»Gleichwie etwa, Priester, wenn da ein Mann wäre, arm,

unfrei, unselbständig; und man nöthigte ihm gegen seinen

Willen einen Bissen auf: ›Da hast du, lieber Mann, ein Stück

Fleisch zu essen, und das musst du mit Geld bezahlen‹:

ebenso nun auch, Priester, haben sich die Priester mit den

anderen Priestern und Asketen nicht verständigt, sondern

sie verkünden eben diese vier Arten von Besitz. Ich aber,

Priester, verkünde ein heiliges, überweltliches Recht als

Besitzthum des Menschen; mag sich auch einer seiner einstigen

Abstammung von Vater und Mutter erinnern, wo er eben also

und also erzeugt und geboren eben diesen und diesen Namen

erhalten hat: im Kriegergeschlechte erzeugt und geboren eben

‚Krieger‘ genannt, im Priestergeschlechte erzeugt und geboren

eben ‚Priester‘ genannt, im Bürgergeschlechte erzeugt und

geboren eben ‚Bürger‘ genannt, im Dienergeschlechte erzeugt

und geboren eben ‚Diener‘ genannt. Gleichwie etwa, Priester,

woher da eben Feuer entfacht eben danach genannt wird, von

Holz entfacht eben ‚Holzfeuer‘ genannt, von Reisig entfacht

eben ‚Reisigfeuer‘ genannt, von Heu entfacht eben ‚Heufeuer‘ 596

genannt, von Dung entfacht eben ‚Dungfeuer‘ genannt: ebenso

nun auch, Priester, verkünde ich ein heiliges, überweltliches

Recht als Besitzthum des Menschen; mag sich auch einer seiner

einstigen Abstammung von Vater und Mutter erinnern, wo er eben

also und also erzeugt und geboren eben diesen und diesen Namen

erhalten hat: im Kriegergeschlechte erzeugt und geboren eben

‚Krieger‘ genannt, im Priestergeschlechte erzeugt und geboren

eben ‚Priester‘ genannt, im Bürgergeschlechte erzeugt und

geboren eben ‚Bürger‘ genannt, im Dienergeschlechte erzeugt

und geboren eben ‚Diener‘ genannt. Wer da, Priester, aus

einem Kriegergeschlechte vom Hause fort in die Hauslosigkeit

gezogen und zu des Vollendeten dargelegter Lehre und Ordnung

gekommen ist, von Mord absteht, von Diebstahl absteht, von

Unkeuschheit absteht, von Lüge, Verleumdung, Zank und Geschwätz

absteht, nicht begehrlich, nicht gehässig, recht gesinnt

ist, hat Aechtes erwirkt, heilsames Recht. Wer da, Priester,

aus einem Priestergeschlechte oder Bürgergeschlechte oder 597

Dienergeschlechte vom Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen

und zu des Vollendeten dargelegter Lehre und Ordnung gekommen

ist, von Mord absteht, von Diebstahl absteht, von Unkeuschheit

absteht, von Lüge, Verleumdung, Zank und Geschwätz absteht,

nicht begehrlich, nicht gehässig, recht gesinnt ist, hat

Aechtes erwirkt, heilsames Recht. -- Was meinst du wohl,

Priester: kann da nur ein Priester hierzulande ohne Grimm und

ohne Groll sein Herz an Milde gewöhnen? Aber nicht so ein

Krieger, aber nicht so ein Bürger, aber nicht so ein Diener?«

»Das wohl nicht, o Gotamo! Denn auch ein Krieger, o Gotamo,

kann hierzulande ohne Grimm und ohne Groll sein Herz an Milde

gewöhnen: und ebenso, o Gotamo, ein Priester, und ebenso, o

Gotamo, ein Bürger, und ebenso, o Gotamo, ein Diener; ein

jeder, o Gotamo, von den vier Kasten kann hierzulande ohne

Grimm und ohne Groll sein Herz an Milde gewöhnen.«

»Ebenso nun auch, Priester, kann wer da aus einem

Kriegergeschlechte oder Priestergeschlechte oder

Bürgergeschlechte oder Dienergeschlechte vom Hause fort in

die Hauslosigkeit gezogen und zu des Vollendeten dargelegter 598

Lehre und Ordnung gekommen ist, von Mord absteht, von Diebstahl

absteht, von Unkeuschheit absteht, von Lüge, Verleumdung, Zank

und Geschwätz absteht, nicht begehrlich, nicht gehässig, recht

gesinnt ist, Aechtes erwirken, heilsames Recht. -- Was meinst

du wohl, Priester: darf da nur ein Priester, mit Schwamm und

Seife versehn, zum Flusse baden gehn, um Staub und Schmutz

abzuwaschen? Aber nicht so ein Krieger, aber nicht so ein

Bürger, aber nicht so ein Diener?«

»Das wohl nicht, o Gotamo! Denn auch ein Krieger, o Gotamo,

darf Schwamm und Seife nehmen und nach dem Flusse baden gehn,

um Staub und Schmutz abzuwaschen: und ebenso, o Gotamo, ein

Priester, und ebenso, o Gotamo, ein Bürger, und ebenso, o

Gotamo, ein Diener; ein jeder, o Gotamo, von den vier Kasten

darf Schwamm und Seife nehmen und nach dem Flusse baden gehn,

um Staub und Schmutz abzuwaschen.«

»Ebenso nun auch, Priester, kann wer da aus einem

Kriegergeschlechte oder Priestergeschlechte oder 599

Bürgergeschlechte oder Dienergeschlechte vom Hause fort in

die Hauslosigkeit gezogen und zu des Vollendeten dargelegter

Lehre und Ordnung gekommen ist, von Mord absteht, von Diebstahl

absteht, von Unkeuschheit absteht, von Lüge, Verleumdung,

Zank und Geschwätz absteht, nicht begehrlich, nicht gehässig,

recht gesinnt ist, Aechtes erwirken, heilsames Recht. -- Was

meinst du wohl, Priester: es ließe da der König, der Herrscher,

dessen Scheitel gesalbt ist, eine Schaar von hundert Männern

verschiedener Geburt zu sich bescheiden: ›Kommt, ihr Lieben,

die ihr da von Kriegern, Priestern, Fürsten abstammt, und

nehmt ein Reibholz vom Kronbaum, oder von der Föhre, oder

vom Sandel, oder vom Ingwerbaum, und erweckt damit Feuer,

bringt Licht hervor! Und kommt auch ihr Lieben, die ihr da

von Treibern, Jägern, Korbflechtern, Radmachern, Gärtnern 600

abstammt, und nehmt ein Reibholz von einem Hundetrog, oder von

einem Schweinetrog, oder von einem Waschtrog, oder von einem

Rizinusbaume, und erweckt damit Feuer, bringt Licht hervor!‹

Was meinst du wohl, Priester: wenn da von denen, die von

Kriegern, Priestern, Fürsten abstammen, mit einem Reibholze

vom Kronbaum, oder von der Föhre, oder vom Sandel, oder vom

Ingwerbaum, Feuer erweckt, Licht hervorgebracht ward, hat dann

wohl dieses Feuer Flamme und Glanz und Leuchtkraft, und kann

man dieses Feuer zu Feuerzwecken verwenden? Und wenn da von

denen, die von Treibern, Jägern, Korbflechtern, Radmachern,

Gärtnern abstammen, mit einem Reibholze von einem Hundetrog,

oder von einem Schweinetrog, oder von einem Waschtrog, oder von

einem Rizinusbaume, Feuer erweckt, Licht hervorgebracht ward,

hat dann wohl dieses Feuer keine Flamme und keinen Glanz und

keine Leuchtkraft, und kann man dieses Feuer zu Feuerzwecken

nicht verwenden?«

»Das wohl nicht, o Gotamo! ist da, o Gotamo, von denen, die von

Kriegern, Priestern, Fürsten abstammen, mit einem Reibholze

vom Kronbaum, oder von der Föhre, oder vom Sandel, oder vom

Ingwerbaum, Feuer erweckt, Licht hervorgebracht worden, so hat

dieses Feuer Flamme und Glanz und Leuchtkraft, und man kann

dieses Feuer zu Feuerzwecken verwenden. Und ist da von denen,

