Kurz vor unserm Einzuge in Nyitoe überschritten wir noch den Kedjo,

der sich hier mit dem Todjië vereinigt. Wie fast alle Dörfer im

südlichen Togo, hat auch Nyitoe seinen Fetischplatz, bevor man in

die Stadt kommt. Eine besonders wichtige Rolle scheint an solchen

Plätzen eine Jatrophaart zu spielen, welche man stets als Umrandung

dieser Fetischplätze angepflanzt sieht. Die Form der Plätze ist sehr

verschieden, ebenso die Lage derselben. Überall werden sie sehr

reinlich gehalten. In Nyitoe sah ich zum ersten Male die für Agotime

charakteristischen merkwürdigen Thorhäuser, welche, größer als die

anderen Häuser erbaut, den Eingang zum Marktplatze bilden. Auch ein

Eisenschmied war dicht neben unserm Lager auf dem Marktplatze in

voller Thätigkeit und bewies trotz seiner recht primitiven Instrumente

eine große Geschicklichkeit. Gegen 12 Uhr von Nyitoe aufbrechend,

marschierten wir durch Sukpe, ein Dorf, das ebenso groß wie Nyitoe

und von diesem nur durch einen schmalen Buschwaldstreifen getrennt

ist. Allenthalben, wo ich mich hier in Agotime zu Pferde sehen ließ,

liefen die Frauen und Kinder davon, als ob der Gottseibeiuns käme,

und wurden erst wieder beruhigt und zutraulicher, wenn sie sahen,

daß auch meine Leute sich an das Pferd heranwagten. Interessant war

übrigens, daß in den sämtlichen Buschwäldern, welche wir südlich vom

Amedjovhe-Gebirge durchzogen, keine Spur der falschen Kickxia zu

finden war. Es scheint, daß ihre Südgrenze etwa die Gegend am Fuße des

Amedjovhe-Gebirges ist. Landolphien waren hin und wieder zu sehen,

doch selten in stärkeren Exemplaren. Ficus Vogelii ist allenthalben

in den Dörfern von Süd-Togo wie Mittel-Togo als Schattenbaum auf

Marktplätzen angepflanzt. Von Sukpe nach Apegame ging der Weg über

ziemlich trockene Savannengebiete, die mehr oder minder spärlich mit

kurzen Bäumen bedeckt waren, an einem kleinen Farmdorfe vorbei, für

welches uns die dort wohnenden Leute den Namen Kpadjakho angaben. In

der Steppe gab es sehr viele Borassuspalmen, deren Früchte von den

Eingeborenen hin und wieder genossen werden. Die Kinder saugen gern

die süßliche, fleischige Pulpa aus, welche die Nüsse, deren stets drei

zusammensitzen, umschließen. Als wir kurz hinter Apegame eben den

Todjië wieder überschritten hatten, wurden wir inmitten der Steppe

von einem sehr starken Regen überrascht, der uns bald vollständig

durchnäßte. Da wir bereits eine ziemliche Strecke von den letzten

Häusern entfernt waren, war es unnütz, erst wieder umzukehren; ich

ließ deshalb trotz des Regens, der übrigens bald vorübergezogen war,

den Marsch fortsetzen. Die Savanne vor Bottoe war ziemlich steriler

Natur und dürfte daher weniger für europäische Plantagenanlagen

geeignet sein, würde aber doch zur Bepflanzung mit Manihot Glaziovii

zu empfehlen sein. Etwa eine halbe Stunde vor Bottoe erreichten wir

die unter Leitung eines eingeborenen Negers stehende Außenstation der

Bremer Mission. In Bottoc kamen wir gegen 4 Uhr am Nachmittage an.

Trotz des schlechten Rufes, welchen die Eingeborenen dieser Ortschaft

haben, wurden wir daselbst sehr freundlich aufgenommen. Der Häuptling

brachte mir ein Geschenk von drei Hühnern und etwas Mais. Ich hatte

während der letzten Zeit vorzugsweise von Eiern gelebt, welche wir

allenthalben in den Dörfern für Tabak reichlich kaufen konnten, da ich

gegen Konserven und das ewige Hühnerfleisch eine furchtbare Abneigung

bekommen hatte. Am Morgen des 3. April brachen wir um 6 Uhr wieder auf.

