wurde ausgesprengt, daß sein lockerer Lebenswandel ihn in die
Nothwendigkeit versetzt habe, sich von einem Arzte in Paris behandeln zu
lassen.[97] Er reiste mit achthundert Pfund Sterling in seinem Koffer
ab, eilte nach der Küste und schiffte sich an Bord eines Kapers ein, den
die Jakobiten als regelmäßiges Packetboot zwischen Frankreich und
England benutzten. Dieses Fahrzeug brachte ihn nach einem einsamen Orte
im Romney Moor. Ungefähr eine halbe Meile von dem Landungsplatze wohnte
ein Schmuggler, Namens Hunt, auf einer öden und ungesunden Sumpfstrecke,
wo er keine anderen Nachbarn hatte als einige halbwilde Hirten. Seine
Wohnung hatte eine Lage, die sich für den Schleichhandel mit
französischen Waaren vortrefflich eignete, Ladungen von Lyoneser
Seidenwaaren und Valencienner Spitzen, hinreichend, um dreißig
Packpferde zu beladen, waren mehr als einmal in dieser traurigen Einöde
gelandet worden, ohne Aufsehen zu erregen. Seit der Revolution aber war
Hunt dahinter gekommen, daß von allen Ladungen eine Ladung Hochverräther
am besten rentirte. Sein entlegener Wohnplatz wurde der Aufenthaltsort
für hochangesehene Männer, für Earls und Barone, für Ritter und Doctoren
der Theologie. Einige davon wohnten viele Tage unter seinem Dache in
Erwartung einer Gelegenheit zur Ueberfahrt. Zwischen seinem Hause und
London bestand eine geheime Postverbindung. Couriere eilten fortwährend
hin und her; sie machten die Reise stets zu Fuße; aber sie sahen wie
Gentlemen aus, und man raunte sich zu, daß einer von ihnen der Sohn
eines vornehmen Mannes sei. Die aus Saint-Germains kommenden Briefe
waren an Zahl und Umfang klein; um so zahlreicher und voluminöser aber
waren die dahin abgehenden. Sie wurden wie Packete von Modewaaren
verpackt und in dem Sumpfe vergraben, bis der Kaper sie abforderte.
Hier landete Barclay im Januar 1696, und von hier aus schlug er den Weg
nach London ein. Wenige Tage später folgte ihm ein schlanker junger
Mann, der seinen Namen verschwieg, aber Accreditive von höchster
Autorität vorzeigte. Dieser junge Mann begab sich ebenfalls nach London.
Hunt erfuhr nachher, daß sein bescheidenes Dach die Ehre gehabt hatte,
den Herzog von Berwick zu beherbergen.[98]
Die Rolle, welche Barclay zu spielen hatte, war schwierig und
gefährlich, und er unterließ keine Vorsichtsmaßregel. Er war selten in
London gewesen und sein Aeußeres war daher den Agenten der Regierung
unbekannt. Gleichwohl hatte er mehrere Wohnungen, verkleidete sich so
gut, daß seine ältesten Freunde ihn am hellen Tage nicht erkannt haben
würden, und doch wagte er sich selten auf die Straße, außer im Dunklen.
Sein Hauptagent war ein Mönch, der mit Gefahr seines Kopfes unter
verschiedenen Namen Beichte abnahm und Messe las. Dieser Mann theilte
einigen von den Zeloten, mit denen er verkehrte, mit, daß ein
Specialagent der königlichen Familie an gewissen Abenden zu einer
gewissen Stunde in Coventgarden zu sprechen und an gewissen Zeichen
kenntlich sei.[99] Auf diese Weise lernte Barclay mehrere für seine
Zwecke geeignete Männer kennen. Die Ersten, denen er sich völlig
offenbarte, waren Charnock und Parkyns. Er sprach mit ihnen über das
Complot, das sie mit einigen ihrer Freunde im vergangenen Frühjahr gegen
das Leben Wilhelm’s geschmiedet hatten. Charnock sowohl als Parkyns
erklärten, daß der Plan leicht ausführbar sei, daß es unter den
Royalisten nicht an beherzten Männern fehle und daß es nur eines Zeichen
von Zustimmung von Seiten Sr. Majestät bedürfe.
