der Otam-Leute lag das nächste Dorf sehr weit entfernt. Durch einen
dichten Wald führte der schmale Pfad, welcher in recht schlechtem
Zustande war und zeigte, daß er nur selten betreten werde. Das Gebiet
war sehr gut bewässert, aber stellenweise etwas steinig. Je weiter wir
nach dem Mungo zu vordrangen, desto üppiger wurde der Wald und desto
häufiger hatten wir teils stark fließende, teils jetzt zur Trockenzeit
dürre Bachthäler zu überschreiten, welche allerdings sich nur so weit
eingebettet hatten, daß das Land seinen ebenen Charakter nicht verlor.
Landolphia sah man recht häufig, ebenso Kickxia, doch schien die
Kickxia africana hier von beiden Arten die vorherrschende zu sein. Als
wir eben in eines der Bachthäler hinabstiegen, trabte ein Trupp von
acht Elefanten, welche wir wohl in ihrem Morgenbade gestört hatten,
den jenseitigen Abhang hinauf. Es war ein großartiger Anblick, zu
sehen, wie die Tiere allmählich durch das Dickicht hindurchbrachen,
wo sie unseren Augen bald entschwanden. Elefantenspuren gab es hier
in großen Mengen, auch machten mich die Leute häufig auf Spuren von
Wildschweinen aufmerksam, doch bekamen wir keines derselben zu sehen.
Als wir nach etwa dreistündigem Marsche den Mungo erreichten, welcher
übrigens hier Manya genannt wird, hatten wir bereits durch fünf nicht
unbedeutende Bäche waten müssen. Der Manya hatte zur Zeit, als wir
ihn passierten, eine Wasserfläche von etwa 30 m Breite und war an der
Furt bis zu 1½ m tief. Das ausgetrocknete Flußbett bewies, daß er bei
höherem Wasserstande bis 100 m breit sei, wenigstens an der Stelle, wo
wir ihn überschritten. Inmitten des Flußbettes befand sich eine Insel,
auf der nur Gras zu wachsen schien, welches für die Elefanten der
Gegend eine gute Lockspeise abgeben muß, denn von vielen Richtungen sah
man die Spuren der Tiere nach dieser Insel führen. An der südlichsten
Spitze der Insel machte ich eine merkwürdige Entdeckung, welche sicher
mit der vulkanischen Beschaffenheit des Bodens zusammenhängt. In dem
Flußsande hatten sich am Rande des Wasserspiegels eine größere Zahl
trichterförmiger Miniaturkrater gebildet, aus welchen eine ölige oder
fettige Substanz zum Tageslichte befördert wurde. Die Krater hatten
einen Durchmesser von etwa einem Fuße und schienen je nach der Höhe
des Wasserspiegels verschoben zu werden. Der Inhalt machte etwa den
Eindruck, als bestehe er aus Petroleum, das mit Wasser vermischt war.
Ich will damit nicht etwa sagen, daß ich die Meinung gewonnen habe,
daß es sich hier um Petroleumquellen handele, denn bei der starken
Vermischung des ausgestoßenen Produktes mit Wasser wäre es nur mit
Hülfe einer genauen chemischen Analyse möglich, festzustellen, welche
Öle in der Flüssigkeit enthalten sind.
