»Da lasse denn, Sandako, ein Gleichniss dir geben: auch durch

Gleichnisse wird da manchem verständigen Manne der Sinn einer

Rede klar. Gleichwie etwa, Sandako, einem Manne, dem Hand und

Fuß abgehauen ist, ob er eben geht oder steht, schläft oder

wacht, jederzeit wohl Hand und Fuß gänzlich abgehauen ist,

aber weil er es da betrachtet weiß er: ›Abgehauen ist mir

Hand und Fuß‹: ebenso nun auch, Sandako, ist einem heiligen

Mönche, der Wahnversieger, Endiger ist, der das Werk gewirkt,

die Last abgelegt, das Heil sich errungen, die Daseinsfesseln

vernichtet, sich durch vollkommene Erkenntniss erlöst hat, ob

er eben geht oder steht, schläft oder wacht, jederzeit wohl der

Wahn gänzlich versiegt, aber weil er es da betrachtet weiß er:

›Versiegt ist mein Wahn.‹«

»Wieviele Vollender giebt es aber, o Ānando, in dieser Lehre

und Ordnung?«

»Nicht giebt es. Sandako, nur etwa hundert oder zweihundert

oder dreihundert oder vierhundert oder fünfhundert sondern noch

mehr der Vollender in dieser Lehre und Ordnung.«

»Wunderbar, o Ānando, außerordentlich ist es, o Ānando, dass

da keiner die eigene Lehre anpreisen und die Lehre anderer

schmähen mag, in einem Orden wo sich ja so viele Vollender zur

Darlegung der Lehre finden lassen, während jene Nackten Büßer 524

sohnloser Mutter Söhne sind[95], sich selber anpreisen und

andere schmähen, und doch nur drei Vollender anführen, nämlich

Nando Vaccho, Kiso Saṉkicco und Makkhali Gosālo.«

Und nun wandte sich Sandako der Pilger an seine eigene Schaar:

»Gehet, ihr Lieben! Beim Asketen Gotamo ist ächte

Asketenschaft. Mir selbst will es jetzt nicht leicht fallen,

Almosen, Ehre und Ruhm dahinzugeben.«

* * * * *

Also ermunterte da Sandako der Pilger seine eigene Schaar, beim

Erhabenen in Askese zu treten.

77.

Achter Theil Siebente Rede

SAKULUDĀYĪ

-- I --

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei S 310 T

Rājagaham, im Bambusparke, am Hügel der Eichhörnchen. Um diese

Zeit nun hielten sich gar viele wohlbekannte, wohlangesehne

Pilger im Pilgerhaine auf, am Pfauenhügel[96], und zwar Pilger

wie Anubhāro[97], Varataro und Sakuludāyī, und noch andere

wohlbekannte, wohlangesehne Pilger. Und der Erhabene, zeitig 311

gerüstet, nahm Mantel und Schaale und wanderte gegen Rājagaham,

um Almosenspeise. Und es gedachte der Erhabene: ›Allzu früh

ist’s noch, in der Stadt um Almosenspeise zu stehn; wie,

wenn ich nun zum Pilgergarten, nach dem Pfauenhügel ginge,

Sakuludāyī den Pilger besuchen?‹ Und der Erhabene begab sich

zum Pilgergarten, nach dem Pfauenhügel hin.

Um diese Zeit aber war Sakuludāyī der Pilger, im weiten Kreise

der Pilgerschaar sitzend, in lebhaftem Gespräche begriffen; und

sie machten lauten Lärm, großen Lärm, und unterhielten sich

über allerhand gemeine Dinge, als wie über Könige, über Räuber,

über Fürsten und Soldaten, über Krieg und Kampf, über Speise

und Trank, über Kleidung und Bett, über Blumen und Düfte, über

Verwandte, über Fuhrwerk und Wege, über Dörfer und Burgen,

über Städte und Länder, über Weiber und Weine, über Straßen

und Märkte, über die Altvorderen und über die Veränderungen,

über Volksgeschichten und Seegeschichten, über dies und das und

dergleichen mehr.

