+Mager+ die Reise nach Campo antreten. Da der Weg längs der Küste
nur bei Ebbe zu gebrauchen und sonst auch infolge des tiefen Sandes
sehr beschwerlich ist, zogen wir es vor, in einem Boote die Strecke
bis Campo zurückzulegen. Da wir hofften, in der Nacht eine günstige
Brise zu haben, beschlossen wir, erst spät am Abend abzufahren. Die See
war ziemlich unruhig, als wir abfuhren, so daß wir gezwungen waren,
sogleich möglichst weit in die See hinauszufahren, um vor den vielen
Felsen, welche in der Nähe von Groß-Batanga längs der Küste liegen,
sicher zu sein. Die ersehnte Brise stellte sich zu unserer Enttäuschung
aber nicht ein, und wir machten nun, da die Leute rudern mußten, nur
sehr geringe Fortschritte. In der Hoffnung, am Morgen in Sicht von
Campo zu sein, legten wir uns im Boote nieder zur Ruhe, waren aber
nicht wenig enttäuscht, als wir wieder erwachten, noch nichts von Campo
sehen zu können; offenbar hatten unsere Leute im Boote die Gelegenheit
benutzt, möglichst faul zu sein. Erst gegen Mittag kam die Landspitze
vor dem Campo-Flusse in Sicht, doch begann die See nun auch so hoch zu
gehen, daß wir mehrmals glaubten, in unserem kleinen Boote von einer
herannahenden Welle überschwemmt zu werden. Unsere Lage wurde am
Nachmittage sogar so unangenehm, daß wir Europäer vorzogen, am Lande
anzulaufen, um dann über Land den Marsch fortzusetzen. Einen meiner
beiden Jungen nahm ich mit, den anderen ließ ich zurück, damit er
dafür sorge, daß mein Gepäck nicht zu stark von den hereinschlagenden
Wellen, denen das uns nachfolgende Boot ausgesetzt war, durchnässt
werde. Der Marsch am Strande entlang war infolge des losen Sandes
recht beschwerlich, wurde aber unerträglich, als erst die Flut stieg
und wir immer vor den höher steigenden Wellen auszuweichen hatten. Am
allerschlimmsten aber wurde unsere Situation, als die Nacht hereinbrach
und wir nun zwischen Gebüschen und dem Wasserniveau unseren Weg
suchen mußten. Am späten Abend war schließlich das Wasser derartig
gestiegen, daß wir gezwungen waren, Schuhe und Socken auszuziehen und
mit aufgerollten Hosen im Wasser am Strande entlang unseren Weg suchen
mußten. So angenehm auch die Kühle des Seewassers war, so unangenehm
wurde unser Zustand, wenn wir mit den nackten Füßen auf eine Muschel
oder eine hervorstehende Holzspitze traten, denn die Nacht war so
dunkel, daß man fast seine eigene Hand nicht sehen konnte. Herr
+Mager+, welcher kurzsichtig war, lief wiederholt direkt derartig
in Büsche und umgefallene Bäume hinein, daß wir uns wundern mußten,
endlich gegen 1 Uhr beide unversehrt in Campo einzutreffen. In der
stattlichen, dort von Herrn +Küderling+ errichteten Faktorei
fanden wir alles verschlossen; wie wir hörten, war der Europäer gerade
abwesend, um im Innern auf einigen Zweigfaktoreien Inventar aufzunehmen
und Kautschuk und Elfenbein aufzukaufen. Zum Glücke hatte der farbige
Verwalter des Ladens Schlüssel für einige der Zimmer, so daß wir noch
unter Dach und Fach ein Lager fanden.
Am frühen Morgen war das Boot mit unseren Sachen auch in Campo
angelangt und alles bereits auf der Veranda der Faktorei zum
Trocknen ausgelegt, als ich um 6 Uhr aus meinem Zimmer heraustrat.
Die sämtlichen Lasten waren furchtbar durchnässt. Am Nachmittag
fuhr ich zusammen mit Herrn +Mager+ nach der dicht oberhalb am
Campo-Flusse gelegenen Plantage des Herrn +Küderling+, um dort
die Kickxia-Anpflanzungen in Augenschein zu nehmen. Die Plantage war
recht schön sauber gehalten, nur fiel mir auf, daß die Schattenbäume
fehlten und daß infolgedessen viele der jungen Triebe an der Spitze
verbrannt erschienen. Die Bäumchen trugen sehr reichlich Früchte
und wuchsen recht gut, solange sie im Schatten der Bananen standen,
welche zur Ernährung der Arbeiter angepflanzt waren. Es wäre sehr
wünschenswert, daß hier in Zukunft viele Schattenbäume beim Schlagen
des Waldes stehen bleiben, denn das schon an und für sich viel
trockenere Klima bedingt nach meiner Ansicht entschieden noch mehr
Schatten für Kakaokulturen als das am Fuße des Kamerun-Gebirges bei
Victoria. Herr +Küderling+ hatte, wie bekannt, für seinen Kakao
aus dieser Campo-Plantage einst den höchsten Preis bekommen, der je für
Kamerun-Kakao erzielt worden ist.