Der Häuptling des Dorfes hatte mir bereitwilligst einen Führer bis

Batome bestellt, von wo aus ich dann einen neuen Führer bis Assahun zu

nehmen gedachte. Über eine sterile Savanne, welche sich wohl nur zur

Bepflanzung mit Manihot Glaziovii eignen dürfte, führte der Weg. Die

infolge der ersten Regen hervorgesprossene Vegetation fing schon wieder

an bedenklich zu vertrocknen. In einem kleinen Farmdorfe, welches wir

passierten, beklagten sich die Eingeborenen über die ausbleibenden

Regen. Das Wasser hatten sie von ziemlicher Distanz herbeizuschaffen,

da die sämtlichen Quellen und sonstigen Wasserplätze in der Umgebung

ausgetrocknet waren. Etwa eine halbe Stunde vor Batome marschierten

wir durch das Dorf Seva. In Batome machte sich der Wassermangel erst

recht bemerkbar, wir hatten hier viel Geld für das von den Eingeborenen

herbeigeschaffte Wasser zu zahlen.

Von einigen Weibern kaufte ich hier eine Anzahl Finger- und Armringe,

ebenso gelang es mir, einige Exemplare ovaler Messingringe zu erstehen,

welche am Fuße über dem Spanne getragen werden. Die Fingerringe

und ein Teil der Armringe waren aus Nickel verfertigt. Nach Angabe

der Eingeborenen waren sie in Assahun hergestellt. Es ist wohl

nicht unwahrscheinlich, daß ein Teil der nach Togo importierten

Fünfpfennigstücke zu derartigen Arbeiten verwendet wird. Um 12 Uhr ließ

ich wieder aufbrechen, diesmal ohne Führer. Es war in der trockenen

Steppe drückend heiß, dazu schien der Weg immer unkenntlicher zu

werden. An einigen verlassenen Farmdörfern zogen wir vorbei, bis

allmählich die Gegend einen interessanteren Charakter annahm. Hin und

wieder zeigten sich kleine Buschwäldchen, die immer häufiger zu werden

schienen, und dazwischen lagen die Farmen der Eingeborenen. In Agorome

floh die ganze Bevölkerung, als sie des Weißen auf dem Pferde ansichtig

wurde, nur mit Mühe konnte ich einige Leute bewegen, zurückzukehren,

um mir den Weg zu zeigen. Nach etwa einer weiteren Stunde gelangten

wir nach Seve, wo ich für die Nacht geblieben wäre, wenn nicht die

Einwohner behauptet hätten, weder genügend Wasser noch Nahrung zu

haben. Es blieb uns also nichts übrig, als den Marsch bis Assahun

fortzusetzen. Etwa 20 Minuten vor Assahun kamen wir wieder auf die

breite Lome-Misahöhe-Straße und trafen dann mit Einbruch der Dunkelheit

in Assahun ein. Ich ließ sofort das Zelt aufschlagen, um für die Nacht

hier rasten zu können, meine Leute fanden Unterkommen in den Häusern

der Eingeborenen.