Und Sakuludāyī der Pilger sah den Erhabenen von ferne

herankommen, und als er ihn gesehn mahnte er die Umsitzenden

zur Ruhe:

»Seid nicht so laut, ihr Lieben, macht keinen Lärm, ihr Lieben:

da kommt der Asket Gotamo heran! Und er liebt nicht lauten

Lärm, dieser Ehrwürdige, Ruhe preist er; vielleicht mag ihn

der Anblick einer lautlosen Versammlung bewegen seine Schritte

hierher zu lenken.«

Und so schwiegen denn diese Pilger still. Und der Erhabene kam

näher zu Sakuludāyī dem Pilger heran. Und Sakuludāyī der Pilger

sprach also zum Erhabenen:

»Es komme, o Herr, der Erhabene, gegrüßt sei, o Herr, der 312

Erhabene! Lange schon, o Herr, hat der Erhabene hoffen lassen,

mich einmal hier zu besuchen. Möge sich, o Herr, der Erhabene

setzen: dieser Sitz ist bereit.«

Es setzte sich der Erhabene auf den dargebotenen Sitz.

Sakuludāyī aber, der Pilger, nahm einen von den niederen

Stühlen zur Hand und setzte sich an die Seite. Und zu

Sakuludāyī dem Pilger, der an der Seite saß, wandte sich nun

der Erhabene mit den Worten:

»Zu welchem Gespräche, Udāyī, seid ihr jetzt hier

zusammengekommen, und wobei habt ihr euch eben unterbrochen?«

»Sei es, o Herr, um jenes Gespräch, warum wir hier beisammen

sind: schwerlich, o Herr, wird dem Erhabenen etwas entgehn,

wenn es auch später zur Sprache kommt. -- Die vergangenen Tage,

o Herr, vor einiger Zeit, haben sich mancherlei Büßer, Asketen

und Priester, in der Volkshalle zu einer Sitzung eingefunden

und unter einander also zu reden begonnen: ›Gesegnet, wahrlich,

ist Bengālen und Magadhā, hochgesegnet, wahrlich, sein Volk,

da diese Asketen und Priester, die von zahlreichen Jüngern

und Anhängern umschaarten Häupter der Schulen, die bekannten,

gefeierten Bahnbrecher, die viel bei den Leuten gelten, sich

entschlossen haben in Rājagaham über die Regenzeit zu bleiben!

Da ist ja Pūraṇo Kassapo, den zahlreiche Jünger und Anhänger

als Haupt ihrer Schule umschaaren, ein bekannter, gefeierter

Bahnbrecher, der viel bei den Leuten gilt: auch der hat sich

entschlossen in Rājagaham über die Regenzeit zu bleiben. Da

ist auch Makkhali Gosālo, da ist auch Ajito Kesakambalo,

da ist Pakudho Kaccāyano, und Sañjayo Belaṭṭhaputto, und 313

Nigaṇṭho Nāthaputto, da ist auch der Asket Gotamo: ein jeder

von zahlreichen Jüngern und Anhängern als Haupt der Schule

umschaart, ein bekannter, gefeierter Bahnbrecher, der viel bei

den Leuten gilt, und jeder will in Rājagaham über die Regenzeit

bleiben. Welcher von diesen lieben Asketen und Priestern wird

da im Kreise der Jünger werthgehalten, hochgeschätzt, geachtet

und geehrt? Und wen[98], den sie werthhalten, hochschätzen,

haben sie ihres Vertrauens gewürdigt?‹ Da sagten nun einige:

›Dieser Pūraṇo Kassapo hat zahlreiche Jünger und Anhänger um

sich, ist das Haupt einer Schule, ein bekannter, gefeierter

Bahnbrecher, der viel bei den Leuten gilt: aber er wird von

den Jüngern nicht werthgehalten, nicht hochgeschätzt, nicht

geachtet, nicht geehrt; nicht Pūraṇo Kassapo ist es, den die

Jünger werthhalten, hochschätzen, ihres Vertrauens würdigen.

