6. Chemische Reize.

Auf den Ablauf der zahllosen chemischen Processe, die für die

Lebensthätigkeit der verschiedenen Gewebe charakteristisch sind und

welche eine grosse Fülle eigenthümlicher und complicirter Körper, wie

Glutin, Elastin, Chondrin, Mucin, Melanin, Myosin, Myelin etc. etc.

erzeugen, kann es natürlich nicht gleichgiltig sein, welche festen,

flüssigen und gasförmigen Stoffe, und in welcher Menge sie in das

chemische Laboratorium des Organismus eingeführt werden. Denn je

nachdem wird dieser oder jener chemische Process im Organismus eine

Abänderung erfahren können. Und hierdurch können wieder Wachsthums- und

Gestaltungsprocesse in Mitleidenschaft gezogen werden. Daher bilden

denn chemische Körper in festem, flüssigem oder gasförmigem Zustand

mit ihren eigenthümlichen Kräften ebenfalls wichtige, ausserordentlich

mannigfaltige Reize, welche gleich den mechanischen, thermischen etc.

die Gestaltbildung und Entwicklungsweise bei Pflanzen wie bei Thieren

direct beeinflussen.

a. +Beeinflussung bei Pflanzen+.

Es ist bekannt, wie die im Boden enthaltenen Nährstoffe das Wachsthum

vieler Pflanzen modificiren, wie manche Arten auf einem fetten oder

zu stark gedüngten Boden in’s Kraut schiessen, aber dabei nicht zur

Blüthen- und Fruchtbildung gelangen. „Alle Blumenzüchter sind,“ wie

~Darwin~ anführt, „einstimmig der Ansicht, dass gewisse Varietäten

durch sehr unbedeutende Differenzen in der Natur der künstlichen

Erde, in welcher sie gezogen werden, durch den natürlichen Boden des

Districts afficirt werden.“

Ohne geringe Spuren von Eisensalzen zum Beispiel ist eine normale

Entwicklung chlorophyllhaltiger Pflanzen nicht möglich. Wird ein

keimendes Pflänzchen in einer eisenfreien Nährstofflösung gezüchtet,

so macht sich schon in wenigen Tagen die von ~Gries~ nachgewiesene

Erscheinung der +Chlorose+ bemerkbar. Die zur Entfaltung gelangenden

Blätter bleiben weiss, weil in ihren Zellen keine Chlorophyllkörner

gebildet werden. Da nun aber ohne Chlorophyll der ganze

Assimilationsprocess der Pflanze nicht vor sich gehen kann, hören

schliesslich alle Keimpflänzchen, die in eisenfreier Nährstofflösung

gezüchtet werden, auch wenn in ihr sonst alle zum Wachsthum nöthigen

Stoffe reichlich vorhanden sind, überhaupt ganz zu wachsen auf und

müssen so nach einiger Zeit zu Grunde gehen. Es genügt jedoch, Spuren

eines löslichen Eisensalzes zur Nährlösung nachträglich hinzu zu

setzen, um schon nach 48 Stunden ein Ergrünen der Blätter und damit

auch die Möglichkeit weiterer Entwicklung hervorzurufen. Ebenso ergrünt

auch bald das chlorotische Blatt, wenn man seine Oberfläche mit einer

dünnen Eisenvitriollösung bestreicht, die allmählich von den Zellen

aufgenommen wird.

Durch Beimengung bestimmter Substanzen zur Nährflüssigkeit kann

man manche Pflanzen zu abweichender Gestaltbildung veranlassen. So

berichtet ~Knop~ in den Schriften der sächsischen Akademie über

Experimente an +Maispflanzen+, die in einer Nährflüssigkeit gezüchtet

wurden, welche unterschwefelsaure Talkerde enthielt. Die Pflanzen

brachten es bis zur Entwicklung eines Blüthenstandes. Dieser wich

indessen in Folge der veränderten Ernährungsweise der Keimpflanzen

vom normalen Habitus so erheblich ab, dass ~Knop~ sich zu folgender

Bemerkung veranlasst sah: „Fasst man die Eigenthümlichkeiten der neuen

Pflanze in den Ausdrücken der üblichen Terminologie zusammen und

vergleicht die Diagnose mit der der Gattung Zea, so findet man die

Abweichung so stark, dass man sie dieser Gattung nicht mehr einreihen

kann.“

Nach ~Lesage~ macht die Nähe des Meeres und die Benetzung mit

Salzlösungen die Blätter der Pflanzen fleischiger, bringt das

Pallisadenparenchym zur Entwicklung und vermindert die Vacuolen und das

Chlorophyll.

