Am 27. Januar brachen wir sehr zeitig von Otam auf, denn nach Aussage

der Otam-Leute lag das nächste Dorf sehr weit entfernt. Durch einen

dichten Wald führte der schmale Pfad, welcher in recht schlechtem

Zustande war und zeigte, daß er nur selten betreten werde. Das Gebiet

war sehr gut bewässert, aber stellenweise etwas steinig. Je weiter wir

nach dem Mungo zu vordrangen, desto üppiger wurde der Wald und desto

häufiger hatten wir teils stark fließende, teils jetzt zur Trockenzeit

dürre Bachthäler zu überschreiten, welche allerdings sich nur so weit

eingebettet hatten, daß das Land seinen ebenen Charakter nicht verlor.

Landolphia sah man recht häufig, ebenso Kickxia, doch schien die

Kickxia africana hier von beiden Arten die vorherrschende zu sein. Als

wir eben in eines der Bachthäler hinabstiegen, trabte ein Trupp von

acht Elefanten, welche wir wohl in ihrem Morgenbade gestört hatten,

den jenseitigen Abhang hinauf. Es war ein großartiger Anblick, zu

sehen, wie die Tiere allmählich durch das Dickicht hindurchbrachen,

wo sie unseren Augen bald entschwanden. Elefantenspuren gab es hier

in großen Mengen, auch machten mich die Leute häufig auf Spuren von

Wildschweinen aufmerksam, doch bekamen wir keines derselben zu sehen.

Als wir nach etwa dreistündigem Marsche den Mungo erreichten, welcher

übrigens hier Manya genannt wird, hatten wir bereits durch fünf nicht

unbedeutende Bäche waten müssen. Der Manya hatte zur Zeit, als wir

ihn passierten, eine Wasserfläche von etwa 30 m Breite und war an der

Furt bis zu 1½ m tief. Das ausgetrocknete Flußbett bewies, daß er bei

höherem Wasserstande bis 100 m breit sei, wenigstens an der Stelle, wo

wir ihn überschritten. Inmitten des Flußbettes befand sich eine Insel,

auf der nur Gras zu wachsen schien, welches für die Elefanten der

Gegend eine gute Lockspeise abgeben muß, denn von vielen Richtungen sah

man die Spuren der Tiere nach dieser Insel führen. An der südlichsten

Spitze der Insel machte ich eine merkwürdige Entdeckung, welche sicher

mit der vulkanischen Beschaffenheit des Bodens zusammenhängt. In dem

Flußsande hatten sich am Rande des Wasserspiegels eine größere Zahl

trichterförmiger Miniaturkrater gebildet, aus welchen eine ölige oder

fettige Substanz zum Tageslichte befördert wurde. Die Krater hatten

einen Durchmesser von etwa einem Fuße und schienen je nach der Höhe

des Wasserspiegels verschoben zu werden. Der Inhalt machte etwa den

Eindruck, als bestehe er aus Petroleum, das mit Wasser vermischt war.

Ich will damit nicht etwa sagen, daß ich die Meinung gewonnen habe,

daß es sich hier um Petroleumquellen handele, denn bei der starken

Vermischung des ausgestoßenen Produktes mit Wasser wäre es nur mit

Hülfe einer genauen chemischen Analyse möglich, festzustellen, welche

Öle in der Flüssigkeit enthalten sind.

