Angola und vom Congo zu liefern, hatte ich nur Gelegenheit, Carpodinus
lanceolatus K. Sch. kennen zu lernen. Diese Pflanze wächst in sandigen,
kurzgrasigen Savannen, in denen sie während des ganzen Tages den vollen
Sonnenstrahlen ausgesetzt ist. Für eine Kolonie wie Kamerun kann sie
also als anbaufähig gar nicht in Betracht kommen. Der Kautschuk,
welcher von ihr gewonnen wird, ist keineswegs von so guter Qualität wie
häufig geschildert wird. Überhaupt sind in neuerer Zeit die Angaben
über die Güte dieses sowohl wie auch ähnlicher Produkte recht häufig
übertrieben worden. Die Art der Gewinnung des Kautschuks von Carpodinus
lanceolatus ist außerdem eine solche, die viele Arbeitskräfte
erfordert, und daher schon wäre der Verdienst für den Europäer zu
gering, wenn er nicht die fertige Ware von dem Eingeborenen kaufen
kann, der die zur Herstellung derselben nötige Zeit und Arbeit beim
Verkaufe nicht rechnet. Was die Pflanze aber besonders für Kulturen
ungeeignet erscheinen läßt, ist ihre auffallende Empfindlichkeit gegen
jede Wachstumsstörung. Selbst Wurzelstöcke von bedeutender Länge
sterben bei leichter Verletzung bald ab, vielleicht an Verblutung durch
Austreten des Milchsaftes. Während meines Aufenthaltes in Dolo-Ebenen
am Stanley-Pool habe ich diesbezüglich die verschiedensten Versuche
gemacht. Selbst Pflanzen mit über fußlangen Wurzelstöcken starben
trotz reichlicher Bewässerung in wenigen Tagen ab. Keinen besseren
Erfolg hatte ich beim Ausstechen von Rasenstücken mit Carpodinus, die
etwa einen Fuß im Durchmesser hatten. Die darin enthaltenen Pflanzen
siechten auch allmählich dahin. Auch einige nach Kamerun geschickte
Rasen und Wurzelstöcke starben trotz guter Pflege in Victoria wie
in Buea langsam ab. Entgegen verschiedenen Behauptungen enthält der
oberirdische Teil von Carpodinus lanceolatus keine Milch, die zur
Bereitung eines guten Kautschuks verwendet werden kann. Ich habe
denselben mit den verschiedensten Koagulationsmitteln behandelt und
konnte doch nie ein besseres Produkt herstellen als von den als nicht
kautschukgebend bekannten anderen Apocynaceen. Ich also kann diese
Pflanze für Kulturen irgend welcher Art nicht empfehlen. Das aus den
Wurzelstöcken gewonnene Quantum Kautschuks ist außerdem ein geringes
und entspricht in keiner Weise der Mühe und Arbeit, welche zu seiner
Herstellung erforderlich sind.
Nach den Angaben von verschiedenen Reisenden sollen im Kwango-Gebiete
und Angola Wurzelkautschuk-Arten vorkommen, die ein wirklich gutes
Produkt liefern, doch bin ich davon überzeugt, daß es sich dann um
andere Pflanzen handeln muß als um Carpodinus lanceolatus. Einige
getrocknete Wurzelstöcke des Carpodinus lanceolatus, welche ich im
Berliner botanischen Museum untersuchte, zeigten auch nur geringe
Spuren ihres Kautschukgehaltes.
Von den übrigen windenden Carpodinusarten, deren im Stromgebiete des
Congo eine größere Anzahl vorkommt, ist mir keine begegnet, welche
brauchbaren Kautschuk liefert. Die Milchsäfte sämtlicher Apocynaceen
und Asclepiadaceen enthalten eine gewisse Quantität Kautschuk, doch
ist bei fast allen eine so große Menge von Harzen vorhanden, daß die
wirkliche Kautschuknatur der koagulierten Milch durch die zähen,
klebrigen Harze vollständig verdrängt wird.
