Coalition ab._] Die Rückwirkung der commerciellen und finanziellen
Krisis in England wurde gleichwohl bei allen Flotten und Armeen der
Coalition empfunden. Die reiche Quelle der Subsidien war versiegt.
Nirgends konnte eine wichtige militärische Operation unternommen werden.
Zu gleicher Zeit waren Friedensvorschläge gemacht und Unterhandlungen
eröffnet worden. Callieres, einer der geschicktesten von den vielen
geschickten Gesandten im Dienste Frankreich’s, war nach den Niederlanden
gesandt worden und hatte eine Menge Conferenzen mit Dykvelt gehabt.
Diese Conferenzen wären vielleicht zu einem baldigen und befriedigenden
Schlusse gelangt, hätte nicht Frankreich um diese Zeit auf einer andren
Seite einen großen diplomatischen Sieg errungen. Seit sieben Jahren
dachte und laborirte Ludwig vergebens daran, die große Potentatenphalanx
zu zerreißen, welche die Furcht vor seiner Macht und seinem Ehrgeize
zusammengebracht hatte und zusammenhielt. Aber seit sieben Jahren waren
alle seine Kunstgriffe durch Wilhelm’s Geschicklichkeit vereitelt
worden, und als der achte Feldzug begann, war die Conföderation noch
nicht durch einen einzigen Abfall geschwächt. Bald jedoch begann man zu
argwöhnen, daß der Herzog von Savoyen im Geheimen mit dem Feinde
unterhandle. Er versicherte Galway, dem Vertreter England’s am Hofe von
Turin, feierlich, daß nicht der mindeste Grund zu einem solchen
Verdachte vorhanden sei und schrieb Wilhelm Briefe, in denen er seinen
Eifer für die gemeinsame Sache betheuerte und dringend um mehr Geld bat.
Diese Verstellung dauerte so lange, bis ein französisches Armeecorps
unter den Befehlen Catinat’s in Piemont erschien. Jetzt warf der Herzog
die Maske ab, schloß Frieden mit Frankreich, vereinigte seine Truppen
mit denen Catinat’s, rückte in’s mailändische Gebiet ein und zeigte den
Verbündeten, die er eben verlassen hatte, an, daß sie Italien für
neutralen Boden erklären müßten, wenn sie ihn nicht zum Feinde haben
wollten. Die Höfe von Wien und Madrid unterwarfen sich in großer Angst
den von ihm vorgeschriebenen Bedingungen. Wilhelm beschwerte sich und
protestirte vergebens; sein Einfluß war nicht mehr das was er gewesen
war. Europa war allgemein der Ansicht, daß der Reichthum und Credit
England’s völlig erschöpft seien, und seine Verbündeten wie seine Feinde
glaubten es ungestraft mit Geringschätzung behandeln zu können. Der
spanische Hof, getreu seinem feststehenden Grundsatze, daß Alles für ihn
und Nichts durch ihn geschehen müsse, hatte die Frechheit, dem Prinzen,
dem er es verdankte, daß er nicht die Niederlande und Catalonien
verloren, Vorwürfe zu machen, weil er nicht Truppen und Schiffe zur
Vertheidigung der spanischen Besitzungen in Italien gesandt habe. Die
kaiserlichen Minister faßten und vollzogen Beschlüsse, welche die
Interessen der Coalition sehr ernst berührten, ohne Den zu fragen, der
der Schöpfer und die Seele der Coalition gewesen war.[33] Ludwig hatte
sich nach dem Scheitern des Mordanschlags in die unangenehme
Nothwendigkeit gefügt, Wilhelm anzuerkennen, und hatte Callieres
ermächtigt, eine Erklärung in diesem Sinne abzugeben. Aber der Abfall
Savoyen’s, die Neutralität Italien’s, die Uneinigkeit unter den
Verbündeten und vor Allem die Verlegenheiten England’s, die in allen
Briefen der Jakobiten in London an die Jakobiten in Saint-Germains noch
übertrieben wurden, bewirkten eine Sinnesänderung. Callieres’ Ton wurde
hochmüthig und anmaßend, er nahm sein Wort zurück und verweigerte jede
Zusage, daß sein Gebieter den Prinzen von Oranien als König von
Großbritannien anerkennen würde. Die Freude der Eidverweigerer war groß.