Sobald wir den Manya überschritten hatten, stiegen wir langsam auf

einen Hügelrücken hinauf. Mit jedem Schritt wurde der Weg schlechter,

so daß wir endlich nichts weiter vor uns hatten als einen kleinen

Gießbach, in dessen felsigem Bette wir nun für eine gute halbe Stunde

zu marschieren hatten, dabei immer von Felsen zu Felsen weiter

hinaufkletternd. Entsetzlich müde gelangten wir dann endlich bis über

den Hügelrücken, wo ich, um den Leuten wieder frischen Mut zu geben,

eine kleine Pause machen ließ. Der Wald wurde nun immer interessanter,

je weiter wir vordrangen, besonders da, wo die reißenden Bäche

größere Thäler ausgewaschen hatten. Wir mußten noch mehrere derartige

Bäche überschreiten, bis wir endlich bei Banga aus dem Walde

heraustraten. Das Gebiet, welches wir nun vor uns hatten, gehörte zu

den fruchtbarsten Geländen, welche ich gesehen. Der niedergeschlagene

Wald bewies, daß die Bakossi, in deren Gebiet wir uns nun befanden,

die Ebenen hier früher unter ausgedehnter Kultur gehabt hatten; auch

einige verfallene Hütten zeigten sich bald, die uns den gleichen Beweis

liefern konnten. Zu unserem nicht geringen Erstaunen setzte sich der

schmale Weg plötzlich in einer breiten, reingehaltenen Straße weiter

fort, und etwa eine halbe Stunde später zogen wir in Mafura, dem ersten

Bakossi-Dorfe, ein. Die Eingeborenen hatten von unserem Kommen nicht

eher etwas bemerkt, als bis wir bereits im Dorfe waren. So kam es,

daß wir fast die ganze Gesellschaft beim Mittagsschlafe antrafen. Ich

forderte die Leute nun auf, mir ihren Häuptling zu zeigen, erhielt aber

als Antwort, daß derselbe in Eko-Keyoke, dem nächsten Dorfe, sei. Als

ich dann noch einige Kleinigkeiten mit Tabak eingetauscht und mir so

die Leute gewonnen hatte, gab ich zum großen Entsetzen meiner ermüdeten

Leute den Befehl zum Aufbruch. Doch da half nun einmal nichts, erst in

Eko-Keyoke wollte ich Mittagsrast machen, und dabei blieb es.

Die Hütten, welche ich hier im ersten Bakossi-Dorfe sah, setzten

mich nicht wenig in Erstaunen, denn dieselben waren nicht wie die

der übrigen Waldland-Bewohner am Kamerun-Gebirge viereckig, sondern

vollständig rund mit einem Spitzdach. Das Vorhandensein dieser runden

Bakossi-Hütten muß um so mehr auffallen, als die sämtlichen umwohnenden

Stämme die gewöhnlichen Hütten der Waldland-Völker haben. Sollten diese

Bakossi etwa erst in späterer Zeit hierher gewandert sein und diese

Form der Hütten dann noch aus ihrer früheren Heimat herstammen?

Als wir das Dorf Mafura verließen, folgte uns ein ganzer Schwarm von

Leuten nach, die sich offenbar lebhaft über den neuen Weißen wunderten,

welcher nun wieder von einer nie geahnten Richtung in ihr Land gekommen

war, denn +Conrau+, welcher auch in Mafura gewesen ist, kam von

der entgegengesetzten Seite. Bis Eko-Keyoke hatten sich von den vielen

Leuten, welche auf den Feldern arbeiteten, soweit sie, wie z. B. die

meisten Weiber, nicht sofort davongelaufen waren, noch viele Bakossi

uns angeschlossen, so daß der ganze Zug sich nun bedeutend verlängerte,

und mein „Headman“ gehörig aufpassen mußte, daß die Träger, wie es

immer mein Wunsch war, möglichst geschlossen marschierten. Die Felder,

welche man hier sah, zeugten von der riesigen Fruchtbarkeit des

Bodens. Außer Bananen, Manihot und Xanthosoma wurde hier eine Bohne

(eine Vigna-Art) mit großen violetten Blüten in riesigen Quantitäten

gezogen. Wie ich mich später überzeugen konnte, hatte diese Bohne einen

vorzüglichen Geschmack und dürfte sich auch, da sie reichlich Früchte

trägt, zur Kultur in anderen Distrikten Kameruns sehr empfehlen.

Die Bakundu-Leute aßen dieselben mit einer wahren Leidenschaft und

kauften sich häufig selbst für den sonst so hochgeschätzten Tabak

davon. Auch in Eko-Keyoke fand ich durchaus freundliche Aufnahme. Die

Leute räumten sofort ein Haus für mich, damit ich nicht draußen sitzen

brauchte, wo man von den vielen Elefantenfliegen, welche gierig an

jeder nackten Körperstelle den Schweiß aufsaugten, sehr stark belästigt

wurde. Für einige Blätter Tabak brachten mir die Leute einige riesige

Plantenbüschel, an welchen sich meine Leute wieder ergötzen konnten.

