Am Abend des 21. Februar konnte ich endlich zusammen mit Herrn

+Mager+ die Reise nach Campo antreten. Da der Weg längs der Küste

nur bei Ebbe zu gebrauchen und sonst auch infolge des tiefen Sandes

sehr beschwerlich ist, zogen wir es vor, in einem Boote die Strecke

bis Campo zurückzulegen. Da wir hofften, in der Nacht eine günstige

Brise zu haben, beschlossen wir, erst spät am Abend abzufahren. Die See

war ziemlich unruhig, als wir abfuhren, so daß wir gezwungen waren,

sogleich möglichst weit in die See hinauszufahren, um vor den vielen

Felsen, welche in der Nähe von Groß-Batanga längs der Küste liegen,

sicher zu sein. Die ersehnte Brise stellte sich zu unserer Enttäuschung

aber nicht ein, und wir machten nun, da die Leute rudern mußten, nur

sehr geringe Fortschritte. In der Hoffnung, am Morgen in Sicht von

Campo zu sein, legten wir uns im Boote nieder zur Ruhe, waren aber

nicht wenig enttäuscht, als wir wieder erwachten, noch nichts von Campo

sehen zu können; offenbar hatten unsere Leute im Boote die Gelegenheit

benutzt, möglichst faul zu sein. Erst gegen Mittag kam die Landspitze

vor dem Campo-Flusse in Sicht, doch begann die See nun auch so hoch zu

gehen, daß wir mehrmals glaubten, in unserem kleinen Boote von einer

herannahenden Welle überschwemmt zu werden. Unsere Lage wurde am

Nachmittage sogar so unangenehm, daß wir Europäer vorzogen, am Lande

anzulaufen, um dann über Land den Marsch fortzusetzen. Einen meiner

beiden Jungen nahm ich mit, den anderen ließ ich zurück, damit er

dafür sorge, daß mein Gepäck nicht zu stark von den hereinschlagenden

Wellen, denen das uns nachfolgende Boot ausgesetzt war, durchnässt

werde. Der Marsch am Strande entlang war infolge des losen Sandes

recht beschwerlich, wurde aber unerträglich, als erst die Flut stieg

und wir immer vor den höher steigenden Wellen auszuweichen hatten. Am

allerschlimmsten aber wurde unsere Situation, als die Nacht hereinbrach

und wir nun zwischen Gebüschen und dem Wasserniveau unseren Weg

suchen mußten. Am späten Abend war schließlich das Wasser derartig

gestiegen, daß wir gezwungen waren, Schuhe und Socken auszuziehen und

mit aufgerollten Hosen im Wasser am Strande entlang unseren Weg suchen

mußten. So angenehm auch die Kühle des Seewassers war, so unangenehm

wurde unser Zustand, wenn wir mit den nackten Füßen auf eine Muschel

oder eine hervorstehende Holzspitze traten, denn die Nacht war so

dunkel, daß man fast seine eigene Hand nicht sehen konnte. Herr

+Mager+, welcher kurzsichtig war, lief wiederholt direkt derartig

in Büsche und umgefallene Bäume hinein, daß wir uns wundern mußten,

endlich gegen 1 Uhr beide unversehrt in Campo einzutreffen. In der

stattlichen, dort von Herrn +Küderling+ errichteten Faktorei

fanden wir alles verschlossen; wie wir hörten, war der Europäer gerade

abwesend, um im Innern auf einigen Zweigfaktoreien Inventar aufzunehmen

und Kautschuk und Elfenbein aufzukaufen. Zum Glücke hatte der farbige

Verwalter des Ladens Schlüssel für einige der Zimmer, so daß wir noch

unter Dach und Fach ein Lager fanden.

Am frühen Morgen war das Boot mit unseren Sachen auch in Campo

angelangt und alles bereits auf der Veranda der Faktorei zum

Trocknen ausgelegt, als ich um 6 Uhr aus meinem Zimmer heraustrat.