Sie seien stets überzeugt gewesen, sagten sie, daß der große Monarch
seines eignen Ruhmes und des gemeinsamen Interesses der Souveraine nicht
so uneingedenk sein würde, daß er die Sache seiner unglücklichen Gäste
aufgeben und einen Usurpator seinen Bruder nennen könnte. Sie wüßten aus
sicherster Quelle, daß Se. Allerchristlichste Majestät vor kurzem in
Fontainebleau dem Könige Jakob befriedigende Zusicherungen in dieser
Hinsicht gegeben habe. Es ist in der That Grund zu dem Glauben
vorhanden, daß der Plan einer Invasion unsrer Insel von neuem in
Versailles ernsthaft erwogen wurde.[34] Catinat’s Armee war jetzt frei.
Frankreich, das von Seiten Savoyen’s nichts mehr zu fürchten hatte,
konnte zwanzigtausend Mann zu einer Landung in England entbehren, und
wenn die Noth und Unzufriedenheit bei uns wirklich so groß war, als es
allgemein hieß, so konnte die Nation wohl geneigt sein, fremde Befreier
mit offenen Armen zu empfangen.
So trübe waren Wilhelm’s Aussichten, als er im Herbst 1696 sein Lager in
den Niederlanden mit England vertauschte. Seine englischen Diener sahen
inzwischen seiner Ankunft mit sehr lebhaften und sehr verschiedenen
Gefühlen entgegen. Die ganze politische Welt war durch eine Ursache in
heftige Aufregung versetzt worden, die auf den ersten Anblick einer
solchen Wirkung nicht zu entsprechen schien.
[_Nachforschungen nach jakobitischen Verschwörern in England; Sir Johann
Fenwick._] Während seiner Abwesenheit waren die Nachforschungen nach
Jakobiten, welche bei den Comploten vom vergangenen Winter betheiligt
gewesen waren, nicht eingestellt worden, und von diesen Jakobiten war
keiner in größerer Gefahr als Sir Johann Fenwick. Seine Geburt, seine
Connectionen, die hohe Stellung, die er eingenommen, die unermüdliche
Thätigkeit, mit der er mehrere Jahre lang auf den Umsturz der Regierung
hingearbeitet, und die persönliche Rohheit, mit der er die verstorbene
Königin behandelt hatte, bezeichnete ihn als eine geeignete
Persönlichkeit für ein zu statuirendes Exempel. Es gelang ihm jedoch,
sich den Dienern der Gerechtigkeit zu entziehen, bis die erste Hitze der
Verfolgung vorüber war. In seinem Versteck sann er auf eine List, durch
die er dem Schicksale seiner Freunde Charnock und Parkyns entgehen zu
können meinte. Es bedurfte zweier Zeugen, um ihn zu überführen. Aus dem
Gange der Prozesse seiner beiden Complicen schien ihm klar
hervorzugehen, daß es nur zwei Zeugen gebe, die seine Schuld beweisen
könnten: Porter und Goodman. Sein Kopf war gerettet, wenn einer von
diesen beiden Männern überredet werden konnte sich zu verbergen.
Fenwick war nicht der Einzige, der gewichtige Gründe hatte zu wünschen,
daß Porter und Goodman bewogen werden möchten, England zu verlassen.
Aylesbury war verhaftet und im Tower untergebracht worden, und er wußte
sehr gut, daß, wenn diese beiden Männer gegen ihn auftraten, sein Kopf
in ernster Gefahr sein würde. Seine und Fenwick’s Freunde brachten eine
Summe zusammen, die sie für genügend hielten, und zwei Irländer oder,
wie die damaligen Zeitungen sich ausdrückten, Sumpftraber
+(bogtrotter),+ ein Barbier, Namens Clancy, und ein verabschiedeter
Hauptmann, Namens Donelagh, übernahmen das Werk der Bestechung.
