gewichtige Anzeichen für die Nähe des Paradieses, und die Ansichten
der gelehrten Theologen stimmen mit meinen Beobachtungen überein.
Und wenn die Wasser (des Orinoko) nicht aus dem Paradiese kommen,
so scheint das ein noch größeres Wunder zu sein, weil ich nicht
glaube, daß man auf der ganzen Welt einen so mächtigen und tiefen Fluß
findet.« Er preist die Insel als ein Paradies und schreibt an die
spanischen Majestäten, niemand, der nicht gut katholisch sei, dürfe
die gesegnete Insel betreten. »Denn das ist das Ziel der Entdeckungen
gewesen, die ich auf Befehl Eurer Majestät gemacht habe, und die
~nur~ unternommen sind, den christlichen Glauben zu verherrlichen
und zu verbreiten.« Hier sagt Kolumbus, vielleicht unbewußt, eine
Unwahrheit, denn sein tägliches Gebet lautet: »Möge der Herr nach
seiner Barmherzigkeit mich die Goldminen finden lassen! Denn es erhört
Gott die Gebete seiner Diener, welche seine Gebote befolgen, auch dann,
wenn sie, wie in diesem Falle, Unmögliches zu bitten scheinen.« Diese
Goldgier geht so weit, daß er selbst einen erlittenen Schiffbruch als
eine Fügung Gottes betrachtet, der ihn so auf die Goldfelder hinweisen
will, die in der Nähe sein müssen. Und weil er in Haiti einige
goldverzierte Hütten findet, hält er die Insel für das salomonische
Ophir.
In der Christnacht, wo Kolumbus bei stillem Wetter sich der
langersehnten Ruhe hingegeben, vernachlässigten nämlich der Steuermann
und die Matrosen ihre Pflicht so sehr, daß bald alles an Bord der
St. Maria im Schlafe lag, während die Strömungen das Schiff auf eine
Sandbank führten, wo es rettungslos scheiterte. Es blieb nichts übrig,
als die Ladung mit Hilfe der Eingeborenen, so gut es ging, zu bergen.
Der Admiral, nunmehr genötigt, sich an Bord der Nina zu begeben, war
tief erschüttert durch sein Mißgeschick; aber die Auskunft, daß es
zwischen den Bergen Goldminen gebe, wo das Gold nicht gesucht sei, weil
die Eingeborenen keinen Wert darauf legten, erheiterten bald seine
Mienen.
Und nun war es das ~Gold~, das den Gang der Entdeckungen
beherrscht hat; das Aufsuchen neuer Länder wird jetzt ein
Glücksgewerbe; Kolumbus ist nur der glücklichste und kühnste Spieler.
[Illustration: Die Rüstung des Kolumbus.]
Denn kaum hat er die goldführenden Flüsse Haitis entdeckt, so ist sein
Entdeckungsdrang stark abgekühlt, und er hat nur noch Sinn für die
Hebung der Schätze.
Kaziken auf Haiti, mit denen Kolumbus sich angefreundet, bringen
Goldklümpchen, Gewürze und andere Kostbarkeiten. Aus den Trümmern der
Santa Maria läßt Kolumbus eine kleine Festung bauen, in der er mehrere
seiner Matrosen und Handwerksleute, insgesamt neununddreißig Mann,
die sich freiwillig erboten hatten, zurückläßt; zugleich versorgt
er sie für ein ganzes Jahr mit Zwieback, Pulver und Geschützen. Die
Zurückgebliebenen sollten inzwischen die Erzeugnisse des Landes
kennen lernen, seine Metalle und Kräuter, sollten Sitten und Sprache
der Indianer studieren, vor allem aber nie vergessen, Goldtausch zu
treiben. Er hoffe, nach seiner Wiederkehr eine Tonne Goldes
vorzufinden!