Barclay producirte nun seine Vollmacht. Er bewies seinen beiden
Complicen, daß Jakob ausdrücklich allen guten Engländern anbefohlen
hatte, nicht allein sich mit bewaffneter Hand zu erheben, nicht allein
gegen die Regierung des Usurpators Krieg zu führen, nicht allein
Festungen und Städte einzunehmen, sondern auch von Zeit zu Zeit solche
anderweitige Acte von Feindseligkeit gegen den Prinzen von Oranien
vorzunehmen, wie sie dem Könige dienlich wären. Diese Worte, sagte
Barclay, autorisirten offenbar einen Angriff auf die Person des
Prinzen. Charnock und Parkyns waren befriedigt. Wie konnten sie in der
That Zweifeln, daß Jakob’s vertrauter Agent seine Worte richtig deutete?
Ja, wie hätten sie die umfassenden Worte der Vollmacht anders als in dem
einen Sinne verstehen können, selbst wenn Barclay nicht dagewesen wäre,
um sie zu commentiren? Wäre der Gegenstand niemals Jakob zur Erwägung
unterbreitet worden, so hätte man allerdings glauben können, daß jene
Worte seiner Feder ohne eine bestimmte Bedeutung entschlüpft seien. Aber
es war ihm wiederholt mitgetheilt worden, daß einige seiner Freunde in
England eine blutige That im Sinne hätten und daß sie nur auf seine
Zustimmung warteten. Sie waren in ihn gedrungen, ein Wort zu sprechen,
einen Wink zu geben. Er hatte lange geschwiegen, und jetzt wo er das
Stillschweigen brach, sagte er ihnen bloß, sie möchten Alles thun, was
ihm nützlich und dem Usurpator nachtheilig sein könnte. Sie hatten seine
Erlaubniß in so deutlichen Ausdrücken, wie sie dieselbe in einem solchen
Falle vernünftigerweise nur erwarten konnten.[100]
Es kam nur noch darauf an, eine genügende Anzahl muthiger und
zuverlässiger Helfershelfer zu finden, für Pferde und Waffen zu sorgen
und Ort und Stunde der Ermordung zu bestimmen. Vierzig bis fünfzig Mann
wurden für ausreichend gehalten. Die Reiter von Jakob’s Garde, welche
Barclay bereits über den Kanal gefolgt waren, bildeten ziemlich die
Hälfte von dieser Anzahl. Jakob hatte selbst mit einigen dieser Leute
vor ihrer Abreise von Saint-Germains gesprochen, ihnen Reisegeld
gegeben, ihnen gesagt, welchen Namen jeder von ihnen in England annehmen
sollte, ihnen befohlen, nach Barclay’s Weisungen zu handeln, und sie
unterrichtet, wo Barclay zu finden und an welchem Zeichen er zu erkennen
war.[101] Sie hatten Ordre, in kleinen Gruppen abzureisen und
verschiedene Beweggründe für ihre Reise anzugeben. Einige waren krank,
Andere waren des Dienstes überdrüssig; Cassels, einer der Lautesten und
Profansten unter ihnen, sagte, daß er, weil er beim Militär keine
Beförderung erlangen könne, in das schottische Collegium eintreten und
eine Brotwissenschaft studiren wolle. Unter derartigen Vorwänden
verließen etwa zwanzig auserwählte Männer den Palast Jakob’s, gingen
über Romney Marsh nach London und fanden ihren Anführer im düstren
Lampenlichte der Colonnade mit aus der Tasche herabhängendem Sacktuche
auf und nieder gehen. Einer dieser Leute war Ambrosius Rookwood, der den
Grad eines Brigadiers hatte und eines hohen Rufes von Muth und
Ehrenhaftigkeit genoß; ein Andrer war der Major Johann Bernardi, ein
Abenteurer von genuesischer Abkunft, dessen Name eine traurige
Berühmtheit erlangt hat durch eine Strafe, die sich so unglaublich
verlängerte, daß sie endlich noch eine Generation zu Mitleid rührte, die
sich seines Verbrechens nicht erinnern konnte.[102]
Auf diese Abenteurer aus Frankreich setzte Barclay hauptsächlich sein
Vertrauen. In einem Augenblicke emphatischer Ueberhebung nannte er sie
seine Janitscharen und sprach die Hoffnung aus, daß sie ihm das St.
