Als Herr +Thienemann+ gegen 7 Uhr am Morgen des 26. März erschien,

war auch ich bereits fertig zum Aufbruch. Die Träger, unter denen

wieder sieben Trägerinnen waren, waren der Aufforderung gemäß schon am

Abend erschienen, und so stand unserem Aufbruche nichts mehr im Wege.

Doch bald stellte sich heraus, daß Herr +Thienemann+, der heftig

fieberte, nicht im stande sein würde, die beschwerliche Reise, bei der

wir fast kaum Pferd oder Hängematte benutzen konnten, da die Wege über

steile und felsige Bergrücken gingen, mitzumachen. Schwer folgte er Dr.

+Gruners+ und meinem Rate, zurückzubleiben und sich tüchtig zu

erholen. Ich hatte die Träger unter Leitung des Agu-Headmans bereits

nach Tongbe vorausgeschickt und den Leuten einschärfen lassen, daß

sie sich wieder sammeln müßten, sobald meine Signalpfeife in Tongbe

erschallen würde. Begleitet von dem Koch +Quodjo+ und meinem

Jungen +Afue+, verließ ich die Station erst um 10 Uhr. Auf dem

schon zweimal zurückgelegten Wege ritt ich nun über den François-Paß

nach Tongbe hinüber, wo ich die Trägertruppe zusammenrief, um ihnen

die Subsistenzgelder zu geben, damit sie sich in ihrem Heimatsdorfe

mit Eßvorräten versehen könnten. Da wir von Tongbe über schlechte

Wege nach Ashanti-Kpoeta zu marschieren beabsichtigten, so schickte

ich meinen Jungen +Afue+ mit dem Pferde nach Leglebi-Abesia, wo

ich ihm befahl, spätestens am nächsten Morgen einzutreffen, da ich

glaubte, in der Zeit über das Gebirge dorthin zu kommen. Um 11 Uhr

brach ich dann mit meiner Karawane selbst auf. Dicht hinter Tongbe

stieg der Weg ziemlich steil an über einen grasigen Rücken. Einige

ebenere Teile dieses Gebietes und besonders einige der feuchteren

Thäler dürften sich für Baumwoll- und Tabakkultur eignen, während die

bewaldeten Rücken mir für Kickxiakultur wie geschaffen erschienen. Es

war eine grausame Tour über diese Berge und Thäler für die Leute mit

ihren Lasten; steile Berge und tiefe Thäler wechselten beständig. Nur

selten konnten wir über ebeneres Terrain marschieren. In den Wäldern

waren falsche Kickxien und Landolphien, die guten Kautschuk gaben,

häufig anzutreffen. Bei etwaigen Kulturanlagen hier in dem Gebiete,

das zum größten Teile Besitz des Herrn +Sholto Douglas+ ist, wäre

es wohl wünschenswert, daß man diese Lianen möglichst schonte, denn

wenn einmal vorhanden, bedürfen sie gar keiner Pflege mehr und dürften

bei vorsichtigem Anzapfen doch immerhin eine gute Nebeneinnahmequelle

der Plantage bilden. Nach Überschreiten verschiedener Bäche, unter

denen der Avhliva-Bach der bedeutendste war, gelangten wir an den Rand

eines großen Thalkessels, in dem die Kpoeta-Dörfer zu sehen waren.

Der Abstieg in diesen Kessel war recht beschwerlich und konnte nur

langsam vor sich gehen. Unten angekommen, erreichten wir bald das Dorf

Akhim-Kpoeta, in einer fruchtbaren Ebene gelegen, und nach weiterem

kurzen Marsche das heutige Endziel unserer Reise, Ashanti-Kpoeta.