Die sämtlichen Lasten waren furchtbar durchnässt. Am Nachmittag

fuhr ich zusammen mit Herrn +Mager+ nach der dicht oberhalb am

Campo-Flusse gelegenen Plantage des Herrn +Küderling+, um dort

die Kickxia-Anpflanzungen in Augenschein zu nehmen. Die Plantage war

recht schön sauber gehalten, nur fiel mir auf, daß die Schattenbäume

fehlten und daß infolgedessen viele der jungen Triebe an der Spitze

verbrannt erschienen. Die Bäumchen trugen sehr reichlich Früchte

und wuchsen recht gut, solange sie im Schatten der Bananen standen,

welche zur Ernährung der Arbeiter angepflanzt waren. Es wäre sehr

wünschenswert, daß hier in Zukunft viele Schattenbäume beim Schlagen

des Waldes stehen bleiben, denn das schon an und für sich viel

trockenere Klima bedingt nach meiner Ansicht entschieden noch mehr

Schatten für Kakaokulturen als das am Fuße des Kamerun-Gebirges bei

Victoria. Herr +Küderling+ hatte, wie bekannt, für seinen Kakao

aus dieser Campo-Plantage einst den höchsten Preis bekommen, der je für

Kamerun-Kakao erzielt worden ist.

Auch hier in der Campo-Plantage hatte man eine Anzahl von

Manihotstämmen angepflanzt, welche übrigens beim Anzapfen

gleichgünstige Resultate lieferten wie die in Groß-Batanga wachsenden.

Außer einigen mehrere Jahre alten Bäumchen von Kickxia africana hatte

Herr +Küderling+ eine größere Zahl von Pflänzchen der Kickxia

elastica auspflanzen lassen. Von den Samen, welche er im Januar

1899 von Dr. +Preuß+ erhalten hatte, waren nur drei Pflanzen

aufgegangen, welche man nun an Ort und Stelle in dem Samenbeete hatte

stehen lassen; dieselben hatten sich derartig entwickelt, daß ich

ihr Wachstum als ausnahmsweise günstiges bezeichnen muß. Die jetzt

einjährigen Pflanzen waren bereits höher als ein großer Neger. Auf der

Campo-Plantage befanden sich viele sumpfige Flächen, die vielleicht mit

Hevea brasiliensis bepflanzt werden könnten, denn in solchen sumpfigen

Lokalitäten dürfte die Hevea vielleicht einen reicheren Erfolg liefern

als in dem trockenen Boden, in dem sie im botanischen Garten zu

Victoria steht. Die vor einigen Monaten ausgepflanzten Kickxien, welche

aus Samen vom Mungo gezogen waren, hatte man in größeren Abständen

in der Kakaoplantage ausgepflanzt. Meiner Ansicht nach dürfte dieser

Standort für die Kickxia, welche doch eine Waldpflanze ist, nicht

sehr günstig sein, da die Stämme sich dann wahrscheinlich schlecht

entwickeln werden und nur kurz bleiben, wie man das übrigens auch schon

an den vorhandenen Exemplaren von Kickxia africana beobachten konnte.

Am Abend kehrten wir zur Faktorei nach Campo zurück, um am nächsten

Morgen eine Canoefahrt bis zu den Schnellen des Campo-Flusses zu

unternehmen, wo Herr +Küderling+ noch eine zweite Plantage hatte

anlegen lassen. Wir brachen sehr zeitig auf, um noch vor Beginn

der heißen Tageszeit an unseren Bestimmungsort anzulangen. Anfangs

waren die Ufer des Flusses nur mit Mangroven und Avicennien bedeckt,

allmählich traten dann noch andere Pflanzen hinzu, bis schließlich

die Mangroven ganz verschwanden, um hauptsächlich Calamusgestrüppen

Platz zu machen. Gegen 9 Uhr kamen wir bei der Plantage an. Dieselbe

war in derselben Weise angelegt worden wie diejenige bei Campo.

