»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen,

auf deren Stegen meine Jünger die vier Machtgebiete erobern:

da erobert, Udāyī, der Mönch das durch Innigkeit, Ausdauer

und Sammlung des Willens gezeugte Machtgebiet; erobert das

durch Innigkeit, Ausdauer und Sammlung der Kraft gezeugte

Machtgebiet; erobert das durch Innigkeit, Ausdauer und Sammlung

des Geistes gezeugte Machtgebiet; erobert das durch Innigkeit,

Ausdauer und Sammlung des Prüfens gezeugte Machtgebiet. Da

haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung

reichlich erreicht.

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen,

auf deren Stegen meine Jünger fünf der Fähigkeiten erwerben:

da wird, Udāyī, der Mönch fähig der Zuversicht, die zur Ebbung

führt, zur Erwachung führt; fähig der Kraft, die zur Ebbung 326

führt, zur Erwachung führt; fähig der Einsicht, die zur Ebbung

führt, zur Erwachung führt; fähig der Innigkeit, die zur Ebbung

führt, zur Erwachung führt; fähig der Weisheit, die zur Ebbung

führt, zur Erwachung führt. Da haben denn meine Jünger der

Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen,

auf deren Stegen meine Jünger fünf der Vermögen erwerben: da

wird, Udāyī, der Mönch vermögend an Zuversicht, die zur Ebbung

führt, zur Erwachung führt; vermögend an Kraft, die zur Ebbung

führt, zur Erwachung führt; vermögend an Einsicht, die zur

Ebbung führt, zur Erwachung führt; vermögend an Innigkeit, die

zur Ebbung führt, zur Erwachung führt; vermögend an Weisheit,

die zur Ebbung führt, zur Erwachung führt. Da haben denn meine

Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen,

auf deren Stegen meine Jünger die sieben Erweckungen wirken:

da wirkt, Udāyī, der Mönch der Einsicht Erweckung, die

abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte,

die in Endsal übergeht; wirkt des Tiefsinns Erweckung, die

abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte,

die in Endsal übergeht; wirkt der Kraft Erweckung, die

abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte,

die in Endsal übergeht; wirkt der Heiterkeit Erweckung, die

abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte,

die in Endsal übergeht; wirkt der Lindheit Erweckung, die

abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte,

die in Endsal übergeht; wirkt der Innigkeit Erweckung, die

abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte,

die in Endsal übergeht; wirkt des Gleichmuths Erweckung, die

abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte,

die in Endsal übergeht. Da haben denn meine Jünger der

Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen,

auf deren Stegen meine Jünger den heiligen achtfältigen Weg

gewinnen: da gewinnt, Udāyī, der Mönch rechte Erkenntniss,

rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rechtes

Wandeln, rechtes Mühn, rechte Einsicht, rechte Einigung. Da 327

haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung

reichlich erreicht.

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade

gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger die acht Freiungen

finden. Formhaft ist er und sieht die Formen: das ist die

erste Freiung. Innen ohne Formwahrnehmung sieht er außen

Formen: das ist die zweite Freiung. Schönheit nur hat er im

Sinne: das ist die dritte Freiung. Durch völlige Ueberwindung

der Formwahrnehmungen, Vernichtung der Gegenwahrnehmungen,

Verwerfung der Vielheitwahrnehmungen gewinnt er in dem

Gedanken ›Gränzenlos ist der Raum‹ das Reich des unbegränzten

Raumes: das ist die vierte Freiung. Nach völliger Ueberwindung

der unbegränzten Raumsphäre gewinnt er in dem Gedanken

›Gränzenlos ist das Bewusstsein‹ das Reich des unbegränzten

Bewusstseins: das ist die fünfte Freiung. Nach völliger

Ueberwindung der unbegränzten Bewusstseinsphäre gewinnt er

in dem Gedanken ›Nichts ist da‹ das Reich des Nichtdaseins:

das ist die sechste Freiung. Nach völliger Ueberwindung der

Nichtdaseinsphäre erreicht er die Gränzscheide möglicher

Wahrnehmung: das ist die siebente Freiung. Nach völliger

Ueberwindung der Gränzscheide möglicher Wahrnehmung erreicht er

die Auflösung der Wahrnehmbarkeit: das ist die achte Freiung.

Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung

reichlich erreicht.

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen,

auf deren Stegen meine Jünger acht Grade der Ueberwindung

durchschreiten. Innen nimmt er Formen wahr, einig; außen sieht 328

er Formen, wenig, schöne und unschöne; solche überwindend sagt

er sich ›Ich weiß es, ich seh’ es‹, nimmt es also wahr: das

ist der erste Grad der Ueberwindung. Innen nimmt er Formen

wahr, einig; außen sieht er Formen, unermesslich, schöne und

unschöne; solche überwindend sagt er sich ›Ich weiß es, ich

seh’ es‹, nimmt es also wahr: das ist der zweite Grad der

Ueberwindung. Innen ohne Formwahrnehmung, einig, sieht er außen

Formen, wenig, schöne und unschöne; solche überwindend sagt er

sich ›Ich weiß es, ich seh’ es‹, nimmt es also wahr: das ist

der dritte Grad der Ueberwindung. Innen ohne Formwahrnehmung,

einig, sieht er außen Formen, unermesslich, schöne und

unschöne; solche überwindend sagt er sich ›Ich weiß es, ich

seh’ es‹, nimmt es also wahr: das ist der vierte Grad der

Ueberwindung. Innen ohne Formwahrnehmung, einig, sieht er außen

Formen, blaue, die blau schimmern, blau scheinen, blau aussehn.

Gleichwie etwa eine Hanfblüthe blau ist, blau schimmert, blau

scheint, blau aussieht, oder gleichwie etwa ein Seidenstoff,

auf beiden Seiten blaugefärbt[110], blau schimmert, blau

scheint, blau aussieht: ebenso auch sieht er, innen ohne

Formwahrnehmung, einig, außen Formen, blaue, die blau

schimmern, blau scheinen, blau aussehn; solche überwindend sagt

er sich ›Ich weiß es, ich seh’ es‹, nimmt es also wahr: das ist

der fünfte Grad der Ueberwindung. Innen ohne Formwahrnehmung,

einig, sieht er außen Formen, gelbe, die gelb schimmern,

gelb scheinen, gelb aussehn. Gleichwie etwa eine Zimmtblüthe

gelb ist, gelb schimmert, gelb scheint, gelb aussieht, oder

gleichwie etwa ein Seidenstoff, auf beiden Seiten gelbgefärbt, 329

gelb schimmert, gelb scheint, gelb aussieht: ebenso auch

sieht er, innen ohne Formwahrnehmung, einig, außen Formen,

gelbe, die gelb schimmern, gelb scheinen, gelb aussehn; solche

überwindend sagt er sich ›Ich weiß es, ich seh’ es‹, nimmt es

also wahr: das ist der sechste Grad der Ueberwindung. Innen

ohne Formwahrnehmung, einig, sieht er außen Formen, rothe,

die roth schimmern, roth scheinen, roth aussehn. Gleichwie

etwa eine Malvenrose roth ist, roth schimmert, roth scheint,

roth aussieht, oder gleichwie etwa ein Seidenstoff, auf

beiden Seiten rothgefärbt, roth schimmert, roth scheint, roth

aussieht: ebenso auch sieht er, innen ohne Formwahrnehmung,

einig, außen Formen, rothe, die roth schimmern, roth scheinen,

roth aussehn; solche überwindend sagt er sich ›Ich weiß es,

ich seh’ es‹, nimmt es also wahr: das ist der siebente Grad

der Ueberwindung. Innen ohne Formwahrnehmung, einig, sieht

er außen Formen, weiße, die weiß schimmern, weiß scheinen,

weiß aussehn. Gleichwie etwa der Morgenstern weiß ist, weiß

schimmert, weiß scheint, weiß aussieht, oder gleichwie

etwa ein Seidenstoff, auf beiden Seiten weißgebleicht, weiß

schimmert, weiß scheint, weiß aussieht: ebenso auch sieht er,

innen ohne Formwahrnehmung, einig, außen Formen, weiße, die

weiß schimmern, weiß scheinen, weiß aussehn; solche überwindend

sagt er sich ›Ich weiß es, ich seh’ es‹, nimmt es also wahr:

das ist der achte Grad der Ueberwindung. Da haben denn meine 330

Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich

erreicht.[111]

