abrathen: ein edler Spross ist Kāpaṭhiko der junge Brāhmane,
viel hat Kāpaṭhiko der junge Brāhmane gelernt, ist gelehrt,
weiß angemessen zu reden, er vermag wohl mit Herrn Gotamo über 579
einen Gegenstand hier ein Gespräch zu führen.«
Da wusste nun der Erhabene: ›Gewiss wird Kāpaṭhiko der junge
Brāhmane die Kenntniss der drei Veden erworben haben, und
desshalb räumen ihm die Priester einen solchen Vorrang ein.‹
Aber Kāpaṭhiko der junge Brāhmane sagte zu sich: ›Wann der
Asket Gotamo seinen Blick meinem Blicke begegnen lässt,
so werd’ ich dem Asketen Gotamo eine Frage stellen.‹ Und
der Erhabene, im Geiste den Geist und Gedanken des jungen
Brāhmanen Kāpaṭhiko erkennend, lenkte den Blick nach ihm.
Da gedachte nun Kāpaṭhiko der junge Brāhmane: ›Der Blick des
Asketen Gotamo ruht auf mir: wie, wenn ich nun dem Asketen
Gotamo eine Frage stellte?‹ Und Kāpaṭhiko der junge Brāhmane
sprach zum Erhabenen also:
»Was da, o Gotamo, der Priester uralte Spruchlieder anlangt,
die auf Treu und Glauben, einem Korbe gleich von Hand zu Hand
weitergehn, kommen dabei die Priester in einem Punkte überein,
‚Dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‘: was hält Herr Gotamo
davon?«
»Was glaubst du, Bhāradvājo: giebt es unter den Priestern auch
nur einen Priester, der da gesagt hat: ›Ich selber weiß es, ich
selber seh’ es; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹?«
»Wohl nicht, o Gotamo!«
»Was glaubst du, Bhāradvājo: giebt es unter den Priestern
auch nur einen Meister, oder Meister und Altmeister, bis zum
siebenten Großmeisterahnen hinauf, der da gesagt hat: ›Ich
selber weiß es, ich selber seh’ es; dies nur ist Wahrheit,
Unsinn anderes‹?«
»Wohl nicht, o Gotamo!«
»Was glaubst du, Bhāradvājo: die da vormals der Priester Seher
waren, die Verfasser der Sprüche, Verkünder der Sprüche, deren
uralte Spruchlieder, wie sie gesungen, ausgesprochen, gesammelt 580
wurden, die Priester heute und hier ihnen nachsingen, ihnen
nachsagen, das Gesagte weitersagen, das Gelehrte weiterlehren,
als da waren Aṭṭhako, Vāmako, Vāmadevo, Vessāmitto, Yamataggi,
Aṉgiraso, Bhāradvājo, Vāseṭṭho, Kassapo, Bhagu[247]: haben etwa
diese gesagt: ›Wir selber wissen es, wir selber sehn es; dies
nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹?«
»Wohl nicht, o Gotamo!«
»So giebt es denn, Bhāradvājo, unter den Priestern auch nicht
einen Priester, der da gesagt hat: ›Ich selber weiß es, ich
selber seh’ es; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹; giebt
es unter den Priestern auch nicht einen Meister, oder Meister
und Altmeister, bis zum siebenten Großmeisterahnen hinauf,
der da gesagt hat: ›Ich selber weiß es, ich selber seh’ es;
dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹; und die da vormals der
Priester Seher waren, die Verfasser der Sprüche, Verkünder
der Sprüche, deren uralte Spruchlieder, wie sie gesungen,
ausgesprochen, gesammelt wurden, die Priester heute und hier
ihnen nachsingen, ihnen nachsagen, das Gesagte weitersagen, das
Gelehrte weiterlehren, als da waren Aṭṭhako, Vāmako, Vāmadevo,
Vessāmitto, Yamataggi, Aṉgiraso, Bhāradvājo, Vāseṭṭho, Kassapo,
Bhagu: auch diese haben nicht gesagt: ›Wir selber wissen es,
wir selber sehn es; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes.‹
Gleichwie etwa, Bhāradvājo, eine Reihe Blinder, einer dem
anderen angeschlossen, und kein vorderer sieht, und kein
mittlerer sieht, und kein letzterer sieht: ebenso nun auch,
Bhāradvājo, als eine Reihe Blinder will mir das Reden der
