»Einst war, Ānando, hier im Umkreis eine Burgstadt gebaut, 372

Vebhaliṉgam genannt, blühend, gedeihend, volkreich, von vielen

Menschen bewohnt. Nahe bei dieser Burgstadt aber, Ānando,

hielt sich Kassapo auf, der Erhabene, der Heilige, vollkommen

Erwachte. Und hier, Ānando, war Kassapos, des Erhabenen, des

Heiligen, vollkommen Erwachten, Gartenbereich; und hier,

Ānando, pflegte Kassapo, der Erhabene, der Heilige, vollkommen

Erwachte, zu sitzen und seine Jünger zu lehren. Zu Vebhaliṉgam

nun, Ānando, der Burgstadt, lebte ein Hafner Namens Ghaṭīkāro;

der war Kassapo, dem Erhabenen, dem Heiligen, vollkommen

Erwachten, zugethan, ganz besonders zugethan. Und Ghaṭīkāro,

Ānando, der Hafner, hatte Jotipālo, einen jungen Brāhmanen,

zum Freunde, zum Lieblingsfreunde. Da berief denn, Ānando,

Ghaṭīkāro der Hafner Jotipālo den jungen Brāhmanen:

›Gehn wir, bester Jotipālo, wir wollen Kassapo den Erhabenen

sehn, den Heiligen, vollkommen Erwachten aufsuchen: glücklich

ist ja, denk’ ich, wer Ihn, den Erhabenen, den Heiligen,

vollkommen Erwachten sehn kann!‹

Auf diese Worte, Ānando, erwiderte Jotipālo der junge Brāhmane

Ghaṭīkāro dem Hafner:

›Genug, bester Ghaṭīkāro: was soll uns der Anblick jenes

kahlköpfigen Pfaffen?‹

Und ein zweites Mal, Ānando, und ein drittes Mal, Ānando,

sprach Ghaṭīkāro der Hafner also zu Jotipālo dem jungen

Brāhmanen:

›Gehn wir, bester Jotipālo, wir wollen Kassapo den Erhabenen

sehn, den Heiligen, vollkommen Erwachten aufsuchen: glücklich

ist ja, denk’ ich, wer Ihn, den Erhabenen, den Heiligen,

vollkommen Erwachten sehn kann!‹

Und ein zweites Mal, Ānando, und ein drittes Mal, Ānando,

erwiderte Jotipālo der junge Brāhmane Ghaṭīkāro dem Hafner:

›Genug, bester Ghaṭīkāro: was soll uns der Anblick jenes 373

kahlköpfigen Pfaffen?‹

›Wohlan denn, bester Jotipālo, lass’ uns Schwamm und Seife[135]

nehmen und nach dem Flusse gehn, zu baden.‹

›Gern, Bester!‹ entgegnete da, Ānando, Jotipālo der junge

Brāhmane Ghaṭīkāro dem Hafner. Und sie gingen, Ānando, versehn

mit Schwamm und Seife, nach dem Flusse, zu baden. Da wandte

sich nun, Ānando, Ghaṭīkāro der Hafner also an Jotipālo den

jungen Brāhmanen:

›Ganz in der Nähe, bester Jotipālo, liegt der Garten Kassapos,

des Erhabenen, des Heiligen, vollkommen Erwachten; gehn wir,

bester Jotipālo, wir wollen Kassapo den Erhabenen sehn, den

Heiligen, vollkommen Erwachten aufsuchen: glücklich ist ja,

denk’ ich, wer Ihn, den Erhabenen, den Heiligen, vollkommen

Erwachten sehn kann!‹

Auf diese Worte, Ānando, erwiderte Jotipālo der junge Brāhmane

Ghaṭīkāro dem Hafner:

›Genug, bester Ghaṭīkāro: was soll uns der Anblick jenes

kahlköpfigen Pfaffen?‹

Und ein zweites Mal, Ānando, und ein drittes Mal, Ānando,

sprach Ghaṭīkāro der Hafner also zu Jotipālo dem jungen

Brāhmanen:

›Ganz in der Nähe, bester Jotipālo, liegt der Garten Kassapos,

des Erhabenen, des Heiligen, vollkommen Erwachten; gehn wir,

bester Jotipālo, wir wollen Kassapo den Erhabenen sehn, den

Heiligen, vollkommen Erwachten aufsuchen: glücklich ist ja,

denk’ ich, wer Ihn, den Erhabenen, den Heiligen, vollkommen

Erwachten sehn kann!‹

Und ein zweites Mal, Ānando, und ein drittes Mal, Ānando,

erwiderte Jotipālo der junge Brāhmane Ghaṭīkāro dem Hafner:

›Genug, bester Ghaṭīkāro: was soll uns der Anblick jenes 374

kahlköpfigen Pfaffen?‹

Da rieb nun, Ānando, Ghaṭīkāro der Hafner Jotipālo den jungen

Brāhmanen mit Seife ein und sprach also zu ihm:

›Ganz in der Nähe, bester Jotipālo, liegt der Garten Kassapos,

des Erhabenen, des Heiligen, vollkommen Erwachten; gehn wir,

bester Jotipālo, wir wollen Kassapo den Erhabenen sehn, den

Heiligen, vollkommen Erwachten aufsuchen: glücklich ist ja,

denk’ ich, wer Ihn, den Erhabenen, den Heiligen, vollkommen

Erwachten sehn kann!‹

Und Jotipālo, Ānando, der junge Brāhmane, wusch die Seife nun

ab und sprach also zu Ghaṭīkāro dem Hafner:

›Genug, bester Ghaṭīkāro: was soll uns der Anblick jenes

kahlköpfigen Pfaffen?‹

Da streichelte nun, Ānando, Ghaṭīkāro der Hafner Jotipālo dem

jungen Brāhmanen das Haar des gebadeten Hauptes und sprach also

zu ihm:

›Ganz in der Nähe, bester Jotipālo, liegt der Garten Kassapos,

des Erhabenen, des Heiligen, vollkommen Erwachten; gehn wir,

bester Jotipālo, wir wollen Kassapo den Erhabenen sehn, den

Heiligen, vollkommen Erwachten aufsuchen: glücklich ist ja,

denk’ ich, wer Ihn, den Erhabenen, den Heiligen, vollkommen

Erwachten sehn kann!‹

Da gedachte nun, Ānando, Jotipālo der junge Brāhmane:

›Wunderbar, wahrlich, außerordentlich ist es, dass da dieser

Hafner Ghaṭīkāro, der von minderer Geburt ist[136], vermeint,

das Haar unseres gebadeten Hauptes streicheln zu müssen: das

kann nichts Gewöhnliches bedeuten!‹; und er sprach also zu ihm:

›Gar so sehr drängt es dich, bester Ghaṭīkāro?‹[137]

›Gar so sehr drängt es mich, bester Jotipālo! Denn ich weiß ja

wie glücklich man ist, Ihn sehn zu können, den Erhabenen, den 375

Heiligen, vollkommen Erwachten.‹

›Wohlan denn, bester Ghaṭīkāro, rüste dich: wir wollen gehn.‹

Und sie gingen, Ānando, dorthin wo Kassapo der Erhabene weilte,

der Heilige, vollkommen Erwachte. Dort angelangt begrüßte

Ghaṭīkāro der Hafner Kassapo den Erhabenen ehrerbietig, den

Heiligen, vollkommen Erwachten, und setzte sich seitwärts

nieder; während Jotipālo der junge Brāhmane höflichen Gruß

und freundliche, denkwürdige Worte mit Kassapo dem Erhabenen

wechselte, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, und dann

seitwärts niedersaß. Seitwärts sitzend, Ānando, wandte sich

nun Ghaṭīkāro der Hafner also an Kassapo den Erhabenen, den

Heiligen, vollkommen Erwachten:

›Das ist, o Herr, Jotipālo, ein junger Brāhmane, mein Freund,

mein Lieblingsfreund: ihm möge der Erhabene die Lehre darlegen!‹

Und Kassapo, Ānando, der Erhabene, der Heilige, vollkommen

Erwachte, ermunterte und ermuthigte, erregte und erheiterte

Ghaṭīkāro den Hafner und Jotipālo den jungen Brāhmanen in

lehrreichem Gespräche. Und Ghaṭīkāro, Ānando, der Hafner,

und Jotipālo der junge Brāhmane, von Kassapo dem Erhabenen,

dem Heiligen, vollkommen Erwachten, in lehrreichem Gespräche

ermuntert, ermuthigt, erregt und erheitert, standen von ihren

Sitzen auf, erfreut und befriedigt durch des Erhabenen Rede,

begrüßten den Erhabenen ehrerbietig, gingen rechts herum und

entfernten sich.

Da fragte nun, Ānando, Jotipālo der junge Brāhmane Ghaṭīkāro

den Hafner:

›Diese Lehre, o bester Ghaṭīkāro, hast du vernommen, und du 376

ziehst nicht vom Hause in die Hauslosigkeit hinaus?‹

›Weißt du denn nicht, bester Jotipālo, dass ich meine greisen,

erblindeten Eltern ernähre?‹

›Nun, so will ich, bester Ghaṭīkāro, aus dem Hause in die

Hauslosigkeit ziehn!‹

Und Ghaṭīkāro, Ānando, der Hafner, und Jotipālo der junge

Brāhmane kehrten zu Kassapo dem Erhabenen zurück, dem Heiligen,

vollkommen Erwachten, boten ehrerbietigen Gruß dar und setzten

sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend, Ānando, sprach

nun Ghaṭīkāro der Hafner also zu Kassapo dem Erhabenen, dem

Heiligen, vollkommen Erwachten:

›Hier bring’ ich, o Herr, Jotipālo den jungen Brāhmanen,

meinen Freund, meinen Lieblingsfreund: den möge der Erhabene

aufnehmen!‹

Und aufgenommen, Ānando, wurde Jotipālo der junge Brāhmane,

belehnt mit der Ordensweihe von Kassapo dem Erhabenen, dem

Heiligen, vollkommen Erwachten.

* * * * *

Und Kassapo, Ānando, der Erhabene, der Heilige, vollkommen

Erwachte, begab sich nun, da er nach Belieben in Vebhaliṉgam

geweilt hatte, nicht lange nach der Aufnahme des jungen

Brāhmanen Jotipālo, vierzehn Tage nach der Ordensweihe, auf die

Wanderung nach Benāres, von Ort zu Ort wandernd näherte er sich

der Stadt.

Zu Benāres, Ānando, weilte nun Kassapo der Erhabene, der

Heilige, vollkommen Erwachte, am Sehersteine, im Wildparke. Da

kam es, Ānando, Kikī, dem König von Benāres[138], zu Ohren:

›Kassapo, sagt man, der Erhabene, der Heilige, vollkommen

Erwachte, ist in Benāres angekommen, weilt zu Benāres, am

Sehersteine, im Wildparke!‹

Und Kikī, Ānando, der König von Benāres, ließ viele prächtige 377

Wagen bespannen, bestieg selbst einen solchen und fuhr also

mit überaus reichem königlichen Gepränge aus der Stadt hinaus,

Kassapo den Erhabenen zu besuchen, den Heiligen, vollkommen

Erwachten. So weit gefahren als man fahren konnte, stieg er vom

Wagen ab und ging dann zu Fuße dorthin wo Kassapo weilte, der

Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, bot ehrerbietigen

Gruß dar und setzte sich seitwärts nieder. Und Kikī, Ānando,

der König von Benāres, der da zur Seite saß, wurde von

Kassapo dem Erhabenen, dem Heiligen, vollkommen Erwachten,

in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermuthigt, erregt und

erheitert; und er sprach also zu ihm:

›Gewähre mir, o Herr, der Erhabene die Bitte, morgen mit den

Mönchen bei mir zu speisen!‹

Schweigend, Ānando, gewährte Kassapo die Bitte, der Erhabene,

der Heilige, vollkommen Erwachte.

Als nun Kikī, Ānando, der König von Benāres, der Zustimmung

Kassapos, des Erhabenen, sicher war, stand er von seinem

Sitze auf, bot ehrerbietigen Gruß dar, ging rechts herum und

entfernte sich.

Da ließ nun, Ānando, Kikī der König von Benāres am nächsten

Morgen in seiner Behausung ausgewählte feste und flüssige

Speise auftragen, ein Gericht aus frischem, zartem[139],

gesichtetem Reis, saftig und würzig bereitet, und sandte einen 378

Boten an den Erhabenen mit der Meldung: ›Es ist Zeit, o Herr,

das Mahl ist bereit.‹

Und Kassapo, Ānando, der Erhabene, der Heilige, vollkommen

Erwachte, rüstete sich beizeiten, nahm Mantel und

Almosenschaale und begab sich zum Wohnhause Kikīs, des Königs

von Benāres. Dort angekommen nahm der Erhabene mit den Mönchen

auf den angebotenen Sitzen Platz. Und Kikī, Ānando, der König

von Benāres, bediente und versorgte eigenhändig Kassapo den

Erwachten und seine Jünger mit ausgewählter fester und

flüssiger Speise.

Nachdem nun, Ānando, Kassapo der Erhabene gespeist und das Mahl

beendet hatte, nahm Kikī der König von Benāres einen von den

niederen Stühlen zur Hand und setzte sich zur Seite hin. Zur

Seite sitzend, Ānando, sprach nun Kikī der König von Benāres

also zu Kassapo dem Erhabenen:

›Möge mir, o Herr, der Erhabene zusagen und über die Regenzeit

in Benāres verweilen: so werden die Mönche ihren Unterhalt

finden.‹

›Genug, großer König: schon zugesagt hab’ ich die Regenzeit.‹

Und zum zweiten Mal, Ānando, und zum dritten Mal, Ānando,

wandte sich Kikī der König von Benāres also an Kassapo den

Erhabenen:

›Möge mir, o Herr, der Erhabene zusagen und über die Regenzeit

in Benāres verweilen: so werden die Mönche ihren Unterhalt

finden.‹

›Genug, großer König: schon zugesagt hab’ ich die Regenzeit.‹

Da gedachte, Ānando, Kikī der König von Benāres: ›Nicht mag

mir Kassapo der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte,

zustimmen und über die Regenzeit nach Benāres kommen!‹; und er 379

wurde gar betrübt und traurig und sprach also zu Kassapo dem

Erhabenen:

›So ist dir, o Herr, wohl ein anderer mehr zugethan als ich?‹

›Ich kenne, großer König, eine Burgstadt, die heißt

Vebhaliṉgam; dort lebt ein Hafner Namens Ghaṭīkāro: der ist

mir zugethan, ganz besonders zugethan. Du aber, großer König,

denkst also: ‚Nicht mag mir Kassapo der Erhabene, der Heilige,

vollkommen Erwachte, zustimmen und über die Regenzeit nach

Benāres kommen!‘ und bist gar betrübt und traurig. Das kennt

nun Ghaṭīkāro der Hafner nicht und soll es nicht kennen.

Ghaṭīkāro, großer König, der Hafner, hat beim Erwachten

Zuflucht genommen, bei der Lehre Zuflucht genommen, bei der

Jüngerschaft Zuflucht genommen. Ghaṭīkāro, großer König, der

Hafner, hütet sich vor dem Tödten, hütet sich vor dem Nehmen

des Nichtgegebenen, hütet sich vor Ausschweifung, hütet sich

vor der Lüge, hütet sich vor Wein und gebranntem Wasser, vor

berauschenden und berückenden Mitteln. Ghaṭīkāro, großer König,

der Hafner, hat seine Liebe zum Erwachten erprobt, seine Liebe

zur Lehre erprobt, seine Liebe zu den Jüngern erprobt, hat

Eigenschaften wie sie Heiligen lieb sind. Ghaṭīkāro, großer

König, der Hafner, zweifelt nicht am Leiden, zweifelt nicht an

der Leidensentwicklung, zweifelt nicht an der Leidensauflösung,

zweifelt nicht am Pfade, der zur Leidensauflösung führt.

Ghaṭīkāro, großer König, der Hafner, nimmt einmal des Tages

Nahrung zu sich, er lebt keusch, ist tugendhaft, von edler Art.

Ghaṭīkāro, großer König, der Hafner, hat Schmuck und Juwelen

abgelegt, Gold und Silber von sich gethan. Ghaṭīkāro, großer

König, der Hafner, gräbt seine Erde mit der Hand, nicht mit dem

Spatel, aus.[140] Findet er ein Nesthäkchen oder ein Kaninchen,

so hebt er es liebevoll auf, legt es in ein Gefäß und spricht

ihm zu: ‚Hier werden nach Wunsch übrig gebliebene[141] 380

Reiskörner und übrig gebliebene Bohnen und übrig gebliebene

Erbsen ausgetheilt: nehme sich jeder was er nur will!‘

Ghaṭīkāro, großer König, der Hafner, ernährt seine greisen,

erblindeten Eltern. Ghaṭīkāro, großer König, der Hafner, hat

die fünf niederzerrenden Fesseln vernichtet, steigt empor, um

von dort aus zu erlöschen, nicht mehr zurückzukehren nach jener

Welt.

›Es war einmal, großer König, da weilt’ ich zu Vebhaliṉgam

der Burgstadt. Und ich nahm, großer König, zeitig gerüstet,

Mantel und Schaale und begab mich zu den Eltern des Hafners

Ghaṭīkāro und sprach also zu ihnen: ‚Sagt mir, wo ist denn

der Bhaggaver[142] hingegangen?‘ -- ‚Er ist nicht daheim, o

Herr, dein Fürwalter: aber lass’ dir Reis aus der Schüssel und

Brühe aus dem Napfe geben und nimm theil am Mahle!‘ -- Und

ich ließ mir, großer König, Reis aus der Schüssel und Brühe

aus dem Napfe geben, nahm theil am Mahle, erhob mich dann und

ging fort. Als nun, großer König, Ghaṭīkāro der Hafner nach

Hause kam, fragte er seine Eltern: ‚Wer hat hier gespeist und

gerastet und ist wieder gegangen?‘ -- ‚Kassapo war es, lieber

Sohn, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, der

hier gespeist und gerastet hat und wieder gegangen ist.‘ Da

gedachte nun, großer König, Ghaṭīkāro der Hafner: ‚Gesegnet bin

ich, fürwahr, hochgesegnet, fürwahr, dass mich da Kassapo der 381

Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, so werth gehalten

hat!‘ -- Und zwei Wochen, großer König, hielt die Freude

darüber bei Ghaṭīkāro dem Hafner an, und eine Woche bei seinen

Eltern.

›Es war einmal, großer König, da weilt’ ich wieder zu

Vebhaliṉgam der Burgstadt. Und ich nahm, großer König, zeitig

gerüstet, Mantel und Schaale und begab mich zu den Eltern des

Hafners Ghaṭīkāro und sprach also zu ihnen: ‚Sagt mir, wo

ist denn der Bhaggaver hingegangen?‘ -- ‚Er ist nicht daheim,

o Herr, dein Fürwalter: aber lass’ dir Grütze aus dem Topf

und Brühe aus dem Napfe geben und nimm theil am Mahle!‘ --

Und ich ließ mir, großer König, Grütze aus dem Topf und Brühe

aus dem Napfe geben, nahm theil am Mahle, erhob mich dann und

ging fort. Als nun, großer König, Ghaṭīkāro der Hafner nach

Hause kam, fragte er seine Eltern: ‚Wer hat hier gespeist und

gerastet und ist wieder gegangen?‘ -- ‚Kassapo war es, lieber

Sohn, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, der

hier gespeist und gerastet hat und wieder gegangen ist.‘ Da

gedachte nun, großer König, Ghaṭīkāro der Hafner: ‚Gesegnet bin

ich, fürwahr, hochgesegnet, fürwahr, dass mich da Kassapo der

Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, so werth gehalten

hat!‘ -- Und zwei Wochen, großer König, hielt die Freude

darüber bei Ghaṭīkāro dem Hafner an, und eine Woche bei seinen 382

Eltern.

›Es war einmal, großer König, da weilt’ ich wieder zu

Vebhaliṉgam der Burgstadt. Um diese Zeit nun goss der Regen auf

die Hütten herab. Und ich mahnte, großer König, die Mönche:

‚Geht, ihr Mönche, und bittet im Hause des Hafners Ghaṭīkāro um

Stroh.‘ Also gemahnt, großer König, sagten die Mönche zu mir:

‚Ghaṭīkāro der Hafner, o Herr, hat im Hause kein Stroh: aber

das Dach vor dem Eingang ist mit Stroh gedeckt.‘ -- ‚Geht, ihr

Mönche, und nehmt das Stroh vor dem Eingang bei Ghaṭīkāro dem

Hafner weg.‘ Und die Mönche, großer König, nahmen das Stroh

vor dem Eingang bei Ghaṭīkāro dem Hafner weg. Da sprachen nun,

großer König, die Eltern des Hafners Ghaṭīkāro also zu den

Mönchen: ‚Wer nimmt da das Stroh vor dem Eingange weg?‘ --

Die Mönche sagten: ‚O Schwester, auf die Hütte Kassapos, des

Erhabenen, des Heiligen, vollkommen Erwachten, gießt der Regen

herab.‘ -- ‚So nehmt nur, Verehrte, so nehmt nur, Liebwerthe!‘

-- Als nun, großer König, Ghaṭīkāro der Hafner nach Hause

kam, fragte er seine Eltern: ‚Wer hat da das Stroh vor dem

Eingange weggenommen?‘ -- ‚Die Mönche, lieber Sohn, sagten, auf

die Hütte Kassapos, des Erhabenen, des Heiligen, vollkommen

Erwachten, gieße der Regen herab.‘ -- Da gedachte nun, großer

König, Ghaṭīkāro der Hafner: ‚Gesegnet bin ich, fürwahr,

hochgesegnet, fürwahr, dass mich da Kassapo der Erhabene,

der Heilige, vollkommen Erwachte, so werth gehalten hat!‘ --

Und zwei Wochen, großer König, hielt die Freude darüber bei

Ghaṭīkāro dem Hafner an, und eine Woche bei seinen Eltern. Und

das Dach vor dem Hause, großer König, war die ganze Regenzeit 383

hindurch ungedeckt, aber es regnete nicht herein.[143]

›Von solcher Art ist, großer König, Ghaṭīkāro der Hafner.‹

›Gesegnet, o Herr, ist Ghaṭīkāro der Hafner, hochgesegnet ist

er, o Herr, Ghaṭīkāro der Hafner, der vom Erhabenen so werth

gehalten wird!‹

Da ließ nun, Ānando, Kikī der König von Benāres Ghaṭīkāro dem

Hafner fünfhundert Wagen Reis zustellen, von frischem, zartem

Korne, nebst zugehöriger Würze. Und die königlichen Beamten,

Ānando, kamen zu Ghaṭīkāro dem Hafner und sprachen zu ihm:

›Diese fünfhundert Wagen, o Herr, Reis von frischem, zartem

Korne, nebst zugehöriger Würze, hat dir Kikī der König von

Benāres gesandt: die möge der Herr entgegennehmen!‹ -- ›Der

König hat viel zu thun, viel zu schaffen: genug schon, dass es

vom Könige kommt.‹«[144]

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige

Ānando über das Wort des Erhabenen.

82.

Neunter Theil Zweite Rede

RAṬṬHAPĀLO

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit wanderte der Erhabene

im Kurū-Lande von Ort zu Ort und kam, von vielen Mönchen

begleitet, in die Nähe einer Burg der Kurūner Namens

Thūlakoṭṭhitam. Und es hörten die brāhmanischen Hausleute in

Thūlakoṭṭhitam reden: ›Der Asket, wahrlich, Herr Gotamo, der 384

Sakyersohn, der dem Erbe der Sakyer entsagt hat, wandert in

unserem Lande von Ort zu Ort und ist mit vielen Mönchen in

Thūlakoṭṭhitam angekommen. Diesen Herrn Gotamo aber begrüßt

man allenthalben mit dem frohen Ruhmesrufe, so zwar: ‚Das ist

der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens-

und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der

unvergleichliche Leiter der Männerheerde, der Meister der

Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene. Er zeigt diese

Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit

ihrer Schaar von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen,

nachdem er sie selbst verstanden und durchdrungen hat. Er

verkündet die Lehre, deren Anfang begütigt, deren Mitte

begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, er

legt das vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum dar.

Glücklich wer da nun solche Heilige sehn kann!‘‹

Und die brāhmanischen Hausleute von Thūlakoṭṭhitam begaben

sich dorthin wo der Erhabene weilte. Dort angelangt verneigten

sich einige vor dem Erhabenen ehrerbietig und setzten sich

zur Seite nieder, andere wechselten höflichen Gruß und

freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzten

sich zur Seite nieder, einige wieder falteten die Hände gegen

den Erhabenen und setzten sich zur Seite nieder, andere

wieder gaben beim Erhabenen Namen und Stand zu erkennen und

setzten sich zur Seite nieder, und andere setzten sich still

zur Seite nieder.[145] Und die brāhmanischen Hausleute von

Thūlakoṭṭhitam, die da zur Seite saßen, wurden vom Erhabenen

in lehrreichem Gespräche ermuntert und ermuthigt, erregt und

erheitert.

Damals nun hatte Raṭṭhapālo, ein junger Edelmann, der Erbe 385

eines der ersten Adelsgeschlechter, eben dort zu Thūlakoṭṭhitam

in der dreifachen Versammlung[146] Platz genommen. Und

Raṭṭhapālo der junge Edelmann gedachte bei sich: ›So ich da

wirklich die vom Erhabenen dargelegte Lehre verstehe, geht es

nicht wohl, wenn man im Hause bleibt, das völlig geläuterte,

völlig geklärte Asketenthum Punkt für Punkt zu erfüllen.

Wie, wenn ich nun, mit geschorenem Haar und Barte, mit

fahlem Gewande bekleidet, aus dem Hause in die Hauslosigkeit

hinauszöge?‹

Und die brāhmanischen Hausleute von Thūlakoṭṭhitam, vom

Erhabenen in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermuthigt,

erregt und erheitert, standen von ihren Sitzen auf, erfreut und

befriedigt durch des Erhabenen Rede, begrüßten den Erhabenen

ehrerbietig, gingen rechts herum und entfernten sich.

Da nun begab sich Raṭṭhapālo der junge Edelmann, bald nachdem

die brāhmanischen Hausleute von Thūlakoṭṭhitam gegangen waren,

zum Erhabenen hin, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und

setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprach nun

Raṭṭhapālo der junge Edelmann also zum Erhabenen:

»So ich da wirklich, o Herr, die vom Erhabenen dargelegte

Lehre verstehe, geht es nicht wohl, wenn man im Hause bleibt,

das völlig geläuterte, völlig geklärte Asketenthum Punkt für

Punkt zu erfüllen. Ich wünsche, o Herr, mit geschorenem Haar

und Barte, mit fahlem Gewande bekleidet, aus dem Hause in die

Hauslosigkeit hinauszuziehn: möge mir, o Herr, der Erhabene

Aufnahme gewähren, die Ordensweihe ertheilen!«

»Und hast du, Raṭṭhapālo, die Zustimmung deiner Eltern

erhalten, aus dem Hause in die Hauslosigkeit zu gehn?«

»Nicht hab’ ich, o Herr, die Zustimmung meiner Eltern erhalten, 386

aus dem Hause in die Hauslosigkeit zu gehn.«

»Nicht nehmen, Raṭṭhapālo, Vollendete ohne Zustimmung der

Eltern den Sohn auf.«

»Dann werd’ ich, o Herr, dahin wirken, dass mir die Eltern

ihre Zustimmung nicht versagen sollen, aus dem Hause in die

Hauslosigkeit zu gehn.«

Und Raṭṭhapālo der junge Edelmann stand von seinem Sitze auf,

begrüßte den Erhabenen ehrerbietig, ging rechts herum und

begab sich zu seinen Eltern. Dort angelangt sprach er also zu

ihnen:

»Mutter, Vater! So ich da wirklich die vom Erhabenen dargelegte

Lehre verstehe, geht es nicht wohl, wenn man im Hause bleibt,

das völlig geläuterte, völlig geklärte Asketenthum Punkt für

Punkt zu erfüllen. Ich wünsche, mit geschorenem Haar und

Barte, mit fahlem Gewande bekleidet, aus dem Hause in die

Hauslosigkeit zu ziehn: gestattet mir, dass ich fort vom Hause

in die Hauslosigkeit gehe!«

Auf diese Worte sprachen die Eltern zu Raṭṭhapālo dem jungen

Edelmann also:

»Du bist, o Raṭṭhapālo, unser einziges, theures, geliebtes

Kind, in Freuden erwachsen, in Freuden auferzogen: du weißt, o

Raṭṭhapālo, nichts von Leiden. Komm’ denn, lieber Raṭṭhapālo:

iss und trink’ und ergetze dich![147] Du kannst essen und

trinken und dich ergetzen und fröhlich genießen und Gutes thun

und dich damit zufriedengeben. Wir gestatten dir nicht, aus dem

Hause in die Hauslosigkeit, zu gehn! Sogar der Tod ließe uns

deinen Verlust nicht willig ertragen: wie sollten wir dich erst

lebendig aus dem Hause in die Hauslosigkeit ziehn lassen?«

Und ein zweites Mal, und ein drittes Mal sprach Raṭṭhapālo der 387

junge Edelmann also zu seinen Eltern:

»Mutter, Vater! So ich da wirklich die vom Erhabenen dargelegte

Lehre verstehe, geht es nicht wohl, wenn man im Hause bleibt,

das völlig geläuterte, völlig geklärte Asketenthum Punkt für

Punkt zu erfüllen. Ich wünsche, mit geschorenem Haar und

Barte, mit fahlem Gewande bekleidet, aus dem Hause in die

Hauslosigkeit zu ziehn: gestattet mir, dass ich fort vom Hause

in die Hauslosigkeit gehe!«

Und ein zweites Mal, und ein drittes Mal sprachen die Eltern zu

Raṭṭhapālo dem jungen Edelmann also:

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, zweiter Band · 第 24 / 45 段