Mönche auf sich genommen. Lebendiges umzubringen hat er
verworfen, Lebendiges umzubringen liegt ihm fern: ohne Stock,
ohne Schwerdt, fühlsam, voll Theilnahme, hegt er zu allen
lebenden Wesen Liebe und Mitleid. Nichtgegebenes zu nehmen hat
er verworfen, vom Nehmen des Nichtgegebenen hält er sich fern:
Gegebenes nimmt er, Gegebenes wartet er ab, nicht diebisch
gesinnt, rein gewordenen Herzens. Die Unkeuschheit hat er
verworfen, keusch lebt er: fern zieht er hin, entrathen der
Paarung, dem gemeinen Gesetze. Lüge hat er verworfen, von Lüge 564
hält er sich fern: die Wahrheit spricht er, der Wahrheit ist
er ergeben, standhaft, vertrauenswürdig, kein Häuchler und
Schmeichler der Welt. Das Ausrichten hat er verworfen, vom
Ausrichten hält er sich fern: was er hier gehört hat erzählt er
dort nicht wieder, um jene zu entzweien, und was er dort gehört
hat erzählt er hier nicht wieder, um diese zu entzweien, so
einigt er Entzweite, festigt Verbundene, Eintracht macht ihn
froh, Eintracht freut ihn, Eintracht beglückt ihn, Eintracht
fördernde Worte spricht er. Barsche Worte hat er verworfen, von
barschen Worten hält er sich fern: Worte, die frei von Schimpf
sind, dem Ohre wohlthuend, liebreich, zum Herzen dringend,
höflich, viele erfreuend, viele erhebend, solche Worte spricht
er, Plappern und Plaudern hat er verworfen, von Plappern und
Plaudern hält er sich fern: zur rechten Zeit spricht er, den
Thatsachen gemäß, auf den Sinn bedacht, der Lehre und Ordnung
getreu, seine Rede ist reich an Inhalt, gelegentlich mit
Gleichnissen geschmückt, klar und bestimmt, ihrem Gegenstande
angemessen.
»Sämereien und Pflanzungen anzulegen hat er verschmäht. Einmal
des Tags nimmt er Nahrung zu sich, nachts ist er nüchtern,
fern liegt es ihm zur Unzeit zu essen. Von Tanz, Gesang,
Spiel, Schaustellungen hält er sich fern. Kränze, Wohlgerüche,
Salben, Schmuck, Zierrath, Putz weist er ab. Hohe, prächtige
Lagerstätten verschmäht er. Gold und Silber nimmt er nicht
an. Rohes Getreide nimmt er nicht an. Rohes Fleisch nimmt er
nicht an. Frauen und Mädchen nimmt er nicht an. Diener und
Dienerinen nimmt er nicht an. Ziegen und Schaafe nimmt er nicht
an. Hühner und Schweine nimmt er nicht an. Elephanten, Rinder 565
und Rosse nimmt er nicht an. Haus und Feld nimmt er nicht an.
Botschaften, Sendungen, Aufträge übernimmt er nicht. Von Kauf
und Verkauf hält er sich fern. Von falschem Maaß und Gewicht
hält er sich fern. Von den schiefen Wegen der Bestechung,
Täuschung, Niedertracht hält er sich fern. Von Raufereien,
Schlägereien, Händeln, vom Rauben, Plündern und Zwingen hält er
sich fern.
»Er ist zufrieden mit dem Gewande, das seinen Leib deckt,
mit der Almosenspeise, die sein Leben fristet. Wohin er auch
pilgert, nur mit dem Gewande und der Almosenschaale versehn
pilgert er. Gleichwie da etwa ein beschwingter Vogel, wohin er
auch fliegt, nur mit der Last seiner Federn fliegt, ebenso auch
ist der Mönch mit dem Gewande zufrieden, das seinen Leib deckt,
mit der Almosenspeise, die sein Leben fristet. Wohin er auch
wandert, nur damit versehn wandert er.
»Durch die Erfüllung dieser heiligen Tugendsatzung empfindet er
ein inneres fleckenloses Glück.
»Erblickt er nun mit dem Gesichte eine Form, so fasst er
keine Neigung, fasst keine Absicht. Da Begierde und Missmuth,
böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der
unbewachten Gesichtes verweilt, befleißigt er sich dieser
Bewachung, er hütet das Gesicht, er wacht eifrig über das
Gesicht.
