»Nun wird sie schlafen -- --« hörte ich in halbem Traum den Arzt zu
meiner Mutter sagen, während sich leise die Türe hinter ihnen schloß.
Seit vier Tagen hatte ich mich in Schmerzen gewunden, die selbst der
Morphiumspritze stand hielten. Heute war ich chloroformiert worden.
Durstig hatte ich unter der Gazemaske den süßen Duft wachsender
Betäubung eingesogen. Jetzt lag ich schwer, wie in Ketten gebunden, auf
dem Bett, -- schmerzlos, schlaflos. Ein mattes, rosig flackerndes Licht
ging von dem Nachtlämpchen neben mir aus. Die gelben Blätter auf der
Tapete zuckten hin und her -- zuerst langsam, dann immer schneller,
schneller --, mir wurde schwindlig dabei. Ich schloß die Augen. Gott,
war ich müde! -- Plötzlich sprang die Türe auf, und es schwebte herein,
groß, weiß und kalt; Augen sahen mich an, ohne Farbe, wie Mondlichter,
-- und andere tauchten wie aus Nebelschleiern auf, blutunterlaufene, --
in schmerzverzerrten Gesichtern, -- hungrige, die gierig nach Beute
suchten, -- lüsterne, in denen kleine, rote Flammen tanzten. Dabei
rauschte es wie von vielen Gewändern, und tappte und klapperte, wie von
zahllosen Tritten ... Die Wände rückten auseinander vor der schiebenden
drängenden Masse gräßlicher Gespenster ... Nun stand sie vor mir, ganz,
ganz dicht, die Weiße mit den Mondaugen, und eine Hand, wie von Eis und
zentnerschwer, legte sich auf mein Herz. »Queen Mab« schrie ich auf --
jetzt saß sie schon auf meinem Bett, und ihre Finger bohrten sich in
meine Seite ... Ich aber lag in Ketten gebunden und konnte sie nicht von
mir stoßen.
Wir kämpften miteinander -- Tage -- Wochen. Meine Jugend besiegte sie.
Es kamen ganz stille Zeiten, wo die Schneeflocken leise vor meinen
Fenstern niederfielen und nur hie und da von weitem ein lauter Ton an
mein Ohr schlug: das Stampfen der Pferde im Stall, der Schlag der
Domuhr, das lustige Lachen Klein-Ilschens.
Nun wußten die Arzte endlich, woran ich litt: die Nierenentzündung, die
mich so überwältigt hatte, ließ keinen Zweifel mehr daran. Ich mußte
bewegungslos, grade gestreckt im Bette liegen, auch dann noch, als die
Weiße mit den Mondaugen mich längst verlassen hatte. Statt ihrer spitzen
Eisfinger in meinem Körper bohrten sich viele kalte Gedanken in mein
Hirn.
Wo war ich? Hatte nicht der Morphiumrausch des Leichtsinns alles Gute,
Starke in mir eingeschläfert? War ich nicht meinen großen
Kinderhoffnungen untreu geworden? Oder: sie mir?! Tanzen, reiten,
lachen, mit Herzen spielen, wie mit Federbällen -- das Schwesterchen ein
bißchen hätscheln, das Haus ein bißchen schmücken --, sollte das des
Lebens einziger Inhalt sein? War ich mit sechs Jahren nicht reicher
gewesen, wo ich mich als Jungfrau von Orleans träumte, als heute, nach
einem Jahrzehnt? Und viel reicher damals, da ich mir den Baldurtempel
baute? Ich grub -- grub rastlos im verschütteten Schacht meines Innern.
Halb verhungert im dunkelsten Winkel, saß sie in sich versunken und
grau, meine arme Seele. Wie arm, wie elend war ich! Wo war ein Ziel für
mich, des Ringens wert? Wo eine große Flamme, um des Lebens dunkle Asche
wieder anzufachen?!
Ein schmales, blasses Antlitz, von schwarzen Spitzen umschlossen, beugte
sich über mich. »Großmama,« flüsterte ich, und es war, als ob die
Hoffnung eine Türe öffnete, die ins Helle führte. »Nur still, mein
Liebling, ganz still --« sagte sie lächelnd, und eine Träne fiel mir auf
die Stirn, eine Freudenträne.
Mit einer Pflichttreue, die keine Schwäche aufkommen ließ, hatte meine
Mutter mich Tag und Nacht gepflegt. Großmama war gekommen, sie
abzulösen. Sie war es auch, die, wie immer, wenn es zum Wohle ihrer
Kinder und Enkel notwendig war, die Mittel hergab, durch die ich gesund
werden sollte. Als der Arzt mir eine karlsbader Kur verordnete, wußte
ich wohl, warum Mama die Lippen zusammenpreßte und Papa sich unruhig
räusperte: was sie hatten, verschlang des Lebens notwendiger Aufwand.