Es war auffallend, daß sich bei unserem Einzuge daselbst keine

Menschenseele sehen ließ. Ich ließ ruhig unter einem großen

Lecaniodiscus-Baume einen Platz reinigen und forderte dann die Träger

auf, sich mit den Kpoeta-Leuten anzufreunden und sich ein Nachtlager in

den Hütten zu suchen. Da meine Träger aus der näheren Umgebung stammten

und auch Bekannte unter den Kpoeta-Leuten hatten, war auch dieses

bald gethan, doch immerhin blieb es merkwürdig, daß die sämtlichen

Leute in ihren Häusern verblieben. Ich schrieb dieses Verhalten nicht

dem bösen Willen zu, sondern der Furcht vor den Weißen, und wunderte

mich daher auch nicht, als mein Koch und der Headman kamen, um mir

mitzuteilen, daß die Leute mir weder Eier noch Hühner verkaufen

wollten. Es ist unter den Negern Afrikas eine allgemein verbreitete

Ansicht, daß ein böser Zauberer im stande ist, jemandem Böses anzuthun,

sobald er in Besitz eines Gegenstandes kommt, welcher dem Betreffenden

gehört. So erklärte ich mir häufig auf meinen Reisen die Abneigung

der Eingeborenen, dem Europäer irgend welche Artikel zu verkaufen,

obgleich er doch häufig eine für seine Verhältnisse sehr hohe Bezahlung

dafür bekommen würde. Hier in Kpoeta vermutete ich ähnliches. Wie

ich erwartet hatte, hieß es, niemand sei da. Den Nachmittag benutzte

ich dazu, um das Terrain, auf dem die Kpoeta-Dörfer erbaut sind,

näher in Augenschein zu nehmen. Der größere Teil der Fläche bei

Ashanti-Kpoeta besteht aus sehr fruchtbarem Boden, der für ausgedehnte

Kulturen wohl geeignet wäre. Die sämtlichen Wälder des Agome-Gebietes

sind für Kickxia-Anpflanzungen wohl ohne Zweifel sehr gut geeignet

und infolge der einfachen Transportverhältnisse zur Küste besonders

für ein derartiges Unternehmen zu empfehlen. Gerade die doch nicht

unbedeutenden Transportunkosten sind es, welche bei irgend welchen

kolonialwirtschaftlichen Unternehmungen fast alle Distrikte im Innern

mit Ausnahme des Misahöhe-Distriktes ausschließen. Was würde es nützen,

wenn wir wissen würden, daß irgend welche landwirtschaftlichen Produkte

im Innern reichlich vorhanden sind oder angezogen werden könnten,

wenn sich die Transportunkosten höher stellen, als das betreffende

Produkt wert ist. Mit Kautschuk und Kola wäre es nun allerdings etwas

anders, da ersteres seines Wertes wegen einen Transport aus dem Innern

wohl verlohnt, für Kolanüsse aber gute Absatzgebiete im Lande selbst

vorhanden wären.

Später erschienen Kpoetaleute um mir Geschenke zu bringen, doch war

ich erstaunt, daß sich der Häuptling nicht sehen ließ. Als ich mich

am Abend bereits schlafen gelegt hatte, kam endlich ein alter Neger

mit einer ganzen Schar von Leuten, um mir Geschenke zu bringen. Da ich

nicht die Absicht hatte, mich nochmals anzukleiden, ließ ich ihm sagen,

er solle nur am nächsten Morgen zeitig wiederkommen, jetzt sei es schon

zu spät.

Am nächsten Morgen, noch bevor die Sonne aufgegangen, kam die ganze

Gesellschaft wieder mit ihren Geschenken. Der alte Mann bat nun um

Entschuldigung, daß man mir kein Huhn geschickt habe, doch es gäbe in

letzter Zeit keinen richtigen Häuptling mehr bei ihnen, und daher habe

niemand gewußt, wer die Sache übernehmen solle, nun seien sie gekommen,

alles wieder gut zu machen. Ich bekam dann vier Hühner und eine Anzahl

Yamsknollen sowie Reis als Geschenk, das ich durch ein Geschenk von

Tabak zur großen Freude der Leute erwiderte.

[Illustration: Feigenbäume im Dorfe Bevi.]

