und Genuss der fünf Begehrungen begabt, auch jenseit erlangen:
›Ebenso will ich mit eben diesem Besitz und Genuss der fünf
Begehrungen begabt sein!‹, sondern auf andere wird dieser
Reichthum übergehn, und ich werde je nach den Thaten wandeln.«
»Daran aber, großer König, hat Er gedacht, der Erhabene, der
Kenner, der Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte, als er
gesagt hat: ›Uneigen ist die Welt, alles verlassend muss man
gehn‹; das hab’ ich erfahren und gesehn und gehört, und bin aus
dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen.«
»Wunderbar, o Raṭṭhapālo, außerordentlich ist es, o Raṭṭhapālo, 405
wie Er da so richtig gesagt hat, der Erhabene, der Kenner,
der Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte, ›Uneigen ist die
Welt, alles verlassend muss man gehn‹: denn uneigen ist, o
Raṭṭhapālo, die Welt, alles verlassend muss man gehn.[151] --
›Bedürftig ist die Welt, nimmersatt, durstverdungen‹, hat Herr
Raṭṭhapālo gesagt: wie aber soll man, o Raṭṭhapālo, den Sinn
dieser Worte verstehn?«
»Was meinst du wohl, großer König: gedeiht dir herrlich in
Ueberfluss dein Kurūland?«
»Gewiss, o Raṭṭhapālo, gedeiht mir herrlich in Ueberfluss mein
Kurūland.«
»Was meinst du wohl, großer König: wenn da ein Mann zu
dir herkäme, von den östlichen Gränzen, glaubwürdig,
vertrauenswürdig; und er träte zu dir und spräche also: ›O
großer König, dass du es weißt: ich komme von den östlichen
Gränzen her! Da hab’ ich ein mächtiges Reich gesehn, blühend,
gedeihend, volkreich, von vielen Menschen bewohnt: da giebt es
viel Kriegselephanten und Reiterei, Streitwagen und Fußtruppen,
viel Elphenbein und Felle, viel Gold und Geschmeide, roh und
bearbeitet, da giebt es viel Weibergesinde! Und man kann es mit
einer gewissen Streitmacht erobern: erobere es, großer König!‹
Was würdest du da thun?«
»Wir würden es, o Raṭṭhapālo, eben erobern und beherrschen.«
»Was meinst du wohl, großer König: wenn da ein Mann zu dir
herkäme, von den westlichen Gränzen, und von den nördlichen
Gränzen, und von den südlichen Gränzen, und von jenseit des
Ozeans, glaubwürdig, vertrauenswürdig; und er träte zu dir und
spräche also: ›O großer König, dass du es weißt: ich komme von
jenseit des Ozeans her! Da hab’ ich ein mächtiges Reich gesehn,
blühend, gedeihend, volkreich, von vielen Menschen bewohnt: 406
da giebt es viel Kriegselephanten und Reiterei, Streitwagen
und Fußtruppen, viel Elphenbein und Felle, viel Gold und
Geschmeide, roh und bearbeitet, da giebt es viel Weibergesinde!
Und man kann es mit einer gewissen Streitmacht erobern: erobere
es, großer König!‹ Was würdest du da thun?«
»Wir würden es, o Raṭṭhapālo, eben auch erobern und
beherrschen.«
»Daran aber, großer König, hat Er gedacht, der Erhabene,
der Kenner, der Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte,
als er gesagt hat: ›Bedürftig ist die Welt, nimmersatt,
durstverdungen‹; das hab’ ich erfahren und gesehn und gehört,
und bin aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen.«
»Wunderbar, o Raṭṭhapālo, außerordentlich ist es, o Raṭṭhapālo,
wie Er da so richtig gesagt hat, der Erhabene, der Kenner,
der Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte, ›Bedürftig ist
die Welt, nimmersatt, durstverdungen‹: denn bedürftig ist, o
Raṭṭhapālo, die Welt, nimmersatt, durstverdungen.«
* * * * *
Also sprach der ehrwürdige Raṭṭhapālo. Und nachdem er also
geredet sprach er ferner noch dies:
»Ich sehe Menschen mächtig sein, gewaltig,
Und reich und thörig keine Gabe geben:
Begierig häufen an sie Gut an Güter
Und haschen lüstern nach erneuten Lüsten.
