Außerhalb der Mauern des Parlaments kümmerte man sich nicht um diese

Wortklaubereien. Die Ausdrucksweise des Hauses der Gemeinen wurde vom

ganzen Lande adoptirt. Die City von London ging voran. Binnen

sechsunddreißig Stunden, nachdem die Vereinsurkunde auf Anordnung des

Sprechers bekannt gemacht worden war, wurde sie von dem Lordmayor, den

Aldermen und fast allen Mitgliedern des Gemeinderaths unterzeichnet.

Diesem Beispiele folgten die Municipalcorporationen des ganzen

Königreichs. Die Frühjahrsassisen begannen eben, und in jeder

Grafschaftsstadt unterschrieben die Mitglieder der großen Jury und die

Friedensrichter ihre Namen. Bald kamen Krämer, Handwerker, Freisassen,

Pächter und Landwirthe zu Tausenden an die Tische, auf denen die

Pergamente auslagen. Westminster zählte siebenunddreißigtausend

Vereinsmitglieder, die Towerortschaften achttausend, Southwark

achtzehntausend. Die Landbezirke von Surrey lieferten siebzehntausend.

In Ipswich unterzeichneten sämmtliche Wahlbürger bis auf zwei. In

Warwick unterschrieben alle männlichen Einwohner, die das sechzehnte

Jahr erreicht hatten, mit Ausnahme von zwei Papisten und zwei Quäkern.

In Taunton, wo die blutigen Assisen noch in frischem Andenken waren,

erklärte jeder des Schreibens Kundige seinen Anschluß an die Regierung.