»Hört er nun mit dem Gehöre einen Ton,
»Riecht er nun mit dem Geruche einen Duft,
»Schmeckt er nun mit dem Geschmacke einen Saft,
»Tastet er nun mit dem Getaste eine Tastung,
»Erkennt er nun mit dem Gedenken ein Ding, so fasst er keine
Neigung, fasst keine Absicht. Da Begierde und Missmuth,
böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der
unbewachten Gedenkens verweilt, befleißigt er sich dieser
Bewachung, er hütet das Gedenken, er wacht eifrig über das
Gedenken.
»Durch die Erfüllung dieser heiligen Sinnenzügelung empfindet 566
er ein inneres ungetrübtes Glück.
»Klar bewusst kommt er und geht er, klar bewusst blickt er hin,
blickt er weg, klar bewusst regt und bewegt er sich, klar
bewusst trägt er des Ordens Gewand und Almosenschaale, klar
bewusst isst und trinkt, kaut und schmeckt er, klar bewusst
entleert er Koth und Harn, klar bewusst geht und steht und
sitzt er, schläft er ein, wacht er auf, spricht er und schweigt
er.
»Treu dieser heiligen Tugendsatzung, treu dieser heiligen
Sinnenzügelung, treu dieser heiligen klaren Einsicht sucht er
einen abgelegenen Ruheplatz auf, einen Hain, den Fuß eines
Baumes, eine Felsengrotte, eine Bergesgruft, einen Friedhof,
die Waldesmitte, ein Streulager in der offenen Ebene. Nach
dem Mahle, wenn er vom Almosengange zurückgekehrt ist, setzt
er sich mit verschränkten Beinen nieder, den Körper gerade
aufgerichtet, und pflegt der Einsicht. Er hat weltliche
Begierde verworfen und verweilt begierdelosen Gemüthes, von
Begierde läutert er sein Herz. Gehässigkeit hat er verworfen,
hasslosen Gemüthes verweilt er, voll Liebe und Mitleid zu
allen lebenden Wesen läutert er sein Herz von Gehässigkeit.
Matte Müde hat er verworfen, von matter Müde ist er frei;
das Licht liebend, einsichtig, klar bewusst, läutert er sein
Herz von matter Müde. Stolzen Unmuth hat er verworfen, er ist
frei von Stolz; innig beruhigten Gemüthes läutert er sein
Herz von stolzem Unmuth. Das Schwanken hat er verworfen, der
Ungewissheit ist er entronnen; er zweifelt nicht am Guten, vom
Schwanken läutert er sein Herz.
»Er hat nun diese fünf Hemmungen aufgehoben, hat die Schlacken 567
des Gemüthes kennen gelernt, die lähmenden; gar fern von
Begierden, fern von unheilsamen Dingen lebt er in sinnend
gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit, in der Weihe der
ersten Schauung.
»Weiter sodann, Priester: nach Vollendung des Sinnens und
Gedenkens gewinnt der Mönch die innere Meeresstille, die
Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in
der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten
Schauung.
»Weiter sodann, Priester: in heiterer Ruhe verweilt der Mönch
gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet
er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig
Einsichtige lebt beglückt‹; so gewinnt er die Weihe der dritten
Schauung.
»Weiter sodann, Priester: nach Verwerfung der Freuden und
Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns
erreicht der Mönch die Weihe der leidlosen, freudlosen,
gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte
Schauung.[235]
»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen,
schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar,
richtet er das Gemüth auf die erinnernde Erkenntniss früherer
Daseinsformen. So kann er sich an manche verschiedene
frühere Daseinsform erinnern, als wie an ein Leben, dann an
zwei Leben, dann an drei Leben, dann an vier Leben, dann an
fünf Leben, dann an zehn Leben, dann an zwanzig Leben, dann
an dreißig Leben, dann an vierzig Leben, dann an fünfzig
Leben, dann an hundert Leben, dann an tausend Leben, dann
an hunderttausend Leben, dann an die Zeiten während mancher
Weltenentstehungen, dann an die Zeiten während mancher
Weltenvergehungen, dann an die Zeiten während mancher
Weltenentstehungen-Weltenvergehungen. ›Dort war ich, jenen
Namen hatte ich, jener Familie gehörte ich an, das war mein
Stand, das mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich 568
erfahren, so war mein Lebensende; dort verschieden trat ich
anderswo wieder ins Dasein: da war ich nun, diesen Namen hatte
ich, dieser Familie gehörte ich an, dies war mein Stand,
dies mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so
war mein Lebensende; da verschieden trat ich hier wieder ins
Dasein‹: so erinnert er sich mancher verschiedenen früheren
Daseinsform, mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den
eigenartigen Beziehungen.