Von Ashanti-Kpoeta um 6 Uhr aufbrechend, stiegen wir wieder langsam

auf die Berge und gelangten dann in ein ziemlich zerrissenes, dicht

bewaldetes Terrain, auf dem die falsche Kickxia wieder einer der

hauptsächlichsten Urwaldbäume zu sein schien. Auch Landolphien und

Strophanthus, besonders die erstere häufig, waren anzutreffen. Nachdem

wir verschiedene Thäler überschritten hatten, gelangten wir auf ein

ziemlich großes, dicht bewaldetes Plateau, von dessen Rande aus wir

eine wundervolle Aussicht über die Leglebi-Ebene bis hinter Kpandu und

zum Kunya-Gebirge hatten. Ich ließ hier eine kurze Rast machen, um dann

den sehr schwierigen steilen Abstieg zu beginnen, der für die Leute mit

ihren Lasten nicht ohne Gefahr war. Der ganze steile Bergabhang war mit

dichtem Buschwald bedeckt, der so niedrig war, daß die Lasten der Leute

nicht selten zwischen den Zweigen festsaßen, so daß schon deshalb ein

vorsichtiger Abstieg geboten war. An vielen Stellen war der Pfad

so steil, daß ich mich wundern mußte, daß alle Leute, ohne Schaden

erlitten zu haben, schließlich unten in der Ebene anlangten. Die

Ebene, welche wir nun zu durchziehen hatten, bevor wir Leglebi-Abesia

erreichten, war offenbar sehr fruchtbar, besonders in der Nähe des

Gebirges. Da, wo nicht Wald das Terrain bedeckte, war es dicht mit

den riesigen Halmen des Elefantengrases bewachsen. Überall zeigte

sich eine wunderbare Üppigkeit. Kurz nachdem wir das ehemalige nun

abgebrannte Dorf passiert hatten, zogen wir in dem neuen Leglebi-Abesia

ein. +Afue+ mit dem Pferde war bereits am frühen Morgen

eingetroffen und hatte schon für ein schattiges Haus für mich gesorgt,

da das erst in jüngerer Zeit wieder aufgebaute Dorf noch gar keine

Schattenbäume besaß, unter denen man einigermaßen vor den Strahlen der

Sonne geschützt gewesen wäre. Ich hatte mit Herrn +Thienemann+

verabredet, daß er, falls eine Besserung in seinem Gesundheitszustande

eintreten sollte, mir nach Leglebi-Abesia nachkommen solle, doch

war von ihm hier nichts zu sehen noch sonst eine Nachricht für mich

eingelaufen. Ich machte hier einige kleine Ausflüge, um mich über die

Kautschukverhältnisse der Wälder zu orientieren, fand aber die Aussagen

der Eingeborenen, daß die Lianen meist schon ausgeschlagen seien,

bestätigt. Am Nachmittage setzten wir auch über kulturfähiges Land

unsere Reise nach Leglebi-Fiapi fort und machten dann in Leglebi-Duga

Halt, um unser Nachtlager daselbst aufzuschlagen.

Zeitig am Morgen des 28. März ließ ich wieder aufbrechen. Über Kame

ging es in die Kame-Schlucht hinein, wo ich mich plötzlich über

Hämmern und Schlagen in der Nähe wundern mußte. Als wir uns dem

Tii-Flusse näherten, sah ich dann zu meiner Überraschung, daß Dr.

+Gruner+ mit Tongbe-Leuten im Begriffe stand, eine Brücke über

den zur Regenzeit nicht selten unpassierbaren Bach zu bauen. Auch er

hatte mich noch nicht zurückerwartet. Ich ließ meine Leute nun hier

rasten, um mit Dr. +Gruner+ einige Zeit verweilen zu können. Herr

+Thienemann+ und Herr +Franke+ erschienen auch bald auf der

Bildfläche. Ersterer sah furchtbar angegriffen aus. Die ungewohnte

lange Boëm-Reise hatte ihn offenbar mehr angegriffen, als er sich

selbst eingestehen wollte. Meine Karawane schickte ich gegen Mittag

nach Tongbe voraus und folgte dann selbst mit Herrn +Thienemann+

am Nachmittage. In Agome-Tongbe trafen wir mit den Herren aus Palime

zusammen, die auf der Reise nach Kpandu waren, um daselbst in den

Faktoreien ihrer Firmen Inventar aufzunehmen. Um 3 Uhr ließ ich die

Karawane wieder zusammentreten und nach Misahöhe aufbrechen, wo wir

bald darauf eintrafen. Herr Dr. +Gruner+ und Herr +Franke+

erschienen kurz nach uns. Noch am Nachmittage lohnte ich meine Träger

und Trägerinnen ab und schickte sie wieder nach Tongbe zurück, da Dr.

