Sanseviera guineensis Pason-Koko
Xanthosoma esculentum Ogiri-sako
Dicliptera spec. Kusu-mope
Cleome spec. Ay-tare
Cassia occidentalis Rere
Paullinia alata Kakasenla
Alternanthera sessilis Ebede
Trema spec. Afere
Waltheria indica Ewe Epo
Striga spec. Osa
Boerhaavia spec. Etipasa Evinla
Biophytum sensitivum Patomo
Aerua lanata Ewe Owo
Ocimum spec. Efiri
Portulacca oleracea Papa sohum
Hoslundia africana Efiri Fufun
Crotalaria spec. Ewe Orubu Epa
Abrus praecatorius Misin Misin
Momordica Balsamina Ejrin.
Der Dampfer „Aline Woermann“, mit dem ich nun nach Kamerun weiterfahren
wollte, traf unerwarteterweise äußerst pünktlich am 1. April vor Lagos
ein. Ich hatte kaum noch Zeit genug, meine Sachen vollständig fertig zu
machen. Zu meinem Glücke waren die Barrenverhältnisse zu ungünstig, um
den Barrendampfern noch an demselben Tage die Durchfahrt zu gestatten.
Dadurch gewann ich noch genügend Zeit. Am nächsten Tage, dem 1.
Osterfeiertage, fuhr ich nun in Begleitung der Herren +Fritsch+
und +Schurmann+ auf dem Barrendampfer „Teck“ hinaus und stieg
dann auf die „Aline Woermann“ über. Bis zum Abend blieben wir noch vor
Lagos, da die aus Europa kommende Ladung nun erst auf die Barrendampfer
übertragen werden mußte. Endlich um 7 Uhr ertönte das Signal zur
Abfahrt.
II. Kapitel.
Aufenthalt in Kamerun, Reise nach und auf dem Congo.
Während der kurzen Fahrt von Lagos nach der Kamerun-Küste hatten wir
vorzügliches Wetter. Die See war spiegelglatt, kein Lüftchen regte
sich. Am Morgen des 4. April tauchte plötzlich der Kamerunberg vor
unseren Augen auf, als sich die Nebel, welche umherhingen, etwas
lüfteten. Seine Spitze war leider nicht zu sehen. Doch dessenungeachtet
war ein jeder der Passagiere entzückt von dem Anblick, welcher sich uns
bot, als wir uns der Küste bei Bibundi näherten. Die tropische Fülle
und Üppigkeit der Vegetation überstieg alle Erwartungen. Der dichte
Urwald, welcher das Land bedeckte, soweit wir im stande waren, es zu
sehen, machte mit seinen riesigen Bäumen, die von Epiphyten aller Art
bedeckt waren, einen gewaltigen Eindruck auf einen jeden der Beschauer.
Gegen 7 Uhr am Morgen warfen wir Anker vor Bibundi. Natürlich konnte
niemand der Passagiere seinen Wunsch bezwingen, dieses tropische
Paradies zu sehen. Alle gingen mit der nächsten Gelegenheit an Land.
Mit verschiedenen anderen Herren ging ich nun nach der Kakaoplantage
der Bibundi-Gesellschaft. Herr +Rackow+, der damalige Leiter,
empfing uns bereits am Strande. Da es in meiner Absicht lag, mit Herrn
+Rackow+ betreffs Kickxiakulturen zu sprechen, so benutzte ich
diese dazu günstige Gelegenheit, fand allerdings bis jetzt nicht viel
Gehör für Einführung einer neuen Kultur, um so weniger, als wir auch
auf dem Schiffe einen Pflanzer aus Sumatra mitgebracht hatten, der
hier in Bibundi eine Tabakplantage anlegen sollte. So konnte ich denn
diesen meinen ersten Besuch in Bibundi nur zur allgemeinen Orientierung
verwenden. Ich besprach daher mit Herrn +Rackow+ meinen Plan, daß
ich in einiger Zeit von Victoria nach Bibundi zurückkehren wollte,
um dann einige Tage dort zu verweilen. Auch Herrn Oberleutnant +v.