Sobald wir den Manya überschritten hatten, stiegen wir langsam auf
einen Hügelrücken hinauf. Mit jedem Schritt wurde der Weg schlechter,
so daß wir endlich nichts weiter vor uns hatten als einen kleinen
Gießbach, in dessen felsigem Bette wir nun für eine gute halbe Stunde
zu marschieren hatten, dabei immer von Felsen zu Felsen weiter
hinaufkletternd. Entsetzlich müde gelangten wir dann endlich bis über
den Hügelrücken, wo ich, um den Leuten wieder frischen Mut zu geben,
eine kleine Pause machen ließ. Der Wald wurde nun immer interessanter,
je weiter wir vordrangen, besonders da, wo die reißenden Bäche
größere Thäler ausgewaschen hatten. Wir mußten noch mehrere derartige
Bäche überschreiten, bis wir endlich bei Banga aus dem Walde
heraustraten. Das Gebiet, welches wir nun vor uns hatten, gehörte zu
den fruchtbarsten Geländen, welche ich gesehen. Der niedergeschlagene
Wald bewies, daß die Bakossi, in deren Gebiet wir uns nun befanden,
die Ebenen hier früher unter ausgedehnter Kultur gehabt hatten; auch
einige verfallene Hütten zeigten sich bald, die uns den gleichen Beweis
liefern konnten. Zu unserem nicht geringen Erstaunen setzte sich der
schmale Weg plötzlich in einer breiten, reingehaltenen Straße weiter
fort, und etwa eine halbe Stunde später zogen wir in Mafura, dem ersten
Bakossi-Dorfe, ein. Die Eingeborenen hatten von unserem Kommen nicht
eher etwas bemerkt, als bis wir bereits im Dorfe waren. So kam es,
daß wir fast die ganze Gesellschaft beim Mittagsschlafe antrafen. Ich
forderte die Leute nun auf, mir ihren Häuptling zu zeigen, erhielt aber
als Antwort, daß derselbe in Eko-Keyoke, dem nächsten Dorfe, sei. Als
ich dann noch einige Kleinigkeiten mit Tabak eingetauscht und mir so
die Leute gewonnen hatte, gab ich zum großen Entsetzen meiner ermüdeten
Leute den Befehl zum Aufbruch. Doch da half nun einmal nichts, erst in
Eko-Keyoke wollte ich Mittagsrast machen, und dabei blieb es.
Die Hütten, welche ich hier im ersten Bakossi-Dorfe sah, setzten
mich nicht wenig in Erstaunen, denn dieselben waren nicht wie die
der übrigen Waldland-Bewohner am Kamerun-Gebirge viereckig, sondern
vollständig rund mit einem Spitzdach. Das Vorhandensein dieser runden
Bakossi-Hütten muß um so mehr auffallen, als die sämtlichen umwohnenden
Stämme die gewöhnlichen Hütten der Waldland-Völker haben. Sollten diese
Bakossi etwa erst in späterer Zeit hierher gewandert sein und diese
Form der Hütten dann noch aus ihrer früheren Heimat herstammen?
Als wir das Dorf Mafura verließen, folgte uns ein ganzer Schwarm von
Leuten nach, die sich offenbar lebhaft über den neuen Weißen wunderten,
welcher nun wieder von einer nie geahnten Richtung in ihr Land gekommen
war, denn +Conrau+, welcher auch in Mafura gewesen ist, kam von
der entgegengesetzten Seite. Bis Eko-Keyoke hatten sich von den vielen
Leuten, welche auf den Feldern arbeiteten, soweit sie, wie z. B. die
meisten Weiber, nicht sofort davongelaufen waren, noch viele Bakossi
uns angeschlossen, so daß der ganze Zug sich nun bedeutend verlängerte,
und mein „Headman“ gehörig aufpassen mußte, daß die Träger, wie es
immer mein Wunsch war, möglichst geschlossen marschierten. Die Felder,
welche man hier sah, zeugten von der riesigen Fruchtbarkeit des
Bodens. Außer Bananen, Manihot und Xanthosoma wurde hier eine Bohne
(eine Vigna-Art) mit großen violetten Blüten in riesigen Quantitäten
gezogen. Wie ich mich später überzeugen konnte, hatte diese Bohne einen
vorzüglichen Geschmack und dürfte sich auch, da sie reichlich Früchte
trägt, zur Kultur in anderen Distrikten Kameruns sehr empfehlen.
Die Bakundu-Leute aßen dieselben mit einer wahren Leidenschaft und
kauften sich häufig selbst für den sonst so hochgeschätzten Tabak
davon. Auch in Eko-Keyoke fand ich durchaus freundliche Aufnahme. Die
Leute räumten sofort ein Haus für mich, damit ich nicht draußen sitzen
brauchte, wo man von den vielen Elefantenfliegen, welche gierig an
jeder nackten Körperstelle den Schweiß aufsaugten, sehr stark belästigt
wurde. Für einige Blätter Tabak brachten mir die Leute einige riesige
Plantenbüschel, an welchen sich meine Leute wieder ergötzen konnten.
Sowie sie sich den Magen denn auch wieder gefüllt, waren alle Strapazen
des langen Vormittagsmarsches vergessen, so daß ich beschloß, noch am
Nachmittage bis nach Nyassosso oder wenigstens bis unter den Kupee-Berg
zu marschieren.
Das ganze Gebiet um Mafura und Eko-Keyoke herum gehört zu den
prächtigsten Geländen, welche ich in Kamerun gesehen. Der Regenfall
ist allerdings nicht so reichlich wie zwischen Victoria und
Bibundi, doch ist das Land sonst so vorzüglich bewässert und auch
die Luftfeuchtigkeit eine derartige, daß meiner Ansicht nach die
sämtlichen Kulturen, welche sich bisher unten in den Küstengebieten
bewährt haben, auch hier zu guten Resultaten führen werden. Dazu
kommt noch, daß das ganze Land äußerst fruchtbar ist und große Ebenen
aufweist, welche viel leichter unter Kultur gesetzt werden könnten
als die hügeligen Plantagengebiete am Fuße des Kamerun-Gebirges.
Diesen günstigen Umständen muß man nun allerdings auch wieder die
Transportschwierigkeiten entgegenhalten, welche zuerst vorhanden sein
werden; doch auch diese würden sich leicht beseitigen lassen, denn
wenn erst einigermaßen gute und direkte Wege von diesen Gebieten nach
Mundame angelegt sein werden, so würde sich der Weg bis Mundame doch
bequem in 1½ Tagen zurücklegen lassen, die Unkosten also nicht sehr
bedeutend sein.
Kurz bevor wir Eko-Keyoke erreichten, hatten wir einen der
romantischsten Plätze passiert, welchen ich seit langer Zeit gesehen.
Der Ngire-Bach wälzte sich unter furchtbarem Getöse in einer tiefen
Felsschlucht mit vollständig steilen Wänden unter uns hin; über die
Schlucht hatten die Eingeborenen eine sehr bequeme, feste Brücke mit
hohen Geländern gebaut, von welcher aus man in Ruhe dieses imposante
Bild betrachten konnte.
Nachdem wir unser Mittagessen beendet hatten, zogen wir weiter des
Weges, unserem Ziele, dem Kupee-Berge, entgegen. Meine Leute hatten
sich mit den Bakossi merkwürdig rasch befreundet, und zwei hatten
sogar Ersatz zum Tragen ihrer Lasten gefunden. Da ich sah, daß sie
dennoch in Sicht ihrer Lasten verblieben und es den Bakossi Freude zu
machen schien, an dem Zuge teilzunehmen, ließ ich das ruhig hingehen.
Der Zug, welcher nun in rascher Reihenfolge durch verschiedene Dörfer
ging, vermehrte sich immer mehr. Mir wurde mit jedem Augenblicke
unverständlicher, wie diese lebenslustigen Bakossi an der Küste einen
so schlechten Ruf erhalten haben konnten. Dibandjó, das nächste Dorf
hinter Eko-Keyoke, war viel freier gelegen als letzteres, bot aber
sonst nichts Besonderes dar. Ohne Aufenthalt zogen wir im schnellen
Schritt weiter. Das Beispiel, welches die beiden Bakossi aus Eko-Keyoke
gegeben, wirkte sehr bald; schon als wir durch Etó kamen, sah ich
den größeren Teil meiner Lasten auf den Köpfen junger Bakossi, die
sich freiwillig meinen Leuten anboten. Kurz darauf sah ich den hohen
Gipfel des Kupee-Berges vor uns, dessen verschleierte Spitze bis
dahin von Wolken verdeckt war. In Ngusi liefen die Leute mit allen
möglichen Geschenken auf uns zu. Da ich aber den Tabak in den Lasten
verpackt hatte, so konnte ich das alles nicht annehmen, da ich ja das
landesübliche Gegengeschenk nicht machen konnte. Meine Träger liefen
nun alle frei umher, da sie schließlich alle jemanden gefunden hatten,
der ihnen die Last tragen wollte. Dass die Bakossi natürlich auf ein
Geschenk meinerseits rechneten, war mir vollständig klar, doch drückte