+Gruner+ für die Reise nach der Küste bereits neue Leute für mich

bestellt hatte.

Bei dem rastlosen Arbeiten des Herrn Dr. +Gruner+ war es nach

seiner Krankheit durchaus notwendig, daß er sich eine kurze Erholung

gönne und sei es nur für einige Tage. Ich setzte daher alle Hebel in

Bewegung, um ihn zu bewegen, mich nach Amedjovhe zu begleiten, wohin

er schon längst eine kleine Erholungsreise zu machen beabsichtigt

hatte. Zu meiner Freude war er schließlich doch dazu bereit, falls ich

bis zum 30. März auf ihn warten würde. Gern willigte ich natürlich

darin ein, denn eine Reise mit ihm mußte für mich von ganz besonderem

Interesse sein. Schon am Abend des 28. März kamen meine neuen Träger

(fünf ausgesucht starke Männer aus Kpime) an. Am 29. März ritt ich

zusammen mit Dr. +Gruner+ zur Kame-Schlucht, wo er den Brückenbau

leiten wollte. Soweit dieses in meinen Kräften stand, half ich ihm

dabei. Am Nachmittage war dann die Sache so weit gediehen, daß wir die

Eingeborenen allein die Arbeit fortsetzen lassen konnten.

Schon am Morgen des 30. März hatte ich die Träger vorausgeschickt, um

dann selbst der Karawane nachzufolgen. Herr +Thienemann+ blieb

auf Misahöhe zurück, um, sobald er wieder hergestellt sei, nach dem

Agu zurückzukehren. Mit Dr. +Gruner+, welcher noch vor seiner

Abreise sehr viel Amtsgeschäfte zu erledigen hatte, wollte ich in

Agome-Palime wieder zusammentreffen. In Kussundu, einem Dörfchen vor

Palime, holte ich meine Träger-Karawane wieder ein und zog nun mit

derselben nach Palime, wo ich noch verschiedene Einkäufe machte,

während ich auf Dr. +Gruner+ wartete, der etwa eine Stunde später

eintraf. Das ganze Gebiet um Agome-Palime herum würde sich zur Anlage

von Baumwoll-Versuchsplantagen eignen. Vor allen Dingen würden von

hier aus die Transportkosten nach der Küste nicht so bedeutend sein.

Ich habe zwar die Überzeugung, daß wahrscheinlich die Umgebung der

Leglebi-Dörfer noch geeigneter zu den Versuchen sein würde, da dort

auch der Boden besser zu sein scheint, doch hätte man beim Transporte

von dort nach der Küste pro 30 Kilo einen Tageslohn mehr für die Träger

in Verrechnung zu bringen.

Die Reise des Herrn Dr. +Gruner+ nach Amedjovhe war für die

Eingeborenen sehr überraschend gewesen. Durch Folove und Kpalave

marschierten wir hindurch und bogen dann von der Straße nach Ho ab.

Erst durch fruchtbares Gelände marschierend, dann über einen steinigen

Hügelrücken steigend, gelangten wir, nachdem wir noch das Dörfchen

Ahudju passiert, gegen 4½ Uhr nachmittags nach Wuamme. Hier beschlossen

wir über Nacht zu bleiben. Ich gab nun sofort den noch ungeschulten

Kpime-Leuten Instruktionen im Aufstellen des Zeltes. Bald stand alles

in bester Ordnung; meine Lasten wurden, wie gewöhnlich, in meinem Zelte

untergebracht. Dr. +Gruner+ hatte für sich und seine Soldaten einige

Häuser in der Nähe erstanden. Nachdem wir unser Abendessen eingenommen

hatten, saßen wir beide Europäer noch gemütlich plaudernd bis 1 Uhr vor

meinem Zelte.