Der Boden schien noch typischerer Laterit zu sein als dort, große

Glimmerschiefer-Blöcke erhoben sich bis über die Oberfläche an

verschiedenen Stellen. Auch hier hatte man leider fast gar nicht für

Schattenbäume gesorgt, und daher konnte ich auch wieder dieselbe

Erscheinung wahrnehmen wie auf der Plantage bei Campo: die Spitzen der

jungen Triebe schienen von der Sonne verbrannt zu werden. Kickxien

hatte man auch hier angepflanzt, dieselben standen recht gut und

versprachen, vorzüglich anzugehen. Im übrigen bot diese Plantage

nichts, das ich nicht schon auf der weiter unten bei Campo gelegenen

gesehen hatte. Am Nachmittage fuhren wir nach der auf der französischen

Seite des Flusses gelegenen Plantage eines Franzosen, der sich dort

mit seiner Familie angesiedelt hatte. Es war daselbst außer Kakao noch

Kaffee und Vanille angepflanzt worden, doch machte die ganze Anlage

gerade einen recht verwahrlosten Eindruck, den ihr Besitzer der bereits

seit längerer Zeit herrschenden Dürre zuschrieb. Die Vanille stand

sogar sehr schlecht. Noch gegen Abend kehrten wir dann nach Campo

zurück.

Am nächsten Tage fuhren wir nun wieder in einem Boote nach Groß-Batanga

zurück. Da wir eine günstige Brise bekamen, welche uns gestattete, die

Segel aufzuspannen, hatten wir eine bedeutend günstigere Fahrt und

erreichten Batanga schon am Abend desselben Tages.

Da ich auf keine andere Gelegenheit hoffen konnte, schnell nach Kamerun

zurückzukehren, hatte ich beschlossen, am 27. Februar per Boot dorthin

abzufahren. Den einen Ruhetag, welchen ich somit hatte, benutzte ich

dazu, die Manihotstämme noch einmal anzuzapfen und Samen derselben zu

sammeln, deren ich einige tausend erhielt. Als ich am frühen Morgen

des 27. Februar die Bootsleute zur Abfahrt zu rufen auf die Veranda

trat, sah ich zu meiner Freude, daß ein englischer Dampfer, der nach

Kamerun gehen sollte, dicht bei uns vor Anker lag. Natürlich ließ ich

sofort mein ganzes Gepäck an Bord bringen, um diese Gelegenheit nicht

zu versäumen. Gegen 9 Uhr verließ ich dann auf der „Boma“ diesen Ort,

in dessen Umgegend ich mich gern noch länger aufgehalten hätte. Die

Fahrt lief sehr glücklich ab, denn bereits um 5 Uhr warf die „Boma“ vor

Kamerun Anker, so daß ich noch an demselben Abend wieder zur Faktorei

der Firma +Jantzen & Thormählen+ übersiedeln konnte.

Bis zum 2. März verblieb ich noch in Kamerun, um dann zusammen mit

Herrn Geheimrat +Wohltmann+, welcher von Edea dort eingetroffen

war, auf der „Nachtigal“ nach Victoria zu fahren, wo wir der Sitzung

des „Vereins Kameruner Pflanzer“ beiwohnen wollten. In einem kurzen

Vortrage legte ich daselbst den Herren, welche sehr vollzählig

erschienen waren, meine Erfahrungen und Ansichten noch einmal

vor, und versuchte noch einmal, zu einer möglichst energischen

Inangriffnahme der Kautschukkultur anzuregen, worin mich Herr Geheimrat

+Wohltmann+, dessen letzte Bedenken nun, da es mir gelungen war,

die Kickxia auch auf Basaltboden nachzuweisen, geschwunden waren, sehr

energisch unterstützte.