Am 4. Januar schied Kolumbus und wandte sich mit der gebrechlichen
Nina nach Osten. Nach dem Schiffbruch der Santa Maria empfand Kolumbus
das Fehlen der Pinta doppelt schwer, weil es zu gefährlich war, mit
dem einzigen Schiffe längere Küstenfahrten zu unternehmen. Auch
bedrückte ihn der Argwohn, Alonso Pinzon sei vielleicht nach Spanien
vorausgeeilt, um den Hof gegen Kolumbus in feindliche Stimmung zu
bringen. Am 6. Januar wurde indes die Pinta wieder gesichtet. Alonso
kam an Bord der Nina und versuchte, mit unhaltbaren Entschuldigungen
seine Entfernung zu beschönigen. Kolumbus durchschaute den Mann; er
fand es aber für gut, seinen Groll bis zur Heimkehr zu verbergen; desto
reifer wurde sein Entschluß, sich eines so unzuverlässigen Begleiters
rasch zu entledigen.
Am 12. Februar erhob sich ein Sturm. In der Nacht zog ein Gewitter
vorüber, die Gewalt des Windes steigerte sich am Tage, und die hohle
See schleuderte die Fahrzeuge erbarmungslos umher. In der Nacht zum
14. Februar verschlimmerte sich die Lage immer mehr, und in diesen
angstvollen Stunden verschwand die Pinta. Am Morgen des 15. Februar
wuchs die Gefahr des fürchterlichen Sturmes in so hohem Grade, daß
Kolumbus eine Pilgerfahrt gelobte. Inmitten dieser Wut der Elemente
ängstigte Kolumbus auch der Gedanke, daß, wenn er nun unterginge, mit
ihm auch sein großes Entdeckergeheimnis ins Meer sinken könnte, und
seine Kinder dann nicht die Früchte seiner Mühsal ernten würden. Darum
schrieb er einen Brief, in dem er die Ergebnisse seiner Entdeckung in
kurzen Worten niederlegte. Er versiegelte das Pergament und verhieß
dem glücklichen Finder ein Geschenk von tausend Dukaten, wenn er das
Schriftstück uneröffnet dem kastilischen Hof überbringen würde. Und
heimlich, ohne daß es das Schiffsvolk merkte, verwahrte er dieses
Pergament in einer Tonne, die er ins Meer warf.
Erst jetzt lichtete sich der Himmel, und die See beruhigte sich ein
wenig. Man sah zwar in der Ferne schon die bekannten heimatlichen
Küsten, aber erst am 17. Februar konnte man sich ihnen nähern; ein
ausgeschicktes Boot kundschaftete aus, daß man sich vor der Insel Santa
Maria befand.
Hier aber, wo eine portugiesische Niederlassung den kaum dem Tode
Entronnenen eine gastfreundliche Aufnahme versprach, fanden sie
nur eifersüchtigen Argwohn, Hinterlist und Heuchelei. Nur mit Mühe
entging Kolumbus diesen Nachstellungen und erlangte so viel, daß er
seine notwendigsten Bedürfnisse an Holz, Wasser und Ballast hier
einnehmen durfte. Aber bei der fortgesetzten Fahrt wurde seine
Standhaftigkeit auf neue Proben gestellt, als ein noch wütenderer
Sturm seinem elenden Schiffchen einen sicheren Untergang drohte. Er
wäre unvermeidlich an der portugiesischen Küste gescheitert, hätte
sich nicht gleichzeitig die Mündung des Tajo vor ihm geöffnet. Die
Besorgnis, einer ungastlichen Behandlung zu begegnen, konnte ihn
nicht abhalten, sich in den Nothafen zu flüchten. Hier am 4. März
glücklich angelangt, gab der Admiral seinen Souveränen vor allen Dingen
durch einen Eilboten, dann aber auch dem König von Portugal Bericht
von seiner Ankunft und bat um die Erlaubnis, vor Lissabon ankern zu
dürfen. Während die ganze Bevölkerung Lissabons sich erstaunt und voll
freudiger Neugier an Bord seines Schiffes drängte, kam ein Brief vom
Könige, der Kolumbus zu einem Besuche einlud. Mit allen Ehren seines
hohen Ranges wurde Kolumbus empfangen. Er durfte sitzend erzählen und
sein Haupt bedeckt halten. Der König Johann verriet durch nichts seinen
Ärger über den Erfolg der Entdeckungsfahrt, und seine Reue, Kolumbus
nicht in eigene Dienste genommen zu haben. Ganz nebenbei bemerkte der
König, es sei wohl noch fraglich, ob nach den Verträgen, die zwischen
Portugal und Spanien bestünden, die neuentdeckten Länder nicht doch
im portugiesischen Machtbereiche lägen. Kolumbus erwiderte, ihm sei
von solchen Verträgen nichts bekannt. Einige Höflinge, denen die Sorge
des Königs Verdruß bereitete, erboten sich nun, mit Kolumbus Händel
anzufangen, um ihn dann hinterrücks zu töten, im Glauben, daß durch den
Tod des Admirals die Entdeckungsfahrten der Spanier überhaupt aufhören
würden. Aber der König wies den Anschlag von sich und wollte Kolumbus
sogar sicheres Geleit mit auf die Reise geben. Kolumbus zog es aber
vor, zu Schiff nach Spanien heimzukehren. Mit seinen Matrosen, seinem
Gold und den übrigen Schätzen und Merkwürdigkeiten, die er mitgebracht
hatte, wollte er in demselben Hafen wieder einlaufen, von dem er
ausgegangen war.
