Wenn er das Sackspiel so gut spielt, meinte Johannes --

-- so wird er Euch auch für einen ansehen, glaubt Ihr? Gedanken sind

zollfrei. Aber dafür ist der gnädige Gottlieb; das ist ein prachtvoller

Mann! dabei blickte er wieder auf Christel -- und daß er eine Frau hat, das

schadet nichts.

Das sollte ihm schaden? fragte Johannes.

Nun wie ich das meine! versetzt' er. Die Frau ist so schön und brav, daß

sie mir manchmal leid thut, aber auch wieder nicht, eben wenn ich bedenke,

daß sie gar so brav ist! Da kommt es auf Eins hinaus. --

_Diese_ Aeußerung des rohen Niklas bewog Christel, den Jäger das erste Mal

freundlich anzusehen. --

Nun kommt nur, kommt! ermuntert' er sie. Bei uns ist kein Raum, auch im

Dorfe wüßt' ich eben keinen. Aber ich getraue mich bei dem gnädigen

Gottlieb es zu verantworten, wenn ich Euch in ein leeres Häuschen weise.

Bewohnt ist es nie gewesen, aber es ist zu bewohnen. Denn in dem einen

Stübchen ist auch ein Ofen, daß wir es aushalten konnten, wenn wir früh an

kalten Wintermorgen auf die Vögel lauerten, und daß die Locken für den

Heerd des Nachts nicht erfroren. Es fließt ein muntrer Bach dabei vorüber

in den Main hinab. Aber jetzt kommt Niemand hin; die Vögel haben einen

andern Strich genommen, das junge Holz ist zu hoch geworden, und auch der

gnädige Gottlieb ist groß und hat nun andre Gedanken. Seht Ihr, dort drüben

stehen noch die Krakelstangen für die Vögel, wo sonst in der Mitte der

Heerd war; der Platz ist freilich mit Disteln besamt, aber er gäbe bald ein

hübsches Gärtchen, und Ihr sitzt im Holze, und anstatt der Miethe thut Ihr

ein paar Erntedienste mit der Hand, und ein paar Jagddienste mit den Füßen.

Ist das ein Vogelheerd, Vater? fragte Daniel; Vater, da wollen wir hin!

Der Jäger ging dem Wagen voraus, und so folgten sie ihm zu dem Heerde vom

Wege ab.

4.

Das Häuschen war nett. Christel öffnete die Thür, stieß die Fensterladen

auf, musterte es und sahe, was daraus zu machen sei, und wie Alles

eingerichtet werden müsse. Daniel brachte einiges bestaubte Werkzeug

hervor, eine Axt, ein Schnittmesser und Stricke und Breter. Johannes stand

mit gefalteten Händen noch draußen und hatte den Kopf gesenkt. Christel

küßte ihn, lachte und sagte: Vater, mache einen Tisch; und Du, Dorothee,

was sitzest Du auf der Schwelle und getraust Dich nicht hinein, oder

schämst Du dich! rühre dich, Mädchen, und hole Wasser aus dem Bach, daß

Alles wird, wie es soll. Ein Bett ist das Erste! Worin man beinahe das

halbe Leben zubringt, das muß bequem und weich und immer gut gemacht sein.

Auch die Ziege bekam ihr Cabinet. Der Staar hatte wieder seinen Sitz auf

dem Ofen erwählt. Der ausgetheilte Wein und das Brot langten noch morgen.

Und als die Kinder, zeitig zu Bett gegangen, schliefen, als das Feuer auf

dem Kamin loderte und in das Stübchen leuchtete, kniete Christel vor

Johannes hin, stützte sich auf seine Kniee und sah ihm in die Augen. Bist

Du mir gut? fragte sie ihn. -- Du armer Schelm! sagte er und hielt die Hand

auf ihrem Kopfe. Nun bin ich wieder froh, ich habe Alles! sagte sie fast

weichmüthig. Sieh' nur, wie herrlich die Kinder schlafen! und hast Du

gehört, wie sie gebetet haben? so fromm wie immer. Nur Daniel weinte still

und kehrte sich von mir, als er betete: »unser täglich Brot gieb uns

heut'.« _Der_ fängt schon an zu verstehen, wie den Aeltern um's Herz ist!

Morgen haben sie Alles vergessen! Und wenn die Kinder dann fröhlich sind,

was fehlt uns denn? Wir sind jung und gesund, und Arbeit ist hier überall;

in den Weinbergen ist Plage vom Frühling bis Herbst, und die Ernte will

auch geschnitten sein, und der Acker wieder bestellt. Das hört nicht auf,

das heilige Jahr! und die Jahre hören nicht auf! Das geht so fort wie eine

Mühle. Und muß denn die Mühle _unser_ sein? Den meisten Menschen gehört sie

ja nicht, sie gehört nur Einem, der Alle aufschütten läßt, was sie eben

bringen. In der Welt nährt eigentlich doch nur die Arbeit mit Ehren, und

_Andern_ arbeiten, ist ja auch eigene Arbeit und bringt uns _eigenes_ Brot.

Nicht wahr, mein Johannes?

Johannes antwortete nicht, sondern hatte die Augen geschlossen, und so

ruhte sie ein Weilchen mit dem Gesicht auf seinem Schooß. Und -- fuhr sie

dann lächelnd fort -- wenn das Wasser verlaufen ist, gehen wir hinab und

sehen, was uns noch etwa geblieben, und was für Fische auf unsern Bäumen

hängen!

Du willst mich munter reden, Du armer Schelm, sagte Johannes; aber es ist

Dir selber nicht recht um das Herz, sonst würdest Du mich nicht trösten.

Das hast Du nicht gewußt. Nun geh' nur auch zu Bett! sieh', Dorothee hat

sich schon fortgeschlichen. Die Zeit wird ihr lang bei uns, und nun erst

recht lang werden.

Die Osternacht. Erste Abtheilung · 第 5 / 15 题