den Charakter der Fan-Dörfer trug, besucht hatte, dehnte ich meine
Exkursion noch weiter ins Innere aus. Etwa 1½ Stunden war ich mit
meinem Jungen marschiert, und doch kam ich nicht aus den kultivierten
Gebieten heraus. Die früher unter Kultur gewesenen Strecken, welche
man nun nach Art der Negerkultur wieder verwildern ließ, waren mit
dichtem Busch bestanden, in dem außer Costusarten keine Pflanzen zu
finden waren, welche mich interessierten. Besonders Trema scheint in
solchen Lokalitäten neben Zingiberaceen häufig sich einzustellen. Ich
wäre gern weiter marschiert, mußte es aber aufgeben, da ich zur Zeit am
Dampfer zurück sein wollte, um dessen Abfahrt nicht zu verzögern. Ich
vermute nach allem, was ich auf jener Tour gesehen, daß Kickxia in den
noch nicht kultivierten trockneren Teilen westlich vom Wesso vorhanden
sein dürfte. Kurz nach dem Mittagsmahle fuhren wir wieder von Wesso
ab, um nun bald aus dem Sanga in den Ngoko einzubiegen, welcher sich
etwa eine halbe Stunde oberhalb Wesso in den Sanga ergießt. Nördlich
von Wesso senkt sich das Land wieder sehr bedeutend, so daß die Ufer
jetzt schon kaum über dem Wasserspiegel hervorragten. An einer kleinen,
flachen Insel vorbeifahrend, welche direkt am Zusammenflusse der beiden
Flüsse liegt, während des hohen Wasserstandes aber völlig überschwemmt
ist, bogen wir in den Ngoko ein. Man hatte mir diesen Fluß mit den
schwärzesten Farben geschildert und behauptet, daß nicht einmal ein
Vogel dort zu finden sei, doch das war natürlich arg übertrieben. Im
wesentlichen bot er denselben Anblick dar wie der Sanga, nur war er
bedeutend enger und die Strömung wohl etwas reißender. Gegen 4½
Uhr, nachdem wir etwa zwei Stunden den Ngoko hinaufgefahren waren, ging
unser Feuerungsmaterial zur Neige, so daß wir gezwungen wurden, für
den Rest des Tages und die Nacht hindurch an Land anzulegen, um Holz
schlagen zu lassen. Selten hatte ich einen Wald gesehen, der derartig
von Elefanten zertreten war wie der, an welchem wir hier lagen.
Landolphia war schon ziemlich reichlich vertreten, ebenso Kaffee,
doch war für Kickxia der Boden offenbar zu feucht, denn auch hier war
der Wald schon teilweise überschwemmt. Es war zu verwundern, daß wir
auch hier trotz der Waldsümpfe fast gar nicht während der Nacht von
Moskitos zu leiden hatten. Bald passierten wir zwei unbedeutendere
Dörfer der Misanga, wie man hier die Eingeborenen nennt, und kurz
darauf gingen wir bei dem Dorfe Muntunda vor Anker. Die Bauart des
Dorfes war auch die für die Fan typische, wie ich sie bereits bei
Wesso beobachtet hatte. Die dicht aneinander stehenden Hütten waren zu
beiden Seiten einer einzigen breiten Straße aufgebaut, welche durch je
ein befestigtes Haus, in dem alle Versammlungen abgehalten werden, an
beiden Enden abgeschlossen wird. Diese Häuser, welche allgemein bei
den Europäern als Palaver-Häuser bezeichnet werden, haben statt der
bei den gewöhnlichen Hütten aus Rinde hergestellten Brüstungen eine
dicke Untermauer, welche aus verschiedenen Schichten von aufrechten
Baumstämmen gebildet wird. Hier am unteren Ngoko waren diese Häuser
nie so verstärkt wie ich sie später am Dja gesehen, denn während die
Mauern hier aus zwei bis drei Schichten von Baumstämmen bestanden,
wurden sie zum Beispiel in dem Dorfe des Häuptlings +Lobilo+ aus
zehn und mehr Schichten gebildet. Zum ersten Male sah ich auch hier
bemalte Thürpfosten und Schwellen, ja einige Leute hatten sich sogar
zu vollständig bemalten Hütten aufgeschwungen. Rot und Weiß waren die
verwendeten Farben. Auch hier sah ich, daß mir die Kaufleute in Bonga
die Verhältnisse zu schwarz geschildert hatten; glänzend waren sie ja
freilich nicht; wohl aber gelang es uns, von den Leuten einige Hühner
und Bananen zu kaufen. Herr +Langheld+ behauptete allerdings,
daß es das erste Mal sei, daß er hier einige Eßwaren erstanden hätte.
