1893 499994 engl. Pf. im Werte von 232598 Dollar

1894 415429 „ „ „ „ „ 247470 „

1895 503320 „ „ „ „ „ 683260 Rupies

1896 611446 „ „ „ „ „ 721896 „

1897 619264 „ „ „ „ „ 851298 „[5]

Noch schlimmer ist der Rückgang in anderen afrikanischen Gegenden,

und zwar gerade in solchen, wo der Kautschuk zuerst in größeren

Mengen exportiert wurde. So betrug der Gesamtexport des berühmten

altbekannten +Madagaskar-Kautschuks+ im Jahre 1896 nur noch

536783 Frcs., und der +Mozambique-Kautschuk+, von dem schon 1887

445567 kg exportiert wurden, war 1894 und 1895 schon auf 2500 Säcke,

1896 auf 2000 Säcke zurückgegangen, während der Export des Jahres

1897 auf nur 50 pCt. der Ausfuhr des vorhergehenden Jahres angegeben

wird. Dabei besteht (Kolonialblatt 1898 S. 359) „fast 75 pCt. der

Gummiausfuhr aus sogenanntem gekochten Gummi, dessen Qualität sich von

Jahr zu Jahr verschlechtert hat, so daß derselbe kaum noch einen Wert

für den europäischen Markt besitzt“. Auch an der +Goldküste+,

von wo 1893 für 218162 Pf. Sterl., 1894 sogar für 322070 Pf. Sterl.

Kautschuk exportiert wurden, hat sich die Ausfuhr 1896 etwas verringert

(Kolonialblatt 1898 S. 145), ebenso im +französischen Congo+, von

wo der Export betrug

1895 574146 kg

1896 546355 „

1897 518270 „

Auch in Angola scheint sich jetzt schon ein Rückgang oder wenigstens

ein Stillstand vorzubereiten. Während der Kautschukexport von 14607 kg

im Jahre 1870 auf 2105771 kg im Jahre 1895 gestiegen war, betrug der

Export im Jahre 1896 erst 2285995 kg, also nur sehr wenig mehr, und von

den südlichen Provinzen ist sogar ein merklicher Rückgang erkennbar, in

+Mosamedes+ von 44586 auf 12740 kg, in +Ambriz+ von 4186 kg

auf 2094 kg in den beiden Jahren 1894 und 1895.

Für +Britisch-Centralafrika+, welches 1893 539 englische

Pfund (33 Pf. Sterl.), 1894 noch 144 englische Pf. (6 Pf. Sterl.)

exportierte, wird Kautschuk jetzt gar nicht mehr erwähnt, vom +Niger

Coast Protectorate+ kommt nur gelegentlich etwas Kautschuk.

+Portugiesisch-Guinea+ exportierte 1895 nur für 90287 Milrs.

(1 Milrs. etwa 3 Mk.). Selbst in +Lagos+, welches infolge der

Entdeckung des Silkrubber (des angeblichen Kickxia-Kautschuk) zu so

plötzlicher Bedeutung gelangte, daß 1895, d. h. ein Jahr nach der

Entdeckung, 5069504 englische Pfund im Werte von 269892 Pf. Sterl.

exportiert wurden, ist seitdem infolge der maßlosen und ungeregelten

Ausbeutung der dortigen Kautschukbäume die Gummigewinnung wieder auf

einen kleinen Betrag zusammengeschmolzen. (Kolonialblatt 1897 S. 637.)

[Illustration: Ceara-Kautschukbaum in Gr. Batanga.]

Die einzige große Zunahme zeigt der +Congostaat+, wie aus

folgender Tabelle hervorgeht (Kolonialblatt 1895 S. 20):

1886 18069 kg im Werte von Frcs.

1887 30050 „ „ „ „ 116768 „

1888 74294 „ „ „ „ 260029 „

1889 131113 „ „ „ „ 458895 „

1890 123666 „ „ „ „ 556497 „

1891 81680 „ „ „ „ 326720 „

1892 156339 „ „ „ „ 625356 „

Dann stieg der Export rapide, betrug 1895 schon über 500000 kg (im

Werte von 2882585 Frcs.) und 1896 bereits 1195000 kg. Für 1897 wird der

Export auf 1500000 kg (1500 Tonnen) geschätzt. Man erwartet sogar für

die Zukunft einen Export von 4000 Tonnen pro Jahr aus dem Congostaat.[6]