Sowie sie sich den Magen denn auch wieder gefüllt, waren alle Strapazen

des langen Vormittagsmarsches vergessen, so daß ich beschloß, noch am

Nachmittage bis nach Nyassosso oder wenigstens bis unter den Kupee-Berg

zu marschieren.

Das ganze Gebiet um Mafura und Eko-Keyoke herum gehört zu den

prächtigsten Geländen, welche ich in Kamerun gesehen. Der Regenfall

ist allerdings nicht so reichlich wie zwischen Victoria und

Bibundi, doch ist das Land sonst so vorzüglich bewässert und auch

die Luftfeuchtigkeit eine derartige, daß meiner Ansicht nach die

sämtlichen Kulturen, welche sich bisher unten in den Küstengebieten

bewährt haben, auch hier zu guten Resultaten führen werden. Dazu

kommt noch, daß das ganze Land äußerst fruchtbar ist und große Ebenen

aufweist, welche viel leichter unter Kultur gesetzt werden könnten

als die hügeligen Plantagengebiete am Fuße des Kamerun-Gebirges.

Diesen günstigen Umständen muß man nun allerdings auch wieder die

Transportschwierigkeiten entgegenhalten, welche zuerst vorhanden sein

werden; doch auch diese würden sich leicht beseitigen lassen, denn

wenn erst einigermaßen gute und direkte Wege von diesen Gebieten nach

Mundame angelegt sein werden, so würde sich der Weg bis Mundame doch

bequem in 1½ Tagen zurücklegen lassen, die Unkosten also nicht sehr

bedeutend sein.

Kurz bevor wir Eko-Keyoke erreichten, hatten wir einen der

romantischsten Plätze passiert, welchen ich seit langer Zeit gesehen.

Der Ngire-Bach wälzte sich unter furchtbarem Getöse in einer tiefen

Felsschlucht mit vollständig steilen Wänden unter uns hin; über die

Schlucht hatten die Eingeborenen eine sehr bequeme, feste Brücke mit

hohen Geländern gebaut, von welcher aus man in Ruhe dieses imposante

Bild betrachten konnte.

Nachdem wir unser Mittagessen beendet hatten, zogen wir weiter des

Weges, unserem Ziele, dem Kupee-Berge, entgegen. Meine Leute hatten

sich mit den Bakossi merkwürdig rasch befreundet, und zwei hatten

sogar Ersatz zum Tragen ihrer Lasten gefunden. Da ich sah, daß sie

dennoch in Sicht ihrer Lasten verblieben und es den Bakossi Freude zu

machen schien, an dem Zuge teilzunehmen, ließ ich das ruhig hingehen.