Faul sind diese Fan-Völker im Ngoko ohne Zweifel, und es mag lange
dauern, ehe man sie zur Arbeit wird erziehen können, und viel wird
auch von der Tüchtigkeit der deutschen Stationsleiter in jenem Bezirke
abhängen, wie weit und wann das gelingt. Nach sehr kurzem Aufenthalte
in Muntunda dampften wir gegen 10 Uhr wieder weiter. Bald sahen wir
die ersten etwa 300 Fuß hohen Hügel, zwischen welchen hindurch der
Ngoko sich Bahn gebrochen hat, vor uns auftauchen. Da wir nur sehr
knapp mit Holz versehen waren, ließ Herr +Langheld+ am Fuße der
ersten Hügel wieder etwas Holz schlagen. Von diesen Hügeln aus, welche
wir gegen Mittag verließen, hatten wir noch etwa vier Stunden bis zur
zweiten Ngoko-Insel zu fahren, welcher gegenüber die Station auf dem
Hügel liegt. Es wechselten während dieser Fahrt Hügel und Niederungen
beständig ab. Da unsere deutsche Station in der Nähe einer Kette von
Flußschnellen liegt, welche nur eine schmale Passage an der Seite der
Insel freiläßt, legten wir uns an der Insel vor Anker und gaben ein
Signal mit der Dampfpfeife, um unsere Ankunft auf der Station, welche
man vom Flusse aus nicht erblicken konnte, anzuzeigen. Bald erschien
auch ein Canoe, in welchem der Lazarethgehülfe Herr +Peter+ saß,
welcher mich nun im Auftrage des Herrn Oberleutnants Dr. +Plehn+
willkommen hieß. Da noch eine ganze Anzahl von Lasten für mich und für
die Station mitzunehmen waren, und Herr +Langheld+ auch noch vor
Anbruch der Dunkelheit seine etwa zehn Minuten weiter stromauf gelegene
Faktorei erreichen wollte, so fuhr ich mit Herrn +Peter+ erst
noch bis zur Faktorei hinüber, um dann der Einladung des Herrn Dr.
+Plehn+, bei ihm zu wohnen, Folge zu leisten. Nachdem ein Teil
meiner Lasten in mein großes Canoe hinüber gepackt war, fuhren wir über
die Schnellen hinweg zur Station zurück. Ein etwa 20 Minuten langer
Anstieg brachte mich zur Station, wo mich Dr. +Plehn+ äußerst
liebenswürdig aufnahm. Da es bereits zu dunkeln anfing, setzten wir uns
kurz darauf zum Abendessen nieder, bei welchem wir, Dr. +Plehn+,
Herr +v. Lüdinghausen+, als stellvertretender Stationsleiter,
und ich bis tief in die Nacht hinein Neuigkeiten austauschten. Dr.
+Plehn+ hatte seit vielen Monaten keine Nachrichten aus Kamerun
erhalten und war daher ein dankbarer Zuhörer bei allem, was ich von
dort zu berichten hatte.