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade

gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger zehn Orte der Allheit

erkunden. Der Erde Allheit erkennt er, einig, durch und durch,

ungetheilt, unermesslich. Des Wassers Allheit erkennt er,

einig, durch und durch, ungetheilt, unermesslich. Des Feuers

Allheit erkennt er, einig, durch und durch, ungetheilt,

unermesslich. Der Luft Allheit erkennt er, einig, durch und

durch, ungetheilt, unermesslich. Des Blauen Allheit erkennt

er, einig, durch und durch, ungetheilt, unermesslich. Des

Gelben Allheit erkennt er, einig, durch und durch, ungetheilt,

unermesslich. Des Rothen Allheit erkennt er, einig, durch und

durch, ungetheilt, unermesslich. Des Weißen Allheit erkennt

er, einig, durch und durch, ungetheilt, unermesslich. Des

Raumes Allheit erkennt er, einig, durch und durch, ungetheilt,

unermesslich. Des Bewusstseins Allheit erkennt er, einig, durch

und durch, ungetheilt, unermesslich. Da haben denn meine Jünger

der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen,

auf deren Stegen meine Jünger die vier Schauungen eingehn.

Da gewinnt, Udāyī, der Mönch, gar fern von Begierden, fern

von unheilsamen Dingen, die sinnend gedenkende ruhegeborene

sälige Heiterkeit, die Weihe der ersten Schauung. Diesen Körper

da durchdringt und durchtränkt, erfüllt und sättigt er mit

ruhegeborener säliger Heiterkeit, sodass nicht der kleinste

Theil seines Körpers von ruhegeborener säliger Heiterkeit

ungesättigt bleibt.

»Gleichwie etwa, Udāyī, ein gewandter Bader oder Badergeselle

auf ein erzernes Becken Seifenpulver streut und mit Wasser 331

versetzt, verreibt und vermischt, sodass sein Schaumball völlig

durchfeuchtigt, innen und außen mit Feuchtigkeit gesättigt ist

und nichts herabträufelt: ebenso nun auch, Udāyī, durchdringt

und durchtränkt, erfüllt und sättigt der Mönch diesen Körper da

mit ruhegeborener säliger Heiterkeit, sodass nicht der kleinste

Theil seines Körpers von ruhegeborener säliger Heiterkeit

ungesättigt bleibt.[112]

»Weiter sodann, Udāyī: nach Vollendung des Sinnens und

Gedenkens erreicht der Mönch die innere Meeresstille, die

Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in

der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten

Schauung. Diesen Körper da durchdringt und durchtränkt, erfüllt

und sättigt er mit der in der Einigung geborenen säligen

Heiterkeit, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von

der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit ungesättigt

bleibt.

»Gleichwie etwa, Udāyī, ein See mit unterirdischer Quelle,

in den sich kein Bach von Osten oder Westen, von Norden oder

Süden ergösse, keine Wolke von Zeit zu Zeit mit tüchtigem

Gusse darüber hinwegzöge, in welchem nur die kühle Quelle

des Grundes emporwellte und diesen See völlig durchdränge,

durchtränkte, erfüllte und sättigte, sodass nicht der kleinste

Theil des Sees von kühlem Wasser ungesättigt bliebe: ebenso nun

auch, Udāyī, durchdringt und durchtränkt, erfüllt und sättigt

der Mönch diesen Körper da mit der in der Einigung geborenen

säligen Heiterkeit, sodass nicht der kleinste Theil seines

Körpers von der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit

ungesättigt bleibt.

»Weiter sodann, Udāyī: in heiterer Ruhe verweilt der Mönch

gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet

er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig

Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der dritten

Schauung. Diesen Körper da durchdringt und durchtränkt, erfüllt 332

und sättigt er mit entsäligter Heiterkeit, sodass nicht der

kleinste Theil seines Körpers von entsäligter Heiterkeit

ungesättigt bleibt.