Priester erscheinen, wo kein vorderer sieht, und kein mittlerer
sieht, und kein letzterer sieht.[248] Was meinst du wohl, 581
Bhāradvājo: ist also nicht das Vertrauen zu den Priestern
grundlos?«
»Man geht ja nicht, o Gotamo, nur aus Vertrauen zu den
Priestern, auch um des Hörensagens willen geht man zu ihnen.«
»Erst bist du da, Bhāradvājo, auf das Vertrauen gekommen:
vom Hörensagen redest du jetzt. -- Fünf Dinge giebt es,
Bhāradvājo, die da im Leben zweierlei Ausgang haben: welche
fünf? Vertrauen, Hingabe, Hörensagen, prüfendes Urtheil,
geduldig Einsicht nehmen. Das sind, Bhāradvājo, fünf Dinge, die
da im Leben zweierlei Ausgang haben. Denn man kann, Bhāradvājo,
einer Sache gar wohl vertrauen, und sie ist hohl und leer und
falsch; und man kann ihr auch wohl nicht vertrauen, und sie ist
ächt und wahr[249] und wirklich. Denn man kann, Bhāradvājo,
einer Sache gar wohl sich hingeben, gar wohl sie vom Hörensagen
kennen, gar wohl prüfend beurtheilen, gar wohl in sie geduldig
Einsicht nehmen, und sie ist hohl und leer und falsch; und
man kann sich einer Sache auch wohl nicht hingeben, sie vom
Hörensagen auch wohl nicht kennen, auch wohl nicht prüfend
beurtheilen, auch wohl nicht in sie geduldig Einsicht nehmen,
und sie ist ächt und wahr und wirklich. Wer der Wahrheit
nachgeht, Bhāradvājo, ein verständiger Mann, der wird da nicht
gleich einseitig den Schluss ziehn: ›Dies nur ist Wahrheit,
Unsinn anderes‹.«
»Inwiefern aber, o Gotamo, geht man der Wahrheit nach? Wie kann
man der Wahrheit nachgehn? Was der Wahrheit nachgehn sei fragen
wir Herrn Gotamo.«
»Wenn da, Bhāradvājo, ein Mann Vertrauen hat, und er sich
sagt ›Also ist mein Vertrauen‹ und der Wahrheit nachgeht, so
wird er da nicht schon einseitig den Schluss ziehn: ›Dies nur
ist Wahrheit, Unsinn anderes.‹ Wenn da, Bhāradvājo, ein Mann
sich einer Sache hingiebt, sie vom Hörensagen kennt, prüfend
beurtheilt, in sie geduldig Einsicht nimmt, und er sich sagt
›Also nehm’ ich in sie geduldig Einsicht‹ und der Wahrheit
nachgeht, so wird er da nicht schon einseitig den Schluss
ziehn: ›Dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes.‹ Insofern, 582
Bhāradvājo, geht man der Wahrheit nach, so kann man der
Wahrheit nachgehn, und insofern erklären wir was der Wahrheit
nachgehn sei: doch ist es noch nicht der Wahrheit Nachkunft.«
»Insofern, o Gotamo, geht man der Wahrheit nach, so kann man
der Wahrheit nachgehn, und insofern verstehn wir was der
Wahrheit nachgehn sei. Inwiefern aber, o Gotamo, kommt man der
Wahrheit nach? Wie kann man der Wahrheit nachkommen? Was der
Wahrheit Nachkunft sei fragen wir Herrn Gotamo.«
»Es weile da, Bhāradvājo, ein Mönch in der Nähe eines Dorfes
oder einer Burg. Und es sucht ihn ein Hausvater auf, oder der
Sohn eines Hausvaters. Und er forscht ihn auf dreifache Weise
aus, über Gier und Hass und Irre: ›Hat etwa dieser Ehrwürdige
solche Eigenschaften der Gier an sich, dass er, im Herzen
von ihnen eingenommen, wenn er nichts weiß ‚Ich weiß es‘,
wenn er nichts sieht ‚Ich seh’ es‘ sagen, oder andere derart
unterweisen mag, dass es ihnen lange zum Unheil und Leiden
gereichen kann?‹ Und indem er ihn erforscht erkennt er: ›Nicht 583
hat dieser Ehrwürdige solche Eigenschaften der Gier an sich,
dass er, im Herzen von ihnen eingenommen, wenn er nichts weiß
‚Ich weiß es‘, wenn er nichts sieht ‚Ich seh’ es‘ sagen, oder
andere derart unterweisen mag, dass es ihnen lange zum Unheil
und Leiden gereichen kann. Denn diesem Ehrwürdigen eignet
solches Betragen und solche Rede, wie es Gierlosen ansteht.