Carnap+ traf ich hier in Bibundi. Derselbe war mit einer größeren
Truppe von Arbeitern, welche er im Rio-del-Rey-Gebiete angeworben
hatte, vor kurzem dort eingetroffen, und wollte nun die Gelegenheit
wahrnehmen, um mit unserem Dampfer die Leute nach Kriegsschiffhafen zu
bringen. Da das Anbordbringen der Leute ziemlich langsam vor sich gehen
konnte, denn wir hatten in beträchtlicher Entfernung von der Küste
Anker geworfen, so konnten wir erst um 5 Uhr wieder in See gehen. Längs
der wundervollen Küste fuhren wir nun an der Ambas-Bai mit Victoria
und den beiden Inseln Mundule und Ambas vorbei, um die Affen-Halbinsel
herum in die prachtvolle Bucht von Kriegsschiffhafen hinein. Noch
in der Dunkelheit wurden die neuangeworbenen Arbeiter, 214 an der
Zahl, gelandet. Mit Tagesanbruch am 5. April wurden die Anker wieder
gelichtet. Um 5½ Uhr waren wir vor Victoria.
Es war ein prachtvoller Morgen; der im Hintergrunde aufsteigende
Kamerunberg war bis zur Spitze des Engelberges mit Nebel bedeckt.
Darunter die dunklen, dicht bewaldeten Hügel, im Gegensatz zu den
weißgetünchten Häusern von Victoria: ein Bild, wie man es an der ganzen
westafrikanischen Küste nicht wieder sehen kann.
Zusammen mit Herrn Oberleutnant +v. Carnap+ fuhr ich an Land.
Da ich die Absicht hatte, mich einige Zeit in dem Victoria-Bezirke
aufzuhalten, quartierte ich mich in dem Hotel der Ambas-Bay Trading
Comp. ein. Dank des Entgegenkommens, welches ich von Seiten des
damaligen Bezirksamtmannes, Herrn Assessor +Horn+, fand, und
vor allen Dingen des regen Interesses, welches Herr Oberleutnant
+v. Carnap+ meinen Unternehmungen entgegenbrachte, waren die
Gepäckstücke und sonstigen Expeditionsgüter bald in einem Schuppen der
Ambas-Bay Trading Comp. untergebracht.
Nach dem Essen machte ich mich sogleich auf den Weg zum botanischen
Garten und besprach dort mit dem anwesenden Gärtner die Möglichkeit,
meine Kickxiasamen zum Teil dort aussäen zu lassen. Es wurden sogleich
auch Beete hergerichtet, so daß schon am 7. April die Samen ausgesät
werden konnten. Auch die Ficusstecklinge, welche ich aus Lagos
mitgebracht hatte, konnten zu derselben Zeit in den Boden eingesteckt
werden.
Während der nächsten Tage machte ich mit Herrn Oberleutnant +v.
Carnap+ zusammen verschiedene kleine Exkursionen und Ausflüge, um
mich über die Verhältnisse und die Vegetation etwas zu orientieren.
Am 9. April fuhr ich zusammen mit den Herren Assessor +Horn+ und
Oberleutnant +v. Carnap+ nach Kriegsschiffhafen zu Herrn +Frederici+,
mit dem ich auch die Möglichkeit einer Kickxiaanlage daselbst
besprechen wollte. Die Fahrt dorthin unternahmen wir in einem
Regierungsboote. Gegen 10½ Uhr langten wir bei Herrn +Frederici+ an,
der uns äußerst liebenswürdig aufnahm. Schon auf dem Wege von dem
Landungsplatze bis zum Wohnhause des Herrn +Frederici+ konnte man
sehen, daß hier eine peinliche Ordnung allenthalben herrschte. Die
Gebäude waren solide und praktisch aufgeführt, kurzum man sah, daß Herr
+Frederici+ nicht umsonst als Muster eines Plantagenleiters in Kamerun
gilt.
Als ich im Laufe der Unterhaltung Herrn +Frederici+ fragte, wie er
sich zur Frage des Anbaues von Kautschukbäumen stelle, äußerte er
sich, entschieden dagegen zu sein. Als ich ihm nun die Vorteile einer
solchen Anlage im Falle des Gedeihens der Kickxia vor Augen führte,
gelang es mir zu meiner nicht geringen Freude, ihn vollständig
umzustimmen, so daß er sich sofort bereit erklärte, eine solche
Pflanzung anzulegen. Da ich schon allenthalben von der Tüchtigkeit
dieses äußerst praktischen Mannes gehört hatte, lag mir viel daran, vor
allen Dingen ihn für meine Sache zu gewinnen; es war natürlich nun eine
große Genugthuung für mich, daß es mir gelang. Am Nachmittage machten
wir einen längeren Spaziergang, um die Plantage zu besichtigen. Bei
dieser Gelegenheit stellten wir auch gleich einen Platz fest, welcher
zur Anlage der Saatbeete für die Kickxia reserviert werden sollte,
ebenso die Lokalitäten, auf denen dann später die Kickxia in der von
mir vorgeschlagenen Weise ausgepflanzt werden sollten. Zur Anlage
dieser Kickxiaanpflanzungen wählten wir die Hügel, welche sonst für
Kakaokulturen weniger geeignet sind.
Es war eine Freude, zu sehen, wie alle Bestände in wundervoller
Ordnung gehalten wurden, besonders die von Herrn +Frederici+
in neuerer Zeit angelegten. Beständig waren neue Pflanzen an Stelle
etwaiger kranker oder abgestorbener Bäume eingesetzt worden, so daß
nur wenige Lücken in den Beständen vorhanden waren. Da, wo von Herrn
+Fredericis+ Vorgänger die einzelnen Stämme zu dicht gepflanzt
waren, wurde allmählich mehr Luft geschafft. Schöne breite Wege, die
in vorzüglichem Zustande waren, durchschnitten die Plantage nach allen
Seiten. Die Wasserläufe waren durch schöne massive Brücken passierbar
gemacht. Besonders gut gefiel mir das von Herrn +Frederici+
erst unlängst angelegte Vorwerk „Wasserfall“. Hier hatte Herr F.
die Erfahrungen, welche er im Laufe der Jahre gesammelt hatte, alle
verwerten können. Hier sah man die regelmäßigsten Bestände. Dieselben
bestanden zwar meist nur aus jüngeren Pflanzen, versprachen aber, sich
prachtvoll zu entwickeln. Die Anlagen zum Gären und Dörren des Kakaos
waren entschieden die praktischsten, welche ich gesehen. Die letzteren
waren ganz ähnlich den Dörrhäusern, welche Dr. +Preuß+ in seinen
Berichten an das Kolonial-Wirtschaftliche Komitee aus Südamerika
abgebildet und beschrieben hat.
Am Abend kehrte Herr Assessor +Horn+ nach Victoria allein zurück,
Herr Oberleutnant +v. Carnap+ und ich blieben über Nacht bei
Herrn +Frederici+, um am nächsten Morgen erst auf dem Landwege
nach Victoria zurückzugehen. Unser Weg von Kriegsschiffhafen nach
Victoria führte durch das Vorwerk Wasserfall über eine Hügelkette.
Sobald wir die Grenze der Kriegsschiffhafen-Plantage überschritten
hatten, wurde er schmaler und war mehr vernachlässigt, stellenweise
war er vollständig mit Unkraut bewachsen. Der prachtvolle Urwald zu
beiden Seiten wurde hin und wieder von Anpflanzungen der Victoria-Neger
unterbrochen. Die Kakaobestände derselben waren häufig zu dicht
bewachsen, sonst wurden hauptsächlich Bananen und Planten, letztere
eine nicht süße, große Bananenart, gepflanzt. Stellenweise sah man
etwas Maniok (Kassada) und Xantosoma esculentum (Koko).
Am Morgen des 11. April brach ich mit zwei Trägern (Majumba-Leuten) und
einem Jungen nach Buea auf, um mich dem Herrn Gouverneur +v. Puttkamer+
vorzustellen. Der schöne, weit gehaltene Weg führte über den Limbe-Bach
hinüber durch einige Vorwerke der „Victoria“-Plantagengesellschaft.
Die Kakaobestände daselbst standen zum großen Teile nicht schlecht,
doch war der Boden stellenweise so steinig, daß man sich unwillkürlich
fragen mußte, ob denn die Bäumchen hier für längere Zeit sich würden
halten können. Hinter dem Limbe-Vorwerk stieg der Weg allmählich
nach Bomana zu an. Er war an den steileren Stellen besonders dicht
mit Basalt- und Lavageröll bedeckt. Da die Sonne unterdessen schon
etwas höher gestiegen war, konnten die Träger mit den schweren
Koffern nicht mehr so schnell vorwärts. Ich ging daher mit dem
Jungen voraus. Oberhalb Bomana traten in dem Urwalde stellenweise
schon offenere Partien auf, welche mit Elefantengras bewachsen
waren. Dieses letztere ist eine riesige Pennisetumart, welche nicht
selten eine Höhe von 3 m erreicht. Gegen 11½ Uhr erreichte ich
den Rand des oberen Plateaus, auf dem Buea gelegen ist. Dasselbe
liegt 800 bis 900 m über dem Meeresspiegel. Dichter Urwald war hier
nicht mehr vorhanden. Ehe ich die Station Buea, den Sitz des Herrn
Gouverneurs +v. Puttkamer+, erreichte, hatte ich noch durch einen
Teil der „Günther-Soppo-Pflanzung“ zu marschieren. Die Kaffeebäumchen
daselbst sahen meist nicht sehr vielversprechend aus, viele waren
eingegangen, andere schienen zu kränkeln. Offenbar behagte ihnen die
kalte, nebelige Luft dieses Plateaus nicht mehr. Kakao gedeiht so hoch
oben am Kamerunberge auch nicht mehr. Gegen 12½ Uhr traf ich auf der
Station Buea ein. Ich meldete mich hier bei dem Stationschef, Herrn
+Leuschner+, welcher mit seiner Gemahlin mich sehr liebenswürdig
aufnahm und mir in dem Logierhaus, welches für Durchreisende und
neue Ankömmlinge sowie für Rekonvaleszenten, welche etwa aus der
mörderischen Küstenzone heraufkommen sollten, gebaut ist, ein Zimmer
anwiesen. Die Station liegt direkt am Fuße des Gipfelkegels des
Kamerun-Gebirges. Zur Zeit meiner damaligen Ankunft bestand sie aus
etwa 15 Häusern. Das Klima ist hier für Europäer gesund, besonders da
Fieber hier nicht mehr vorzukommen scheint, doch werden infolge der
häufigen Nebel die Europäer leicht von Rheumatismus befallen. Da die
Eingeborenen der Umgebung jetzt vollständig beruhigt sind, wird hier
nur eine kleine Polizeisoldatentruppe gehalten, welche hauptsächlich
Ordonnanzdienste zu verrichten hat.
Am Nachmittage empfing mich der Gouverneur Herr +v. Puttkamer+.
Er brachte meiner Expedition, wie überhaupt allen Dingen, welche
die Entwickelung des Schutzgebietes fördern könnten, ein sehr reges
Interesse entgegen und versprach, meine Pläne in jeder Weise zu
unterstützen. Daß dies nicht leere Versprechungen waren, hatte ich
in Zukunft genug Gelegenheit, wahrzunehmen. Ich kann daher dem Herrn
Gouverneur +v. Puttkamer+ nicht genug Dank wissen für die Art, in
welcher er die Interessen meiner Expedition gefördert hat.
Bei seiner letzten Rückkehr aus Europa hatte Herr Gouverneur +v.
Puttkamer+ eine Anzahl Algäuer Kühe nach Kamerun hinüberführen und
nach Buea auf die Station bringen lassen. Dieselben haben sich hier
sehr gut entwickelt und geben reichlich Milch. Leider aber scheint
das Futter des Kamerun-Gebirges nicht genügend kräftig zu sein, so
daß ein nicht geringer Teil desselben für die Tiere noch immer aus
Europa importiert werden muß. Man hatte auch bereits Versuche gemacht,
Kreuzungen zwischen dem Algäuer Vieh und eingeborenen Kamerun-Kühen
zu erziehen, so daß es nicht ausgeschlossen ist, daß dadurch die
einheimischen Rinder bedeutend verbessert werden.
In Buea hielt ich mich bis zum 13. April auf. Ich verbrachte die Zeit
daselbst, so gut es ging, mit Sammeln von Pflanzen, Exkursionen,
und vor allen Dingen Besuchen nach der Günther-Soppo-Plantage. Herr
+Günther+ hatte nämlich eine kleine Landolphiapflanzung angelegt,
welche wohl die erste in unserem Schutzgebiete sein dürfte. Die
Pflänzchen schienen sich an den Bäumchen, an deren Fuße sie angepflanzt
waren, recht wohl zu befinden, einige waren bereits gegen 2 m hoch.
Doch trotz dieses guten Gedeihens scheint mir eine solche Anlage,
wenn sie in dieser Weise noch einer gewissen Pflege bedarf, nicht
rentabel genug zu sein. Vor dem 15. Jahre dürften die Lianen wohl kaum
anzapfbar sein, und da dieselben nur sehr wenig Latex abgeben, würden
die Unkosten wohl in keinem annehmbaren Verhältnisse zu dem Gewinne
stehen. Während eines Streifzuges auf dem Boden der Soppo-Plantage
fand ich eine Ficusart, aus der Verwandtschaft der P. Preussii Warb.,
deren Milch nach der Koagulation ein ganz ähnliches Produkt ergab,
als die der Ficusart aus dem Yoruba-Lande. Natürlich kann ich über
diese Art daher nur dasselbe sagen, wie von der Yoruba-Art. Man
muß mit solchen Dingen natürlich sehr vorsichtig sein, da sich für
ein so minderwerthiges Material erst allmählich ein Absatz auf dem
Kautschukmarkte erzielen läßt. Ändern würde sich diese Sachlage
natürlich dadurch, daß sich eine neue Verwendung für solche Produkte
finden ließe. Der Kakao auf der Soppo-Plantage stand da, wo er nicht
in zu hoher Lage ausgepflanzt war, nicht schlecht; dennoch machte die
ganze Plantage einen etwas verwahrlosten Eindruck, obgleich die Wege
recht gut gehalten waren. Herr +Günther+ schrieb dieses dem Mangel
an Arbeiter- und Aufseherpersonal zu, das lange nicht ausreiche, um die
unter Kultur gesetzten Ländereien in Ordnung zu halten.
Am Nachmittage des 13. April verabschiedete ich mich bei dem so äußerst
zuvorkommenden und liebenswürdigen Herrn +v. Puttkamer+ und trat nun
meinen Rückmarsch nach Victoria an. Um 2 Uhr verließ ich Buea; auf
einem direkteren, aber steileren Wege stieg ich ab, so schnell es in
dem Lavageröll ging. Um 6¼ Uhr traf ich in Victoria ein. Hier bezog ich
wieder mein altes Quartier in dem Ambas-Bay-Hotel bei Herrn +Lange+.
Von der Ficusart, welche ich bei Soppo gefunden hatte, brachte ich auch
Stecklinge für den botanischen Garten in Victoria mit.
Während einiger Tage blieb ich nun in Victoria, um zunächst einige
Versuche mit der Milch der Ficus elastica zu machen. Im botanischen
Garten waren einige ältere Stämme, welche zum Anzapfen durchaus
geeignet schienen. Das Resultat dieser Untersuchungen deckte sich genau
mit den Ergebnissen der Experimente, welche ich kurze Zeit später in
Bibundi anstellte, es konnte kaum zufriedenstellend genannt werden.
Der Kautschuk war entschieden von inferiorer Qualität, obgleich etwas
besser als der der Ficusarten aus dem Yoruba-Lande und von Buea.
Zusammen mit Herrn Oberleutnant +v. Carnap+ besuchte ich damals auch
die Moliwepflanzung, welche unter der tüchtigen Leitung des Herrn
+Stammler+ eben zu entstehen begann. Die zu jener Zeit zur ersten
Anlage ausgesuchte Lokalität befand sich etwa ¾ Stunde von Victoria
entfernt. Dort angekommen, überzeugte ich mich sofort, daß es unter den
damals waltenden Umständen für Herrn +Stammler+ vollständig unmöglich
war, sofort Kickxiasaat zu übernehmen. Da er sich aber entschlossen
hatte, Kickxia anzupflanzen, so machte ich ihm einen Vorschlag,
auf den er nur zu gern einging. Ich wollte dem botanischen Garten
in Victoria die für die Moliwepflanzung bestimmten Kickxiasamen zur
Aussaat übergeben. Herr +Stammler+ mußte sich verpflichten, dieselben
bis zum 1. August 1899 spätestens abzuholen, sonst verfielen die
Pflänzchen dem botanischen Garten als Eigentum. In dieser Weise wurde
denn auch alles arrangiert. Herr Assessor +Horn+, der gewissermaßen
Herrn Dr. +Preuß+ während seiner Abwesenheit vertrat, gab seine
Einwilligung dazu. Somit wurden der Moliwepflanzung auch einige tausend
Kickxiapflänzchen gesichert.
Da ich, wie ich schon oben angegeben, die Absicht hatte, noch einmal
Bibundi zu besuchen, um Kickxiasamen dorthin zu bringen, so benutzte
ich, mit Genehmigung des Herrn Gouverneurs +v. Puttkamer+, eine
Gelegenheit, dorthin zu gelangen, welche sich am 17. April bot. Der
Regierungsdampfer „Nachtigal“ sollte Herrn Hauptmann +v. Besser+
nach Bibundi bringen, wo er die Grenze zwischen der Sanje- und
der Bibundi-Plantage festlegen wollte. Ich begleitete daher Herrn
Hauptmann +v. Besser+ nach Bibundi. Als wir gegen 10½ Uhr dort
eintrafen, war leider Herr +Rackow+ eben im Begriff, nach Victoria
abzureisen. Ich konnte also nur das Nötigste mit ihm besprechen. Von
Frau +Rackow+ wurden wir in der freundlichsten Weise aufgenommen.
Diese Dame, welche hier in der Halbcivilisation unermüdlich ihrem
Haushalte vorstand, ist ein Segen für die sich in Bibundi aufhaltenden
Europäer gewesen. Wo es nur immer in Krankheitsfällen etwas zu helfen
gab, hat sie stets für die betreffenden Herren in der edelmütigsten
Weise gesorgt. Auch uns wußte sie hier das Leben recht angenehm zu
machen; wenn nur jemand einen Wunsch äußerte, wurde er sogleich
erfüllt, wenn dies irgend möglich war.
Wie ich mit Herrn +Rackow+ verabredet hatte, ließ ich unter
meiner Aufsicht für die Kickxiasamen hier Saatbeete anlegen und zwar
in derselben Weise, wie ich es bereits auf Kriegsschiffhafen und im
botanischen Garten zu Victoria vorgeschlagen hatte.
Die vier Tage meines Aufenthaltes in Bibundi suchte ich nun soweit
als möglich auszunutzen. Am Nachmittage des 17. April machte ich mit
Herrn Hauptmann +v. Besser+ einen Besuch auf der Sanje-Plantage.
Herr +Becker+, der Leiter derselben, war eben dabei, eine größere
Fläche für Kakaokulturen zu reinigen. Die Lage der Plantage in einer
großen, mäßig feuchten und äußerst fruchtbaren Ebene, auf der zur
Anlage der Anpflanzungen eigentlich nur wenig Wald wegzuschlagen sein
wird, stellt bei guter Betriebsleitung für das Unternehmen eine große
Zukunft in Aussicht. Auf dem Gebiete der Sanje-Gesellschaft sind noch
einige alte Kakaogärten eines ehemaligen Elefantenjägers vorhanden,
welche von der Gesellschaft übernommen worden waren. Diese Gärten waren
recht gut in Pflege gehalten und mit großem Geschick angelegt, so daß
Herr +Becker+ sehr recht that, indem er diese Anlagen sogleich
fortsetzen ließ.
Auch hier in Bibundi waren bei dem Wohnhause des Herrn +Rackow+
einige Ficus elastica-Stämme von genügender Stärke vorhanden, so
daß ich Versuche damit anstellen konnte. Ich ließ zu dem Zwecke
Milch derselben einsammeln, kam aber bei meinen Experimenten zu
demselben Schlusse wie in Victoria. Der Kautschuk war entschieden ein
minderwertiges Produkt, jedoch nicht gänzlich unbrauchbar.
Am 20. April begleitete ich Herrn Hauptmann +v. Besser+ auf einer
seiner Vermessungstouren, um die Flora des Gebirgswaldes hier kennen zu
lernen. Wir drangen längs der östlichen Grenzlinie des Bibundi-Gebietes
ziemlich tief in den Urwald ein. Das Ergebnis dieser Exkursion war
für mich nicht anders als ich erwartete. Es fanden sich einige
Landolphien, die wirklich Kautschuk lieferten, aber nicht zahlreich
genug vorhanden zu sein schienen, um einen Abbau seitens der Europäer
zu rechtfertigen. Von Kickxia war nichts zu entdecken, ebenso wenig von
kautschukliefernden Ficusarten.
Da ein längerer Aufenthalt in Bibundi für mich nur Zeitverlust bedeutet
hätte, weil ich doch jetzt nach der Aussaat der Kickxien in Abwesenheit
des Herrn +Rackow+ nichts ausrichten konnte, beschloß ich, am Morgen
des 21. April mit einem Boote nach Victoria zurückzukehren. Einer
der Herren von Bibundi, Herr +Mazat+, welcher nach Kamerun wollte,
begleitete mich. Erst um 9 Uhr kamen wir von Bibundi fort, da sich
natürlich im letzten Augenblicke immer wieder etwas Neues fand, was
die Herren Bootsjungen noch zu besorgen hatten. Es herrschte eine
grauenhafte Windstille, so daß wir uns im Boote vor der Hitze kaum
retten konnten. Natürlich kamen wir auch nur sehr langsam vorwärts,
da wir nicht das Segel gebrauchen konnten. Wir fuhren um das Kap
Debundja herum nach Isongo, wo wir bei dem Leiter dieses Vorwerkes
der Bibundi-Pflanzung, Herrn +Kundler+, unser Mittagsmahl einnahmen.
Es war gegen 2½ Uhr, als wir eintrafen. Die Kakaopflanzung stand hier
recht gut und war schön rein gehalten. Bei den hier besonders starken
Regenfällen scheint sich dieser Ort für Kakao vorzüglich zu eignen,
ebensowohl für Vanille, welche in neuerer Zeit dorthin eingeführt
werden soll. Landschaftlich bietet Isongo ein reizendes Bild dar.
Gegen 4 Uhr brachen wir wieder von Isongo auf, um noch bis Mokindange
fahren zu können. Eine Brise, welche sich plötzlich erhob, war für
uns günstig. So kam es, daß wir gegen unsere Erwartungen bereits um
6½ Uhr vor Mokindange waren. Es war eine gefährliche Fahrt hinein in
die mit zerstreuten Felsen reich bedeckte Bucht, da aber Herr +Mazat+
sowohl wie unsere Bootsleute häufig vorher hier gewesen waren, kamen
wir endlich wohlbehalten bei Herrn +Böklin+, welcher der hiesigen
Plantage vorsteht, an. Mokindange ist ebenso wie Isongo noch ein
Vorwerk der Bibundi-Plantage. Die Plantage konnte ich leider nicht
mehr besichtigen, da wir am nächsten Morgen bereits um 6 Uhr wieder
abfuhren. Der Wind war wieder ungünstig für uns, so daß unsere Leute
die ganze Strecke rudern mußten. Wir fuhren bei dem Dorfe Bota vorbei,
zwischen den merkwürdigen „Piraten“-Inseln und dem Festlande hindurch
nach Victoria zu. Unterwegs liefen wir noch einmal an der Küste bei
Herrn +Weilers+ Besitz an, wo Herr +Mazat+ noch einiges Geschäftliche
zu arrangieren hatte. Gegen 9 Uhr langten wir endlich bei strömendem
Regen in Victoria an.
Da sich der Monat nun seinem Ende zuneigte, benutzte ich die nächsten
Tage meines Aufenthalts in Victoria dazu, die für meine Congo-Reise
nötigen Lasten zusammenzustellen. Außerdem setzte ich meine Experimente
mit der Milch der Ficus elastica fort.
Einer Verabredung gemäß schickte Herr +Frederici+ am 26. April
vom Kriegsschiffhafen aus ein Boot, um mich dorthin abzuholen, damit
wir die Kickxien aussäen könnten. Noch an demselben Tage wurden die
Saatbeete fertiggestellt und am nächsten Tage die Samen gleich in
Abständen von 1 dm einzeln eingesteckt. Zum Schutz gegen die Sonne
mußte natürlich ein leichtes Dach von Wedeln der Ölpalme hergestellt
werden, was einfach dadurch erzielt wurde, daß man diese Wedel auf dazu
angebrachten Stellagen darüber legte.