„Die normal erst im zweiten Jahre blühende Runkelrübe geht auf einem

stark mit Phosphaten gedüngten Boden häufig schon im ersten Jahre zur

Blüthenbildung über“ (~Sachs~).

b. +Beeinflussung bei Thieren+.

Noch zahlreichere und mannigfaltigere Beispiele liefern uns die Thiere.

Bekannt sind die mit +Phosphor+ und +Arsen+ angestellten, interessanten

Experimente von ~Wegner~, ~Gies~ und ~Kassowitz~. Kleinste,

täglich verabreichte Gaben von Phosphor (0,0015 g) oder von Arsen

(0,0005–0,001 g) rufen in der kürzesten Zeit erhebliche +Veränderungen

im Knochenbildungsprocesse+ hervor, welche sich überall da zeigen,

wo Knochensubstanz neu gebildet wird, sowohl an den Epiphysen als am

Periost. Es wird die normale Einschmelzung des verkalkten Knorpels

und der jüngsten Knochentheile eingeschränkt. An den Epiphysen

wird anstatt spongiöser Knochensubstanz eine ziemlich compacte,

eigenartig modificirte Knochenschicht erzeugt, an welcher man auf den

ersten Blick einen normal entwickelten, von einem unter Phosphor-

oder Arsenfütterung entstandenen Knochen unterscheiden kann. Durch

periostale Auflagerungen wird die Diaphyse dicker, zumal da auch die

von Seiten des Markraums erfolgende Resorption von Knochensubstanz

abgenommen oder ganz aufgehört hat. Ja es kann sogar durch längere

Zeit fortgesetzte Fütterung bei Hühnern das Mark der Röhrenknochen in

Knochengewebe umgewandelt werden.

Durch Entziehung des zur Skelettbildung erforderlichen Kalks kann man

ebenfalls formative Processe abändern. Solche Versuche haben ~Pouchet~

und ~Chabry~ mit Erfolg an +Seeigeleiern+ ausgeführt, welche sie sich

in kalkfreiem Meerwasser entwickeln liessen. In Folge dessen konnten

beim Uebergang der Gastrula in die Pluteusform die Kalknadeln, welche

sich zum Skelett der Arme verbinden, wegen mangelnden Baumaterials

nicht gebildet werden. Die unterdrückte Entwicklung des Skeletts ist

dann wieder die Ursache geworden, dass auch das weiche Gewebe der Arme

ebenfalls nicht zur Anlage gekommen ist. „Kaum zeigte eine unbedeutende

Verdickung des Ektoderms -- bemerken die französischen Forscher -- eine

schwache Tendenz des äusseren Blattes an, für die Arme noch einige

Zellen mehr zu erzeugen.“

In dasselbe Gebiet der Veränderung thierischer Formbildung durch

stoffliche Einwirkungen rechne ich eine Reihe bemerkenswerther

Erscheinungen, welche uns hie und da auf dem Gebiet der Biologie

der Thiere entgegentreten und welche theils in neuerer Zeit durch

~Schmankewitsch~ und ~Koch~, durch ~Grassi~ und ~Emery~ beobachtet,

theils aus der älteren Literatur durch ~Darwin~ zusammengestellt worden

sind.

~Schmankewitsch~ hat +Artemia salina+ mehrere Generationen hindurch

gezüchtet, indem er allmählich den Salzgehalt des Wassers erhöhte. Er

konnte auf diese Weise bei den gegen Salzgehalt ungemein empfindlichen

Thieren Veränderungen an den Schwanzborsten und Schwanzlappen

hervorrufen, bis schliesslich eine Form entstand, welche der +Artemia

Mühlhausenii+ genau entsprach. Ebenso konnte er durch Verdünnung des

Salzwassers die Artemia salina in einer anderen Richtung verändern und

allmählich in die Form +Branchipus+ umwandeln.