Inzwischen hatte der auf der Pinta vorausgeeilte Alonso Pinzon von
der Entdeckung dem Könige bereits Mitteilung gemacht und bat um eine
besondere Audienz. Der König ließ ihm aber kurzerhand zurückschreiben,
er habe im Gefolge seines Admirals zu erscheinen. Diese königliche
Ungnade brach Alonso das Herz; er starb einige Tage darauf, nachdem er
diese Antwort erhalten hatte.
Am 15. März 1493 kam Kolumbus wieder auf der Reede von Palos an, wo er
unter dem unbeschreiblichen Jubel der ganzen Stadt empfangen wurde, und
am 21. März zog er unter gesteigertem Freudengeschrei des Volkes, unter
Prozessionen und Glockengeläute in Sevilla ein, um vor seinen König zu
eilen.
* * * * *
Ein Eilbote meldete den Majestäten, die damals in Barcelona Hof
hielten, daß ihr Admiral aus der Neuen Welt glücklich zurückgekehrt sei
und vor Begierde brenne, ihnen die Wunder der Neuen Welt vorzuzeigen.
Durch ein schmeichelhaftes Schreiben wurde er eingeladen, schleunigst
an den Hof zu kommen; Mitte April traf Kolumbus ein. Von überallher
strömten die Menschen zusammen, denn das Gerücht der unerhörten
und geglückten Reise flog ihm voran. Sein Empfang war großartig,
überwältigend; es war der glorreichste Tag seines Lebens; die glänzende
Vergeltung für die Verkennung, Verspottung und das jahrelange
Warten. In feierlicher Audienz, die auf dem Markte stattfand, wurde
er empfangen; der König und die Königin, umgeben von den Großen des
Reiches und von unzähligen Rittern aus Kastilien, Katalonien, Valencia
und Aragon, erhoben sich zu seiner Begrüßung, reichten ihm die Hand zum
Kusse und gestatteten, daß er sitzend von seiner Fahrt erzähle -- die
höchste Ehre, die man ihm erweisen konnte.
Das dichterische Wort stand dem Admiral zu Gebote, und so schilderte
er die Entfesselung des Weltmeers und die Entschleierung einer neuen
Welt auf der bisher noch nicht betretenen Erdhälfte. Er zeigte
die mitgebrachten Produkte vor: Goldkörner, Erzbarren, Bernstein,
Baumwolle, Tabak, Zweige und Wurzeln von aromatischen und medizinischen
Pflanzen, Aloe, Mastix, Rhabarber, Mais, Yams, Bataten; er führte gegen
vierzig prächtig gefärbte Papageien und endlich seine sechs Indianer
vor, die er mitgenommen hatte. Dann schilderte er die herrlichen
Tropenlandschaften, die fruchtbaren Gefilde, die Gutartigkeit der
Eingeborenen, von denen er die Überzeugung aussprach, daß sie bald
würden zum Christentume bekehrt werden.
Kolumbus war für kurze Zeit der Meistgefeierte am spanischen Hofe und
der Meistbewunderte der Zeitgenossen. Oft erschien der König zu Pferde,
neben ihm zur Rechten der Thronerbe und zur Linken Kolumbus.
Um diese Zeit soll bei einer Tafel, deren Gäste die Entdeckung des
Kolumbus anzweifelten, dieser ein Ei auf den Tisch gestoßen und gesagt
haben: »So wie dies Ei hier auf dem Tische steht, so sicher habe ich
die Neue Welt entdeckt.« Aber die Geschichte vom »Ei des Kolumbus« ist
von A bis Z erfunden; schon Voltaire hat nachgewiesen, daß sie bereits
fünfzig Jahre vorher in ganz anderem Zusammenhange passiert war.
Auf den Vorschlag des Kolumbus wurden sofort die Vorbereitungen zu
einer neuen Fahrt, einem großen Kolonisationszuge, vorbereitet. In
einem halben Jahre waren vierzehn Karavellen und drei Kauffahrer, also
siebzehn Schiffe insgesamt, ausgerüstet und sehr große Summen zur
Verfügung gestellt. Eine große Zahl von Edelleuten hatte sich zu dem
abenteuerlichen Zuge erboten; Ordensgeistliche folgten ihnen, die als
Glaubensbringer reisen wollten; Ackersleute, die in der Neuen Welt
europäisches Getreide, Zuckerrohr und andere Kulturpflanzen anbauen
sollten; man nahm die ersten europäischen Haustiere, besonders Pferde
und Rinder, Schafe und Schweine, mit, die sich später in der Neuen
Welt ungeheuer vermehrten; Bergleute kamen mit, um die Golddistrikte
auszubeuten. Zimmerleute, Maurer und andere Handwerker sollten für
die Bedürfnisse der Kolonisten sorgen. Eine ansehnliche Truppenmacht
sollte die Ansiedler beschützen, darunter waren besonders zwanzig
Lanzenreiter, die später der Schrecken aller Indianer wurden. Im ganzen
gingen, die Matrosen mitgerechnet, mehr als fünfzehnhundert besoldete
Menschen mit. Für die Lebensbedürfnisse war in umsichtigster Weise
gesorgt; den Oberbefehl über alle hatte der Vizekönig von Indien,
Christoph Kolumbus.
Aber das meiste mitgelaufene Volk sah sich in dem goldarmen Lande
nur zu bald arg enttäuscht; es erschlaffte in dem feuchtwarmen
Klima und bildete bald, da es arbeitsunfähig und unlustig war, eine
verhängnisvolle Plage für das neue Land.
Der Reiz des Neuen und Wunderbaren liegt nicht mehr über der zweiten
Reise des Admirals. Am 25. September ging die Flotte von Kadix aus
unter Segel und steuerte nach den Kanarien. Schon am 3. November
kam die erste Insel in Sicht, die Sonntagsinsel, Dominica, genannt
wurde. Dann folgten Marigalante, Gudalupe, Monserrate. Vor der Insel
Santa Cruz am 14. November angelangt, hatten sich in einem Kanu sechs
menschenfressende Kariben, vier Männer und zwei Frauen, den Schiffen
genähert und sie ein paar Stunden lang so starr und regungslos
betrachtet, daß ihnen ein zurückkehrendes spanisches Boot unbemerkt den
Weg nach dem Lande abschneiden konnte. Sobald die Wilden bemerkten,
daß die Flucht unmöglich sei, griffen Männer und Weiber zu ihren
vergifteten Pfeilen und fielen die fünfundzwanzig Spanier in dem Boote
an, von denen sie zwei tödlich verwundeten. -- Das spanische Boot warf
das Kanu endlich um, aber die Kariben, schwimmend und im Wasser den
Kampf erneuernd, flüchteten behend ans Land, so daß die Spanier nur
einen einzigen schwer getroffenen Kariben an Bord zurückbrachten.
[Illustration: Die Kerkerzelle, in der Kolumbus auf der Insel Sankt
Domingo bei seiner dritten Reise gefangen gehalten wurde.]