»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert,
gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest,
unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die Erkenntniss des
Verschwindens-Erscheinens der Wesen. So kann er mit dem
himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen
hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen
sehn, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und
unglückliche, er erkennt wie die Wesen je nach den Thaten
wiederkehren. ›Diese lieben Wesen sind freilich in Thaten
dem Schlechten zugethan, in Worten dem Schlechten zugethan,
in Gedanken dem Schlechten zugethan, tadeln Heiliges, achten
Verkehrtes, thun Verkehrtes; bei der Auflösung des Leibes, nach
dem Tode, gelangen sie auf den Abweg, auf schlechte Fährte,
zur Tiefe hinab, in untere Welt. Jene lieben Wesen sind aber
in Thaten dem Guten zugethan, in Worten dem Guten zugethan,
in Gedanken dem Guten zugethan, tadeln nicht Heiliges, achten
Rechtes, thun Rechtes; bei der Auflösung des Leibes, nach dem
Tode, gelangen sie auf gute Fährte, in sälige Welt‹: so kann er
mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche
Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und
wiedererscheinen sehn, gemeine und edle, schöne und unschöne,
glückliche und unglückliche, er kann erkennen wie die Wesen je
nach den Thaten wiederkehren.
»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen,
schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar,
richtet er das Gemüth auf die Erkenntniss der Wahnversiegung.
›Das ist das Leiden‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist 569
die Leidensentwicklung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist
die Leidensauflösung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist
der zur Leidensauflösung führende Pfad‹ erkennt er der Wahrheit
gemäß. ›Das ist der Wahn‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das
ist die Wahnentwicklung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das
ist die Wahnauflösung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist
der zur Wahnauflösung führende Pfad‹ erkennt er der Wahrheit
gemäß.
»Also erkennend, also sehend wird da sein Gemüth erlöst
vom Wunscheswahn, erlöst vom Daseinswahn, erlöst vom
Nichtwissenswahn. ›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese
Erkenntniss geht auf. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das
Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹
versteht er da.
»Den heißt man, Priester, einen Menschen, der weder ein
Selbstquäler, nicht der Uebung der Selbstquaal eifrig
ergeben ist, noch ein Nächstenquäler, nicht der Uebung der
Nächstenquaal eifrig ergeben ist: der ohne Selbstquaal, ohne
Nächstenquaal schon bei Lebzeiten ausgeglüht, erloschen, kühl
geworden ist, sich wohlfühlt, heilig geworden im Herzen.«
Nach diesen Worten wandte sich Ghoṭamukho der Priester also an
den ehrwürdigen Udeno:
»Vortrefflich, o Udeno, vortrefflich, o Udeno! Gleichwie etwa,
o Udeno, als ob man Umgestürztes aufstellte, oder Verdecktes
enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder Licht in die
Finsterniss brächte: ›Wer Augen hat wird die Dinge sehn‹:
ebenso auch ist von Herrn Udeno die Lehre gar vielfach gezeigt
worden. Und so nehm’ ich bei Herrn Udeno Zuflucht, bei der 570
Lehre und bei der Jüngerschaft: als Anhänger möge mich Herr
Udeno betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«
»Nicht bei mir, Priester, wolle du Zuflucht nehmen: sondern
bei Ihm, dem Erhabenen, nimm Zuflucht, bei dem ich Zuflucht
genommen.«
»Wo aber, o Udeno, weilt Er jetzt, der Erhabene, der Heilige,
vollkommen Erwachte?«
»Erloschen ist Er nun, Priester, der Erhabene, der Heilige,
vollkommen Erwachte.«
»Wenn wir da hörten, o Udeno, Er, der Herr Gotamo, sei dreißig
Meilen fern, so würden wir eben dreißig Meilen wandern, Ihn,
den Herrn Gotamo zu sehn, den Heiligen, vollkommen Erwachten.
