»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade

gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger den Wahn versiegen

und die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei

Lebzeiten sich offenbar machen, verwirklichen und erringen.

Gleichwie etwa, Udāyī, wenn da am Ufer eines Alpensees von

klarem, durchsichtigem, ungetrübtem Wasser ein scharfsehender

Mann stände und hinblickte auf die Muscheln und Schnecken, auf

den Kies und Sand und die Fische, wie sie dahingleiten und

stillestehn; der sagte sich nun: ›Klar ist diese Wasserfläche,

durchsichtig, ungetrübt; ich sehe darunter die Muscheln und

Schnecken, den Kies und Sand und die Fische, die dahingleiten

oder ruhn‹: ebenso nun auch, Udāyī, hab’ ich den Jüngern

die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger den Wahn

versiegen und die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung

noch bei Lebzeiten sich offenbar machen, verwirklichen und

erringen.

»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung

reichlich erreicht.

»Das ist, Udāyī, die fünfte Eigenschaft, warum die Jünger

mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des

Vertrauens würdigen.

»Das sind, Udāyī, die fünf Eigenschaften, warum die Jünger

mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des

Vertrauens würdigen.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich Sakuludāyī der 341

Pilger über das Wort des Erhabenen.

78.

Achter Theil Achte Rede

DER SOHN DER SAMAṆAMUṆḌIKĀ

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei

Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Um diese

Zeit nun hielt sich der Pilger Uggāhamāno, der Sohn der

Samaṇamuṇḍikā, im Redesaal der ebenholzverschaalten Großen

Halle in Mallikās Garten auf, in Gesellschaft vieler Pilger,

von etwa dreihundert Pilgern umgeben.[117]

Da ging nun Pañcakaṉgo der Baumeister eines Nachmittags von

Sāvatthī hinaus, den Erhabenen besuchen. Doch Pañcakaṉgo der

Baumeister gedachte alsbald: ›Es ist noch nicht Zeit den

Erhabenen zu besuchen, zurückgezogen weilt der Erhabene; und

auch die geistig thätigen Mönche besuchen ziemt sich jetzt

nicht, zurückgezogen wirken die Mönche geistiges Werk. Wie,

wenn ich nun den Redesaal aufsuchte, die ebenholzverschaalte

Große Halle, den Garten Mallikās, wo Uggāhamāno der Pilger, der

Sohn der Samaṇamuṇḍikā, weilt?‹ Und Pañcakaṉgo der Baumeister

begab sich zum Garten der Mallikā, zur ebenholzverschaalten

Großen Halle, zum Redesaal hin.

Um diese Zeit aber war Uggāhamāno der Pilger, der Sohn der

Samanamuṇḍikā, im weiten Kreise der Pilgerschaar sitzend, in

lebhaftem Gespräche begriffen; und sie machten lauten Lärm, 342

großen Lärm, und unterhielten sich über allerhand gemeine

Dinge, als wie über Könige, über Räuber, über Fürsten und

Soldaten, über Krieg und Kampf, über Speise und Trank, über

Kleidung und Bett, über Blumen und Düfte, über Verwandte,

über Fuhrwerk und Wege, über Dörfer und Burgen, über Städte

und Länder, über Weiber und Weine, über Straßen und Märkte,

über die Altvorderen und über die Veränderungen, über

Volksgeschichten und Seegeschichten, über dies und das und

dergleichen mehr.

Und Uggāhamāno der Pilger, der Sohn der Samaṇamuṇḍikā, sah

Pañcakaṉgo den Baumeister von ferne herankommen, und als er ihn

gesehn mahnte er die Umsitzenden zur Ruhe:

