Es gab zwar noch etwas gemünztes Geld, das der Verstümmelung entgangen

war, und Sixpencestücke, die nicht bis über den innern Rand beschnitten

waren, coursirten noch in ziemlicher Menge. Dieses alte Geld bildete mit

dem neuen einen dürftigen Silbervorrath, der mit Hülfe des Goldes der

Nation den Sommer über durchhelfen sollte.[6] Die Fabrikanten wußten es

im Allgemeinen, wenn auch mit größter Mühe, einzurichten, daß sie ihre

Arbeiter mit Münze bezahlen konnten.[7] Die höheren Stände scheinen in

bedeutendem Maße auf Credit gelebt zu haben. Selbst ein wohlhabender

Mann besaß selten die Mittel, um die Wochenrechnungen seines Bäckers und

Fleischers bezahlen zu können.[8] Eine Schuldverschreibung von der Hand

eines solchen Mannes wurde jedoch in der Gegend, wo man seine

Vermögensverhältnisse und seinen Character genau kannte, gern genommen.

So circulirten die Noten der reichen Geldwechsler von Lombard Street in

weiten Kreisen.[9] Die Billets der Bank von England thaten gute Dienste

und würden ohne den unglücklichen Mißgriff, zu dem sich das Parlament

kürzlich durch Harley und Foley hatte verleiten lassen, noch bessere

Dienste gethan haben. Das Vertrauen des Publikums zu dieser mächtigen

und reichen Compagnie war durch das Edict, welches die Landbank

errichtete, erschüttert worden. Man konnte mit gutem Grunde zweifeln, ob

die beiden rivalisirenden Institute neben einander würden bestehen

können, und das jüngere von beiden schien der Liebling der Regierung und

der Legislatur zu sein. Die Actien der Bank von England waren rasch von

hundertzehn auf achtundachtzig gefallen. Zu gleicher Zeit verschworen

sich die Goldschmiede gegen diese reiche Compagnie, der sie von

vornherein nicht hold gewesen waren. Sie kauften überall ihre Noten auf,

und am 4. Mai, als die Schatzkammer eben den größten Theil des alten

Geldes verschlungen hatte und von dem neuen noch so viel wie nichts

ausgegeben war, strömten sie nach Grocers’ Hall und drangen auf

sofortige Umwechselung. Ein einziger Goldschmied verlangte

dreißigtausend Pfund. Die Directoren handelten in dieser bedrängten Lage

mit Einsicht und Festigkeit. Sie verweigerten die Einlösung der

böswillig aufgesammelten und präsentirten Noten und stellten es den

Inhabern anheim, in Westminster Hall ihr Recht zu suchen. Andere

Creditoren, welche +bona fide+ das ihnen Gebührende verlangten, wurden

befriedigt. Die Verschwörer triumphirten nun über die mächtige

Corporation, die sie haßten und fürchteten. Die Bank, welche erst vor

Kurzem unter so glänzenden Auspicien ins Leben getreten, die anscheinend

dazu bestimmt gewesen sei, eine Revolution im Handel und Geldwesen

hervorzubringen, die der Stolz London’s und der Neid Amsterdam’s

gewesen, sei schon insolvent, ruinirt, entehrt. Es erschienen

erbärmliche Pasquille, wie unter andren: +„The Trial of the Land Bank

for Murdering the Bank of England,” „The Last Will and Testament of the

Bank of England,” „The Epitaph of the Bank of England,” „The Inquest on

the Bank of England.”+ Doch trotz all’ dieses Geschreis und Gespötts

berichteten die Correspondenten der Generalstaaten, daß die Bank von

England in der öffentlichen Achtung thatsächlich nicht gesunken sei und

daß das Verfahren der Goldschmiede allgemein getadelt werde.[10]

