In ähnlicher Weise wie die Schwere wirkt die Centrifugalkraft. Für
Experimente bietet letztere sogar den Vortheil dar, dass man es in
seiner Hand hat, die Kraft beliebig zu variiren. Entweder kann man
dem Centrifugalapparat, auf den man den zu untersuchenden Gegenstand
bringt, eine verschieden starke Umdrehungsgeschwindigkeit geben, oder
man kann den Radius des Kreises, in dessen Peripherie der Gegenstand
rotirt, beliebig verlängern oder verkürzen. Wie durch die Gravitation
wird auch durch die Centrifugalkraft eine Sonderung der Substanzen
von ungleicher Schwere hervorgerufen, indem die schwersten sich am
weitesten vom Umdrehungsmittelpunkt entfernen, die leichteren sich
proximalwärts anordnen. Wenn die Centrifugalkraft die Wirkung der
Gravitation der Erde übertrifft, so muss sie natürlich auch einen
stärker sondernden Einfluss auf organische Theile und auf Organismen
ausüben, die aus Substanzen von verschiedener Schwere zusammengesetzt
sind.
[Illustration: =Fig. 36. Froschei=, durch den Einfluss der
Centrifugalkraft während der Entwicklung gesondert in eine Keimscheibe
und eine unentwickelt gebliebene Dottermasse mit einem Dottersyncytium.]
Von diesem Gesichtspunkt ausgehend, ist es mir gelungen, die ersten
Entwicklungsprocesse des Froscheies, dessen Dotterplättchen,
Protoplasma und Zellkerne von verschiedener Schwere sind, von Grund
aus umzuändern. Bei genügender Stärke der Centrifugalkraft wird im
befruchteten Ei der Gegensatz zwischen animaler und vegetativer
Eihälfte noch vergrössert. Der Furchungsprocess bleibt mehr und mehr
auf die animale Hälfte beschränkt, weil die Kerne als die leichtesten
Theile in der Nähe des der Umdrehungsaxe zugekehrten animalen Poles
gewissermaassen festgehalten werden. +Man kann auf diesem Wege
schliesslich das holoblastische Froschei mehr oder minder in einen
meroblastischen Typus überführen+ (Fig. 36). Wenn nach 24 Stunden der
Furchungsprocess unter dem Einfluss der Centrifugalkraft genügend weit
fortgeschritten ist, findet man das Froschei wie das Ei eines Vogels
aus einer kleinzelligen, die Blastulahöhle einschliessenden Keimscheibe
und einer ungetheilt gebliebenen grösseren Masse von Nahrungsdotter
zusammengesetzt. Beide sind ziemlich scharf mit einer ebenen Fläche
gegen einander abgegrenzt. Die Uebereinstimmung geht sogar so weit,
dass sich in der subgerminalen Schicht des Dotters vereinzelte
Kerne eingelagert finden. Dadurch ist eine dem Dottersyncytium
meroblastischer Eier vergleichbare Schicht entstanden.
Auf Grund derartiger Experimente kann man wohl die Behauptung
aufstellen und rechtfertigen, dass, wenn eine der unsrigen
entsprechende Lebewelt auf einem vielmals grösseren Planeten, als die
Erde ist, existirte, sie unter dem Einfluss einer stärkeren Gravitation
in ihrer Organisation vielfach abgeänderte Züge aufweisen müsste. So
würden vielleicht die Eier mancher Thierclassen, wie der Amphibien
oder der Accipenseriden, die sich bei der von der Erde ausgeübten
Gravitation holoblastisch entwickeln, bei einer vielmals stärkeren
Gravitationswirkung dem meroblastischen Typus folgen.