ich gern heute ein Auge zu, waren doch meine Leute seit 5½ Uhr morgens
auf schlechten Wegen ununterbrochen mit ihren schweren Lasten über
die Felsen und gefallenen Bäume weggeklettert, bis wir schließlich
bei Mafura in den guten Weg gelangten. Die Hitze war auch bedeutend
gewesen, so daß den Leuten ihre Märsche noch beschwerlicher erscheinen
mußten. Als wir eben durch Ngusi, ein großes, sich lang hinstreckendes
Dorf, hindurchgezogen waren, kam der Häuptling mir nachgelaufen, um
mich zu bitten, doch eine Zeit bei ihm zu verweilen. Ich bedauerte, daß
das nicht möglich sei, da meine Leute schon vorausmarschiert seien. Er
versprach mir darauf, mich in Nyassosso zu besuchen, wohin er mir auch
Eier und Hühner als Geschenk senden wollte. Schon hinter Ngusi begannen
sich steilere Steigungen im Wege zu zeigen, bis wir hinter dem Dorfe
Endumenui plötzlich unter einem großen Hügel standen. Bis dorthin war
so schnell marschiert worden, seitdem wir Eko-Keyoke verlassen hatten,
daß ich damals in mein Tagebuch einschrieb: „Unser Nachmittagsmarsch
von Eko-Keyoke bis hinter Endumenui artete zu einer wahren Treibjagd
aus.“ Es war wirklich ein gut Stück zu stark getrieben worden, so daß
ich nun den Leuten, die schon anfingen, übermütig zu werden, gebot, in
dem gewöhnlichen Tempo zu marschieren.
Von Dibandjó bis Endumenui waren die sanft aufsteigenden Gelände
hauptsächlich mit Elefantengras bedeckt, aus dem sich teils einzeln
oder in Gruppen und kleinen Wäldchen Bäume erhoben. Zu unserem Glücke
war der Berg, welchen wir hinter Endumenui zu erklettern hatten, dicht
bewaldet, so daß die Sonne die mit ihrem schweren Gepäck langsam
emporkletternden Träger nicht erreichen konnte. Dieser Aufstieg dürfte
für meine Träger für denselben Tag zu viel geworden sein, hätten
wir nicht das Glück gehabt, in den Bakossi diese Hülfe zu finden.
Nach etwa einstündigem Emporsteigen gelangten wir auf die Ebene am
Fuße des höchsten Kegels des Kupee-Berges, und bald darauf zogen
wir in Nyassosso ein. Ich ließ sofort bis in die Nähe der Baseler
Missionsstation marschieren und daselbst mein Lager aufschlagen. Herr
+Walker+, der deutsche Missionar, welchen ich bereits von meiner
Schiffsreise von Lagos nach Victoria her kannte, begrüßte mich auf das
herzlichste. Ihm sowohl wie seiner Frau Gemahlin bin ich zu großem
Danke verpflichtet für die Art, in der sie mir den kurzen Aufenthalt in
Nyassosso so angenehm gemacht haben.
Von meinem Lager aus konnte ich den Kupee-Berg am Abend in seiner
ganzen Pracht bewundern, als die Sonne unterging und ihren rötlichen
Schimmer über das ganze Panorama warf. Der Berg ist bis zu seinem
Gipfel dicht bewaldet und ähnlich wie der Kamerunberg kegelförmig
aufgebaut. In den Wäldern giebt es noch viele Kautschuklianen, doch
scheint Kickxia nicht über 500 m Höhe hinaufzusteigen. Meine Befunde
über die Höhe von Nyassosso stimmten nach Aussagen der Missionare mit
denen des Geologen Herrn Dr. +Esch+, welcher etwa zwei Jahre vor
mir die Bakossi-Gebirge besuchte und auch den Gipfel des Kupee-Berges
erstieg, ziemlich überein. Ich selbst hätte gern eine Besteigung
des Berges unternommen, glaubte mich aber nicht in Nyassosso lange
aufhalten zu dürfen, da ich noch vor Ende des Monats Februar von
einer beabsichtigten Reise nach der Südküste des Kamerun-Gebietes
zurückkehren mußte, um mit dem Dampfer am 4. März nach Togo zu reisen.