Dr. +Gruner+ hatte mich gebeten, das Signal zum Sammeln am Morgen zu

geben. Ich rief daher die Leute um 5½ Uhr am folgenden Morgen zusammen,

und nachdem die Lasten fertig gepackt waren, schickten wir die Träger

unter Leitung eines Soldaten voraus. Dr. +Gruner+ und ich folgten mit

den Soldaten bald nach. Wir hatten zunächst ein hügeliges Land vor uns,

das bald in eine prachtvolle, fruchtbare Ebene abfiel, auf die ich hier

ganz besonders aufmerksam machen möchte. Diese Ebene ist gut bewässert

und würde bei Anlagen von Baumwoll-, Tabak- und Sisalplantagen sicher

einer näheren Beachtung wert sein. Besonders gutes Gelände durchzogen

wir, nachdem wir Moendu passiert hatten. Auch vor Khonuta sahen wir

wieder ganze Strecken, welche sich vorzüglich für bessere Kulturen

eignen würden. In Khonuta warteten unsere Träger auf uns. Wir schickten

das Gros derselben aber weiter nach Aflime und behielten nur wenige

Lasten zurück, welche wir nötig hatten, da wir hier eine kleine

Frühstückspause machen wollten.

Auch das Gebiet zwischen Khonuta und dem Fuße des Amedjovhe-Gebirges

bei den Kpedje-Dörfern scheint recht fruchtbar und einer Beachtung wohl

wert. In dem Dorfe Aflime gab es viele Kokospalmen, an deren Früchten

sich unsere Träger ergötzten. Auch Dr. +Gruner+ und ich ließen

uns einige Nüsse öffnen, um die erfrischende „Milch“ derselben zu

trinken. Um 11 Uhr brachen wir wieder auf. Der Marsch auf das Gebirge

war recht anstrengend für die Leute, da der Weg sehr steil war, wir

mußten auch von den Pferden herunter, um sie hinauf führen zu lassen.

Oben angelangt, traten wir in einen großen Wald, der sich über den

ganzen Höhenrücken erstreckte. Nach etwas ¾stündigem Marsche, welcher

auch fast ausschließlich durch ein an falschen Kickxien sehr reiches

Waldgebiet führte, in dem die Eingeborenen leider bereits anfingen,

größere Strecken zur Anlage von Bananenpflanzungen niederzubrennen,

gelangten wir an den Fuß der kleinen Bergkuppe, auf der 770 m über

dem Meeresspiegel die Missionsstation Amedjovhe erbaut ist. Von

dem Missionar, welcher die Station leitete, wurden wir äußerst

liebenswürdig empfangen.

Da ich nicht Zeit genug hatte, mich länger hier aufzuhalten und daher

bereits am nächsten Morgen die Reise nach der Küste, welche ich auf

Dr. +Gruners+ Wunsch durch die Landschaft Agotime zurückzulegen

beabsichtigte, antreten wollte, so unternahm ich noch unter der

Führung unseres liebenswürdigen Wirtes am Nachmittage einen kleinen

Spaziergang zur Besichtigung der Station. Landwirtschaftliches war

weniger zu sehen. Vor allen Dingen war Kaffee angepflanzt, der sehr

gut zu gedeihen schien und reichlich Früchte angesetzt hatte. Es

waren zwei Arten hier in Kultur, die erstere, der Liberia-Kaffee,

stand zwar gut, doch erschien an den meisten Beeren kurz vor ihrer

Reife ein Pilz, der dieselben dann in Kürze zerstörte und vollständig

schwarz färbte. Anders war es mit der zweiten Art; dieselbe ging als

Coffea arabica, schien mir aber von dieser verschieden zu sein; über

und über waren die Bäumchen mit Blüten und Früchten schwer beladen.

Auch schien die Frucht sehr gut zu sein, und das daraus hergestellte

Getränk hatte einen sehr guten Geschmack und ein vorzügliches Aroma.

Inwieweit sich die Kultur dieser Kaffeevarietät im großen lohnen

würde, läßt sich nicht sagen, da meines Wissens nie Proben dieses

Kaffees zur Begutachtung nach Europa geschickt worden sind. Da die

klimatischen und geologischen Verhältnisse des Amedjovhe-Gebirges denen

des Agome-Gebirges vollständig gleichen, so kann wohl mit ziemlicher

Sicherheit angenommen werden, daß diese Kaffeespezies auch dort sehr

gut gedeihen werde. Mit großem Erfolge wurde hier auch Rinderzucht

getrieben; vor allem gediehen die Kühe ausgezeichnet. Die Pferde,

welche auch vorzüglich heranwuchsen, zeichneten sich durch guten,

kräftigen Körperbau aus, wurden aber häufig von einer eigentümlichen

Krankheit befallen, die nach den Schilderungen unseres Wirtes der

Pferdekrankheit von Südost-Afrika ähnlich zu sein scheint. Auch die

Schafe sahen gesund aus, gehörten aber einer kleineren Art an, die sich

wohl bei Vergrößerung der Zucht weniger empfehlen würde.

