Atrophie verbunden mit Vermehrung der Kerne beobachtete ~Flemming~
beim Fettgewebe. Bei langsam eintretendem, aber über längere Zeit sich
ausdehnendem Fettschwund in Folge ungenügender Ernährung fand er in
vielen Fettläppchen den grössten Theil der Zellen, deren Fettgehalt
stark herabgesetzt war, mit zwei, drei oder vier Kernen versehen,
welche in der den Fetttropfen einschliessenden Protoplasmahülle
vertheilt waren. Bei starker Nahrungsentziehung und acuten
Krankheitsattaquen tritt nach den Untersuchungen von ~Flemming~ -- bei
Thieren schon nach wenigen Tagen -- eine hochgradige Wucherung der
Kerne zugleich mit dem Schwund und Zerfall des Fetttropfens auf; um die
einzelnen Kerne sammelt sich das gleichfalls vermehrte Protoplasma an
und grenzt sich ab, so dass es aussieht, als ob innerhalb der mit Serum
und Fettkügelchen erfüllten Membran der Fettzelle sich eingedrungene
Lymphkörperchen befänden.
In ähnlicher Weise treten Kernwucherungen in der degenerirenden Muskel-
und Nervenfaser auf, dort sind es die Kerne der Muskelkörperchen, hier
der ~Schwann~’schen Scheide. Beim Muskelprimitivbündel entstehen so auf
vorgeschrittenen Stadien der Degeneration innerhalb des unveränderten
Sarcolemmschlauches kernhaltige Protoplasmamassen, welche mehr oder
minder von einander isolirt sind; wenn die contractile Muskelsubstanz
die Querstreifung verloren hat und in einzelne Schollen zerfallen
ist, nehmen sie letztere zum Theil in sich auf und beschleunigen
ihren weiteren Zerfall und ihre Resorption. In ähnlicher Weise treten
Zellen, die durch Wucherung der Kerne der ~Schwann~’schen Scheide und
des sie einhüllenden Protoplasmas entstanden sind, in den mit den
Zerfallsproducten des Achsencylinders und der Myelinscheide erfüllten
Neurilemmschläuchen auf und vermitteln ihre Resorption.
Ebenso wurden Kernwucherungen bei der Atrophie der Geschmacksknospen
beobachtet.
Hieraus lässt sich der allgemeine Schluss ziehen: +Während bei höheren
Graden der Atrophie die specifischen Structuren, auf denen die Eigenart
der einzelnen Gewebe beruht, zu Grunde gehen, bleiben die Zellen selbst
nicht nur als solche erhalten, sondern ihre Kerne werden sogar durch
den Zerfallsprocess der Protoplasmaproducte und durch den veränderten
Stoffwechselprocess noch zu Wachsthum und zu wiederholter Theilung
angeregt+.