die von Treibern, Jägern, Korbflechtern, Radmachern, Gärtnern 601

abstammen, mit einem Reibholze von einem Hundetrog, oder von

einem Schweinetrog, oder von einem Waschtrog, oder von einem

Rizinusbaume Feuer erweckt, Licht hervorgebracht worden, so

hat auch dieses Feuer Flamme und Glanz und Leuchtkraft, und

man kann auch dieses Feuer zu Feuerzwecken verwenden. Denn ein

jedes Feuer, o Gotamo, hat Flamme und Glanz und Leuchtkraft,

und man kann ein jedes Feuer zu Feuerzwecken verwenden.«

»Ebenso nun auch, Priester, kann wer da aus einem

Kriegergeschlechte oder Priestergeschlechte oder

Bürgergeschlechte oder Dienergeschlechte vom Hause fort in

die Hauslosigkeit gezogen und zu des Vollendeten dargelegter

Lehre und Ordnung gekommen ist, von Mord absteht, von Diebstahl

absteht, von Unkeuschheit absteht, von Lüge, Verleumdung, Zank

und Geschwätz absteht, nicht begehrlich, nicht gehässig, recht 602

gesinnt ist, Aechtes erwirken, heilsames Recht.«

* * * * *

Nach diesen Worten sprach Esukārī der Priester also zum

Erhabenen:

»Vortrefflich, o Gotamo, vortrefflich, o Gotamo! Als Anhänger

möge mich Herr Gotamo betrachten, von heute an zeitlebens

getreu.«[254]

97.

Zehnter Theil Siebente Rede

DHANAÑJANI

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei

Rājagaham, im Bambusparke, am Hügel der Eichhörnchen.

Um diese Zeit nun hielt sich der ehrwürdige Sāriputto,

mit vielen Mönchen weiterwandernd, bei Dakkhiṇāgiri auf.

Da nun begab sich einer der Mönche, der zu Rājagaham die

Regenzeit zugebracht hatte, nach Dakkhiṇāgiri, dorthin wo der

ehrwürdige Sāriputto weilte. Dort angelangt wechselte er mit

dem ehrwürdigen Sāriputto höflichen Gruß und freundliche,

denkwürdige Worte und setzte sich seitwärts nieder. Und zu

jenem Mönche, der da seitwärts saß, sprach nun der ehrwürdige

Sāriputto also:

»Ist wohl, Bruder, der Erhabene rüstig und munter?«

»Rüstig, Bruder, ist der Erhabene und munter.«

»Und ist auch, Bruder, die Jüngerschaar rüstig und munter?«

»Auch die Jüngerschaar, Bruder, ist rüstig und munter.«

»Da lebt, Bruder, zu Taṇḍulapāladvārā ein Priester Namens

Dhanañjani: ist wohl, Bruder, dieser Priester Dhanañjani rüstig

und munter?«

»Auch Dhanañjani, Bruder, der Priester, ist rüstig und munter.« 603

»Und ist wohl, Bruder, Dhanañjani der Priester recht beflissen?«

»Und wie gar, Bruder, ist Dhanañjani der Priester recht

beflissen! Dhanañjani, Bruder, der Priester, verlästert beim

König die priesterlichen Hausväter: und bei den priesterlichen

Hausvätern verlästert er den König. Seine Gattin, die fromm

war, aus frommem Hause heimgeführt die ist ihm gestorben, und

er hat eine andere Gattin, die unfromm ist, aus unfrommem

Hause, geheirathet.«

»Schlechtes, wahrlich, Bruder, haben wir gehört, da wir

gehört haben wie unbeflissen Dhanañjani der Priester ist.

Möchten wir doch gelegentlich einmal mit Dhanañjani dem

Priester zusammentreffen, auf dass da irgend eine Unterredung

stattfände.«

Und der ehrwürdige Sāriputto begab sich nun, da er nach

Belieben zu Dakkhiṇāgiri geweilt hatte, auf die Wanderung nach

Rājagaham, von Ort zu Ort wandernd näherte er sich der Stadt.

Zu Rājagaham weilte nun der ehrwürdige Sāriputto, im

Bambusparke, am Hügel der Eichhörnchen.