Nachdem man noch einen großen Inselschwarm berührt hatte, wurde die
Insel Puerto-Rico entdeckt. Am 27. November wurde die Stätte endlich
erreicht, wo man vor kaum einem Jahre auf Haiti den Grund zu einer
Kolonie gelegt hatte.
Hätte Kolumbus auch nicht sofort aus dem bangen Schweigen, das längs
der Küste herrschte, eine dunkle Ahnung schöpfen müssen, so konnte
ihn doch bei einem Landen der Anblick des völlig verödeten und
gewaltsam durch Feuer zerstörten Forts über das traurige Schicksal der
zurückgelassenen Landsleute nicht mehr im ungewissen lassen. Bald ergab
sich aus den Berichten der Eingeborenen, daß die Weißen, sobald der
Admiral sich entfernt hatte, sich allen rohen Eingebungen hingegeben
hatten und die Eingeborenen durch Habgier und Gewalttätigkeit bis zum
äußersten trieben; diese hätten ihr Joch aber trotzdem ertragen, wenn
nicht ein feindlich gesinnter Kazike, der auf der Insel allgemein
gefürchtet war, die Weißen überfallen und niedergemetzelt hätte. Da
lagen nun die Habseligkeiten der Europäer jämmerlich umhergestreut; man
stieß auf Leichen, über die seit etwa einem Monat hohes Gras gewachsen
war.
Die Gegend von Navidad eignete sich wegen des Mangels an Steinen nicht
zu einer Neugründung und auch die Ostküste, an der die Gründung der
Stadt Isabella geplant war -- die Straßen waren schon abgesteckt und
der Grundstein zu einer Kirche und einem Spital bereits gelegt -- mußte
wieder verlassen werden, weil der dritte Teil der Einwanderer von
heftigem Fieber befallen wurde. Ein Teil der Flotte und ein Teil der
Kolonisten ging im Februar 1494 wieder nach Spanien zurück, so daß die
Kolonie nunmehr nur noch neunhundert Köpfe zählte.
Unter ihnen gab es eine große Anzahl Mißvergnügter, die bei jeder
Gelegenheit zur Meuterei gegen den Statthalter bereit waren. Auch
gestaltete sich das Verhältnis zu den Eingeborenen höchst unfreundlich;
Überfälle kamen oft genug vor und sie konnten nur durch die
imponierende spanische Reiterei, die die Wilden mehr als den lebendigen
Teufel fürchteten, zurückgeworfen werden.
Am 24. April brach Kolumbus zur weiteren Erforschung der Länder mit
drei Schiffen auf; vor allem wollte er Gewißheit darüber haben, ob Kuba
ein Festland oder eine Insel sei. Unter Androhung von Peitschenhieben
für jeden späteren Widerspruch, läßt er seine Mannschaft eine Urkunde
beschwören, daß sie Kuba für einen Teil des asiatischen Festlandes
halte. Damit ist für ihn die Auffindung des Seewegs nach Indien
erledigt, und er kehrt wieder zu seinen Goldwäschereien auf Haiti
zurück. »+Time is money+«, könnte beinahe ein kolumbisches Wort
sein.
Die Anstrengungen der Reise, die Schlaflosigkeit, zu der ihn die
Pflicht der äußersten Wachsamkeit gebieterisch zwang, hatten die Kräfte
des Admirals so erschöpft, daß er von Bewußtlosigkeit und Ohnmachten
befallen wurde, weshalb man im höchsten Grade um ihn besorgt war.
Man eilte nach Isabella und ließ am 29. September die Anker fallen.
Kolumbus verfiel aber in eine Krankheit, die ihn fünf Monate aufs Lager
warf.
Im Frühjahr 1496 kehrte Kolumbus mit etwa zweihundert untauglichen
Ansiedlern, die der Kolonie teils durch ihren Müßiggang, teils durch
ihre Widersetzlichkeit und teils durch Krankheit zur Last fielen, in
die Heimat zurück.
Am 11. Juni landete er wieder in Kadix und begab sich sofort an den Hof
nach Burgos. Er benützte diese Reise wieder dazu, die vermeintlichen
Schätze Indiens in öffentlichem Gepränge zu zeigen, mit dem er in die
Städte einzog; namentlich mußten sich die mitgenommenen Indianer mit
den Goldfunden schmücken.