Gegen 5½ Uhr rief am 4. April meine Signalpfeife unsere Schar wieder

zusammen. Da ich die Absicht hatte, bloß bis Badja zu marschieren,

ließ ich heute nicht so zur Eile antreiben. In Kewe ließ ich am

Logirhause eine halbe Stunde Rast machen und dann direkt nach Badja

vorgehen, wo wir schon um 10 Uhr unter Ficus- und Affenbrotbäumen das

Zelt aufstellen konnten. Es schien hier ein großer Palavertag zu sein,

denn in der Nähe meines Zeltes wurde eine lange Gerichtsverhandlung

vom Häuptlinge abgehalten. Ich wurde zwar aufgefordert, auch daran

teilzunehmen, schlug diese Einladung aber ab, da ich mich nicht in die

Angelegenheiten der Leute mischen wollte. Gegen Abend mußte ich den

Häuptling rufen lassen, um ihn aufzufordern, für einen Polizeisoldaten,

dessen Träger entlaufen war, einen neuen Träger zu stellen. Wie sich

herausstellte, hatte eigentlich der Soldat selbst Schuld an der Sache,

und deshalb waren die Badja-Leute gegen ihn aufgebracht, doch gelang

es mir, den Streit zur Zufriedenheit beider Parteien beizulegen, so

daß sich der Häuptling verpflichtete, in aller Frühe am nächsten

Tage den gewünschten Träger bis Palime zu stellen. Unsern Aufenthalt

am Nachmittage in Badja benutzte ich dazu, die Steppen botanisch zu

untersuchen, wobei es mir gelang, einige recht interessante Funde zu

machen. Am Abend begann ein sehr starker Regen, welcher die ganze

Nacht hindurch nicht endete und unsern Aufbruch am nächsten Morgen bis

7 Uhr verzögerte. Kaum waren wir auf dem Wege wieder in der Steppe,

als der Regen mit erneuter Heftigkeit wiederum begann. Doch wollte

ich mich dadurch nicht mehr in unserm Fortkommen behindern lassen

und ließ nun unter diesen nicht gerade sehr angenehmen Zuständen den

Marsch fortsetzen. Waren wir und die Lasten doch bereits vollständig

durchnäßt, so konnte etwas Regen mehr oder minder weiter keinen

bedeutenden Schaden anrichten. Die Wege waren allerdings infolge

ihrer lehmigen Beschaffenheit so schlüpfrig, daß mehrere Male Träger

mit ihren Lasten stürzten. Ebenso hatte ich mit meinem Pferde gut

aufzupassen, denn auch das Tier konnte nicht sicher treten. Nachdem

wir Noeppe passiert, trafen wir gegen 11 Uhr vollständig durchnäßt in

Akeppe ein. Zu unserm Glück hatte der Regen nachgelassen, so daß wir

in den nichts weniger als regendichten Rasthütten daselbst verbleiben

konnten. Am Nachmittage klärte sich zu unserer Freude der Himmel auf,

ja, die Sonne trat sogar hervor und gab uns somit Gelegenheit, einen

Teil der Lasten zu trocknen. Leider gesellte sich eine neue Plage

wieder zu uns, nämlich die Ameisen, die nun nach dem Regen unsern

Lagerplatz zu Hunderten umschwärmten und, wo sie nur Gelegenheit

fanden, ihre Wut an den nackten Füßen der Träger ausließen. Auch ich

machte am Abend, nachdem ich mir die hohen Stiefel abgezogen hatte,

wiederholt ihre Bekanntschaft.

Am nächsten Morgen stand die Karawane schon um 5 Uhr reisefertig

da. Um 7 Uhr ließ ich noch einmal bei einem Farmdorfe eine kurze

Frühstücksrast machen und ritt dann nach Lome voraus, wo ich um 10½ Uhr

eintraf, während meine Karawane um 11 Uhr anlangte. Ich traf umgehend

meine Vorbereitungen zur Abreise und erledigte einige mir von Dr.

+Gruner+ mitgegebene Aufträge. Den Abend verbrachte ich noch in einer

gemütlichen Gesellschaft bei Herrn Dr. +Wendland+.

Pünktlich erschien gegen Mittag am 7. April der Dampfer „Eduard

Bohlen“, der mich nach Europa bringen sollte. Gern wäre ich noch

länger in Togo geblieben, wenn ich mir nicht hätte sagen müssen, daß

in Europa viele Arbeiten während der Monate meiner harrten, welche ich

daselbst zu verbringen gedachte. Die Fahrt durch die Brandung verlief

auch glücklich, obgleich dieselbe nicht ganz gefahrlos war. Um 2 Uhr

lichtete der Dampfer die Anker, und fort ging es, der Heimat zu.