Einen ähnlichen Fall von der Entwicklung veränderten Salzgehaltes auf

die Schalenbildung von Muscheln berichtet ~Costa~. Junge, von den

Küsten von England genommene Austern, wenn sie in das Mittelländische

Meer versetzt werden, verändern alsbald ihre Wachsthumsweise und bilden

vorragende divergirende Strahlen, wie sie den Schalen der eigentlichen

Mittelmeer-Austern eigenthümlich sind.

Dankbare Objecte für +Fütterungsexperimente+ sind +die Raupen der

Schmetterlinge+. Es ist eine bekannte, besonders durch Experimente von

dem Lepidopterologen ~Koch~ festgestellte Thatsache, „dass wenn man die

Raupe unseres +deutschen Bären+ (Chelonia caja) schon vom Ei aus bis

zur Verwandlung mit Blättern von Lactuca sativa oder Atropa belladonna

füttert, alsdann von den daraus hervorgegangenen Schmetterlingen keiner

dem ursprünglichen mehr gleicht. In der Regel erzielt man an mit

Salat gefütterten Raupen Exemplare, bei welchen die weisse Grundfarbe

der Oberflügel vorherrscht; die Tollkirsche lässt öfters die braunen

Zeichnungen auf den Oberflügeln zusammenfliessen und das Weisse

verschwinden, ebenso vereinigen sich die blauen Zeichnungen auf den

Unterflügeln und verdrängen die orangegelbe Grundfarbe“. In ähnlicher

Weise konnte ~Koch~ bei anderen Arten, wie dem Wegerichspinner

(Chelonia plantaginis) und dem Föhrenspinner (Gastrophaga pini)

Veränderungen in der Färbung erzielen.

Zieht man ausser diesen Experimenten noch die Thatsache in Betracht,

dass „zahlreiche, sehr wenig verschiedene, verwandte Vanessaarten,

so Vanessa polychloros, xanthomelas, album und urticae ihre Eier an

verschiedene Futterpflanzen ablegen“, so ist die Ansicht von ~Eimer~

nicht unbegründet: „es seien viele neue Schmetterlingsarten wohl

dadurch entstanden, dass Raupen sich zu irgend einer Zeit einem

Futterwechsel anzubequemen gezwungen waren“.

Auch für die Classe der +Vögel+ liegt eine Anzahl ähnlicher Erfahrungen

vor, welche ~Darwin~ gesammelt hat.

„Die Fütterung mit Hanfsamen wird die Ursache, dass Gimpel und gewisse

andere Vögel schwarz werden. Nach den Angaben von ~Wallace~ füttern

die Eingeborenen des Amazonenstromgebietes den gemeinen grünen Papagei

(Chrysotis festiva) mit dem Fett grosser welsartiger Fische, und die

so behandelten Vögel werden wundervoll mit rothen und gelben Federn

gefleckt. Im malayischen Archipel verändern die Eingeborenen von Gilolo

in einer analogen Weise die Farben eines anderen Papageis, nämlich

des Lorius garulus, und produciren hierdurch den Lori rajah oder

Königs-Lori. Werden diese Papageien auf den malayischen Inseln und in

Südamerika von den Eingeborenen mit ihrem natürlichen vegetabilischen

Futter, wie Reis und Pisang gefüttert, so behalten sie ihre

gewöhnlichen Farben.

Mr. ~Wallace~ hat auch einen noch eigenthümlicheren Fall angeführt:

„Die Indianer von Südamerika besitzen eine merkwürdige Kunst, durch

welche sie die Farben der Federn vieler Vögel verändern. Sie rupfen

diejenigen von den Theilen, die sie zu färben wünschen, aus und impfen

in die frische Wunde die milchige Secretion der Haut einer kleinen

Kröte. Die Federn wachsen nun mit einer brillanten, gelben Farbe,

und werden sie ausgerupft, so sollen sie von derselben Farbe wieder

wachsen, ohne irgend einen frischen Eingriff.“

Nahrungseinflüsse werden um so leichter tiefere Veränderung

hervorzurufen im Stande sein, auf je früheren Stadien der Entwicklung

aus dem Ei sie einen Organismus treffen. Als Belege hierfür seien die

+Bienen+, +Termiten+ und +Ameisen+ angeführt. Ich bin vollkommen der

Ansicht von ~Emery~, ~Grassi~, ~Herbert Spencer~ etc., dass der +bei

diesen Thierstaaten beobachtete Polymorphismus der Individuen+ (Fig.