So fuhr ich denn mit Großmama, sobald ich transportfähig war, nach
Karlsbad, wo sie selbst so oft schon Heilung gefunden hatte. Ihr alter
Arzt, zu dem sie mich brachte, schüttelte den Kopf über mich, einen
dicken kahlen Mönchskopf, der auf einem dünnbeinigen Zwergenkörper saß.
»Nur Seelenaufruhr, wo es nicht das Alter ist, führt zu solchen
Körperkatastrophen« -- ein fragender Blick aus kleinen blitzenden
Äuglein richtete sich auf mich. »Wie alt ist denn das Fräulein?«
»Siebzehn Jahr!«
»Siebzehn Jahr!« Er sprang auf vom Stuhl und durchmaß das Zimmer mit
kleinen hastigen Schritten, wobei der runde Kopf sich immer von einer
Schulter zur andern neigte.
»Liebesschmerzen?!« -- Dabei bohrte sich sein Blick in den meinen. Ich
lachte verneinend und schwieg. Hätte er andere Schmerzen verstanden,
auch wenn ich sie ihm erklärt haben würde?
Mit jener taktvollen Zurückhaltung, die jeden Zwang auf das Vertrauen
eines Menschen, -- auch des Nächsten, -- sorgfältig vermeidet, forschte
auch Großmama nicht weiter, und ich, so gar nicht gewöhnt, mich
auszusprechen, fürchtete mich fast davor. Aber wenn wir im
Morgensonnenschein unsre Spaziergänge machten, auf bequemen Wegen durch
duftenden Tannenwald, der grade seine grünen Frühlingskerzchen
aufgesteckt hatte, und die Gipfel der sanft geschwungenen Höhenzüge
erreichten, die dem Kranken Kraftleistungen so freundlich vortäuschen,
dann durchströmte mich linde, lösende Lenzluft, und schüchtern tastend
wagten sich Fragen hervor und Geständnisse.
»Ich kann nicht glauben, Großmama,« sagte ich einmal, als sie von dem
inneren Frieden durch den Glauben gesprochen hatte. Wir saßen grade vor
der großen, alten Fichte, mit dem verwitterten Muttergottesbild daran,
die auf dem Wege zum Freundschaftstempel den ganzen Wald zu beherrschen
scheint.
»So laß alle Fragen des Glaubens dahingestellt, und handle nur im Geiste
Christi, erfülle deine Pflichten, diene den Menschen, unterdrücke die
bösen Triebe in dir und pflege die guten, dann wird der Glaube von
selbst kommen, und es wird stille werden in dir.«
Ich schwieg, mechanisch zeichnete mein Schirm Kreise in den Sand. War
der Baum vor mir nicht auf Kosten derer, die er besiegte, denen er die
Sonne nahm, so gewaltig emporgewachsen? Ein lebendiger Protest erschien
er gegen das Madonnenbild mit den Schwertern im Herzen, das sich in
seine Rinde grub. Etwas in mir empörte sich gegen die gütige alte Frau
neben mir. Meine Kraft täglich in kleinen Opfern verbluten lassen, hieß
das nicht schließlich mich selber morden? Und ich begehrte ja gar nicht
des Ziels, ich wollte nicht stille werden, ich wollte den Kampf und das
laute, sprühende Leben. Aber der Mut fehlte mir, zu sagen, was ich
dachte. Darum frug ich nur leise: »Und das Glück, Großmama?«
Sie lächelte, und eine ganz kleine, wehe Falte erschien zwischen ihren
Brauen.
»Das Glück! -- Wir sitzen, wenn wir jung sind, immer wie vor einem
Vorhang und starren gebannt darauf hin und erwarten ein Zaubermärchen
von dem Augenblick, wo er aufgeht. Indessen versäumen wir all die echten
Gaben des Glücks, die es um uns ausstreut: die Liebe der Unseren, die
Gaben des Geistes, die Frühlingsblumen und den Sommerhimmel. Mache nur
die Augen auf und strecke die Hände aus, dann hast du sie.«
»Ist das alles?!«
»Nein, mein Kind,« entgegnete die Großmutter, und ein feierlicher Ernst
legte sich über ihre Züge. »Du wirst Weib werden und Mutter, und Liebe
empfangen und tausendfältige Sorgen. Und dann wirst du wissen, daß sie
auf sich nehmen und Liebe geben, mehr als dir gegeben wurde, das Glück
ist.«
Wir gingen weiter; ich kämpfte mit den Tränen. Meine Mutter fiel mir
ein: sie erfüllte bis zur Erschöpfung ihre Pflicht, aber ihre Lippen
preßten sich immer enger aufeinander, als müßten sie krampfhaft die Qual
zurückdrängen, die nach Ausdruck verlangte. Und an Onkel Walter dachte
ich und an jenen unvergessenen Auftritt mit seiner Mutter in Berlin; und
an all die leisen Zurücksetzungen und Kränkungen, die sie, die immer
Gute, von ihren Kindern zu ertragen hatte. Ich wußte: auch sie hatte
gelebt und geliebt und nach schwindelnden Höhen gestrebt, und dies war
das Ende, das von ihr gepriesene, von all dem Sehnen, all den heißen
Hoffnungen, die einzige Frucht, die aus dem blühenden Leben so vieler
Talente, so vieler Kräfte hervorging? Mich überliefs, wenn ich mein
Leben an diesem maß. Ich fühlte schmerzhaft die große Kluft zwischen
ihrem abgeklärten Alter und meiner gährenden Jugend. Liebe und Verehrung
kann bestehen zwischen beiden, auch wohlwollendes Verständnis, und
starke Wirkungen können ausgehen von einem zum anderen, aber jene
magnetischen Ströme fehlen, durch die das Feinste und Tiefste lebendig
vom Menschen zum Menschen flutet. Auf dem Wege zu schwindelnden
Bergeshöhen kann der Greis nicht mehr Schritt halten mit dem Jüngling,
und grausam ist es, wenn er ihn an sich fesselt, aber noch viel
grausamer gegen sich selbst, wenn Jugend, ihre Triebe hemmend, sich
freiwillig dem Alter unterwirft. Trennung -- auch wenn sie Wunden reißt
-- ist eine Bedingung des Lebens.