In den ersten Tagen der Heimreise verlief unsere Fahrt noch

einigermaßen zu unserer Zufriedenheit, doch bald verringerte sich die

Geschwindigkeit immer mehr, so daß wir mit der Zeit unsere Ankunft in

Europa immer weiter verschieben mußten. Die Fahrt war keineswegs eine

gemütliche und zufriedenstellende, so daß alle Passagiere aufatmeten,

als wir am 1. Mai mit einer fünftägigen Verspätung in die Elbe

eindampften.

VI. Kapitel.

Allgemeines und Untersuchungen.

Als kurz nach der Entdeckung Amerikas nach Europa die Kunde gelangte,

daß die Eingeborenen von Haïti sich bei ihren Spielen kleiner

elastischer Bälle bedienten, die aus dem Safte von Bäumen hergestellt

wurden, da konnte wohl niemand ahnen, welche epochemachenden

Entdeckungen später noch von diesem vegetabilischen Produkte abhängen

sollten und welch ein begehrter Handelsartikel dasselbe noch werden

sollte. Nach dem einheimischen Namen des Produktes Caú-cho bildeten

sich in Europa bald die Worte Caoutchouc oder Kautschuk aus, und unter

diesem Namen wurde es zunächst in Europa als Merkwürdigkeit bekannt.

Nachdem man dann seine Fähigkeit entdeckt hatte, Bleistiftstriche

auf Papier auszuradieren, wurde es in England allgemein Rubber oder

India-Rubber genannt. Auch um Wasserdichtigkeit bei Stoffen zu

erzielen, fand der Kautschuk schon vor Ende des letzten Jahrhunderts

Verwendung; doch da noch nicht seine Vulkanisationsfähigkeit entdeckt

war, hatte man solche Stoffe vor Wärme und vor allen Dingen vor

Sonnenstrahlen zu schützen, da dieselben infolge der eintretenden

Oxydation des Kautschuks klebrig wurden.

Auch in Indien und später in Afrika gelang es schließlich, Bäume und

Lianen ausfindig zu machen, aus deren Milch man Kautschuk herstellen

konnte. Es würde zu weit führen, wenn ich hier näher auf die

Entdeckungsgeschichte der einzelnen Pflanzen eingehen würde; sie ist

schon wiederholt genauer behandelt worden.

Nach der Entdeckung der wunderbaren Fähigkeiten des Kautschuks wuchs

natürlich der Bedarf in unerwarteter Weise und mit ihm sein Wert.

Infolgedessen suchten die Kautschuksammler die ihnen zugänglichen

Kautschukgebiete möglichst auszubeuten, und so kam es, daß die

Pflanzen in der rohesten Weise angezapft wurden, sogar derartig, daß

ganze Bestände allmählich dahinstarben. Allerdings wurden bei dieser

gewissenlosen Ausbeutungsmethode in den folgenden Jahren riesige

Quantitäten in den Handel gebracht, doch zeigte sich sehr bald in den

darauf von Jahr zu Jahr geringer werdenden Mengen das Endresultat. Mit

Ausnahme des Congostaates sind in Afrika die sämtlichen Kautschuk

liefernden Kolonien in ihrer Produktion zurückgegangen. Bei dem

Congostaate ist das entgegengesetzte Faktum nicht etwa in einer

vorsichtigeren Behandlung der Kautschukbestände zu suchen, wie man

häufig versucht hat, die Sachlage darzustellen, sondern ist einzig und

allein durch das Erschließen immer neuer Gebiete zu erklären. Es werden

zwar von der dortigen Regierung den übrigen Handelsgesellschaften,

welche Kautschuk exportieren, gewisse Verpflichtungen auferlegt,

wie z. B. Anpflanzen neuer Bestände etc., doch erstens werden diese

Verordnungen keineswegs sehr streng genommen, zweitens aber dürften

lange nicht genügend Sämlinge beschaffbar sein, um die daselbst im

Innern allgemein stattfindenden Verwüstungen wieder gut zu machen.