Die Ursachen der auffälligen Erscheinung der +Abnahme des Kautschuks

in den meisten Teilen Afrikas gegenüber der Zunahme in Brasilien+

sind in der unvernünftigen Ausbeutung durch die Eingeborenen Afrikas

zu suchen; wobei freilich zuzugeben ist, daß es viel schwieriger

ist, Lianen (wie in Afrika) rationell anzuzapfen, als die großen,

den Para-Kautschuk liefernden Bäume. Aber auch wo es sich um Bäume

handelt, wie beim Silkrubber in Lagos, hat man in Afrika (ebenso wie in

Centralamerika auch die Castilloa) die Bäume in kurzer Zeit vernichtet.

Der Congostaat ist bisher von der Abnahme des Exportes an Kautschuk

verschont geblieben, einerseits, weil die Ausbeutung dort noch zu

jung ist und jetzt erst anfängt, weiter ins Land hinein vorzudringen;

dann aber auch, weil die Regierung bemüht ist, durch Belehrung und

Strafen eine rationelle Ausbeutung zu erzwingen. Namentlich ist

hierdurch teilweise eine Güte des Produktes erzielt wie fast nirgends

in Afrika, am allerwenigsten in unseren Schutzgebieten, so daß manche

Kautschuksorten des Congo-Gebietes neuerdings dem guten Para-Kautschuk

an Wert kaum nachstehen sollen.

Von welcher Bedeutung diese enorme Zunahme der Kautschukausfuhr des

Congostaates für das belgische Mutterland ist, sieht man an dem

zunehmenden Kautschukhandel Antwerpens, welcher Platz jetzt auch sogar

schon beginnt, Kautschuk anderer Provinzen (z. B. der Goldküste und

Angolas) an sich zu ziehen. Der Kautschukimport Antwerpens betrug

1889 5 Tonnen

1890 30 „

1891 21 „

1892 63 „

1893 167 „

1894 275 „

1895 531 „

1896 1116 „

Nach Hamburg wurden an Kautschuk eingeführt:

1894 4771 Tonnen im Werte von 16148120 Mk.

1895 5424 „ „ „ „ 18819850 „

1896 7191 „ „ „ „ 25108210 „

so daß also unser großes Emporium augenblicklich einen mehr als

sechsfach so bedeutenden Kautschukhandel hat als Antwerpen und fast ein

Viertel der gesamten Weltproduktion nach Hamburg gelangt.

Weit weniger erfreulich stellt sich aber die Sache dar, wenn wir den

Herkunftsländern des in den Hamburger Handel gelangenden Kautschuks

nachgehen. Nicht weniger als 3832 Tonnen, also über die Hälfte

der gesamten Einfuhr, gelangt erst über andere europäische (nicht

deutsche) und nordamerikanische Häfen nach Hamburg, darunter 2895

über Großbritannien, 209 über Belgien, 174 über Frankreich, 117 über

Portugal, 138 über die Niederlande, 131 über die Vereinigten Staaten

etc. Aus Brasilien kommen nur 69 Tonnen direkt, aus Afrika dagegen

2864, d. h. fast ein Drittel der gesamten afrikanischen Ausfuhr,

darunter

aus Deutsch-Westafrika 305

„ dem übrigen Westafrika 1700

„ Deutsch-Ostafrika 204

„ Sansibar 51

„ dem übrigen Ostafrika 326

„ Madagaskar 276

Es wird hierdurch also die auch sonst, geltende Regel bestätigt,

daß der Handel der Flagge folgt; nur Westafrika teilweise, sowie

Madagaskar, wo gerade viele deutsche Häuser ansässig sind, machen

darin eine Ausnahme; schon Sansibar exportiert trotz der vielen dort

ansässigen deutschen Häuser den größten Teil nach England, und nur von

den deutschen Schutzgebieten geht der größte Teil (⅔ bis ¾) direkt

nach Deutschland.

Wir sehen also aus diesen Erörterungen, daß

1. der Kautschukhandel stetig und rapide wächst,

2. Deutschland im Kautschukhandel eine hervorragende Stellung

einnimmt,

3. der Kautschukhandel sich im allgemeinen nach der Flagge

des Landes richtet,

4. der Kautschukexport Brasiliens stetig zunimmt,

5. der Kautschukexport in Afrika nur noch im Congostaat beträchtlich

zunimmt, in den meisten Ländern hingegen abnimmt,

6. der Kautschukexport Deutsch-Westafrikas schon bedeutend

abnimmt, derjenige Ostafrikas kaum mehr zunimmt.