Der Zug, welcher nun in rascher Reihenfolge durch verschiedene Dörfer

ging, vermehrte sich immer mehr. Mir wurde mit jedem Augenblicke

unverständlicher, wie diese lebenslustigen Bakossi an der Küste einen

so schlechten Ruf erhalten haben konnten. Dibandjó, das nächste Dorf

hinter Eko-Keyoke, war viel freier gelegen als letzteres, bot aber

sonst nichts Besonderes dar. Ohne Aufenthalt zogen wir im schnellen

Schritt weiter. Das Beispiel, welches die beiden Bakossi aus Eko-Keyoke

gegeben, wirkte sehr bald; schon als wir durch Etó kamen, sah ich

den größeren Teil meiner Lasten auf den Köpfen junger Bakossi, die

sich freiwillig meinen Leuten anboten. Kurz darauf sah ich den hohen

Gipfel des Kupee-Berges vor uns, dessen verschleierte Spitze bis

dahin von Wolken verdeckt war. In Ngusi liefen die Leute mit allen

möglichen Geschenken auf uns zu. Da ich aber den Tabak in den Lasten

verpackt hatte, so konnte ich das alles nicht annehmen, da ich ja das

landesübliche Gegengeschenk nicht machen konnte. Meine Träger liefen

nun alle frei umher, da sie schließlich alle jemanden gefunden hatten,

der ihnen die Last tragen wollte. Dass die Bakossi natürlich auf ein

Geschenk meinerseits rechneten, war mir vollständig klar, doch drückte

ich gern heute ein Auge zu, waren doch meine Leute seit 5½ Uhr morgens

auf schlechten Wegen ununterbrochen mit ihren schweren Lasten über

die Felsen und gefallenen Bäume weggeklettert, bis wir schließlich

bei Mafura in den guten Weg gelangten. Die Hitze war auch bedeutend

gewesen, so daß den Leuten ihre Märsche noch beschwerlicher erscheinen

mußten. Als wir eben durch Ngusi, ein großes, sich lang hinstreckendes

Dorf, hindurchgezogen waren, kam der Häuptling mir nachgelaufen, um

mich zu bitten, doch eine Zeit bei ihm zu verweilen. Ich bedauerte, daß

das nicht möglich sei, da meine Leute schon vorausmarschiert seien. Er

versprach mir darauf, mich in Nyassosso zu besuchen, wohin er mir auch

Eier und Hühner als Geschenk senden wollte. Schon hinter Ngusi begannen

sich steilere Steigungen im Wege zu zeigen, bis wir hinter dem Dorfe

Endumenui plötzlich unter einem großen Hügel standen. Bis dorthin war

so schnell marschiert worden, seitdem wir Eko-Keyoke verlassen hatten,

daß ich damals in mein Tagebuch einschrieb: „Unser Nachmittagsmarsch

von Eko-Keyoke bis hinter Endumenui artete zu einer wahren Treibjagd

aus.“ Es war wirklich ein gut Stück zu stark getrieben worden, so daß

ich nun den Leuten, die schon anfingen, übermütig zu werden, gebot, in

dem gewöhnlichen Tempo zu marschieren.

Von Dibandjó bis Endumenui waren die sanft aufsteigenden Gelände

hauptsächlich mit Elefantengras bedeckt, aus dem sich teils einzeln

oder in Gruppen und kleinen Wäldchen Bäume erhoben. Zu unserem Glücke

war der Berg, welchen wir hinter Endumenui zu erklettern hatten, dicht

bewaldet, so daß die Sonne die mit ihrem schweren Gepäck langsam

emporkletternden Träger nicht erreichen konnte. Dieser Aufstieg dürfte

für meine Träger für denselben Tag zu viel geworden sein, hätten

wir nicht das Glück gehabt, in den Bakossi diese Hülfe zu finden.

Nach etwa einstündigem Emporsteigen gelangten wir auf die Ebene am

Fuße des höchsten Kegels des Kupee-Berges, und bald darauf zogen

wir in Nyassosso ein. Ich ließ sofort bis in die Nähe der Baseler

Missionsstation marschieren und daselbst mein Lager aufschlagen. Herr

+Walker+, der deutsche Missionar, welchen ich bereits von meiner

Schiffsreise von Lagos nach Victoria her kannte, begrüßte mich auf das

herzlichste. Ihm sowohl wie seiner Frau Gemahlin bin ich zu großem

Danke verpflichtet für die Art, in der sie mir den kurzen Aufenthalt in

Nyassosso so angenehm gemacht haben.

Von meinem Lager aus konnte ich den Kupee-Berg am Abend in seiner

ganzen Pracht bewundern, als die Sonne unterging und ihren rötlichen

Schimmer über das ganze Panorama warf. Der Berg ist bis zu seinem

Gipfel dicht bewaldet und ähnlich wie der Kamerunberg kegelförmig

aufgebaut. In den Wäldern giebt es noch viele Kautschuklianen, doch

scheint Kickxia nicht über 500 m Höhe hinaufzusteigen. Meine Befunde

über die Höhe von Nyassosso stimmten nach Aussagen der Missionare mit

denen des Geologen Herrn Dr. +Esch+, welcher etwa zwei Jahre vor

mir die Bakossi-Gebirge besuchte und auch den Gipfel des Kupee-Berges

erstieg, ziemlich überein. Ich selbst hätte gern eine Besteigung

des Berges unternommen, glaubte mich aber nicht in Nyassosso lange

aufhalten zu dürfen, da ich noch vor Ende des Monats Februar von

einer beabsichtigten Reise nach der Südküste des Kamerun-Gebietes

zurückkehren mußte, um mit dem Dampfer am 4. März nach Togo zu reisen.