49) +lediglich direct durch die äusseren Einflüsse hervorgerufen worden

ist, welchen die Eier in Bezug auf Wohnung und Nahrung während ihrer

Entwicklung ausgesetzt werden+.

Nach den zahlreichen Beobachtungen und Experimenten der Bienenzüchter

sind die befruchteten +Eier der Bienenkönigin+ fähig, sowohl

Arbeiterinnen als wieder Königinnen zu werden. Es hängt dies lediglich

davon ab, in welche Zellen des Bienenkorbes die Eier gebracht und

in welcher Weise sie ernährt werden. In besonders grossen Zellen

(Weichselwiegen) und bei reichlicher Ernährung werden sie zu

Königinnen, bei knapper Kost in engeren Zellen zu Arbeiterinnen.

Es können sogar +nachträglich+ Larven von Arbeiterinnen durch

reichlicheres Futter, wenn es noch zeitig genug geboten wird, in

Königinnen umgewandelt werden.

Auch für die +Termiten+ (Fig. 49) ist dem italienischen Zoologen

~Grassi~ der Nachweis gelungen, dass sie es in ihrer Macht haben, die

Zahlenverhältnisse der Arbeiter und Soldaten zu reguliren und letztere

je nach Bedürfnis zu züchten, ebenso wie sie die Geschlechtsreife

anderer Individuen durch eine entsprechende Nahrung zur Erzeugung von

Ersatzgeschlechtsthieren beschleunigen können.

[Illustration: =Fig. 49. Termes lucifugus.=

_1_ Geflügeltes Geschlechtsthier. _2_ Weibchen nach Verlust der Flügel

mit Resten derselben. _3_ Arbeiter. _4_ Soldat. Aus ~Leunis-Ludwig~.]

[Illustration: =Fig. 50. Larve von Echinus mikrotuberculatus=, welche

in Meerwasser, dem etwas Lithiumchlorid zugesetzt war, gezüchtet ist.

_ga_ Theil der Aussenwand der Gastrula (Entoderm). _vst_

Verbindungsstück. _ua_ Nach aussen hervorgestülpter Urdarmabschnitt

(Entoderm).]

In ähnlicher Weise erklärt ~Emery~ die Arbeiterbildung bei den

Ameisen „aus einer besonderen Reactionsfähigkeit des Keimplasmas,

welches auf die Einführung oder auf den Mangel gewisser Nährstoffe

durch raschere Ausbildung gewisser Körpertheile und Zurückbleiben

anderer in ihrer Entwicklung antwortet. Arbeiternahrung muss

die Kiefer- und Gehirnentwicklung gegen die der Flügel und der

Geschlechtstheile bevorzugen, Königinnennahrung umgekehrt“. Zwischen

der Verkümmerung der Geschlechtsdrüsen und der stärkeren Ausbildung

des Kopfes findet eine Correlation statt, geradeso wie bei den

Wirbelthieren zwischen der Entwicklung der Geschlechtsdrüsen und

manchen secundären Sexualcharakteren. Ganz passend hat daher ~Emery~

die Verschiedenheit der Individuen bei Termiten, Bienen und Ameisen als

+Nahrungspolymorphismus+ bezeichnet.

Nach unserer Erklärung lässt sich auch recht gut die durch sorgfältige

Beobachter (~Ch. Darwin~, ~Emery~ etc.) festgestellte Thatsache

verstehen, dass bei manchen Arten der Ameisen die verschiedenen

extremen Individuen durch Zwischenformen allmählich in einander

übergehen (viele Myrmiciden, die meisten Camponotiden, Azteca).

Uebergänge finden sich sowohl in Bezug auf die Grössenverhältnisse,

als auch hinsichtlich der Verkümmerung der Geschlechtsorgane und auch

hinsichtlich der sehr verschiedenen Structur ihrer Kiefer etc. Sie

erklären sich, wie ~Spencer~ mit Recht hervorhebt, dadurch, dass die

Entziehung der Nahrung bei allen Eiern nicht zur selben Zeit während

ihrer Entwicklung stattgefunden hat.

Wie in den angeführten Beispielen normale Formwandlungen, so lassen

sich endlich auch ganz charakteristische +Monstrositäten erzielen, wenn

bestimmte chemische Substanzen oft in ganz minimalen Quantitäten auf

Eier, namentlich in den Anfangsstadien ihrer Entwicklung, einwirken+.