Wenn wir da hörten, o Udeno, Er, der Herr Gotamo, sei sechzig
Meilen fern, sei neunzig Meilen, hundertzwanzig Meilen,
hundertfünfzig Meilen fern, so würden wir eben hundertfünfzig
Meilen wandern, Ihn, den Herrn Gotamo zu sehn, den Heiligen,
vollkommen Erwachten. Und wenn wir da hörten, o Udeno,
dreihundert Meilen sei Er, der Herr Gotamo, fern, so würden
wir eben dreihundert Meilen wandern, Ihn, den Herrn Gotamo zu
sehn, den Heiligen, vollkommen Erwachten. Weil nun aber, o
Udeno, Er, der Herr Gotamo, erloschen ist, so nehmen wir eben
bei Ihm, dem Herrn Gotamo, der erloschen ist, unsere Zuflucht,
und bei der Lehre und bei der Jüngerschaft: als Anhänger möge
mich Herr Udeno betrachten, von heute an zeitlebens getreu. --
Es hat mir, o Udeno, der König von Bengālen einen ständigen
Tagesunterhalt ausgesetzt: einen davon widme ich Herrn Udeno.«
»Was hat dir denn, Priester, der König von Bengālen als
ständigen Tagesunterhalt ausgesetzt?«
»Fünfhundert Gulden, o Udeno.«[236]
»Nicht kommt es uns, Priester, zu, Gold und Silber anzunehmen.« 571
»Wenn das Herrn Udeno nicht zukommt, so werd’ ich eine
Wohnstätte für Herrn Udeno erbauen lassen.«
»Hast du schon, Priester, die Absicht, eine Wohnstätte für
mich erbauen zu lassen, so lasse doch der Mönchgemeinde zu
Pāṭaliputtam einen Empfangsaal erbauen.«
»Dadurch hat mich Herr Udeno nur noch viel mehr zufrieden
und froh gemacht, dass mich Herr Udeno zu einer Gabe an die
Mönchgemeinde ermuntert. Und so will ich, o Udeno, mit diesem
Tagesunterhalt, und noch einem anderen dazu, der Mönchgemeinde
zu Pāṭaliputtam einen Empfangsaal erbauen lassen.«
* * * * *
Und Ghoṭamukho der Priester ließ mit diesem Tagesunterhalt,
und noch einem anderen dazu, der Mönchgemeinde zu Pāṭaliputtam
einen Empfangsaal erbauen. Dieser wird heute ‚Ghoṭamukher‘
genannt.[237]
95.
Zehnter Theil Fünfte Rede
CAṈKĪ
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit wanderte der Erhabene
im Lande Kosalo von Ort zu Ort und kam, von vielen Mönchen
begleitet, in die Nähe eines Priesterdorfes der Kosaler Namens
Opāsādam.
Zu Opāsādam weilte nun der Erhabene, nördlich vom Dorfe, im
Götterhain am Kronwalde.
Um diese Zeit aber lebte Caṉkī der Priester zu Opāsādam, das,
gar heiter anzuschauen, mit Weide-, Wald- und Wasserplätzen,
mit Kornkammern, mit königlichem Reichthum begabt, von König
Pasenadi von Kosalo als Königsgabe den Priestern zu eigen
gegeben war.