Die Directoren überzeugten sich bald von der Unmöglichkeit, selbst das

zur Befriedigung der +bona fide+ an sie gemachten Anforderungen

benöthigte Silber herbeizuschaffen. Sie ersannen daher ein neues

Auskunftsmittel. Sie verlangten von den Actionären einen Zuschuß von

zwanzig Procent und brachten dadurch eine Summe auf, die sie in den

Stand setzte, jedem Applikanten fünfzehn Procent von seiner Forderung in

gemünztem Gelde auszuzahlen. Sie gaben ihm die Note zurück, nachdem sie

die geleistete theilweise Zahlung auf derselben bemerkt hatten.[11] Ein

paar Noten mit dieser Bemerkung werden noch zur Erinnerung an jenes

schlimme Jahr in den Archiven der Bank aufbewahrt. Das Papier des

Instituts circulirte nach wie vor; aber der Werth schwankte heftig von

Tag zu Tag, ja von Stunde zu Stunde, denn die öffentliche Meinung war in

einem so reizbaren Zustande, daß die absurdeste Lüge, die ein

Stockjobber erfinden konnte, hinreichte, um den Cours zum Steigen oder

zum Fallen zu bringen. Einmal betrug der Discont nur sechs Procent, ein

andermal vierundzwanzig Procent. Eine Zehnpfundnote, die am Morgen zu

mehr als neun Pfund genommen worden, war oft gegen Abend keine acht

Pfund mehr werth.[12]

Ein andres und unter den damaligen Umständen zweckentsprechenderes

Ersatzmittel für klingendes Courantgeld verdankte sein Entstehen dem

Scharfsinn Montague’s. Es war ihm gelungen, in Harley’s Landbankbill

eine Klausel aufnehmen zu lassen, welche die Regierung ermächtigte, ein

Papiergeld auszugeben, das täglich drei Pence Zinsen für hundert Pfund

trug. Inmitten der altgemeinen Noth und Verwirrung erschienen die ersten

Schatzkammerscheine, auf verschiedene Beträge von hundert Pfund bis

herab zu fünf Pfund lautend. Dieses Zahlungsmittel wurde durch die Post

rasch über das ganze Land verbreitet und war überall willkommen. Die

Jakobiten zogen in jedem Kaffeehause heftig darüber her und schrieben

viel schlechte Verse dagegen, doch mit nur geringem Erfolg. Der Plan

fand so günstige Aufnahme, daß die Minister einmal beschlossen,

Zwanzigschillingscheine und sogar Funfzehnschillingscheine zur Bezahlung

der Truppen auszugeben. Dieser Beschluß scheint jedoch nicht zur

Ausführung gekommen zu sein.[13]

Man kann sich schwer denken, wie ohne die Schatzkammerscheine die

Regierung des Landes während dieses Jahres hätte ihren regelmäßigen Gang

beibehalten können. Jede Einnahmequelle war durch den Stand des

Geldmarktes geschmälert und eine Quelle, von der das Parlament

zuversichtlich mehr als die Hälfte der zur Bestreitung der Kriegskosten

erforderlichen Summe erwartet, hatte nicht einen Farthing eingetragen.

[_Finanzkrisis._] Die von der Landbank gehoffte Summe betrug nahe an

zwei Millionen sechshunderttausend Pfund. Von dieser Summe war die

Hälfte zu zeichnen und ein Viertel am 1. August einzuzahlen. Der König

hatte noch unmittelbar vor seiner Abreise ein Decret unterzeichnet,

welches bestimmte Commissare, unter denen Harley und Foley die

bedeutendsten waren, zur Empfangnahme der Namen der Subscribenten

ernannte.[14] Es wurde im Saale des mittleren Temple eine zahlreiche

Versammlung von Personen gehalten, die bei dem Plane interessirt waren.

Ein Subscriptionsbureau wurde in Exeter Change, ein andres in Mercers’

