Eine dritte Methode, welche allerdings bis jetzt meines Wissens

nicht versucht worden ist, aber empfehlenswert erscheint, ist die

Pickiermethode. Ich konnte persönlich in dieser Hinsicht nur schwache

Versuche machen, da sich der Pickierapparat, welchen ich mitgenommen,

an der zähen Kickxiarinde als zu schwach erwies. Da schon bei

Stichen von geringer Tiefe der Saft reichlich fließt, könnte man

durch wiederholtes Pickieren jährlich eine nicht unbedeutende Menge

Kautschuk gewinnen, ohne den Baum ernstlich zu verletzen. Der am

Stamme herunterlaufende Milchsaft könnte, wie es beim Gewinnen des

Para-Milchsaftes häufig gehandhabt wird, unten am Stamm durch eine

Lehmrinne aufgefangen und in ein Gefäß hineingeleitet werden. Das

am Stamm koagulierte Produkt müßte dann natürlich extra abgewickelt

werden. Geschieht diese Art der Ausbeutung jährlich verschiedene Male,

so dürfte sich wohl eine gute Ernte erwarten lassen, ohne daß der Baum

in seinem Wachstum empfindlich gestört werden würde. Das Anzapfen

der horizontal abstehenden Äste dürfte mit größeren Schwierigkeiten

verknüpft sein, als das der senkrechten Stämme, und es werden sich in

diesem Falle wohl keine anderen Methoden ausfindig machen lassen, als

das Auffangen des Milchsaftes in darunter aufgehängte Gefäße. Zu diesem

Zwecke würde es am vorteilhaftesten sein, in gewissen Abständen die

Äste zu verwunden und unter jeder dieser Anzapfungsstellen ein Gefäß

zum Auffangen des Milchsaftes anzubringen. Wie ich schon weiter oben

angab, enthalten die noch nicht verholzten Teile der Kickxia elastica

keinen Milchsaft, aus dem sich brauchbarer Kautschuk bereiten läßt. Es

kommen beim Anzapfen der Äste und Zweige daher also nur die älteren

in Betracht. An etwa senkrecht stehenden Ästen ließen sich natürlich

auch die an den Stämmen praktizierten Anzapfungsmethoden zur Anwendung

bringen.

Die Umwandlung des gewonnenen Milchsaftes in Kautschuk kann in

verschiedener Weise betrieben werden. Nach den von mir selbst im

Sanga-Ngoko-Gebiete erprobten Methoden dürfte sich das Kochen der Milch

am besten empfehlen lassen. Zu diesem Zwecke müßte man sich irdene

Gefäße anschaffen, da an den Metalltöpfen die sehr bald anhaftende

Milch leicht anbrennt und dann eine schnelle Oxydation des Kautschuks

zur Folge haben würde. Nachdem die zu koagulierende Milch, um ein

zu schnelles Kochen und Anbrennen zu verhüten, mit der drei- bis

sechsfachen Menge Wasser vermischt worden ist, muß sie in den irdenen

Töpfen unter einem nicht zu scharfen Feuer langsam zum Kochen gebracht

werden. Sobald sich dann ein zartes Häutchen auf der Oberfläche der

kochenden Flüssigkeit bildet, muß sie stets durch Rühren in Bewegung

gehalten werden, damit sich keine koagulierenden Teile an dem heißen

Topf ansetzen können und daselbst anbrennen. Bald wird sich die

Flüssigkeit in ein helles, milchiges Wasser und eine schneeweiße,

flockige Masse gesondert haben, welche man nun behufs Abkühlung in ein

Bassin mit kaltem Wasser wirft. Durch weiteres Kochen des Rückstandes

wird sich derselbe infolge weiterer Koagulation allmählich klären und

noch weitere Partikel der flockigen Masse absondern, die dann der

bereits entfernten hinzugefügt oder für sich gehalten werden können, da

sie gewöhnlich ein offenbar weniger gutes, wenn auch noch vorzüglich

verwendbares Produkt darstellen. Sind die flockigen Massen genügend

durchgekühlt, so werden sie am besten möglichst stark zusammengepreßt

und in wurstähnliche Formen ausgezogen, wodurch die größte Menge des

noch eingeschlossenen Wassers ausgepreßt und somit ein gleichmäßiges

Material erzeugt wird. Nachdem so aus dem Kautschuk das Wasser

soweit als möglich entfernt ist, werden jene wurstähnlichen Stücke

zerschnitten und sollten dann eine geraume Zeit ausgetrocknet werden,

ehe sie nach Europa verschifft, werden. Wenn es sich um Ausbeutung

von Plantagen handelt, wo man dann größere Quantitäten Kautschuks

zur Zeit anfertigt, wäre es vielleicht sehr praktisch, nachdem die

erkaltete Masse in Kuchenform gepreßt ist, dieselbe behufs besserer

Entwässerung durch eine Walze gehen zu lassen und dann die dadurch

entstehenden Kautschukfelle hängend zu trocknen. Je dünner dann diese

Felle hergestellt würden, desto schneller und besser würden sie

natürlich durchtrocknen und dadurch die Güte des Kautschuks bedeutend

erhöht werden, und desto besser würde sich der Kautschuk bei seiner

Verschiffung nach Europa halten.

Ob es angebracht ist, beim Kochen etwaige Koagulationsmittel, wie den

Saft der Bossassangapflanze, oder Säuren hinzuzufügen, muß später die

Praxis lehren. Die von mir nach Zusatz derartiger Koagulationsmittel

angefertigten Proben unterschieden sich an Güte in keiner Weise von

denjenigen, welche einfach durch Kochen hergestellt worden waren.

Bei meinen Versuchen fand ich dagegen, daß es besser sei, möglichst

viel Wasser der Milch beizusetzen, bevor sie gekocht wird. Der

Kautschukgehalt bleibt ja dessenungeachtet in der Masse derselbe, und

die koagulierenden Kautschukflocken sind weniger der Gefahr ausgesetzt,

anzubrennen.

Eine zweite Methode der Bereitung des Kickxia-Kautschuks, welche sich

vielleicht bewähren dürfte, ist die folgende: Auf möglichst große

Schalen, welche von unten gleichmäßig warm gehalten werden könnten,

gieße man die Kautschukmilch aus und lasse die darin enthaltenen

Wassermengen allmählich verdunsten. Natürlich dürfen diese Schalen nie

derartig erhitzt werden, daß sie die Milch zum Kochen bringen würden,

da sonst sofort der sich bildende Kautschuk verbrennen würde. Auch

in dieser Weise würde man dünne Kautschukfelle erhalten, welche dann

schnell durchgetrocknet werden könnten.

Dieser letzteren ist eine Methode verwandt, für welche sich insofern

einiges sagen läßt, da nur wenig Arbeitskräfte dazu nötig sind, doch

ist sie ebenso wie die eben beschriebene langwieriger als die des

Einkochens der Milch. Ein größeres Gefäß mit trichterförmigem Boden,

welcher durch einen Abflußhahn geöffnet werden kann, fülle man mit

der frischen Kickxiamilch und lasse es dann einige Tage ruhig stehen.

Nach etwa acht Tagen werden sich dann die in der Milch enthaltenen

Kautschukkügelchen nach der Oberfläche der Flüssigkeit zusammendrängen,

und allmählich kann man das am Grunde des Gefäßes fast reine Wasser

durch das verschließbare Abzugrohr herausfließen lassen, so daß man

nach etwa zwei Wochen nur die mehr oder minder zusammenhängende

Kautschukmasse zurückbehält, welche dann durch Pressen von dem

größeren Teile der sich darin noch befindenden Wassermengen befreit

werden kann. Die sich zuerst an der Oberfläche bildende Kautschukhaut

scheint einen großen Teil der Kautschukharze zu enthalten und könnte

deshalb, vielleicht gesondert, als andere Qualität in den Handel

gebracht werden. Leider ist es ohne Laboratorium nicht möglich, in

Westafrika die Berechtigung dieser meiner Vermutung zu prüfen und

festzustellen, wie weit die Kautschukmasse von Harzen befreit ist,

nachdem die sich zuerst bildende obere Schicht entfernt worden ist.

Auch mit Wasser kann man die Milch verdünnen, doch scheint dadurch das

Abscheiden der Kautschukkügelchen nicht eher vor sich zu gehen.

Während meines Aufenthaltes auf der Ngoko-Station in Südost-Kamerun

machte ich auch Versuche, Kickxia-Kautschuk nach der

Para-Räuchermethode herzustellen. Ich ließ mir zu diesem Zwecke aus

hartem Holze eine ruderförmige Spatel anfertigen, ähnlich wie sie in

Para gebräuchlich ist. Leider standen mir damals keine Palmennüsse

zur Verfügung, so daß ich gezwungen war, über einem einfachen

Holzfeuer die Räucherversuche zu machen. Dieselben fielen durchaus

nicht zu meiner Zufriedenheit aus. Die Milch der Kickxia koaguliert

offenbar zu langsam, um sich für diese Methode zu eignen. Ich war

trotz eifriger Arbeit nach mehreren Stunden erst im stande, eine

kaum 4 mm dicke Kautschukschicht um die Spatel herumzulegen. Die

Eingeborenen, welche ich dann mit dieser Arbeit betraute, hatten schon

gar keine Lust dazu, da eine solche mühsame Methode ihnen von Natur

aus zuwider ist. Selbst wenn man die Leute zu dieser Arbeit fände,

dürfte sich doch das Resultat in kein Verhältnis zu dem Kostenaufwand

an Arbeitermaterial stellen. Es ist wissenschaftlich interessant,

daß sich der Kickxia-Kautschuk in dieser Weise anfertigen läßt und

auch von brauchbarer Qualität ist, doch befürchte ich, daß wir uns

mit diesem Resultat zufriedenstellen müssen. Nach meinen Erfahrungen

ist also diese Methode für Westafrika nicht angebracht. Ob eventuell

über einem Feuer von Palmennüssen ein besseres Resultat herbeigeführt

werden kann, muß ich noch dahingestellt sein lassen, doch glaube ich,

daß ein solches auch nicht besonders zu einer schnelleren Koagulation

führen wird, da die Kickxiamilch, abweichend von den Milchsäften der

meisten anderen Kautschukarten, gegen Einfluß von den gewöhnlichen

Koagulationsmitteln vollständig unverändert bleibt, solange nicht ein

gewisser Wärmegrad hinzutritt.

Um auch die +Biffen+sche Centrifugiermethode anwenden zu können,

hatte ich auf der Expedition eine kleine Rahm-Centrifuge mitgeführt.

Mit dieser Centrifuge stellte ich auf der Ngoko-Station auch Versuche

an. Ich fand, daß sich die Kickxiamilch leicht centrifugieren läßt,

aber nur bis zu einem gewissen Grade. Man hatte die sich oben an den

Tuben sammelnde flockige Masse stets wieder zu entfernen, um eine

einigermaßen gute Scheidung der Kautschukkügelchen zu erzielen, und

dennoch enthielt schließlich der Rückstand noch so viel Kautschuk,

daß ich gezwungen war, die letzten Reste durch Kochen auszuziehen.

Man hatte also trotz langwieriger Arbeit nachher noch die zuerst

geschilderte Methode zu wiederholen, um das zu erreichen, was man

durch Abkochen in wenigen Minuten erreicht hätte. Es scheint also,

als ob das Centrifugieren praktisch von geringem Werte und nur als

wissenschaftliches Experiment interessant ist, da durchaus nicht alle

Milchsäfte durch Centrifugieren in dieser Weise sich behandeln lassen.

Ich muß hier allerdings erwähnen, daß meine Centrifuge zu klein war, um

Experimente in größerem Maßstabe zuzulassen, doch ist kaum zu erwarten,

daß hier, wo sich die Koagulation in dieser Weise nicht einmal im

kleinen lohnt, eine solche in größerem Maßstabe betrieben, zu anderen

Resultaten führen würde.

Aus dem oben Gesagten scheint also hervorzugehen, daß die Methode

des Einkochens der Kickxiamilch zur Koagulation derselben die

empfehlenswerteste ist. Ich würde ihr jedenfalls vor jeder anderen den

Vorzug geben. Inwieweit die Methode des Eintrocknens sich bewähren

wird, müssen weitere Versuche feststellen.

Ich habe bereits wiederholt Vorschläge über Anlagen von

Kickxiaplantagen und deren Instandhaltung gemacht und bin stets

dafür eingetreten, daß man möglichst bald dieser Frage nähertreten

solle. Es ist mir ja gelungen, im Victoria-Gebiete in Kamerun einige

Plantagenleiter für eine solche Unternehmung günstig zu stimmen und sie

zur Inangriffnahme des Planes zu bewegen. Doch bis jetzt sind solche

Pflanzungen nur am Kamerun-Gebirge entstanden, obgleich die Regionen

südlich des Kamerun-Flusses für derartige Unternehmungen auch durchaus

günstig, wenn nicht sogar infolge ihres weniger schweren Bodens

noch günstiger sind. Jedenfalls müßte das Projekt eine viel weitere

Verbreitung finden.

Da bis jetzt das Beschaffen großer Quantitäten von Samen noch immer

mit einigen Schwierigkeiten verknüpft ist, so hatte ich bisher

vorgeschlagen, dieselben erst in Saatbeeten auszusäen, damit möglichst

wenig verloren gehen können; doch wenn wir erst Verbindungen besitzen,

durch welche die Samen in größeren Quantitäten leicht zu erhalten

sind, so wäre es vielleicht ratsam, an Ort und Stelle einige derselben

auszusäen, um dann die kräftigste Pflanze der aufgegangenen stehen

zu lassen, die anderen könnten dann ja zum Ausfüllen etwaiger Lücken

verwendet werden. Sind die Pflanzen in Saatbeeten ausgesät, so

müssen sie, anfangs beschattet, in denselben verbleiben, bis sie

vier bis sechs Blättchen entwickelt haben. Dann könnten sie im Walde

ausgepflanzt werden. Um den Pflänzchen in ihrer Jugend genügend

Luft und Licht angedeihen zu lassen, muß der Wald zu diesem Zwecke

etwas gelichtet, d. h. das Unterholz und die jüngeren Stämme, soweit

sie mit wenigen Axtschlägen zu fällen sind, entfernt werden. Eine

solche Lichtung des Waldes zum Zwecke von Kickxiaplantagen würde

also nicht mit sehr großen Kosten verknüpft sein. Zusammen mit Herrn

+Stammler+, dem Leiter der Moliwe-Pflanzung, berechnete ich die

dadurch entstehenden Unkosten. Er hatte gefunden, daß er mit fünfzig

guten Arbeitern in der oben vorgeschlagenen Weise ein Hektar zur

Aufnahme der jungen Pflänzchen in einem Tage herrichten konnte. Da er

zu diesem Zwecke die teuren Togo-Arbeiter verwendet hatte, welche alles

in allem 1,35 Mk. pro Tag kosteten, so würden sich die Ausgaben für

die Arbeiter selbst auf 67 Mk. 50 Pf. belaufen. Da zur Aufsicht dieser

Arbeiter ein Europäer nötig ist, der einschließlich seiner Beköstigung

ungefähr 12 Mk. pro Tag kosten würde, so ergäbe sich als Endresultat

eines Kostenanschlages für die Lichtung eines Hektars die Summe von

79 Mk. 50 Pf., also rund 80 Mk. In Abständen von etwa fünf Metern

könnten die Pflänzchen in den so gelichteten Wald eingepflanzt werden,

da die Kickxia ein Baum ist, der nur eine kleine aufrechte Krone

besitzt. Es wäre vielleicht sehr angebracht, wenn man die einzelnen

Samen in tütenförmig aufgerollte, mit Erde gefüllte Kakaoblätter oder

in kleine Körbchen aus Ölpalmen-Blattfiedern, in deren Anfertigung

die Eingeborenen eine große Geschicklichkeit besitzen, aussäen würde,

in denen sie dann an Ort und Stelle übertragen werden könnten,

sobald sie das nötige Alter erreicht haben. Da das Kakaoblatt oder

das Körbchen aus Palmen-Blattfiedern im Boden bald verfaulen würde,

würden die Wurzeln keinen Widerstand an der ehemaligen Wandung finden

und somit gar keine Wachstumsstörung eintreten. Bei Kakao habe ich

diese Methode mit großem Erfolge zur Anwendung bringen sehen. Herr

+Stammler+ teilte mir mit, daß zum Bepflanzen eines Hektares des

so gelichteten Waldes auch wieder fünfzig Leute unter Aufsicht eines

Europäers einen Tag thätig sein würden. Die Bepflanzungskosten würden

sich mithin also auch auf 79 Mk. 50 Pf., also rund 80 Mk. belaufen.

Ein eben mit Kickxia elastica bepflanzter Hektar würde somit also eine

Auslage von 159 bezw. 160 Mk. erfordern. Da bei einem Abstande von

fünf Metern auf einem Hektar Landes 400 Pflänzchen stehen würden, so

würde eine Pflanze 40 Pf. kosten. Wenn man bedenkt, welche riesigen

Unkosten das Urbarmachen des Landes bei Anlage einer Kakaoplantage

erfordert, da nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der stärkeren

Urwaldbäume stehen bleiben kann, so ist es leicht erklärlich, daß

eine Kakaopflanze, an Ort und Stelle ausgepflanzt, bedeutend mehr

kosten muß. Bis die so ausgepflanzten Kickxien eine genügende Stärke

erreicht haben, um sich selbst überlassen zu werden, d. h. bis zu

Beginn ihres dritten Lebensjahres, müßte die Pflanzung in der Nähe der

jungen Bäumchen genügend rein gehalten werden, damit dieselben nicht

von den aufsprießenden Unkräutern überwuchert und erstickt werden.

In einem nur mäßig gelichteten Urwalde wird der Kampf gegen etwa

aufsprießende Unkräuter ein nicht so schwieriger sein als in einem

offenen, sonnigen Terrain, daher dürfte eine Reinigung der Plantage

nur drei- oder viermal im Jahre nötig sein. Also auch hier wären die

Unkosten nur geringe, denn zur Reinigung des Hektars würden nach Herrn

+Stammler+ etwa zehn Leute einen Tag lang beschäftigt werden

müssen.

Vorausgesetzt nun, daß der Baum erst nach sechs Jahren angezapft werden

kann, so stände der Bruttoertrag desselben, wenn er nur ein Kilo

Kautschuk lieferte, in einem so hohen Verhältnisse zu den geringen

Ausgaben, daß man die Kickxiakultur nur als eine ungeheuer lohnende

bezeichnen könnte.

Wenn wir dann erst einmal so weit gekommen sind, daß wir in den

Plantagen Kautschuk gewinnen können, dann werden sich auch noch viele

Verbesserungen in der rationellen Anzapfungsmethode der Bäume und in

der Bereitung eines guten Kautschuks finden, denn dann können an Ort

und Stelle wichtige Versuche gemacht werden, für welche der Reisende

nicht genügend Zeit hat.

Ich möchte gerade die Kickxia zum Anbau in Westafrika besonders

empfehlen, da sie im Lande heimisch ist und deshalb sicher mehr

Aussicht auf Erfolg zu bieten scheint, als die verschiedenen

Kautschukbäume anderer Erdteile.

Bei Gelegenheit der Schilderung meiner Togo-Reise habe ich bereits

des Manihot Glaziovii Erwähnung gethan und Vorschläge für seine

Anpflanzung gemacht. Die Pflanze ist meiner Ansicht nach mit Unrecht

in letzterer Zeit häufig als wertlos bezeichnet worden. Wenn sie nur

richtig angepflanzt und ausgebeutet wird, dann wäre eine größere mit

Manihot Glaziovii bedeckte Fläche eine durchaus nicht zu verachtende

Besitzung, welche sicher mehr einbringen dürfte, als viele der

afrikanischen Kaffeeplantagen, deren Unterhaltung ganz bedeutende

Kosten verursacht. Ich möchte hier noch einmal betonen, daß ich nur

dann für die Anpflanzung des Manihot Glaziovii eintrete, wenn diese

sowohl wie das Abernten der Bestände in der von mir vorgeschlagenen

Weise betrieben wird. Sobald die Anlage größere Kosten verursacht,

kann Manihot Glaziovii nicht als Kulturpflanze in Betracht kommen,

denn bei den geringen Mengen Kautschuk, welche der Baum liefert,

würde sich ein regelrechter Plantagenbetrieb nie lohnen. Für die

sehr regenreichen Gebiete am Kamerun-Gebirge würde ich den Baum,

welcher in seiner Heimat eine Steppenpflanze ist, nicht empfehlen. In

den Gegenden, wo, wie z. B. in den Steppen Togos, die Eingeborenen

alljährlich das Gras niederbrennen, müßten die Brände natürlich in der

Nähe solcher Manihotbestände verboten und im Falle der Übertretung die

den Brand verursachenden Eingeborenen bestraft werden. Überhaupt wäre

es sehr wünschenswert, daß diese vollständig nutzlosen Grasbrände, die

besonders in Togo, wo schon an und für sich die Bewaldung des Gebietes

eine sehr spärliche ist, in den Baumbeständen riesige Verheerungen

anrichten, verboten oder doch bedeutend erschwert würden. Es wäre

doch ein großer Triumph europäischer Kultur, wenn es uns gelänge, die

sonst vollständig wertlosen immensen Steppengebiete durch Bepflanzung

mit nützlichen Gewächsen wertvoll machen zu können. Manihot Glaziovii

ist eine Pflanze, die bei dieser Frage große Beachtung verdient.

Auch in anderer Hinsicht wäre ein Bepflanzen der Steppen mit diesem

Kautschukbaume von Wichtigkeit. Da bekanntlich der Baum ziemlich

große Laubblätter besitzt, die, wenn sie herabfallen, allmählich den

Boden mit einer Humusschicht überdecken würden, so würde mit der Zeit

der Steppencharakter der mit diesem bepflanzten Gebiete vollständig

verloren gehen und schon dadurch der Wert der Gebiete bedeutend erhöht

werden.

Auch der Ficus elastica habe ich bereits Erwähnung gethan. Entgegen

der Manihot Glaziovii haben wir in ihr eine Pflanze vor uns, welche

zu ihrem Gedeihen einer feuchteren Atmosphäre bedarf. Dennoch ist

es merkwürdig, daß die bisher in Kamerun vorhandenen Exemplare

einen recht minderwertigen Kautschuk liefern, obgleich auch dort

der Baum vorzüglich gedeiht. Sollte dieses etwa in der chemischen

Zusammensetzung des Bodens liegen? Oder sollten die im Victoria-Garten

vorhandenen Exemplare von einer bereits degenerierten Pflanze

abstammen? Es wird nötig sein, um dieser Frage auf den Grund zu gehen,

mit möglichst guten Spielarten neue Versuche zu machen. Schlagen auch

diese nicht ein, dann dürfte wohl erwiesen sein, daß die Pflanze

in Kamerun nur einen minderwertigen Kautschuk hervorzubringen im

stande ist. Wie einige aus Kairo entstammende, von Herrn Prof.

+Schweinfurth+ angefertigte Proben beweisen, liefern die dort

angezapften Bäume ein wirklich vorzügliches Produkt, das wohl mit den

besten Penang-Qualitäten konkurrieren könnte. Sollten sich Spielarten

dieser Ficus finden lassen, welche auch in Kamerun ein wirklich gutes

Produkt erzeugen. so sollte mit ihrer Anpflanzung nicht gezögert werden.

Zur Zeit meiner Anwesenheit in Westafrika waren von Castilhoa elastica

in Kamerun nur einige wenige, sehr junge Exemplare vorhanden, aus deren

Alter natürlich gar nicht zu schließen war, ob sie sich gut bewähren

würden oder nicht. Nach den letzthin von Kamerun eingetroffenen

Nachrichten sollen sich die Exemplare sehr gut entwickeln. Inwieweit

sich ein Kautschukertrag späterhin rentieren wird, muß natürlich der

Zukunft überlassen werden zu entscheiden.

Im botanischen Garten zu Victoria standen die einzigen Bäume von Hevea,

welche bereits anzapfbar waren. Der Boden, in dem diese Exemplare

wuchsen, war ziemlich trocken, und diesem Umstande ist es wohl

zuzuschreiben, daß die Stämme auffallend wenig Kautschuk gaben. Es

ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß die Pflanze in feuchterer Lage

oder in höherem Alter, wie es sich in Ceylon zeigte, einen bedeutend

besseren Ertrag bringen und sich dann bezahlt machen würde. Außerdem

ist es noch nicht erwiesen, daß die in Victoria stehenden Bäume

wirklich einer besseren Hevea-Art angehören, die auch in der Heimat

größere Erträge liefert. Also auch über sie läßt sich, soweit Kamerun

in Betracht kommt, noch nicht viel sagen.

Anhang I.

Denkschrift des Herrn Prof. O. Warburg zur Begründung der

Kautschuk-Expedition.[2]

Eine wie große Bedeutung der Kautschukhandel namentlich infolge der

Entwickelung der Elektrotechnik und des Radsports erreicht hat, ist

bekannt genug. Es braucht nur darauf hingewiesen zu werden, daß,

während 1830 erst 230 Tons nach Europa eingeführt wurden und 1840 (im

Jahre der Entdeckung der Vulkanisation des Kautschuks) 400 Tons (von

Para kommend) den gesamten Weltbedarf deckten, der Konsum im Jahre 1896

schon auf 31541 Tons gestiegen ist, welche Summe einen Wert von 200

Millionen Mark repräsentiert.

Nacheinander wurden sämtliche tropische Gegenden für die Gewinnung

von Kautschuk in Anspruch genommen, in den meisten Gegenden freilich

in derart ruchloser Weise, daß nach wenigen Jahren steigender

Ausbeute die natürlichen Bestände so gut wie vernichtet waren.

+Centralamerika+, die Heimat des schönen Castilloa-Kautschuks,

liefert nur noch ganz geringe Mengen, so daß man sich daselbst jetzt

mit Energie auf die Kultur dieser Bäume zu werfen beginnt. Der gesamte

Export +Süd- und Mittelamerikas+, abgesehen von Brasilien, betrug

1896 mir 1773 Tons, d. h. nur 5.6 pCt. der Totalproduktion. Der nie

sehr bedeutend gewesene Kautschukexport +Südasiens+ befindet

sich seit Jahren in Abnahme und betrug 1896 etwa 1393 Tons, d. h.

4.4 pCt. der Weltproduktion. Für Brasilien liegen die Verhältnisse

insofern günstig, als im Amazonas-Gebiet den feinen Para-Kautschuk

große Bäume (Hevea) liefern, die recht widerstandsfähig sind; außerdem

hat sich daselbst eine immer mehr vervollkommnete Methode des

Anzapfens ausgebildet, so daß die Produktion dieses gewaltigen, zwei

Drittel Europas gleichkommenden Gebietes stets wächst und von 10018

Tons 1882/83 auf 22290 Tons (etwa 140 Millionen Mark) im Jahre 1896

gestiegen ist. Die im Amazonas-Gebiet lebenden Sachverständigen sind

allgemein der Ansicht, daß von einer Erschöpfung des Vorrates noch für

lange hinaus keine Rede sein kann.

In aufsteigender Richtung bewegt sich augenblicklich auch noch die

Kautschukausfuhr +Afrikas+, die aber 1896 erst 9111 Tons, das

sind 28.9 pCt. Gesamtproduktion betrug, wovon nicht weniger als 6933

Tons nach Liverpool gingen, und zwar 1890 Tons von der Nordwestküste

(Senegambien, Liberia, Gold-, Elfenbein- und Sklavenküste), 2352 Tons

aus Lagos, 975 Tons aus Sierra Leone, 1716 Tons von Madagaskar und

Mozambique. Dazu kommen 501 Tons vom Congostaat, meist nach Antwerpen

gehend, und 675 Tons der deutschen Schutzgebiete, meist nach Hamburg

gehend.

Was die +deutschen Kolonien+ in Afrika betrifft, so bildet der

Kautschuk zwar einen der bedeutendsten Ausfuhrartikel Kameruns und

Ostafrikas, und auch Togo exportiert nicht unbeträchtliche Quantitäten;

die Zeit des Aufschwunges in Bezug auf diesen Artikel ist aber schon

für unsere Kolonien vorbei, Togo und Kamerun zeigen schon wieder

beträchtliche Abnahmen, in Ostafrika hat zwar noch im letzten Jahre die

Quantität etwas zugenommen, aber nur noch sehr wenig und wahrscheinlich

nur infolge der vermehrten Anfuhren aus Portugiesisch-Ostafrika; es

dürfte kaum einem Zweifel unterliegen, daß sich auch hier schon in

einem der nächsten Jahre ein bedeutender Minderexport zeigen wird.

Kamerun exportierte

1893 413758 kg im Werte von 1426874 Mk.

1894 409061 „ „ „ „ 1304218 „

1895 352502 „ „ „ „ 1102802 „

1896 340301 „ „ „ „ 1077776 „[3]

Togo exportierte:

1893 28637 kg im Werte von 99254 Mk.

1894 30582 „ „ „ „ 115621 „

1895 87498 „ „ „ „ 306123 „

1896 82645 „ „ „ „ 297524 „

1897 66156 „ „ „ „ 245369 „[4]

Deutsch-Ostafrika exportierte:

Westafrikanische Kautschuk-Expedition · 第 26 / 32 段