Alle Kirchen und Bethäuser der Stadt waren in einem Maße wie noch nie

mit Leuten gefüllt, welche kamen um Gott für die Erhaltung des Mannes zu

danken, den sie liebevoll Wilhelm den Befreier nannten. Von allen

Grafschaften England’s war Lancashire die jakobitischeste. Gleichwohl

lieferte Lancashire funfzigtausend Unterschriften. Von allen

großen Städten England’s war Norwich die jakobitischeste. Die

Magistratspersonen dieser Stadt galten für Freunde der exilirten

Dynastie. Die Eidverweigerer waren zahlreich und hatten kurz vor der

Entdeckung des Complots ungewöhnlich guten Muths geschienen und hatten

sich ungewöhnlich viele Freiheiten herauszunehmen gewagt. Einer der

vornehmsten Geistlichen des Schismas hatte daselbst eine Predigt

gehalten, welche zu einem sonderbaren Verdacht Anlaß gab. Er hatte zum

Text den Vers gewählt, in welchem der Prophet Jeremias verkündigt, daß

der Tag der Rache gekommen sei, daß das Schwert trunken sein werde von

Blut, daß der Herr der Heerschaaren ein Schlachtopfer haben werde im

Lande gegen Mitternacht am Flusse Euphrat. Ganz kurz darauf erfuhr man,

daß zur Zeit als diese Rede gehalten wurde, wirklich unter Barclay’s und

Parkyns’ Leitung Schwerter geschliffen wurden zu einem blutigen Opfer am

nördlichen Ufer der Themse. Der Unwille des gemeinen Volks von Norwich

war nicht zu halten. Obgleich durch die Municipalbehörden

eingeschüchtert, kam es in Masse herbei, um Wilhelm, dem rechtmäßigen

und gesetzlichen Könige, Treue zu schwören. In Norfolk belief sich die

Zahl der Unterschriften auf achtundvierzigtausend, in Suffolk auf

siebzigtausend. Ueber fünfhundert Listen gingen aus allen Theilen

England’s nach London. Die Anzahl der Namen, welche siebenundzwanzig von

diesen Listen enthielten, betrug nach der London Gazette

dreihundertvierzehntausend. Rechnet man die größtmögliche Zahl für

betrügerische Angaben ab, so scheint doch soviel gewiß, daß der Verein

die große Mehrheit der erwachsenen männlichen Bewohner England’s, die

ihren Namen schreiben konnten, umfaßte. Die Fluth des Volksgefühls ging

so hoch, daß Jemand, von dem man wußte, daß er nicht unterschrieben

hatte, ernste Gefahr lief, öffentlich insultirt zu werden. An vielen

Orten zeigte sich Niemand ohne ein rothes Band am Hute, worauf die Worte

gestickt waren: +General Association for King William+. Einmal hatte ein

Trupp Jakobiten die Dreistigkeit, in einer Straße London’s mit einer

sinnbildlichen Devise zu paradiren, die ihre Verachtung des neuen

feierlichen League und Covenant anzudeuten schien. Sie wurden

augenblicklich durch den Pöbel auseinandergetrieben und ihre Anführer

weidlich untergetaucht. Die Begeisterung verbreitete sich nach

entlegenen Inseln, nach ausländischen Factoreien, nach entfernten

Colonien. Die Association wurde unterzeichnet von den rauhen Fischern

der Scilly Rocks, von den englischen Kaufleuten in Malaga, von den

englischen Kaufleuten in Genua, von den Bürgern Newyork’s, von den

Tabakpflanzern Virginien’s und von den Zuckerpflanzern auf

Barbados.[130]

Durch den Erfolg kühn gemacht, wagten die Whighäupter noch einen Schritt

weiter zu gehen. Sie brachten eine Bill zur Sicherung der Person und

Regierung des Königs im Unterhause ein. Durch diese Bill wurde

verordnet, daß Jeder, der während der Dauer des Kriegs ohne königliche

Erlaubniß aus Frankreich nach England käme, den auf Hochverrath

gesetzten Strafen verfallen, daß die Suspension der Habeascorpusacte bis

zu Ende des Jahres 1696 fortdauern und daß alle von Wilhelm ernannten

Beamten im Fall seines Ablebens ihre Stellen so lange behalten sollten,

bis es seinem Nachfolger gefallen würde, sie zu entlassen. Die vom Hause

der Gemeinen angenommene Associationsformel wurde feierlich bestätigt,

und es wurde bestimmt, daß Niemand, der sie nicht unterzeichnete, einen

Sitz in diesem Hause einnehmen oder ein bürgerliches oder militärisches

Amt bekleiden sollte. Den Lords wurde gestattet, sich ihrer eigenen

Formel zu bedienen, und über den Klerus wurde nichts gesagt.

Die Tories, mit Finch und Seymour an ihrer Spitze, beschwerten sich

bitter über diesen neuen Test und wagten es einmal abstimmen zu lassen,

wurden aber geschlagen. Finch scheint geduldig angehört worden zu sein;

die verächtliche Art und Weise aber, in der Seymour von der Association

sprach, erregte trotz aller Beredtsamkeit einen Sturm, dem er nicht

Stand zu halten vermochte. Der laute Ruf: „der Tower! der Tower!” wurde

vielfach gehört. Trotz seines hochmüthigen und gebieterischen Wesens war

er gezwungen, seine Worte hinwegzuerklären, und er konnte durch

Entschuldigungen, an die er wenig gewohnt war, kaum der Demüthigung

entgehen, vor die Schranke gerufen zu werden und kniend einen Verweis zu

erhalten. Die Bill wurde den Lords zugesandt und trotz der Opposition

Rochester’s und Nottingham’s rasch angenommen.[131]