Anhang II.

Gutachten über die von Lagos eingesandten Kautschukproben des

chemischen Laboratoriums für Handel und Industrie (Dr. Rob. Henriques).

Berlin.

Die von Herrn +Schlechter+ am 1. März übersandten Proben,

bestehend aus:

1. Milch einer Ficusart von Lagos,

2. daraus gewonnener Kautschuk, kalt koaguliert,

3. „ „ „ kochend koaguliert,

4. kleine Probe Kickxiamilch von Lagos,

habe ich mit folgendem Resultat untersucht:

Zu 1. Die Ficusmilch stellte eine dünne, leicht bewegliche Flüssigkeit

vom spezifischen Gewicht 0.98 dar. Eingesandt waren 75 ccm.

Die Milch koaguliert beim Ansäuern mit Essig- oder Mineralsäure nicht

in der Kälte, wohl aber rasch in der Wärme, wobei sich der Kautschuk in

Form eines Klumpens in bräunlich gefärbten Serum ausscheidet und aus

diesem herausgenommen und gewaschen werden kann. Es wurden so gewonnen

aus 50 ccm: 13.5 g feuchtes = 9.3 g trockenes Rohprodukt.

Gehalt des trocknen Rohprodukts an Asche: 0.18 pCt.,

„ „ „ „ „ Kautschukharzen: 22.6 pCt.

Der entharzte Ficus-Kautschuk war zwar kein erstklassiges Produkt,

immerhin aber ein echter, mäßige Elastizität zeigender Kautschuk.

Die sogenannten Kautschukharze bildeten eine weiße, anscheinend

krystallisierte, in heißem Aceton lösliche feste Masse.

Die Proben sub 2 und 3 ergaben:

Zu 2. Wasser 8.21 pCt.,

Asche 1.70 „

Kautschukharz 31.02 „

Zu 3. Wasser 4.84 pCt.,

Asche 1.04 „

Kautschukharz 23.09 „

Die Probe 3 (kochend koaguliert) stimmte mithin mit dem von mir aus der

Milch erhaltenen Produkt im wesentlichen überein. Die Ficusmilch durch

Verdunstenlassen an der Luft zu koagulieren (wie No. 2), empfiehlt sich

mithin nicht. Der aus 2 und 3 gewonnene entharzte Kautschuk stimmte

unter sich und mit dem aus der Milch gewonnenen völlig überein.

In Anbetracht dessen, daß das Entharzen eines solchen Ficus-Kautschuks

sich technisch sehr wohl ausführen läßt und daß das dann gewonnene

Produkt ein weit brauchbarerer Kautschuk ist als der aus guten Flakes

und derartigen Waren herzustellende, möchte ich den eventuellen

Wert einer Rohware wie No. 3 auf etwa 4.50 Mark pro Kilo normieren.

Kautschukhändler und -fabrikanten werden ihn aber wahrscheinlich etwas

niedriger taxieren. Was die Taxen von dieser Seite betrifft, so möchte

ich noch darauf hinweisen, daß größere Mengen von den Eingeborenen

kaum so trocken hergestellt werden könnten wie diese kleinen von Herrn

+Schlechter+ koagulierten Mengen. Nasse Rohware von einem so

großen Harzgehalt wie der vorliegende repräsentiert sich aber sehr

schlecht und wird vorerst recht niedrig bewertet werden.

Sollte sich diese Lagos-Ficus auch in unseren Kolonien finden, so wären

die Eingeborenen zu einem fleißigen Sammeln und Verarbeiten des Saftes

anzuhalten, der immer ein billiges, für Sekundawaren wohl verwendbares

Produkt liefern würde. Einen derartigen Baum aber plantagenmäßig

anzupflanzen, dazu könnte ich nicht raten, selbst wenn die Ficus,

worüber wohl nichts bekannt ist, besonders rasch anzapfungsfähig wäre.

Für Anbau und Kultur sollten vorerst meines Erachtens nur solche

Pflanzen in Frage kommen, die ein gutes, elastisches, auch ohne weitere

Reinigung wenig Harz enthaltendes Produkt geben.