Der erste Versuch wurde bei Porter gemacht. Clancy richtete es so ein,
daß er in einem Wirthshause mit ihm zusammentraf, ließ bedeutungsvolle
Winke fallen, und da er sah, daß diese Winke günstig aufgenommen wurden,
eröffnete er eine ordentliche Unterhandlung. Die offerirten Bedingungen
waren lockend: dreihundert Guineen sogleich, weitere dreihundert, sobald
der Zeuge über dem Wasser war, eine anständige Leibrente, eine
unbedingte Amnestie von König Jakob und einen sichern Aufenthalt in
Frankreich. Porter schien geneigt einzuwilligen, und er war es
vielleicht wirklich. Er sagte er sei noch immer Derselbe, der er
gewesen, im Herzen ein treuer Anhänger der guten Sache; aber er sei über
seine Kräfte geprüft worden. Das Leben sei schön. Leute, die nie in
Gefahr gewesen seien, könnten leicht sagen, daß nur ein Schurke sich
dadurch rette, daß er seine Genossen an den Galgen brächte; ein paar
Stunden in Newgate mit der nahen Aussicht auf eine Schleifpartie nach
Tyburn würden diese Großsprecher wohl lehren, milder zu urtheilen. Nach
wiederholten Besprechungen mit Clancy wurde Porter der Gattin Lord
Fenwick’s, Lady Marie, einer Schwester des Earls von Carlisle,
vorgestellt, und bald war Alles geordnet. Donelagh traf die Vorkehrungen
zur Flucht. Es wurde ein Boot in Bereitschaft gehalten und Fenwick
schrieb die Briefe, welche dem Flüchtlinge den Schutz König Jakob’s
sichern sollten. Zeit und Ort waren festgesetzt, wo er die erste Rate
der versprochenen Belohnung in Empfang nehmen sollte. Aber sein Muth
verließ ihn. Er war in der That so weit gegangen, daß es Wahnsinn von
ihm gewesen wäre, wieder umzukehren. Er hatte Charnock, King, Keyes,
Friend, Parkyns, Rookwood und Cranburne an den Galgen gebracht. Einem
solchen Judas konnte unmöglich jemals wirklich vergeben werden. In
Frankreich, unter den Freunden und Kameraden Derer, die er vernichtet
hatte, würde er keinen Tag seines Lebens sicher gewesen sein. Kein
Begnadigungsbrief mit dem großen Siegel würde den Streich des
Bluträchers abgewendet haben. Ja, wer konnte wissen, ob die ihm
verheißene Belohnung nicht ein Köder war, durch den man das Opfer an den
Ort locken wollte, wo ein furchtbares Geschick seiner wartete? Porter
beschloß, derjenigen Regierung treu zu sein, unter der er allein sicher
sein konnte; er zeigte die ganze Intrigue in Whitehall an und empfing
ausführliche Instructionen von den Ministern. Am Vorabend des zu seiner
Abreise festgesetzten Tages hatte er in einem Wirthshause noch eine
Abschiedszusammenkunft mit Clancy. Dreihundert Guineen waren auf dem
Tische aufgezählt. Porter nahm sie an sich und gab ein Zeichen. Im
nächsten Augenblicke traten mehrere Boten vom Staatssekretariat ins
Zimmer und zeigten einen Verhaftsbefehl vor. Der unglückliche Barbier
wurde ins Gefängniß abgeführt, wegen seines Vergehens in Untersuchung
gezogen, für schuldig erkannt und mit Ausstellung am Pranger
bestraft.[35]
[_Ergreifung Fenwick’s._] Dieser Unfall machte Fenwick’s Lage
gefährlicher als je. Bei der nächsten Session für die City von London
wurde der großen Jury eine Anklagebill auf Hochverrath gegen ihn
vorgelegt. Porter und Goodman traten als Kronzeugen auf und die Anklage
wurde für begründet erklärt. Jetzt dachte Fenwick, es sei hohe Zeit, daß
er sich nach dem Continent aus dem Staube mache. Er traf Anstalten zu