Georgskreuz und den Hosenbandorden verschaffen würden. Aber es waren
mindestens noch zwanzig Mörder nöthig. Wahrscheinlich erwarteten die
Verschwörer werthvollen Beistand von Seiten Sir John Friend’s, der ein
von Jakob ausgestelltes Oberstenpatent erhalten und um die Zeit, wo die
Franzosen an der Küste von Kent erscheinen sollten, mit großer
Thätigkeit Mannschaften angeworben und Waffen herbeigeschafft hatte.
Der Plan wurde ihm mitgetheilt, aber er hielt ihn für so unüberlegt und
war so fest überzeugt daß er der guten Sache nur schaden konnte, daß er
seinen Freunden keinen Beistand leihen wollte, obgleich er ihr Geheimniß
gewissenhaft bewahrte.[103] Charnock nahm es auf sich, acht
entschlossene und zuverlässige Männer zu finden. Er theilte den Plan
Porter mit, was Barclay nicht ganz billigte, denn er meinte, daß man
einem Wirthshausraufbold, der noch kürzlich im Gefängniß gesessen, weil
er betrunken in den Straßen umher renommirt und Hurrahs zu Ehren des
Prinzen von Wales gerufen hatte, nicht wohl ein Geheimniß von so
gefährlicher Wichtigkeit anvertrauen könne. Porter ging mit Begeisterung
auf das Complot ein und versprach, noch Andere mit hereinzuziehen,
welche nützlich sein würden. Zu Denen, deren Unterstützung er gewann,
gehörte sein Diener, Thomas Keyes. Keyes war ein viel gefährlicherer
Verschwörer, als man es bei seiner socialen Stellung hätte erwarten
sollen. Die Haustruppen waren im allgemeinen Wilhelm ergeben; unter den
Blauen aber herrschte ein Anflug von Abneigung gegen ihn. Die
Hauptverschwörer hatten sich schon mit einigen bei diesem Regiment
stehenden Katholiken in Vernehmen gesetzt, und Keyes war hierzu ganz
besonders gut zu brauchen, denn er war früher Trompeter des Corps
gewesen, und obwohl er seinen Abschied genommen, stand er doch noch
immer in einem freundschaftlichen Verhältnisse mit einigen von den alten
Soldaten, in deren Gesellschaft er nach der Schlacht bei Sedgemoor auf
Kosten der Pächter von Somersetshire gelebt hatte.
Parkyns, der alt und gichtbrüchig war, konnte nicht persönlich Antheil
an dem Mordwerke nehmen. Aber er beschäftigte sich mit Besorgung von
Pferden, Sätteln und Waffen für seine jüngeren und thätigeren Complicen.
In dieser Beschäftigung wurde er durch Karl Cranburne unterstützt, einen
Menschen, der schon längst als Mäkler zwischen jakobitischen
Verschwörern und Leuten diente, die mit Hieb- und Schußwaffen handelten.
Barclay gab speciellen Befehl, daß die Degen mehr zum Stechen als zum
Schlagen eingerichtet werden sollten. Er selbst warb Eduard Lowick an,
der als Major in der irischen Armee gedient hatte und seit der
Capitulation von Limerick sehr still und eingezogen in London lebte. Der
Mönch, den Barclay zuerst ins Vertrauen gezogen hatte, empfahl zwei
geschäftige Papisten, Richard Fisher und Christoph Knightley, und diese
Empfehlung wurde für genügend erachtet. Knightley zog Eduard King, einen
römisch-katholischen Gentleman von heißblütigem und unruhigem
Temperament, herbei, und King verschaffte die Mithülfe eines
französischen Spielers und Bramarbas, Namens De la Rue.[104]
Mittlerweile hielten die Häupter der Verschwörung häufige Zusammenkünfte
in hochverrätherischen Tavernen, um einen Operationsplan zu verabreden.
