Ja! sagte Sophiechen, mit der Post! --

Da hörst Du, Johannes! sagte die Mutter. Das Kind hat es gesagt.

Du hättest nur noch deutlicher zu ihr sprechen sollen: Sage ja! -- Ist denn

das Kind eine kluge Frau? oder bist Du eine kluge Frau? Du wirst schon

abergläubisch; das macht das Unglück! meine gute Christel.

Du wirst sehen, Johannes! was die unschuldigen Kinder sagen, ist wahr.

Wenigstens unschuldig. Was wollen wir Anderes machen als hoffen. Im Dorfe

kann uns Niemand helfen, Jeder braucht selber Hülfe. Es ist nicht zu weit

hinauf, darum wollen wir noch vor Abend hinüber! hier haben wir uns satt

gesehen an der lieben Gottesgabe, dem Wasser! Er wird doch irgend ein

Häuschen, oder ein Stübchen haben der Borromäus. Es sind auch Wagen von

Breitenthal da; Alles ist ausgetheilt, und sie fahren nun leer zurück, die

nehmen die Kinder mit, und wir gehen.

Das war bald geordnet, und so zogen sie in die Berge hinauf durch den

Fichtenwald. Johannes sah noch manchmal zurück und weinte dann, wenn er die

Kinder auf dem Wagen fröhlich darüber sah, daß sie fuhren, und Daniel, daß

er das Ende der Zügel halten durfte.

An der Waldkapelle mit dem Marienbilde aber war Christel heimlich zurück

geblieben, hingekniet und dankte für die glückliche Rettung und betete für

die Zukunft. Johannes hatte es gesehen, schlich hinzu und zog sie hinweg.

Ist das _unsre_ Heilige! fragte er sie strafend.

-- _Auch unsre!_ sprach Christel gelassen. Sie stellt die Mutter des

Heilandes vor, der doch _unser_ Heiland ist, und sie bleibt ja auch seine

_Mutter_. Ich bin auch eine Mutter, darum lasse mich nur! Mir war das Herz

zu weich, und das Auge zu voll, ich dachte nur an den himmlischen Vater,

das kann ich Dir sagen -- und das Herz ist mir ganz leicht geworden, das

kannst Du mir glauben.

Du bist ein Kind! sagte Johannes beruhigt. Aber er führte sie fort, und

nach kurzer Zeit sahen sie halb im Gebüsch einen Jäger stehen, der dem

Wagen nachsah.

Waren das Eure Kinder? fragte er sie, als sie ihm nahe gekommen.

Sie sind noch unser! Gott sei Dank! antwortete Johannes.

Ihr seid also mit verunglückt, sagte der Jäger mit halbem Frageton! und mit

stillen Blicken auf dem hübschen jungen Weibe, den braunen Augen, den

rothen Wangen, den vollen Armen ruhend, und dann in sich lächelnd, fragte

er Johannes: Wo gedenkt Ihr denn hin? --

Christel entdeckte ihm nun ihr Vorhaben, sogar von wem sie Geld zu erwarten

hätten.

Da kann ich Euch rathen! sagte der Jäger; ich heiße Niklas und bin in

Diensten auf dem Edelhofe. Von Eurem Gelde weiß ich nun freilich nichts;

aber daß der alte Herr Schulden hat, viele, was man sagt: Gläubiger, die an

ihn geglaubt haben, das singen die Sperlinge auf dem Kirchdache, wie das

eine und dasselbe Präludium des Schulmeisters Wecker, das sie alle Sonntage

auf der Orgel hören. Was soll ich es Euch verschweigen! Ich habe selber

einmal hinten auf dem Wagen, als wir zur Jagd fuhren, mit angehört, daß er

zu seinem Herrn Sohne, dem gnädigen Gottlieb -- denn so heißt er -- und das

ist er auch wirklich, einst sagte: Mein Sohn, lerne von mir! Ich spiele das

chinesische Sackspiel, wo zehn, ja zwanzig mit Sand gefüllte Säcke im

Zimmer von der Decke hängen, und der Spieler stellt sich mitten in die

Säcke, setzt sie in Bewegung, daß sie alle gehen, wie geläutete Glocken:

bim baum, bim baum! und nun besteht die ganze Kunst darin: jeden Sack, der

ihn stoßen will, selber zuerst fortzustoßen, und weder von den groben

Säcken allen zur Seite noch von vorn und von hinten tüchtig getroffen zu

werden! Freilich bricht mir der Angstschweiß aus, von der unaufhörlichen

Arbeit mit meinen sackgroben Gläubigern! aber ich stehe doch noch fest,

wenn auch mit tüchtigen blauen Flecken, woher ich sie gar nicht vermuthet.

-- Doch ich bin Kreisrath! und halte den Gerichtshalter warm, mich kümmert

nur das Proxeneticum! -- so sagt' er und lachte. -- Aber laßt das nur gut

sein, lieben Leutchen! Er hat jetzt eine furchtbare Brennerei angelegt, da

das Getreide gar nicht gilt, und wenn er an den vielen Stückfässern sich

nicht die Seligkeit an den Hals trinkt, weswegen er in seinem ewigen Taumel

schon bei lebendigem Leibe nur der _selige Herr_ im Dorfe heißt -- und eine

rothe Nase hat er sich auch schon bloß angekostet, und statt der Gradewage

braucht er nur die Zunge, so ein Kenner ist er -- wenn er noch lange der

selige Herr bleibt: so hat er, wie er sagt, in wenigen Jahren alle seine

Gläubiger sich vom Halse gebrannt und wegdestillirt! Darum habt nicht

gerade die größte Sorge, aber desto größere Geduld. --

Die Osternacht. Erste Abtheilung · 第 4 / 15 题