Hall eröffnet. Vierzig Agenten reisten durch das Land und verkündeten

der Landgentry aller Grafschaften das Herannahen des goldenen

Zeitalters hoher Renten und niedriger Zinsen. Der Regentschaftsrath

zeichnete, um der Nation mit gutem Beispiele voranzugehen, fünftausend

Pfund für den König, und die Zeitungen versicherten der Welt, daß

die erforderliche Summe sehr bald voll werden würde.[15] Als aber

drei Wochen vergangen waren, fand es sich, daß zu den vom Könige

beigesteuerten fünftausend Pfund nur noch funfzehnhundert gekommen

waren. Viele wunderten sich darüber; allein es war sehr wenig Grund

dazu. Die Summe, welche die Freunde des Planes aufzubringen übernommen

hatten, konnte nur von den Feinden des Planes beschafft werden. Die

Landgentlemen waren dem Plane Harley’s hold; aber nur deshalb, weil sie

Geld zu niedrigem Zinsfuße entlehnen wollten, und da sie Geld entlehnen

wollten, waren sie natürlich nicht im Stande, welches herzugeben. Nur

die vermögende Klasse konnte das zum Bestehen der Landbank Nöthige

liefern, und die Landbank hatte eingestandenermaßen den Zweck, den

Gewinn der vermögenden Klasse zu vermindern, ihren politischen Einfluß

zu vernichten und ihre sociale Stellung zu erniedrigen. Da die Wucherer

nicht Lust hatten, die Kosten der Unterdrückung des Wuchers selbst zu

bezahlen, so scheiterte der ganze Plan in einer Weise, die im höchsten

Grade lächerlich gewesen wäre, wenn die öffentlichen Angelegenheiten

ein minder beunruhigendes Aussehen gehabt hätten. Der Tag rückte heran,

und die sauber linirten Seiten des Einzeichnungsbuches in Mercers’

Hall waren noch immer leer. Die Commissare wußten nicht was sie denken

sollten. In ihrer Noth baten sie die Regierung um Nachsicht. Viele

große Kapitalisten, sagten sie, möchten gern unterzeichnen; aber sie

zögerten damit, weil die Bedingungen zu hart seien. Das verlangte

Kapital müsse vermindert werden. Wolle der Regentschaftsrath sich

nicht zu einem Nachlasse von dreihunderttausend Pfund verstehen? Die

Finanzen befanden sich in einem so traurigen Zustande und die Briefe,

in denen der König seine Bedürfnisse darstellte, waren so dringend, daß

der Regentschaftsrath schwankte. Die Commissare wurden gefragt, ob sie

sich bei Bewilligung des verlangten Abzugs verbindlich machen würden,

die ganze Summe aufzubringen. Ihre Antwort lautete unbefriedigend. Sie

wagten nicht zu behaupten, daß sie über mehr als achthunderttausend

Pfund gebieten könnten. In Folge dessen wurde die Unterhandlung

abgebrochen. Der 1. August erschien, und der ganze Betrag, den die

ganze Nation zu dem glänzenden Unternehmen beigesteuert hatte, von dem

man sich so viel versprochen, belief sich auf zweitausendeinhundert

Pfund.[16]

Gerade zu diesem Zeitpunkte kam Portland vom Continent an. Wilhelm hatte

ihn mit dem Auftrage abgesandt, um jeden Preis Geld zu schaffen,

gleichviel wie und woher. Der König hatte sich in Holland schon seines

Privatcredits bedient, um seiner Armee Brot geben zu können. Aber es

reichte Alles nicht hin. Er schrieb seinen Ministern, daß, wenn sie ihm

nicht schleunigst Geld schicken könnten, seine Truppen sich entweder

empören oder zu Tausenden desertiren würden. Er wisse wohl, sagte er,

daß es bedenklich sein würde, in seiner Abwesenheit das Parlament

einzuberufen; aber wenn kein andres Mittel ausfindig gemacht werden

könne, müsse man es riskiren.[17] Der in die größte Verlegenheit

versetzte Regentschaftsrath begann jetzt zu wünschen, daß die von den

Commissaren in Mercers’ Hall angebotenen Bedingungen bei aller ihrer

Härte angenommen worden wären. Die Unterhandlung wurde wieder

angeknüpft. Shrewsbury, Godolphin und Portland, als Agenten der

Regierung, hatten mehrere Conferenzen mit Harley und Foley, welche vor

Kurzem behauptet hatten, daß achthunderttausend Pfund bereit seien, für

die Landbank gezeichnet zu werden. Die Minister gaben die Zusicherung,

daß, wenn in diesem Augenblicke nur die Hälfte dieser Summe vorgestreckt

werden könnte, Diejenigen, welche dem Staate diesen Dienst erzeigt

hätten, in der nächsten Session als Nationallandbank incorporirt werden

sollten. Harley und Foley versprachen zuerst mit zuversichtlicher Miene

das Verlangte aufzubringen. Aber sie nahmen bald ihr Wort zurück und

zeigten große Lust, wegen Kleinigkeiten peinlich und streitsüchtig zu

sein; schließlich schrumpften die achthunderttausend Pfund zu

vierzigtausend zusammen, und selbst diese vierzigtausend waren nur unter

harten Bedingungen zu haben.[18] So endete die große Täuschung der

Landbank. Die Vollmacht erlosch und die Bureaux wurden geschlossen.