seiner Ueberfahrt, verließ seinen Versteck und begab sich nach Romney
Marsh. Hier hoffte er bis zur Ankunft des Schiffes, das ihn über den
Kanal bringen sollte, ein schützendes Obdach zu finden. Denn obgleich
Hunt’s Etablissement aufgehoben worden war, gab es doch in dieser
einsamen Gegend noch immer Schmuggler, die mehr als ein unerlaubtes
Gewerbe trieben. Der Zufall wollte, daß gerade zwei von diesen Leuten
wegen Beherbergung von Hochverräthern verhaftet worden waren. Als der
Staatsbote, der sie festgenommen, mit ihnen nach London zurückkehrte,
begegnete er auf der Heerstraße Fenwick. Zu seinem Unglück war kein
Gesicht in ganz England so bekannt wie das seinige. „Das ist Sir John,”
sagte der Beamte zu seinen beiden Gefangenen; „steht mir bei, Kinder,
und ich garantire Euch Eure Begnadigung und einen Beutel voll Guineen
dazu.” Das Anerbieten war zu lockend, um es von der Hand zu weisen; aber
Fenwick war besser beritten als seine Gegner, er sprengte mit dem Pistol
in der Hand zwischen ihnen durch und war ihnen bald aus dem Gesicht. Sie
setzten ihm nach, es wurde Lärm gemacht, die Glocken aller Kirchen des
Moores gingen, die ganze Gegend war in Aufruhr; jeder Pfad wurde
besetzt, jedes Dickicht und jede Hütte durchsucht und der Flüchtling
endlich im Bett gefunden. Gerade in diesem Augenblicke kam eine Barke
von sehr verdächtigem Aussehen in Sicht; sie näherte sich dem Ufer und
zeigte die englische Flagge; aber dem erfahrenen Auge der Kentischen
Fischer kam sie ganz wie ein französischer Kaper vor. Es war nicht
schwer, den Zweck ihres Erscheinens zu errathen. Nachdem sie eine Weile
vergebens ihren Passagier erwartet hatte, ging sie wieder in See.[36]
Zu seinem Unglück gelang es Fenwick, die Wachsamkeit seiner Hüter in so
weit zu täuschen, daß er mit Bleistift einen kurzen Brief an seine Frau
schreiben konnte. Jede Zeile enthielt Beweise für seine Schuld. Es sei
Alles vorbei, schrieb er, er sei ein todter Mann, wenn seine Freunde ihm
nicht durch Fürsprache Begnadigung auswirken könnten. Vielleicht gelinge
es den vereinten Bitten aller Howards. Er wolle außer Landes gehen,
wolle feierlich versprechen, nie wieder den Fuß auf englischen Boden zu
setzen und nie wieder den Degen gegen die Regierung zu ziehen. Oder
vielleicht würde es auch möglich sein, einen oder zwei Geschworne zu
erkaufen, damit sie die übrigen durch Hunger zur Nachgiebigkeit zwängen.
„Dies allein kann mich retten,” schrieb er. Das Billet wurde auf dem
Wege zur Post aufgefangen und nach Whitehall geschickt. Fenwick kam bald
darauf in London an und wurde vor die Lords Justices gebracht. Zuerst
schlug er einen hohen Ton an und bot seinen Anklägern Trotz. Man hielt
ihm entgegen, daß er nicht immer so zuversichtlich gewesen sei, und
legte ihm den Brief an seine Frau vor. Er hatte noch keine Ahnung davon
gehabt, daß derselbe in andere Hände gekommen sei als für die er
bestimmt war. Seine Angst und Bestürzung waren groß; er sah ein, daß,
wenn er sogleich vor ein Geschworengericht gestellt wurde, seine
Verurtheilung unvermeidlich war. Eine Hoffnung blieb ihm. Wenn er den
Beginn seines Prozesses einige Zeit hinziehen konnte, so verließen die
Richter die Stadt, um ihre Rundreise anzutreten; dadurch wurden einige
Wochen gewonnen und im Laufe dieser paar Wochen konnte etwas gethan
werden.