Mit Ausnahme der Ficus Vogelii sind bis jetzt aus Afrika noch
keine Feigenbäume bekannt geworden, deren Milchsaft sich zur
Kautschukfabrikation eignet. Bei allen diesen ist die Latex sehr stark
mit Harzen vermischt, welche das durch die Koagulation gewonnene
Produkt zu einem zähen Leim verwandeln, welcher sogar in einigen
Gegenden Afrikas als Vogelleim verwendet wird. Hin und wieder werden
von einigen Firmen der Westküste einige Tonnen dieses Stoffes
nach Europa geschickt und finden dort, da sie ja selten kommen,
in einigen Kautschukfabriken Absatz. Allerdings zu einem geringen
Preise, da sie nur für wenige Artikel zu verwenden sind. So zum
Beispiel, um Wasserdichtigkeit von Stoffen etc. zu erzeugen. Von einer
unserer ersten Autoritäten in der Kautschukfabrikation erfuhr ich
diesbezüglich, daß es billiger sei, durch Hinzufügung von Harzen, wie
z. B. Kolophonium zu gutem Kautschuk, diese vogelleimähnliche Masse
in Europa herzustellen, als sie von Afrika zu importieren, wo dann
noch die Frachtspesen etc. bezahlt werden müssen. Es scheint also, als
ob für das Produkt jener Ficusarten kein großer Absatz zu erwarten
ist. Anders würde es allerdings sein, wenn nicht mehr genügend guter
Kautschuk auf den Markt gebracht werden würde, dann müßte man natürlich
auch diesen mit Harzen vermischten Kautschuk verwenden, um den besseren
Kautschuk für besondere Artikel verarbeiten zu können. In einer
Kautschukfabrik sah ich einst ganze Fässer dieses klebrigen Produktes
der Ficusarten, und hörte damals, daß dasselbe für die Herstellung
verschiedener Artikel zu verwenden sei. Man hatte 1,50 Mark für das
Kilo dieses Kautschuks bezahlt und teilte mir mit, daß sich bei diesem
Preise eine Einfuhr nach Europa wohl bezahlt machen könnte. Wo also
genügend solcher Ficusarten vorhanden sind, so daß von den in Afrika
ansässigen Firmen diese Ware zum Preise von 75 Pfennigen pro Pfund auf
den europäischen Markt gebracht werden kann, wäre es daher vielleicht
empfehlenswert, dem Abbau der Ficuswaldungen (wie z. B. im Hinterlande
von Inhambane) einiges Interesse entgegenzubringen, doch vorher ist es
erwünscht, festzustellen, wie viel dieser Ware absetzbar sein würde.
Bei Ficus Vogelii liegen die Verhältnisse etwas günstiger. Diese Art
liefert einen Kautschuk, der zwar nicht harzfrei ist, aber doch nicht
klebt. Infolge seines doch noch bedeutenden Harzgehaltes hat dieser
Kautschuk weniger Elastizität als der der Landolphien und Kickxia und
kann nicht in derselben Weise verwendet werden. Er ist aber bedeutend
besser als der anderer afrikanischer Ficusarten. Nach den Angaben
verschiedener Reisenden wird aus der Ficus Vogelii in den Gebieten
südlich des Niger viel Kautschuk bereitet. Ich habe selbst nie während
meiner Reisen gesehen, daß Eingeborene aus dem reinen Milchsafte dieses
Baumes Kautschuk anfertigten, noch habe ich von den Kaufleuten gehört,
daß dieser minderwertige Kautschuk auch nur die geringste Rolle im
Handel spielte. Daß häufig die Milch mit der der Kickxia elastica
vermischt koaguliert wird und als reiner „Silk-Rubber“ in den Handel
kommt, haben mir die Eingeborenen, welche doch derartige Fälschungen
selbst vornehmen, wiederholt eingestanden. Ob der „Silk-Rubber“ durch
diese Beimischung des Milchsaftes der Ficus Vogelii sehr leidet,
habe ich nicht feststellen können, da ich keine Proben einer solchen
Kautschukart gesehen. Die Kaufleute versicherten mir, daß sie mit
Ausnahme grober Fälschungen an dem „Silk-Rubber“ nie Spuren gesehen
haben, welche als derartige Milchsaftmischungen gedeutet werden
könnten. Im Yoruba-Lande sowohl wie in unserer Kolonie Togo ist diese
Ficusart sehr verbreitet, und daher wären leicht größere Quantitäten
Milch zu erhalten. Es wäre daher wünschenswert, daß von seiten dort
lebender Interessenten Versuche dieser Art unternommen werden würden.