Jetzt nahm der der Verzweiflung nahe Regentschaftsrath seine Zuflucht

zur Bank von England. Zweihunderttausend Pfund waren die geringste

Summe, welche zur Bestreitung der dringendsten Bedürfnisse des Königs

genügte. Würde die Bank von England diese Summe vorstrecken? Die

Kapitalisten, welche die erste Stimme bei diesem Institute hatten, waren

übelgestimmt und nicht ohne Grund. Aber freundliche Worte, dringende

Bitten und glänzende Versprechungen wurden nicht gespart, der ganze

Einfluß Montague’s, der mit Recht groß war, wurde aufgeboten; die

Directoren versprachen ihr Möglichstes zu thun; aber sie fürchteten, daß

es ihnen nicht möglich sein würde die Summe herbeizuschaffen, ohne von

ihren Actionären eine zweite Einzahlung von zwanzig Procent zu

verlangen. Die Frage mußte einer Generalversammlung vorgelegt werden, in

einer solchen Versammlung waren über sechshundert Personen

stimmberechtigt und das Ergebniß war sehr zweifelhaft. Die Actionäre

wurden zu einer Versammlung in Mercers’ Hall für den 15. August

eingeladen. Während der peinlichen Zwischenpause der Ungewißheit schrieb

Shrewsbury in einem so tragischen Tone an seinen Gebieter, wie man ihn

in officiellen Briefen nicht häufig findet. „Wenn dies nicht gelingt,

dann weiß Gott was geschehen soll. Doch es muß Alles versucht und gewagt

werden, ehe wir uns hinlegen und sterben.”[19] Am 15. August, der eine

wichtige Epoche in der Geschichte der Bank bezeichnet, wurde die

Generalversammlung abgehalten. Den Vorsitz führte Sir Johann Houblon,

der Gouverneur, der zugleich Lordmayor von London, und, was unsrer Zeit

sonderbar vorkommen würde, ein Commissar der Admiralität war. Sir John

schilderte in einer Rede, von der jedes Wort niedergeschrieben und von

den Directoren reiflich erwogen worden war, den Stand der Sache und bat

die Versammlung dringend, dem Könige Wilhelm beizustehen. Es wurde

anfangs ein wenig gemurrt. „Wenn unsere Noten genügten,” sagte man, „so

würden wir gern bereit sein, Sr. Majestät zu Hülfe zu kommen; aber

zweihunderttausend Pfund in klingender Münze zu einer Zeit wie die

gegenwärtige --.” Der Gouverneur erklärte kurz und entschieden, daß nur

Gold oder Silber den Bedürfnissen der Armee in Flandern genügen könne.

Es wurde endlich über die Frage abgestimmt, und jede Hand im Saale erhob

sich für die Uebersendung des Geldes. Die Briefe von der holländischen

Gesandtschaft benachrichtigten die Generalstaaten, daß das Ergebniß

dieses Tages die Bank und die Regierung eng mit einander verbunden habe

und daß mehrere Minister unmittelbar nach der Versammlung Actien gekauft

hätten, nur um dem Institute, das dem Staate einen so großen Dienst

erzeigt, einen Beweis ihrer Anhänglichkeit zu geben.[20]

[_Anstrengungen um dem Geldmangel abzuhelfen._] Inzwischen wurden

energische Anstrengungen gemacht, um die Umprägung zu beschleunigen.