Mehrere Pläne wurden vorgeschlagen, beifällig aufgenommen, nach
reiflicherer Erwägung aber fallen gelassen. Einmal war man der Meinung,
daß ein nächtlicher Angriff auf Kensington wahrscheinlich gelingen
werde. Die äußere Mauer sei leicht zu übersteigen, und wenn einmal
vierzig bewaffnete Männer im Garten seien, würde der Palast bald
erstürmt oder in Brand gesteckt sein. Einige waren der Ansicht, daß es
am besten sein würde, den Handstreich an einem Sonntage zu unternehmen,
wenn Wilhelm sich von Kensington in die Kapelle des St. Jamespalastes
begebe, um dem Gottesdienste beizuwohnen. Die Mörder sollten sich auf
der Stelle versammeln, wo jetzt Apsley House und Hamilton Palace stehen.
In dem Augenblicke wo der Wagen des Königs Hyde Park verließe, um in den
jetzigen Green Park einzulenken, sollten Dreißig von den Verschwörern,
wohl beritten, über die Garden herfallen. Die Garden waren gewöhnlich
nur fünfundzwanzig Mann stark, der Angriff müßte ihnen natürlich ganz
unverhofft kommen und sehr wahrscheinlich würde die Hälfte von ihnen
todtgeschossen oder niedergehauen sein, bevor sie einen Schlag thun
könnten. Währenddem sollten zehn bis zwölf beherzte Männer zu Fuß durch
Niederschießen der Pferde den Wagen anhalten, worauf sie dann ohne
Schwierigkeit mit dem Könige fertig werden würden. Endlich gab man einem
ursprünglich von Fisher entworfenen und von Porter weiter ausgeführten
Plane den Vorzug. Wilhelm pflegte jeden Sonnabend zur Jagd nach Richmond
Park zu fahren. Damals war zwischen London und Kingston noch keine
Brücke über die Themse. Der König fuhr daher in einem von wenigen
Leibgardisten begleiteten Wagen über Turnham Green nach dem Flusse. Hier
bestieg er ein Boot, setzte über den Fluß und fand auf der Surreyseite
einen andren Wagen mit einem andren Trupp Leibgardisten seiner wartend.
Der erste Wagen und die erste Eskorte erwarteten am nördlichen Ufer
seine Zurückkunft. Die Verschwörer ermittelten mit großer Genauigkeit
das ganze Arrangement bei diesen Ausflügen und untersuchten sorgfältig
das Terrain auf beiden Seiten der Themse. Sie waren der Meinung, daß sie
den König vortheilhafter auf der Middlesexseite als auf der Surreyseite,
und besser auf dem Rückwege als auf dem Hinwege angreifen würden. Denn
auf der Hinfahrt wurde er oft von einem zahlreichen Gefolge von Lords
und Gentlemen bis zum Flusse begleitet; auf der Rückfahrt aber hatte er
nur seine Garden bei sich. Ort und Zeit wurden festgesetzt. Der Ort
sollte eine enge und krumme Gasse sein, die vom Landungsplatze auf der
Nordseite des Flusses nach Turnham Green führte. Die Stelle ist noch
jetzt leicht zu finden. Der Boden ist seitdem durch Gräben entwässert
worden; im 17. Jahrhundert aber war er eine Sumpflache, durch welche der
königliche Wagen nur mit Mühe im Schritt gezogen werden konnte. Der
Zeitpunkt sollte der Nachmittag des 15. Februars, eines Sonnabends,
sein. An diesem Tage sollten sich die Vierzig in kleinen Gruppen in
verschiedenen öffentlichen Häusern unweit des Angers versammeln. Sobald
das Zeichen gegeben wurde, daß der Wagen sich nähere, sollten sie
aufsitzen und sich an ihre Posten begeben. Wenn die Cavalcade die Gasse
heraufkam, sollte Charnock die Gardisten im Rücken, Rookwood von der