»Gleichwie etwa, Udāyī, in einem Lotusweiher einzelne blaue

oder rothe oder weiße Lotusrosen im Wasser entstehn, im Wasser

sich entwickeln, unter dem Wasserspiegel bleiben, aus der

Wassertiefe Nahrung aufsaugen und ihre Blüthen und ihre Wurzeln

von kühlem Wasser durchdrungen, durchtränkt, erfüllt und

gesättigt sind, sodass nicht der kleinste Theil jeder blauen

oder rothen oder weißen Lotusrose von kühlem Nass ungesättigt

bleibt: ebenso nun auch, Udāyī, durchdringt und durchtränkt,

erfüllt und sättigt der Mönch diesen Körper da mit entsäligter

Heiterkeit, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von

entsäligter Heiterkeit ungesättigt bleibt.

»Weiter sodann, Udāyī: nach Verwerfung der Freuden und Leiden,

nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns erwirkt

der Mönch die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig

einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung. Er setzt

sich hin und bedeckt diesen Körper da mit geläutertem Gemüthe,

geklärtem, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von

dem geläuterten Gemüthe, dem geklärten, unbedeckt bleibt.

»Gleichwie etwa, Udāyī, wenn sich ein Mann vom Scheitel bis zur

Sohle in einen weißen Mantel eingehüllt niedersetzte, sodass

nicht der kleinste Theil seines Körpers von dem weißen Mantel

unbedeckt bliebe: ebenso nun auch, Udāyī, setzt sich der Mönch

nieder und hat diesen Körper da mit geläutertem Gemüthe, mit

geklärtem, überzogen, sodass nicht der kleinste Theil seines

Körpers von dem geläuterten Gemüthe, dem geklärten, unbedeckt 333

bleibt.

»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung

reichlich erreicht.

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen,

auf deren Stegen meine Jünger also erkennen: ›Das ist mein

Leib, der gestaltet, aus den vier Hauptstoffen entstanden, von

Vater und Mutter gezeugt, durch Speise und Trank entwickelt,

dem Vergehn, dem Untergang, der Aufreibung, Auflösung, der

Zerstörung verfallen ist; das hingegen ist mein Bewusstsein,

daran gebunden, daran geknüpft.‹

»Gleichwie etwa, Udāyī, wenn da ein Juwel wäre, ein

Edelstein, von reinem Wasser, achteckig, wohlbearbeitet,

klar, durchsichtig, mit jeder Eigenschaft begabt; und ein

Faden wäre daran befestigt, ein blauer, oder ein gelber, ein

rother, oder ein weißer, ein grauer Faden; und es hätte ihn ein

scharfsehender Mann um die Hand geschlungen und betrachtete

ihn: ›Das ist ein Juwel, ein Edelstein, von reinem Wasser,

achteckig, wohlbearbeitet, klar, durchsichtig, mit jeder

Eigenschaft begabt; und ein Faden ist daran befestigt, ein

blauer, oder ein gelber, ein rother, oder ein weißer, ein

grauer Faden‹: ebenso nun auch, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die

Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger also erkennen:

›Das ist mein Leib, der gestaltet, aus den vier Hauptstoffen

entstanden, von Vater und Mutter gezeugt, durch Speise und

Trank entwickelt, dem Vergehn, dem Untergang, der Aufreibung,

Auflösung, der Zerstörung verfallen ist; das hingegen ist mein

Bewusstsein, daran gebunden, daran geknüpft.‹

»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung

reichlich erreicht.

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen,

auf deren Stegen meine Jünger aus diesem Körper einen anderen

Körper hervorgehn lassen, formhaft, geistig gestaltet, mit 334

allen Gliedern begliedert, sinnenfällig. Gleichwie etwa, Udāyī,

wenn ein Mann einem Rohre den Halm auszöge und sich sagte:

›Das ist das Rohr, das ist der Halm, eins ist das Rohr, eins

ist der Halm: aus dem Rohre hab’ ich ja den Halm gezogen‹;

oder gleichwie etwa, Udāyī, wenn ein Mann das Schwerdt aus der

Scheide zöge und sich sagte: ›Das ist das Schwerdt, das ist die

Scheide, eins ist das Schwerdt, eins ist die Scheide: aus der

Scheide hab’ ich ja das Schwerdt gezogen‹; oder gleichwie etwa,

Udāyī, wenn ein Mann eine Schlange aus dem Korbe nähme und

sich sagte: ›Das ist die Schlange, das ist der Korb, eins ist

die Schlange, eins ist der Korb: aus dem Korbe hab’ ich ja die

Schlange genommen‹[113]: ebenso nun auch, Udāyī, hab’ ich den

Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger aus

diesem Körper einen anderen Körper hervorgehn lassen, formhaft,

geistig gestaltet, mit allen Gliedern begliedert, sinnenfällig.

»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung

reichlich erreicht.

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade

gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger auf manigfaltige Weise

Machtentfaltung erfahren mögen: als nur einer etwa vielfach

zu werden, und vielfach geworden wieder einer zu sein, oder

sichtbar und unsichtbar zu werden, auch durch Mauern, Wälle,

Felsen hindurchzuschweben wie durch die Luft; oder auf der

Erde auf- und unterzutauchen wie im Wasser, auch auf dem

Wasser zu wandeln ohne unterzusinken wie auf der Erde; oder

auch durch die Luft sitzend dahinzufahren wie der Vogel mit

seinen Fittichen; auch etwa diesen Mond und diese Sonne, die 335

so mächtigen, so gewaltigen, mit der Hand zu befühlen und zu

berühren; etwa gar bis zu den Brahmawelten den Körper in ihrer

Gewalt zu haben. Gleichwie etwa, Udāyī, ein geschickter Töpfer

oder Töpfergeselle was immer auch für Thonsachen er wollte

aus wohlbereitetem Thon anfertigen und herstellen könnte;

oder gleichwie etwa, Udāyī, ein geschickter Drechsler oder

Drechslergeselle was immer auch für Elphenbeinsachen er wollte

aus wohlbereitetem Elphenbein anfertigen und herstellen könnte;

oder gleichwie etwa, Udāyī, ein geschickter Goldschmidt oder

Goldschmidtgeselle was immer auch für Goldsachen er wollte

aus wohlbereitetem Gold anfertigen und herstellen könnte:

ebenso nun auch, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade

gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger auf manigfaltige Weise

Machtentfaltung erfahren mögen.[114]

»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung

reichlich erreicht.

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen,

auf deren Stegen meine Jünger mit dem himmlischen Gehör, 336

dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden,

beide Arten der Töne hören, die himmlischen und die

irdischen, die fernen und die nahen. Gleichwie etwa, Udāyī,

ein kräftiger Trompeter gar mühelos nach den vier Seiten

posaunen kann, ebenso nun auch, Udāyī, hab’ ich den Jüngern

die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger mit dem

himmlischen Gehör, dem geläuterten, über menschliche Gränzen

hinausreichenden, beide Arten der Töne hören, die himmlischen

und die irdischen, die fernen und die nahen.

»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung

reichlich erreicht.

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen,

auf deren Stegen meine Jünger der anderen Wesen, der anderen

Personen Herz im Herzen schauen und erkennen, das begehrliche

Herz als begehrlich und das begehrlose Herz als begehrlos, das

gehässige Herz als gehässig und das hasslose Herz als hasslos,

das irrende Herz als irrend und das irrlose Herz als irrlos,

das gesammelte Herz als gesammelt und das zerstreute Herz als

zerstreut, das hochstrebende Herz als hochstrebend und das

niedrig gesinnte Herz als niedrig gesinnt, das edle Herz als

edel und das gemeine Herz als gemein, das beruhigte Herz als 337

beruhigt und das ruhelose Herz als ruhelos, das erlöste Herz

als erlöst und das gefesselte Herz als gefesselt. Gleichwie

etwa, Udāyī, ein Weib oder ein Mann, jung, frisch, gefallsam,

in einem Spiegel oder in einer reinen, lauteren, hellen

Wasserfläche das Bild des eigenen Antlitzes prüfend betrachten

und, ist es nicht sauber, als nicht sauber, und ist es sauber,

als sauber erkennen kann: ebenso nun auch, Udāyī, hab’ ich den

Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger der

anderen Wesen, der anderen Personen Herz im Herzen schauen und

erkennen.