Zu 4. Die mit eingeschickte kleine Probe Kickxiamilch reichte eben

hin, um daraus etwas Kautschuk zu koagulieren und mit dem der

+Preuß+schen Kickxiamilch von Kamerun zu vergleichen. Die Lagos-

und Kamerun-Milch verhielten sich, betreffend die Art des Koagulierens,

völlig gleich, und auch die daraus gefertigten Kautschukproben waren

von gleicher Vorzüglichkeit.

Die wichtigsten der von Herrn +Schlechter+ aus Westafrika

mitgebrachten Kautschuk- und Kautschuksaftproben habe ich nunmehr

untersucht, und erlaube ich mir, darüber folgenden Bericht zur

Verfügung zu stellen:

1. +Landolphia von Ngoko.+

Spezies unbestimmt. Am 21. Oktober 1899 an Ort und Stelle koaguliert:

45 ccm der Milch wurden mit ebenso viel Wasser verdünnt und nach Zusatz

von 5 ccm Bossassangasaft gekocht. Erhaltener Kautschuk: 16 g. --

Aussehen: Wurstförmiges Stück, sehr elastisch. Trocken und gut. Weiß

mit dunkeler Außenschicht.

+Analyse+: Kautschuk: 82.28 pCt. Wasser: 11.26 pCt.

Kautschukharze: 5.32 „ Asche: 1.14 „

2. Landolphia von Bonga am Sanga.

Spezies unbestimmt. Am 16. August 1899 an Ort und Stelle koaguliert.

Aus 20 ccm erhalten 12 g Kautschuk. -- Aussehen: Kleiner Kuchen von

gleicher Farbe wie 1. Ebenfalls sehr elastisch und gut; wenn auch stark

wasserhaltig, doch erstklassiges Produkt.

+Analyse+: Kautschuk: 72.43 pCt. Wasser: 21.20 pCt.

Kautschukharze: 1.06 „ Asche: 0.31 „

3. Kickxia elastica.

a) Milch derselben. In Ngoko direkt von dem Baum abgelassen und 700

ccm, versetzt mit 35 ccm Salmiakgeist (30 pCt.), in eine sofort

versiegelte Weinflasche gefüllt. Trotz dieser Vorsichtsmaßregeln ist

die Milch nicht unverändert in meinen Besitz gekommen. Ein großer

Teil Kautschuk war freiwillig koaguliert. Von diesem wurde die Milch

abgegossen, von der noch 300 ccm isoliert werden konnten; diese

verhielt sich genau wie die im vorigen Jahre von mir untersuchte

Kickxiamilch von Dr. +Preuß+ (siehe „Tropenpflanzer“ 1899, S. 257

und „Gummizeitung“, XIII, 1899, No. 26). Spezifisches Gewicht: 0.990.

Weder Mineral- noch organische Säuren fällen Kautschuk aus, ebenso

wenig gelingt es mit dem zum Koagulieren der Landolphia verwendeten

Bossassangasaft, die Kickxiamilch zum Koagulieren zu bringen, man muß

vielmehr, wie ich schon früher schrieb, den Saft zum Kochen bringen

(was sich auch mit dem Verfahren der Eingeborenen deckt) und gewinnt

dann unter Rühren der mit Wasser verdünnten Milch, angesäuert oder

nicht, den festen Kickxia-Kautschuk.

Über die eigentümlichen Koagulationserscheinungen, die dabei die Milch

zeigt, soll an anderer Stelle berichtet werden. Der fertig koagulierte

Kautschuk wurde in Stücke geschnitten, ordentlich gewaschen und an der

Luft getrocknet. Zerschneidet man die größeren Stücke mit Scheren in

kleinere (vielleicht Würfel von 2 bis 3 cm Seitenlänge), so gelingt es,

selbst hier bei warmer Witterung in acht bis zehn Tagen den Kautschuk

auf etwa 10 pCt. Wassergehalt zu trocknen, ohne daß man eine Oxydation

zu befürchten hätte, besonders wenn man die trocknenden Massen öfter

umschaufelt. Dies Verfahren dürfte sich zur Einführung bei den Wilden

empfehlen, die oftmals monatelang trocknen, um eine trockene, bessere

Ware zu erzielen.

Die 300 ccm Milch -- es wurde nur eine gemessene Menge verarbeitet --

enthalten 104.5 g Kautschuk von der Zusammensetzung:

Kautschuk: 82.17 pCt. Wasser: 10.10 pCt.