Es wurde mir damals ordentlich schwer, von Nyassosso wieder abzuziehen,

ohne die Bergbesteigung und eine kleine Expedition bis zur Grenze der

Grasregion im Norden, welche nach Herrn +Walkers+ Aussagen nur

zwei Tagemärsche von Nyassosso beginnen soll, gemacht zu haben.

Froh zog ich wiederum von Nyassosso weg, da ich mir sagen konnte, daß

die Aufgabe, welche ich mir für die Bakossi-Expedition gestellt hatte,

vollständig gelöst war. Ich hatte Kickxia bis in die Bakossi-Gebirge

hinein nachweisen können und hatte auch Landolphien in mehr oder minder

großen Quantitäten längs der ganzen Route gefunden. Daß die Gebiete am

Fuße des Gebirges bei Mafura und Eko-Keyoke so günstige Bedingungen zur

Anlage von Plantagen lieferten, war auch bis dahin nicht zu erwarten

gewesen, wie ja überhaupt über jene Gebiete gar nichts bekannt war, da

alle anderen Reisenden vom Wuri oder den Mungo-Fällen her auf einer

ganz anderen Route in das Bakossi-Gebiet gelangt waren. Auch Herrn

+Walker+, welcher bereits seit längerer Zeit in Nyassosso lebte,

war die von mir eingeschlagene Route nicht bekannt. Gern hätte ich zu

dem Rückmarsche einen von +Conrau+ auf seiner Karte jener Gegenden

aufgezeichneten und von ihm benutzten Weg längs des Mungo gewählt,

mußte aber diesen Plan aufgeben, da ich keinen Eingeborenen finden

konnte, der den Weg kannte.

[Illustration: Kickxia-Bäume in Mundame.]

Am 28. Januar unternahm ich unter Führung des Herrn Missionar

+Walker+ noch einen kleinen Spaziergang, um die etwas unterhalb

von Nyassosso liegenden Sägewerke der Station zu besichtigen, in

denen das sämtliche Bauholz für die Bakossi-Mission geschnitten wird.

Zur Herstellung von Brettern und Balken wurde hauptsächlich eine

Terminalia-Art verwendet, welche sich durch besondere Härte ihres

Holzes auszeichnen soll. Das Terrain auf dem Plateau, in welches

wir hinabstiegen, war auch vorzugsweise mit Elefantengras bedeckt,

aus dem sich verschiedene Bäume, einzeln oder in Gruppen, erhoben.

Hier und dort sah man ausgedehntere Gebüsche, besonders in der Nähe

der Waldungen. Auch hier im Bakossi-Gebiete haben die Eingeborenen

die schlechte Gewohnheit, das Gras niederzubrennen, wenn sie ihre

Pflanzungen anlegen wollen, ohne dabei die nötigen Vorsichtsmaßregeln

zu treffen, so daß nicht selten Waldbrände vorgekommen sind, welche

natürlich einen großen Schaden anrichteten, denn an Stelle der Wälder

tritt an den abgebrannten Orten gewöhnlich das Elefantengras auf, das

zu nichts nütze ist und nur das Ungeziefer der Umgegend anzieht.

Da ich keine Zeit zu verlieren hatte, brach ich schon früh von

Nyassosso am 29. Januar auf, um auf demselben Wege, auf dem wir

gekommen waren, wieder nach Mundame zurückzumarschieren. Meine Träger

äußerten die Absicht, mit mir noch weiter zu ziehen, doch das ging nun

einmal nicht, ich mußte umkehren. Hätte ich allerdings damals gewußt,

wie lange ich noch an der Küste warten sollte, ehe ich nach dem Süden

reisen konnte, so hätte ich sicher versucht, über Land nach dem Sanaga

zu gelangen, um dann über Klein-Batanga längs der Küste nach dem Süden

zu gehen.

Um 6 Uhr ließ ich schon von Nyassosso abmarschieren. Über Endumenui,

Ngusi, Etó und Dibandjó marschierten wir, ohne uns irgendwo in diesen

Dörfern aufzuhalten, direkt bis Eko-Keyoke. Vor Eko-Keyoke hatten

wir den Ebury-Bach, welcher sich in einem großen Bogen dort dem

Dorfe nähert, zu überschreiten. Derselbe erinnerte mich sehr lebhaft

an den Meandja-Bach am Kamerun-Gebirge. In Eko-Keyoke ließ ich nur

wenige Minuten rasten, da ich mit dem Häuptling noch über einige

Dinge sprechen wollte. Durch das nur aus drei Hütten bestehende

Dörfchen Dibara gelangten wir gegen 10½ Uhr wieder nach Mafura. Hier

ließ ich nun eine Rast von drei Stunden machen, um die Leute für den

langen Nachmittagsmarsch, welcher uns bevorstand, möglichst frisch

zu erhalten. Es gab hier in Mafura übrigens derartige Mengen von

Elefantenfliegen, daß ich nicht einmal mit Ruhe essen konnte, obgleich

ich rings um meinen Tisch herum kleine Feuer hatte machen lassen,

um durch den Rauch die Tiere möglichst zu verscheuchen. Leider half

dieses Mittel aber nicht, so daß ich meine Arbeiten, mit denen ich

die Lagerzeiten zu vertreiben pflegte, bis auf den Abend verschieben

mußte. Auf dem Marsche durch die hinter uns liegenden Bakossi-Dörfer

war mir übrigens damals aufgefallen, daß an jeder Palaverhütte zwei

Elefanten-Unterkiefer lagen. Ich erkundigte mich in Mafura nach der

Ursache dieser Sitte, konnte aber nichts über deren Bedeutung erfahren;

offenbar haben dieselben etwas mit dem Fetischglauben der Leute zu

thun. Am Nachmittage traten wir den Marsch durch den Urwald nach Otam

an, dessen Länge uns ja bereits bekannt war. Bis zum Etinge-Bach

befanden wir uns noch auf der wundervollen, fruchtbaren Ebene und

gutem Wege, von da ab ging es stets über Hügel und die Thäler der

kleinen Bäche. Der Abstieg zum Manya-Flusse machte uns besonders viel

zu schaffen, da die Träger auf den mit Algen bedeckten Felsen leicht

ausglitten und dann mit ihrer Last fielen. Etwa 1½ Stunde vor Otam

passierten wir die verlassenen und in Zerfall begriffenen Hütten des

ehemaligen Ortes Etamarca, dessen Einwohner nach Mafura gezogen sein

sollen. Gegen Abend trafen wir in Otam ein. Ich ließ sofort mein Zelt

aufstellen und begann dann mit einigen schriftlichen Arbeiten, welche

bis tief in die Nacht hinein dauerten. Zu meinem Erstaunen wurden wir

in der Nacht von Moskitos arg gepeinigt.

Am Morgen des 30. Januar brachen wir sehr zeitig von Otam auf, um durch

den infolge der vielen Achyranthes-Büsche am Wege recht unangenehm

zu passierenden Buschwald nach Ngomolenge zu gelangen. Die Namen der

Bäche, welche wir passierten, sind nach Angaben der Eingeborenen Take

und N’kobe. Die Leute von Ngomolenge, welche versprochen hatten, für

mich Kickxiafrüchte zu sammeln, hatten bloß sechs derselben gefunden,

statt dessen aber einige Kilo Kautschuk in der Zeit hergestellt,

welche sie mir nun für Tabak zum Kaufe anboten. Natürlich waren sie

sehr entrüstet darüber, daß ich den Kautschuk nicht nahm. Nach kurzem

Aufenthalte zogen wir direkt bis Mokonye-Niggerdorf fort und erreichten

die Mundame-Plantage am Nachmittage. Nachdem ich daselbst mein Lager

wieder aufgeschlagen hatte, ging ich zusammen mit Herrn +Schubert+

noch nach Mundame, um mich nach einer Gelegenheit zu erkundigen,

ein Canoe zu besorgen, das groß genug sein mußte, meine sämtlichen

Lasten zu befördern, da ich mich entschlossen hatte, auf dem Mungo die

Rückreise nach Victoria anzutreten. Ohne etwas ausgerichtet zu haben,

kehrten wir am Abend nach der Plantage zurück, um am nächsten Tage

unsere Bemühungen zu erneuern.