Sich beherrschen, sich unterwerfen war die Quintessenz meiner -- und
aller -- Erziehung gewesen. Darum schämte ich mich meines inneren
Widerstandes, sprach nicht von ihm und versuchte, ihn unter der reifen
Weisheit, die mir zufloß, zu ersticken. Großmama verlangte es freilich
nicht von mir: sie gab nur, wie sie stets nichts als das eine Bedürfnis
hatte, mit dem Besten, was sie besaß, andere zu überschütten. Aber ein
junges Pflänzlein ertrinkt nur zu leicht unter der warmen Fülle des
Frühlingsregens, die dem starken Baum zur Quelle üppigen Lebens wird.
Mit meiner fortschreitenden Genesung flohen wir die Nähe der Menschen
allmählich immer weniger, und ein großer Kreis von Bekannten und
Verwandten fand sich allmählich zusammen, aber nur wenige wurden zu
unserm ständigen Verkehr und zu Begleitern unsrer langen Spaziergänge.
Einen von ihnen hatte ich in Augsburg kennen gelernt: es war Baron Franz
Stauffenberg, der gerade damals wegen seiner scharfen oppositionellen
Stellung gegen die Wirtschaftspolitik Bismarcks eine in unsern Kreisen
berüchtigte und gemiedene Persönlichkeit war. Daß er, der
Großgrundbesitzer, Freihändler war und blieb, daß er, der Aristokrat,
sich der Fortschrittspartei näherte, machte ihn »unmöglich«.
Großmama stand jenseits solcher Vorurteile. Geist und Bildung zog sie
an, gleichgültig, wer ihr Träger auch sein mochte, und Stauffenberg
gehörte zu jenen immer seltener werdenden Menschen, die sie an ihre
Jugend in Weimar gemahnen konnten, wo der Beruf den Einzelnen noch nicht
mit Haut und Haaren auffraß und die Vielseitigkeit lebendiger Interessen
einen geselligen Verkehr höherer Art möglich machte. Stauffenberg
vermied es sogar, über Politik zu sprechen, während er auf jedem
anderen Gebiet, das berührt wurde, zu Hause zu sein schien. Noch nie
war ich mir so klein und unwissend vorgekommen wie im Verkehr mit ihm.
In seiner Vorliebe für englische Literatur traf er sich mit Großmama;
dabei schlugen Namen an mein Ohr, und von geistigen Strömungen war die
Rede, von denen ich noch nie gehört hatte: Robert Browning -- Ruskin --
William Morris.
Die bildende Kunst pflegte man in den achtziger Jahren außerhalb der
Museen nicht zu suchen; die Beziehung zu ihr war für die meisten
dieselbe, wie die zur Religion: sie hörte auf, sobald die Türen der
Galerien und der Kirchen sich hinter ihnen schlossen. Daß Leben und
Kunst eins sein können, fiel in unseren Kreisen niemandem ein. Eine
gewisse Leichtigkeit der Existenz, ein durch Generationen sich
fortpflanzender Wohlstand ermöglichen erst ihr Ineinanderfließen;
Preußen hatte keine künstlerische Kultur. Was ich von Ruskin, und
besonders von Morris, erfuhr, zauberte phantastische Bilder in mir
hervor: ein perikleisches Zeitalter, ein Florenz der Mediceer. Die
Wirklichkeit voll Not, voll Ungerechtigkeit und Häßlichkeit, die
Großmama demgegenüber heraufbeschwor, weckte mich unsanft aus meinen
Träumen. Es sei so viel, so schrecklich viel zu tun, um für die Masse
der Menschen nur das nackte Leben möglich zu machen, sagte sie, daß es
ihr vermessen erschiene, Bedürfnisse nach Schönheit zu wecken, wo die
vorhandenen Bedürfnisse nach Nahrung und Obdach nicht im entferntesten
gestillt wären. Und meine Phantasie zerflatterte vor den Empfindungen
meines Herzens, die Großmama ohne weiteres recht gaben. Ich blieb auch
dann auf ihrer Seite, wenn sie von diesem Standpunkt aus Bismarcks
Sozialpolitik verteidigte, und ihre innere Erregung, Stauffenbergs
Einwendungen gegenüber, sich in der leichten Röte kund gab, die das
feine Elfenbeinweiß ihrer Wangen färbte. Warum, wie Stauffenberg sagte,
die Schutzpolitik die möglichen Vorteile der Versicherungsgesetzgebung
illusorisch machen würde, darüber grübelte ich um so vergeblicher nach,
als national-ökonomische Terminologie für mich Hieroglyphen bedeutete.