Und es hörten die priesterlichen Hausväter in Opāsādam reden:
›Der Asket, wahrlich, Herr Gotamo, der Sakyersohn, der dem Erbe 572
der Sakyer entsagt hat, wandert in unserem Lande von Ort zu Ort
und ist mit vielen Mönchen in Opāsādam angekommen. Diesen Herrn
Gotamo aber begrüßt man allenthalben mit dem frohen Ruhmesrufe,
so zwar: ‚Das ist der Erhabene, der Heilige, vollkommen
Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene,
der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerheerde,
der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der
Erhabene. Er zeigt diese Welt mit ihren Göttern, ihren bösen
und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Priestern und
Büßern, Göttern und Menschen, nachdem er sie selbst verstanden
und durchdrungen hat. Er verkündet die Lehre, deren Anfang
begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn-
und wortgetreue, er legt das vollkommen geläuterte, geklärte
Asketenthum dar. Glücklich wer da nun solche Heilige sehn
kann!‘‹
Und die priesterlichen Hausväter von Opāsādam zogen aus dem
Dorfe hinaus, zahlreich, in Schaaren zusammengekommen, nach
Norden gewandt[238], zum Götterhain am Kronwalde. Damals
nun hatte Caṉkī der Priester oben auf der Zinne seines
Hauses Tagesrast genommen. Da sah denn Caṉkī der Priester
die priesterlichen Hausväter von Opāsādam aus dem Dorfe
hinausziehn, zahlreich, in Schaaren zusammengekommen, nach
Norden gewandt, zum Götterhain am Kronwalde, und als er sie
gesehn wandte er sich an seinen Thorwart:
»Was gehn denn da, lieber Thorwart, die priesterlichen
Hausväter von Opāsādam aus dem Dorfe hinaus, zahlreich, in
Schaaren zusammengekommen, nach Norden gewandt, zum Götterhain
am Kronwalde?«
»Es ist, Herr Caṉkī, der Asket Gotamo, der Sakyersohn, der dem
Erbe der Sakyer entsagt hat, der hierzulande von Ort zu Ort
wandert, von vielen Mönchen gefolgt, bei Opāsādam angekommen, 573
weilt bei Opāsādam, nördlich vom Dorfe, im Götterhain am
Kronwalde. Diesen Herrn Gotamo aber begrüßt man allenthalben
mit dem frohen Ruhmesrufe, so zwar: ›Das ist der Erhabene, der
Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte,
der Willkommene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter
der Männerheerde, der Meister der Götter und Menschen, der
Erwachte, der Erhabene.‹ Diesen Herrn Gotamo gehn sie besuchen.«
»So geh’ doch, lieber Thorwart, zu den priesterlichen
Hausvätern dort hin und sprich also zu ihnen: ›Caṉkī, ihr
Herren, der Priester, lässt sagen, es möchten die Herren
etwas warten: auch Caṉkī der Priester will den Asketen Gotamo
besuchen.‹«
»Jawohl, Herr!« entgegnete da gehorsam der Thorwart Caṉkī dem
Priester. Und er begab sich zu den priesterlichen Hausvätern
dort hin und sprach also zu ihnen:
»Caṉkī, ihr Herren, der Priester, lässt sagen, es möchten die
Herren etwas warten: auch Caṉkī der Priester will den Asketen
Gotamo besuchen.«
Damals nun waren gegen fünfhundert Priester aus verschiedenen
Landen in Opāsādam zusammengekommen, irgend eine Angelegenheit
zu verhandeln. Und sie hörten, dass Caṉkī der Priester den
Asketen Gotamo besuchen wolle. Da begaben sich denn diese 574
Priester zu Caṉkī dem Priester hin; und sie sprachen also zu
ihm:
»Ist es wahr, wie man sagt, dass Herr Caṉkī den Asketen Gotamo
besuchen will?«
»Gewiss, ihr Herren, auch ich denke den Asketen Gotamo zu
besuchen.«
»Nicht Herr Caṉkī darf den Asketen Gotamo besuchen; nicht
geziemt es Herrn Caṉkī den Asketen Gotamo zu besuchen: dem
Asketen Gotamo vielmehr geziemt es Herrn Caṉkī zu besuchen.