»Seid nicht so laut, ihr Lieben, macht keinen Lärm, ihr Lieben:

da kommt ein Jünger des Asketen Gotamo heran, Pañcakaṉgo der

Baumeister! Von jenen Jüngern des Asketen Gotamo, die da als

Hausleute, weiß gekleidet, in Sāvatthī wohnen, ist dieser auch

einer, Pañcakaṉgo der Baumeister. Und sie lieben nicht lauten

Lärm, diese Herren, Ruhe ist ihnen recht, Ruhe preisen sie;

vielleicht mag ihn der Anblick einer lautlosen Versammlung

bewegen, seine Schritte hierher zu lenken.«

Und so schwiegen denn diese Pilger still. Und Pañcakaṉgo der

Baumeister kam näher zu Uggāhamāno dem Pilger, dem Sohne der

Samaṇamuṇḍikā, heran. Dort angelangt wechselte er höflichen

Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit ihm und setzte sich

zur Seite nieder. Und zu Pañcakaṉgo dem Baumeister, der da

zur Seite saß, sprach nun Uggāhamāno der Pilger, der Sohn der

Samaṇamuṇḍikā, also:

»Vier Dinge, Baumeister, sag’ ich, lassen den Menschen gut 343

begabt sein, höchstes Gut, besten Gewinn gewonnen, den

Asketenkampf bestanden haben: welche vier? Da begeht er,

Baumeister, keine böse That in Werken, redet kein böses Wort,

hegt keine böse Gesinnung, lebt kein böses Leben. Diese vier

Dinge, Baumeister, sag’ ich, lassen den Menschen gut begabt

sein, höchstes Gut, besten Gewinn gewonnen, den Asketenkampf

bestanden haben.«

Aber Pañcakaṉgo der Baumeister war durch die Worte des Pilgers

Uggāhamāno, des Sohnes der Samaṇamuṇḍikā, weder befriedigt noch

verstimmt; ohne Befriedigung, ohne Verstimmung stand er von

seinem Sitze auf und ging fort: ›Beim Erhabenen werd’ ich den

Sinn dieser Worte verstehn.‹

Und Pañcakaṉgo der Baumeister begab sich dorthin wo der

Erhabene weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte

sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend berichtete nun

Pañcakaṉgo der Baumeister dem Erhabenen Wort für Wort alles was

Uggāhamāno der Pilger, der Sohn der Samaṇamuṇḍikā, gesagt. Als

er geendet, wandte sich der Erhabene zu ihm und sprach:

»Ist es also, Baumeister, dann mag ein zarter Knabe, ein

unvernünftiger Säugling, gut begabt sein, höchstes Gut, besten

Gewinn gewonnen, den Asketenkampf bestanden haben, dem Worte

des Pilgers Uggāhamāno, des Sohnes der Samaṇamuṇḍikā, gemäß.

Denn ein zarter Knabe, Baumeister, ein unvernünftiger Säugling,

weiß ja nichts von Werken: woher sollt’ er gar böse That in

Werken begehn, es sei denn dass er um sich schlägt. Denn ein 344

zarter Knabe, Baumeister, ein unvernünftiger Säugling, weiß ja

nichts von Worten: woher sollt’ er gar böses Wort reden, es

sei denn dass er schreit. Denn ein zarter Knabe, Baumeister,

ein unvernünftiger Säugling, weiß ja nichts von Gesinnung:

woher sollt’ er gar böse Gesinnung hegen, es sei denn dass

er zornig ist.[118] Denn ein zarter Knabe, Baumeister, ein

unvernünftiger Säugling, weiß ja nichts von Leben: woher sollt’

er gar böses Leben leben, es sei denn dass er Muttermilch

nimmt. Ist es also, Baumeister, dann mag ein zarter Knabe, ein

unvernünftiger Säugling, gut begabt sein, höchstes Gut, besten

Gewinn gewonnen, den Asketenkampf bestanden haben, dem Worte

des Pilgers Uggāhamāno, des Sohnes der Samaṇamuṇḍikā, gemäß.

»Vier Dinge, Baumeister, sag’ ich, lassen den Menschen noch

nicht gut begabt sein, höchstes Gut, besten Gewinn gewonnen,

den Asketenkampf bestanden haben, sondern nur bis zu jenem

zarten Knaben, dem unvernünftigen Säugling, heranreichen:

welche vier? Da begeht er, Baumeister, keine böse That in

Werken, redet kein böses Wort, hegt keine böse Gesinnung, lebt

kein böses Leben. Diese vier Dinge, Baumeister, sag’ ich,

lassen den Menschen noch nicht gut begabt sein, höchstes Gut,

besten Gewinn gewonnen, den Asketenkampf bestanden haben,

sondern nur bis zu jenem zarten Knaben, dem unvernünftigen

Säugling, heranreichen.

»Zehn Dinge, Baumeister, sag’ ich, lassen den Menschen gut

begabt sein, höchstes Gut, besten Gewinn gewonnen, den

Asketenkampf bestanden haben.

»‚So ist üble Gehabung‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man 345

wissen. ‚Daher kommt üble Gehabung‘: das, Baumeister, sag’

ich, muss man wissen. ‚Da geht üble Gehabung ohne Ueberrest

unter‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Also

wandelnd geht man dem Untergang übler Gehabung entgegen‘:

das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚So ist gute

Gehabung‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Daher

kommt gute Gehabung‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man

wissen. ‚Da geht gute Gehabung ohne Ueberrest unter‘: das,

Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Also wandelnd geht man

dem Untergang guter Gehabung entgegen‘: das, Baumeister, sag’

ich, muss man wissen. ‚So ist üble Gesinnung‘: das, Baumeister,

sag’ ich, muss man wissen. ‚Daher kommt üble Gesinnung‘: das,

Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Da geht üble Gesinnung

ohne Ueberrest unter‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man

wissen. ‚Also wandelnd geht man dem Untergang übler Gesinnung

entgegen‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚So ist

gute Gesinnung‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen.

‚Daher kommt gute Gesinnung‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss

man wissen. ‚Da geht gute Gesinnung ohne Ueberrest unter‘: das,

Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Also wandelnd geht man

dem Untergang guter Gesinnung entgegen‘: das, Baumeister, sag’ 346

ich, muss man wissen.

»Was ist aber, Baumeister, üble Gehabung? Ueble That in

Werken, üble That in Worten, böses Leben: das heißt man,

Baumeister, üble Gehabung. Und woher, Baumeister, kommt diese

üble Gehabung? Spricht man von ihrer Herkunft, so hat man

zu sagen: aus dem Herzen kommt sie her.[119] Welcher Art

ist das Herz? Das Herz ist eben gar vielfältig, manigfach,

unterschiedlich; das Herz, das Gier, Hass und Irre birgt[120],

da kommt die üble Gehabung her. Und wo, Baumeister, geht diese

üble Gehabung ohne Ueberrest unter? Spricht man von ihrem

Untergange, so gilt es, Baumeister, dass der Mönch üblen

Wandel in Werken verlasse und guten Wandel in Werken erfülle,

üblen Wandel in Worten verlasse und guten Wandel in Worten

erfülle, üblen Wandel in Gedanken verlasse und guten Wandel in

Gedanken erfülle, falsches Leben verlasse und auf rechte Weise

das Leben friste: da geht jene üble Gehabung ohne Ueberrest

unter. Wie aber wandelt man, Baumeister, dem Untergang übler

Gehabung entgegenzugehn? Da weckt, Baumeister, der Mönch seinen

Willen, dass er unaufgestiegene üble, unheilsame Dinge nicht

aufsteigen lasse, er müht sich darum, muthig bestrebt, rüstet

das Herz, macht es kampfbereit; weckt seinen Willen, dass er

aufgestiegene üble, unheilsame Dinge vertreibe, er müht sich

darum, muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit;

weckt seinen Willen, dass er unaufgestiegene heilsame Dinge

aufsteigen lasse, er müht sich darum, muthig bestrebt, rüstet

das Herz, macht es kampfbereit; weckt seinen Willen, dass er

aufgestiegene heilsame Dinge sich festigen, nicht lockern,

weiterentwickeln, erschließen, entfalten, erfüllen lasse,

er müht sich darum, muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht

es kampfbereit. Also wandelt man, Baumeister, dem Untergang 347

übler Gehabung entgegenzugehn.

»Was ist aber, Baumeister, gute Gehabung? Gute That in

Werken, gute That in Worten, Lauterkeit des Lebens: das,

Baumeister, sag’ ich, gehört zur Gehabung; und man heißt

es, Baumeister, gute Gehabung. Und woher, Baumeister, kommt

diese gute Gehabung? Spricht man von ihrer Herkunft, so hat

man zu sagen: aus dem Herzen kommt sie her. Welcher Art ist

das Herz? Das Herz ist eben gar vielfältig, manigfach,

unterschiedlich; das Herz, das keine Gier, keinen Hass,

keine Irre birgt, da kommt die gute Gehabung her. Und wo,

Baumeister, geht diese gute Gehabung ohne Ueberrest unter?

Spricht man von ihrem Untergange, so gilt es, Baumeister,

dass der Mönch Tugend habe, nicht aber Tugend sei; und dass

er jene Gemütherlösung, Weisheiterlösung der Wahrheit gemäß

erkenne, wo ihm die gute Gehabung ohne Ueberrest untergeht.

Wie aber wandelt man, Baumeister, dem Untergang guter Gehabung

entgegenzugehn? Da weckt, Baumeister, der Mönch seinen

Willen, dass er unaufgestiegene üble, unheilsame Dinge nicht

aufsteigen lasse, er müht sich darum, muthig bestrebt, rüstet

das Herz, macht es kampfbereit; weckt seinen Willen, dass er

aufgestiegene üble, unheilsame Dinge vertreibe, er müht sich

darum, muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit;

weckt seinen Willen, dass er unaufgestiegene heilsame Dinge

aufsteigen lasse, er müht sich darum, muthig bestrebt, rüstet

das Herz, macht es kampfbereit; weckt seinen Willen, dass er

aufgestiegene heilsame Dinge sich festigen, nicht lockern,

weiterentwickeln, erschließen, entfalten, erfüllen lasse, er

müht sich darum, muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht es

kampfbereit. Also wandelt man, Baumeister, dem Untergang guter

Gehabung entgegenzugehn.

»Was ist aber, Baumeister, üble Gesinnung? Sinnende Lust,

sinnender Groll, sinnende Wuth: das heißt man, Baumeister, üble

Gesinnung. Und woher, Baumeister, kommt diese üble Gesinnung?

Spricht man von ihrer Herkunft, so hat man zu sagen: aus der 348

Wahrnehmung kommt sie her. Welcher Art ist die Wahrnehmung?

Die Wahrnehmung ist eben gar vielfältig, manigfach,

unterschiedlich; die Wahrnehmung, die Lust empfindet, Groll

empfindet, Wuth empfindet, da kommt die üble Gesinnung her. Und

wo, Baumeister, geht diese üble Gesinnung ohne Ueberrest unter?

Spricht man von ihrem Untergange, so gilt es, Baumeister, dass

der Mönch, gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen,

in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit, in der

Weihe der ersten Schauung weile: da geht jene üble Gesinnung

ohne Ueberrest unter. Wie aber wandelt man, Baumeister,

dem Untergang übler Gesinnung entgegenzugehn? Da weckt,

Baumeister, der Mönch seinen Willen, dass er unaufgestiegene

üble, unheilsame Dinge nicht aufsteigen lasse, er müht sich

darum, muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit;

weckt seinen Willen, dass er aufgestiegene üble, unheilsame

Dinge vertreibe, er müht sich darum, muthig bestrebt, rüstet

das Herz, macht es kampfbereit; weckt seinen Willen, dass er

unaufgestiegene heilsame Dinge aufsteigen lasse, er müht sich

darum, muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit;

weckt seinen Willen, dass er aufgestiegene heilsame Dinge

sich festigen, nicht lockern, weiterentwickeln, erschließen,

entfalten, erfüllen lasse, er müht sich darum, muthig bestrebt,

rüstet das Herz, macht es kampfbereit. Also wandelt man,

Baumeister, dem Untergang übler Gesinnung entgegenzugehn.