Zu fragen hatte ich nicht den Mut; es gehört echte Bildung dazu,
Unwissenheit einzugestehen. Mein Bedürfnis nach Heldenverehrung war
überdies zu groß, als daß ich Verlangen nach Mitteln getragen hätte, die
Bismarck hätten entgöttern können. Von Politik wurde von jener
Unterhaltung ab kaum mehr gesprochen.
Irgend eine naturwissenschaftliche Broschüre, wie sie damals, wenige
Monate nach Darwins Tod zahlreich erschienen, brachte die Rede auf den
großen Forscher. Nichts hätte mich mehr verblüffen können, als daß ein
ernster Mann wie Stauffenberg, dessen Wissen ich bewunderte, ihn nicht
nur verteidigte, sondern die Ergebnisse seiner Untersuchungen ernst
nahm. Bei Erwähnung seines Namens hatte man doch sonst immer nur
spöttisch gelacht, und daß wir, nach ihm, vom Affen abstammen sollten,
hatte zu nichts als zu zahllosen Witzen und Karikaturen den Anlaß
gegeben. Für mich persönlich kam hinzu, daß meine naturwissenschaftliche
Bildung gleich Null war, mir also zu selbständigem Nachdenken alles
geistige Rüstzeug fehlte. Großmama ging es nicht viel besser: zu ihrer
wie zu meiner Zeit war die Bildung der Frauen eine rein schöngeistige
gewesen. Stauffenberg hielt uns daher förmliche kleine Vorträge zur
Einführung in die Ideenwelt Darwins, -- im Ton des geistvollen
Plauderers, wie immer, und doch so klar und durchdacht in der
Gedankenfolge, daß kein Buch aufklärender hätte wirken können. Großmama
war auffallend still und nachdenklich nach solchen Gesprächen und warf
nur immer wieder die Frage auf, mit welchen Gründen die Gegner Darwins
seinen Anschauungen entgegenzutreten pflegten. Erst allmählich hellten
sich ihre Züge wieder auf, und einmal sagte sie mit dem ihr eignen, das
ganze Antlitz durchleuchtenden Lächeln:
»Sie haben mich alte Frau auf dem gewohnten Wege förmlich taumeln
lassen, lieber Baron. Aber nun gehe ich dafür um so sichrer. Ich empfand
in allem, was Sie sagten, das heraus, was Sie nicht sagten, und wohl
auch gar nicht sagen wollten, was aber, meiner Ansicht nach, der
Grundzug der Lehre Darwins ist: ihre Gegnerschaft zum Christentum. Daß
Gott den Menschen schuf nach seinem Bilde, daß die Sünde die Ursache
alles menschlichen Elends ist und es keine Erlösung daraus gibt, als
durch die göttliche Gnade, -- daß es unsre höchste Aufgabe ist, zu leben
wie Jesus, den Schwachen zu helfen, den Niedrigen und Verachteten
beizustehen, und daß der rohe Kampf ums Dasein überwunden werden wird
durch die Liebe, -- widerspricht das nicht bis ins Kleinste den Lehren
Darwins? Der Glaube an das christliche Evangelium aber, die Befolgung
dessen, was es verlangt, hat mich nach den Kämpfen meiner Jugend zu
innerem Frieden geführt, und die Überzeugung lebt unerschüttert in mir,
daß die tragischsten Probleme der Welt, Armut und Unglück, gelöst wären,
wenn nur alle Menschen echte Christen wären. Soll ich mir am Ende
meines Lebens diesen Glauben nehmen lassen? Eine Anerkennung Darwinscher
Theorien bedeutet doch für uns, die wir Laien sind, auch nichts anderes
als Glauben an ihn. Und Sie sagen selbst, daß Koryphäen der Wissenschaft
ihn mit wissenschaftlichen Gründen bekämpfen. Wäre es nicht heller
Wahnsinn, wenn ich, wie ein ungeübter Schwimmer, mich vom sicheren Port
erprobten Glaubens in die brandenden Wogen fremder Ideen stürzen wollte,
nur weil vielleicht -- vielleicht! -- irgendwo in weiter Ferne ein neues
festes Land zu finden ist?! Ich bin zu alt dazu -- --«
Statt aller Antwort küßte Stauffenberg Großmama stumm die Hand. Meine
Erregung war aber so stark, daß sie nach Ausdruck verlangte.