Kautschukharze: 6.72 „ Asche: 1.01 „

Der freiwillig koagulierte Kautschuk aus der Milch wog nach dem Waschen

und Trocknen 217 g und enthielt:

Kautschuk: 82.39 pCt. Wasser: 10.57 pCt.

Kautschukharze: 6.35 „ Asche: 0.69 „

Es ergaben also 700 ccm Milch 321½ g Verkaufsware mit rund 10 pCt.

Wasser = rund 46 pCt. vom Milchvolum.

b) 1.628 l Kickxiasaft, von +Schlechter+ am 13. September 1899

in Ngoko durch Kochen der verdünnten Milch koaguliert, gaben 870 g

Kautschuk folgender Zusammensetzung:

Kautschuk: 84.86 pCt. Wasser: 9.99 pCt.

Kautschukharze: 4.96 „ Asche: 0.19 „

Diese sowie die folgenden Sorten c) und d) dürften aber zur Zeit

der Wägung bedeutend wasserreicher gewesen sein, als sie es in dem

Zustand waren, wo sie analysiert wurden. Vergl. die Ausbeute aus Milch

(desselben Baumes) und +Schlechters+ Angaben.

c) 1.575 l Kickxiasaft, am 10. September 1899 von +Schlechter+

durch Kochen mit Bossassangasaft koaguliert. Erhalten 835 g Kautschuk.

Die Analyse ergab:

Kautschuk: 82.56 pCt. Wasser: 11.19 pCt.

Kautschukharze: 5.80 „ Asche: 0.45 „

d) 130 ccm derselben Milch wurden (13. September 1899) auf Lehm

ausgegossen, der Kautschuk nach zwei Tagen gesammelt. Erhalten 74 g.

Die Analyse ergab:

Kautschuk: 76.13 pCt. Wasser: 15.11 pCt.

Kautschukharze: 4.89 „ Asche: 3.85 „

e) Ein Kautschukstück endlich, das +Schlechter+ am 14. September

in Ngoko nach Art der Para-Kautschuk-Gewinnung räucherte (Gewicht: 215

g), ergab folgende Zahlen:

Kautschuk: 80.20 pCt. Wasser: 13.53 pCt.

Kautschukharze: 4.75 „ Asche: 1.52 „

Praktischen Wert hat das Verfahren für den Kickxia-Kautschuk

natürlich nicht; es bestätigt sich nur so eine Vermutung, die ich

ebenfalls früher äußerte („Tropenpfl.“ 1898, S. 259), daß sich der

Kickxia-Kautschuk wahrscheinlich gut räuchern ließe.

Die Proben b) bis d) von +Schlechter+ waren zumeist cylindrische

Stücke von durchschnittlich 4 cm Durchmesser und 2 cm Höhe, ebenfalls

an der Oberfläche gebräunt, mit weißem Kern, wie die kleiner

geschnittene Ware, die ich aus der Milch gewinnen konnte. Der Kautschuk

stellt sich den besten Congo-Sorten zur Seite, soweit man darüber nach

Laboratoriumsversuchen urteilen kann. Fabrikationsversuche müssen

entscheiden, wie sich der Kickxia-Kautschuk dabei bewährt, denn zwei

von verschiedenen Pflanzenfamilien stammende Kautschuke sind nicht

chemisch identische Körper, sondern nur nahe Verwandte und können sich

chemisch gewaltig unterscheiden, so auch bei der Vulkanisation ein

recht verschiedenes Verhalten zeigen. Vorsicht bei der Einführung neuer

Sorten ist also zu empfehlen.

Der Bossassangasaft, der Saft verschiedener Cactusarten, der überall im

Congo-Gebiet zum Koagulieren der Landolphiamilch verwendet wird, erwies

sich, wie zu erwarten stand, als stark saurer Pflanzensaft (100 ccm

Saft neutralisiert mit 19.75 ccm n/2 Alkali). Von diesen Säuren sind

nicht ganz ein Fünftel mit Wasserdämpfen leicht flüchtig und zeigen

den Charakter der Essigsäure, der nicht flüchtige Rest besteht aus

hochmolekularen Säuren, sowie aus niedrigermolekularen vom Charakter

der Oxalsäure, deren Kalksalze mit Chlorcalium aus dem Saft fallen.

Die nähere Untersuchung des Saftes, erschwert dadurch, daß leicht

Zersetzungen durch Schimmelpilze in dem ohne Zusätze transportierten

Material eintreten, steht noch aus.