Als ich mir am nächsten Tage die kaum drei Monate alte Station auf
einem kleinen Rundgange betrachtete, war ich erstaunt, zu sehen,
was alles geleistet worden. Wie anders sah es hier aus als auf den
französischen Stationen, welche ich in der letzten Zeit gesehen. Um
auch von den Eingeborenen unabhängiger zu sein, hatte man Anpflanzungen
von Mais und Bananen begonnen, sowie ein Feld Bergreis ausgesäet, das
vorzüglich stand. Alles zeigte die wunderbare Umsicht, mit welcher
Dr. +Plehn+ bei Anlage der Station vorgegangen war. Es gab allerdings
auch einen Übelstand, den zu erwähnen ich nicht unterlassen darf,
nämlich die Entfernung des Wassers, welches die Leute immer vom Flusse
her heraufzuholen hatten. Dr. +Plehn+ sprach mit mir verschiedentlich
darüber und war selbst aus diesem Grunde nicht ganz zufrieden mit der
Anlage seiner Station; doch war da nichts zu ändern möglich, wenn er
nicht die sicher gesundere und kühlere Lage auf dem Hügel aufgeben
wollte. Gesundheitlich war die Station trotz ihrer guten Lage etwas
vom Unglück verfolgt worden. Es waren mehrere Leute besonders unter
den Arbeitern (Weiboys aus Liberia) bereits gestorben, doch meist an
Krankheiten, welche sie noch von der Küste mitgebracht hatten, außerdem
war eine bedenklich große Zahl von Dysenteriefällen vorgekommen, auch
einige Schwarzwasserfieber, von welchem auch Herr +v. Lüdinghausen+ und
der Unteroffizier +Kruschka+, welcher die Soldaten zu drillen hatte,
befallen worden waren. Diese große Zahl von Krankheitsfällen ist leicht
zu erklären, wenn man bedenkt, welche Mühen die Sanga-Ngoko-Expedition
auszuhalten hatte, ehe sie zum Bau der Station schreiten konnte, und
darauf die schweren Arbeiten bei zum Teil sehr dürftiger Ernährung,
denn infolge der schlechten Verbindungen war der europäische Proviant
lange Zeit am Congo liegen geblieben. Je mehr man die Geschichte dieser
Station kennt, desto mehr ist man gezwungen, die Energie der vier
Europäer, unter deren Leitung diese Station entstand, zu bewundern,
und ganz besonders die des Führers, Dr. +R. Plehn+. Mit Dr. +Plehn+
und Herrn +Langheld+, welcher zu Mittag zur Station gekommen war,
besprach ich dann am Nachmittage die Möglichkeiten meiner Exkursionen.
Dr. +Plehn+ war so liebenswürdig, mir für die Zeit meines Aufenthaltes
Soldaten und Leute zur Verfügung zu stellen.
Einige Exkursionen, welche ich am nächsten Tage zuerst einmal
in die nähere Umgebung der Station machte, zeigten mir, daß die
Bossassangapflanze in ziemlichen Mengen vorhanden sei. Ebenso fand ich
Landolphien in jüngeren Exemplaren in der Nähe der Station, am Flusse
aber mit langen, dicken Ästen. Landolphia florida war längs der Ufer
auch reichlich vorhanden und durch die gelben, über apfelgroßen Früchte
schon von weitem zu erkennen.