[_Fenwick’s Bekenntniß._] Er wendete sich speciell an den
Obersthofmeister Devonshire, mit dem er früher auf ziemlich
freundschaftlichem Fuße gestanden hatte. Der Unglückliche erklärte, er
überlasse sich ganz und gar der königlichen Gnade, und erbot sich Alles
zu enthüllen was er von den Anschlägen der Jakobiten wisse. Daß er viel
davon wisse, konnte Niemand bezweifeln. Devonshire rieth seinen Kollegen
mit der Untersuchung so lange anzustehen, bis man die Willensmeinung des
Königs eingeholt habe. Dieser Rath wurde befolgt. Der König wurde vom
Geschehenen benachrichtigt und in seiner bald eintreffenden Rückantwort
befahl er Devonshire, das schriftliche Bekenntniß des Gefangenen
entgegenzunehmen und es schleunigst nach den Niederlanden zu senden.[37]
Fenwick hatte nun zu überlegen, was er bekennen sollte. Hätte er seinem
Versprechen gemäß Alles enthüllt was er wußte, so kann es keinem Zweifel
unterliegen, daß seine Aussagen viele jakobitische Cavaliere, Gentlemen
und Geistliche ernstlich compromittirt haben würden. Aber obgleich er
gar nicht gern sterben wollte, so war doch die Anhänglichkeit an seine
Partei bei ihm stärker als die Todesfurcht. Es kam ihm der Gedanke, eine
Geschichte zusammenzusetzen, die möglicherweise für genügend erachtet
werden könnte, um ihm Begnadigung zu gewähren, die zum mindesten seinen
Prozeß um einige Monate verzögerte, dabei doch keinen einzigen
aufrichtigen Anhänger der verbannten Dynastie Schaden brachte, den
Feinden dieser Dynastie aber Angst und Verlegenheit bereitete und den
Hof, den Staatsrath und das Parlament Wilhelm’s mit Furcht und Haß
erfüllte. Er wollte nichts sagen, was die ächten Jakobiten
compromittiren konnte, welche zu wiederholten Malen mit geladenen
Pistolen und gesattelten Pferden die Landung des rechtmäßigen Königs in
Begleitung einer französischen Armee erwartet hatten. Aber wenn es
falsche Jakobiten gab, welche ihren verbannten Souverain Jahr aus Jahr
ein mit Anhänglichkeitsversicherungen und Dienstversprechungen zum
Besten gehabt und doch bei jeder wichtigen Krisis eine Entschuldigung
dafür gefunden hatten, daß sie ihn hintergingen, und die in diesem
Augenblicke zu den Hauptstützen des Thrones des Usurpators gehörten,
warum sollte er sie schonen? Daß es solche falsche Jakobiten gab, die
hohe Staatsämter und Militärcommandos bekleideten, hatte Fenwick guten
Grund zu glauben. Er konnte zwar nichts gegen sie aussagen, worauf ein
ordentlicher Gerichtshof gehört haben würde, denn keiner von ihnen hatte
ihm je einen Auftrag oder einen Brief für Frankreich anvertraut und
Alles was er von ihren Verräthereien wußte, hatte er aus zweiter und
dritter Hand. Aber an ihrer Schuld zweifelte er nicht. Einer von ihnen
war Marlborough. Er hatte, nachdem er Jakob an Wilhelm verrathen, dies
wieder gut zu machen versprochen, indem er Wilhelm an Jakob verriethe,
und hatte endlich nach vielem Intriguiren Jakob abermals verrathen und
sich mit Wilhelm ausgesöhnt. Godolphin hatte ähnliche Täuschungen
verübt. Er hatte lange Zeit schöne Worte nach Saint-Germains
geschrieben, hatte dafür ein Begnadigungsversprechen erlangt und mit
diesem Versprechen in seinem geheimen Schubkasten hatte er die
Verwaltung der Finanzen der bestehenden Regierung beibehalten. Einen
solchen Mann ins Verderben zu stürzen, wäre eine gerechte Strafe für
seine Schlechtigkeit und ein großer Dienst für König Jakob gewesen. Noch
wünschenswerther war es, den Ruf und Einfluß Russell’s und Shrewsbury’s
zu zerstören. Beide waren ausgezeichnete Mitglieder der Partei, welche
unter verschiedenen Namen durch drei Generationen eine unversöhnliche
Feindschaft gegen die Könige des Hauses Stuart bewiesen hatte. Beide
hatten eine große Rolle in der Revolution gespielt. Beide hatten das
Schreiben unterzeichnet, welches den Prinzen von Oranien aufgefordert