einen und Porter von der andren Seite angreifen. Unterdessen sollte
Barclay mit acht zuverlässigen Männern den Wagen anhalten und die That
vollbringen. Damit den Verschwörern keine Bewegung des Königs entging,
wurden zwei Ordonnanzen ernannt, die den Palast bewachen sollten. Einer
von diesen beiden Männern, ein kühner und thätiger Flamländer, war
speciell beauftragt, Barclay von Allem genau zu unterrichten. Der
Andere, der mit Charnock Communication unterhalten sollte, war ein
Raufbold, Namens Chambers, der in der irischen Armee gedient, am Boyne
eine schwere Wunde in die Brust erhalten hatte und wegen dieser
Verwundung einen heftigen persönlichen Haß gegen Wilhelm empfand.[105]
[_Berwick’s Complot scheitert._] Während Barclay alle seine Anstalten
zur Ermordung traf, bemühte sich Berwick, die jakobitische Aristokratie
zur bewaffneten Erhebung zu überreden. Dies war jedoch keine leichte
Aufgabe. Es wurden mehrere Berathungen gehalten und es fand eine
große Musterung der Partei unter dem Vorwande einer Maskerade statt,
zu welcher Billets zu einer Guinee das Stück unter die Eingeweihten
vertheilt wurden.[106] Alles lief jedoch auf Reden, Singen und Trinken
hinaus. Viele angesehene und wohlhabende Männer erklärten zwar, daß
sie das Schwert für ihren rechtmäßigen Souverain ziehen würden, sobald
ihr rechtmäßiger Souverain mit einer französischen Armee auf der Insel
erschiene, und Berwick war ermächtigt worden, ihnen zu versichern,
daß eine französische Armee geschickt werden solle, sobald sie das
Schwert gezogen haben würden. Aber zwischen dem was sie verlangten
und dem was er zuzusagen ermächtigt war, bestand eine Differenz, die
keinen Vergleich gestattete. Ludwig wollte in seiner damaligen Lage
nicht elf- bis zwölftausend Soldaten auf bloße Versprechungen hin
opfern. Aehnliche Versprechungen waren schon 1690 gemacht worden,
und doch hatten sich, als die Flotte Tourville’s an der Küste von
Devonshire erschienen war, die westlichen Grafschaften wie ein Mann
zur Vertheidigung der Regierung erhoben, und nicht ein einziger
Mißvergnügter hatte auch nur einen Laut zu Gunsten der Angreifer zu
äußern gewagt. Aehnliche Versprechungen waren auch 1692 gemacht worden,
und dem Vertrauen, das man in diese Versprechungen gesetzt hatte, mußte
die große Niederlage von La Hogue zugeschrieben werden. Zum dritten
Male wollte sich der König von Frankreich nicht täuschen lassen. Er
wollte den englischen Royalisten sehr gern helfen, aber er wollte erst
sehen, daß sie sich selbst halfen. Dies hatte guten Grund, aber was
die Jakobiten auf der andren Seite geltend machten, hatte ebenfalls
guten Grund. Wenn sie, sagten sie, ohne ein einziges disciplinirtes
Regiment zur Seite zu haben, sich gegen einen durch eine reguläre Armee
unterstützten Usurpator erhöben, so würden sie Alle in Stücken gehauen
sein, bevor die Nachricht von ihrer Erhebung nach Versailles gelangte.
Da Berwick keine Hoffnung machen konnte, daß eine Invasion erfolgen
würde, bevor eine Insurrection stattfand, und da der Entschluß seiner
englischen Freunde, keine Insurrection zu veranlassen, bevor eine
Invasion stattfand, unerschütterlich war, so hatte er hier nichts mehr
zu thun und sehnte sich danach wieder abzureisen.