Und nun dauerte es bis zum Mai 1498, ehe Kolumbus seine ~dritte~
Reise antreten konnte. Aber da er sich krank fühlte und augenleidend
war, brach er seine Fahrt an der Küste von Venezuela ab, um nach Haiti
zu gehen, wo unterdessen sein Bruder die Stadt San Domingo angelegt
hatte, die älteste europäische Ansiedelung in Amerika, die noch heute
besteht. Am Hafen dieser Stadt ragt noch heutigestags ein Baum empor,
an dem Kolumbus sein Schiff mit Tauen befestigt haben soll.
Die folgenden beiden Jahre waren für Kolumbus die schwersten
seines Lebens; sie bedeuten den Zusammenbruch seiner königlichen
Machtbefugnisse. Er hatte das Zepter des Vizekönigs in der Hand und
sollte es nun mit schmachvollen Ketten vertauschen.
Kolumbus fand die Kolonie in vollem Aufruhr; der Oberrichter Franzisco
Roldan, der seinen hohen Rang nur der Gunst des Kolumbus zu danken
hatte, stand an der Spitze der Aufwiegler. Kolumbus bestrafte ihn,
mußte ihn aber schließlich wieder in sein Amt einsetzen. Allerlei
böse Gerüchte, die über Kolumbus in Umlauf gesetzt wurden, erreichten
sogar die Ohren der spanischen Majestäten, und um dem Gerede zu
steuern, hatte Kolumbus um einen bevollmächtigten königlichen
Untersuchungsrichter gebeten. Und so wurde denn Franzisco de Bobadilla
nach Haiti geschickt, dem selbst Kolumbus, der Vizekönig, Gehorsam zu
leisten hatte, der sich aber vom ersten Augenblick an als ein Feind des
Kolumbus erwies. Dicht wie ein Heuschreckenflug regneten nun die meist
ungerechten und unbegründeten Anklagen der Kolonisten auf Kolumbus
herab, so daß dem Untersuchungsrichter dadurch eine willkürliche
Handhabe geboten war, Kolumbus zu bestrafen. Er ließ ihn in Ketten
werfen und schaffte ihn mitsamt seinen beiden Brüdern nach Europa, wo
sie im November 1500 ankamen.
Kolumbus war durch die Schmach, die man ihm angetan und durch die
Verletzung seiner Privilegien tief gebeugt; er war gebrochen und der
überaus stolze Mann hat diesen jähen Sturz nie mehr überwinden können.
In Spanien machte die Demütigung des großen Entdeckers ungeheures
Aufsehen und auf die Majestäten einen geradezu peinlichen Eindruck. Sie
hatten nicht gewollt, daß der Vizekönig so schmachvoll behandelt werde.
Sie gaben daher sofort Befehl, Kolumbus zu befreien und ihn mit allen
gebührenden Ehren auszuzeichnen. Man schickte ihm zweitausend Dukaten,
seine nächsten Bedürfnisse, die sein Rang erheischte, zu bestreiten.
Er kam vor den Thron und als er vor Ferdinand und Isabella sein Knie
beugte, erstickte heftiges Schluchzen seine Rede. Die Monarchen ließen
ihn aufheben und gaben sich Mühe, ihn zu besänftigen, indem sie
jede Ermächtigung zu Bobadillas Roheit ableugneten und dem Admiral
den vollen Genuß seiner Würden und Privilegien zusicherten. Außerdem
ernannten sie einen neuen, unparteiischen und gerechten Schiedsrichter
in der Person des Nicolas de Ovando, der im Februar 1502 mit einer
ansehnlichen Truppenmacht hinüberging. Bobadilla war freie Rückreise
nach Spanien zugesichert; Roldan und sein aufwieglerischer Anhang wurde
aber gefangengenommen.
So war die Ruhe bald wiederhergestellt. Und um Kolumbus wieder seinem
eigentlichen Berufe zuzuführen, gewährte man dem Admiral, wie er es
gewünscht, zum ~vierten~ Male einige Schiffe, damit er seine
Entdeckung weiterführen könne. Am 9. Mai 1502 brach er mit vier kleinen
Karavellen von Kadix wieder auf. Auf dieser Fahrt begleitete ihn sein
Bruder Bartholomäus und sein dreizehnjähriger Sohn Ferdinand.