Es wurde mir damals ordentlich schwer, von Nyassosso wieder abzuziehen,
ohne die Bergbesteigung und eine kleine Expedition bis zur Grenze der
Grasregion im Norden, welche nach Herrn +Walkers+ Aussagen nur
zwei Tagemärsche von Nyassosso beginnen soll, gemacht zu haben.
Froh zog ich wiederum von Nyassosso weg, da ich mir sagen konnte, daß
die Aufgabe, welche ich mir für die Bakossi-Expedition gestellt hatte,
vollständig gelöst war. Ich hatte Kickxia bis in die Bakossi-Gebirge
hinein nachweisen können und hatte auch Landolphien in mehr oder minder
großen Quantitäten längs der ganzen Route gefunden. Daß die Gebiete am
Fuße des Gebirges bei Mafura und Eko-Keyoke so günstige Bedingungen zur
Anlage von Plantagen lieferten, war auch bis dahin nicht zu erwarten
gewesen, wie ja überhaupt über jene Gebiete gar nichts bekannt war, da
alle anderen Reisenden vom Wuri oder den Mungo-Fällen her auf einer
ganz anderen Route in das Bakossi-Gebiet gelangt waren. Auch Herrn
+Walker+, welcher bereits seit längerer Zeit in Nyassosso lebte,
war die von mir eingeschlagene Route nicht bekannt. Gern hätte ich zu
dem Rückmarsche einen von +Conrau+ auf seiner Karte jener Gegenden
aufgezeichneten und von ihm benutzten Weg längs des Mungo gewählt,
mußte aber diesen Plan aufgeben, da ich keinen Eingeborenen finden
konnte, der den Weg kannte.
[Illustration: Kickxia-Bäume in Mundame.]
Am 28. Januar unternahm ich unter Führung des Herrn Missionar
+Walker+ noch einen kleinen Spaziergang, um die etwas unterhalb
von Nyassosso liegenden Sägewerke der Station zu besichtigen, in
denen das sämtliche Bauholz für die Bakossi-Mission geschnitten wird.
Zur Herstellung von Brettern und Balken wurde hauptsächlich eine
Terminalia-Art verwendet, welche sich durch besondere Härte ihres
Holzes auszeichnen soll. Das Terrain auf dem Plateau, in welches
wir hinabstiegen, war auch vorzugsweise mit Elefantengras bedeckt,
aus dem sich verschiedene Bäume, einzeln oder in Gruppen, erhoben.
Hier und dort sah man ausgedehntere Gebüsche, besonders in der Nähe
der Waldungen. Auch hier im Bakossi-Gebiete haben die Eingeborenen
die schlechte Gewohnheit, das Gras niederzubrennen, wenn sie ihre
Pflanzungen anlegen wollen, ohne dabei die nötigen Vorsichtsmaßregeln
zu treffen, so daß nicht selten Waldbrände vorgekommen sind, welche
natürlich einen großen Schaden anrichteten, denn an Stelle der Wälder
tritt an den abgebrannten Orten gewöhnlich das Elefantengras auf, das
zu nichts nütze ist und nur das Ungeziefer der Umgegend anzieht.
Da ich keine Zeit zu verlieren hatte, brach ich schon früh von
Nyassosso am 29. Januar auf, um auf demselben Wege, auf dem wir
gekommen waren, wieder nach Mundame zurückzumarschieren. Meine Träger
äußerten die Absicht, mit mir noch weiter zu ziehen, doch das ging nun
einmal nicht, ich mußte umkehren. Hätte ich allerdings damals gewußt,
wie lange ich noch an der Küste warten sollte, ehe ich nach dem Süden
reisen konnte, so hätte ich sicher versucht, über Land nach dem Sanaga
zu gelangen, um dann über Klein-Batanga längs der Küste nach dem Süden
zu gehen.