Ich konnte dieselben nicht ausführen, da mir im Yoruba-Lande wie in
Togo keine Kickxiamilch, wenigstens nicht in der nötigen Quantität, zur
Verfügung stand.
Ähnlich wie dieser Kautschuk von Ficus Vogelii ist der von einer
bei Buea wachsenden Ficusart beschaffen, von der ich leider
kein Fruchtmaterial besitze. Die Art gehört offenbar auch in die
Verwandtschaft des Ficus Vogelii. Auch der aus ihr gewonnene Kautschuk
ist infolge seines Harzgehaltes sehr wenig elastisch und wenig
klebrig und dürfte daher auch nur geringe Preise erzielen. Natürlich,
zu Anlagen ausgedehnterer Art sind diese beiden Ficusarten nicht
geschaffen, da das aus ihnen gewonnene Produkt in größeren Quantitäten
auf dem europäischen Markte wohl schwerlich Absatz finden dürfte. Wenn
eine Vermischung mit dem Milchsafte der Kickxien oder Landolphien
zulässig wäre, würden die Arten allerdings an Bedeutung gewinnen, da
sie große Mengen Milchsaft geben. Als Alleebaum ist die Ficus Vogelii
für Plantagen schon seines dichten Schattens wegen zu empfehlen. Die
Buëa-Ficusart habe ich nur epiphytisch auf Bäumen angetroffen, doch
beweisen Exemplare, welche ich nach Victoria brachte, daß auch sie im
reinen Boden gedeihen würde. Für Kamerun scheint sich Ficus Vogelii
dagegen nicht zu eignen. Das Klima scheint ihr zu feucht zu sein.
Einige Stecklinge, welche ich von Lagos nach Victoria überführte,
siechten, obgleich sie anfangs ganz gut anwuchsen, allmählich dahin.
Auf Ficus elastica, welche auch in Kamerun angepflanzt ist, werde ich
weiter unten Gelegenheit haben, näher einzugehen.
Als zuerst der Silk-Rubber von Lagos bekannt wurde, von dem es hieß,
daß er von einem Baume herrühre, gelang es nach vielen Bemühungen,
als Stammpflanze dieses Produktes die Kickxia zu ermitteln. Anfangs
glaubte man stets, es hier mit der Kickxia africana zu thun zu
haben. Bald aber wurden Behauptungen laut, daß die als Kickxia
africana von +Bentham+ beschriebene Pflanze keinen Kautschuk
gebe. Diese Behauptung wurde von Dr. +Preuß+ sowohl wie von
Monsieur +Chalot+, dem Direktor des botanischen Gartens zu Gabun,
bestätigt. Trotzdem wurde von englischer Seite noch stets behauptet,
daß die Kickxia africana im Hinterlande von Lagos sowohl wie in der
Gold-Coast-Colony guten Kautschuk liefere. Als ich damals aufgefordert
wurde, die Kautschuk-Expedition zu führen, sollte eine der Aufgaben der
Expedition sein, diese Frage endgültig zu lösen. Da, im Januar 1899,
etwa 10 Tage vor meiner Abreise von Europa, traf Dr. +Preuß+ aus
Kamerun ein mit der Nachricht, daß er die Frage bereits gelöst habe. Am
Mungo in Kamerun habe er die Kautschuk liefernde Kickxia gefunden und
feststellen können, daß dieselbe spezifisch von der Kickxia africana
verschieden sei; die Früchte sowohl wie die Blätter seien verschieden.