»Und wenn ich das neue feste Land nie erreichen sollte, -- ich würde
lieber im Meere untergehen, als immer nur sehnsüchtig vom sicheren Port
aus zusehen, wie es tobt und schäumt«, sagte ich, und meine Stimme
zitterte dabei.
Ein Schatten flog über Großmamas Züge. Sie legte ihre schmale kühle Hand
auf meine heißen Finger. »Das Leben wird schon dafür sorgen, daß es beim
bloßen Wünschen nicht bleibt, mein Kind«, dann sich wieder zu
Stauffenberg wendend, fügte sie hinzu: »Sie sehen, wie wenig unsere
Lebenserfahrungen unseren Enkeln nützen. Jeder fängt von vorn an, und
wir können schließlich nur Tränen trocknen und Wunden verbinden.«
Bald darauf reiste Stauffenberg ab, und ein andrer trat mehr und mehr an
seine Stelle. Es war Karl von Gersdorff, ein Neffe meiner Großmutter,
der auch zu jenen aus der Art geschlagenen Sonderlingen gehörte, die
aristokratische Familien sich gern von den Rockschößen abschütteln. Wie
oft hatte ich in Pirgallen über ihn spotten hören, der »wie ein
Schulmeister« aussah, ein »Fräulein so und so« geheiratet hatte, und mit
»Kreti und Pleti« befreundet war, wie geringschätzig zuckten sie die
Achseln, wenn Großmama ihn verteidigte. Er war ein begeisterter Freund
Friedrich Nietzsches, hatte ihm sogar einmal, zum Entsetzen der
Verwandtschaft, sein Gut zum Asyl angeboten. Durch Nietzsches Abkehr von
Richard Wagner war eine leise Entfremdung zwischen beiden eingetreten,
denn Gersdorff wurde ein um so leidenschaftlicherer Wagnerianer, je mehr
sich der Meister zu den Ideen seines Parsifal entwickelte. Als wir in
Karlsbad zusammentrafen, war Wagner kaum ein Jahr tot, und sein Wesen,
seine Werke, seine Weltanschauung bildeten den Inhalt fast aller
Gespräche. Hatte seine Musik mich in jenen Zustand höchster Ekstase
versetzt, der das ganze Ich in Andacht und Entzücken auflöst, so
erschienen mir seine Gedanken überraschend und doch vertraut. Sein Groll
gegen die bestehende Zivilisation mit ihrem Inhalt an materieller und
geistiger Not, sein Glaube an die Möglichkeit einer künftigen
Regeneration, seine Kritik des gegenwärtigen Christentums, mit dem
wahren Geiste des Evangeliums verglichen, und seine Erhebung der Kunst
zur Höhe lebendig dargestellter Religion, -- hatte nicht irgendwo, tief
verborgen, all das auch in mir geschlummert? Ich begrüßte es jetzt mit
der freudigen Überraschung, wie wir längst vergessene alte Freunde, die
plötzlich aus dem Gewühl der Gleichgültigen vor uns auftauchen, zu
begrüßen pflegen. Im stillen verurteilte ich Nietzsche, -- dessen Namen
ich übrigens zum elften Male hörte, -- der dem großen Freunde hatte
untreu werden können, und begriff nicht Gersdorffs Anhänglichkeit an
ihn.
Eines schönen Maienmorgens saßen wir in großer Gesellschaft eben
eingetroffner Verwandter auf der »alten Wiese« vor dem »Elefanten«;
Großmama war mit ihnen in die Besprechung alter und neuer
Familiengeschichten vertieft, die mich immer sehr langweilten; Gersdorff
las in einem der vielen Bücher, ohne die er das Haus nicht zu verlassen
pflegte. Ich machte mich im stillen über die bademäßig herausgeputzte,
mit rosa Brottüten bewaffnete, rührig, wie zum ernstesten Geschäft,
ihrem Ziel, dem lockenden Frühstück, zustrebende Menge lustig, die an
uns vorüberflutete. Mir war sehr wohl, sehr behaglich zumute, wie nur
einem jungen Gesundgewordnen sein kann, der die gekräftigten Glieder in
der warmen Frühlingssonne dehnt. Da fiel mein Blick auf die »Fröhliche
Wissenschaft«, Nietzsches jüngstes Werk, das neben Gersdorffs Tasse lag.
Er hatte Großmama zuweilen einzelne Abschnitte daraus vorgelesen, von
denen mir die Empfindung des unheimlich Fremden zurückgeblieben war.