Wenn man sieht, wie bereits seit Jahren z. B. in der Lagos-Kolonie der

Engländer sowie an der Goldküste die Produktion von Kautschuk infolge

des unverantwortlichen Vorgehens der Kautschuksammler zurückgegangen

ist, so muß man sich wundern, daß nicht schon lange durch Anpflanzungen

dieser Schaden gut zu machen versucht worden ist. Dass man bei solchen

Anpflanzungen vor allen Dingen Bäume, welche Kautschuk liefern, den

Lianen vorziehen sollte, ist leicht dadurch zu begründen, daß die

Lianen erst nach langen Jahren anzapfbar sind und selbst dann nur

geringere Quantitäten Kautschuk liefern; außerdem aber lassen sich bei

ihnen nicht so leicht Vorkehrungen treffen, um schadloses Anzapfen

möglich zu machen. Der Abbau solcher Bestände wird daher stets ein

mehr oder minder ausgeprägter Raubbau bleiben. Ganz anders liegen die

Verhältnisse bei den Bäumen. Dieselben weisen ein viel schnelleres

Dickenwachstum auf und geben entschieden viel größere Quantitäten

Kautschuk liefernder Milch. Es sollte aus diesem Grunde nicht allein

von Seiten privater Plantagengesellschaften alles versucht werden,

ausgedehnte Kautschukplantagen zu schaffen, sondern es sollten auch

derartige Unternehmungen in jeder Weise von der Regierung unterstützt

werden. An der Goldküste haben im letzten Jahre die Engländer begonnen,

dieser Frage ein besonderes Interesse entgegenzubringen, und dort

bereits ausgedehnte Kickxia-Anpflanzungen angelegt. Da nun gerade

von deutscher Seite viel, man könnte sagen am meisten zur näheren

Kenntnis der für derartige Anlagen eventuell brauchbaren Kautschukbäume

beigetragen ist, so wäre es doch recht betrübend für unsere Nation,

wenn uns auch hierin wieder die Engländer zuvorkommen würden und so

gewissermaßen wieder die Früchte deutscher Arbeiten und deutscher

Forschungen genießen würden.

Betrachten wir einmal die in Afrika heimischen Kautschuk liefernden

Gewächse in Bezug auf ihre Anbaufähigkeiten. Bei weitem der größte

Teil des afrikanischen Kautschuks wird von Landolphia-Arten gewonnen.

Da die Angaben der Sammler sich häufig widersprechen, ist man in

vielen Fällen noch keineswegs genau unterrichtet über die Möglichkeit,

aus dem Milchsaft einiger Arten wirklich Kautschuk zu gewinnen. Ganz

besonders ist dieses der Fall bei den Arten mit großen Blüten, aus

der Verwandtschaft der Landolphia comorensis, und es wäre daher sehr

erwünscht, wenn die in Afrika lebenden Sammler gerade dieser Frage

spezielle Aufmerksamkeit schenken und von den einzelnen Arten genau

feststellen würden, ob sie Kautschuk liefern oder nicht. Als sicher

Kautschuk gebend sind uns bisher aus Afrika die folgenden Arten bekannt:

1. Landolphia tomentosa A. Dew. aus Senegambien, welche die größte

Menge des dorther stammenden Kautschuks liefern soll.

2. Landolphia Heudelotii D. C., welche vielleicht von L. tomentosa nur

als Abart verschieden ist.

3. Landolphia comorensis K. Sch. aus Ostafrika, von der höchst

wahrscheinlich die von verschiedenen Autoren als mit ihr identisch

betrachtete, keinen Kautschuk liefernde Pflanze spezifisch verschieden

ist.

4. Landolphia Klainei Pierre aus dem Flußgebiete des Congo.

5. Landolphia owariensis Pal. de Beauv. mit einer weiten Verbreitung

über den westlichen Teil Afrikas und im Sudan. Mit dieser Art ist L.

Klainei häufig verwechselt worden.