Nun konnte auch festgestellt werden, daß die bisherigen Abbildungen der
Kickxia africana falsch seien. Man hatte gewöhnlich die Früchte der
Kautschuk liefernden Art zusammen mit Zweigen und Blättern der Kickxia
africana abgebildet. Dr. +Preuß+ beschrieb dann im Juli-Hefte
des Notizblattes des Königlichen Botanischen Gartens zu Berlin noch
in demselben Jahre die von ihm neu entdeckte Kickxia als Kickxia
elastica und gab zugleich eine gute Beschreibung der beiden anderen
bekannten Arten, der Kickxia africana Benth. und Kickxia latifolia
Stapf, welch letztere besonders der Kickxia elastica nahe steht. Herr
Dr. +Stapf+ vom Kew Herbarium wies bald darauf hin, daß die
afrikanischen Kickxiaarten nicht mit der von +Blume+ aufgestellten
Gattung Kickxia kongenerisch seien, wie +Bentham+ glaubte, als
er die erste afrikanische Art, Kickxia africana, beschrieb. Auf Grund
einer Anzahl von ihm im Kew Bull. näher ausgeführten Merkmale trennte
Dr. +Stapf+ die afrikanischen Kickxiaarten ab und stellte die neue
Gattung Funtuma auf, mit den drei Arten: F. africana, F. latifolia und
F. elastica. Den Namen Funtuma leitete er von dem Namen der Fantis für
die Kickxia „ofuntum“ ab. Wenngleich ich mit Herrn Dr. +Stapf+
vollständig darin übereinstimme, daß die afrikanischen Arten von der
malayischen Gattung Kickxia generisch verschieden sind, so habe ich
dennoch in dieser Arbeit wie in meinen Berichten den Namen Kickxia
beibehalten, da die Pflanze unter diesem Namen schon weit bekannt ist,
während selbst in wissenschaftlichen Kreisen der Name Funtuma wenig
Verbreitung gefunden hat.
Was nun die geographische Verbreitung der drei Kickxiaarten anbelangt,
so ist Kickxia africana von Liberia an nach Osten vorgehend in
den Wäldern bis Kamerun zu finden, von wo aus sie dann bis in das
Gabun-Gebiet nach Süden vordringt. Kickxia latifolia ist bisher nur
aus dem Stromgebiete des Mittelcongo und seiner Nebenflüsse bekannt.
Die weiteste Verbreitung scheint Kickxia elastica zu haben. Ihr
Verbreitungsgebiet scheint mit dem der Kickxia africana im Norden
zusammenzufallen. Nach Süden aber dehnt es sich bis in die äußerste
Südostecke des Kamerun-Gebietes am Sanga und Ngoko aus. Auch im
Gabun-Gebiete in den Hinterländern von Corisko-Bai soll es letzthin
geglückt sein, diese Art festzustellen. Im Congo-Gebiete sollen am
Mungala-Flusse auch Kickxiabestände vorhanden sein, aus denen ein
guter Kautschuk gewonnen wird, doch bedarf dieses Gerücht noch der
Bestätigung. Außerdem ist es nicht ausgeschlossen, daß es sich in dem
Falle um eine andere Art handelt als um Kickxia elastica. In Ostafrika
soll in letzterer Zeit auch eine Kickxia aufgefunden worden sein,
doch habe ich Exemplare dieser Art noch nicht zu Gesicht bekommen.[1]
Auffallend in der geographischen Verbreitung der Kickxia elastica ist
der Umstand, daß es bis jetzt noch nicht gelungen ist, sie in Togo
südlich von dem Kratschi-Distrikte nachzuweisen. Ob die bei Kratschi
von dem Herrn Grafen +Zech+ aufgefundene Kickxia wirklich zu
Kickxia elastica zu rechnen ist, kann erst festgestellt werden, wenn
Blüten vorliegen. Die an das Berliner botanische Museum gesandten
Zweige, welche ich gesehen habe, enthalten weder Blüten noch Früchte.