Der Zoologe ~Herbst~ hat durch Zusatz geringer Mengen von Lithiumsalz

zum Meerwasser aus den befruchteten Eiern eines Seeigels, des

Sphaerechinus granularis, eigenthümlich gestaltete +Lithiumlarven+,

wie er sie nennt, erhalten (Fig. 50). Die Eigenthümlichkeit ihrer

Entwicklung besteht darin, dass der Bezirk der Keimblase, welcher zum

Darm wird (_ua_), sich in Folge der Einwirkung des Lithiumsalzes nicht

in die Blastulahöhle einstülpt, sondern geradezu in entgegengesetzter

Richtung nach aussen als Fortsatz hervorwächst. Werden die Larven

zu geeigneter Zeit in reines Meerwasser zurückgebracht, so bleibt

der Darm nach aussen hervor gestülpt, der übrige Körpertheil aber

beginnt die für die Pluteusform charakteristischen Veränderungen zu

erleiden und die Arme, den Wimperring, Mesenchym und Kalknadeln zu

entwickeln. Um die Reaction zu erzielen, muss das Salz auf die Eier

während der ersten Entwicklungsstadien einwirken; Eier, welche auf

späteren Furchungsstadien oder als junge Blastulae noch in der Eihülle

in die Lithiummischung gebracht werden, erleiden nicht mehr die oben

beschriebene Veränderung.

+Aus Frosch- und Axolotleiern erhielt ich Embryonen mit theilweiser

Anencephalie und Hemicranie, wenn sie sich in Kochsalzlösungen von+

0,6% (resp. 0,7%) +entwickelten+ (Fig. 51, 52, 53). Die zur Anlage der

nervösen Substanz dienenden Theile des äusseren Keimblattes werden

durch den chemischen Eingriff geschädigt. Die Nervenplatte, anstatt

sich rechtzeitig zum Rohr zu schliessen, bleibt flach ausgebreitet,

ein Zustand, der meist auf den Bereich des dritten bis fünften

Hirnbläschens beschränkt ist. Die nicht zum Verschluss gelangten

Partieen der Nervenplatte zeigen später Zerfallserscheinungen und sind

ausser Stande, Nervensubstanz zu entwickeln.

Näheres über die Amphibienlarven mit Anencephalie und Rückenmarksspalte

ist aus den Fig. 51–53 und der ihnen beigefügten Erklärung zu ersehen.

[Illustration: Fig. 51.]

[Illustration: Fig. 52.]

[Illustration: Fig. 53.]

=Fig. 51. Embryo von Rana fusca.= Aus einem Ei, das nach der

Befruchtung am 10. März in einer 0,6procentigen Kochsalzlösung bis

zum 14. März gezüchtet wurde, vom Rücken gesehen. Die dritte bis

fünfte Hirnblasenanlage haben sich nicht zum Rohr geschlossen. _hp_

Hirnplatte, umgeben von einem Saum der Epidermis _s_.

=Fig. 52. Embryo von Axolotl, mit Anencephalie und Spalten im

Medullarrohr.= Aus einem Ei, das vom 26. November bis 4. December in

einer 6procentigen Kochsalzlösung gezüchtet wurde.

_hp_ Hirnplatte. _r_ Rinne zwischen beiden Hälften derselben.

_s_ Hautsaum. _mr¹_, _mr²_ Zwei Spalten im Nervenrohr. _sch_

Schwanzhöcker.

=Fig. 53. Querschnitt durch die unentwickelt gebliebene Hirnanlage

des in Fig. 52 abgebildeten Embryos in der Gegend der Ohrbläschen.=

_hp_ Hirnplatte. _r_ Mediane Rinne derselben. _ch_ Chorda. _s_ Saum

der Epidermis an der Grenze der offen gebliebenen Hirnplatte. _hb_

Hörbläschen. _kd_ Kopfdarmhöhle.

Manche Missbildungen bei Säugethieren und beim Menschen werden sich

wohl in ähnlicher Weise als Chemomorphosen erklären lassen, entstanden

durch abnorme Stoffwechselprocesse von Seiten der Wandungen der

Gebärmutter.

Die Zelle und die Gewebe (Vol. 2/2) · 第 133 / 225 题