Am 4. März nachmittags erschien der deutsche Postdampfer „Helene

Woermann“, um die wenigen in Victoria wartenden Passagiere noch

abzuholen. Mit diesem fuhr ich dann nach Togo ab. Nur ungern nahm ich

Abschied von Kamerun, unserer schönsten Kolonie in Afrika, der bei der

immensen Fruchtbarkeit, welche fast allenthalben im Gebiete herrscht,

sicher eine glänzende Zukunft bevorsteht, wenn mit demselben Interesse

und derselben Energie wie in den letzten Jahren an ihrer Entwickelung

weiter gearbeitet wird.

V. Kapitel.

Togo-Reise und Heimreise.

Während unserer Fahrt von Kamerun nach Togo hatten wir trotz des

vorzüglichen Wetters gleich am Tage nach unserer Abreise von Victoria

leider den Tod eines unserer Mitpassagiere zu beklagen, der bereits

in sehr bedenklichem Zustande Kamerun verlassen hatte. In Lagos

trafen wir am Morgen des 6. März ein und verblieben daselbst bis

zum späten Nachmittag. Als ich am folgenden Tage an Deck erschien,

waren wir bereits vor Klein-Popo. Herr +Wöckel+, welcher Herrn

Geheimrat +Wohltmann+ auf seiner Rückreise nach Europa noch

Lebewohl sagen wollte, kam hier zu uns an Bord. Von ihm erfuhr ich

interessante Thatsachen über die Manihot Glaziovii-Anpflanzungen,

welche er als Leiter der Plantage Kpemme hatte anlegen lassen. Nach

kurzem Aufenthalte in Klein-Popo dampften wir nach Lome weiter. Von

Herrn Geheimrat +Wohltmann+ nahm ich dort Abschied und begab mich

mit meinem gesamten Gepäck an Land, wo ich in der Bremer Faktorei, den

vorherigen Abmachungen gemäß, bereits eine vollzählige Trägerkolonne zu

meiner Verfügung zu finden hoffte. Herr +Luther+, der Agent der

Firma, nahm mich sehr liebenswürdig auf und erklärte mir nun, daß er,

soweit es möglich war, alles vorbereitet habe, auch Träger seien da,

welche bis Misahöhe mitgehen sollten. Ich ließ daraufhin sofort die

Leute zusammenrufen und antreten. Mir schien die ganze Geschichte von

Anfang an nicht sicher genug. Nach einigem Palaver einigten wir uns

schließlich, doch kam es mir so vor, als ob einige der Leute unwillig

seien, mit einem ihnen unbekannten Europäer zu gehen. Der Sicherheit

halber sagte ich den Leuten, daß sie am Abend noch einmal antreten

sollten.

Am Nachmittage machte ich Besuch bei dem stellvertretenden Gouverneur,

Herrn Assessor +Heim+. Man bezweifelte damals sehr stark an der

Küste, ob es mir gelingen würde, in der kurzen Zeit, welche mir zur

Verfügung stand, bis nach Boëm hineinzukommen, wo ich das von Herrn

Assessor +Hupfeld+ für Herrn +Sholto Douglas+ angekaufte

Terrain besichtigen wollte. Da ich selbst mir wohl bewußt war, daß ich

keine Zeit zu verlieren habe, wäre mir eine Verzögerung meiner Abreise

von Lome äußerst unangenehm gewesen, daher geriet ich in nicht gerade

die beste Stimmung als bereits am Abend von den Trägern verschiedene

fehlten; sie seien bereits wieder in ihre Heimat zurückgekehrt, hieß

es. Da wir diese entlaufenen Leute schwerlich würden ersetzen können,

erwartete ich schon mit Schrecken die Dinge, welche ich am nächsten

Tage würde auszufechten haben, da ich doch durchaus aufbrechen mußte.