»Was ist aber, Baumeister, gute Gesinnung? Entsagung sinnen,

keinen Groll hegen, keine Wuth hegen: das heißt man,

Baumeister, gute Gesinnung. Und woher, Baumeister, kommt diese

gute Gesinnung? Spricht man von ihrer Herkunft, so hat man

zu sagen: aus der Wahrnehmung kommt sie her. Welcher Art ist

die Wahrnehmung? Die Wahrnehmung ist eben gar vielfältig, 349

manigfach, unterschiedlich; die Wahrnehmung, die Entsagung

sinnt, keinen Groll hegt, keine Wuth hegt, da kommt die gute

Gesinnung her. Und wo, Baumeister, geht diese gute Gesinnung

ohne Ueberrest unter? Spricht man von ihrem Untergange, so

gilt es, Baumeister, dass der Mönch nach Vollendung des

Sinnens und Gedenkens die innere Meeresstille, die Einheit des

Gemüthes gewinne, die von sinnen, von gedenken freie, in der

Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten

Schauung: da geht jene gute Gesinnung ohne Ueberrest unter. Wie

aber wandelt man, Baumeister, dem Untergang guter Gesinnung

entgegenzugehn? Da weckt, Baumeister, der Mönch seinen

Willen, dass er unaufgestiegene üble, unheilsame Dinge nicht

aufsteigen lasse, er müht sich darum, muthig bestrebt, rüstet

das Herz, macht es kampfbereit; weckt seinen Willen, dass er

aufgestiegene üble, unheilsame Dinge vertreibe, er müht sich

darum, muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit;

weckt seinen Willen, dass er unaufgestiegene heilsame Dinge

aufsteigen lasse, er müht sich darum, muthig bestrebt, rüstet

das Herz, macht es kampfbereit; weckt seinen Willen, dass er

aufgestiegene heilsame Dinge sich festigen, nicht lockern,

weiterentwickeln, erschließen, entfalten, erfüllen lasse, er

müht sich darum, muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht es

kampfbereit. Also wandelt man, Baumeister, dem Untergang guter

Gesinnung entgegenzugehn.

»Was für zehn Dinge aber, Baumeister, sag’ ich, lassen den

Menschen gut begabt sein, höchstes Gut, besten Gewinn gewonnen,

den Asketenkampf bestanden haben? Da eignet, Baumeister,

einem Mönche untrüglich rechte Erkenntniss, untrüglich rechte

Gesinnung, untrüglich rechte Rede, untrüglich rechtes Handeln,

untrüglich rechtes Wandeln, untrüglich rechtes Mühn, untrüglich 350

rechte Einsicht, untrüglich rechte Einigung, untrüglich

rechte Weisheit, untrüglich rechte Erlösung. Diese zehn

Dinge, Baumeister, sag’ ich, lassen den Menschen gut begabt

sein, höchstes Gut, besten Gewinn gewonnen, den Asketenkampf

bestanden haben.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich Pañcakaṉgo der

Baumeister über das Wort des Erhabenen.

79.

Achter Theil Neunte Rede

SAKULUDĀYĪ

-- II --

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei

Rājagaham, im Bambusparke, am Hügel der Eichhörnchen. Um diese

Zeit nun hielt sich der Pilger Sakuludāyī im Pilgerhaine

auf, am Pfauenhügel, in Gesellschaft vieler Pilger. Und

der Erhabene, zeitig gerüstet, nahm Mantel und Schaale und

wanderte gegen Rājagaham, um Almosenspeise. Und es gedachte der

Erhabene: ›Allzu früh ist’s noch, in der Stadt um Almosenspeise

zu stehn; wie, wenn ich nun zum Pilgergarten, nach dem

Pfauenhügel ginge, Sakuludāyī den Pilger besuchen?‹ Und der

Erhabene begab sich zum Pilgergarten, nach dem Pfauenhügel hin.

