient diesen
schlechten Namen schon darum nicht, weil ihre Körner vielleicht nicht
einmal ⅙ der Grösse eines Kirschkerns haben. Die holländische
+Djambu+ (Persea gratissima) wird auch advocat genannt; sie stammt
aus Westindien und soll dort Apocata heissen, woraus das indische Wort
advocat entstanden ist. Sie hat die Grösse eines sehr grossen Apfels,
ist eine Fleischfrucht und wird gegessen, indem man ohne Schale die
Frucht zerreibt und mit Portwein mengt. Der feinste Mandelgeschmack ist
nicht so fein und so angenehm, als von diesem Brei.
Die +Papaja+ (Carica papaya) hat seit einigen Jahren in den
europäischen Laboratorien Eingang gefunden, weil der weisse Saft der
weichen Schale einen Verdauung befördernden Extract giebt: das Papajin.
Diese Fleischfrucht erreicht oft die Grösse eines Kindskopfes und hat
in ihrem Innern eine grosse Menge schwarzer Samenkörner, welche als
Heilmittel manchmal gebraucht werden; sie ist sehr angenehm (besonders
die Riesenpapaya) und aromatisch und wird beschuldigt, bei den Männern
temporäre Impotens und bei den Frauen Fluor albus zu veranlassen; ich
glaube weder an das Eine noch an das Andere. Sie wird roh mit Zucker
und Wein gemischt oder in Zucker eingemacht gegessen. Auch Icterus
(Gelbsucht) soll sie erzeugen.
Die +Nonna+frucht (Anona reticulata) hat in früheren Zeiten als
Aphrodisiacum gegolten, wie Bontius erzählt; aber heute ist diese
mehlige, süsse Frucht trotz ihrer zahlreichen Samenkörner eine gern
gesehene Frucht auf dem Tische der Europäer, ohne dass man an ihren
Liebeszauber denkt oder glaubt. Die Anona muricata wird oft so gross
als der Kopf eines Mannes und hat auch einen sehr angenehmen, sehr
stark sauern Geschmack; ihr Fleisch wird zerrieben und durch ein Sieb
gepresst, weil die Cellulose unangenehm im Munde ist.
Die +Durian+ (Durio zibethium) erreicht die Grösse einer grossen
Melone und kann dem sorglosen Wanderer gefährlich werden, wenn sie
reif abfällt und den Kopf des Zerstreuten trifft; sie stinkt nach
faulen Zwiebeln so stark, dass sie das ganze Haus verpestet, wenn man
sie nicht im Hofraume, sondern im Hause öffnet; ihr Geschmack soll
jedoch den aller übrigen Früchte der Welt an Feinheit übertreffen und
wird von jedem gepriesen, dem es gelingt, sich an den fürchterlichen
Gestank zu gewöhnen. Mir gelang es nicht.
Die +Manggis+ (Garcinia mangostana) ist nach meinem Geschmack die
beste der indischen Früchte und wird nach »van der Burg« selbst von
Bontius durch folgendes Dystichon verherrlicht:
Cedant Hesperii longe hinc, mala aurea, fructus;
Ambrosia pascit mangostan et nectare divos.
Sie sieht wie ein Lederapfel aus, birgt jedoch hinter der fingerdicken,
tanninreichen Schale grosse Körner mit schneeweissem Fleisch, welches
einen süss-säuerlichen aromatischen Geschmack hat.
Die Mangga (Mangifera Indica), die Rambutan (Nephelium lappaceum), die
Djeruks (Citrus), welche jedoch bei weitem nicht so aromatisch sind,
als die europäische Orange, die Duku’s, Langsat, die Labu (Lagenaria
idolatria), die Samangka (Wassermelonen) u. s. w., alle diese
zahlreichen Früchte werden bald »ein gesundes«, bald »ein ungesundes
Essen« genannt; die einen werden ein Diureticum genannt, die andern
hätten einen scharf reizenden Saft u. s. w.; wir werden uns im zweiten
und dritten Theil noch mehr mit ihnen beschäftigen und wollen darum
jetzt wieder zu unseren Erlebnissen auf Borneo zurückkehren.