Um 6 Uhr ließ ich schon von Nyassosso abmarschieren. Über Endumenui,
Ngusi, Etó und Dibandjó marschierten wir, ohne uns irgendwo in diesen
Dörfern aufzuhalten, direkt bis Eko-Keyoke. Vor Eko-Keyoke hatten
wir den Ebury-Bach, welcher sich in einem großen Bogen dort dem
Dorfe nähert, zu überschreiten. Derselbe erinnerte mich sehr lebhaft
an den Meandja-Bach am Kamerun-Gebirge. In Eko-Keyoke ließ ich nur
wenige Minuten rasten, da ich mit dem Häuptling noch über einige
Dinge sprechen wollte. Durch das nur aus drei Hütten bestehende
Dörfchen Dibara gelangten wir gegen 10½ Uhr wieder nach Mafura. Hier
ließ ich nun eine Rast von drei Stunden machen, um die Leute für den
langen Nachmittagsmarsch, welcher uns bevorstand, möglichst frisch
zu erhalten. Es gab hier in Mafura übrigens derartige Mengen von
Elefantenfliegen, daß ich nicht einmal mit Ruhe essen konnte, obgleich
ich rings um meinen Tisch herum kleine Feuer hatte machen lassen,
um durch den Rauch die Tiere möglichst zu verscheuchen. Leider half
dieses Mittel aber nicht, so daß ich meine Arbeiten, mit denen ich
die Lagerzeiten zu vertreiben pflegte, bis auf den Abend verschieben
mußte. Auf dem Marsche durch die hinter uns liegenden Bakossi-Dörfer
war mir übrigens damals aufgefallen, daß an jeder Palaverhütte zwei
Elefanten-Unterkiefer lagen. Ich erkundigte mich in Mafura nach der
Ursache dieser Sitte, konnte aber nichts über deren Bedeutung erfahren;
offenbar haben dieselben etwas mit dem Fetischglauben der Leute zu
thun. Am Nachmittage traten wir den Marsch durch den Urwald nach Otam
an, dessen Länge uns ja bereits bekannt war. Bis zum Etinge-Bach
befanden wir uns noch auf der wundervollen, fruchtbaren Ebene und
gutem Wege, von da ab ging es stets über Hügel und die Thäler der
kleinen Bäche. Der Abstieg zum Manya-Flusse machte uns besonders viel
zu schaffen, da die Träger auf den mit Algen bedeckten Felsen leicht
ausglitten und dann mit ihrer Last fielen. Etwa 1½ Stunde vor Otam
passierten wir die verlassenen und in Zerfall begriffenen Hütten des
ehemaligen Ortes Etamarca, dessen Einwohner nach Mafura gezogen sein
sollen. Gegen Abend trafen wir in Otam ein. Ich ließ sofort mein Zelt
aufstellen und begann dann mit einigen schriftlichen Arbeiten, welche
bis tief in die Nacht hinein dauerten. Zu meinem Erstaunen wurden wir
in der Nacht von Moskitos arg gepeinigt.
Am Morgen des 30. Januar brachen wir sehr zeitig von Otam auf, um durch
den infolge der vielen Achyranthes-Büsche am Wege recht unangenehm
zu passierenden Buschwald nach Ngomolenge zu gelangen. Die Namen der
Bäche, welche wir passierten, sind nach Angaben der Eingeborenen Take
und N’kobe. Die Leute von Ngomolenge, welche versprochen hatten, für
mich Kickxiafrüchte zu sammeln, hatten bloß sechs derselben gefunden,
statt dessen aber einige Kilo Kautschuk in der Zeit hergestellt,
welche sie mir nun für Tabak zum Kaufe anboten. Natürlich waren sie
sehr entrüstet darüber, daß ich den Kautschuk nicht nahm. Nach kurzem
Aufenthalte zogen wir direkt bis Mokonye-Niggerdorf fort und erreichten
die Mundame-Plantage am Nachmittage. Nachdem ich daselbst mein Lager
wieder aufgeschlagen hatte, ging ich zusammen mit Herrn +Schubert+
noch nach Mundame, um mich nach einer Gelegenheit zu erkundigen,
ein Canoe zu besorgen, das groß genug sein mußte, meine sämtlichen
Lasten zu befördern, da ich mich entschlossen hatte, auf dem Mungo die
Rückreise nach Victoria anzutreten. Ohne etwas ausgerichtet zu haben,
kehrten wir am Abend nach der Plantage zurück, um am nächsten Tage
unsere Bemühungen zu erneuern.