[_Bill zur Regulirung der Wahlen._] Die Natur und der Umfang der

Veränderung, welche die Entdeckung des Mordcomplots in der Stimmung des

Hauses der Gemeinen und der Nation hervorgebracht hatte, wird durch die

Geschichte einer Bill, betitelt: eine Bill zur ferneren Regulirung der

Wahlen der Parlamentsmitglieder, treffend characterisirt. Die Geldmacht

war fast durchgängig whiggistisch und daher ein Gegenstand der Abneigung

für die Tories. Das rasche Wachsthum dieser Macht wurde von den

Landeigenthümern, mochten sie Whigs oder Tories sein, mit neidischen

Blicken betrachtet. Es war etwas Neues und Unerhörtes, einen Kaufmann

aus Lombard Street, den kein Band an den Boden unsrer Insel fesselte und

dessen Vermögen durchaus persönlich und beweglich war, mit einem Koffer

voll Guineen nach Devonshire oder Sussex reisen, einem benachbarten

Landgentleman gegenüber, dessen Vorfahren seit den Kriegen der Rosen

stets gewählt worden waren, als Candidat für einen Burgflecken auftreten

und an der Spitze der Wahlliste zurückkehren zu sehen. Und dies war noch

nicht das Schlimmste. Mehr als ein Sitz im Parlament war angeblich bei

einer Tasse Kaffee bei Garraway gekauft und verkauft worden. Man hatte

von dem Käufer nicht einmal die Beobachtung der Formalität verlangt,

sich den Wählern zu zeigen. Ohne sein Comptoir in Cheapside verlassen zu

haben, war er zum Vertreter eines Ortes gewählt worden, den er in seinem

Leben nicht gesehen. Solche Dinge waren unerträglich. Niemand, sagte

man, solle einen Sitz in der englischen Legislatur einnehmen, der nicht

einige hundert Acker englischen Grund und Bodens sein nenne.[132] Es

wurde demgemäß eine Bill eingebracht, welche bestimmte, daß jedes

Mitglied des Hauses der Gemeinen ein gewisses Grundeigenthum besitzen

müsse. Für einen Grafschaftsritter war die Qualification auf fünfhundert

Pfund, für den Vertreter eines Burgfleckens auf zweihundert Pfund

jährlicher Grundrente festgesetzt. Anfang Februar wurde diese Bill zum

zweiten Male gelesen und einem gewählten Ausschusse überwiesen. Es wurde

beantragt, daß der Ausschuß angewiesen werden solle, eine Klausel

einzuschalten, welche anordne, daß alle Wahlen vermittelst Stimmzetteln

stattfinden sollten. Ob dieser Antrag von einem Whig oder einem Tory

ausging, durch welche Argumente er unterstützt und auf welche Gründe hin

er bekämpft wurde, können wir jetzt nicht mehr ermitteln. Wir wissen

nur, daß er ohne Abstimmung verworfen wurde.

Bevor die Bill aus dem Ausschusse zurückkam, hatten einige der

achtungswerthesten Wahlkörper des Königreichs ihre Stimmen gegen die

neue Beschränkung erhoben, der sie unterworfen werden sollten. Es hatte

im allgemeinen wenig Sympathie zwischen den Handelsstädten und den

Universitätsstädten geherrscht. Denn die Handelsstädte waren die

Hauptsitze des Whiggismus und der Nonconformität, die Universitäten aber

waren eifrige Anhänger der Krone und der Kirche. Jetzt aber machten

Oxford und Cambridge gemeinschaftliche Sache mit London und Bristol. Es

sei hart, sagten die Akademiker, daß ein ernster und gelehrter Mann, der

von einer zahlreichen Corporation ernster und gelehrter Männer in den

Großen Rath der Nation gesandt würde, für weniger geeignet erachtet

werden sollte, in diesem Rathe zu sitzen als ein roher Mensch, der kaum

so viel wissenschaftliche Bildung besitze, um auf das +privilegium

clericale+ Anspruch zu haben. Es sei hart, sagten dagegen die Kaufleute,

anzunehmen, daß ein Handelsfürst, der die erste Magistratsperson der

ersten Stadt der Welt gewesen sei, dessen Name auf der Rückseite eines

Wechsels in Smyrna und in Genua, in Hamburg und in Amsterdam unbedingtes

Vertrauen erwecke, der Schiffe zur See habe, von denen jedes so viel

werth sei als ein Rittergut, und der in Zeiten wo die Freiheit und

Religion des Königreichs in Gefahr waren, zu wiederholten Malen der

Regierung binnen einer Stunde fünf- oder zehntausend Pfund vorgestreckt

habe, bei dem Gedeihen des Staates weniger interessirt sei als ein

Squire, der seine Ochsen und seinen Hopfen in dem nächsten Marktflecken

bei einem Kruge Ale verkaufte. Bei der Berichterstattung wurde

beantragt, daß die Universitäten ausgenommen werden sollten, aber der

Antrag wurde mit hunderteinundfunfzig gegen hundertdreiundvierzig

Stimmen verworfen. Bei der dritten Lesung wurde beantragt, daß die City

von London ausgenommen sein sollte; aber man hielt es nicht für

rathsam, abstimmen zu lassen. Die Schlußfrage, ob die Bill angenommen

sei, wurde an dem Tage vor der Entdeckung des Mordcomplots mit

hundertdreiundsiebzig gegen hundertfunfzig Stimmen bejaht. Die Lords

traten der Bill ohne Amendement bei.