Am 5. September ging ich zusammen mit Leutnant +Plehn+ längs
des Flußrandes zur Faktorei der Südkamerun-Gesellschaft hinüber, um
einige dort in der Nähe bekannte Kautschukbäume zu untersuchen. Etwa
zehn Minuten von der Faktorei entfernt, brachte mich ein Marsch durch
den Wald zu den betreffenden Bäumen, in welchen ich zu meiner Freude
Kickxia elastica feststellen konnte. Auf einigen Exkursionen, welche
ich nun während der nächsten Tage unternahm, gelang es mir, die Kickxia
in ziemlicher Zahl rings um die Station herum, sowohl auf den Thälern
wie auf den Hügeln feststellen zu können. Ich schickte einige Leute
speziell aus zu dem Zwecke, eine größere Quantität Milch einzusammeln,
mit der ich experimentieren konnte. Anfangs, während der warmen Tage,
kamen die Leute mit weniger Milch zurück, als ich eigentlich erwartet
hatte. Als Grund dafür führten sie an, daß bei der großen Hitze die
Milch kurz nach Austritt an die Luft sehr bald koaguliere. Als ich
dieselben Leute bei kühlerem Wetter aussandte, wurden ihre Aussagen
durch die großen Quantitäten Milch, welche sie heimbrachten, bestätigt;
auf späteren Exkursionen sah ich auch die zuerst angeschnittenen
Bäume mit dem an der Luft koagulierten Kautschuk. Ich erwähne diese
Umstände besonders, da sie zeigen, daß die Kickxien vielleicht
vorteilhafter bei kaltem als bei warmem Wetter angezapft werden, was
für den plantagenmäßigen Anbau von Nutzen sein kann. Auch ist es nicht
unwahrscheinlich, daß die Kickxia bei feuchtem oder kaltem Wetter einen
größeren Ertrag an Latex liefert als bei trockenem und heißem Wetter.
Inwieweit der Prozentsatz des Kautschuks zu der gewonnenen Quantität
von Milch unter diesen verschiedenen Witterungsverhältnissen variiert,
ist noch eine offene Frage, welche erst durch jahrelange Versuche
endgültig entschieden werden kann. Während meines verhältnismäßig
kurzen Aufenthaltes im Ngoko-Gebiete konnte ich nichts sicheres in
dieser Hinsicht feststellen. Über die verschiedenen Methoden, welche
ich bei der Koagulation der Kickxiamilch angewendet habe, habe ich
schon früher einmal berichtet. Die erste Methode, welche ich anwendete,
das Einkochen der Milch, scheint mir die empfehlenswerteste. Durch
Zusatz von Bossassanga wird, wie die von mir mitgebrachten Proben
bewiesen haben, der Kautschuk nicht verbessert.
Die Para-Räuchermethode ebenso wie die Centrifugivmethode sind, da
beide zu viel Arbeitskräfte bedingen, für Afrika und ganz besonders für
diesen Teil Afrikas nicht zu empfehlen.
Auch ein trichterförmiges Gefäß zum Austrocknen der Milch hatte ich
mitgenommen und konnte es nun zum ersten Male gebrauchen. Ich goß
die Milch in dieses Gefäß hinein und ließ sie mehrere Tage hindurch
stehen, bis sich die Kautschukkügelchen nach oben abgesetzt hatten.
Die oberste, sehr harzreiche Schicht wurde abgenommen, nachdem die
Milch genügend in Wasser und Kautschukkügelchen gesondert war, und
das Wasser allmählich durch einen am Grunde des Gefäßes angebrachten
Hahn abgelassen. Die zurückbleibende flockige Masse blieb zum besseren
Austrocknen erst noch einige Tage stehen, um dann durch einfaches
Pressen mit der Hand endgültig in Kautschuk verwandelt zu werden.
Der auf diese Weise gewonnene Kautschuk erfordert wenig Arbeit und
ist nicht der Gefahr ausgesetzt, anzubrennen, wie es beim Kochen der
Fall ist. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, daß auch diese Methode
des Austrocknens sich bei Gewinnung des Kautschuks in den Plantagen
bewähren wird. Da ich später noch einmal auf die verschiedenen Methoden
der Koagulation einzugehen haben werde, so will ich darüber hier
nicht mehr sagen, sondern nun auf die Anzapfungsmethoden der Kickxien
übergehen. Die von mir mitgenommenen Instrumente bewährten sich nur
halb, da man mit ihnen nur langsam arbeiten konnte. Der Pikierapparat
war im Verhältnis zur Zähigkeit der Kickxiarinde leider zu schwach
gebaut, so daß sich die Zähne beim Einschlagen teils umbogen, teils
abbrachen. Ich möchte fast glauben, daß besonders bei warmem Wetter
diese Pikiermethode etwas für sich haben dürfte, besonders wenn
man durch einen am Fuße des Stammes herumgelegten Ring den etwa
herunterlaufenden Saft auffangen könnte, so daß auf diese Weise nichts
verloren geht. Diese Methode hat vor allen anderen den Vorzug, daß der
Baum dadurch nicht so leicht verletzt wird, und das ganze Jahr hindurch
in kurzen Abständen angezapft werden kann. Der Kautschuk, welcher dann
natürlich auch in der Form der Ceara-Kautschukthränen exportiert werden
müßte, würde sicher durch seine Reinheit und Trockenheit einen guten
Preis erzielen.
Für die verbreitetste und bei einmaligem Anzapfen rentabelste Methode
des Grätenschnittes müßte man noch passende Instrumente erfinden, mit
denen man schnell und ohne die Cambiumschichten unter der Rinde zu
verletzen, arbeiten könnte.
Bei den Fantis ist zum Besteigen der geraden Kickxiastämme ein
Steiggürtel gebräuchlich, welcher wirklich verdiente, allenthalben
eingeführt zu werden. Mit Hülfe dieser Gürtel sind die Leute in der
Lage, jeden geraden Stamm ohne Mühe zu besteigen, so lange sie ihn
umspannen können. Bei Anwendung des Grätenschnittes muß natürlich
darauf gesehen werden, daß die Schnitte nicht zu tief eindringen,
denn der Schaden, welcher dadurch hervorgerufen wird, steht in keinem
Verhältnis zu der geringen Menge Kautschuks, welche man dadurch mehr
erhält. Außerdem wäre es wünschenswert, daß auch hier etwa da, wo
das Gefäß zum Auffangen des Saftes angebracht wird, ein erhabener
rinnenartiger Ring um den Stamm gelegt wird, durch welchen etwa an der
Rinde herunterlaufende Säfte aufgefangen werden können. Zum Anschneiden
der Stämme dürfte sich ein Instrument empfehlen, das ähnlich wie die
in unserer Forstwirtschaft allgemein verwendeten „Baumreißer“ gebaut
ist, aber mit einer verstellbaren zweischenkeligen Schneide versehen
ist, deren beide Schenkel sich an der scharfen Kante vereinigen und so
zwischen sich einen Hohlraum lassen, durch welchen das ausgeschälte
Rindenstück nach oben entweichen kann. Ich werde an anderer Stelle auf
dieses Instrument zurückkommen. Betonen möchte ich noch, daß dieser
Baumreißer nur für glatte, aufrechte Stämme, insbesondere Kickxia- und
eventuell Ceara- und Para-Bäume konstruiert sein soll. Bei Landolphien
verhindert schon die sehr unebene Rinde sowie sehr variable Dicke
derselben seine Anwendung.
[Illustration: +Kickxia elastica Preuss+.
A Blühender Zweig, B Kelchblatt von innen, C Längsschnitt durch die
Blüte, D Antheren, E Fruchtknoten mit Griffel, F Frucht, G dieselbe im
Querschnitt, H dieselbe aufgesprungen, J Samen, K Samenquerschnitt.]
Herr Dr. +Plehn+ ließ am 13. September seine sämtlichen Arbeiter
zusammentreten, um vor ihren Augen die Bereitung eines reinen
Kautschuks demonstrieren zu lassen. Ich zeigte den Leuten damals
die für sie am leichtesten begreifliche Methode der Gewinnung des
Kautschuks durch Kochen. Um sie auf die Unterschiede der Güte des
von ihnen und von mir hergestellten Kautschuks aufmerksam zu machen,
wurde ein von den Soldaten hergestellter Kautschukball zugleich mit
den von mir angefertigten Stücken herumgegeben und die Leute zu
gleicher Zeit darauf aufmerksam gemacht, daß nur der Kautschuk in den
Faktoreien der Südkamerun-Gesellschaft zu verkaufen sei, welcher in
der von mir demonstrierten Art hergestellt ist. Ich bin sicher, daß
es Herrn Dr. +Plehn+ in nicht zu langer Zeit gelungen wäre, die
Kautschukgewinnung in seinem Bezirk einzuführen, hätte ihn nicht kurz
darauf ein so trauriges Schicksal unseren Kolonien für immer entrissen.
Da bereits an den Kickxiabäumen einige reife Früchte sich zeigten,
so machte ich mit einigen Leuten am 20. September einen Ausflug ins
Innere nach der Richtung von Djimu zu, um Samen zu sammeln. Nach etwa
20 Minuten erreichten wir eines der bedeutenderen Dörfer der Umgegend,
Kataku, von wo aus ich von dem gewöhnlichen Djimu-Wege, den vor mir
Dr. +Plehn+ als erster Europäer betreten hatte, abbiegend, auf
ein nördlich von Kataku liegendes kleines Dorf zu marschierte. Auf
dem Wege dorthin stieß ich auf eine Quelle mit prachtvollem Wasser
(wohl das beste in der ganzen Umgebung), von welchem bis dahin nur
die Eingeborenen und die Soldaten der Station, welche von den Dörfern
der Eingeborenen ihren Proviant holten, Kenntnis hatten. In dem
Dorfe, welches wir nun erreichten, soll, nach Angaben der dortigen
Eingeborenen, kein Weißer vorher gewesen sein. Man sieht also, wie
sehr unbekannt diese Region unseres Schutzgebietes geblieben ist.
Dieses neue Dorf, dessen Namen ich leider nie erfahren habe, machten
wir nun zum Operationscentrum. Von hier aus drang ich in die äußerst
kickxiareichen Wälder ein und konnte so eine große Menge von Früchten
zusammenbringen. Die Eingeborenen waren mir gegenüber zwar äußerst
furchtsam und mißtrauisch; doch schienen sie zu den Soldaten, dank
dem klugen Vorgehen des Dr. +Plehn+, in sehr gutem Verhältnis zu
stehen. Auch einige Leute von der Station trafen am Nachmittage ein,
teils von einem nordöstlich gelegenen Dorfe mit Proviant reich beladen
zurückkehrend, teils von Kataku kommend, um auch hier noch Proviant zu
kaufen. Am Abend traf ich dann wieder von dieser äußerst interessanten
Exkursion mit vielen Kickxiafrüchten (vier vollen Lasten) auf der
Station ein.
Da sich am 22. September eine günstige Gelegenheit bot, nach dem oberen
Dja hinaufzufahren, so benutzte ich mit Freude eine Einladung des Herrn
+Bunge+, welcher mit der „Holland“ nach dem Ngoko gekommen war, um
die Faktoreien des holländischen Hauses der Südkamerun-Gesellschaft zu
übergeben, daran teilzunehmen.
Wir verließen auf dem Dampfer „Holland“ am frühen Morgen die
Faktorei „Wilhelmina“, welche auf dem französischen Ufer gegenüber
der deutschen Station liegt, und fuhren den Ngoko hinauf. Ich hatte
einige Soldaten von Dr. +Plehn+ zur Begleitung und, um nachher noch
eine Canoereise machen zu können, mein großes Canoe mitgenommen. Nach
etwa einstündiger Fahrt erreichten wir einen großen, alleinstehenden
Felsen, welchen ich bereits von einer früheren Reise her kannte. Von
seiten Herrn +Langhelds+ war auf seiner Flußkarte dieser Felsen mit
dem Namen „Plehn-Felsen“ belegt worden, ein Name, welcher hoffentlich,
in Anbetracht der Verdienste Dr. +Plehns+ um diesen Bezirk, bestehen
bleiben wird. Da ich noch häufig Gelegenheit haben werde, dieses
eigentümlichen, isolierten Felsens Erwähnung zu thun, so will ich
hier gleich bemerken, daß auch ich denselben einfach als Plehn-Felsen
bezeichnen werde. Bis zur vierten Ngoko-Insel war ich schon vorher den
Fluß hinaufgefahren, heute kamen wir noch weiter hinauf, mußten aber
gegen 2½ Uhr anlegen, um für den nächsten Tag Holz schlagen zu lassen.
Mit einigen Soldaten versuchte ich tiefer in den Wald einzudringen,
wurde aber auf allen Seiten durch Sümpfe daran verhindert. Auf dieser
Streiferei gelang es mir, nicht weniger als fünf mir neue Orchideen
von einem einzigen Baume herunterzuholen. Von Kautschuklianen oder
Kickxien war an dieser Stelle nichts zu sehen, wohl aber einige
Coffeasträucher. Landolphia florida war längs des ganzen Flußufers
reichlich vertreten, allenthalben durch die orangenähnlichen Früchte
leicht kenntlich. Wir waren nun nicht mehr weit von dem Zusammenflusse
des Bumbe und des Dja entfernt, wo wir am nächsten Tage die Faktorei
der „Südkamerun-Gesellschaft“ zu erreichen gedachten. Bevor wir
dorthin kamen, passierten wir noch die Mündung des Como-Flusses, in
welchen bis dahin noch kein Europäer eingedrungen war. Gegen Mittag
trafen wir auf der Bumbe-Faktorei ein. Dieselbe war erst vor kurzer
Zeit angelegt worden, so daß man erst ein Haus hatte fertigstellen
können; die Vorräte an Waren und Proviant befanden sich noch in den
zu ihrer Bergung aufgestellten Zelten. Ein Europäer, Herr +Kalmar+,
war zur Leitung der Faktorei hier zurückgelassen worden. Bei unserer
Ankunft beklagte sich derselbe, daß die Eingeborenen des an der
Faktorei angrenzenden Dorfes sich geweigert, das durch Herrn +Langheld+
von ihnen käuflich erworbene Land abzutreten. Herr +Langheld+
hatte infolgedessen mit dem Häuptling des Dorfes ein längeres
Palaver abzuhalten, um ihm zu erklären, daß der Kauf des Landes die
Gesellschaft zum Besitzer desselben gemacht; es dauerte eine geraume
Zeit, ehe die Eingeborenen das einsehen konnten. Ein sehr starker Regen
zwang uns leider, am Nachmittage auf dem Dampfer zu verweilen, obgleich
ich gern ein kleines noch vollständig unbekanntes Flüßchen, den
„Bumbesse“, welches neben dem Bumbe in den Ngoko einmündet, befahren
hätte, um so tiefer in das Land eindringen zu können, da man sonst
allenthalben durch Sümpfe daran verhindert wurde.
Da sich das Wetter am 24. September (am folgenden Tage) besserte,
so konnte ich die Fahrt den Bumbesse hinauf antreten. Vorher wurden
noch zwei Herren den Bumbe hinaufgeschickt, um die Faktorei des
holländischen Hauses zu übernehmen, welche bei den Bumbe-Schnellen, von
den Eingeborenen in der Bangala-Sprache als „Mei makessi“ (scharfes
Wasser) bezeichnet, gelegen ist. Zu der Fahrt den Bumbesse hinauf
hatte ich vier Soldaten mitgenommen, welche alle mit einem Haumesser
ausgerüstet waren, denn schon an der Mündung war es ersichtlich, daß
man sich durch viel überhängendes Gestrüpp hindurchzuarbeiten habe.
Da ich auch einigermaßen die Richtung des Flüßchens festlegen wollte,
hatte ich mit dem Kompaß in der Hand tüchtig aufzupassen, daß wir nicht
irgendwo festfuhren. Unter ziemlichen Schwierigkeiten hatten wir oft
unser Canoe zwischen den durchgeschlagenen Lianen hindurchzuzwängen,
um wieder in offenes Wasser zu gelangen. Gegen 10 Uhr kamen wir an
eine Brücke, welche bewies, daß Eingeborene hier in der Nähe hausen
müssen; dieselbe war sehr primitiv, durch zwei auf Gabeln ruhende
Stangen hergestellt, welche an der Seite durch ein Zaunwerk gegen
die Gewalt des Wassers geschützt waren. Etwa zwei Meter oberhalb der
Stangen war parallel mit diesen eine Liane gespannt, welche dem die
Brücke Passierenden offenbar zur Stütze dienen sollte. Wir kamen an
diesem Hindernisse auch vorbei, indem wir das Canoe allmählich darüber
schleiften. Um 11 Uhr wurde endlich durch Fallen unserm weiteren
Vordringen ein Ziel gesteckt. Die Ufer des Flüßchens, welche hier
bedeutend näher zusammentraten, waren durch ein Zaunwerk verbunden, das
sehr geschickt durch Lianen verknotet war und nur zwei Öffnungen ließ,
durch welche die Tiere passieren konnten. Oberhalb dieser Öffnungen
sah man Schlingen, welche offenbar zum Anbringen von Speeren angelegt
waren. Da von diesen Fallen ein Pfad in den Wald hinein führte, der
offenbar unlängst von Menschen betreten war, so ließ ich einen Soldaten
bei dem Canoe zurück und drang nun mit den drei anderen Soldaten auf
dem Pfade vor. Zu meiner nicht geringen Freude konnte ich hier im Walde
Kickxia sowohl wie Landolphia feststellen, erstere sogar in ziemlicher
Menge. Da meine Zeit beschränkt war und noch keine weiteren Anzeichen
von Menschen zu entdecken waren, ließ ich nach etwa halbstündigem
Marsche im Walde wieder zum Canoe zurückkehren, hatte doch diese
Exkursion wenigstens zur Entdeckung der Kickxia hier am Bumbesse
geführt. Dieser Standort der Kickxia war für mich um so interessanter,
als der Wald deutliche Anzeichen einer zeitweisen Überschwemmung trug,
somit also der Baum auch in Regionen mit bedeutender Bodenfeuchtigkeit
zu gedeihen scheint. Auf der Rückfahrt ließ ich an den Stellen, wo
der Wald nicht überschwemmt war, landen, um auch dort nach Kickxia
zu fahnden, konnte aber hier nur das Vorkommen von Landolphia
konstatieren. Am Nachmittage machte ich nun noch einige Exkursionen
längs des Ngoko-Ufers, wo ich auch wieder Landolphia feststellen
konnte. Auch hier entdeckte ich wieder einige interessante Orchidaceen.
Am Morgen des 25. September dampften wir weiter, jetzt den Dja hinauf,
durch dessen Zusammenfluß mit dem Bumbe der Ngoko gebildet wird. Die
Ufer waren auch hier teilweise recht niedrig, teilweise erhoben sich
etwa bis 100 Meter hohe Hügel längs derselben. Der Strom war hier noch
bedeutend stärker als auf dem Ngoko. Die Vegetation scheint üppiger zu
sein, als ich sie am Ngoko beobachtet habe. Nach etwa zweistündiger
Fahrt passierten wir das Dorf Djama auf der Insel gleichen Namens nebst
einer Abzweigung desselben auf einer daneben liegenden Insel. Die Ufer
erschienen auf unserer linken Seite nun stets mehr oder minder erhöht.
Kurz hinter Djama hatten wir einige Stromschnellen zu passieren,
welche glücklicherweise an einer Seite einen Kanal zur Durchfahrt frei
ließen. Gegen 4½ Uhr erreichten wir dann das Ziel unserer Reise, die
Faktorei Bomudali. Dieselbe liegt gegenüber der Insel Bomudali mit dem
darauf befindlichen gleichnamigen Dorfe von für dortige Verhältnisse
ziemlicher Ausdehnung. Diese Faktorei wurde durch einen Eingeborenen
geleitet. Ein recht nettes, aus hiesigem Bambus (Raphiapalmen-Rippen)
gebautes luftiges Häuschen mit einer breiten Veranda hatte man hier
aufgebaut, in dem sich ein Europäer recht gut hätte aufhalten können.
Ich unternahm sogleich eine Exkursion in den Wald, der leider auch zum
großen Teile überschwemmt war, so daß ich total durchnäßt gegen Abend
zum Schiffe zurückkehrte.