hatte, nach England zu kommen. Einer von ihnen war jetzt sein Minister
für die Marineangelegenheiten, der andre sein erster Staatssekretär;
aber keiner von beiden war ihm beständig treu geblieben. Beide hatten
bald nach seiner Thronbesteigung mit heftigem Unwillen seine weise und
hochherzige Unparteilichkeit gesehen, die ihren durch Parteigeist
verblendeten Augen als ungerechte und undankbare Parteilichkeit gegen
die Tories erschien und beide hatten in ihrem Grolle Agenten von
Saint-Germains ein geneigtes Ohr geliehen. Russell hatte bei Allem was
ihm heilig war geschworen, daß er selbst seinen verbannten Souverain
zurückbringen werde. Aber das Gelübde war kaum ausgesprochen gewesen,
als es auch schon gebrochen wurde, und er, indem die königliche Familie
einen zweiten Monk zu finden gehofft, hatte die Hoffnungen dieser
Familie bei La Hogue zertrümmert. Shrewsbury war nicht so weit
gegangen. Doch auch er hatte, während er Wilhelm grollte, mit den
Agenten Jakob’s verkehrt. Mit der Macht und dem Rufe dieser beiden
hochstehenden Männer waren die Macht und der Ruf der ganzen Whigpartei
innig verkettet. Diese Partei war jetzt, nach einigen Zwistigkeiten, die
eigentlich keine größere Bedeutung gehabt hatten als Liebeszwiste, mit
Wilhelm herzlich ausgesöhnt und durch die stärksten Bande an ihn
gefesselt. Wenn diese Bande zerrissen, wenn er bewogen werden konnte,
den einzigen Verein von Männern, der seinen Interessen aus Prinzip und
mit Begeisterung zugethan war, mit Mißtrauen und Widerwillen zu
betrachten, so hatten seine Feinde in der That Ursache sich zu freuen.
In dieser Absicht übergab Fenwick Devonshire ein Schriftstück, das mit
solcher Schlauheit abgefaßt war, daß es wahrscheinlich ernstes Unheil
über den Fürsten an den es gerichtet war, gebracht haben würde, wäre
dieser Fürst nicht ein Mann von wunderbarem Scharfblick und wunderbarer
Seelengröße gewesen. Die Schrift sagte soviel wie gar nichts über
diejenigen jakobitischen Complots, bei denen der Verfasser selbst
betheiligt gewesen war und deren Einzelheiten er alle genau kannte. Sie
enthielt nichts, was irgend einer der bestehenden Ordnung der Dinge
wirklich feindlich gesinnten Person den geringsten Nachtheil hätte
bringen können. Die ganze Erzählung bestand aus größtentheils nur zu
wahren, sich aber auf keine bessere Autorität als Hörensagen gründenden
Geschichten von den Intriguen einiger hochgestellter Militärs und
Staatsmänner, die, mochte ihr früheres Verhalten gewesen sein, welches
es wollte, jetzt wenigstens Wilhelm aufrichtig unterstützten. Godolphin,
behauptete Fenwick, habe einen Sitz im Schatzamte angenommen, mit
Bewilligung und zum Nutzen König Jakob’s. Marlborough habe versprochen,
mit der Armee, Russell, mit der Flotte überzugehen. Shrewsbury habe,
während er nicht im Amte gewesen, mit Middleton gegen Regierung und
König conspirirt. Die Whigs seien in der That jetzt die Günstlinge in
Saint-Germains. Viele alte Freunde des erblichen Rechts seien durch die
Bevorzugung, welche Jakob den Neubekehrten angedeihen lasse,
eifersüchtig geworden. Ja, man habe ihn sogar die zuversichtliche
Hoffnung äußern hören, daß die Monarchie durch die nämlichen Hände
wieder aufgerichtet werden würde, die sie gestürzt hätten.
Dies war Fenwick’s Bekenntniß. Devonshire nahm es in Empfang und
schickte es durch einen Expressen nach den Niederlanden, ohne seine
Collegen im Staatsrathe von dem Inhalte zu unterrichten. Die
angeschuldigten Minister beschwerten sich späterhin bitter über diese
Handlungsweise. Devonshire führte zu seiner Vertheidigung an, er sei vom
Könige speciell beauftragt worden, die Aussagen des Gefangenen
entgegenzunehmen, und habe als treuer Diener der Krone die Verpflichtung
gehabt, diese Aussagen Seiner Majestät, und nur Seiner Majestät
mitzutheilen.