Von den drei Kickxiaarten, welche somit bis jetzt aus Afrika bekannt
geworden sind, enthält nur die Kickxia elastica einen Milchsaft, aus
dem guter Kautschuk gewonnen werden kann. Das aus der koagulierten
Milch der anderen beiden Arten gewonnene Produkt ist infolge seines
sehr großen Harzgehaltes und seiner Klebrigkeit nur wie die Ficussäfte
verwendbar, auf welche ich bereits oben aufmerksam gemacht habe.
Die einzigen Versuche, festzustellen, wie viel Milchsaft eine Kickxia
im Jahre geben kann, dürften wohl diejenigen sein, welche ich am
Ngoko unternahm, als es mir gelungen, daselbst ganze Bestände dieses
wichtigen Baumes aufzufinden. Ich ließ damals einen etwa siebenjährigen
Stamm von einem Fanti anzapfen, welcher ein sehr geschickter
Kautschuksammler war und schon von seiner Heimat her die Kickxia sehr
wohl kannte. Die Anzapfung geschah in der rohesten Art, doch so, daß
die Cambiumschichten unter der Rinde des Stammes nicht beschädigt
wurden. Der Ertrag war ein solcher, daß ich damals meine kühnsten
Hoffnungen übertroffen sah. Es gelang, nicht weniger als gegen 3400
ccm Milchsaft von dem einen Baume zu gewinnen, aus denen sich gegen
2000 g Kautschuk herstellen ließen. Auf 150 ccm Milchsaft erhielt ich
im Ngoko-Gebiete stets etwa 90 g frischen Kautschuks. Durch gutes
Austrocknen dieses Produktes würden etwa noch 20% Wasser entfernt
werden, so daß man aus 150 ccm Milchsaft 70 g guten Kautschuks erhalten
würde. Auf der Reise nach Europa geht durch Oxydation und sonstige
Schäden davon natürlich noch einiges verloren, doch wäre dennoch der
Gewinn als ein recht vorteilhafter zu bezeichnen. Durch vorsichtigeres,
wiederholtes Anzapfen wäre es nicht unmöglich, jährlich eine ebenso
große Menge Milchsaft zu gewinnen, ohne dem Baume dadurch besonderen
Schaden zuzufügen. Der von dem Fanti damals angezapfte Stamm, der
allerdings vorher noch vollständig unversehrt war, hatte, als ich die
Ngoko-Station etwa 1½ Monate später verließ, noch dasselbe gesunde
Aussehen wie vorher. Ich muß allerdings hier hinzufügen, daß die Zeit
infolge häufiger Regen für das fernere Gedeihen des Baumes günstig
gewesen war. Um zu sehen, wie viel Latex die Leute täglich einzusammeln
im stande sein würden, schickte ich zwei Leute aus. Dieselben brachten
nach etwa neunstündiger Abwesenheit so viel Milchsaft ein, daß ich
aus ihm etwa 2500 g Kautschuk anfertigen konnte.
[Illustration: +Kickxia africana+ Bth.
A Blühender Zweig, B Kelchblatt von innen, C Längsschnitt durch die
Blüte, D Antheren, E Fruchtknoten mit Griffel, F Frucht, G dieselbe im
Querschnitt, H dieselbe aufgesprungen, J Samen, K Samenquerschnitt.]
Über die Schnelligkeit des Dickenwachstums der Kickxia liegen
bestimmte Angaben bis jetzt nicht vor. Ich habe versucht, einiges
darüber festzustellen, konnte natürlich aber nur zu mehr oder minder
vagen Vermutungen kommen. Unter den Leuten des Herrn Oberleutnant Dr.
+Plehn+ war es auch nur jener Fanti, welcher sich schon vorher in
seiner Heimat mit Einsammeln von Kickxia-Kautschuk abgegeben hatte.