Wilhelm hatte nun zu erwägen, ob er seine Genehmigung ertheilen sollte

oder nicht. Die Handelsstädte des Reichs, darunter auch die City von

London, welche stets treu zu ihm gehalten und ihn schon oft aus großen

Verlegenheiten gerissen hatten, baten ihn um seinen Schutz. Man stellte

ihm vor, daß die Gemeinen thatsächlich weit davon entfernt seien, in

diesem Punkte eines Sinnes zu sein, daß bei der letzten Lesung die

Majorität in einem vollen Hause nur dreiundzwanzig Stimmen betragen habe

und daß der Antrag, die Universitäten auszunehmen, mit einer Majorität

von nur acht Stimmen verworfen worden sei. Nach reiflicher Ueberlegung

beschloß er die Bill nicht zu genehmigen. Niemand, sagte er, könne ihn

beschuldigen, bei dieser Gelegenheit selbstsüchtig gehandelt zu haben;

seine Prärogative sei bei der Sache nicht betheiligt, und er habe gegen

das vorgeschlagene Gesetz weiter nichts einzuwenden, als daß es seinem

Volke nachtheilig sein würde.

Am 10. April 1696, erhielt daher der Sekretär des Parlaments Befehl, den

Häusern mitzutheilen, daß der König sich die Bill zur weiteren

Regulirung der Wahlen überlegen wolle. Einige heftige Tories im Hause

der Gemeinen schmeichelten sich, daß es ihnen gelingen werde, einen den

König tadelnden Beschluß durchzubringen. Sie stellten den Antrag, daß

Derjenige, der Sr. Majestät gerathen habe, ihrer Bill seine Genehmigung

zu verweigern, für einen Feind des Königs und der Nation erklärt werden

solle. Einen ärgeren Mißgriff konnte es nicht geben. Die Stimmung des

Hauses war eine ganz andre als an dem Tage, wo die Adresse gegen

Portland’s Schenkung durch Acclamation votirt worden war. Die Entdeckung

einer mörderischen Verschwörung, die Besorgniß einer französischen

Invasion hatten Alles verändert. Der König war populär. Jeden Tag wurden

ihm zehn bis zwölf Pergamentstöße mit den Unterschriften von

Vereinsmitgliedern zu Füßen gelegt. Nichts konnte unkluger sein, als in

einem solchen Augenblicke ein dünn verschleiertes Tadelsvotum gegen ihn

zu beantragen. Die gemäßigten Tories trennten sich daher von ihren

aufgebrachten und unverständigen Gesinnungsgenossen. Der Antrag wurde

mit zweihundertneunzehn gegen siebzig Stimmen verworfen und das Haus

ordnete die öffentliche Bekanntmachung der Frage und der beiderseitigen

Stimmen an, damit die Welt erfahren solle, wie vollständig der Versuch,

Uneinigkeit zwischen dem Könige und dem Parlamente hervorzurufen,

gescheitert war.[133]

[_Acte zur Errichtung einer Landbank._] Die Landgentlemen würden

vielleicht geneigter gewesen sein, wegen des Scheiterns ihrer Bill zu

grollen, wären sie nicht durch eine andre Bill, die ihnen noch wichtiger

dünkte, in gute Laune versetzt worden. Das Project einer Landbank war

wieder angeregt worden, und zwar nicht in der Form, in der es zwei Jahre

früher dem Hause der Gemeinen zur Erwägung unterbreitet worden war,

sondern in einer den gesunden Verstand viel weniger beleidigenden und

der Lächerlichkeit weniger ausgesetzten Form. Chamberlayne protestirte

allerdings laut gegen jede Modification seines Planes und proklamirte

mit unverminderter Zuversichtlichkeit, daß er alle seine Landsleute

reich machen wolle, wenn sie ihn nur gewähren ließen. Er sei nicht der

erste große Entdecker, sagte er, den Fürsten und Staatsmänner als einen

Träumer betrachtet hätten. Heinrich VII. habe sich in einer bösen

Stunde geweigert, Christoph Columbus anzuhören, und die Folge davon sei

gewesen, daß England um die Bergwerke von Mexico und Peru gekommen sei.