6. Landolphia Kirkii Th. Dyer aus dem südöstlichen Afrika.

Von diesen hier aufgezählten Arten ist der von Landolphia Klainei

gewonnene Kautschuk der beste und wohl überhaupt der beste aus Afrika

bisher bekannt gewordene. Von ihr wird auch das als „Kassai rouge“ in

den Handel kommende Produkt gewonnen. Im Congostaate hat aus diesem

Grunde die Regierung auch da, wo sie Landolphia-Anpflanzungen begonnen

hat, hauptsächlich diese Art heranziehen lassen. Es sind meines Wissens

Resultate derartiger Anpflanzungen noch nicht bekannt, da dieselben

alle viel zu jung sind, um einen Ertrag liefern zu können. Es wird auch

noch eine lange Reihe von Jahren vergehen, ehe man mit dem Abernten

der Lianen beginnen kann, ohne sogleich einen empfindlichen Schaden

herbeizuführen. Ich bin persönlich der Ansicht, daß eine Liane etwa 15

Jahre alt sein müßte, ehe ihr Hauptstamm anzapfungsfähig ist. Bei dem

immensen Längenwachstum, welches diese tropischen Lianen besitzen, ist

es nicht zu verwundern, daß die Pflanze zu gleicher Zeit ein stärkeres

Dickenwachstum nicht aufweisen kann.

In Kamerun hat Herr +Günther+ auf der Soppo-Plantage vor einigen Jahren

eine Landolphia-Anpflanzung begonnen, welche, als ich sie zum letzten

Male zu sehen Gelegenheit hatte, recht gesund aussah, doch hatten

die etwa 2½jährigen Stämme noch nicht 1 cm im Durchmesser erreicht;

einige derselben hatten dabei allerdings bereits eine Länge von 5

m aufzuweisen. Die Kultur der Lianen wäre keineswegs zu verwerfen,

wenn man aus irgend welchen Gründen gezwungen ist, Waldpartien in den

Plantagengebieten stehen zu lassen, in denen bereits Kautschuklianen

vorhanden sind. Da wäre durch jährliches Nachpflanzen die Möglichkeit

vorhanden, mit der Zeit eine regelrechte Landolphia-Schonung

zu erziehen, welche dann eine gute Nebeneinnahmequelle für die

Plantage bilden würde. Ebenso ist es keineswegs zu übersehen, daß

sich Landolphien auch an den Schattenbäumen in den Kakaoplantagen

anpflanzen ließen. Da man, wenn die Pflänzchen erst einmal die Höhe

von einem Fuß erreicht haben, gar keine Arbeit mit ihnen hat, und

die Anpflanzungen somit fast gar nichts kosten würden, so ließe sich

eventuell auch diese Art von Kautschuk-Nebenkultur empfehlen. Die

Früchte der am Kamerun-Gebirge einen guten Kautschuk liefernden Liane,

welche fälschlich wiederholt als Landolphia florida bezeichnet worden

ist, sind auf den Märkten der Baquiri unter dem Namen „Maniongo“ in

den Monaten Dezember, Januar und Februar mit Leichtigkeit in Mengen zu

erstehen; Schwierigkeiten im Beschaffen der Samen lägen also nicht vor.

Leider enthalten die Blätter und die jüngeren Teile der Landolphien

keinen brauchbaren Kautschuk, sonst ließe sich ja eventuell in

ähnlicher Weise, wie der Wurzelkautschuk im Congo- und Angola-Gebiete

hergestellt wird, aus ihnen das Produkt gewinnen, und dann würde

allerdings eine Landolphiaplantage ein äußerst empfehlenswertes

Unternehmen sein. Ich habe während meiner Expedition gerade dieser

Frage der Möglichkeit des Ausziehens von Kautschuk aus den jüngeren

Teilen der Kautschukpflanzen ganz besondere Aufmerksamkeit gewidmet und

habe dabei immer mehr die Überzeugung gewonnen, daß bei Landolphien

und Kickxien dieses unmöglich sei. Die Kautschukpflanzen scheiden in

sämtlichen jüngeren Teilen einen Milchsaft aus, aus dem sich kein

brauchbarer Kautschuk, sondern nur ein dem Vogelleim ähnliches Produkt

der Ficusarten gleiches Material herstellen läßt.

[Illustration: Eingeborene von Wangata.]