Um diese Zeit aber war Sakuludāyī der Pilger, im weiten Kreise 351

der Pilgerschaar sitzend, in lebhaftem Gespräche begriffen;

und sie machten lauten Lärm, großen Lärm und unterhielten sich

über allerhand gemeine Dinge, als wie über Könige, über Räuber,

über Fürsten und Soldaten, über Krieg und Kampf, über Speise

und Trank, über Kleidung und Bett, über Blumen und Düfte, über

Verwandte, über Fuhrwerk und Wege, über Dörfer und Burgen,

über Städte und Länder, über Weiber und Weine, über Straßen

und Märkte, über die Altvorderen und über die Veränderungen,

über Volksgeschichten und Seegeschichten, über dies und das und

dergleichen mehr.

Und Sakuludāyī der Pilger sah den Erhabenen von ferne

herankommen, und als er ihn gesehn mahnte er die Umsitzenden

zur Ruhe:

»Seid nicht so laut, ihr Lieben, macht keinen Lärm, ihr Lieben:

da kommt der Asket Gotamo heran! Und er liebt nicht lauten

Lärm, dieser Ehrwürdige, Ruhe preist er; vielleicht mag ihn

der Anblick einer lautlosen Versammlung bewegen seine Schritte

hierher zu lenken.«[121]

Und so schwiegen denn diese Pilger still. Und der Erhabene kam

näher zu Sakuludāyī dem Pilger heran. Und Sakuludāyī der Pilger

sprach zum Erhabenen also:

»Es komme, o Herr, der Erhabene, gegrüßt sei, o Herr, der

Erhabene! Lange schon, o Herr, hat der Erhabene hoffen lassen,

mich einmal hier zu besuchen. Möge sich, o Herr, der Erhabene

setzen: dieser Sitz ist bereit.«

Es setzte sich der Erhabene auf den dargebotenen Sitz.

Sakuludāyī aber, der Pilger, nahm einen von den niederen

Stühlen zur Hand und setzte sich an die Seite. Zu Sakuludāyī

dem Pilger, der da beiseite saß, wandte sich nun der Erhabene

also:

»Zu welchem Gespräche, Udāyī, seid ihr jetzt hier

zusammengekommen, und wobei habt ihr euch eben unterbrochen?«

»Sei es, o Herr, um jenes Gespräch, warum wir hier beisammen

sind: schwerlich, o Herr, wird dem Erhabenen etwas entgehn,

wenn es auch später zur Sprache kommt. Wann ich, o Herr, fern 352

von dieser Gesellschaft weile, dann ist sie zu Gesprächen über

allerhand gemeine Dinge versammelt: wann ich aber, o Herr,

diese Gesellschaft aufgesucht habe, dann richten sich ihre

Blicke zu mir empor: ›Was uns der Asket Udāyī wird lehren,

dem wollen wir lauschen.‹ Hat nun, o Herr, der Erhabene diese

Gesellschaft aufgesucht, dann richten sich ebenso meine Blicke

wie die der Uebrigen zum Erhabenen empor: ›Was uns der Erhabene

wird lehren, dem wollen wir lauschen.‹«

»Wohlan denn, Udāyī, da soll eben von dir die Ansprache

ausgehn, wie sie von mir ausgehn mag.«

»Die vergangenen Tage, o Herr, vor einiger Zeit, hab’ ich ihm,

der alles weiß, alles versteht, unbeschränkte Wissensklarheit

bekennt -- ‚Ob ich geh’ oder stehe, schlaf’ oder wache,

jederzeit hab’ ich die gesammte Wissensklarheit gegenwärtig‘

-- von Anfang an Fragen gestellt: er aber ist von einem auf

ein anderes übergegangen, vom Gegenstande abgeschweift, hat

Verdrossenheit, Hass und Misstrauen an den Tag gelegt. Da hab’