Von diesem hörte ich, daß etwa sechsjährige Stämme anzapfbar seien und
etwa zehnjährige beim ersten Anzapfen den reichsten Ertrag lieferten.
Das Alter der Anzapfungsfähigkeit stimmte mit meinen Vermutungen
überein; erstaunt war ich dagegen über die Mitteilung, daß ältere
Bäume allmählich ganz aufhören sollten, Kautschuk zu liefern. Sowohl
den Angaben, welche ich im Yoruba-Lande gesammelt, wie meinen eigenen
Beobachtungen in der Ngoko-Region widersprach dieses entschieden. Die
vier- bis fünfjährigen Stämme von Kickxia africana, welche ich auf
der +Küderling+schen Plantage bei Campo gesehen habe, die aber
wohl infolge zu starker Sonne sich mehr buschartig entwickelt hatten,
hatten trotzdem Hauptstämme von einem halben Fuß Durchmesser. Wenn
man nun bedenkt, daß durch die unzähligen Seitenstämme und Zweige ein
großer Teil der Wachstumskraft vom Hauptstamme abgelenkt wird, so ist
wohl anzunehmen, daß bei regulärer Entwickelung die Stämme in diesem
Zeitraum bedeutend dicker sein dürften. Hevea brasiliensis, eine
Pflanze, welche auch anfangs mehr Längen- als Dickenwachstum aufweist,
hat, nach den Exemplaren im botanischen Garten zu Victoria zu urteilen,
auch nach fünfjährigem Wachstum schon recht ansehnliche Stämme
gebildet. Ein solches Wachstum, wie ich es auf der Campo-Plantage bei
den drei bereits früher erwähnten elf Monate alten Bäumchen von Kickxia
elastica gesehen und hier abgebildet habe, dürfte allerdings nicht
normal sein, doch beweist es, welche Wachstumskraft in der Pflanze
steckt, sobald sie unter günstigen Verhältnissen aufwachsen kann.
Nach den Erfahrungen, welche uns jetzt betreffs Anlagen von
Kickxia-Plantagen zu Gebote stehen, und das sind allerdings nur sehr
geringe, scheint es, als ob die Pflanze durch Auspflanzen aus den
Samenbeeten bedeutend leidet, und daher wäre es sehr wünschenswert,
daß, sobald genügend Samen zu beschaffen sind, auch Versuche gemacht
werden sollten, die Pflanze sogleich an Ort und Stelle auszusäen,
ähnlich wie es jetzt auf vielen Kakaoplantagen mit der Kakaosaat
gemacht wird. Die Pflanzen würden so nicht durch Verpflanzen in ihrem
Wachstum gestört werden und schon früher genügend festen Fuß fassen, um
besser äußeren Einflüssen Widerstand leisten zu können.
Was die Anzapfungsmethoden für Kickxia anbetrifft, so sind in den
Ländern, wo dieser Baum ausgebeutet wird, bis jetzt nur zwei Arten der
Gewinnung des Milchsaftes bekannt. Die eine derselben, das Umschlagen
der Bäume, ist natürlich von vornherein verwerflich. In den Ländern,
wo dieses geschieht, also hauptsächlich bei den Völkern im Osten
und Nordosten des Kamerun-Gebirges um den Barombi-See herum, werden
die Stämme umgeschlagen und mehr oder minder ihrer Kronen beraubt.
Durch untergeschobene Steine oder Holzblöcke wird dann der gefällte
Stamm ein wenig über den Boden gehalten und in mehr oder minder
großen Abständen (gewöhnlich von etwa einem Fuße) werden quer um den
Stamm herum Ringe ausgeschnitten. Der infolge dieser Verwundungen
austretende Milchsaft wird in den unter den Ringen aufgestellten
Gefäßen aufgefangen. Natürlich bleibt bei dieser Methode eine große
Menge von Milchsaft in der dem Stamm noch anhaftenden Rinde zurück,
und selbst durch nochmaliges Anzapfen der unversehrten Teile kann
nur ein geringer Teil desselben herausgezogen werden. Natürlich ist
diese Art von Raubbau, bei welcher auf Kosten einer unzureichenden
einmaligen Anzapfung ein ganzer Stamm getötet wird, die verwerflichste
Art der Kautschukgewinnung, welche bekannt ist, und daher wäre es
sehr wünschenswert, wenn von seiten der Regierung Schritte gegen ein
derartiges unverantwortliches Vorgehen seitens der Kautschuksammler
gethan und eventuell durch strenge Strafen die an den Tag kommenden
Fälle dieser Art von Ausbeutung der in unseren Kolonien vorhandenen
Schätze gerügt würden. Schon Dr. +Preuß+ hat vor einigen Jahren
darauf aufmerksam gemacht, daß der Kautschukbaum in der Nähe der
Barombi-Station infolge dieser rohen Art der Gewinnung des Produktes
fast gänzlich verschwunden sei. Ich weiß sehr gut, daß mir auf meinen
Vorschlag geantwortet werden könnte, daß ein solches Vorgehen seitens
der Regierung noch nicht möglich wäre, weil nicht genügend Europäer im
Lande seien, um die Aufsicht über die Eingeborenen zu führen. Das ist
aber kein Grund, das Verbot des Abschlagens der Kickxiastämme nicht
zu erlassen, denn wenn ein solches nicht existiert, ist ein jeder
Neger berechtigt, öffentlich in frevelhafter Weise die Bäume zu töten,
während im anderen Falle bei den eventuell zu Tage kommenden Fällen
durch die Bestrafung der Übelthäter ein Exempel statuiert werden würde,
das auf die Negerbevölkerung jener Gebiete nicht ohne Eindruck bleiben
würde.
Die andere, jetzt schon weit verbreitete Anzapfungsmethode bei den
Kickxien ist die aus Amerika stammende Methode des Grätenschnittes. Um
die schlanken Stämme der Kickxia ersteigen zu können, bedienen sich die
Fantis eines ebenso praktischen wie vorzüglichen Kletterapparates.
Derselbe besteht aus zwei Ringen, von denen der eine den Oberkörper
des Hinaufkletternden und den Baumstamm zugleich umspannt, der
andere aber nur um den Stamm geschlungen wird. Von beiden hängen in
ungleicher Höhe gewissermaßen Steigbügel herab, welche zur Sicherheit
als Ruhepunkt für die Füße dienen. Durch abwechselndes Emporschieben
dieser beiden Ringe und der daran befindlichen Steigbügel erklettert
der Fanti mit bedeutender Geschwindigkeit selbst hohe Baumstämme,
sofern er im stande ist, mit seinen Ringen dieselben zu umspannen. Oben
beginnend, wird zum Zwecke des Grätenschnittes zunächst eine Längsrinne
aus der Rinde ausgeschnitten, in welche dann die verschiedenen zu
beiden Seiten der Längsrinne aufsteigenden, den Stamm von jeder Seite
halb umspannenden Querrinnen einmünden. Wenn man sich diese Rinnen
plastisch dargestellt denken würde, so erhielte man also etwa das Bild
eines Rückgrates mit den Rippen. In einem dicht oberhalb des Grundes
des Baumstammes angebrachten Gefäße wird dann die Milch aufgefangen.
Da die Eingeborenen beim Einschneiden der Rinnen in die Rinde meist
nicht vorsichtig genug zu Werke gehen und daher die unter der Rinde
liegenden Cambiumschichten versehren, gehen viele Exemplare der Kickxia
schon nach einmaligem Anzapfen zu Grunde. Die Instrumente, welche
ich mitgenommen hatte, d. h. die Messer und Äxte, auf welche ich die
Blechhülsen aufsetzen konnte, um ein zu tiefes Eindringen der Schneide
in die Rinde zu verhüten, bewährten sich daher sehr gut. Es ist
allerdings bei Stämmen verschiedenen Alters nötig, diese Schneiden zu
ändern, da die jüngeren Bäume eine dünnere Rinde haben als die älteren.