»Und hätt’ ersiegt ein König sich die Erde,
Und herrscht’ er weithin, bis zum Meere herrlich:
Des Meeres Gränze grämt’ ihn ungesättigt,
Nach neuen Siegen sehnt’ er sich hinüber.
»Der König und gar viele gehn entgegen
Mit ungestilltem Durste düsterm Tode,
Vergeblich abgenutzt stirbt nur der Leib hin:
Denn keiner in der Welt wird satt an Süchten.
»Verwandte weinen, raufen sich die Locken
Und rufen ›Wehe, weh’ uns, dass wir leben!‹
In weißes Linnen wickeln sie den Leichnam 407
Und schichten Scheite, schüren an die Lohe.
»Nun röstet er am Roste, rauh gerüttelt,
Ein einzig Tüchlein deckt ihn, das ist alles:
Der Abgelebte findet keine Zuflucht,
Geliebte, Freunde nicht und nicht Genossen.
»Die Erben reißen sich um seinen Reichthum,
Sein Wesen aber wandelt nach den Werken:
Am Hingeschiednen haftet keine Habe,
Nicht Weib und Kind, nicht Geld und Gut und Lande.
»Um Geld erkauft sich keiner langes Leben,
Und Schätze schützen elend vor dem Alter:
›Gar kurz ist‹, künden Denker, ›unser Dasein,
Und unbeständig, unstet, ohne Dauer.‹
»An Reiche rührt, an Arme rührt Berührung,
Und wie der Thor, berührt wird auch der Weise;
Doch Thoren reißt Berührung rasend nieder,
An Weise rührend kann sie nimmer regen.
»So gilt wohl mehr als Geld und Güter Weisheit,
Da sie Vollendung sälig uns entbietet:
Unsälig stehn ja Wirre starr gebunden
An Sein und Wiedersein und wirken Böses.
»Man keimt in Schooßen, keimt in andern Welten
Und kehrt im Wandelkreise hin und wieder,
Ergiebt sich gern dem Wahne der Gewohnheit:
Und keimt in Schooßen, keimt in andern Welten.
»Gleichwie der Räuber, den die Falle festhält,
Durch eigne That sich richtet, der Verruchte,
So wird in andern Welten der Verwesne
Durch eigne That gerichtet, der Verruchte.
»Wie launisch locken uns Begierden gaukelnd hin,
Das Herz zerhämmernd, heftig, ungeheuer!
Erkannt hab’ ich den Kummer der Begehrung,
Bin darum Büßer nun, o König, Bettler.
»Der Mensch fällt, wie die Frucht vom Baume fällt herab,
Noch unreif, oder reif, in raschem Sturze;
So bin ich denn, o König, gern ein Bettler:
Gewisse Pilgerschaft, sie dünkt mich besser.«[152]
83.
Neunter Theil Dritte Rede
MAKHADEVO
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 408
Mithilā, im Mangohaine Makhadevos.[153] Und der Erhabene ließ,
an einer bestimmten Stelle weilend, ein Lächeln sehn. Und der
ehrwürdige Ānando gedachte da: ›Was ist wohl der Grund, was ist
die Ursach, dass der Erhabene ein Lächeln gezeigt hat? Nicht
ohne Anlass lächeln Vollendete.‹ Und der ehrwürdige Ānando
schlug den Oberrock um die eine Schulter, faltete die Hände
gegen den Erhabenen und sprach also:
»Was ist wohl, o Herr, der Grund, was ist die Ursach, dass der
Erhabene ein Lächeln gezeigt hat? Nicht ohne Anlass lächeln
Vollendete.«
»Einst war, Ānando, eben hier zu Mithilā, ein König gewesen,
Makhadevo mit Namen, ein gerechter und wahrer König, auf dem
Rechte ruhend, ein großer König, der das Recht zur Geltung
brachte bei Priestern und Hausvätern, bei Bürgern und Bauern,
der den Feiertag feierte bei Vollmond und Neumond und beiden
Vierteln.[154]
»Und König Makhadevo, Ānando, wandte sich einst, als viele
Jahre, viele Jahrhunderte, viele Jahrtausende vergangen waren,
an seinen Bader:
›Wann du, bester Bader, auf meinem Haupte graue Haare
wahrnimmst, dann sag’ es mir.‹[155]
›Wohl, o König!‹ entgegnete da gehorsam der Bader dem Herrscher.