Mechanisch fing ich an, darin zu blättern, bis ein Satz mir ins Auge
sprang: »Das Leben sagt: Folge mir nicht nach; -- sondern dir! sondern
dir! Leidenschaft ist besser als Stoizismus und Heuchelei, Ehrlichsein,
selbst im Bösen, besser, als sich an die Sittlichkeit des Herkommens
verlieren ...«
Wenn ein eisiger Luftstrom durch plötzlich weit aufgerißne Fenster den
im warmen Zimmer Sitzenden trifft, so schauert er zuerst frierend und
angstvoll zusammen, um im nächsten Augenblick mit tiefen durstigen
Zügen den reinen Quell einzusaugen, der ihm die dunstig-schwere Schwüle
ringsum erst zum Bewußtsein bringt. Wie solch einem war mir zumute.
Kämpfte ich nicht ständig, um mich dem Leben und dem Herkommen
unterzuordnen? Versuchte ich nicht, mir einzureden, jeder Sieg über
meine innersten Triebe sei ein Zeichen wachsender Tugend? Und hatte doch
stets ein schlechtes Gewissen dabei!
Lustige Stimmen schlugen an mein Ohr:
»Auf Wiedersehen beim Konzert nachmittag ...«
»Gehst du zur Reunion heut abend? ...«
»Wir gehen ins Theater ...«
Halb abwesend starrte ich von einem zum andern.
»Alix hat Tagesträume,« hörte ich Großmama sagen; verwirrt schlug ich
das Buch zu. Abends vor dem Schlafengehen trug ich den Satz aus dem
Gedächtnis in mein Notizbuch ein -- zwischen lauter Adressen, Gedichten
und Rezepten. Mit Großmama wechselte ich kein Wort darüber; ich
fürchtete mich; wie ein Dieb kam ich mir vor, der ängstlich den
gestohlenen Brillanten hütet, und instinktiv fühlte ich, daß es keinen
größeren Gegensatz geben könne, als den zwischen diesen Worten und der
Lehre von der Nachfolge Christi, zu der Großmama sich bekannte. Ein
Schleier war zwischen uns niedergefallen, der nicht trennt, aber die
Klarheit der Züge verwischt.
Ende Mai machten wir unserem Arzt die Abschiedsvisite.
»Na also!« sagte er zufrieden, »da wären die roten Backen wieder! Aber
nun gilts brav sein und gehorchen und das Herzchen festhalten! ...«
Nachdem er eine Reihe von Verordnungen gegeben hatte, hielt er zögernd
inne. »Und nun das Schlimmste für so ein junges, hübsches Fräulein: für
die nächsten sechs -- acht Monate ist jede Art starker Bewegung
verboten. Also kein Reiten -- kein Tanzen --«
Er erwartete offenbar meinen heftigsten Widerspruch und sah mich auf
mein freimütiges »Gewiß, Herr Doktor« mit unverhohlenem Erstaunen an.
»Du bist ein tapfres Kind!« sagte Großmama, als wir die Treppe
hinuntergingen.
»Gar nicht, Großmama!« erwiderte ich. »Denn nur eins wünsch ich mir,
Ruhe zum Lernen, zum Lesen und Arbeiten.«
Ein Besuch in Weimar, den wir vorhatten, und der dem langen Aufenthalt
in Pirgallen vorausgehen sollte, erschien mir zunächst nur wie eine
Störung. Aber je mehr wir uns der Stadt Goethes näherten, desto mehr
freute ich mich darauf. Während Großmama versuchte, das Enkelkind mit
dem, was ihrer an Menschen und Dingen dort wartete, vertraut zu machen,
verlor sie sich in den Erinnerungen ihrer Jugend. Und ich sah sie vor
mir, die Männer mit den feinen glatten Gesichtern über den hohen
Vatermördern, die Frauen mit den kunstvoll frisierten Köpfchen und den
schlichten Mullfähnchen, wie sie auf den Wiesen von Tiefurt Blindekuh
spielten und zierlich-gravitätisch im Schloßsaal die Gavotte tanzten;
ich hörte, wie sie mit Lamartine und mit Byron weinten und schwärmten,
ich fühlte, wie ihre Gemüter sich tiefer Freundschaft erschlossen, wie
ihre Herzen schlugen in Liebesglück und Leid. Zu Goethes Füßen sah ich
die Großmutter sitzen, stumm, ehrfurchtsvoll -- ein Lauschen, ein
Empfangen. Zur ärmsten Zeit Deutschlands, -- wie reich war sie gewesen!
Und eine Heimat hatte sie gehabt, aus der die Wurzeln ihrer Seele noch
heute Lebenskräfte sogen.