Und die Lehre, welche der Ehrwürdige darlegt, diese Lehre ist
tief, schwer zu entdecken, schwer zu gewahren, still, erlesen,
unbekrittelbar, innig, Weisen erfindlich: nicht wohl kann
diese Lehre von Begehrlichem dargelegt werden.‹ Und hat er ihn,
also erforschend, lauter von Eigenschaften der Gier befunden,
so forscht er ihn weiter aus, über Eigenschaften des Hasses:
›Hat etwa dieser Ehrwürdige solche Eigenschaften des Hasses an
sich, dass er, im Herzen von ihnen eingenommen, wenn er nichts
weiß ‚Ich weiß es‘, wenn er nichts sieht ‚Ich seh’ es‘ sagen,
oder andere derart unterweisen mag, dass es ihnen lange zum
Unheil und Leiden gereichen kann?‹ Und indem er ihn erforscht
erkennt er: ›Nicht hat dieser Ehrwürdige solche Eigenschaften
des Hasses an sich, dass er, im Herzen von ihnen eingenommen,
wenn er nichts weiß ‚Ich weiß es‘, wenn er nichts sieht ‚Ich
seh’ es‘ sagen, oder andere derart unterweisen mag, dass es
ihnen lange zum Unheil und Leiden gereichen kann. Denn diesem
Ehrwürdigen eignet solches Betragen und solche Rede, wie
es Hasslosen ansteht. Und die Lehre, welche der Ehrwürdige
darlegt, diese Lehre ist tief, schwer zu entdecken, schwer 584
zu gewahren, still, erlesen, unbekrittelbar, innig, Weisen
erfindlich: nicht wohl kann diese Lehre von Gehässigen
dargelegt werden.‹ Und hat er ihn, also erforschend, lauter von
Eigenschaften des Hasses befunden, so forscht er ihn weiter
aus, über Eigenschaften der Irre: ›Hat etwa dieser Ehrwürdige
solche Eigenschaften der Irre an sich, dass er, im Herzen
von ihnen eingenommen, wenn er nichts weiß ‚Ich weiß es‘,
wenn er nichts sieht ‚Ich seh’ es‘ sagen, oder andere derart
unterweisen mag, dass es ihnen lange zum Unheil und Leiden
gereichen kann?‹ Und indem er ihn erforscht erkennt er: ›Nicht
hat dieser Ehrwürdige solche Eigenschaften der Irre an sich,
dass er, im Herzen von ihnen eingenommen, wenn er nichts weiß
‚Ich weiß es‘, wenn er nichts sieht ‚Ich seh’ es‘ sagen, oder
andere derart unterweisen mag, dass es ihnen lange zum Unheil
und Leiden gereichen kann. Denn diesem Ehrwürdigen eignet
solches Betragen und solche Rede, wie es Irrlosen ansteht.
Und die Lehre, welche der Ehrwürdige darlegt, diese Lehre ist
tief, schwer zu entdecken, schwer zu gewahren, still, erlesen,
unbekrittelbar, innig, Weisen erfindlich: nicht wohl kann diese
Lehre von Irrigen dargelegt werden.‹ Und hat er ihn, also
erforschend, lauter von Eigenschaften der Irre befunden, so
fasst er Vertrauen zu ihm. Hat er Vertrauen gefasst, so kommt
er heran. Herangekommen gesellt er sich zu. Zugesellt giebt
er Gehör. Offenen Ohres hört er die Lehre. Hat er die Lehre
gehört behält er sie. Hat er die Sätze behalten betrachtet er
den Inhalt. Hat er den Inhalt betrachtet gewähren ihm die Sätze 585
Einsicht. Indem ihm die Sätze Einsicht gewähren billigt er sie.