Und doch, was seien die Bergwerke von Mexico und Peru gegen die

Reichthümer einer mit einem unbegrenzten Papiergelde gesegneten Nation?

Aber die vereinte Kraft der Vernunftgründe und des Spottes hatte die

einst zahlreiche Anhängerschaar Chamberlayne’s auf einen kleinen Kreis

unverbesserlicher Thoren reducirt. Selbst von den Squires glaubten jetzt

nur noch wenige an seine beiden großen Lehrsätze: den Lehrsatz, daß der

Staat, indem er ein Bündel alter Lumpen zehn Millionen Pfund Sterling

nenne, das Nationalvermögen um zehn Millionen Pfund Sterling vermehren,

und den Lehrsatz, daß eine Abtretung von Grund und Boden auf eine

bestimmte Anzahl Jahre vielmal so viel werth sein könne als der

unbeschränkte Besitz. Dagegen waren die Landgentlemen noch immer

allgemein der Ansicht, daß eine Bank, welche die specielle Bestimmung

habe, auf Grundeigenthum Geld vorzustrecken, ein großer Segen für die

Nation sein könne. Harley und der Sprecher Foley schlugen jetzt vor,

eine solche Bank durch Parlamentsacte zu errichten, und versprachen,

daß, wenn ihr Plan adoptirt würde, der König reichlich mit Geld für den

nächsten Feldzug versehen sein sollte.

Die Whigführer, und namentlich Montague, sahen ein, daß der Plan eine

Illusion sei, daß er sehr bald scheitern müsse und daß er möglicherweise

vor seinem Untergange ihr Lieblingsinstitut, die Bank von England,

ruiniren könne. In diesem Punkte aber hatten sie nicht nur die ganze

Torypartei, sondern auch ihren Gebieter und viele ihrer Anhänger gegen

sich. Die Bedürfnisse des Staats waren dringend und die Anerbietungen

der Projectenmacher lockend. Die Bank von England hatte zum Dank für die

ihr verliehene Concession dem Staate nur eine Million zu acht Procent

vorgeschossen; die Landbank wollte über dritthalb Millionen zu sieben

Procent vorschießen. Wilhelm, dem jetzt hauptsächlich darum zu thun war,

sich Geld zur Deckung der Ausgaben des laufenden Jahres zu verschaffen,

war eben nicht sehr geneigt, über eine Quelle zu mäkeln, aus der sich

dritthalb Millionen schöpfen ließen. Sunderland, der seinen Einfluß

sonst gewöhnlich zu Gunsten der Whigführer anwendete, wurde ihnen bei

dieser Gelegenheit untreu. Die whiggistischen Landgentlemen freuten sich

der Aussicht, ihre Viehstände ergänzen, ihre Keller füllen und ihre

Töchter ausstatten zu können. Gegen eine solche Vereinigung von

Streitkräften zu kämpfen, war unmöglich. Es wurde eine Bill

angenommen, welche die Regierung ermächtigte, zwei Millionen

fünfhundertvierundsechzigtausend Pfund zu sieben Procent aufzunehmen.

Ein hauptsächlich durch eine neue Salzsteuer gebildeter Fond wurde zur

Zahlung der Zinsen bestimmt. Wenn vor dem 1. August die Hälfte dieser

Anleihe gezeichnet und die Hälfte der gezeichneten Summe in die

Schatzkammer eingezahlt war, sollten die Unterzeichner eine Corporation

mit den Namen Nationallandbank werden. Da diese Bank ausdrücklich dazu

bestimmt war, den Landgentlemen unter die Arme zu greifen, so war es ihr

streng verboten, auf andre Sicherheit als Landhypothek Geld

auszuleihen, und ihr zur Pflicht gemacht, jährlich mindestens eine halbe

Million auf Hypothek auszuleihen. Die Zinsen für diese halbe Million

sollten bei vierteljährlichen Zahlungen nicht dreiundeinhalb Procent,

bei halbjährlichen Zahlungen nicht vier Procent übersteigen. Der

gebräuchliche Zinsfuß für die besten Hypotheken war damals sechs

Procent. Die schlauen Beobachter bei der holländischen Gesandtschaft

glaubten daher, daß die Kapitalisten sich jeder Betheiligung bei einem

Geschäft, daß ihnen nothwendig Verlust bringen mußte, enthalten und daß

die erforderliche Summe nicht zur Hälfte gezeichnet werden würde, und

man sollte nicht glauben, daß ein Mensch von gesundem Verstande hätte

anders denken können.[134]