Seit der Restauration war die Münze, wie alle anderen öffentlichen

Anstalten im ganzen Lande, ein Nest von Müßiggängern und

Arbeitsmaschinen gewesen. Der wichtige Posten des Münzmeisters, der

zwischen sechs- und siebenhundert Pfund jährlich eintrug, war eine bloße

Sinekure geworden und mit einer Reihe eleganter Gentlemen besetzt

gewesen, die am Hazardspieltische zu Whitehall wohl bekannt waren, die

sich aber nie herabließen, dem Tower zu nahe zu kommen. Dieser Posten

war eben vakant geworden und Montague hatte ihn für Newton erlangt.[21]

Die Geschäftstüchtigkeit, der Fleiß und die strenge Rechtschaffenheit

des großen Philosophen bewirkten bald eine vollständige Revolution in

dem seiner Leitung anvertrauten Departement.[22] Er widmete sich seiner

Aufgabe mit einer Thätigkeit, die ihm keine Zeit zu den Studien übrig

ließ, in denen er Archimedes und Galilei übertroffen hat. Bis das große

Werk vollendet war, widerstand er mit Festigkeit und fast mit Unmuth

jedem Versuche, den Männer der Wissenschaft sowohl im Inlande als auf

dem Continente machten, ihn von seinen Amtspflichten abzuziehen.[23] Die

bisherigen Beamten der Münze hatten es für wunder etwas Großes gehalten,

wenn in einer Woche funfzehntausend Pfund Sterling Silbergeld geprägt

wurden. Als Montague von dreißig- bis vierzigtausend sprach, erklärten

diese Männer der Form und des Hergebrachten die Sache für unausführbar.

Aber die Energie des jungen Kanzlers der Schatzkammer und seines

Freundes, des Münzwardeins, bewirkte noch viel größere Wunder. Bald

gingen neunzehn Prägewerke zu gleicher Zeit im Tower. So schnell als in

London Leute zu der Arbeit angelernt werden konnten, wurden Gruppen

derselben nach anderen Theilen des Landes geschickt. In Bristol, York,

Exeter, Norwich und Chester wurden Münzen errichtet. Diese Maßregel war

im höchsten Grade populär. Die Maschinen und Arbeiter wurden an den

neuen Bestimmungsorten mit Glockengeläute und Kanonensalven empfangen.

Die wöchentliche Emission stieg auf sechzigtausend, auf achtzigtausend,

auf hunderttausend und endlich auf hundertzwanzigtausend.[24] Doch

selbst diese Emission, die nicht nur alle bisherigen Emissionen, sondern

auch alle Erwartungen übertraf, war unbedeutend im Vergleich zu dem

Bedarf der Nation. Auch kam nicht alles neugeprägte Silber in den

Verkehr, denn während des Sommers und Herbstes waren diejenigen

Politiker, welche eine Erhöhung des Nominalwerthes der Münzen wünschten,

thätig und laut und man erwartete allgemein, daß sogleich nach dem

Wiederzusammentritt des Parlaments der Münzfuß herabgesetzt werden

würde. Natürlich wollte Niemand, der es für wahrscheinlich hielt, daß er

in nicht ferner Zeit eine Schuld von einem Pfund Sterling mit drei

Kronenstücken anstatt mit vier werde bezahlen können, bis zu dieser Zeit

ein Kronenstück ausgeben, das meiste gemünzte Geld wurde daher

zurückgelegt.[25] Die Monate Mai, Juni und Juli vergingen ohne eine

merkliche Zunahme in der Quantität des guten Geldes. Erst im August

konnte ein aufmerksamer Beobachter die ersten schwachen Anzeichen des

wiederkehrenden Wohlstandes erkennen.[26]