* * * * *
Von den indischen Frauen, oder besser gesagt, von den Frauen in
Indien, zu schreiben, ist eine dankbare Sache. Das Geistesleben aller
Frauen Indiens, von der hochgebildeten europäischen Frau angefangen
bis herab zu der Wilden, zeigt einen festen Punkt, die Liebe; aber
wie die übrigen Fragen und Phasen des täglichen Lebens zu dieser
Cardinalfrage sich verhalten, giebt den verschiedenen Frauen den
eigenthümlichen Typus, welcher am besten mit dem Worte Charakter
bezeichnet wird. Dass natürlich die Verhältnisse des Tropenlebens,
die Erziehung, die gesellschaftlichen Verhältnisse auf die Formung
des Charakters einen grossen Einfluss nehmen, ist selbstverständlich.
Ob aber dieser Einfluss grösser oder kleiner sei als der, welcher
bedingt ist durch die Abstammung, d. h. in unserem Falle durch die
Vermischung mit den Kindern des Landes, wage ich nicht zu entscheiden.
Oft gehen nämlich Kinder aus gemischter Ehe in einem Alter von
wenigen Monaten nach Europa, geniessen eine europäische Erziehung
und kehren erst als Erwachsene nach Indien zurück. »Sofort klettern
sie auf die Palmen,« sagt der Malaye und deutet damit an, dass diese
leichter wie die in Europa geborenen, und ebenso leicht als die in
Indien erzogenen Europäer die Sprache, Sitten und Gebräuche des Landes
annehmen. Die in Indien geborenen Europäer werden +Kreolen+
genannt und zeigen in ihrem Charakter dieselben Eigenthümlichkeiten,
als die der gemischten Rasse, wenn auch die Hautfarbe weiss ist und
das Jochbein und Oberkiefer nicht so stark prominiren als bei den
»Halbeuropäern«. Darum mag in diesem Buche der Ausdruck »indische
Damen« alle europäischen Frauen umfassen, welche in Indien geboren
und in Indien erzogen wurden, ohne Unterschied, ob Vater oder Mutter,
ob Grossvater oder Grossmutter von Eingeborenen abstammen, oder
ob selbst »kein Tropfen Eingeborenen-Bluts in ihren Adern rollt«.
(Charakteristisch ist die Thatsache, dass nur sehr vereinzelt der
Fall dasteht, dass ein Eingeborener eine europäische Frau heirathet,
während das Umgekehrte nicht selten geschieht und zwar dass ein
Europäer »die Mutter seiner Kinder« zum Altar führt.) Bei den
»indischen Damen« zeigt sich die Vorliebe für die indische Toilette
geradezu als Charaktereigenthümlichkeit; keine europäische Dame z. B.
wird gegenwärtig in indischer Toilette im Salon erscheinen oder
Abendgesellschaften aufsuchen. Die »indische Dame« jedoch sieht darin
nichts Indecentes.
Zu D... sollte eines Abends grosser Empfang beim Residenten sein; der
Militär-Commandant erschien mit seinem Officier um 7 Uhr in Galatenu
und fand die Frau des Residenten in -- indischer Toilette, weil sie mit
ihren Freundinnen beim Kartenspiel vergessen hatte, dass an diesem Tage
ihr Mann, der Resident, seinen »jour« habe. Um nicht die Gäste warten
zu lassen, blieb sie in ihrer Haustoilette. Die militärischen Gäste
verliessen jedoch auf Antrag ihres Chefs sofort das Gebäude. Dieser
Fall ist allerdings vereinzelt. Eine europäische Dame hätte natürlich
lieber die Gäste warten lassen, bis sie die Haustoilette abgelegt
hatte, als in solcher Toilette zu »empfangen«. Denn diese besteht nur
aus einem bunten Rock, der um den Unterleib geschlungen und mit einem
Bande befestigt wird; ein Leibchen, mit mehr oder weniger Spitzen
garnirt, bedeckt den Oberleib; die »indischen Damen« haben unter dem
Leibchen (Kabaya genannt) ein Unterleibchen (Kutang), welches die
Rolle eines Mieders vertritt und +weiter nichts+. Ein indiscreter
Wind wird nicht gefährlich, weil der bunte Rock, Sarong genannt,
eng anschliessend ist, und es darum nicht viel Geschicklichkeit
erfordert, den Sarong nach dem Winde zu drehen. Ist der Sarong aber
von schlechter Qualität und die Sonne fällt auf ihn, dann sieht man
nicht nur die +äusseren+ Conturen des Körpers, sondern die
schwach durchfallenden Sonnenstrahlen geben oft ein sichtbares, wenn