Doch alle Vernunftgründe vermochten nichts gegen die allgemeine

Verblendung. Die Tories prophezeiten triumphirend, die Bank Robert

Harley’s werde die Bank Karl Montague’s völlig in den Schatten stellen.

Die Bill ging in beiden Häusern durch. Am 27. April erhielt sie die

königliche Sanction und unmittelbar darauf wurde das Parlament

prorogirt.

Fußnoten

[1] Siehe Claude’s Predigt auf Mariens Tod.

[2] Prior an Lord und Lady Lexington, 14. (24.) Jan. 1695. Der Brief

befindet sich in den +Lexington Papers+, einer werthvollen und gut

edirten Sammlung.

[3] Monthly Mercury vom Januar 1695. Ein Redner, der in Utrecht eine

Lobrede auf die Königin hielt, war so albern zu sagen, ihr letzter

Hauch sei ein Gebet für das Wohl der Vereinigten Provinzen gewesen:

-- +„Valeant et Batavi,”+ -- dies sind ihre letzten Worte, -- +„sint

incolumes; sint florentes; sint beati: stet in aeternum, stet immota

praeclarissima illorum civitas, hospitium aliquando mihi gratissimum,

optime de me meritum.”+ Siehe auch die Reden Peter Francius’ von

Amsterdam und Johann Ortwinius’ von Delft.

[4] +Journal de Dangeau; Mémoires de Saint-Simon.+

[5] Saint-Simon; Dangeau; Monthly Mercury für Januar 1695.

[6] L’Hermitage, 1. (11.) Jan. 1695; Vernon an Lord Lexington, 1.

4. Januar; Portland an Lord Lexington, 15. (25.) Jan.; Wilhelm an

Heinsius, 22. Januar (1. Febr.).

[7] +Commons’ Journals, Feb. 11., April 12., 17.; Lords’ Journals April

8., 18. 1695.+ Leider ist in dem Protokolle der Gemeinen vom 12. April

eine Lücke, so daß es jetzt nicht mehr möglich ist, zu ermitteln,

ob über die Frage bezüglich des Beitritts zu dem von den Lords

vorgeschlagenen Amendement eine Abstimmung stattfand.

[8] L’Hermitage 10. (20.) April 1695; Burnet +II+. 149.

[9] +An Essay upon Taxes, calculated for the present Juncture of

Affairs, 1693.+

[10] +Commons’ Journals, Jan. 12., Feb. 26., Mar. 6.; A Collection

of the Debates and Proceedings in Parliament in 1694 and 1695 upon

the Inquiry into the late Briberies and Corrupt Practices, 1695;+

L’Hermitage an die Generalstaaten, 8. (18.) März; Van Citters,

15. (25.) März. L’Hermitage sagt: „+Si par cette recherche la chambre

pouvoit remedier au désordre qui règne, elle rendroit un service très

utile et très agréable au Roy+.”

[11] +Commons’ Journals, Feb. 16. 1695. Collection of the Debates and

Proceedings in Parliament in 1694 and 1695; Life of Wharton; Burnet II.

144.+

[12] Sprecher Onslow’s Note zu Burnet +II+. 583; +Commons’ Journals,

Mai 6., 7. 1695+. Die Geschichte des schrecklichen Endes dieses Mannes

findet man in den Flugschriften über das Südseejahr.

[13] +Commons’ Journals, March 8. 1695; Exact Collection of Debates and

Proceedings in Parliament in 1694 and 1695;+ L’Hermitage, 8. (18.) März.