Inwiefern die amerikanischen Kautschukpflanzen, vor allen Dingen

die Hevea, bei Gewinnung von Kautschuk aus den jüngeren Teilen in

Betracht kommen können, habe ich bisher leider noch nicht Gelegenheit

gehabt, feststellen zu können. Es wäre sehr wünschenswert, daß auch

mit dem Ceara-Kautschuk ähnliche Versuche gemacht werden würden,

da bei diesem die Kautschuk liefernde Latex höher in die jüngeren

Teile hinaufsteigt als bei Landolphien und Kickxien. Die Verwandlung

der Latex in solche, welche wirklich guten Kautschuk liefert, geht

also innerhalb der Pflanze vor sich. Sollte sich da nicht ein sehr

interessantes und vielleicht auch höchst erfolgreiches Studium für

einen sich in den Kautschukgegenden Afrikas aufhaltenden Chemiker

darbieten? Aus der Verschiedenheit der chemischen Zusammensetzung

der Latex in den verschieden alten Teilen der Pflanze ließen sich da

wahrscheinlich höchst wichtige Schlüsse ziehen, die uns der wirklichen

Erkenntnis des Kautschuks um ein Beträchtliches näher bringen könnten.

Ich entsinne mich übrigens auch, daß bei Landolphia Kirkii die wirklich

brauchbare Kautschuk liefernde Milch fast bis in die jüngsten Teile

hinein steigt. Ich selbst habe aus den Fruchtschalen dieser Art

im Hinterlande von Inhambane einen durchaus brauchbaren Kautschuk

herausziehen können. Also auch diese Art dürfte, wenn es sich darum

handelt, aus den jüngeren Teilen der Pflanzen Kautschuk zu gewinnen,

einer Beachtung wert sein. Ich würde vorschlagen, zu diesem Zwecke eine

größere Quantität der jüngeren Zweige mit ihren Blättern und Blüten

zu einem Brei zu stampfen oder sonstwie stark zu zermalmen und dann

vollständig zu trocknen. Zum Zwecke der Untersuchung wären mindestens

50 Pfund dieses Materials nötig. In Europa ließe sich dann mit

Leichtigkeit der etwa in dieser Masse enthaltene Kautschuk auswaschen,

und die Qualität und Quantität des gewonnenen Produktes wäre dann

leicht festzustellen.

Man hat in letzter Zeit den Gedanken in Erwägung gezogen, ob sich eine

vorteilhaftere Kautschukgewinnung ergeben könne, wenn von Kickxien

oder Manihot Glaziovii die Rinde geschält würde und dann aus ihr,

sei es an Ort und Stelle, sei es in Europa, der darin enthaltene

Kautschuk gewonnen würde. Daß dieses Verfahren möglich ist, liegt auf

der Hand. Ich bin auch der Überzeugung, daß, obgleich beim Abschälen

der Rinde eine enorme Menge des Milchsaftes verloren gehen würde, die

in derselben bleibende Quantität eine größere Menge Kautschuk ergeben

würde, als man sonst bei einmaligem Anzapfen erhalten könnte. Aber

hieße dies nicht den Raubbau, gegen den seit Jahren versucht wird,

anzukämpfen, da man bereits zur Genüge kennen gelernt hat, welche

Folgen er nach sich zieht, noch bedeutend unterstützen? Welcher Gewinn

läge darin, wenn wir allerdings bei einmaligem Abschälen des Baumes

eine große Quantität des erwünschten Produktes gewännen, während

nach mehrjährigem vorsichtigen Anzapfen derselbe Baum eine bedeutend

größere Menge desselben geliefert haben würde? Es kann uns doch nicht

daran liegen, möglichst schnell eine bedeutende Kautschukproduktion

zu erlangen, sondern vielmehr sollte es meiner Ansicht nach unser

Bestreben sein, eine dauernde genügende Produktionsfähigkeit der

Kautschukländer zu schaffen.

Meiner Ansicht nach kann nur da ein Abschälen der Rinde zum Zwecke der

Kautschukbereitung in Betracht kommen, wo infolge zu hohen Alters oder

übermäßiger Anzapfung- durch Anschneiden der Bäume gar kein und nicht

genügend Kautschuk gewonnen werden kann.

Westafrikanische Kautschuk-Expedition · 第 24 / 32 段