Wie ich es nicht anders erwartet hatte, erschienen am nächsten Morgen

8 Leute statt der 15, welche eigentlich zur Stelle sein sollten. Ich

ließ nun nach allen Seiten in der Stadt herum nach Trägern suchen,

denn so viel sagte ich mir, daß der ganze Tag verloren sein würde,

wenn ich nicht bis Mittag unterwegs sein könnte. Nach verschiedenen

Stunden Wartens hatte ich denn glücklich 12 Träger beisammen, außer

meinem Jungen, Afue, und einem „Headman“, den ich mir unter den Trägern

ausgesucht hatte. Um 10 Uhr endlich konnte ich aufbrechen. Noch in Lome

selbst kam mir der Gouvernementsgärtner, Herr +Warnecke+, welcher

den Versuchsgarten bei Lome leitete, entgegen und bat mich, doch in dem

Garten eine kurze Zeit zu verweilen, da er eine Anzahl Wardscher Kästen

mit Kautschukpflanzen nach dem Agu zu senden habe, welche er gern unter

Schutz eines Europäers abschicken würde. Ich erklärte mich bereit, die

Kästchen nach der +Douglas+schen Plantage am Agu mitzunehmen,

vorausgesetzt, daß er die Träger stellen könnte. Da auch diese Frage

von ihm bereits erledigt war, nahm ich die vier Träger mit den Pflanzen

am Versuchsgarten mit in meiner Karawane auf. Die Vegetation bei Lome

macht auf jeden Nichtbotaniker anfangs einen recht dürftigen Eindruck,

denn wo nicht von Menschenhand Kokospalmen gepflanzt sind, bringt der

schmale Sandgürtel, welcher sich längs der Küste hinzieht, nur kleine

Sträucher und dürftige Kräuter hervor, die an feuchteren Stellen mit

einer kurzen, halophilen Vegetation abwechseln, wie man sie an der

Meeresküste sämtlicher tropischen und subtropischen Regionen allgemein

kennt. Hat man diesen sandigen Küstenstreifen durchzogen, so gelangt

man zunächst in ein Terrain, das sich nur sehr langsam etwas hebt und

fast ausschließlich aus einem roten, ziemlich sterilen Laterit gebildet

wird. Daß sich auf diesem Boden nicht bedeutende Kulturen entwickeln

werden, wie man sie im Innern häufig antrifft, liegt klar auf der

Hand. Aber dessenungeachtet sollte die Regierung darauf hinarbeiten,

daß auch diese ausgedehnten Teile zur Verwertung kommen. Das könnte

aber nur durch Aufforstungen oder durch Anpflanzungen von nützlichen

Gewächsen geschehen, welche für eine derartige Buschsteppe geeignet

sind. Bei der Frage der Aufforstung kämen hauptsächlich australische

Acacia- und Eucalyptus-Arten in Betracht, deren Holz sich dann auch

noch gut verwerten ließe, was für Lome, das jetzt schon mit Holz sehr

schlecht bestellt ist, von großem Nutzen sein würde. Von anderen

nützlichen Pflanzen, welche sich außerdem hier in den Steppen hinter

Lome als auch besonders im Innern gut bewähren dürften, möchte ich

auch noch Acacia Verek erwähnen, die durch Lieferung eines guten

Gummi arabicum in Senegambien zu den hauptsächlichsten Nutzpflanzen

zählt. Ein anderer Weg, die Steppen Togos nutzbar zu machen, würde

durch Anpflanzungen von Manihot Glaziovii angebahnt werden. Die Samen

derselben wären leicht aus nächster Nähe zu beschaffen und könnten in

den Steppen, besonders da, wo diese durch vorgelagerte Waldungen oder

Hügelketten vor zu starken Winden geschützt sind, von Eingeborenen

ausgestreut oder eventuell in gewissen Abständen in den Boden

gesteckt und sich dann völlig selbst überlassen werden. So würde man

mit geringen Kosten allmählich eine gewisse Aufforstung der Gebiete

erzielen, aus denen dann nicht unerhebliche Quantitäten Kautschuk

gewonnen werden könnten. Wie mir Herr +Wöckel+ versicherte,

wächst Manihot bei Kpeme derartig schnell und verbreitet sich dort

in solchem Maße, selbst ohne Pflege, daß man sich dort längst daran

gewöhnt habe, es als Unkraut zu betrachten. Ich weiß, daß mir hierauf

geantwortet werden könnte, daß die Pflanze nur wenig Kautschuk gebe

und außerdem bei Stürmen sehr leicht umgebrochen werde. Darauf möchte

ich erwidern, daß derartige Pflanzungen, so dicht gewisse Strecken

bedeckend, dem Winde wohl genügend Widerstand entgegensetzen würden,

daß außerdem aber die zur Aufforstung der Steppen nötigen Kapitalien

so gering sein würden, wenn dieses mit Manihot geschieht, daß selbst

ein sehr geringer Ertrag der Stämme gewinnbringend sein müßte; zum

Überflusse aber ist nicht zu vergessen, daß eine Aufforstung dieser

Steppengegenden auf die klimatischen Verhältnisse des Landes auch einen

nicht unbedeutenden Einfluß ausüben würde, wenn sie in größerem Maße

betrieben würde. Ganz besonders geeignet für derartige Anpflanzungen

halte ich die Steppen zwischen Assaun und dem Agome-Gebirge, sowie die

der Landschaft Agotime, soweit sie nicht an zu großer Bodenfeuchtigkeit

leiden. Sind einmal größere Gebiete in dieser Weise bepflanzt, so

könnten dieselben leicht in Parzellen gestellt werden, welche dann an

einzelne Negerfamilien von der Regierung verpachtet werden müßten.

Diese Leute würden dann schon selbst dafür sorgen, daß sie nicht von

unberufener Hand geschädigt werden. Um aber ein zu rabiates Anzapfen

seitens der Pächter zu verhüten, könnte man Inspektoren in diesen

Distrikten herumschicken, welche alljährlich einige Male den Zustand

der Pflanzungen in Augenschein nehmen und, wo es nötig ist, in irgend

einer Weise gegen Beschädigung der Bestände einschreiten müßten.

In dieser Weise betrieben, dürfte sich eine Plantage von Manihot

Glaziovii sehr wohl bewähren, und so allein scheint mir ein derartiges

Unternehmen rentabel zu sein. Bei den durchaus nicht ungünstigen

Arbeiterverhältnissen in Togo, mit Ausnahme der Küstenbezirke, dürfte

es der Regierung ein Leichtes sein, die verschiedenen Stationsleiter

zur Anlage solcher Manihotpflanzungen zu bewegen. Die dem Lande auch

sonst viel Unheil bringenden Grasbrände müßten in der Nähe dieser

Bestände natürlich strengstens verboten werden. Für die Kolonie wären

derartige Bestände von immensem Vorteil, und deshalb sollten von

der Regierung oder von einem gemeinnützigen Komitee Schritte gethan

werden, eine derartige Aufforstung der Steppengebiete anzubahnen. Da

wir glücklicherweise in Togo derartig zu den Eingeborenen stehen, daß

in den meisten Distrikten eine Aufforderung seitens der Stationsleiter

genügt, um die Dörfer zur Stellung von Arbeitern zu veranlassen, so

dürften die Kosten einer solchen Anpflanzung sich als sehr geringe

Summen erweisen, wenn man bedenkt, welchen Nutzen die Kolonie in

späteren Jahren daraus ziehen könnte.

Herr +Warnecke+ begleitete mich noch eine kurze Strecke durch

die Buschsteppe, um mir daselbst einige ihm interessant erscheinende

Pflanzen zu zeigen, dann sprengte ich auf meinem netten Pferdchen,

welches früher Herrn +Mischlich+ aus Kete-Kratschi gehört hatte

und den Ruf großer Zähigkeit und Ausdauer genoss, meinen Leuten

nach, welche nun bereits eine gute Strecke vorausmarschiert waren.

Als wir uns weiter von der Küste entfernten, nahm die Buschsteppe

allmählich einen etwas anderen Charakter an. Die höher aufschießenden

Sträucher bewiesen, daß der Boden etwas fruchtbarer wurde, auch

einjährige Kräuter zeigten sich häufiger, und hier und dort sah man

auch schon etwas Gras. Gegen 2 Uhr ließ ich eine kurze Rast machen,

als wir bei einigen Markthütten vorbeikamen, um den Leuten Zeit zu

geben, sich einige Nahrungsmittel zu kaufen. Bevor wir nach Akeppe

kamen, hatte die Buschsteppe sich allmählich vollständig verändert,

Gräser traten in großen Mengen auf, der bedeutend fruchtbarere Boden

trug viele Ölpalmen, von denen übrigens ein nicht geringer Teil von

den Eingeborenen gepflanzt wurde. Zu beiden Seiten des Weges lagen

viele Farmdörfer. Es war hier interessant zu sehen, welche plötzliche

Umwandlung der Vegetation in diesen Steppen ein Regen zur Folge

hat. Etwa eine Woche vor meiner Ankunft in Togo war nämlich in dem

Misahöhe-Distrikte und einem Teile des Lome-Bezirks ein Gewitterregen

gefallen, welcher sich aber nicht südlicher als etwa eine Stunde vor

Akeppe hinzog. Während das ganze Gebiet südlich dieser Küstenzone

vollständig dürr aussah, war in dem gesamten Gebiete nördlich davon

der prächtigste Graswuchs zu finden, aus dem sich häufig die bis 5 Fuß

hohen Stengel der Eulophia (Lissochilus) cristata mit ihren prächtigen

Blüten hervorhoben. Die Sträucher und Bäume waren zum großen Teile in

Blütenflor, die ganze Landschaft bot einen überaus frischen und für das

Auge eines Botanikers äußerst fesselnden Anblick dar. Dieses Gebiet vor

Akeppe wird von den Einwohnern dieser Gegenden recht eifrig bearbeitet.

Es ist sehr interessant zu sehen, mit welchem Eifer die Leute daselbst

ihre Palmenplantagen anlegen und ihre Maniokfelder bestellen. Ich will

übrigens hier gleich erwähnen, daß ich nur äußerst selten in Westafrika

Ölpalmenplantagen gesehen habe, bei weitem der größte Teil des in den

Handel kommenden Palmenöles und der Palmenkerne wird, entgegen einer

offenbar verbreiteten Ansicht, daß die Ölpalme nur noch kultiviert

oder verwildert in Afrika vorkomme, von vollständig wilden Exemplaren

gewonnen. An einigen wenigen Stellen vor Akeppe sah ich schon

Baumwolle angebaut, aber noch recht spärlich und ohne viel Verständnis

angepflanzt. In Akeppe zogen wir gegen 4 Uhr nachmittags ein.

In der Nacht wurde ich durch einen großen Lärm aufgeweckt, welchen

meine Leute machten. Als ich mich nach der Ursache desselben

erkundigte, hörte ich, daß sie von Ameisen überfallen seien; nun

gewahrte ich auch zu meinem Schrecken, daß auch in meinem Hause auf dem

Boden Ameisen in großer Zahl umherliefen; daß die Tiere mich noch nicht

angegriffen hatten, war dem etwa 1½ Fuß über dem Erdboden erhabenen

Feldbett zu verdanken. Um sie zu verscheuchen, ließ ich nun, nachdem

ich das ganze Haus tüchtig hatte auskehren lassen, zwei große Feuer

anmachen, die dann auch den gewünschten Erfolg brachten.

Westafrikanische Kautschuk-Expedition · 第 19 / 32 段