Er sehnte sich um so mehr nach der Abreise, als der 15. Februar
herannahte. Denn er stand in fortwährender Communication mit Barclay und
war genau von allen Details des Verbrechens unterrichtet, das an diesem
Tage verübt werden sollte. Er galt im allgemeinen für einen Mann von
starrer und selbst unfreundlicher Rechtschaffenheit. Aber sein Sinn für
Recht und Unrecht war durch seinen Eifer für die Interessen seiner
Familie und durch seinen Respect vor den Lehren seiner Priester
dergestalt verwirrt worden, daß er, wie er selbst offen bekannt hat,
sich nicht verpflichtet glaubte, die Mörder von der Ausführung ihres
Vorhabens abzubringen. Er hatte in der That nur ein Bedenken gegen den
Plan, und dieses Bedenken behielt er für sich. Es bestand einfach darin,
daß alle Betheiligten sehr wahrscheinlich gehängt werden würden. Das war
jedoch ihre Sache, und wenn sie Lust hatten, sich für die gute Sache
einer solchen Gefahr auszusetzen, so stand es ihm nicht zu, ihnen davon
abzurathen. Seine Mission war von der ihrigen völlig gesondert; er
sollte nicht im Verein mit ihnen handeln, und er war daher auch nicht
geneigt, mit ihnen zu leiden. Demgemäß eilte er zurück nach dem Romney
Moor und setzte nach Calais über.[107]
In Calais fand er Vorbereitungen zu einer Landung in Kent im Werke. Die
Stadt war mit Truppen, der Hafen mit Transportschiffen angefüllt.
Boufflers hatte Befehl erhalten, sich aus Flandern dahin zu begeben und
das Commando zu übernehmen. Jakob selbst wurde täglich erwartet. Er war
in der That bereits von Saint-Germains abgereist. Doch Berwick wollte
nicht warten. Er schlug die Straße nach Paris ein, traf in Clermont mit
seinem Vater zusammen und erstattete ihm ausführlichen Bericht über die
Lage der Dinge in England. Seine Sendung, sagte er, sei gescheitert. Die
royalistische Noblesse und Gentry seien entschlossen, sich nicht eher zu
erheben, als bis eine französische Armee auf der Insel ankäme. Es sei
indeß noch eine Hoffnung: binnen wenigen Tagen werde wahrscheinlich die
Nachricht eintreffen, daß der Usurpator nicht mehr sei, und diese
Nachricht werde die ganze Gestalt der Dinge ändern. Jakob beschloß, sich
nach Calais zu begeben und dort den Ausgang von Barclay’s Complot zu
erwarten. Berwick eilte nach Versailles zurück, um Ludwig von Allem
genau zu unterrichten. Welcher Art seine Mittheilungen waren, ersehen
wir aus Berwick’s eigner Erzählung. Er sagte dem Könige von Frankreich
geradezu, daß eine kleine Schaar loyaler Männer demnächst ein Attentat
auf das Leben des großen Feindes Frankreich’s machen werde. Die nächste
Post könne die Meldung eines Ereignisses bringen, die wahrscheinlich die
englische Regierung stürzen und die europäische Coalition auflösen
werde. Man hätte denken sollen, daß ein Fürst, der den Character eines
frommen Christen und eines hochsinnigen Cavaliers so prunkend zur Schau
trug, augenblicklich Maßregeln ergriffen haben würde, um seinem Rivalen
einen warnenden Wink zu geben, der vielleicht noch zur rechten Zeit kam,
und daß er die Gäste, die seine Gastfreundschaft so gröblich
mißbrauchten, scharf tadeln würde. Doch Ludwig that nichts von dem
Allen. Wäre er um seine Einwilligung zu einem Morde angegangen worden,
so würde er sie wahrscheinlich mit Entrüstung verweigert haben. Die
Mittheilung aber, daß ohne seine Einwilligung wahrscheinlich ein
Verbrechen begangen werden würde, daß seinen Interessen weit
förderlicher sein mußte als zehn solcher Siege wie der von Landen,
erregte keineswegs seinen Unwillen. Er schickte den Befehl nach Calais,
daß seine Flotte in Bereitschaft gehalten werden solle, damit er im
Stande sei, aus der großen Krisis, die er erwartete, Nutzen zu ziehen.
Inzwischen erwartete Jakob in Calais mit noch größerer Ungeduld das
Zeichen, daß sein Neffe nicht mehr war. Dieses Zeichen sollte durch ein
Feuer gegeben werden, zu dem das Holz bereits auf den Klippen von Kent
zusammengetragen wurde und das über dem Kanal sichtbar sein sollte.[108]