Denn Herr Caṉkī ist beiderseit wohlgeboren, vom Vater und von
der Mutter aus, lauter empfangen, bis zum siebenten Ahnherrn
hinauf unbefleckt, untadelhaft von Geburt. Weil aber Herr
Caṉkī beiderseit wohlgeboren ist, vom Vater und von der Mutter
aus, lauter empfangen, bis zum siebenten Ahnherrn hinauf
unbefleckt, untadelhaft von Geburt, so geziemt es eben insofern
nicht Herrn Caṉkī den Asketen Gotamo zu besuchen: dem Asketen
Gotamo vielmehr geziemt es Herrn Caṉkī zu besuchen. Denn Herr
Caṉkī ist reich, mit Geld und Gut mächtig begabt. Denn Herr
Caṉkī ist ein Meister der drei Veden, sammt ihrer Auslegung
und Deutung, sammt ihrer Laut- und Formenlehre, und ihren
Sagen zufünft, der Gesänge kundig und ein Erklärer, der die
Merkmale eines großen Weltweisen aufweist. Denn Herr Caṉkī ist
schön, hold, liebenswürdig, mit höchster Anmuth begabt, mit
heiligem Glanze, heiligem Lichte, es ist keine geringe Gunst
ihn anzublicken. Denn Herr Caṉkī ist tugendrein, tugendreif, in
Tugend reif geworden. Denn Herr Caṉkī spricht angemessen, redet
angemessen, seine Rede ist höflich, deutlich, nicht stammelnd,
tauglich den Sinn darzulegen. Denn Herr Caṉkī ist vieler
Meister und Altmeister und lässt eine Schaar von dreihundert
Schülern die Sprüche bei sich erlernen. Denn Herr Caṉkī wird 575
von König Pasenadi von Kosalo werthgehalten, hochgeschätzt,
geachtet, geehrt und ausgezeichnet. Denn Herr Caṉkī wird von
Pokkharasāti[239] dem Priester werthgehalten, hochgeschätzt,
geachtet, geehrt und ausgezeichnet. Denn Herr Caṉkī lebt zu
Opāsādam, das, gar heiter anzuschauen, mit Weide-, Wald- und
Wasserplätzen, mit Kornkammern, mit königlichem Reichthum
begabt, von König Pasenadi von Kosalo als Königsgabe den
Priestern zu eigen gegeben ist. Weil aber Herr Caṉkī zu
Opāsādam lebt, das, gar heiter anzuschauen, mit Weide-, Wald-
und Wasserplätzen, mit Kornkammern, mit königlichem Reichthum
begabt, von König Pasenadi von Kosalo als Königsgabe den
Priestern zu eigen gegeben ist, so geziemt es eben insofern
nicht Herrn Caṉkī den Asketen Gotamo zu besuchen: dem Asketen
Gotamo vielmehr geziemt es Herrn Caṉkī zu besuchen.«
Auf diese Worte wandte sich Caṉkī der Priester also an jene
Priester:
»Wohlan denn, ihr Herren, so hört auch von mir, aus welchem
und welchem Grunde[240] es vielmehr uns geziemt den Herrn
Gotamo zu besuchen, und es nicht dem Herrn Gotamo geziemt uns
zu besuchen. Der Asket Gotamo, ihr Herren, ist ja beiderseit
wohlgeboren, vom Vater und von der Mutter aus, lauter
empfangen, bis zum siebenten Ahnherrn hinauf unbefleckt,
untadelhaft von Geburt. Weil aber, ihr Herren, der Asket Gotamo
beiderseit wohlgeboren ist, vom Vater und von der Mutter aus,
lauter empfangen, bis zum siebenten Ahnherrn hinauf unbefleckt,
untadelhaft von Geburt, so geziemt es eben insofern nicht
dem Herrn Gotamo uns zu besuchen, sondern uns geziemt es den
Herrn Gotamo zu besuchen. Der Asket Gotamo, ihr Herren, hat ja
reichlichem Gold und Geschmeide pilgernd entsagt, so heimlich
vergrabenem wie offen aufgestelltem.[241] Der Asket Gotamo, ihr 576
Herren, ist ja, noch in frischer Blüthe, glänzend dunkelhaarig,
im Genusse glücklicher Jugend, im ersten Mannesalter aus dem
Hause in die Hauslosigkeit gezogen. Der Asket Gotamo, ihr
Herren, ist ja gegen den Wunsch seiner weinenden, klagenden
Eltern, mit geschorenem Haar und Barte, mit fahlem Gewande
bekleidet, aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen. Der
Asket Gotamo, ihr Herren, ist ja schön, hold, liebenswürdig,
mit höchster Anmuth begabt, mit heiligem Glanze, heiligem
Lichte, es ist keine geringe Gunst ihn anzublicken. Der Asket
Gotamo, ihr Herren, ist ja tugendrein, von herrlicher Tugend,
gediegener Tugend, in gediegener Tugend erfahren. Der Asket
Gotamo, ihr Herren, spricht ja angemessen, redet angemessen,
seine Rede ist höflich, deutlich, nicht stammelnd, tauglich den