auch schwaches Bild der schlecht verdeckten Theile. Nicht nur aus
Schicklichkeitsgründen, sondern auch aus hygienischen ist es darum zu
empfehlen, dass die Damen Unterhosen tragen; man transpirirt stark in
Indien, der Landwind ist oft kühl, er spielt oft unter dem Sarong, dass
es Mühe kostet, ihm (dem Winde) den Eintritt zu wehren; Darmkrankheiten
in Folge Erkältungen sind dann unvermeidlich. Eine sehr zweckmässige
+Haustoilette+ sind Sarong und Kabaya, wenn darunter Unterhose
und Flanellhemdchem (mit oder ohne Aermel) getragen werden, sie ist
eine sehr praktische Nachttoilette für die Damen; auf die Strasse oder
in den Empfangssalon gehört sie jedoch nicht. Ich weiss, dass diese
meine Worte keinen Einfluss haben werden, denn die »indischen« Damen
sind noch conservativer als die holländischen. Die indische Toilette
entspricht zwar einem Bedürfniss. Wir würden in Europa im Hochsommer
auch eine leichtere Kleidung für wünschenswerth finden; wir tragen aber
der Schamhaftigkeit Rechnung und gewöhnen uns daran. Eine Unterhose und
eventuell ein Flanellhemdchen unter der Kutang zu tragen, ist ja nicht
so schwer, und es wäre damit dreierlei Vortheil erreicht: der Genuss
einer leichten Toilette wäre verbunden mit der Schamhaftigkeit und
dem hygienischen Vortheil eines Präservativs gegen Erkältung. -- Dies
ist auch die Toilette der eingeborenen Frauen, mit dem Unterschiede
jedoch, dass die Kabaya sehr oft aus hell gefärbten Stoffen und nicht
aus Leinwand mit Spitzen besteht; die Sonnenschirme und Kabaya sind
schreiend roth, grün oder blau in allen möglichen Nuancen. Oft bestehen
diese Kabayen aus Seide oder ähnlich glänzenden Stoffen, so dass das
Auge von diesen grellen Farben -- man sollte meinen -- beleidigt, nein,
im Gegentheil befriedigt wird. Gerade im Lande des ewigen Sommers mit
dem hellen und scharfen Sonnenlicht gefiel mir dieses farbenreiche
Kaleidoskop besser als in Europa, vielleicht, weil dieser »bäuerische«
Geschmack dem ganzen Wesen der Malayen entspricht.
* * * * *
Von den Frauen der Dajaker werden ebenfalls bunte Kabayen getragen,
und zwar bei ihren zahlreichen Festen; in ihrer Häuslichkeit ist der
»saloi«, der kurze Sarong, ihr einziges Kleidungsstück, der von der
Mitte des Unterleibes bis zum Knie reicht; bei einem Feste, welches
mir zu Ehren gegeben wurde, erschienen sie jedoch in ihrem Galatenu,
d. h. im sarong und badju (Leibchen ohne Aermel). Es wurde ein Ladang
angelegt, d. h. ein +trockenes+ Reisfeld. Wochen vorher wurde
hinter dem Kampong ein niedriger Hügel durch Fällen der Bäume und
Verbrennen der Reste von allen Pflanzen befreit. Zu der Aussaat
des Reises wurde ich eingeladen. Eine Reihe von Männern bohrte mit
einem zugespitzten Bambusstock Löcher in den Boden, und hinter ihnen
stand eine Reihe von Mädchen und Frauen, welche einen Selindang nach
malayischer Sitte trugen, ein Umschlagtuch, welches von der rechten
Schulter zur linken Seite gezogen und befestigt wird, und darin war
ein Körbchen mit dem Reis für die Aussaat. Endlich siegte die Natur
über die Etiquette; die Mädchen und Frauen warfen Selindang und badju
weg und rückten den Sarong in die Mitte des Bauches. Der Bildungsgrad
dieser Frauen kann natürlich nicht mit europäischem Maassstab gemessen
werden; sie spielen die Flöte, sie singen ihre Helden- und lyrischen
Lieder und tanzen in anmuthigen Bewegungen ihre Chorreigen; im Uebrigen
-- lieben sie. Manche von ihnen hat auch in der Geschichte eine Rolle
gespielt, wie z. B. Induambang, welche im grossen Aufstande gegen die
Holländer im December 1859 die Dajaksche Helena war. Vor der Ehe führen
sie ein so liederliches Leben, dass kaum jemals eine virgo intacta das
Ehebett bestiegen hat. Kinder zu bekommen ist für solche Mädchen keine
Schande; ehrlos ist sie jedoch, wenn der Vater nicht bekannt ist oder
der Geliebte die Vaterschaft verleugnet.