Auch hier in der Campo-Plantage hatte man eine Anzahl von
Manihotstämmen angepflanzt, welche übrigens beim Anzapfen
gleichgünstige Resultate lieferten wie die in Groß-Batanga wachsenden.
Außer einigen mehrere Jahre alten Bäumchen von Kickxia africana hatte
Herr +Küderling+ eine größere Zahl von Pflänzchen der Kickxia
elastica auspflanzen lassen. Von den Samen, welche er im Januar
1899 von Dr. +Preuß+ erhalten hatte, waren nur drei Pflanzen
aufgegangen, welche man nun an Ort und Stelle in dem Samenbeete hatte
stehen lassen; dieselben hatten sich derartig entwickelt, daß ich
ihr Wachstum als ausnahmsweise günstiges bezeichnen muß. Die jetzt
einjährigen Pflanzen waren bereits höher als ein großer Neger. Auf der
Campo-Plantage befanden sich viele sumpfige Flächen, die vielleicht mit
Hevea brasiliensis bepflanzt werden könnten, denn in solchen sumpfigen
Lokalitäten dürfte die Hevea vielleicht einen reicheren Erfolg liefern
als in dem trockenen Boden, in dem sie im botanischen Garten zu
Victoria steht. Die vor einigen Monaten ausgepflanzten Kickxien, welche
aus Samen vom Mungo gezogen waren, hatte man in größeren Abständen
in der Kakaoplantage ausgepflanzt. Meiner Ansicht nach dürfte dieser
Standort für die Kickxia, welche doch eine Waldpflanze ist, nicht
sehr günstig sein, da die Stämme sich dann wahrscheinlich schlecht
entwickeln werden und nur kurz bleiben, wie man das übrigens auch schon
an den vorhandenen Exemplaren von Kickxia africana beobachten konnte.
Am Abend kehrten wir zur Faktorei nach Campo zurück, um am nächsten
Morgen eine Canoefahrt bis zu den Schnellen des Campo-Flusses zu
unternehmen, wo Herr +Küderling+ noch eine zweite Plantage hatte
anlegen lassen. Wir brachen sehr zeitig auf, um noch vor Beginn
der heißen Tageszeit an unseren Bestimmungsort anzulangen. Anfangs
waren die Ufer des Flusses nur mit Mangroven und Avicennien bedeckt,
allmählich traten dann noch andere Pflanzen hinzu, bis schließlich
die Mangroven ganz verschwanden, um hauptsächlich Calamusgestrüppen
Platz zu machen. Gegen 9 Uhr kamen wir bei der Plantage an. Dieselbe
war in derselben Weise angelegt worden wie diejenige bei Campo.
Der Boden schien noch typischerer Laterit zu sein als dort, große
Glimmerschiefer-Blöcke erhoben sich bis über die Oberfläche an
verschiedenen Stellen. Auch hier hatte man leider fast gar nicht für
Schattenbäume gesorgt, und daher konnte ich auch wieder dieselbe
Erscheinung wahrnehmen wie auf der Plantage bei Campo: die Spitzen der
jungen Triebe schienen von der Sonne verbrannt zu werden. Kickxien
hatte man auch hier angepflanzt, dieselben standen recht gut und
versprachen, vorzüglich anzugehen. Im übrigen bot diese Plantage
nichts, das ich nicht schon auf der weiter unten bei Campo gelegenen
gesehen hatte. Am Nachmittage fuhren wir nach der auf der französischen
Seite des Flusses gelegenen Plantage eines Franzosen, der sich dort
mit seiner Familie angesiedelt hatte. Es war daselbst außer Kakao noch
Kaffee und Vanille angepflanzt worden, doch machte die ganze Anlage
gerade einen recht verwahrlosten Eindruck, den ihr Besitzer der bereits
seit längerer Zeit herrschenden Dürre zuschrieb. Die Vanille stand
sogar sehr schlecht. Noch gegen Abend kehrten wir dann nach Campo
zurück.