Indem er sie billigt lässt er sie gelten. Hat er sie gelten
lassen wägt er ab. Hat er abgewogen arbeitet er. Und weil er
innig arbeitet verwirklicht er eben leibhaftig die höchste
Wahrheit, und weise durchbohrend erschaut er sie. Insofern,
Bhāradvājo, kommt man der Wahrheit nach, so kann man der
Wahrheit nachkommen, und insofern erklären wir was der Wahrheit
Nachkunft sei: doch ist es noch nicht der Wahrheit Nachfolge.«
»Insofern, o Gotamo, kommt man der Wahrheit nach, so kann man
der Wahrheit nachkommen, und insofern verstehn wir was der
Wahrheit Nachkunft sei. Inwiefern aber, o Gotamo, folgt man der
Wahrheit nach? Wie kann man der Wahrheit nachfolgen? Was der
Wahrheit Nachfolge sei fragen wir Herrn Gotamo.«
»Eben diese Dinge, Bhāradvājo, pflegen und entwickeln und
ausbilden ist der Wahrheit Nachfolge. Insofern, Bhāradvājo,
folgt man der Wahrheit nach, so kann man der Wahrheit
nachfolgen, und insofern erklären wir was der Wahrheit
Nachfolge sei.«
»Insofern, o Gotamo, folgt man der Wahrheit nach, so kann man
der Wahrheit nachfolgen, und insofern verstehn wir was der
Wahrheit Nachfolge sei. Was ist aber wichtig, o Gotamo, um der
Wahrheit nachzufolgen? Was um der Wahrheit nachzufolgen wichtig
sei fragen wir Herrn Gotamo.«
»Um der Wahrheit nachzufolgen, Bhāradvājo, ist arbeiten
wichtig. Wer da nicht arbeitet kann nicht der Wahrheit
nachfolgen. Doch weil er arbeitet folgt er der Wahrheit nach.
Darum ist um der Wahrheit nachzufolgen arbeiten wichtig.« 586
»Was ist aber wichtig, o Gotamo, um zu arbeiten? Was um zu
arbeiten wichtig sei fragen wir Herrn Gotamo.«
»Um zu arbeiten, Bhāradvājo, ist abwägen wichtig. Wer da nicht
abwägt kann nicht arbeiten. Doch weil er abwägt arbeitet er.
Darum ist um zu arbeiten abwägen wichtig.«
»Was ist aber wichtig, o Gotamo, um abzuwägen? Was um abzuwägen
wichtig sei fragen wir Herrn Gotamo.«
»Um abzuwägen, Bhāradvājo, ist geltenlassen wichtig. Wer da
nicht gelten lässt kann nicht abwägen. Doch weil er gelten
lässt wägt er ab. Darum ist um abzuwägen geltenlassen wichtig.«
»Was ist aber wichtig, o Gotamo, um geltenzulassen? Was um
geltenzulassen wichtig sei fragen wir Herrn Gotamo.«
»Um geltenzulassen, Bhāradvājo, ist billigen wichtig. Wer da
nicht billigt kann nicht geltenlassen. Doch weil er billigt
lässt er gelten. Darum ist um geltenzulassen billigen wichtig.«
»Was ist aber wichtig, o Gotamo, um zu billigen? Was um zu
billigen wichtig sei fragen wir Herrn Gotamo.«
»Um zu billigen, Bhāradvājo, ist es wichtig, dass die Sätze
Einsicht gewähren. Wem da die Sätze keine Einsicht gewähren,
der kann nicht billigen. Doch weil ihm die Sätze Einsicht
gewähren billigt er. Darum ist es um zu billigen wichtig, dass
die Sätze Einsicht gewähren.«[250]
»Was ist aber wichtig, o Gotamo, auf dass die Sätze Einsicht
gewähren? Was um der Sätze Einsichtgewährung wichtig sei fragen
wir Herrn Gotamo.«
»Auf dass die Sätze Einsicht gewähren, Bhāradvājo, ist es
wichtig den Inhalt betrachten. Wer da nicht den Inhalt 587
betrachtet, dem können die Sätze keine Einsicht gewähren. Doch
weil er den Inhalt betrachtet gewähren ihm die Sätze Einsicht.
Darum ist es um der Sätze Einsichtgewährung wichtig den Inhalt
betrachten.«
»Was ist aber wichtig, o Gotamo, um den Inhalt zu betrachten?