Und der ehrwürdige Sāriputto, zeitig gerüstet, nahm Mantel und

Schaale und ging nach Rājagaham um Almosenspeise. Um diese Zeit

aber ließ Dhanañjani der Priester nahe der Stadt seine Kühe im

Kuhstalle melken.

Nachdem nun der ehrwürdige Sāriputto in der Stadt um

Almosenspeise gestanden hatte, kehrte er zurück, nahm das Mahl

ein und begab sich dann zu Dhanañjani dem Priester hin. Und

Dhanañjani der Priester sah den ehrwürdigen Sāriputto von ferne

herankommen; und als er ihn gesehn ging er ihm entgegen und

sprach ihn also an:

»Nur näher, Herr Sāriputto, Milch zu trinken: schon wird es 604

Zeit zum Mahle sein.«

»Genug, Priester: fertig bin ich für heute mit dem Mahle. Am

Fuße jenes Baumes werd’ ich bis Abend verweilen; dort magst du

hinkommen.«

»Wohl, Herr!« entgegnete da zustimmend Dhanañjani der Priester

dem ehrwürdigen Sāriputto.

Und Dhanañjani der Priester begab sich nach dem Mahle, als

er den Morgenimbiss eingenommen, dorthin wo der ehrwürdige

Sāriputto weilte. Dort angelangt wechselte er höflichen

Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem ehrwürdigen

Sāriputto und setzte sich seitwärts hin. Und zu Dhanañjani

dem Priester, der da seitwärts saß, sprach nun der ehrwürdige

Sāriputto also:

»Bist du wohl, Dhanañjani, recht beflissen?«

»Und wie, o Sāriputto, sind wir recht beflissen, die wir Vater

und Mutter zu ernähren, Weib und Kind zu ernähren, Knecht-

und Dienergesinde zu ernähren haben, die wir Freunden und

Genossen Freundes- und Genossendienste zu leisten, Verwandten

und Vettern Verwandten- und Vetterdienste zu leisten haben, den

Gästen Gastfreundschaft gewähren, den Manen Manendienst, den

Göttern Gottesdienst, dem König Königsdienst darbringen müssen,

und auch den Körper da hegen und pflegen sollen!«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: es habe da einer um Vater

und Mutter willen falsch und unrecht gelebt, und wegen seines

falschen und unrechten Lebens verfiel’ er der Hölle höllischen

Wächtern; wär’ es dem etwa gegönnt: ›Ich habe um Vater und

Mutter willen falsch und unrecht gelebt: lasst mich von hinnen,

höllische Wächter!‹, oder wär’ es etwa seinen Eltern gegönnt:

›Er hat unseretwillen falsch und unrecht gelebt: lasst ihn von 605

hinnen, höllische Wächter!‹?«

»Das wohl nicht, o Sāriputto! Wie er auch jammerte ließen ihn

da die höllischen Wächter zur Hölle fahren.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: es habe da einer um Weib und

Kinder willen falsch und unrecht gelebt, und wegen seines

falschen und unrechten Lebens verfiel’ er der Hölle höllischen

Wächtern; wär’ es dem etwa gegönnt: ›Ich habe um Weib und

Kindes willen falsch und unrecht gelebt: lasst mich von

hinnen, höllische Wächter!‹, oder wär’ es etwa seinem Weibe und

Kinde gegönnt: ›Er hat unseretwillen falsch und unrecht gelebt:

lasst ihn von hinnen, höllische Wächter!‹?«

»Das wohl nicht, o Sāriputto! Wie er auch jammerte ließen ihn

da die höllischen Wächter zur Hölle fahren.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: es habe da einer um der

Knechte und Diener willen, um der Freunde und Genossen,

Verwandten und Vettern, um der Gäste willen, habe um der Manen,

um der Götter, um des Königs willen falsch und unrecht gelebt,

und wegen seines falschen und unrechten Lebens verfiel’ er

der Hölle höllischen Wächtern; wär’ es dem etwa gegönnt: ›Ich

habe um jener willen falsch und unrecht gelebt: lasst mich von 606

hinnen, höllische Wächter!‹, oder wär’ es etwa jenen gegönnt:

›Er hat unseretwillen falsch und unrecht gelebt: lasst ihn von

hinnen, höllische Wächter!‹?«

»Das wohl nicht, o Sāriputto! Wie er auch jammerte ließen ihn

da die höllischen Wächter zur Hölle fahren.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: es habe da einer um den Körper

zu hegen und zu pflegen falsch und unrecht gelebt, und wegen

seines falschen und unrechten Lebens verfiel’ er der Hölle

höllischen Wächtern; wär’ es dem etwa gegönnt: ›Ich habe um 608

den Körper zu hegen und zu pflegen falsch und unrecht gelebt:

lasst mich von hinnen, höllische Wächter!‹, oder wär’ es etwa

den anderen für ihn gegönnt: ›Er hat um den Körper zu hegen und

zu pflegen falsch und unrecht gelebt: lasst ihn von hinnen,

höllische Wächter!‹?«

»Das wohl nicht, o Sāriputto! Wie er auch jammerte ließen ihn

da die höllischen Wächter zur Hölle fahren.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: wer um Vater und Mutter willen

falsch und unrecht lebte, oder wer um Vater und Mutter willen

wahr und recht lebte: was ist besser?«

»So einer, o Sāriputto, um Vater und Mutter willen falsch

und unrecht lebte, ist das nicht besser: doch so einer, o

Sāriputto, um Vater und Mutter willen wahr und recht lebte, ist

das eben da besser. Denn dem falschen und unrechten Leben, o

Sāriputto, ist das wahre und rechte Leben vorzuziehn.«

»Es giebt ja noch, Dhanañjani, ehrliche, wohlgegründete

Beschäftigungen, die es ermöglichen Vater und Mutter zu

ernähren ohne Unrecht zu thun und ohne vom rechten Pfade zu

weichen. -- Was meinst du wohl, Dhanañjani: wer um Weib und

Kindes willen falsch und unrecht lebte, oder wer um Weib und

Kindes willen wahr und recht lebte: was ist besser?«

»So einer, o Sāriputto, um Weib und Kindes willen falsch

und unrecht lebte, ist das nicht besser: doch so einer, o

Sāriputto, um Weib und Kindes willen wahr und recht lebte, ist

das eben da besser. Denn dem falschen und unrechten Leben, o 609

Sāriputto, ist das wahre und rechte Leben vorzuziehn.«

»Es giebt ja noch, Dhanañjani, ehrliche, wohlgegründete

Beschäftigungen, die es ermöglichen Weib und Kind zu ernähren

ohne Unrecht zu thun und ohne vom rechten Pfade zu weichen. --

Was meinst du wohl, Dhanañjani: wer um der Knechte und Diener

willen, um der Freunde und Genossen, Verwandten und Vettern,

um der Gäste willen, wer um der Manen, um der Götter, um des

Königs willen falsch und unrecht lebte, oder wer um ihretwillen

wahr und recht lebte: was ist besser?«

»So einer, o Sāriputto, um jener willen falsch und unrecht

lebte, ist das nicht besser: doch so einer, o Sāriputto, um 610

jener willen wahr und recht lebte, ist das eben da

besser. Denn dem falschen und unrechten Leben, o Sāriputto, ist

das wahre und rechte Leben vorzuziehn.«

»Es giebt ja noch, Dhanañjani, ehrliche, wohlgegründete

Beschäftigungen, die es ermöglichen jenen gerecht zu werden

ohne Unrecht zu thun und ohne vom rechten Pfade zu weichen. --

Was meinst du wohl, Dhanañjani: wer um den Körper zu hegen und

zu pflegen falsch und unrecht lebte, oder wer um den Körper zu

hegen und zu pflegen wahr und recht lebte: was ist besser?«

»So einer, o Sāriputto, um den Körper zu hegen und zu pflegen

falsch und unrecht lebte, ist das nicht besser: doch so einer,

o Sāriputto, um den Körper zu hegen und zu pflegen wahr und

recht lebte, ist das eben da besser. Denn dem falschen und

unrechten Leben, o Sāriputto, ist das wahre und rechte Leben

vorzuziehn.«

»Es giebt ja noch, Dhanañjani, ehrliche, wohlgegründete

Beschäftigungen, die es ermöglichen den Körper zu hegen und

zu pflegen ohne Unrecht zu thun und ohne vom rechten Pfade zu

weichen.«

Da war denn Dhanañjani der Priester durch des ehrwürdigen 613

Sāriputto Rede erfreut und befriedigt; und er stand auf und

entfernte sich.

* * * * *

Und Dhanañjani der Priester wurde späterhin unwohl, leidend,

schwerkrank. Und Dhanañjani der Priester wandte sich an einen

seiner Leute:

»Geh’, lieber Mann, und begieb dich zum Erhabenen hin und

bring’ dem Erhabenen zu Füßen meinen Gruß dar: ›Dhanañjani, o

Herr, der Priester, ist unwohl, leidend, schwerkrank: er bringt

dem Erhabenen zu Füßen Gruß dar‹; dann geh’ zum ehrwürdigen

Sāriputto hin und bring’ dem ehrwürdigen Sāriputto zu Füßen

meinen Gruß dar: ›Dhanañjani, o Herr, der Priester, ist unwohl,

leidend, schwerkrank: er bringt dem ehrwürdigen Sāriputto zu

Füßen Gruß dar;‹ und füge hinzu: ›gut wär’ es‹, sagt’ er, o

Herr, ›wenn der ehrwürdige Sāriputto nach dem Hause Dhanañjani

des Priesters kommen wollte, von Mitleid bewogen.‹«

»Wohl, Herr!« entgegnete da gehorsam jener Mann Dhanañjani dem

Priester. Und er begab sich dorthin wo der Erhabene weilte,

bot ehrerbietigen Gruß dar und setzte sich seitwärts nieder.

Seitwärts sitzend sprach er also zum Erhabenen:

»Dhanañjani, o Herr, der Priester, ist unwohl, leidend,

schwerkrank: er bringt dem Erhabenen zu Füßen Gruß dar.«

Dann begab er sich zum ehrwürdigen Sāriputto hin, bot

ehrerbietigen Gruß dar und setzte sich seitwärts nieder.

Seitwärts sitzend sprach er also zum ehrwürdigen Sāriputto:

»Dhanañjani, o Herr, der Priester, ist unwohl, leidend, 614

schwerkrank: er bringt dem ehrwürdigen Sāriputto zu Füßen

Gruß dar; und er lässt sagen, gut wär’ es, o Herr, wenn der

ehrwürdige Sāriputto nach dem Hause Dhanañjani des Priesters

kommen wollte, von Mitleid bewogen.«

Schweigend gewährte der ehrwürdige Sāriputto die Bitte.

Und der ehrwürdige Sāriputto rüstete sich, nahm Mantel und

Schaale und begab sich nach dem Hause Dhanañjani des Priesters.

Dort angelangt nahm er auf dem dargebotenen Sitze Platz. Und er

wandte sich also an Dhanañjani den Priester:

»Fühlst du dich, Dhanañjani, schon wohler, geht es dir etwas

besser, nehmen die Schmerzen wieder ab und nicht zu, merkt man,

dass sie nachlassen und nicht zunehmen?«

»Nicht fühl’ ich mich, o Sāriputto, wohler, es geht mir nicht

besser, die heftigen Schmerzen nehmen zu und nicht ab, man

merkt, dass sie zunehmen und nicht nachlassen. Gleichwie etwa,

o Sāriputto, wenn ein starker Mann mit scharfer Dolchspitze

die Schädeldecke zerhämmerte, ebenso nun auch, o Sāriputto,

schlagen mir überheftige Strömungen auf die Schädeldecke auf:

nicht fühl’ ich mich, o Sāriputto, wohler, es geht mir nicht

besser, die heftigen Schmerzen nehmen zu und nicht ab, man

merkt, dass sie zunehmen und nicht nachlassen. Gleichwie etwa,

o Sāriputto, wenn ein starker Mann feste Riemenstränge auf dem

Kopfe peitschend tanzen ließe, ebenso nun auch, o Sāriputto,

hab’ ich im Kopfe betäubende Kopfgefühle: nicht fühl’ ich mich,

o Sāriputto, wohler, es geht mir nicht besser, die heftigen

Schmerzen nehmen zu und nicht ab, man merkt, dass sie zunehmen

und nicht nachlassen. Gleichwie etwa, o Sāriputto, wenn ein 615

geschickter Schlächter oder Schlächtergeselle mit scharfem

Schlachtmesser den Bauch durchschlitzte, ebenso nun auch, o

Sāriputto, schneiden mir überheftige Strömungen durch den

Bauch: nicht fühl’ ich mich, o Sāriputto, wohler, es geht mir

nicht besser, die heftigen Schmerzen nehmen zu und nicht ab,

man merkt, dass sie zunehmen und nicht nachlassen. Gleichwie

etwa, o Sāriputto, wenn zwei starke Männer einen schwächeren

Mann an beiden Armen ergriffen und in eine Grube voll glühender

Kohlen hineinquälten, hineinrollten, ebenso nun auch, o

Sāriputto, hab’ ich im Körper überheftig glühende Quaal: nicht

fühl’ ich mich, o Sāriputto, wohler, es geht mir nicht besser,

die heftigen Schmerzen nehmen zu und nicht ab, man merkt, dass

sie zunehmen und nicht nachlassen.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: was ist besser, die Hölle oder

der thierische Schooß?«

»Vor der Hölle, o Sāriputto, ist der thierische Schooß besser.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: was ist besser, der thierische

Schooß oder das Gespensterreich?«

»Vor dem thierischen Schooße, o Sāriputto, ist das

Gespensterreich besser.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: was ist besser, das

Gespensterreich oder die Menschenwelt?«

»Vor dem Gespensterreich, o Sāriputto, ist die Menschenwelt

besser.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: was ist besser, die

Menschenwelt oder der Himmel der Vier großen Könige?«

»Vor der Menschenwelt, o Sāriputto, ist der Himmel der Vier

großen Könige besser.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: was ist besser, der Himmel 616

der Vier großen Könige oder der Himmel der Dreiunddreißig

Götter?«[255]

»Vor dem Himmel der Vier großen Könige, o Sāriputto, ist der

Himmel der Dreiunddreißig Götter besser.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: was ist besser, der Himmel der

Dreiunddreißig Götter oder der Himmel der Schattengötter?«

»Vor dem Himmel der Dreiunddreißig Götter, o Sāriputto, ist der

Himmel der Schattengötter besser.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: was ist besser, der Himmel der

Schattengötter oder der Himmel der Säligen Götter?«

»Vor dem Himmel der Schattengötter, o Sāriputto, ist der Himmel

der Säligen Götter besser.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: was ist besser, der Himmel der

Säligen Götter oder der Himmel der Götter der unbeschränkten

Freude?«

»Vor dem Himmel der Säligen Götter, o Sāriputto, ist der Himmel

der Götter der unbeschränkten Freude besser.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: was ist besser, der Himmel der

Götter der unbeschränkten Freude oder der Himmel der Jenseit

der unbeschränkten Freude weilenden Götter?«

»Vor dem Himmel der Götter der unbeschränkten Freude, o

Sāriputto, ist der Himmel der Jenseit der unbeschränkten Freude

weilenden Götter besser.«

»Was meinst du wohl, Dhanañjani: was ist besser, der Himmel der

Jenseit der unbeschränkten Freude weilenden Götter oder die

Brahmawelt?«

»‚Brahmawelt‘ hat Herr Sāriputto gesagt, ‚Brahmawelt‘ hat Herr

Sāriputto gesagt!«

Da gedachte nun der ehrwürdige Sāriputto: ›Diese Priester sind

der Brahmawelt zugeneigt[256]: wie, wenn ich nun Dhanañjani dem

Priester den Weg zeigte, der zu Brahmā führt?‹

»Den Weg, Dhanañjani, der zu Brahmā führt, werd’ ich dir

zeigen: hör’ es und achte wohl auf meine Rede.«

»Ja, Herr!« erwiderte da aufmerksam Dhanañjani der Priester dem

ehrwürdigen Sāriputto. Der ehrwürdige Sāriputto sprach also:

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, zweiter Band · 第 38 / 45 段