Am nächsten Tage fuhren wir nun wieder in einem Boote nach Groß-Batanga
zurück. Da wir eine günstige Brise bekamen, welche uns gestattete, die
Segel aufzuspannen, hatten wir eine bedeutend günstigere Fahrt und
erreichten Batanga schon am Abend desselben Tages.
Da ich auf keine andere Gelegenheit hoffen konnte, schnell nach Kamerun
zurückzukehren, hatte ich beschlossen, am 27. Februar per Boot dorthin
abzufahren. Den einen Ruhetag, welchen ich somit hatte, benutzte ich
dazu, die Manihotstämme noch einmal anzuzapfen und Samen derselben zu
sammeln, deren ich einige tausend erhielt. Als ich am frühen Morgen
des 27. Februar die Bootsleute zur Abfahrt zu rufen auf die Veranda
trat, sah ich zu meiner Freude, daß ein englischer Dampfer, der nach
Kamerun gehen sollte, dicht bei uns vor Anker lag. Natürlich ließ ich
sofort mein ganzes Gepäck an Bord bringen, um diese Gelegenheit nicht
zu versäumen. Gegen 9 Uhr verließ ich dann auf der „Boma“ diesen Ort,
in dessen Umgegend ich mich gern noch länger aufgehalten hätte. Die
Fahrt lief sehr glücklich ab, denn bereits um 5 Uhr warf die „Boma“ vor
Kamerun Anker, so daß ich noch an demselben Abend wieder zur Faktorei
der Firma +Jantzen & Thormählen+ übersiedeln konnte.
Bis zum 2. März verblieb ich noch in Kamerun, um dann zusammen mit
Herrn Geheimrat +Wohltmann+, welcher von Edea dort eingetroffen
war, auf der „Nachtigal“ nach Victoria zu fahren, wo wir der Sitzung
des „Vereins Kameruner Pflanzer“ beiwohnen wollten. In einem kurzen
Vortrage legte ich daselbst den Herren, welche sehr vollzählig
erschienen waren, meine Erfahrungen und Ansichten noch einmal
vor, und versuchte noch einmal, zu einer möglichst energischen
Inangriffnahme der Kautschukkultur anzuregen, worin mich Herr Geheimrat
+Wohltmann+, dessen letzte Bedenken nun, da es mir gelungen war,
die Kickxia auch auf Basaltboden nachzuweisen, geschwunden waren, sehr
energisch unterstützte.
Am 4. März nachmittags erschien der deutsche Postdampfer „Helene
Woermann“, um die wenigen in Victoria wartenden Passagiere noch
abzuholen. Mit diesem fuhr ich dann nach Togo ab. Nur ungern nahm ich
Abschied von Kamerun, unserer schönsten Kolonie in Afrika, der bei der
immensen Fruchtbarkeit, welche fast allenthalben im Gebiete herrscht,
sicher eine glänzende Zukunft bevorsteht, wenn mit demselben Interesse
und derselben Energie wie in den letzten Jahren an ihrer Entwickelung
weiter gearbeitet wird.
V. Kapitel.
Togo-Reise und Heimreise.
Während unserer Fahrt von Kamerun nach Togo hatten wir trotz des
vorzüglichen Wetters gleich am Tage nach unserer Abreise von Victoria
leider den Tod eines unserer Mitpassagiere zu beklagen, der bereits
in sehr bedenklichem Zustande Kamerun verlassen hatte. In Lagos
trafen wir am Morgen des 6. März ein und verblieben daselbst bis
zum späten Nachmittag. Als ich am folgenden Tage an Deck erschien,
waren wir bereits vor Klein-Popo. Herr +Wöckel+, welcher Herrn
Geheimrat +Wohltmann+ auf seiner Rückreise nach Europa noch
Lebewohl sagen wollte, kam hier zu uns an Bord. Von ihm erfuhr ich
interessante Thatsachen über die Manihot Glaziovii-Anpflanzungen,
welche er als Leiter der Plantage Kpemme hatte anlegen lassen. Nach
kurzem Aufenthalte in Klein-Popo dampften wir nach Lome weiter. Von
Herrn Geheimrat +Wohltmann+ nahm ich dort Abschied und begab mich
mit meinem gesamten Gepäck an Land, wo ich in der Bremer Faktorei, den
vorherigen Abmachungen gemäß, bereits eine vollzählige Trägerkolonne zu
meiner Verfügung zu finden hoffte. Herr +Luther+, der Agent der
Firma, nahm mich sehr liebenswürdig auf und erklärte mir nun, daß er,
soweit es möglich war, alles vorbereitet habe, auch Träger seien da,
welche bis Misahöhe mitgehen sollten. Ich ließ daraufhin sofort die
Leute zusammenrufen und antreten. Mir schien die ganze Geschichte von
Anfang an nicht sicher genug. Nach einigem Palaver einigten wir uns
schließlich, doch kam es mir so vor, als ob einige der Leute unwillig
seien, mit einem ihnen unbekannten Europäer zu gehen. Der Sicherheit
halber sagte ich den Leuten, daß sie am Abend noch einmal antreten
sollten.