[_Noth des Volks; seine Stimmung und sein Verhalten._] Die Noth der

unteren Volksklassen war groß und wurde noch vermehrt durch die

Thorheiten der Magistratsbeamten und durch die Kunstgriffe der

Mißvergnügten. Ein Squire, der zu dem Quorum gehörte, hielt es zuweilen

für seine Schuldigkeit, in dieser schweren Prüfungszeit gegen seine

Nachbarn die Billigkeit vorwalten zu lassen; da aber nicht zwei von

diesen ländlichen Prätoren genau dieselben Begriffe von der Billigkeit

hatten, so wurde durch ihre Edicte die Verwirrung immer ärger. In dem

einen Kirchspiele wurde den Leuten, in offenem Widerspruch mit dem

Gesetz, Gefängnißstrafe angedroht, wenn sie sich weigerten, beschnittene

Schillinge in Zahlung anzunehmen. Im nächsten Kirchspiel war es

gefährlich, solche Schillinge anders als nach dem Gewicht

auszugeben.[27] Die Feinde der Regierung waren zu gleicher Zeit in ihrem

Berufe unermüdlich thätig. Sie haranguirten an allen öffentlichen Orten,

vom Chokoladenhause in Saint-James Street bis zu der mit Sand bestreuten

Küche der Dorfschenke. In Versen und in Prosa stachelten sie die

leidende Menge zur bewaffneten Erhebung auf. Von den Schriften, welche

sie damals erscheinen ließen, war die bemerkenswertheste von einem

abgesetzten Priester, Namens Grascombe, geschrieben, dessen Heftigkeit

und Gemeinheit sich die achtungswertheren Eidverweigerer schon längst

schämten. Er that jetzt sein Möglichstes, um den Pöbel zu überzeugen,

daß diejenigen Parlamentsmitglieder, welche für die Wiederherstellung

der Valuta gestimmt hatten, in Stücken zerrissen werden müßten.[28] Es

wäre zuviel gesagt, wollte man behaupten, daß das böswillige Treiben

dieses Mannes und Anderer seines Gelichters auf eine Bevölkerung, die

ohne Widerrede schwer geprüft wurde, keinen Eindruck gemacht habe. Es

fanden in verschiedenen Gegenden des Landes Unruhen statt, die aber mit

leichter Mühe und, soweit es sich ermitteln läßt, ohne einen Tropfen

Blut zu vergießen, unterdrückt wurden.[29] An einem Orte belagerte ein

Haufen armer unwissender Geschöpfe, durch einen nichtswürdigen Agitator

angereizt, das Haus eines whiggistischen Parlamentsmitgliedes und

verlangte lärmend die Umwechselung ihres zu leichten Geldes. Der

Gentleman willigte ein, es ihnen umzutauschen und fragte wieviel sie

mitgebracht hätten. Nach einer Weile vermochten sie nicht mehr als eine

einzige beschnittene halbe Krone aufzuweisen.[30] Tumulte wie dieser

wurden in der Entfernung zu Aufständen und Metzeleien vergrößert. In

Paris wurde in gedruckten Schriften allen Ernstes versichert, daß in

einer englischen Stadt, welche nicht genannt war, ein Soldat und ein

Fleischer wegen eines Goldstücks in Streit gerathen seien, daß der

Soldat den Fleischer getödtet, daß der Gehülfe des Fleischers hierauf

ein Hackmesser ergriffen und den Soldaten erschlagen habe, daß sich ein

großer Kampf entsponnen habe und daß funfzig Todte auf dem Platze

geblieben seien.[31] In der Wirklichkeit aber war das Benehmen der

großen Masse des Volks über alles Lob erhaben. Als die Richter im

September von ihren Rundreisen zurückkehrten, berichteten sie, daß die

Stimmung der Nation vortrefflich sei.[32] Sie zeige eine Geduld, eine

Einsicht, eine Gutherzigkeit und eine Zuverlässigkeit, die Niemand

erwartet habe. Jedermann sehe ein, daß nur gegenseitige Unterstützung

und gegenseitige Nachsicht die Gesellschaft vor Auflösung bewahren

könne. Auf einen hartherzigen Gläubiger, der streng auf den Tag

Bezahlung in klingender Münze verlange, werde mit Fingern gezeigt und er

von seinen eigenen Gläubigern mit Forderungen bestürmt, die ihn bald zur

Vernunft brächten. Sehr besorgt war man wegen der Truppen gewesen. Es

war kaum möglich, sie regelmäßig zu bezahlen; wenn sie nicht regelmäßig