Und der Bader, Ānando, nahm, als viele Jahre, viele
Jahrhunderte, viele Jahrtausende vergangen waren, auf dem 409
Haupte des Herrschers graue Haare wahr; und als er sie
wahrgenommen sprach er also zu ihm:
›Gemeldet haben sich beim Könige Götterboten: auf dem Haupte
sind graue Haare erschienen.‹
›Wohlan denn, bester Bader, so nimm diese grauen Haare mit
einer Zange zart heraus und leg’ sie mir auf die Hand.‹
›Wohl, o König!‹ entgegnete da gehorsam der Bader dem
Herrscher, nahm diese grauen Haare mit einer Zange zart heraus
und legte sie dem Herrscher auf die Hand. Und König Makhadevo,
Ānando, gab dem Bader ein Dorf zu eigen, und er ließ den
Kronprinzen, seinen ältesten Sohn, zu sich berufen und sprach
also zu ihm:
›Gemeldet haben sich bei mir, theurer Prinz, Götterboten:
auf dem Haupte sind graue Haare erschienen. Genossen hab’
ich ja die menschlichen Wonnen: es ist Zeit an himmlische
Wonnen zu denken.[156] Komme, theurer Prinz, übernimm du diese
Königsmacht: denn ich will mir Haar und Bart abscheeren, das
fahle Gewand anlegen und aus dem Hause in die Hauslosigkeit
wandern. Und so magst auch du, theurer Prinz, wann sich dir
auf dem Haupte graue Haare gezeigt haben, deinem Bader ein
Dorf zu eigen geben, deinen ältesten Sohn, den Kronprinzen,
mit der Königsmacht treulich betrauen, dir Haar und Bart
abscheeren, das fahle Gewand anlegen und aus dem Hause in die
Hauslosigkeit ziehn.[157] Wie dieser gesegnete Wandel von
mir gewiesen mögst du ihm nachkommen, auf dass du nicht mein
letzter Nachkomme seiest. In einem Weltalter, theurer Prinz, wo
der also gesegnete Wandel gebrochen wird, da wird der letzte 410
der Nachkommen sein. Darum hab’ ich dir, theurer Prinz, also
gerathen: Wie dieser gesegnete Wandel von mir gewiesen mögst
du ihm nachkommen, auf dass du nicht mein letzter Nachkomme
seiest.‹
Und König Makhadevo, Ānando, gab seinem Bader ein Dorf zu
eigen, betraute treulich seinen ältesten Sohn, den Kronprinzen,
mit der Königsmacht; und eben hier, im Mangohaine Makhadevos,
schor er sich Haar und Bart ab, legte das fahle Gewand an und
zog vom Hause in die Hauslosigkeit hinaus. Liebevollen Gemüthes
weilend strahlte er nach einer Richtung, dann nach einer
zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso
nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend
durchstrahlte er die ganze Welt mit liebevollem Gemüthe, mit
weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem.
Erbarmenden Gemüthes -- freudevollen Gemüthes -- unbewegten
Gemüthes weilend strahlte er nach einer Richtung, dann nach
einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten,
ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich
wiedererkennend durchstrahlte er die ganze Welt mit erbarmendem
Gemüthe, mit freudevollem Gemüthe, mit unbewegtem Gemüthe, mit
weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem.
König Makhadevo aber, Ānando, hat vierundachtzigtausend Jahre
die Spiele der Jugend gespielt, vierundachtzigtausend Jahre
ist er Kronprinz gewesen, vierundachtzigtausend Jahre hat er
als König geherrscht, und vierundachtzigtausend Jahre hat er,
eben hier im Mangohaine Makhadevos als Büßer weilend, das
Asketenleben geführt.
Und er harrte auf den vier heiligen Warten aus, und gelangte,
bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in heilige Welt. 411
Und König Makhadevos Sohn, Ānando, wandte sich einst, als viele
Jahre, viele Jahrhunderte, viele Jahrtausende vergangen waren,
an seinen Bader:
›Wann du, bester Bader, auf meinem Haupte graue Haare
wahrnimmst, dann sag’ es mir.‹
›Wohl, o König!‹ entgegnete da gehorsam der Bader dem Herrscher.
Und der Bader, Ānando, nahm, als viele Jahre, viele
Jahrhunderte, viele Jahrtausende vergangen waren, auf dem
Haupte des Herrschers graue Haare wahr; und als er sie
wahrgenommen sprach er also zu ihm:
›Gemeldet haben sich beim Könige Götterboten: auf dem Haupte
sind graue Haare erschienen.‹
›Wohlan denn, bester Bader, so nimm diese grauen Haare mit
einer Zange zart heraus und leg’ sie mir auf die Hand.‹
›Wohl, o König!‹ entgegnete da gehorsam der Bader dem
Herrscher, nahm diese grauen Haare mit einer Zange zart heraus
und legte sie dem Herrscher auf die Hand. Und König Makhadevos
Sohn, Ānando, gab dem Bader ein Dorf zu eigen, und er ließ den
Kronprinzen, seinen ältesten Sohn, zu sich berufen und sprach
also zu ihm:
›Gemeldet haben sich bei mir, theurer Prinz, Götterboten:
auf dem Haupte sind graue Haare erschienen. Genossen hab’
ich ja die menschlichen Wonnen: es ist Zeit an himmlische
Wonnen zu denken. Komme, theurer Prinz, übernimm du diese
Königsmacht: denn ich will mir Haar und Bart abscheeren, das
fahle Gewand anlegen und aus dem Hause in die Hauslosigkeit 412
wandern. Und so magst auch du, theurer Prinz, wann sich dir
auf dem Haupte graue Haare gezeigt haben, deinem Bader ein
Dorf zu eigen geben, deinen ältesten Sohn, den Kronprinzen,
mit der Königsmacht treulich betrauen, dir Haar und Bart
abscheeren, das fahle Gewand anlegen und aus dem Hause in
die Hauslosigkeit ziehn. Wie dieser gesegnete Wandel von mir
gewiesen mögst du ihm nachkommen, auf dass du nicht mein
letzter Nachkomme seiest. In einem Weltalter, theurer Prinz, wo
der also gesegnete Wandel gebrochen wird, da wird der letzte
der Nachkommen sein. Darum hab’ ich dir, theurer Prinz, also
gerathen: Wie dieser gesegnete Wandel von mir gewiesen mögst
du ihm nachkommen, auf dass du nicht mein letzter Nachkomme
seiest.‹
Und König Makhadevos Sohn, Ānando, gab seinem Bader ein Dorf zu
eigen, betraute treulich seinen ältesten Sohn, den Kronprinzen,
mit der Königsmacht; und eben hier, im Mangohaine Makhadevos,
schor er sich Haar und Bart ab, legte das fahle Gewand an und
zog vom Hause in die Hauslosigkeit hinaus. Liebevollen Gemüthes
weilend strahlte er nach einer Richtung, dann nach einer
zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso
nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend 413
durchstrahlte er die ganze Welt mit liebevollem Gemüthe, mit
weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem.
Erbarmenden Gemüthes -- freudevollen Gemüthes -- unbewegten
Gemüthes weilend strahlte er nach einer Richtung, dann nach
einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten,
ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich
wiedererkennend durchstrahlte er die ganze Welt mit erbarmendem
Gemüthe, mit freudevollem Gemüthe, mit unbewegtem Gemüthe, mit
weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem.
König Makhadevos Sohn aber, Ānando, hat vierundachtzigtausend
Jahre die Spiele der Jugend gespielt, vierundachtzigtausend
Jahre ist er Kronprinz gewesen, vierundachtzigtausend Jahre hat
er als König geherrscht, und vierundachtzigtausend Jahre hat
er, eben hier im Mangohaine Makhadevos als Büßer weilend, das
Asketenleben geführt.
Und er harrte auf den vier heiligen Warten aus, und gelangte,
bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in heilige Welt.
Und auch König Makhadevos Enkel, Ānando, und Urenkel sind
ihm, durch vierundachtzigtausend Geschlechter, nachgefolgt
und haben eben hier, im Mangohaine Makhadevos, Haar und Bart
sich abgeschoren, das fahle Gewand angelegt und sind vom
Hause in die Hauslosigkeit gewandert. Liebevollen Gemüthes --
erbarmenden Gemüthes -- freudevollen Gemüthes -- unbewegten
Gemüthes weilend strahlten sie nach einer Richtung, dann
nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der
vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem
sich wiedererkennend durchstrahlten sie die ganze Welt mit
liebevollem Gemüthe, mit erbarmendem Gemüthe, mit freudevollem
Gemüthe, mit unbewegtem Gemüthe, mit weitem, tiefem,
unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem.
Und vierundachtzigtausend Jahre haben sie die Spiele der
Jugend gespielt, vierundachtzigtausend Jahre sind sie 414
Kronprinz gewesen, vierundachtzigtausend Jahre haben sie als
König geherrscht, und vierundachtzigtausend Jahre haben sie,
eben hier im Mangohaine Makhadevos als Büßer weilend, das
Asketenleben geführt.
Und sie harrten auf den vier heiligen Warten aus, und
gelangten, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in
heilige Welt.
Nimi war der letzte von diesen Königen, ein gerechter und
wahrer König, auf dem Rechte ruhend, ein großer König, der das
Recht zur Geltung brachte bei Priestern und Hausvätern, bei
Bürgern und Bauern, der den Feiertag feierte bei Vollmond und
Neumond und beiden Vierteln.
Als da einst, Ānando, die Dreiunddreißig Götter im Saal der
Säligen zu Rathe beisammensaßen, erhob sich unter ihnen die
Rede:
›Gesegnet sind die Videher, hochgesegnet ist das Videherreich,
wo Nimi herrscht, als gerechter und wahrer König, auf dem
Rechte ruhend, ein großer König, der das Recht zur Geltung
bringt bei Priestern und Hausvätern, bei Bürgern und Bauern,
der den Feiertag feiert bei Vollmond und Neumond und beiden
Vierteln.‹
Da wandte sich denn, Ānando, Sakko der Götterherr also an die
Dreiunddreißig Götter:
›Wünschet ihr etwa, Würdige, Nimi den König zu sehn.‹
›Wir wünschen es, Würdiger, Nimi den König zu sehn.‹
Um diese Zeit nun, Ānando, hatte Nimi der König -- es war ein
Feiertag, Vollmond -- gebadeten Hauptes, feiernd, oben auf
der Zinne seines Palastes Platz genommen. Da verschwand nun,
Ānando, Sakko der Götterherr, so schnell wie etwa ein kräftiger
Mann den eingezogenen Arm ausstrecken oder den ausgestreckten
Arm einziehn mag, aus dem Himmel der Dreiunddreißig und 415
erschien vor König Nimi. Und er sprach also zu ihm:
›Segen dir, großer König, hoher Segen dir, großer König! Die
Götter, großer König, der Dreiunddreißig sitzen im Saal der
Säligen beisammen und singen dein Lob: ‚Gesegnet sind die
Videher, hochgesegnet ist das Videherreich, wo Nimi herrscht,
als gerechter und wahrer König, auf dem Rechte ruhend, ein
großer König, der das Recht zur Geltung bringt bei Priestern
und Hausvätern, bei Bürgern und Bauern, der den Feiertag feiert
bei Vollmond und Neumond und beiden Vierteln.‘ Die Götter,
großer König, der Dreiunddreißig möchten dich sehn! Und so
werd’ ich dir, großer König, das tausendjochige Rossegespann
herabsenden[158]: wolle besteigen, großer König, den
himmlischen Wagen, ohne Bangen.‹
Schweigend gewährte, Ānando, König Nimi die Bitte.
Als nun, Ānando, Sakko der Götterherr der Zustimmung König
Nimis gewiss war, verschwand er, so schnell wie etwa ein
kräftiger Mann den eingezogenen Arm ausstrecken oder den
ausgestreckten Arm einziehn mag, vor König Nimi und erschien im
Himmel der Dreiunddreißig. Und er befahl Mātali dem Rosselenker:
›Eile dich, bester Mātali, rüste das tausendjochige
Rossegespann und fahre zu König Nimi hinab und sprich also zu
ihm: ‚Hier, großer König, ist das tausendjochige Rossegespann,
das dir Sakko der Götterherr schickt: wolle besteigen, großer
König, den himmlischen Wagen, ohne Bangen.‘‹
›Wohl, Erlauchter, wie du befiehlst!‹ entgegnete da gehorsam
Mātali der Rosselenker Sakko dem Götterherrn. Und er rüstete 416
das tausendjochige Rossegespann und fuhr zu König Nimi hinab
und sprach also zu ihm:
›Hier, großer König, ist das tausendjochige Rossegespann, das
dir Sakko der Götterherr schickt: besteige, großer König, den
himmlischen Wagen, ohne Bangen. Und sage mir, großer König:
über welche Bahn soll ich dich fahren? Wo die Wesen durch böse
That böser Thaten Vergeltung genießen, oder wo die Wesen durch
gute That guter Thaten Vergeltung genießen?‹
›Ueber die beiden Bahnen, Mātali, fahre mich!‹
Und Mātali, Ānando, der Rosselenker, brachte Nimi den König bis
vor den Saal der Säligen hin. Da erblickte, Ānando, Sakko der
Götterherr Nimi den König von ferne herankommen, und als er ihn
gesehn sprach er also zu ihm:
›Komm’, o großer König, sei gegrüßt, o großer König! Die
Götter, großer König, der Dreiunddreißig sitzen im Saal der
Säligen beisammen und singen dein Lob: ‚Gesegnet sind die
Videher, hochgesegnet ist das Videherreich, wo Nimi herrscht,
als gerechter und wahrer König, auf dem Rechte ruhend, ein
großer König, der das Recht zur Geltung bringt bei Priestern
und Hausvätern, bei Bürgern und Bauern, der den Feiertag feiert
bei Vollmond und Neumond und beiden Vierteln.‘ Die Götter,
großer König, der Dreiunddreißig möchten dich sehn! Erfreue
dich, großer König, bei den Göttern an göttlichem Glanze!‹
›Schon gut, Würdiger! Man soll mich nur wieder nach Mithilā
heimfahren: dort will ich sorgen, dass Recht gelte bei
Priestern und Hausvätern, bei Bürgern und Bauern, will den
Feiertag feiern bei Vollmond und Neumond und beiden Vierteln.‹
Da wandte sich nun, Ānando, Sakko der Götterherr also an Mātali 417
den Rosselenker:
›Eile dich, bester Mātali, rüste das tausendjochige
Rossegespann und fahre König Nimi wieder hinab nach Mithilā.‹
›Wohl, Erlauchter, wie du befiehlst!‹ entgegnete da gehorsam
Mātali der Rosselenker Sakko dem Götterherrn. Und er rüstete
das tausendjochige Rossegespann und fuhr König Nimi wieder
hinab nach Mithilā.
Hier sorgte nun, Ānando, König Nimi, dass Recht gelte bei
Priestern und Hausvätern, bei Bürgern und Bauern, feierte den
Feiertag bei Vollmond und Neumond und beiden Vierteln.
Und König Nimi, Ānando, wandte sich einst, als viele Jahre,
viele Jahrhunderte, viele Jahrtausende vergangen waren, an
seinen Bader:
›Wann du, bester Bader, auf meinem Haupte graue Haare
wahrnimmst, dann sag’ es mir.‹
›Wohl, o König!‹ entgegnete da gehorsam der Bader dem Herrscher.
Und der Bader, Ānando, nahm, als viele Jahre, viele
Jahrhunderte, viele Jahrtausende vergangen waren, auf dem
Haupte des Herrschers graue Haare wahr; und als er sie
wahrgenommen sprach er also zu ihm:
›Gemeldet haben sich beim Könige Götterboten: auf dem Haupte
sind graue Haare erschienen.‹
›Wohlan denn, bester Bader, so nimm diese grauen Haare mit
einer Zange zart heraus und leg’ sie mir auf die Hand.‹
›Wohl, o König!‹ entgegnete da gehorsam der Bader dem
Herrscher, nahm diese grauen Haare mit einer Zange zart heraus
und legte sie dem Herrscher auf die Hand. Und König Nimi, 418
Ānando, gab dem Bader ein Dorf zu eigen, und er ließ den
Kronprinzen, seinen ältesten Sohn, zu sich berufen und sprach
also zu ihm:
›Gemeldet haben sich bei mir, theurer Prinz, Götterboten:
auf dem Haupte sind graue Haare erschienen. Genossen hab’
ich ja die menschlichen Wonnen: es ist Zeit an himmlische
Wonnen zu denken. Komme, theurer Prinz, übernimm du diese
Königsmacht: denn ich will mir Haar und Bart abscheeren, das
fahle Gewand anlegen und aus dem Hause in die Hauslosigkeit
wandern. Und so magst auch du, theurer Prinz, wann sich dir
auf dem Haupte graue Haare gezeigt haben, deinem Bader ein
Dorf zu eigen geben, deinen ältesten Sohn, den Kronprinzen,
mit der Königsmacht treulich betrauen, dir Haar und Bart
abscheeren, das fahle Gewand anlegen und aus dem Hause in
die Hauslosigkeit ziehn. Wie dieser gesegnete Wandel von mir
gewiesen mögst du ihm nachkommen, auf dass du nicht mein
letzter Nachkomme seiest. In einem Weltalter, theurer Prinz, wo
der also gesegnete Wandel gebrochen wird, da wird der letzte
der Nachkommen sein. Darum hab’ ich dir, theurer Prinz, also
gerathen: Wie dieser gesegnete Wandel von mir gewiesen mögst
du ihm nachkommen, auf dass du nicht mein letzter Nachkomme
seiest.‹
Und König Nimi, Ānando, gab seinem Bader ein Dorf zu eigen,
betraute treulich seinen ältesten Sohn, den Kronprinzen, mit
der Königsmacht; und eben hier, im Mangohaine Makhadevos,
schor er sich Haar und Bart ab, legte das fahle Gewand an
und zog vom Hause in die Hauslosigkeit hinaus. Liebevollen
Gemüthes -- erbarmenden Gemüthes -- freudevollen Gemüthes --
unbewegten Gemüthes weilend strahlte er nach einer Richtung,
dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der 419
vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich
wiedererkennend durchstrahlte er die ganze Welt mit liebevollem
Gemüthe, mit erbarmendem Gemüthe, mit freudevollem Gemüthe, mit
unbewegtem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von
Grimm und Groll geklärtem.
König Nimi aber, Ānando, hat vierundachtzigtausend Jahre die
Spiele der Jugend gespielt, vierundachtzigtausend Jahre ist er
Kronprinz gewesen, vierundachtzigtausend Jahre hat er als König
geherrscht, und vierundachtzigtausend Jahre hat er, eben hier
im Mangohaine Makhadevos als Büßer weilend, das Asketenleben
geführt.
Und er harrte auf den vier heiligen Warten aus, und gelangte,
bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in heilige Welt.
König Nimi aber, Ānando, hat einen Sohn gehabt, Kaḷārajanako
geheißen. Der ist nicht aus dem Hause in die Hauslosigkeit
gezogen. Der hat diesen gesegneten Wandel gebrochen. Der ist
der letzte der Nachkommen gewesen.[159]
* * * * *
»Doch hat, Ānando, jener gesegnete Wandel nicht zur Abkehr,
nicht zur Wendung, nicht zur Auflösung, nicht zur Aufhebung, 420
nicht zur Durchschauung, nicht zur Erwachung, nicht zur
Erlöschung geführt, sondern nur zur Einkehr in heilige Welt.
Aber dieser gesegnete Wandel, Ānando, der heute von mir
gewiesen wird, der führt zu vollkommener Abkehr, Wendung,
Auflösung, Aufhebung, Durchschauung, Erwachung, zur Erlöschung.