Ich saß am Kupeefenster im Abenddämmerlicht; Großmama schlummerte mir
gegenüber, noch ein Lächeln der Erinnerung auf den Zügen. Wälder und
Felder, Häuser und Gärten flogen an mir vorbei. So ist mein Leben,
dachte ich. Alles entschwindet mir, kaum daß ichs betrachten konnte;
nirgends wurzle ich. Dabei fielen mir Verse ein, die ich hastig in mein
Notizbuch kritzelte:
Ein Vagabund bin ich genannt,
Will niemand von mir wissen;
Die Sohlen hab ich durchgerannt,
Mein Wams ist längst zerschlissen.
Zur Arbeit ruft man mich umsunst,
Trag nicht danach Verlangen,
Steh bei der Lerche hoch in Gunst,
Die läßt sich auch nicht fangen;
Die singt ihr Lied auf freiem Feld
Mit freier, lustger Kehle,
Die schmettert hoch in alle Welt,
Und hörts auch seine Seele.
Doch eines ist, das wurmt mich schwer:
Sie hat ein Nest, ein kleines; --
Ich zog die Lande hin und her --
Wo aber, sagt, ist meines?!
In Weimar wohnten wir bei Großmamas Bruder an der Ackerwand, dicht
neben dem Hause der Frau von Stein, wo die Lorbeerbäume in ihren großen
Kübeln noch ebenso auf dem Vorplatz standen, wie zu der klassischen
Zeit, da die »liebe Lotte« unter ihnen zum Nachmittagtee ihre Freunde
empfing. Aus unseren Fenstern sah man weit hinein in den Park.
Am ersten Morgen, als die Sonnenstrahlen nur gerade die Wipfel der alten
Bäume trafen, schlüpfte ich hinaus. Zauberhaft still und einsam war es;
nur ein heimliches Vogelzwitschern, ein fernes Flüstern der Ilm verriet
das Leben. Auf dem grünen Wiesenplan vor dem Hochmeisterhaus funkelten
die Tautropfen an den Zittergräsern; die roten und weißen, die gelben
und blauen Blüten an den Büschen strahlten im Glanze eben entfalteter
Pracht. Weiter unten, wo im Felsen die steile Treppe abwärts führt zum
Ilmtal, stieg feuchter würziger Erdgeruch zu mir empor. Die
geschlossenen Fensteraugen der Einsiedelei sahen aus wie die eines
Schlafenden, minutenlang stand ich davor, traumbefangen, und wartete auf
den geheimnisvollen Bewohner, der sie öffnen sollte. Aber die Ilm
plätscherte, als lachte sie mich aus.
Über der Brücke, hinter den dunkeln Büschen und Bäumen, lag die Erde
noch eingehüllt in ein durchsichtig-weißes Nebeltuch, das kecke
Sonnenstrahlen zu zerreißen sich bemühten. Und ein helles Häuschen
schimmerte lockend vom jenseitigen Hügel, das mir vertraut entgegensah,
als wäre ich drüben daheim. War es nicht aus dem Rahmen getreten, der in
Pirgallen in Großmamas Zimmer hing? Dort hatte ich es gesehen von klein
auf, und wenn ich vom Zuckerhäuschen im Walde hatte erzählen hören,
konnte ich mirs nie anders vorstellen. Ob ich mich wohl hinüber wagen
könnte durch den Nebel? Erlkönigs Töchter tanzten hier, wie einst, da
sie den hellsehenden Augen des Dichters erschienen.
Und nun war ich drüben. Aber die weiße Tür zwischen den grünen Hecken
verschloß das stille Reich hinter ihr. Scheu sah ich mich um; niemand
weit und breit! Der niedrige Holzzaun hinter der zweiten breiteren
Pforte war kein unüberwindliches Hindernis -- ein paar Risse im Rock,
eine Schramme am Arm --, und in Goethes Garten stand ich. Der Ton
knarrender Wagenräder trieb mich den langen, Unkraut bewachsenen Weg
hinunter bis hinter das Haus. Grünes Dämmerlicht nahm mich auf, kein
Blättchen rührte sich über mir; auf der Lehne der morschen Bank saß
regungslos mit hochgestellten Flügeln ein großer blauschwarzer
Schmetterling. Die Stille herrschte -- eine Stille, als wäre die Erde
versunken --, und nur dieser Raum mit dem toten Hause davor schwebte in
der ungeheueren Weite des Weltraums. Ich preßte meine Hände auf das
wildklopfende Herz, und große Tränen tropften unaufhaltsam aus meinen
Augen. Aber dann schämte ich mich: wie konnte ich -- ich! mit meinem
unnennbaren Weh diesen heiligen Ort entweihen! Leise auf den
Zehenspitzen, das Kleid gerafft, damit sein Rascheln nicht störe,
schlich ich davon.
Auf den mächtigen Würfel aus Granit mit der Kugel darauf lehnte ich mich
und vergrub, bitterlich weinend, das Gesicht in den Händen. Da stimmte
ein Vöglein über mir sein Morgenlied an, und aus dem nächsten Baum
antwortete ihm ein anderes, bis es zwitschernd, tirlierend und flötend
von allen Zweigen klang, -- ein jubelnder Gruß an die siegende Sonne.