[14] +Exact Collection of Debates.+

[15] L’Hermitage, 8. (18.) März 1695. L’Hermitage’s Erzählung wird

durch die Protokolle vom 7. März 1694/95 bestätigt. Es geht daraus

hervor, daß das Haus unmittelbar vor Ernennung des Ausschusses

beschloß, daß während einer Sitzung keine Briefe an Mitglieder

abgegeben werden sollten.

[16] L’Hermitage, 19. (29.) März 1695.

[17] +Birch’s Life of Tillotson.+

[18] +Commons’ Journals, March 12, 13, 14, 15, 16, 1694/95;+ Vernon an

Lexington, 15. März; L’Hermitage, 15. (25.) März.

[19] +„On vit qu’il étoit impossible de le poursuivre en justice,

chacun toutefois démeurant convaincu que c’étoit un marché fait à la

main pour lui faire présent de la somme de 10,000 _l._, et qu’il avait

été plus habile que les autres novices que n’avoient pas su faire si

finement leurs affaires.”+ L’Hermitage, 29. März (8. April); +Commons’

Journals, March. 12.;+ Vernon an Lexington, 26. April; Burnet +II+. 145.

[20] In einem Gedicht, betitelt +The Prophecy (1703)+ kommt die Strophe

vor:

„Wenn Seymour verschmäht Salpetergeld,”

In einer andren Satyre befindet sich die Stelle:

„Bestochner Seymour haßt Bestechungen.”

[21] +Commons’ Journals+ vom 26. März bis 8. April 1695.

[22] L’Hermitage, 10. (20.) April 1695.

[23] +Exact Collection of Debates and Proceedings.+

[24] L’Hermitage, 30. April (10. Mai) 1695; Portland an Lexington,

23. April (3. Mai).

[25] Es kann meines Erachtens keinem Zweifel unterliegen, daß das

Mitglied, welches in der +Exact Collection D+ genannt ist, Wharton war.

[26] Bezüglich der Vorgänge dieses ereignißvollen Tages, des 27. April

1695, sehe man die Protokolle der beiden Häuser und die +Exact

Collection+.

[27] +Exact Collection; Lords’ Journals, May 3. 1695; Commons’

Journals, May 2. 3.;+ L’Hermitage, 3. (13.) Mai; London Gazette vom

13. Mai.

[28] L’Hermitage, 10. (20.) Mai 1695; Vernon an Shrewsbury, 22. Juni

1697.

[29] London Gazette vom 6. Mai 1695.

[30] Brief von Mrs. Burnet an die Herzogin von Marlborough, 1704,

angeführt von Coxe; Shrewsbury an Russell, 24. Jan. 1695; Burnet +II+.

149.

[31] London Gazette vom 8. 15. 29. April 1695.

[32] Shrewsbury an Russell, 24. Jan. 1695; +Narcissus Luttrells Diary+.

[33] De Thou, 53, 96.

[34] +Life of James, II. 545, Orig. Mem.+ Natürlich bedient sich Jakob

nicht des Wortes Meuchelmord. Er spricht nur von der Ergreifung und

Entführung des Prinzen von Oranien.

[35] Alles Schlechte, das über Porter bekannt oder gerüchtweise

verbreitet war, kam bei dem Staatsprozesse von 1696 zu Tage.

[36] Ueber Goodman sehe man die Zeugenaussagen bei dem Prozesse Peter

Cook’s; Cleverskirke, 28. Febr. (9. März) 1696; L’Hermitage, 10. (20.)

April 1696, und ein Pasquill betitelt: +The Duchess of Cleveland’s

Memorial+.

[37] Siehe die Einleitung zu der Vollmacht von 1695.

[38] Man findet die Vollmacht in den Protokollen des Parlaments.

[39] +Act. Parl. Scot. May 21. 1695;+ London Gazette vom 30. Mai.

[40] +Ibid. May 23. 1695.+

[41] +Ibid. June 14. 18. 20. 1695;+ London Gazette vom 27. Juni.

[42] Burnet +II+. 157; +Act. Parl. June 10. 1695+.

[43] +Act. Parl. June 26, 1695+; London Gazette vom 4. Juli.

[44] Eine treffliche Characteristik Villeroy’s befindet sich in

Saint-Simon’s Memoiren.

Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Elfter Band: enthaltend Kapitel 21 und 22. · 第 13 / 25 段