Gern wäre ich noch am nächsten Tage in Amedjovhe verblieben, um die

Wälder der Umgebung näher kennen zu lernen, doch bei derartigen Reisen

muß man mit Eventualitäten rechnen, die einem unterwegs manchmal

ziemliche Zeit rauben können; deshalb zog ich es vor, bei meiner

ursprünglichen Absicht zu bleiben und wirklich abzuziehen. Dem von

mir erhaltenen Befehle gemäß, erschienen meine Träger auch um 6 Uhr

morgens am 1. April aus dem nahe gelegenen Eingeborenen-Dorfe, in dem

sie während der Nacht untergebracht worden waren. Ich schickte die

Karawane voraus und folgte dann um 6½ Uhr selbst zu Pferde nach.

Der Abschied von Dr. +Gruner+, dem ich den glatten Verlauf meiner

ganzen Togo-Reise zu verdanken hatte, wurde mir ordentlich schwer. In

Salame, dem ersten kleinen Dorfe am Fuße des Gebirges, holte ich meine

Leute ein und marschierte nun mit ihnen nach Aflime, wo ich noch

einige Stämme des Ficus Vogelii anzapfte. Darauf ging es in schnellem

Marsche bis Moëndu, wo ich meinen Leuten zwei Stunden Zeit gab, Essen

zu kochen. Kaum hier angekommen, wurden wir von einem Eilboten des

Herrn Dr. +Gruner+ eingeholt, der mir noch einen Abschiedsgruß in

Form eines Paketes Cigarren überbrachte, die mir besonders willkommen

waren, da ich vor einigen Tagen die letzte der meinigen aufgeraucht

hatte. Von Moëndu um Mittag abmarschierend, zogen wir fast direkt

nach Süden, auf einem auf der Sprigadeschen Karte von Süd-Togo nicht

aufgezeichneten Wege, der direkt nach Klave führt. Der Weg war nicht

in besonders gutem Zustande, doch immerhin gut genug, daß man ihn zu

Pferde zurücklegen konnte. Dicht hinter Moëndu überschritten wir zum

ersten Male den Todjië-Bach, welchen wir noch häufig sehen sollten.

Die Vegetation des ersten Teiles zu beiden Seiten des Weges bestand

aus Buschwald, der eine große Menge Ölpalmen beherbergte. In diesem

Buschwalde war auch Ficus Vogelii ziemlich verbreitet. Nachdem wir etwa

eine Stunde marschiert waren, trafen wir auf einen Trupp eingeborener

Jäger, welche soeben drei Pinselohr-Schweine geschossen hatten. Ich

verabredete mit den Leuten, daß ich ihnen in Klave einen Teil eines

Schweines abkaufen werde, falls sie sich beeilen würden, eines der

Tiere dorthin zu bringen. Nachdem wir aus dem Buschwalde herausgetreten

waren, kamen wir in eine steinige Baumsteppe, welche für mich, als

Botaniker, manches Interessante geboten, wenn ich die Zeit gehabt

hätte, mich dort aufzuhalten. In Klave ließ ich nun eine kurze Rast

machen, bis die Eingeborenen mit dem erlegten Schweine erschienen,

von dem ich für mich und meine Träger eine Hälfte erstand. Von Klave

bis Shia war nur eine gute Marschstunde über ein Baumsteppengebiet,

ähnlich dem zwischen Moëndu und Klave, aber weniger steinig. Ich ließ

in Shia gar nicht rasten, da ich nicht wußte, wie lange wir noch bis

Nyive zu marschieren haben würden, wo ich das Nachtlager machen wollte.

Auch hinter Shia setzte sich anfangs die Steppe weiter fort, doch

bald wurde das Land wieder fruchtbarer, als wir uns dem Todjië wieder

näherten; denselben hatten wir vor Nyive noch zweimal zu überschreiten.

Zu unserem nicht geringen Erstaunen mündete unser Fußweg plötzlich

in einen wundervoll reingehaltenen breiten Weg, der uns über einen

kleinen Hügel direkt auf Nyive zu führte. Unterdessen hatte sich der

Himmel bedenklich verdunkelt, so daß ich meine Leute zu möglichster

Eile antrieb, da ich jeden Augenblick einen heftigen Gewitterregen

erwartete. In Nyive angekommen, ließ ich sofort das Zelt unter einem

wundervollen Milletiabaum aufschlagen und die Lasten, da der Regen eben

begann, hineinbringen. Dieser Gewitterregen muß eine Wohlthat für die

Umgebung gewesen sein, denn zwischen Klave und Nyive begannen die nach

dem ersten Regen aufgesprossenen Kräuter bereits wieder zu welken. Der

Regen dauerte bis gegen 5 Uhr am nächsten Morgen in mehr oder minder

leichten Schauern an.

Als ich am 2. April sah, daß sich der Himmel klärte, ließ ich die

Leute wieder antreten, und weiter ging es, ohne auf den Wunsch des

Häuptlings zu hören, der mich bat, doch noch zu verweilen, da er mir

ein Geschenk schicken wolle. Da wir den Weg von Nyive nach Atikpui

nicht kannten, bat ich den Häuptling um einen Führer dorthin. Ohne

lange dadurch aufgehalten zu werden, erhielt ich einen jungen Mann,

der uns führen konnte. Infolge des Regens war das Gras in den Steppen

noch vollständig naß, so daß ich, als ich vom Pferde abstieg, um

einige interessante Pflanzen zu sammeln, total durchnäßt wurde. Die

Steppe wechselte hier mit kleinen Buschpartien, zwischen deren nassen

Büschen wir uns manchmal derartig hindurchwinden mußten, daß bereits

einige der Lasten ganz durchnäßt schienen; doch bald war dieser Schaden

wieder geheilt, als die Sonne höher stieg und alles abtrocknete. In

Atikpui hatte ich mich eine halbe Stunde aufzuhalten, da ich mir

einen neuen Führer bis Nyitoe suchen mußte. Da von den umherstehenden

Leuten keiner einwilligte, mußte ich erst den Häuptling rufen lassen,

der mir dann sofort den gewünschten Mann stellte. Ein großer Teil der

Strecke, welche wir nun vor uns hatten, besonders nach Nyitoe zu,

dürfte zu den fruchtbarsten Teilen der Landschaft Agotime gehören,

soweit ich sie kennen gelernt habe. Anfangs hatten wir wieder eine

sterilere Baumsteppe vor uns, doch nachdem wir den Todjië abermals

überschritten hatten, wurde das Terrain recht interessant. Hier dürften

sich große Strecken für Baumwoll- und vielleicht auch für Tabakbau

eignen. Besonders gut schien das Gebiet zwischen dem Todjië und dem

Kedjo. Ich möchte hier jedoch, um Mißverständnisse zu vermeiden,

darauf aufmerksam machen, daß ich, wenn ich von gutem fruchtbaren

Gebiete schreibe, nur die Togo-Verhältnisse im Auge habe, da es sich

hier nur um die eventuelle landwirtschaftliche Entwickelung dieser

Kolonie handelt. In einem von der Natur so reich beschenkten Lande,

wie dasjenige am Kamerun-Gebirge, würden natürlich selbst die für Togo

fruchtbar geltenden Orte als geringwertig angesehen werden. Ich möchte

daher besonders davor warnen, etwa die wirtschaftlichen Verhältnisse

des Gebietes am Kamerun-Gebirge auf Togo zu übertragen, denn dies müßte

notwendigerweise zu einem Fiasko führen, schon da, abgesehen von der

sehr verschiedenen Beschaffenheit des Bodens, die meteorologischen

Verhältnisse ganz andere sind.

Westafrikanische Kautschuk-Expedition · 第 23 / 32 段