VII. Kapitel.

Die botanischen Ergebnisse der Expedition.

In den nachstehenden Zeilen habe ich versucht, eine kurze Schilderung

der Vegetationsverhältnisse der von mir auf meiner westafrikanischen

Reise durchzogenen Gebiete zu geben. Da diese Reise sehr beschleunigt

werden mußte und vor allen Dingen die botanische Erforschung der

Gebiete erst in zweiter Linie in Betracht kam, so ist es natürlich, daß

manche Eindrücke, welche ich bei einem so flüchtigen Durchzuge gewonnen

habe, nicht durchaus die richtige Beurteilung treffen werden. Um eine

pflanzengeographische Skizze eines Gebietes aber geben zu können,

dazu gehört meiner Ansicht nach mehr als ein Aufenthalt, der so kurz

bemessen war, wie ich ihn leider nur hatte.

Unter den nördlicheren von mir bereisten Gebieten muß Togo vor allen

Dingen das Interesse des Pflanzengeographen in Anspruch nehmen, da

die Zone an der Küste und im Innern mehr Verschiedenheiten aufweist

als die der angrenzenden Gebiete. Es wird eine interessante Frage in

der Zukunft sein, zu erforschen, welche Ursachen die Steppengebiete

in Togo so weit bis zur Küste vorgeschoben haben, während doch die

Nachbargebiete mit Ausnahme eines Teiles der Goldküste einen viele

Meilen breiten Urwaldgürtel an der Küste aufweisen. Die Kenntnis

der Flora dieses Schutzgebietes liegt bei uns noch recht im Argen,

und steht weit hinter jener zurück, welche wir bereits über die der

Küstenländer von Kamerun erlangt haben.

Dem Reisenden, welcher von der Küste kommt, fallen drei verschiedene

Vegetationszonen auf, welche in kurzen Abständen hintereinander folgen.

Die erste dieser Zonen ist ein schmaler Buschsteppengürtel, welcher

sich längs der Küste hinzieht, darauf folgt die gemischte Gras-

und Baumsteppen-Zone, die durch das zum Teil bewaldete Agome- und

Agu-Gebirge unterbrochen wird, und schließlich die Waldzone, welche

aber keine regelmäßige Ausdehnung hat.

[Illustration: Pflanzungen der Victorianer-Neger auf dem Wege nach

Kriegsschiffhafen.]

Die Buschsteppe der Küste hat einen ausgesprochen xerophytischen

Charakter und ist vor allen Dingen gekennzeichnet durch das Fehlen

der Ölpalme und die auffallende Spärlichkeit der Gräser. An der Stelle,

wo ich diese Zone durchschritten habe, wies sie nur eine Breite von

etwa drei Marschstunden auf. Die Vegetation setzt sich zunächst nur aus

mannshohen Büschen oder aus noch kleinerem Gesträuch zusammen. Nur hin

und wieder zeigt sich ein verkrüppelter Baum, oder, wenn wir tiefer

in diesen Buschgürtel eingedrungen sind, eine Säule, welche selbst

den stärksten Stürmen Trotz bietet, ein +Baobab+ (+Adansonia

digitata+). Die Sträucher gehören vorzugsweise den Euphorbiaceen

und Rubiaceen an, unter welch letzteren die +Gardenia Thunbergia+

durch ihren sparrigen Wuchs und ihre stark duftenden, anfangs weißen,

später gelblichen Blüten besonders ins Auge fällt. Nicht selten finden

sich die fleischigen Zweige von +Sarcostemma aphyllum+ R. Br.

oder anderer Asclepiadaceen; dickstämmige Senecio-Arten winden sich

über die Sträucher hin. Auch die Tiliaceen-Gattung +Grewia+ in

sehr sparrigen Formen zeigt hin und wieder ihre gelben Blüten im

Verein mit stacheligen Akazien. Uns ist über die Flora gerade dieser

Küsten-Buschsteppe noch recht wenig bekannt, da keiner der wenigen

Sammler des Gebietes derselben Interesse entgegengebracht zu haben

scheint. Ich selbst durchzog diesen Teil des Landes zu einer Zeit, als

nach langer Dürre die mit Staub dicht bedeckten Gebüsche gar keine

Blüten zeigten. Nach dem Regen sollen auch einige kleinere Kräuter

auftreten, doch sind uns dieselben und ihre Verwandtschaften noch gar

nicht bekannt.

