Um diese Zeit nun lebte der Priester Selo zu Āpaṇam, ein

Meister der drei Veden, sammt ihrer Auslegung und Deutung,

sammt ihrer Laut- und Formenlehre, und ihren Sagen zufünft,

der Gesänge kundig und ein Erklärer, der die Merkmale

eines großen Weltweisen aufwies. Der ließ eine Schaar von

dreihundert Schülern die Sprüche bei sich erlernen. Keṇiyo der

Flechtenträger aber war Selo dem Priester damals von Herzen

zugethan.

Da begab sich denn Selo der Priester, von den dreihundert

Schülern begleitet, auf einem Spaziergange lustwandelnd, zur

Klause Keṇiyo des Flechtenträgers hin. Und er sah da wie

einige Leute Feuerherde bestellten, andere Holz spalteten,

einige wieder Geschirr wuschen, und wieder andere einen

Wassereimer herbeibrachten, und noch andere Stühle zurecht

rückten, während Keṇiyo selbst, der Flechtenträger, die Tafel

anordnete. Wie er das gesehn sprach er also zu ihm:

»Wird da wohl bei Herrn Keṇiyo Tochterhochzeit oder

Sohneshochzeit gehalten, oder wird ein großes Opfer

vorbereitet, oder ist der König von Magadhā, Seniyo Bimbisāro

für morgen zum Mahle geladen, mitsammt seinem Heerbann?« 534

»Nein, o Selo, keine Tochterhochzeit und keine Sohneshochzeit

wird bei mir gehalten, und nicht ist der König von Magadhā,

Seniyo Bimbisāro für morgen zum Mahle geladen mitsammt seinem

Heerbann: aber ein großes Opfer wird von mir vorbereitet. Der

Asket Gotamo, der Sakyersohn, der dem Erbe der Sakyer entsagt

hat, zieht hierzulande von Ort zu Ort, von vielen Mönchen

gefolgt, mit einer Schaar von zwölfhundertfünfzig Mönchen, und

ist in Āpaṇam angekommen. Diesen Herrn Gotamo aber begrüßt

man allenthalben mit dem frohen Ruhmesrufe, so zwar: ›Das ist

der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens-

und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der

unvergleichliche Leiter der Männerheerde, der Meister der

Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene.‹ Er ist von

mir für morgen zum Mahle geladen, mitsammt den Mönchen.«

»Der Erwachte, o Keṇiyo, sagst du?«

»Der Erwachte, o Selo, sag’ ich.«

»Der Erwachte, o Keṇiyo, sagst du?«

»Der Erwachte, o Selo, sag’ ich.«

Da gedachte nun Selo der Priester: ›Das ist ein Klang, den man

gar selten vernimmt in der Welt, ‚Der Erwachte‘‹.[220] Und er

sagte: »Es werden ja wohl in unseren Sprüchen zweiunddreißig

Merkmale eines großen Mannes genannt, mit denen begabt ein

solcher nur zwei Bahnen betreten kann, keine dritte. Wenn er im

Hause bleibt, wird er König werden, Kaiser, ein gerechter und

wahrer Herrscher, ein Sieger bis zur Mark der See, der seinem

Reiche Sicherheit schafft, mit sieben Juwelen begabt ist. Das

aber sind seine sieben Juwelen, und zwar: das beste Land, der

beste Elephant, das beste Ross, die beste Perle, das beste

Weib, der beste Bürger, und siebentens der beste Staatsmann.

Und er wird über tausend Söhne haben, tapfer, heldensam, 535

Zerstörer der feindlichen Heere. So wird er diese Erde bis

zum Ozean hin, ohne Stock und ohne Stahl gerecht obsiegend,

beherrschen. Wenn er aber aus dem Hause in die Hauslosigkeit

zieht, wird er heilig werden, vollkommen auferwacht, der Welt

den Schleier hinwegnehmen. Wo weilt Er wohl jetzt, o Keṇiyo,

Herr Gotamo, der Heilige, vollkommen Erwachte?«

Also befragt streckte Keṇiyo der Flechtenträger den rechten Arm

aus und sagte zu Selo dem Priester:

»Wo sich dort, o Selo, der blaue Waldsaum hinzieht.«

Und Selo der Priester begab sich mit den dreihundert Jüngern

zum Erhabenen hin. Aber er sprach also zu ihnen:

»Leise, ihr Lieben, wollet hinschreiten, Schritt bei Schritt

nebeneinander: denn jene Ehrwürdigen[221] sind schwer

zugänglich wie einsam wandernde Löwen. Und wenn ich dann mit

dem Asketen, Herrn Gotamo, im Gespräche bin, so mögt ihr Lieben

keinen anderen Gegenstand vorbringen, vielmehr sollt ihr Lieben

das Ende der Unterredung abwarten.«

So kam denn Selo der Priester zum Erhabenen hin, wechselte

höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem

Erhabenen und setzte sich seitwärts. Seitwärts sitzend gedachte 536

nun Selo der Priester bei sich:[222] ›Begabt ist der Asket

Gotamo mit den zweiunddreißig Merkmalen eines großen Mannes,

vollständig, nicht unvollständig: doch ich weiß es nicht, ob

er ein Erwachter ist oder nicht ist. Aber ich hab’ es ja sagen

hören, das Wort der alten, der greisen Priester und ihrer

Meister und Altmeister: ‚Die da Heilige, vollkommen Erwachte

sind, die geben sich, wird ihr Lob gesprochen, zu erkennen.‘

Wie, wenn ich nun hier den Asketen Gotamo mit geeigneten

Sprüchen begrüßte?‹ Und Selo der Priester begrüßte hier den

Erhabenen mit geeigneten Sprüchen:

»Vollkommen ist dein Körper, Herr,

Ist wohlgestaltet, stattlich, schön,

Dein Angesicht so heiter, hell,

Der Zaun der Zähne weiß gewölbt.

»Des Wohlgebornen Eigenart,

Die Unterschiede, adelächt,

Ich seh sie alle offenbar,

Die Zeichen deiner Größe, Herr!

»Mit milder Miene, sanftem Blick, 537

Erhaben, herrlich anzuschaun,

Erstrahlst du in der Jünger Schaar,

Gleichwie die Sonne hoch und hehr.

»Ein rechtgekörnter, guter Mönch,

Der glänzt wie Gold und anders nicht:

Was taugt nun dir Asketenthum,

Der du im höchsten Glanze gehst?

»Zum König bist erkoren du,

Zum Kaiser aller Königsmacht,

Zum Sieger bis zur Mark der See,

Zum Herrscher über Hinduland!

»Die Königstämme, kühn und stolz,

Sie werden dienen, dir zu Dank:

Als Königskaiser, Menschengott

Regier’ das Reich, o Gotamo!«

Der Herr:

»Ich bin ein König, Selo, ja,

Ein wahrer König aller Welt:

Die Wahrheit ist mein Königreich:

Ein Reich, das keiner rauben kann.«

Selo:

»So wärest, Herr, der Wache du,

Der wahre König aller Welt?

›Die Wahrheit ist mein Königreich‹:

Du hast gesagt es, Gotamo.

»Wo ist er, der die Mannen führt,

Der Jünger, der dem Meister folgt?

Wer hilft gerecht es lenken dir

Das Reich, das du gegründet hast?«

Der Herr:

»Was da gegründet ward von mir,

Das wahre Reich, das höchste Reich,

Nach lenkt es Sāriputto mir

Der erstgeborne Siegersohn.

»Erkannt hab’ ich was kennbar ist,

Vollendet was Vollendung will,

Verlassen was zu lassen ist,

Bin also, Selo, auferwacht.

»An mir nicht magst du zweifeln mehr, 538

Bezwinge, Priester, deinen Stolz:

Gar selten sieht man, findet man

Ein auferwachtes Angesicht.

»Ja, was man hier gar selten sieht,

Nicht oft erscheinen in der Welt:

Ein Auferwachter, der bin ich,

Der beste Künstler, beste Arzt.

»Ich bin das Heil, ich bin der Herr,

Zerstörer aller Sterblichkeit:

Die Feindschaft hab’ ich ausgesöhnt

Und lächle heiter, fürchte nichts.«

Selo:

»O hört, ihr Freunde, hört es froh

Was uns der Seher offenbart,

Der rechte Arzt, der höchste Held:

O lauschet seinem Löwenruf!

»Den heilgewordnen, hehren Herrn,

Zerstörer aller Sterblichkeit:

Wer ist nicht sälig, ihn zu sehn,

Und wär’ er gleich ein Sklave nur!

»Wer bei mir sein will folge mir,

Und wer es nicht will gehe hin:

Denn ich zieh’ nun als Jünger fort,

Zum Lehrer, der das Beste lehrt.«

Die Jünger Selos:

»Wenn unser Meister also wählt,

Des Auferwachten Kunst erkiest,

So gehn auch wir als Jünger gern

Zum Lehrer, der das Beste lehrt.«

Da flehten die Brāhmanen nun,

Dreihundert Häupter blickten auf:

»O lass’ uns leben, Herr, bei dir

Das Leben deiner Heiligkeit!«

Der Herr:

»Wohl offenbar ist unser Heil,

Ersichtlich, ohne Zeitgesetz,

Wo keiner hier umsonst entsagt

In ernstem Eifer, zäher Zucht.«

Und Selo der Priester wurde mit seiner Schaar vom Erhabenen 539

aufgenommen, wurde mit der Ordensweihe belehnt.

Keṇiyo der Flechtenträger aber ließ am nächsten Morgen in

seiner Klause ausgewählte feste und flüssige Speise auftragen

und sandte einen Boten an den Erhabenen mit der Meldung: ›Es

ist Zeit, o Gotamo, das Mahl ist bereit.‹ Und der Erhabene

rüstete sich beizeiten, nahm Mantel und Almosenschaale

und begab sich zur Klause Keṇiyo des Flechtenträgers.

Dort angekommen nahm der Erhabene mit den Mönchen auf den

dargebotenen Sitzen Platz. Und Keṇiyo der Flechtenträger

bediente und versorgte eigenhändig den Erwachten und seine

Jünger mit ausgewählter fester und flüssiger Speise.

Nachdem nun der Erhabene gespeist und das Mahl beendet hatte,

nahm Keṇiyo der Flechtenträger einen von den niederen Stühlen

zur Hand und setzte sich zur Seite hin. Und Keṇiyo den

Flechtenträger, der da zur Seite saß, erfreute nun der Erhabene

mit folgenden Sprüchen:

»Dem Feuer gilt der Opfer Preis,

Der Andacht gilt er beim Gesang,

Der König gilt als Menschenfürst,

Der Flüsse Meister ist das Meer.

»Der Sterne Herr, es ist der Mond,

Die Sonne steht im höchsten Glanz,

Ein gutes Werk ist reicher Lohn,

Den Mönchen opfern bester Dienst.«

Als der Erhabene Keṇiyo den Flechtenträger mit diesen Sprüchen

erfreut hatte, stand er von seinem Sitze auf und ging von

dannen.

* * * * *

Doch der ehrwürdige Selo[223], einsam, abgesondert,

unermüdlich, in heißem, innigem Ernste verweilend, hatte

gar bald was edle Söhne gänzlich vom Hause fort in die

Hauslosigkeit lockt, jenes höchste Ziel des Asketenthums noch

bei Lebzeiten sich offenbar gemacht, verwirklicht und errungen.

›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt 540

das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ verstand er da. Auch einer

war nun der ehrwürdige Selo der Heiligen geworden.

Da begab sich denn der ehrwürdige Selo mit seiner Schaar zum

Erhabenen hin. Dort angelangt schlug er den Mantel um die eine

Schulter, hob die Hände zum Erhabenen empor und sprach den

Erhabenen mit den Sprüchen an:

»Die Zuflucht, Herr, erwählt von uns,

Erfleht am letzten Mondestag:

Verwirklicht ist sie heute schon,

Am achten Tag der Jüngerschaft!

»Du bist der Wache, bist der Herr,

Hast überwunden Todesweh,

Hast überwältigt Wunschgewalt:

Errettet rettest andre du.

»Du haftest nimmer irgend an,

Zerborsten ist was Wähnen war,

Alleinig, wie der Löwe lebt,

Bist ledig du der Bangigkeit.

»Dreihundert Jünger beugen sich

Und blicken auf, zu dir empor:

Die Füße biet’ uns, Großer, dar,

Den Meister grüßen Helden hier.[224]

93.

Zehnter Theil Dritte Rede

ASSALĀYANO

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei

Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.

Um diese Zeit nun waren gegen fünfhundert Brāhmanen aus

verschiedenen Landen in Sāvatthī zusammengekommen, irgend eine

Angelegenheit zu verhandeln. Nun sagten jene Brāhmanen zu sich:

›Dieser Asket Gotamo behauptet, dass alle vier Kasten rein

wären: wer ist da wohl imstande, mit dem Asketen Gotamo über 541

diesen Gegenstand zu reden?‹

Damals aber befand sich Assalāyano, ein junger Brāhmane, zu

Sāvatthī, eben erst, mit geschorenem Scheitel, vom Lehrer

entlassen, im sechzehnten Lebensjahre, ein Meister der drei

Veden, sammt ihrer Auslegung und Deutung, sammt ihrer Laut-

und Formenlehre, und ihren Sagen zufünft, der Gesänge kundig

und ein Erklärer, der die Merkmale eines großen Weltweisen

aufwies. Und jene Brāhmanen besprachen sich: ›Dieser

Assalāyano, der junge Brāhmane, lebt da in Sāvatthī, ist eben

erst, mit geschorenem Scheitel, vom Lehrer entlassen worden,

im sechzehnten Lebensjahre, als Meister der drei Veden, sammt

ihrer Auslegung und Deutung, sammt ihrer Laut- und Formenlehre,

und ihren Sagen zufünft, der Gesänge kundig und ein Erklärer,

der die Merkmale eines großen Weltweisen aufweist. Der wird

imstande sein, mit dem Asketen Gotamo über diesen Gegenstand zu

reden.‹

Da begaben sich denn jene Priester zu Assalāyano dem jungen

Brāhmanen und sprachen also zu ihm:

»Dieser Asket Gotamo, o Assalāyano, behauptet, alle vier Kasten

wären rein: wohlan, möge Herr Assalāyano mit dem Asketen Gotamo

über diesen Gegenstand reden!«

Also aufgefordert erwiderte Assalāyano, der junge Brāhmane

jenen Priestern:

»Der Asket, wahrlich, Herr Gotamo, redet Wahrheit, und denen,

die Wahrheit reden, lässt sich schwer standhalten; ich vermag

es nicht, mit dem Asketen Gotamo über diesen Gegenstand zu

reden.«

Und ein zweites Mal sprachen jene Priester also zum jungen

Assalāyano:

»Dieser Asket Gotamo, o Assalāyano, behauptet, alle vier Kasten

wären rein: wohlan, möge Herr Assalāyano mit dem Asketen

Gotamo über diesen Gegenstand reden! Vertraut ist ja doch Herr

Assalāyano mit dem Pilgerthum.«

Und zum zweiten Mal erwiderte Assalāyano, der junge Brāhmane 542

jenen Priestern:

»Der Asket, wahrlich, Herr Gotamo, redet Wahrheit, und denen,

die Wahrheit reden, lässt sich schwer standhalten; ich vermag

es nicht, mit dem Asketen Gotamo über diesen Gegenstand zu

reden.«

Und ein drittes Mal sprachen jene Priester also zum jungen

Assalāyano:

»Dieser Asket Gotamo, o Assalāyano, behauptet, alle vier Kasten

wären rein: wohlan, möge Herr Assalāyano mit dem Asketen

Gotamo über diesen Gegenstand reden! Vertraut ist ja doch

Herr Assalāyano mit dem Pilgerthum: möchte doch nicht Herr

Assalāyano in einem ungekämpften Kampfe unterliegen!«

Auf diese Worte gab Assalāyano der junge Brāhmane jenen

Priestern zur Antwort:

»Gut denn, ihr Herren, ihr wollt mir nicht glauben: ›Der Asket,

wahrlich, Herr Gotamo, redet Wahrheit, und denen, die Wahrheit

reden, lässt sich schwer standhalten; ich vermag es nicht, mit

dem Asketen Gotamo über diesen Gegenstand zu reden.‹ So will

ich denn in euerem Namen hingehn.«[225]

Und Assalāyano der junge Brāhmane begab sich mit einer

zahlreichen Schaar von Priestern zum Erhabenen hin, wechselte

höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem

Erhabenen und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend

wandte sich nun Assalāyano der junge Brāhmane also an den

Erhabenen:

»Die Priester, o Gotamo, reden also: ›Die Priester nur sind

höchste Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind

helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können

rein werden, nicht Unpriester; die Priester nur sind Brahmās

Söhne, von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā 543

gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās.‹ Was hält nun Herr

Gotamo davon?«

»Es giebt ja doch, Assalāyano, unter den Priestern

Priesterfrauen, die fruchtbar sind, schwanger werden, Kinder

gebären, aufsäugen; aber jene Priester, obzwar vom Weibe

geboren, reden also: ›Die Priester nur sind höchste Kaste,

verworfen andere Kaste; die Priester nur sind helle Kaste,

dunkel andere Kaste; die Priester nur können rein werden, nicht

Unpriester; die Priester nur sind Brahmās Söhne, von ächter

Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā gezeugt, in Brahmā

gebildet, Erben Brahmās.‹«

»Wenn auch Herr Gotamo also spricht, so bleiben die Priester

dennoch dabei und sagen: ›Die Priester nur sind höchste Kaste,

verworfen andere Kaste; die Priester nur sind helle Kaste,

dunkel andere Kaste; die Priester nur können rein werden, nicht

Unpriester; die Priester nur sind Brahmās Söhne, von ächter

Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā gezeugt, in Brahmā

gebildet, Erben Brahmās.‹«

»Was meinst du wohl, Assalāyano: hast du gehört, dass es bei

Ioniern und Kābulern und anderen Gränzvölkern[226] nur zwei

Kasten giebt, Herren und Knechte, und der Herr kann Knecht

werden, und der Knecht wiederum Herr?«

»Gewiss, Herr, ich habe gehört, dass es bei Ioniern und

Kābulern und anderen Gränzvölkern nur zwei Kasten giebt, Herren

und Knechte, und der Herr kann Knecht werden, und der Knecht

wiederum Herr.«

»Was haben da nun, Assalāyano, die Priester für Anhalt, was

für Gewähr, dass sie da sagen: ›Die Priester nur sind höchste

Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind helle

Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können rein

werden, nicht Unpriester; die Priester nur sind Brahmās Söhne,

von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā

gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās‹?«

»Wenn auch Herr Gotamo also redet, so bleiben da die Priester 544

dennoch bei ihren Sprüchen.«

»Was meinst du wohl, Assalāyano: ein Krieger, der da Mörder

und Dieb ist, ein Wüstling, Lügner, Verleumder, ein Zänker und

Schwätzer, voll Gier und Hass und Eitelkeit, mag nur der, bei

der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf

schlechte Fährte, in Verderben und Unheil, aber nicht so ein

Priester? Und ebenso ein Bürger, und ebenso ein Diener, aber

nicht so ein Priester?«

»Das wohl nicht, o Gotamo! Denn ein Krieger, o Gotamo, der da

Mörder und Dieb ist, ein Wüstling, Lügner, Verleumder, ein

Zänker und Schwätzer, voll Gier und Hass und Eitelkeit, der mag

wohl, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts

gerathen, auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil: und

ebenso, o Gotamo, ein Priester, und ebenso, o Gotamo, ein

Bürger, und ebenso, o Gotamo, ein Diener; ein jeder, o Gotamo,

von den vier Kasten, mag also, bei der Auflösung des Körpers,

nach dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechte Fährte, in

Verderben und Unheil.«

»Was haben da nun, Assalāyano, die Priester für Anhalt,

was für Gewähr, dass sie da sagen: ›Die Priester nur sind

höchste Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind 545

helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können

rein werden, nicht Unpriester; die Priester nur sind Brahmās

Söhne, von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā

gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās‹?«

»Wenn auch Herr Gotamo also redet, so bleiben da die Priester

dennoch bei ihren Sprüchen.«

»Was meinst du wohl, Assalāyano: ein Priester, der da kein

Mörder und Dieb ist, kein Wüstling, Lügner, Verleumder, kein

Zänker und Schwätzer, nicht begehrlich, nicht gehässig, recht

gesinnt, mag nur der, bei der Auflösung des Körpers, nach dem

Tode, auf gute Fährte gerathen, in himmlische Welt? Aber nicht

so ein Krieger, aber nicht so ein Bürger, aber nicht so ein

Diener?«

»Das wohl nicht, o Gotamo! Denn ein Krieger, o Gotamo, der da

kein Mörder und Dieb ist, kein Wüstling, Lügner, Verleumder,

kein Zänker und Schwätzer, nicht begehrlich, nicht gehässig,

recht gesinnt, der mag wohl, bei der Auflösung des Körpers,

nach dem Tode, auf gute Fährte gerathen, in himmlische Welt:

und ebenso, o Gotamo, ein Priester, und ebenso, o Gotamo, ein

Bürger, und ebenso, o Gotamo, ein Diener: ein jeder, o Gotamo,

von den vier Kasten mag also, bei der Auflösung des Körpers,

nach dem Tode, auf gute Fährte gerathen, in himmlische Welt.« 546

»Was haben da nun, Assalāyano, die Priester für Anhalt,

was für Gewähr, dass sie da sagen: ›Die Priester nur sind

höchste Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind

helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können

rein werden, nicht Unpriester; die Priester nur sind Brahmās

Söhne, von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā

gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās‹?«

»Wenn auch Herr Gotamo also redet, so bleiben da die Priester

dennoch bei ihren Sprüchen.«

»Was meinst du wohl, Assalāyano: kann da nur ein Priester

hierzulande ohne Grimm und ohne Groll sein Herz an Milde

gewöhnen? Aber nicht so ein Krieger, aber nicht so ein Bürger,

aber nicht so ein Diener?«

»Das wohl nicht, o Gotamo! Denn auch ein Krieger, o Gotamo,

kann hierzulande ohne Grimm und ohne Groll sein Herz an Milde

gewöhnen: und ebenso, o Gotamo, ein Priester, und ebenso, o

Gotamo, ein Bürger, und ebenso, o Gotamo, ein Diener; ein

jeder, o Gotamo, von den vier Kasten kann hierzulande ohne

Grimm und ohne Groll sein Herz an Milde gewöhnen.«

»Was haben da nun, Assalāyano, die Priester für Anhalt,

was für Gewähr, dass sie da sagen: ›Die Priester nur sind

höchste Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind

helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können

rein werden, nicht Unpriester; die Priester nur sind Brahmās

Söhne, von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā

gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās‹?«

»Wenn auch Herr Gotamo also redet, so bleiben da die Priester

dennoch bei ihren Sprüchen.«

»Was meinst du wohl, Assalāyano: darf da nur ein Priester, mit

Schwamm und Seife versehn, zum Flusse baden gehn, um Staub und

Sehmutz abzuwischen? Aber nicht so ein Krieger, aber nicht so 547

ein Bürger, aber nicht so ein Diener?«

»Das wohl nicht, o Gotamo! Denn auch ein Krieger, o Gotamo,

darf Schwamm und Seife nehmen und nach dem Flusse baden gehn,

um Staub und Schmutz abzuwaschen: und ebenso, o Gotamo, ein

Priester, und ebenso, o Gotamo, ein Bürger, und ebenso, o

Gotamo, ein Diener; ein jeder, o Gotamo, von den vier Kasten

darf Schwamm und Seife nehmen und nach dem Flusse baden gehn,

um Staub und Schmutz abzuwaschen.«

»Was haben da nun, Assalāyano, die Priester für Anhalt,

was für Gewähr, dass sie da sagen: ›Die Priester nur sind

höchste Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind

helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können

rein werden, nicht Unpriester; die Priester nur sind Brahmās

Söhne, von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā

gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās‹?«

»Wenn auch Herr Gotamo also redet, so bleiben da die Priester

dennoch bei ihren Sprüchen.«

»Was meinst du wohl, Assalāyano: es ließe da der König, der

Herrscher, dessen Scheitel gesalbt ist, eine Schaar von

hundert Männern verschiedener Geburt zu sich bescheiden:

›Kommt, ihr Lieben, die ihr da von Kriegern, Priestern,

Fürsten abstammt, und nehmt ein Reibholz vom Kronbaum, oder

von der Föhre, oder vom Sandel, oder vom Ingwerbaum, und

erweckt damit Feuer, bringt Licht hervor! Und kommt auch

ihr Lieben, die ihr da von Treibern, Jägern, Korbflechtern,

Radmachern, Gärtnern abstammt, und nehmt ein Reibholz von

einem Hundetrog, oder von einem Schweinetrog, oder von

einem Waschtrog, oder von einem Rizinusbaume, und erweckt

damit Feuer, bringt Licht hervor!‹[227] Was meinst du wohl,

Assalāyano: wenn da von denen, die von Kriegern, Priestern, 548

Fürsten abstammen, mit einem Reibholze vom Kronbaum, oder

von der Föhre, oder vom Sandel, oder vom Ingwerbaum, Feuer

erweckt, Licht hervorgebracht ward, hat dann wohl dieses

Feuer Flamme und Glanz und Leuchtkraft, und kann man dieses

Feuer zu Feuerzwecken verwenden? Und wenn da von denen, die

von Treibern, Jägern, Korbflechtern, Radmachern, Gärtnern

abstammen, mit einem Reibholze von einem Hundetrog, oder von

einem Schweinetrog, oder von einem Waschtrog, oder von einem

Rizinusbaume, Feuer erweckt, Licht hervorgebracht ward, hat

dann wohl dieses Feuer keine Flamme und keinen Glanz und keine

Leuchtkraft, und kann man dieses Feuer zu Feuerzwecken nicht

verwenden?«

»Das wohl nicht, o Gotamo! Ist da, o Gotamo, von denen, die von

Kriegern, Priestern, Fürsten abstammen, mit einem Reibholze

vom Kronbaum, oder von der Föhre, oder vom Sandel, oder vom

Ingwerbaum, Feuer erweckt, Licht hervorgebracht worden, so hat

dieses Feuer Flamme und Glanz und Leuchtkraft, und man kann

dieses Feuer zu Feuerzwecken verwenden. Und ist da von denen,

die von Treibern, Jägern, Korbflechtern, Radmachern, Gärtnern

abstammen, mit einem Reibholze von einem Hundetrog, oder von

einem Schweinetrog, oder von einem Waschtrog, oder von einem

Rizinusbaume, Feuer erweckt, Licht hervorgebracht worden, so

hat auch dieses Feuer Flamme und Glanz und Leuchtkraft, und

man kann auch dieses Feuer zu Feuerzwecken verwenden. Denn ein 549

jedes Feuer, o Gotamo, hat Flamme und Glanz und Leuchtkraft,

und man kann ein jedes Feuer zu Feuerzwecken verwenden.«

»Was haben da nun, Assalāyano, die Priester für Anhalt, was

für Gewähr, dass sie da sagen: ›Die Priester nur sind höchste

Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind helle

Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können rein

werden, nicht Unpriester; die Priester nur sind Brahmās

Söhne, von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā

gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās‹?«

»Wenn auch Herr Gotamo also redet, so bleiben da die Priester

dennoch bei ihren Sprüchen.«

»Was meinst du wohl, Assalāyano: es sei da ein junger Krieger,

der wohne der Tochter eines Priesters bei; infolge ihrer

Beiwohnung würde ein Sohn geboren. Dieser Sohn, der von einem

jungen Krieger und der Tochter eines Priesters abstammte, der

Mutter ähnlich und dem Vater ähnlich, kann der Krieger genannt

und Priester genannt werden?«

»Dieser Sohn, o Gotamo, der von einem jungen Krieger und der

Tochter eines Priesters abstammte, der Mutter ähnlich und dem

Vater ähnlich, der kann Krieger genannt und Priester genannt

werden.«

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, zweiter Band · 第 34 / 45 段