Am Nachmittage machte ich Besuch bei dem stellvertretenden Gouverneur,
Herrn Assessor +Heim+. Man bezweifelte damals sehr stark an der
Küste, ob es mir gelingen würde, in der kurzen Zeit, welche mir zur
Verfügung stand, bis nach Boëm hineinzukommen, wo ich das von Herrn
Assessor +Hupfeld+ für Herrn +Sholto Douglas+ angekaufte
Terrain besichtigen wollte. Da ich selbst mir wohl bewußt war, daß ich
keine Zeit zu verlieren habe, wäre mir eine Verzögerung meiner Abreise
von Lome äußerst unangenehm gewesen, daher geriet ich in nicht gerade
die beste Stimmung als bereits am Abend von den Trägern verschiedene
fehlten; sie seien bereits wieder in ihre Heimat zurückgekehrt, hieß
es. Da wir diese entlaufenen Leute schwerlich würden ersetzen können,
erwartete ich schon mit Schrecken die Dinge, welche ich am nächsten
Tage würde auszufechten haben, da ich doch durchaus aufbrechen mußte.
Wie ich es nicht anders erwartet hatte, erschienen am nächsten Morgen
8 Leute statt der 15, welche eigentlich zur Stelle sein sollten. Ich
ließ nun nach allen Seiten in der Stadt herum nach Trägern suchen,
denn so viel sagte ich mir, daß der ganze Tag verloren sein würde,
wenn ich nicht bis Mittag unterwegs sein könnte. Nach verschiedenen
Stunden Wartens hatte ich denn glücklich 12 Träger beisammen, außer
meinem Jungen, Afue, und einem „Headman“, den ich mir unter den Trägern
ausgesucht hatte. Um 10 Uhr endlich konnte ich aufbrechen. Noch in Lome
selbst kam mir der Gouvernementsgärtner, Herr +Warnecke+, welcher
den Versuchsgarten bei Lome leitete, entgegen und bat mich, doch in dem
Garten eine kurze Zeit zu verweilen, da er eine Anzahl Wardscher Kästen
mit Kautschukpflanzen nach dem Agu zu senden habe, welche er gern unter
Schutz eines Europäers abschicken würde. Ich erklärte mich bereit, die
Kästchen nach der +Douglas+schen Plantage am Agu mitzunehmen,
vorausgesetzt, daß er die Träger stellen könnte. Da auch diese Frage
von ihm bereits erledigt war, nahm ich die vier Träger mit den Pflanzen
am Versuchsgarten mit in meiner Karawane auf. Die Vegetation bei Lome
macht auf jeden Nichtbotaniker anfangs einen recht dürftigen Eindruck,
denn wo nicht von Menschenhand Kokospalmen gepflanzt sind, bringt der
schmale Sandgürtel, welcher sich längs der Küste hinzieht, nur kleine
Sträucher und dürftige Kräuter hervor, die an feuchteren Stellen mit
einer kurzen, halophilen Vegetation abwechseln, wie man sie an der
Meeresküste sämtlicher tropischen und subtropischen Regionen allgemein
kennt. Hat man diesen sandigen Küstenstreifen durchzogen, so gelangt
man zunächst in ein Terrain, das sich nur sehr langsam etwas hebt und
fast ausschließlich aus einem roten, ziemlich sterilen Laterit gebildet
wird. Daß sich auf diesem Boden nicht bedeutende Kulturen entwickeln
werden, wie man sie im Innern häufig antrifft, liegt klar auf der
Hand. Aber dessenungeachtet sollte die Regierung darauf hinarbeiten,
daß auch diese ausgedehnten Teile zur Verwertung kommen. Das könnte
aber nur durch Aufforstungen oder durch Anpflanzungen von nützlichen
Gewächsen geschehen, welche für eine derartige Buschsteppe geeignet
sind. Bei der Frage der Aufforstung kämen hauptsächlich australische
Acacia- und Eucalyptus-Arten in Betracht, deren Holz sich dann auch
noch gut verwerten ließe, was für Lome, das jetzt schon mit Holz sehr
schlecht bestellt ist, von großem Nutzen sein würde. Von anderen
nützlichen Pflanzen, welche sich außerdem hier in den Steppen hinter
Lome als auch besonders im Innern gut bewähren dürften, möchte ich
auch noch Acacia Verek erwähnen, die durch Lieferung eines guten
Gummi arabicum in Senegambien zu den hauptsächlichsten Nutzpflanzen
zählt. Ein anderer Weg, die Steppen Togos nutzbar zu machen, würde
durch Anpflanzungen von Manihot Glaziovii angebahnt werden. Die Samen
derselben wären leicht aus nächster Nähe zu beschaffen und könnten in
den Steppen, besonders da, wo diese durch vorgelagerte Waldungen oder
Hügelketten vor zu starken Winden geschützt sind, von Eingeborenen
ausgestreut oder eventuell in gewissen Abständen in den Boden
gesteckt und sich dann völlig selbst überlassen werden. So würde man
mit geringen Kosten allmählich eine gewisse Aufforstung der Gebiete
erzielen, aus denen dann nicht unerhebliche Quantitäten Kautschuk
gewonnen werden könnten. Wie mir Herr +Wöckel+ versicherte,
wächst Manihot bei Kpeme derartig schnell und verbreitet sich dort
in solchem Maße, selbst ohne Pflege, daß man sich dort längst daran
gewöhnt habe, es als Unkraut zu betrachten. Ich weiß, daß mir hierauf
geantwortet werden könnte, daß die Pflanze nur wenig Kautschuk gebe
und außerdem bei Stürmen sehr leicht umgebrochen werde. Darauf möchte
ich erwidern, daß derartige Pflanzungen, so dicht gewisse Strecken
bedeckend, dem Winde wohl genügend Widerstand entgegensetzen würden,
daß außerdem aber die zur Aufforstung der Steppen nötigen Kapitalien
so gering sein würden, wenn dieses mit Manihot geschieht, daß selbst
ein sehr geringer Ertrag der Stämme gewinnbringend sein müßte; zum
Überflusse aber ist nicht zu vergessen, daß eine Aufforstung dieser
Steppengegenden auf die klimatischen Verhältnisse des Landes auch einen
nicht unbedeutenden Einfluß ausüben würde, wenn sie in größerem Maße
betrieben würde. Ganz besonders geeignet für derartige Anpflanzungen
halte ich die Steppen zwischen Assaun und dem Agome-Gebirge, sowie die
der Landschaft Agotime, soweit sie nicht an zu großer Bodenfeuchtigkeit
leiden. Sind einmal größere Gebiete in dieser Weise bepflanzt, so
könnten dieselben leicht in Parzellen gestellt werden, welche dann an
einzelne Negerfamilien von der Regierung verpachtet werden müßten.
Diese Leute würden dann schon selbst dafür sorgen, daß sie nicht von
unberufener Hand geschädigt werden. Um aber ein zu rabiates Anzapfen
seitens der Pächter zu verhüten, könnte man Inspektoren in diesen
Distrikten herumschicken, welche alljährlich einige Male den Zustand
der Pflanzungen in Augenschein nehmen und, wo es nötig ist, in irgend
einer Weise gegen Beschädigung der Bestände einschreiten müßten.
In dieser Weise betrieben, dürfte sich eine Plantage von Manihot
Glaziovii sehr wohl bewähren, und so allein scheint mir ein derartiges
Unternehmen rentabel zu sein. Bei den durchaus nicht ungünstigen
Arbeiterverhältnissen in Togo, mit Ausnahme der Küstenbezirke, dürfte
es der Regierung ein Leichtes sein, die verschiedenen Stationsleiter
zur Anlage solcher Manihotpflanzungen zu bewegen. Die dem Lande auch
sonst viel Unheil bringenden Grasbrände müßten in der Nähe dieser
Bestände natürlich strengstens verboten werden. Für die Kolonie wären
derartige Bestände von immensem Vorteil, und deshalb sollten von
der Regierung oder von einem gemeinnützigen Komitee Schritte gethan
werden, eine derartige Aufforstung der Steppengebiete anzubahnen. Da
wir glücklicherweise in Togo derartig zu den Eingeborenen stehen, daß
in den meisten Distrikten eine Aufforderung seitens der Stationsleiter
genügt, um die Dörfer zur Stellung von Arbeitern zu veranlassen, so
dürften die Kosten einer solchen Anpflanzung sich als sehr geringe
Summen erweisen, wenn man bedenkt, welchen Nutzen die Kolonie in
späteren Jahren daraus ziehen könnte.