Bis zum 15. Juni hatte er eine glückliche Fahrt und erreichte leicht
die Kette der kleinen Antillen bei der Insel Martinique. Der neue
Statthalter Ovando war gerade im Begriff, die erste größere Goldfracht
von zweihunderttausend Goldpesos (also zirka zwei Millionen Mark)
nach Spanien zu senden, als Kolumbus ihn bat, die Reise um acht Tage
zu verschieben, weil ein furchtbarer Orkan bevorstehe, den Kolumbus
aus den Sternen, deren er kundig war, vorausgesagt hatte. Aber seine
Warnung wurde in den Wind geschlagen. Die Flotte lief aus, geriet
wirklich in einen Orkan, und zwanzig Schiffe gingen mit Mann und Maus
unter. Unter den Opfern befanden sich auch die Feinde des Kolumbus,
Bobadilla und Roldan. Als Kolumbus später davon erfuhr, hielt er es für
ein Gottesgericht, das seine Gegner bestrafte.
Am 14. Juli segelte Kolumbus weiter und erreichte Ende des Monats die
Insel Guanaja im Golf von Honduras. Dort stieß er unerwartet auf das
erste Kulturvolk der Neuen Welt, auf etwa fünfundzwanzig Handelsleute
vom Mayastamme, die mit einer großen Barke dreißig Meilen über See
gekommen waren. Sie hatten ihre Frauen und Kinder mit an Bord; das
Schiff hatte ein schattiges Dach von Palmenzweigen zum Schutz gegen
Regen und Sonne. Ihre Waren bestanden in buntgefärbten und gewirkten
Baumwollentüchern und ebensolchen Hemden ohne Ärmel und Schürzen,
Holzschwertern, deren Schneide durch Splitter gebildet wurde, kupfernen
Beilen zum Holzfällen und kupfernen Schüsseln und Schellen. Als Geld
dienten ihnen Kakaobohnen, von denen sie einen großen Vorrat mit sich
führten. Ihre Lebensmittel waren Mais und eßbare Wurzeln. Sie waren
furchtlos, aber von großer Schamhaftigkeit.
Kolumbus fragte auch sie nach dem Goldlande und man wies ihn nach dem
Süden. Aber die Fahrt dahin brachte Sturm, Unwetter, Gefahren und
Enttäuschung; erst am 12. September wurde das Wetter günstiger. Am 25.
September kam Kolumbus zum Indianerdorfe Kariai; hier hielt er Rast, um
die Schiffe, die durch den Sturm arg gelitten hatten, wieder flott zu
machen. Am 5. Oktober steuerten die Schiffe weiter, aber an der Küste
von Veragua überraschte sie ein Sturm, wie sie ihn bisher noch nicht
erlebt hatten. Noch nie hatte man das Meer so hoch, so fürchterlich, so
mit Gischt bedeckt gesehen. Die Schiffe wurden in der See festgehalten,
die wie ein Kessel über starkem Feuer kochte. »Der Himmel sah ganz
entsetzlich aus und flammte Tag und Nacht wie ein Schmelzofen; die
Blitze zuckten derart, daß man fürchten mußte, Segel und Masten würden
davon versengt. Die Donner rollten so grauenhaft, daß wir Angst hatten,
samt und sonders mit den Schiffen verschlungen zu werden. Dabei stürzte
der Regen wie eine Sündflut nieder. Die Mannschaft, die kaum etwas
Eßbares hatte -- denn der Schiffszwieback war voller Würmer -- war so
ermattet, daß sie den Tod als eine Erlösung aus diesem Jammer ansah.
Die Schiffe verloren zweimal ihre Schaluppen, Anker, Takelage und waren
ohne Deck und ohne Segel.« Zum Unglück waren die wurmzerfressenen
Schiffe noch überdies seeuntüchtig.
[Illustration: Das Sterbehaus des Kolumbus in Valladolid in Spanien.]