»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung

reichlich erreicht.

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen,

auf deren Stegen meine Jünger sich an manche verschiedene

frühere Daseinsform erinnern, als wie an ein Leben, dann an

zwei Leben, dann an drei Leben, dann an vier Leben, dann an 338

fünf Leben, dann an zehn Leben, dann an zwanzig Leben, dann

an dreißig Leben, dann an vierzig Leben, dann an fünfzig

Leben, dann an hundert Leben, dann an tausend Leben, dann

an hunderttausend Leben, dann an die Zeiten während mancher

Weltenentstehungen, dann an die Zeiten während mancher

Weltenvergehungen, dann an die Zeiten während mancher

Weltenentstehungen-Weltenvergehungen. ›Dort war ich, jenen

Namen hatte ich, jener Familie gehörte ich an, das war mein

Stand, das mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren,

so war mein Lebensende; dort verschieden trat ich anderswo

wieder ins Dasein: da war ich nun, diesen Namen hatte ich,

dieser Familie gehörte ich an, dies war mein Stand, dies mein

Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein

Lebensende; da verschieden trat ich hier wieder ins Dasein.‹ So

erinnert er sich mancher verschiedenen früheren Daseinsform,

mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen

Beziehungen.

»Gleichwie etwa, Udāyī, wenn ein Mann von seinem Orte nach

einem anderen Orte ginge und von diesem Orte wieder nach einem

anderen Orte und von diesem Orte nach seinem eigenen Orte

zurückkehrte; der sagte sich nun: ›Ich bin von meinem Orte

nach jenem Orte gegangen, dort bin ich also gestanden, also

gesessen, habe also gesprochen, also geschwiegen; von jenem

Orte bin ich aber nach diesem Orte gegangen, da bin ich nun

also gestanden, also gesessen, habe also gesprochen, also

geschwiegen; dann bin ich von diesem Orte nach meinem eigenen

Orte wieder zurückgegangen‹[115]: ebenso nun auch, Udāyī, hab’

ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine

Jünger sich an manche verschiedene frühere Daseinsform erinnern.

»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung 339

reichlich erreicht.

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen,

auf deren Stegen meine Jünger mit dem himmlischen Auge, dem

geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die

Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen sehn, gemeine und

edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche,

erkennen wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren. ›Diese

lieben Wesen sind freilich in Thaten dem Schlechten zugethan,

in Worten dem Schlechten zugethan, in Gedanken dem Schlechten

zugethan, tadeln Heiliges, achten Verkehrtes, thun Verkehrtes;

bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf

den Abweg, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in untere

Welt. Jene lieben Wesen sind aber in Thaten dem Guten zugethan,

in Worten dem Guten zugethan, in Gedanken dem Guten zugethan,

tadeln nicht Heiliges, achten Rechtes, thun Rechtes; bei der

Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf gute

Fährte, in sälige Welt.‹ So sehn sie mit dem himmlischen Auge,

dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die

Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle,

schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, erkennen wie

die Wesen je nach den Thaten wiederkehren.

»Gleichwie etwa, Udāyī, wenn da zwei Häuser wären, mit Thüren,

und es betrachtete ein scharfsehender Mann, in der Mitte

stehend, die Menschen, wie sie das Haus betreten und verlassen,

kommen und gehn[116]: ebenso nun auch, Udāyī, hab’ ich den

Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger mit

dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen

hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen

sehn, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und 340

unglückliche, erkennen wie die Wesen je nach den Thaten

wiederkehren.

»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung

reichlich erreicht.

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, zweiter Band · 第 21 / 45 段