Du bist ein Kind! lachte sie. Da ist es ja! --

_Schicke_ es nur der Dorothee! sagte er, da sie uns ganz vergessen hat und

keinen Fuß zu uns armen Leuten setzt, die ihr Schande machen.

Der Dorothee? das Geld? fragte sie ihn betroffen, etwas blässer und

gespannt. --

Siehst Du, liebe Christel, das Loos habe ich in _Gedanken_ auf die Dorothee

genommen. Sie hat es auch gezogen, und auf das unsere hab' ich zum Zeichen

und Unterschied für mich ein schwarzes Kreuz aus Daniel's Tintenfasse

gemacht.

Das ist freilich etwas Anderes, seufzte Christel. Konntest Du nicht das

schwarze Kreuz auf das andre machen? Das war recht thöricht!

Du seufzest, Du siehst böse aus; ich will doch nicht hoffen, Christel,

meine gute ehrliche Frau! Verspricht man denn mit Worten? oder mit Herz und

Gedanken?

Freilich mit Herz und Gedanken, meinte Christel.

Nun siehst Du, so muß man auch die Gedanken halten. »Gedacht ist gethan!«

sagte meine Mutter immer. Und Du, meine gute junge Mutter, laß das

Gewinnloos aussägen, wir setzen ein Glasscheibchen in die Oeffnung und

haben zu unserm Lohn und Angedenken ein Fensterchen ins Haus. Geh, schicke

die Wirthin und den Daniel. Das Mädchen hat ja gar Nichts! Nun kann sie vom

Schlosse, wenn sie will. -- Daniel fiel der Mutter um den Hals, sprang

eilig davon und brachte die alte Frau Redemehr.

Was hattest Du denn? Daniel! frug ihn die Mutter. Dauert Dich das Geld um

uns, Du guter Junge!

Ach Mutter, nun will ich Dir's sagen! sprach Daniel froh.

Nun was denn? mein Daniel; frug ihn Christel.

Aber Du wirst böse sein auf Dich, und danach auf mich! sprach Daniel leiser

und wollte nicht reden.

Ich weiß schon, was er sagen will, sprach Frau Redemehr. Ich habe einmal 6

Gulden gewonnen und war froh! und als ich das Geld sah und in die Hand

nahm, überfiel mich ein Schreck und ein Zittern, als hätt' ich's entwendet.

Wem? -- wußte ich nicht mit Namen. Aber ich hatte nur 10 Kreuzer gegeben!

und nun bekam ich 6 Gulden so ohne alle Mühe und Arbeit! Und wenn ich einen

ganzen Tag auf die Arbeit gehe, bekomme ich nur 10 Kreuzer. Woher war nun

das Geld? von armen Leuten, von unzufriedenen unglücklichen Leuten, die

sich selber darum betrogen, und deren Betrogenes ich nun einsteckte, als

hätt' ich es sauer verdient! Ich that die erste Nacht kein Auge zu, und die

andern Nächte wachte ich auf aus schweren Träumen, worin die Kobolde mich

vor den König Salomo führten, als eine heimliche Diebin und unehrliche

Frau, die anderer Leute Gut besitzt. Die Armen und Betrogenen weinten,

verwünschten und verklagten mich! und Salomo sahe mich starr an und sprach,

daß sie mein Geld hätten gewinnen wollen, das machte meinen Gewinn nicht

gerechter »Frau Redemehr« -- sprach er -- »Euer Sinn ist schlecht! Ihr

wollt dem lieben Gott das Leben abstehlen!« und spuckte vor mir aus. Und so

geschahe mir alle Nächte, bis ich das Geld in die Kirche schenkte, zu einem

neuen heiligen Geiste über die Kanzel. Da hatte ich Ruhe! Denn _gewonnenes_

Geld bringt Niemandem Segen. Fragt nur im Lande! Wie gewonnen, so

zerronnen. Und noch ein schlechtes schweres Herz sich gemacht. Verdientes

aber -- das hab' ich _verdient_, mit meiner Müdigkeit und meinem Tage, den

mir der liebe Gott gegeben. -- Nun das hab' ich dem Daniel gestern erzählt,

als Ihr das Geld gewonnen, und es hat ihm bald das Herz abgedrückt, daß

seine Mutter und sein Vater nun sollten unverdientes und ungesegnetes Geld

besitzen und Nachts vor dem Könige Salomo erscheinen. Darum freut er sich

so, nun Ihr das Geld fortschickt, meine liebe Christel!

Christel ward feuerroth bei der Rede der alten Frau Redemehr, gab ihr das

Geld für die Dorothee, und sagte nur: Es war ja so nicht unser! Und als sie

fort waren, setzte sie sich zu Johannes aufs Bett, und wand ihre Arme unter

seinem Kopfe durch, neigte sich zu ihm und weinte.

Die Osternacht. Erste Abtheilung · 第 10 / 15 题