ich, o Herr, eben an den Erhabenen mit Freuden gedacht: ›Ja

der Erhabene, ja der Willkommene, der wird gewiss dieser Dinge

kundig sein!‹«

»Wer ist es denn, Udāyī, der alles weiß, alles versteht,

unbeschränkte Wissensklarheit bekennt -- ‚Ob ich geh’ oder

stehe, schlaf’ oder wache, jederzeit hab’ ich die gesammte

Wissensklarheit gegenwärtig‘ -- der von dir, von Anfang

an befragt, von einem auf ein anderes übergegangen, vom

Gegenstande abgeschweift ist, Verdrossenheit, Hass und

Misstrauen an den Tag gelegt hat?«

»Nāthaputto, Herr, der Freie Bruder.« 353

»Wer sich, Udāyī, mancher verschiedenen früheren Daseinsform

erinnerte, als wie an ein Leben, dann an zwei Leben, und

so weiter; wer sich also an manche verschiedene frühere

Daseinsform, mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den

eigenartigen Beziehungen, erinnern kann: mag der von Anfang

an mir Fragen stellen, oder mag er von Anfang an mich fragen

lassen, so wird er, wie er sich von Anfang an die Fragen

lösen lässt, sich zufrieden stellen, oder wird, wie er mich

von Anfang an die Fragen lösen lässt, sich zufrieden geben.

Wer[122] da, Udāyī, mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten,

über menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen

dahinschwinden und wiedererscheinen sähe, gemeine und edle,

schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, erkennen

kann wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren: mag der

vom Ende an mir Fragen stellen, oder mag er vom Ende an mich

fragen lassen, so wird er, wie er sich vom Ende an die Fragen

lösen lässt, sich zufrieden stellen, oder wird, wie er mich vom

Ende an die Fragen lösen lässt, sich zufrieden geben. Aber,

Udāyī, sei es um den Anfang, sei es um das Ende: die Satzung

werd’ ich dir aufweisen. Wenn Jenes ist, wird Dieses, durch die

Entstehung von Jenem entsteht Dieses; wenn Jenes nicht ist,

wird Dieses nicht, durch die Auflösung von Jenem wird Dieses

aufgelöst.[123]«

»Ich kann mich dessen, o Herr, was ich nur in meiner

gegenwärtigen Erscheinung alles erlebt habe, durchaus nicht

je einzeln ganz genau erinnern: woher sollt’ ich mich gar an 354

manche verschiedene frühere Daseinsform erinnern, als wie

an ein Leben, dann an zwei Leben, und so weiter, mit je den

eigenthümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen Beziehungen,

gleichwie etwa der Erhabene? Ja, o Herr, nicht einmal ein

Irrlicht vermag ich jetzt wahrzunehmen: woher sollt’ ich gar

mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche

Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und

wiedererscheinen sehn, gemeine und edle, schöne und unschöne,

glückliche und unglückliche, und erkennen wie die Wesen je nach

den Thaten wiederkehren, gleichwie etwa der Erhabene? Was mir

nun erst, o Herr, der Erhabene da gesagt hat: ›Aber, Udāyī, sei

es um den Anfang, sei es um das Ende: die Satzung werd’ ich dir

aufweisen. Wenn Jenes ist, wird Dieses, durch die Entstehung

von Jenem entsteht Dieses; wenn Jenes nicht ist, wird Dieses

nicht, durch die Auflösung von Jenem wird Dieses aufgelöst‹,

das ist mir noch viel weniger klar geworden. O dass ich nur,

o Herr, bei meinem eigenen Lehrsatze dem Erhabenen durch die

Lösung der Fragen zustimmen könnte!«

»Was hast du denn, Udāyī, für einen eigenen Lehrsatz?«

»Unser eigener Lehrsatz, o Herr, der lautet: ›Das ist der

höchste Glanz, das ist der höchste Glanz.‹«

»Was du aber da, Udāyī, als eigenen Lehrsatz also ansiehst,

›Das ist der höchste Glanz, das ist der höchste Glanz‹, was ist

das für ein höchster Glanz?«

»Ein Glanz, o Herr, über den es keinen größeren und helleren

giebt, das ist der höchste Glanz.«

»Und was ist das, Udāyī, für ein höchster Glanz, über den es

keinen größeren und helleren giebt?«

»Jener Glanz, o Herr, über den es keinen größeren und helleren 355

giebt, das ist der höchste Glanz.«

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, zweiter Band · 第 22 / 45 段