Herr +Schubert+ hatte, seinem Versprechen gemäß, während meiner
Abwesenheit auf der Bakossi-Expedition in der Umgebung der Plantage
Kickxiafrüchte für mich sammeln lassen, welche ich nun zur Küste
mitzunehmen gedachte. Einschließlich der Samen, welche ich unterwegs
gesammelt hatte, und der, welche mir die Eingeborenen von Ngomolenge
besorgt hatten, konnte ich etwa 10000 Samen zur Küste mitnehmen.
Unseren eifrigen Bemühungen gelang es doch, am 31. Januar ein, wenn
auch defektes, Canoe zu bekommen, mit dem ich es wagen wollte, die
Rückreise anzutreten. Demgemäß brach ich am 1. Februar von der Plantage
auf. Von Mundame konnte ich erst um 10 Uhr abfahren, da das defekte
Canoe sich noch im letzten Augenblicke gegen ein besseres umtauschen
liess. Ich hatte in dem Canoe nur sechs Ruderer, da man nur mit Not
in Mundame vier Leute auftreiben konnte, welche einwilligten, mich
bis N’Bamba zu bringen. Meine beiden Jungen mußten deshalb natürlich
auch tüchtig helfen. Da der Mungo einen recht niedrigen Wasserstand
hatte und deshalb die Strömung nur eine langsame war, wir außerdem
noch wiederholt auf Sandbänke gerieten, dauerte die Fahrt länger, als
ich gedacht. Erst gegen 2½ Uhr am Nachmittage trafen wir bei der
Baseler Missionsstation Bakundu ein, welche nicht mit dem Bakundu zu
verwechseln ist, das ich früher besucht hatte. Ich ließ den Leuten
nun etwas Zeit zum Essen, während ich zur Station hinaufging, um
den Missionaren Grüße aus Nyassosso zu überbringen. Von Bakundu
bis Malende-Strand war die Fahrt erst recht unangenehm, da es hier
noch viel mehr Sandbänke gab, als zuvor, auf die natürlich meine
Leute, welche alle ungeübte Ruderer waren, mit tödlicher Sicherheit
auffuhren, so daß ich sie immer wieder ins Wasser schicken mußte, um
das Canoe wieder flott zu machen. Da die Früchte des Wollbaumes (Ceiba
pentandra) gerade reif waren und die flockigen Samen zu Millionen vom
Winde herumgetragen wurden, war stellenweise die ganze Wasserfläche
von den Samen derartig bedeckt, daß man glauben mochte, man befinde
sich vor einem Schneefelde. Die Eingeborenen sammelten, in kleinen
Canoes umherfahrend, große Mengen dieser Flocken ein. Wie ich noch
am Abend Gelegenheit hatte, zu sehen, fertigten sie aus denselben
Kissen an, welche sich allerdings sehr gut gebrauchen ließen. Ob die
Leute noch eine besondere Verwendung für die Samen haben, konnte ich
während dieser sehr beschleunigten Flußreise nicht feststellen; da
dieselben sehr ölhaltig sind, ließen sie sich eventuell zur Ölbereitung
verwenden, besonders dort, wo sie, wie am Mungo, in riesigen Mengen
mit Leichtigkeit aufgesammelt werden können. Erst mit eintretender
Dunkelheit trafen wir in Malende-Strand ein. Da hier nur ein Haus mit
drei Abteilungen stand, so war ich gezwungen, mit meinen Leuten eine
derselben einzunehmen, denn ich wollte, um die damit verbundenen nicht
unbedeutenden Umstände zu vermeiden, nicht erst mein Zelt aufschlagen
lassen. Die in dem Hause wohnenden Eingeborenen mußten sich dann die
beiden anderen Abteilungen teilen. Während der Fahrt von Mundame bis
Malende-Strand hatte ich da, wo die Ufer etwas hügelig waren, einige
Kickxien beobachtet und von einer auch einige Früchte herunterholen
lassen. Auch Lianen, welche Kautschuk lieferten, kamen mir hin und
wieder zu Gesicht, doch war die nicht brauchbare Landolphia florida
vorherrschend.