Herr +Schubert+ hatte, seinem Versprechen gemäß, während meiner

Abwesenheit auf der Bakossi-Expedition in der Umgebung der Plantage

Kickxiafrüchte für mich sammeln lassen, welche ich nun zur Küste

mitzunehmen gedachte. Einschließlich der Samen, welche ich unterwegs

gesammelt hatte, und der, welche mir die Eingeborenen von Ngomolenge

besorgt hatten, konnte ich etwa 10000 Samen zur Küste mitnehmen.

Unseren eifrigen Bemühungen gelang es doch, am 31. Januar ein, wenn

auch defektes, Canoe zu bekommen, mit dem ich es wagen wollte, die

Rückreise anzutreten. Demgemäß brach ich am 1. Februar von der Plantage

auf. Von Mundame konnte ich erst um 10 Uhr abfahren, da das defekte

Canoe sich noch im letzten Augenblicke gegen ein besseres umtauschen

liess. Ich hatte in dem Canoe nur sechs Ruderer, da man nur mit Not

in Mundame vier Leute auftreiben konnte, welche einwilligten, mich

bis N’Bamba zu bringen. Meine beiden Jungen mußten deshalb natürlich

auch tüchtig helfen. Da der Mungo einen recht niedrigen Wasserstand

hatte und deshalb die Strömung nur eine langsame war, wir außerdem

noch wiederholt auf Sandbänke gerieten, dauerte die Fahrt länger, als

ich gedacht. Erst gegen 2½ Uhr am Nachmittage trafen wir bei der

Baseler Missionsstation Bakundu ein, welche nicht mit dem Bakundu zu

verwechseln ist, das ich früher besucht hatte. Ich ließ den Leuten

nun etwas Zeit zum Essen, während ich zur Station hinaufging, um

den Missionaren Grüße aus Nyassosso zu überbringen. Von Bakundu

bis Malende-Strand war die Fahrt erst recht unangenehm, da es hier

noch viel mehr Sandbänke gab, als zuvor, auf die natürlich meine

Leute, welche alle ungeübte Ruderer waren, mit tödlicher Sicherheit

auffuhren, so daß ich sie immer wieder ins Wasser schicken mußte, um

das Canoe wieder flott zu machen. Da die Früchte des Wollbaumes (Ceiba

pentandra) gerade reif waren und die flockigen Samen zu Millionen vom

Winde herumgetragen wurden, war stellenweise die ganze Wasserfläche

von den Samen derartig bedeckt, daß man glauben mochte, man befinde

sich vor einem Schneefelde. Die Eingeborenen sammelten, in kleinen

Canoes umherfahrend, große Mengen dieser Flocken ein. Wie ich noch

am Abend Gelegenheit hatte, zu sehen, fertigten sie aus denselben

Kissen an, welche sich allerdings sehr gut gebrauchen ließen. Ob die

Leute noch eine besondere Verwendung für die Samen haben, konnte ich

während dieser sehr beschleunigten Flußreise nicht feststellen; da

dieselben sehr ölhaltig sind, ließen sie sich eventuell zur Ölbereitung

verwenden, besonders dort, wo sie, wie am Mungo, in riesigen Mengen

mit Leichtigkeit aufgesammelt werden können. Erst mit eintretender

Dunkelheit trafen wir in Malende-Strand ein. Da hier nur ein Haus mit

drei Abteilungen stand, so war ich gezwungen, mit meinen Leuten eine

derselben einzunehmen, denn ich wollte, um die damit verbundenen nicht

unbedeutenden Umstände zu vermeiden, nicht erst mein Zelt aufschlagen

lassen. Die in dem Hause wohnenden Eingeborenen mußten sich dann die

beiden anderen Abteilungen teilen. Während der Fahrt von Mundame bis

Malende-Strand hatte ich da, wo die Ufer etwas hügelig waren, einige

Kickxien beobachtet und von einer auch einige Früchte herunterholen

lassen. Auch Lianen, welche Kautschuk lieferten, kamen mir hin und

wieder zu Gesicht, doch war die nicht brauchbare Landolphia florida

vorherrschend.

Westafrikanische Kautschuk-Expedition · 第 17 / 32 段