Sinn darzulegen. Der Asket Gotamo, ihr Herren, ist ja vieler
Meister und Altmeister. Der Asket Gotamo, ihr Herren, hat
ja Wunschbegier versiegt, ist frei von Unfrieden. Der Asket
Gotamo, ihr Herren, lehrt ja eigene That und eigenes Handeln,
schützt den heilsuchenden Menschen kein Böses vor. Der Asket
Gotamo, ihr Herren, ist ja aus hohem Hause hinausgezogen,
aus unabhängigem Herrscherhause.[242] Der Asket Gotamo, ihr
Herren, ist ja aus reichem Hause hinausgezogen, mit Geld und
Gut mächtig begabtem. Zum Asketen Gotamo, ihr Herren, kommen
sie ja über Länder und Reiche her Fragen zu stellen. Beim
Asketen Gotamo, ihr Herren, haben ja viele tausend Gottheiten
zeitlebens Zuflucht genommen.[243] Den Asketen Gotamo, ihr
Herren, begrüßt man ja allenthalben mit dem frohen Ruhmesrufe,
so zwar: ›Das ist der Erhabene, der Heilige, vollkommen
Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene,
der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerheerde,
der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der
Erhabene.‹ Der Asket Gotamo, ihr Herren, ist ja mit den 577
zweiunddreißig Merkmalen eines großen Mannes begabt. Beim
Asketen Gotamo, ihr Herren, hat ja der König von Magadhā Seniyo
Bimbisāro mit seinen Frauen und Kindern zeitlebens Zuflucht
genommen.[244] Beim Asketen Gotamo, ihr Herren, hat ja König
Pasenadi von Kosalo mit seinen Frauen und Kindern zeitlebens
Zuflucht genommen. Beim Asketen Gotamo, ihr Herren, hat ja der
Priester Pokkharasāti mit seinen Frauen und Kindern zeitlebens
Zuflucht genommen. Der Asket Gotamo, ihr Herren, ist ja zu
Opāsādam angekommen, weilt bei Opāsādam, nördlich vom Dorfe,
im Götterhain am Kronwalde. Wer aber auch immer von Asketen
und Priestern in unser Dorfgebiet kommt ist unser Gast. Und
einen Gast müssen wir werthhalten, hochschätzen, achten und
ehren.[245] Weil nun, ihr Herren, der Asket Gotamo zu Opāsādam
angekommen ist, bei Opāsādam weilt, nördlich vom Dorfe, im
Götterhain am Kronwalde, so ist der Asket Gotamo unser Gast:
und der Gast ist von uns werthzuhalten, hochzuschätzen, zu
achten und zu ehren. Auch insofern geziemt es nicht dem Herrn
Gotamo uns zu besuchen, sondern uns eben geziemt es den Herrn
Gotamo zu besuchen. Soviel weiß ich, ihr Herren, vom Preis des
Herrn Gotamo; doch ist der Preis des Herrn Gotamo nicht soviel:
unermesslich ist ja der Preis des Herrn Gotamo. Schon um jeder
einzelnen Eigenschaft willen, ihr Herren, geziemt es nicht dem
Herrn Gotamo uns zu besuchen, sondern uns eben geziemt es den
Herrn Gotamo zu besuchen. So wollen wir uns denn alle, ihr 578
Herren, zum Asketen Gotamo hinbegeben.«
Und Caṉkī der Priester, begleitet von der zahlreichen
Priesterschaar, begab sich dorthin wo der Erhabene weilte.
Dort angelangt tauschte er höflichen Gruß und freundliche,
denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzte sich seitwärts
nieder. Damals nun hatte der Erhabene mit alten, erfahrenen
Priestern gerade irgend ein denkwürdiges Gespräch zu Ende
geführt. Und es befand sich da ein junger Brāhmane in dieser
Versammlung Namens Kāpaṭhiko, eben erst, mit geschorenem
Scheitel, vom Lehrer entlassen, im sechzehnten Lebensjahre,
ein Meister der drei Veden, sammt ihrer Auslegung und Deutung,
sammt ihrer Laut- und Formenlehre, und ihren Sagen zufünft, der
Gesänge kundig und ein Erklärer, der die Merkmale eines großen
Weltweisen aufwies. Der hatte, während der Erhabene sich mit
den alten, erfahrenen Priestern besprach, stets einen anderen
Gegenstand vorgebracht. Und der Erhabene rieth nun Kāpaṭhiko
dem jungen Brāhmanen ab:
»Möge der ehrwürdige Bhāradvājo[246], während die alten,
erfahrenen Priester sich besprechen, keinen anderen Gegenstand
vorbringen: das Ende der Unterredung möge der ehrwürdige
Bhāradvājo abwarten.«
Das hörte Caṉkī der Priester, und er sprach also zum Erhabenen: