Na, hochentwickelte deutsche Hausfrau, mach' dir halt keine Sorgen.«

»Der selige Bruder wird sich eben reichlich seine Gedanken gemacht

haben, als es zu Ende ging. Ein reputierlicher Mensch ist er ja sicher

gewesen, wie sie es von jeher in der Familie waren und was soll er denn

groß anderes gethan haben als andre anständige Männer? Wenn es auf den

Tod hinausgeht, werden die Leut' halt ängstlich!«

7.

Doktor Frey reiste Tags darauf mit Isolden, seinem Liebling, nach Berlin

ab, um in Mamas Namen manches zu erledigen.

Isolde war schweren Herzens gegangen. Ihre Rosen blühten noch in den

Gläsern.

Mittlerweile geschahen Wunder und Zeichen in der Frey'schen Wohnung.

Mama hatte im Koupé wahrhaft kühne Pläne geschmiedet; auch Mama waren

die Flügel gewachsen. Mama, die in ihrer langen Ehe nie aus der

Bedrängnis gekommen war, aus Bedrängnissen, die von Kind zu Kind, von

Jahr zu Jahr gewachsen waren, Mama wollte jetzt ihres Glückes froh

werden.

Es war ihr Geld -- ja -- das war es doch? Der Bruder hatte es ihr

vermacht -- doch ihr?

Nun konnte sie einmal alles nach eigenem Gutdünken thun. Wie gut, daß er

jetzt nicht daheim war.

In ihrem Hirn hatten sich, so lang sie dachte, die schwierigsten

Probleme gewälzt: >Fett oder Schmalz? Was giebt mehr aus? Wie dehn'

ich's am besten? Heut nehm' ich um ein Bröckel weniger, dann reicht der

Rest morgen noch halbwegs -- und übermorgen -- da schöpf' ich's von der

Suppe.<

Und die unheimlichen Kunststücke mit Fleisch und Butter, daß alles

ausreiche. -- Und das Hangen und Bangen in den letzten Tagen des Monats,

wenn das Geld trotz alles Quälens und Marterns nirgends mehr langte; --

und die ewige Unzufriedenheit, daß nichts gut genug war -- und das

Schuldbewußtsein, die Angst, wenn sie antreten mußte, um das

Wirtschaftsgeld zu erbitten -- auch wenn es pünktlich um die vorgesetzte

Stunde war -- er war doch immer entrüstet. Wie eine Verbrecherin, eine

Geldfortschlepperin hatte sie vor ihm stehen müssen -- ein Mal wie das

andre Mal.

Da konnte sie sich bis aufs Blut gepeinigt haben und wie ein Raubtier

hinter allem drein gewesen sein. Das war alles gleich -- immer dieselbe

Operation.

Ach, wie sie alles dessen müde geworden war -- schon längst -- längst

müde, wie ausgesogen.

Als junges Mädchen hatte sie recht gern gelesen, hatte sich Gedichte

abgeschrieben und schöne Aussprüche. Davon war nie mehr die Rede

gewesen.

Nach jeder Wäsche Gebirge morschen Leinenzeugs und von früh morgens an

das Sinnen und Kämpfen, daß es zum Mittagessen lange, und daß mit den

lächerlichsten Mitteln etwas Anständiges auf den Tisch komme.

Halbtier: Roman · 第 29 / 54 题