Eine viel weitere Ausdehnung besitzt die zweite, die Gras- und

Baumsteppen-Zone. Dieselbe begann auf meiner Reiseroute bei dem

Dorfe Akeppe. Ölpalmen treten in dieser häufig auf. Vor allen

Dingen aber charakteristisch für sie sind die weiten Glasflächen,

welche mit einzelnen Bäumen bedeckt sind. Da wo die Läufe der nur

periodisch fließenden Bäche es zulassen, haben sich wohl auch kleine

Buschwaldgruppen gebildet, welche für den Botaniker stets eine Fülle

interessanter Formen bergen. Ich bin fest davon überzeugt, daß sich die

Flora dieser Grassteppen, wenn sie erst besser bekannt sein wird, als

sehr reichhaltig erweisen wird. Außer einer Fülle von Gramineen und

Cyperaceen finden wir hier besonders viele Scrophulariaceen. In kleinen

Büschen leuchtet allenthalben das prachtvolle +Cycnium camporum

Engl+. mit seinen großen weißen Blüten aus dem Grase hervor.

+Striga+ ist in mehreren Arten vertreten, unter denen besonders

diejenigen mit scharlachroten Blüten unser Auge fesseln. +Sopubia

Dregeana+ bildet kleine Büsche mit Trauben rosenroter Blüten.

Compositen sind nur schwach vertreten. Besonders sind es die Aspilien,

welche uns mit ihren weißen oder gelben Strahlblüten auffallen. Hier

und dort erhebt sich auch eine schlanke +Coreopsis+ oder eine

seltene Aedesia, die mit ihren langen, grasähnlichen Blättern bei

oberflächlicher Betrachtung alles andere hinter sich vermuten läßt,

als eine Composite. Nächst den Scrophulariaceen sind es die Rubiaceen,

welche hier sich durch Formenreichtum auszeichnen, und unter ihnen

besonders die +Oldenlandien+, von denen uns die verschiedensten

Typen von der schlanken O. virgata W. bis zu der zierlichen

O. +Heynei+ Oliv. begegnen. Außerdem fallen dem flüchtig

Durchreisenden noch Euphorbiaceen, Gentianaceen, kleine Leguminosen,

besonders +Cassia+ und +Indigofera+-Arten, sowie Malvaceen

und Asclepiadaceen auf. Unter den letzteren finden sich einige Typen,

die mit Formen der ost- und südafrikanischen Steppen verwandt sind.

An Monocotyledonen fehlt es auch nicht. Vor allen Dingen müssen unter

diesen die Orchidaceen erwähnt werden, welche mit ihren prachtvollen

schlanken Blütenständen der Steppe zur Zierde gereichen; unter diesen

sind es besonders +Eulophia+-Arten (+E. cristata+ Stend.

und +E. dilecta+ Schltr.), welche sich auszeichnen. Selten lugt

aus dem Grase eine weiß- oder grünblütige +Habenaria+ oder an

schattigeren Stellen eine +Nervilia+ hervor. Zwei andere sogleich

ins Auge fallende Pflanzen möchte ich hier nicht unerwähnt lassen. Die

Anchomanes-Arten, welche durch ihre gefleckten, stachligen Stengel und

die hellgrünen oder violetten Spathen auffallen, sind sehr verbreitet,

obgleich sonst Araceen nicht zu den häufigeren Repräsentanten der

Steppenfloren gehören. Eine andere auch nicht selten anzutreffende

Pflanze ist die merkwürdige +Tacca pinnatifida+. Es würde mich

zu weit führen, wollte ich hier in dieser kurzen Skizze alle die

interessanten und schönen Pflanzen erwähnen, welche ich in jenen

Steppen beobachtet habe.

Die Baumvegetation setzt sich vorzugsweise aus Leguminosen,

Sterculiaceen, Euphorbiaceen und vor allen Dingen Combretum-Arten und

Bassiastämmen zusammen.

Da, wo sich längs der Wasserläufe Buschwald gebildet hat. finden

wir eine Flora, welche der der dritten Zone auffallend ähnlich ist.

Nur eines ist mir in jenen Buschwäldern südlich des Agome-Gebirges

aufgefallen, nämlich das vollständige Fehlen der +Kickxia

africana+.

Westafrikanische Kautschuk-Expedition · 第 27 / 32 段