bezahlt wurden, mußte man mit gutem Grunde befürchten, daß sie ihren

Bedürfnissen durch Raub genügen würden, und solche Räubereien ließ sich

die Nation, welche ganz und gar nicht an militärische Erpressung und

Tyrannei gewöhnt war, gewiß nicht ruhig gefallen. Merkwürdigerweise

herrschte jedoch während dieses prüfungsreichen Jahres ein besseres

Einvernehmen zwischen den Soldaten und der übrigen Gesellschaft, als man

es je gekannt hatte. Die Gentry, die Landwirthe und die Krämer lieferten

den Rothröcken ihre Bedürfnisse in so freundlicher und liberaler Weise,

daß es weder Zwistigkeiten noch Marodiren gab. „So schmerzlich diese

Calamitäten empfunden worden sind,” schreibt L’Hermitage, „haben sie

doch etwas Erfreuliches bewirkt: sie haben gezeigt, wie gut der Geist

des Landes ist. Kein Mensch, möge er eine noch so günstige Meinung von

den Engländern gehabt haben, hätte erwarten können, daß eine Zeit

solcher Noth eine Zeit solcher Ruhe sein würde.”

Männer, welche in dem so außerordentlich verwickelten Labyrinth der

menschlichen Dinge die Spuren einer mehr als menschlichen Weisheit zu

erkennen meinten, waren der Ansicht, daß ohne die Einmischung einer

allgütigen Vorsehung der von großen Staatsmännern und großen Philosophen

so mühsam entworfene Plan vollständig und schmachvoll gescheitert sein

würde. Oftmals seit der Revolution waren die Engländer mürrisch und

streitsüchtig, unvernünftig eifersüchtig auf die Holländer und geneigt

gewesen, jeder Handlung des Königs die schlimmste Deutung zu geben.

Hätte der 4. Mai unsere Vorfahren in einer solchen Stimmung gefunden, so

unterliegt es kaum einem Zweifel, daß der drückende Nothstand, indem er

schon gereizte Gemüther noch mehr reizte, einen Ausbruch veranlaßt haben

würde, der Wilhelm’s Thron unfehlbar erschüttert, vielleicht sogar

umgestürzt hätte. Zum Glück war der König in dem Augenblicke wo die

Loyalität der Nation auf die härteste Probe gestellt wurde, populärer

als er es seit dem Tage, an welchem ihm im Bankethause die Krone

überreicht worden, je gewesen war. Die gegen sein Leben angezettelte

Verschwörung hatte allgemeinen Unwillen und Abscheu erweckt. Sein

zurückhaltendes Wesen, seine Anhänglichkeit an Ausländer waren

vergessen. Er war für sein Volk ein Gegenstand der persönlichen

Theilnahme und der persönlichen Zuneigung geworden. Allenthalben strömte

es massenhaft herbei, um das Actenstück zu unterzeichnen, das sie

verpflichtete, ihn zu vertheidigen und zu rächen. Allenthalben trugen

sie Zeichen ihrer Loyalität gegen ihn an den Hüten. Nur schwer war es

abzuhalten, den Wenigen, die sein Recht auf den Thron noch offen zu

bestreiten wagten, eine summarische Bestrafung zu Theil werden zu

lassen. Jakobit war jetzt gleichbedeutend mit Kehlabschneider.

Angesehene jakobitische Laien hatten so eben einen schändlichen

Mordanschlag gemacht. Angesehene jakobitische Priester hatten ganz

unverhohlen und bei der Ausübung eines feierlichen Kirchendienstes ihre

Billigung dieses Mordanschlags ausgesprochen. Viele rechtschaffene und

fromme Männer, die der Meinung waren, daß ihre Unterthanentreue noch

immer Jakob gebühre, hatten entrüstet jede Verbindung mit Zeloten

abgebrochen, welche zu glauben schienen, daß ein guter Zweck die

schlechtesten Mittel heilige. So war die Gesinnung der Nation während

des Sommers und Herbstes 1696, und daher kam es, daß ein drückender

Nothstand, der in jedem der vorhergehenden sieben Jahre sicherlich einen

Aufstand, vielleicht eine Contrerevolution hervorgerufen haben würde,

nicht eine einzige Ruhestörung veranlaßte, welche zu ernst gewesen wäre,

um durch den Stab des Constablers unterdrückt werden zu können.

Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Elfter Band: enthaltend Kapitel 21 und 22. · 第 15 / 25 段