Herr +Warnecke+ begleitete mich noch eine kurze Strecke durch
die Buschsteppe, um mir daselbst einige ihm interessant erscheinende
Pflanzen zu zeigen, dann sprengte ich auf meinem netten Pferdchen,
welches früher Herrn +Mischlich+ aus Kete-Kratschi gehört hatte
und den Ruf großer Zähigkeit und Ausdauer genoss, meinen Leuten
nach, welche nun bereits eine gute Strecke vorausmarschiert waren.
Als wir uns weiter von der Küste entfernten, nahm die Buschsteppe
allmählich einen etwas anderen Charakter an. Die höher aufschießenden
Sträucher bewiesen, daß der Boden etwas fruchtbarer wurde, auch
einjährige Kräuter zeigten sich häufiger, und hier und dort sah man
auch schon etwas Gras. Gegen 2 Uhr ließ ich eine kurze Rast machen,
als wir bei einigen Markthütten vorbeikamen, um den Leuten Zeit zu
geben, sich einige Nahrungsmittel zu kaufen. Bevor wir nach Akeppe
kamen, hatte die Buschsteppe sich allmählich vollständig verändert,
Gräser traten in großen Mengen auf, der bedeutend fruchtbarere Boden
trug viele Ölpalmen, von denen übrigens ein nicht geringer Teil von
den Eingeborenen gepflanzt wurde. Zu beiden Seiten des Weges lagen
viele Farmdörfer. Es war hier interessant zu sehen, welche plötzliche
Umwandlung der Vegetation in diesen Steppen ein Regen zur Folge
hat. Etwa eine Woche vor meiner Ankunft in Togo war nämlich in dem
Misahöhe-Distrikte und einem Teile des Lome-Bezirks ein Gewitterregen
gefallen, welcher sich aber nicht südlicher als etwa eine Stunde vor
Akeppe hinzog. Während das ganze Gebiet südlich dieser Küstenzone
vollständig dürr aussah, war in dem gesamten Gebiete nördlich davon
der prächtigste Graswuchs zu finden, aus dem sich häufig die bis 5 Fuß
hohen Stengel der Eulophia (Lissochilus) cristata mit ihren prächtigen
Blüten hervorhoben. Die Sträucher und Bäume waren zum großen Teile in
Blütenflor, die ganze Landschaft bot einen überaus frischen und für das
Auge eines Botanikers äußerst fesselnden Anblick dar. Dieses Gebiet vor
Akeppe wird von den Einwohnern dieser Gegenden recht eifrig bearbeitet.
Es ist sehr interessant zu sehen, mit welchem Eifer die Leute daselbst
ihre Palmenplantagen anlegen und ihre Maniokfelder bestellen. Ich will
übrigens hier gleich erwähnen, daß ich nur äußerst selten in Westafrika
Ölpalmenplantagen gesehen habe, bei weitem der größte Teil des in den
Handel kommenden Palmenöles und der Palmenkerne wird, entgegen einer
offenbar verbreiteten Ansicht, daß die Ölpalme nur noch kultiviert
oder verwildert in Afrika vorkomme, von vollständig wilden Exemplaren
gewonnen. An einigen wenigen Stellen vor Akeppe sah ich schon
Baumwolle angebaut, aber noch recht spärlich und ohne viel Verständnis
angepflanzt. In Akeppe zogen wir gegen 4 Uhr nachmittags ein.
In der Nacht wurde ich durch einen großen Lärm aufgeweckt, welchen
meine Leute machten. Als ich mich nach der Ursache desselben
erkundigte, hörte ich, daß sie von Ameisen überfallen seien; nun
gewahrte ich auch zu meinem Schrecken, daß auch in meinem Hause auf dem
Boden Ameisen in großer Zahl umherliefen; daß die Tiere mich noch nicht
angegriffen hatten, war dem etwa 1½ Fuß über dem Erdboden erhabenen
Feldbett zu verdanken. Um sie zu verscheuchen, ließ ich nun, nachdem
ich das ganze Haus tüchtig hatte auskehren lassen, zwei große Feuer
anmachen, die dann auch den gewünschten Erfolg brachten.