Was um den Inhalt zu betrachten wichtig sei fragen wir Herrn
Gotamo.«
»Um den Inhalt zu betrachten, Bhāradvājo, ist es wichtig die
Sätze behalten. Wer da nicht die Sätze behält kann nicht den
Inhalt betrachten. Doch weil er die Sätze behält betrachtet er
den Inhalt. Darum ist es um den Inhalt zu betrachten wichtig
die Sätze behalten.«
»Was ist aber wichtig, o Gotamo, um die Sätze zu behalten? Was
um die Sätze zu behalten wichtig sei fragen wir Herrn Gotamo.«
»Um die Sätze zu behalten, Bhāradvājo, ist es wichtig die
Lehre hören. Wer da die Lehre nicht hört kann die Sätze nicht
behalten. Doch weil er die Lehre hört kann er die Sätze
behalten. Darum ist es um die Sätze zu behalten wichtig die
Lehre hören.«
»Was ist aber wichtig, o Gotamo, um die Lehre zu hören? Was um
die Lehre zu hören wichtig sei fragen wir Herrn Gotamo.«
»Um die Lehre zu hören, Bhāradvājo, ist Gehör geben wichtig.
Wer da nicht Gehör giebt kann die Lehre nicht hören. Doch weil
er Gehör giebt hört er die Lehre. Darum ist es um die Lehre zu
hören wichtig Gehör geben.«
»Was ist aber wichtig, o Gotamo, um Gehör zu geben? Was um 588
Gehör zu geben wichtig sei fragen wir Herrn Gotamo.«
»Um Gehör zu geben, Bhāradvājo, ist zugesellen wichtig. Wer
sich da nicht zugesellt kann nicht Gehör geben. Doch weil er
sich zugesellt giebt er Gehör. Darum ist es um Gehör zu geben
wichtig sich zugesellen.«
»Was ist aber wichtig, o Gotamo, um sich zuzugesellen? Was um
sich zuzugesellen wichtig sei fragen wir Herrn Gotamo.«
»Um sich zuzugesellen, Bhāradvājo, ist herankommen wichtig. Wer
da nicht herankommt kann sich nicht zugesellen. Doch weil er
herankommt gesellt er sich zu. Darum ist um sich zuzugesellen
wichtig herankommen.«
»Was ist aber wichtig, o Gotamo, um heranzukommen? Was um
heranzukommen wichtig sei fragen wir Herrn Gotamo.«
»Um heranzukommen, Bhāradvājo, ist Vertrauen wichtig. Wer
da kein Vertrauen hat kann nicht herankommen. Doch weil er
Vertrauen hat kommt er heran. Darum ist um heranzukommen
Vertrauen wichtig.«
* * * * *
»Was der Wahrheit Nachgehn sei haben wir Herrn Gotamo gefragt:
was der Wahrheit Nachgehn ist hat Herr Gotamo erklärt; und es
hat uns gefallen und behagt und wir sind es zufrieden. Was der
Wahrheit Nachkunft sei haben wir Herrn Gotamo gefragt: was der
Wahrheit Nachkunft ist hat Herr Gotamo erklärt; und es hat uns
gefallen und behagt und wir sind es zufrieden. Was der Wahrheit
Nachfolge sei haben wir Herrn Gotamo gefragt: was der Wahrheit 589
Nachfolge ist hat Herr Gotamo erklärt; und es hat uns gefallen
und behagt und wir sind es zufrieden. Was um der Wahrheit
nachzufolgen wichtig sei haben wir Herrn Gotamo gefragt: was um
der Wahrheit nachzufolgen wichtig ist hat Herr Gotamo erklärt;
und es hat uns gefallen und behagt und wir sind es zufrieden.
Was wir eben auch Herrn Gotamo gefragt haben, das hat eben
auch Herr Gotamo erklärt; und es hat uns gefallen und behagt
und wir sind es zufrieden. -- Wir haben ja früher, o Gotamo,
also gedacht: ›Was sind das doch für kahlköpfige Asketen da,
ein dreistes Gesindel, einer dem anderen auf den Fersen: was
werden die von Wahrheit wissen!‹ Erzeugt hat mir, wahrlich,
Herr Gotamo Asketenliebe zu den Asketen, Asketenfreude an den
Asketen, Asketenehrfurcht vor den Asketen. -- Vortrefflich,
o Gotamo, vortrefflich, o Gotamo! Gleichwie etwa, o Gotamo,
als ob man Umgestürztes aufstellte, oder Verdecktes enthüllte,
oder Verirrten den Weg wiese, oder Licht in die Finsterniss
brächte: ›Wer Augen hat wird die Dinge sehn‹: ebenso auch ist
von Herrn Gotamo die Lehre gar vielfach gezeigt worden. Und so
nehm’ ich bei Herrn Gotamo Zuflucht, bei der Lehre und bei der
Jüngerschaft: als Anhänger möge mich Herr Gotamo betrachten,
von heute an zeitlebens getreu.«[251]
96.