Tief aufatmend streckte ich die Arme und dehnte die Brust, und plötzlich
freute ich mich, daß ich gar nichts war als ein junges Menschenkind mit
dem ganzen reichen großen Leben vor mir. In schwärmerischer Verzückung
sank ich vor dem Altar des guten Glücks in die Kniee und betete den
Unsterblichen an, dessen Atem ich zu fühlen meinte.
Noch am selben Tage ging ich mit Großmama nach dem Frauenplan, um in
Goethes Stadthaus den letzten seines Namens zu besuchen, der ihr
Jugendfreund war. Still und zurückgezogen, sich ängstlich vor der
Berührung mit der Welt hütend, lebte Walter Goethe oben in den
Giebelzimmern seiner verstorbenen Mutter. Ein großes Bild des Dichters
hing im Empfangsraum; es erdrückte die kleine Stube und noch mehr den
kleinen, armen Nachkömmling darin. Ich konnt es nicht fassen, daß dies
ein Goethe war! Erst als die beiden Freunde miteinander sprachen, fühlte
ich die andere Welt, aus der sie stammten. Wie warm und echt waren die
Empfindungen, denen sie Worte liehen, wie lebendig die Interessen, an
denen sie Anteil nahmen, -- so sprach man heute nicht mehr miteinander,
wo Gefühl ein Spott und Blasiertheit Trumpf war.
Je länger wir in Weimar blieben, desto mehr empfand ich seinen Geist.
Freilich, die Menschen, mit denen Großmama verkehrte, waren alle alt,
alles ihre Zeitgenossen, und doch, weil sie treu ihrer Jugend waren,
seelenjung. Da war der Onkel, bei dem wir wohnten, ein Mann von jener
schlichten Vornehmheit, die allein das Zeichen echter Kultur ist; da
war der Großherzog mit seiner leidenschaftlichen Liebe für Weimars
Tradition, der er bescheiden sich selbst unterordnete, überall nach
geistigen Werten Umschau haltend und sich der Funde freuend, wie ein
Sammler an seinen Schätzen; da waren Frauen, die begeistert und
begeisternd nicht Namen und Titel und bunte Uniformen zu Gaste luden,
sondern führende Geister, werdende und gewordene. Ich taute allmählich
auf in dieser Umgebung und lernte, ohne Scheu vor dem Ausgelachtwerden
oder dem erstaunten Verstummen der andern, von dem reden, was mich
interessierte, und fragen nach dem, was ich zu wissen begehrte. Der
Vorsatz befestigte sich in mir: ich wollte nicht mehr zurück in die Welt
der Konvention und der kühlen Phrase, wo feste Schlösser vor Herz und
Mund Bedingung guter Erziehung sind.
Großmama sprach von einem künftigen Hofdamenposten für mich. So ganz
nach meinem Geschmack war das allerdings nicht; von all den Tanten und
Kusinen, die ihn inne hatten, wußte ich, wie viel drückende
Dienstbarkeit er mit sich brachte. Aber viel besser erschien es mir
immerhin, in Weimar abhängig zu sein, als von einer Garnison zur andern
stets in derselben Leutnantsatmosphäre leben. Meine heimlich gehegten
Dichterträume würden hier vielleicht reifen können, und ganz im
Verborgenen tauchte dazu eine romantische Hoffnung auf: ihn hier zu
finden, den märchenhaften Schwanenritter, dem mein Herz gehören sollte!
Gegen Ende unseres Aufenthalts ging ich noch einmal mit Großmama zu
Walter Goethe. Er war ungewöhnlich freundlich zu mir und erfüllte ohne
weiteres meinen Wunsch, allein in Goethes Zimmer gehen zu dürfen. Ich
schloß sie mir auf und öffnete die kleinen Läden und stand dann still
und stumm mit gefalteten Händen vor dem Stuhl, in dem er gestorben war,
an seinem Bett. Wie einem, der auszieht zum Kampf und Abschied nimmt,
unsicher, ob er jemals wiederkehrt, war mir zumute. Goethes Gebet kam
mir unwillkürlich auf die Lippen: Gib mir große Gedanken und ein reines
Herz.
Ich mochte blaß und verweint genug aussehen, als wir abreisten;
sorgenvoll sah mich Großmama an: »Bist du nicht wohl, mein Kind?«
Da kam mir zum Bewußtsein, was ich ihr alles verdankte: Zu dem heißen
Wunderquell hatte sie mich geführt, der meinen Körper heilte, und
erschlossen hatte sie die Quellen, die meine Seele nährten. Mit beiden
Händen griff ich nach ihrer Hand und preßte die Lippen darauf: »Ich bin
ganz, ganz gesund, Großmama!«