Zehnter Theil Sechste Rede
ESUKĀRĪ
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei
Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.
Da nun begab sich Esukārī[252] der Priester dorthin wo der
Erhabene weilte, wechselte höflichen Gruß und freundliche,
denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzte sich zur Seite
nieder. Zur Seite sitzend sprach nun Esukāri der Priester zum
Erhabenen also:
»Die Priester, o Gotamo, verkünden die viererlei Pflichten:
sie verkünden die Pflichten des Priesters, verkünden die
Pflichten des Kriegers, verkünden die Pflichten des Bürgers,
verkünden die Pflichten des Dieners. Da geben denn, o Gotamo, 590
die Priester als Pflichten des Priesters an: ›Der Priester
darf dem Priester dienen, der Krieger darf dem Priester
dienen, der Bürger darf dem Priester dienen, der Diener
darf dem Priester dienen.‹ Das geben, o Gotamo, die Priester
als Pflichten des Priesters an. Da geben denn, o Gotamo, die
Priester als Pflichten des Kriegers an: ›Der Krieger darf dem
Krieger dienen, der Bürger darf dem Krieger dienen, der Diener
darf dem Krieger dienen.‹ Das geben, o Gotamo, die Priester
als Pflichten des Kriegers an. Da geben denn, o Gotamo, die
Priester als Pflichten des Bürgers an: ›Der Bürger darf dem
Bürger dienen, der Diener darf dem Bürger dienen.‹ Das geben,
o Gotamo, die Priester als Pflichten des Bürgers an. Da geben
denn, o Gotamo, die Priester als Pflichten des Dieners an:
›Der Diener nur darf dem Diener dienen: wer wird auch anders
einem Diener dienen?‹ Das geben, o Gotamo, die Priester als
Pflichten des Dieners an. Die Priester, o Gotamo, verkünden
diese viererlei Pflichten. Was hält nun Herr Gotamo davon?«
»Sag’ mir doch, Priester: giebt das die ganze Welt den
Priestern zu, dass diese viererlei Pflichten gelten sollen?«
»Das wohl nicht, o Gotamo!«
»Gleichwie etwa, Priester, wenn da ein Mann wäre, arm, unfrei,
unselbständig; und man nöthigte ihm gegen seinen Willen einen
Bissen auf: ›Da hast du, lieber Mann, ein Stück Fleisch zu
essen, und das musst du mit Geld bezahlen‹: ebenso nun auch, 591
Priester, haben sich die Priester mit den anderen Priestern und
Asketen nicht verständigt, sondern sie verkünden eben diese
viererlei Pflichten. Ich sage nicht, Priester, dass man jedem
dienen solle; ich sag’ auch nicht, Priester, dass man keinem
dienen solle. Denn wer da, Priester, indem er einem dient,
durch den Dienst schlechter würde, nicht besser: dem, sag’ ich,
soll man nicht dienen. Doch wer da, Priester, indem er einem
dient, durch den Dienst besser würde, nicht schlechter: dem,
sag’ ich, soll man dienen. Wenn man da, Priester, einen Krieger
fragte: ›In wessen Dienste dienend du schlechter würdest,
nicht besser; und in wessen Dienste dienend du besser würdest,
nicht schlechter: eines wessen Dienst möchtest du da wählen?‹,
so würde wohl, Priester, der Krieger rechte Antwort also
geben: ›In wessen Dienste dienend ich schlechter würde, nicht
besser: dem mag ich nicht dienen; in wessen Dienste dienend
ich aber besser würde, nicht schlechter: dem mag ich dienen.‹
Wenn man da, Priester, einen Priester fragte, einen Bürger,
einen Diener fragte: ›In wessen Dienste dienend du schlechter
würdest, nicht besser; und in wessen Dienste dienend du besser
würdest, nicht schlechter: eines wessen Dienst möchtest du da
wählen?‹, so würde wohl, Priester, der Priester und der Bürger
und der Diener rechte Antwort also geben: ›In wessen Dienste
dienend ich schlechter würde, nicht besser: dem mag ich nicht
dienen; in wessen Dienste dienend ich aber besser würde, nicht
schlechter: dem mag ich dienen.‹ 592
»Ich sage nicht, Priester, dass hohe Geburt besser mache;
ich sag’ auch nicht, Priester, dass hohe Geburt schlechter
mache. Ich sage nicht, Priester, dass große Schönheit besser
mache; ich sag’ auch nicht, Priester, dass große Schönheit
schlechter mache. Ich sage nicht, Priester, dass großer
Reichthum besser mache: ich sag’ auch nicht, Priester, dass
großer Reichthum schlechter mache.[253] Auch von hoher Geburt
ist ja da, Priester, mancher ein Mörder, ist ein Dieb, ist ein
Wüstling, Lügner, Verleumder, ist ein Zänker und Schwätzer,
voll Gier und Hass und Eitelkeit: darum sag’ ich nicht,
dass hohe Geburt besser mache. Auch von hoher Geburt ist ja
da, Priester, mancher kein Mörder, ist kein Dieb, ist kein
Wüstling, Lügner, Verleumder, ist kein Zänker und Schwätzer,
ist nicht begehrlich, nicht gehässig, recht gesinnt: darum
sag’ ich nicht, dass hohe Geburt schlechter mache. Auch mit 593
großer Schönheit, Priester, auch mit großem Reichthum ist ja
da mancher ein Mörder, ist ein Dieb, ist ein Wüstling, Lügner,
Verleumder, ist ein Zänker und Schwätzer, voll Gier und Hass
und Eitelkeit: darum sag’ ich nicht, dass große Schönheit,
großer Reichthum besser mache. Auch mit großer Schönheit,
Priester, auch mit großem Reichthum ist ja da mancher kein
Mörder, ist kein Dieb, ist kein Wüstling, Lügner, Verleumder,
ist kein Zänker und Schwätzer, ist nicht begehrlich, nicht
gehässig, recht gesinnt: darum sag’ ich nicht, dass große
Schönheit, großer Reichthum schlechter mache. Ich sage nicht,
Priester, dass man jedem dienen solle; ich sag’ auch nicht,
Priester, dass man keinem dienen solle. Denn bei wem da,
Priester, indem er einem dient, durch den Dienst das Vertrauen
zunimmt, die Tugend zunimmt, die Erfahrung zunimmt, der
Opfermuth zunimmt, die Weisheit zunimmt: dem, sag’ ich, soll 594
man dienen.«
Nach diesen Worten wandte sich Esukārī der Priester also an den
Erhabenen:
»Die Priester, o Gotamo, verkünden vier Arten von Besitz:
sie verkünden das Besitzthum des Priesters, verkünden das
Besitzthum des Kriegers, verkünden das Besitzthum des Bürgers,
verkünden das Besitzthum des Dieners. Da geben denn, o Gotamo,
die Priester als Besitzthum des Priesters Almosenspende an; ein
Priester aber, der das Besitzthum von Almosenspende verachtet,
begeht Unrecht, dem Hüter gleich, der den Hort angreift. Das
geben, o Gotamo, die Priester als Besitzthum des Priesters
an. Da geben denn, o Gotamo, die Priester als Besitzthum
des Kriegers Bogen und Köcher an; ein Krieger aber, der das
Besitzthum von Bogen und Köcher verachtet, begeht Unrecht,
dem Hüter gleich, der den Hort angreift. Das geben, o Gotamo,
die Priester als Besitzthum des Kriegers an. Da geben denn, o
Gotamo, die Priester als Besitzthum des Bürgers Feldbau und
Viehzucht an; ein Bürger aber, der das Besitzthum von Feldbau
und Viehzucht verachtet, begeht Unrecht, dem Hüter gleich,
der den Hort angreift. Das geben, o Gotamo, die Priester
als Besitzthum des Bürgers an. Da geben denn, o Gotamo, die
Priester als Besitzthum des Dieners Hippe und Tragstock an;
ein Diener aber, der das Besitzthum von Hippe und Tragstock
verachtet, begeht Unrecht, dem Hüter gleich, der den Hort
angreift. Das geben, o Gotamo, die Priester als Besitzthum des
Dieners an. Die Priester, o Gotamo, verkünden diese vier Arten 595
von Besitz. Was hält nun Herr Gotamo davon?«
»Und sag’ mir, Priester: giebt das die ganze Welt den Priestern
zu, dass diese vier Arten von Besitz gelten sollen?«
»Das wohl nicht, o Gotamo!«