Eines Tages trug Pūraṇo Kassapo einer vielhundertköpfigen

Schaar seine Lehre vor. Da ließ sich einer der Jünger Pūraṇo

Kassapos also vernehmen: ›Nicht soll, ihr Lieben, Pūraṇo

Kassapo darum befragt werden: er weiß das nicht. Wir wissen

es: uns mögt ihr darum befragen, wir werden es euch Lieben

erklären.‹ Und Pūraṇo Kassapo rang da vergeblich die Hände und

rief: ›Beruhigt euch, ihr Lieben! Redet, ihr Lieben, nicht

so laut! ihr Lieben seid nicht gefragt worden, uns hat man

gefragt! Wir wollen es ihnen klar machen.‹ Und viele der

Jünger haben dann Pūraṇo Kassapo das Wort entwunden und sind 314

von ihm abgefallen: ›Nicht du kennst diese Lehre und Ordnung:

ich kenne diese Lehre und Ordnung! Was wirst du diese Lehre

und Ordnung verstehn? Auf falscher Fährte bist du: ich bin auf

rechter Fährte. Mir ist’s gelungen: dir misslungen. Was vorher

zu sagen ist hast du nachher gesagt: was nachher zu sagen ist

hast du vorher gesagt. Deine Behauptung[99] ist umgestürzt,

dein Wort dir entwunden worden: gebändigt bist du, gieb deine

Rede verloren, oder widersteh’ wenn du kannst!‹ Und so wird

Pūraṇo Kassapo von den Jüngern nicht werthgehalten, nicht

hochgeschätzt, nicht geachtet, nicht geehrt; und nicht Pūraṇo

Kassapo ist es, den die Jünger werthhalten, hochschätzen, ihres

Vertrauens würdigen. Und erzürnt ist Pūraṇo Kassapo vom Zorn

der Lehre.‹ -- Andere wieder sagten: ›Da ist auch Makkhali

Gosālo, auch Ajito Kesakambalo, auch Pakudho Kaccāyano, und

Sañjayo Belaṭṭhaputto, und Niganṭho Nāthaputto: ein jeder

hat zahlreiche Jünger und Anhänger um sich, ist das Haupt

einer Schule, ein bekannter, gefeierter Bahnbrecher, der viel

bei den Leuten gilt[100]: aber keiner wird von den Jüngern

werthgehalten und hochgeschätzt, keiner geachtet und geehrt;

und keiner ist es, den die Jünger werthhalten, hochschätzen, 315

ihres Vertrauens würdigen. Und erzürnt sind sie alle vom

Zorn der Lehre.‹ -- Wieder andere sagten: ›Dieser Asket

Gotamo hat zahlreiche Jünger und Anhänger um sich, ist das

Haupt einer Schule, ein bekannter, gefeierter Bahnbrecher,

der viel bei den Leuten gilt: und er wird von den Jüngern

werthgehalten, hochgeschätzt, geachtet und geehrt; der Asket

Gotamo ist es, den die Jünger werthhalten, hochschätzen, ihres

Vertrauens würdigen. Eines Tages trug der Asket Gotamo einer

vielhundertköpfigen Schaar seine Lehre vor. Da ließ einer der

Jünger des Asketen Gotamo ein Räuspern hören. Und einer der

Ordensbrüder streifte ihn mit dem Knie an: ›Nicht so laut,

Ehrwürdiger, bitte! Möge der Ehrwürdige sich leise verhalten:

unser Meister, der Erhabene legt die Lehre dar.‹ Zu einer Zeit 316

wo der Asket Gotamo einer vielhundertköpfigen Schaar die Lehre

darlegt, zu einer solchen Zeit hört man eben bei den Jüngern

des Asketen Gotamo nicht einmal das Geräusch des Nießens oder

Sichräusperns, und die ganze Schaar blickt erwartungsvoll auf

zu ihm: ›Was uns der Erhabene wird lehren, dem wollen wir

lauschen.‹[101] Gleichwie etwa wenn ein Mann auf

dem Hauptplatze Honig, süßen, gereinigten, auspresste, und es

stände eine große Schaar Menschen erwartungsvoll rings um ihn

her: ebenso nun auch sind sie um den Asketen Gotamo geschaart,

wann er vielen Hunderten die Lehre darlegt; und da hört man

bei den Jüngern des Asketen Gotamo nicht einmal das Geräusch

des Nießens oder Sichräusperns, und die ganze Schaar blickt

erwartungsvoll auf zu ihm: ›Was uns der Erhabene wird lehren,

dem wollen wir lauschen.‹ Selbst jene Jünger des Asketen

Gotamo, die sich den Ordensbrüdern angeschlossen hatten,

dann die Askese aufgaben, um zur Gewohnheit zurückzukehren,

auch die preisen das Lob des Meisters, preisen das Lob der

Lehre, preisen das Lob der Jüngerschaft, tadeln sich selber

nur, tadeln nicht andere: ›Wir nur sind unsälig, wir haben

Schuld, die wir, in eine also wohlverkündete Lehre und Ordnung

eingetreten, nicht imstande waren zeitlebens das vollkommene,

vollendete Asketenleben zu führen.‹ Und sie leben auf dem

Lande, oder leben als Anhänger, und halten an ihren fünf

Grundsätzen fest.[102] So wird der Asket Gotamo von den Jüngern

werthgehalten, hochgeschätzt, geachtet und geehrt; und der

Asket Gotamo ist es, den die Jünger werthhalten, hochschätzen,

ihres Vertrauens würdigen.‹« 317

»Was für Eigenschaften aber, Udāyī, merkst du an mir, warum

mich die Jünger werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und

auch des Vertrauens würdigen?«

»Fünf sind es, o Herr, der Eigenschaften, die der Erhabene

aufweist, warum die Jünger den Erhabenen werthhalten,

hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens

würdigen: welche fünf? Der Erhabene, o Herr, nimmt karge

Nahrung ein und preist das Lob der kargen Ernährung; weil

nun, o Herr, der Erhabene karge Nahrung einnimmt und das Lob

der kargen Ernährung preist, so ist das, o Herr, die erste

Eigenschaft, die der Erhabene aufweist, warum die Jünger den

Erhabenen werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und

auch des Vertrauens würdigen.[103] Weiter sodann, o Herr, ist

der Erhabene zufrieden mit was immer für einem Gewande und

preist das Lob der Zufriedenheit mit jeglichem Gewande; weil

nun, o Herr, der Erhabene mit was immer für einem Gewande

zufrieden ist und das Lob der Zufriedenheit mit jeglichem

Gewande preist, so ist das, o Herr, die zweite Eigenschaft,

die der Erhabene aufweist, warum die Jünger den Erhabenen

werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des

Vertrauens würdigen. Weiter sodann, o Herr, ist der Erhabene

zufrieden mit was immer für Almosenbissen und preist das Lob

der Zufriedenheit mit jeglichen Almosenbissen; weil nun, o

Herr, der Erhabene mit was immer für Almosenbissen zufrieden

ist und das Lob der Zufriedenheit mit jeglichen Almosenbissen

preist, so ist das, o Herr, die dritte Eigenschaft, die der

Erhabene aufweist, warum die Jünger den Erhabenen werthhalten, 318

hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens

würdigen. Weiter sodann, o Herr, ist der Erhabene zufrieden

mit was immer für Sitz und Lager und preist das Lob der

Zufriedenheit mit jeglichem Sitz und Lager; weil nun, o Herr,

der Erhabene mit was immer für einem Sitz und Lager zufrieden

ist und das Lob der Zufriedenheit mit jeglichem Sitz und Lager

preist, so ist das, o Herr, die vierte Eigenschaft, die der

Erhabene aufweist, warum die Jünger den Erhabenen werthhalten,

hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens

würdigen. Weiter sodann, o Herr, ist der Erhabene abgeschieden

und preist das Lob der Abgeschiedenheit; weil nun, o Herr, der

Erhabene abgeschieden ist und das Lob der Abgeschiedenheit

preist, so ist das, o Herr, die fünfte Eigenschaft, die der

Erhabene aufweist, warum die Jünger den Erhabenen werthhalten,

hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens

würdigen. Das sind, o Herr, die fünf Eigenschaften, die der

Erhabene aufweist, warum die Jünger den Erhabenen werthhalten,

hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens

würdigen.«

»‚Karge Nahrung nimmt der Asket Gotamo ein und preist das

Lob der kargen Ernährung‘: wenn mich also, Udāyī, die Jünger

werthhielten, hochschätzten, achteten und ehrten und auch des

Vertrauens würdigten, so giebt es da Jünger, Udāyī, bei mir,

die nur einen Napf, nur einen halben Napf, nur eine Bilva, nur

eine halbe Bilva voll Nahrung einnehmen.[104] Ich aber nehme,

Udāyī, zuweilen diese Schaale bis zum Rande und über den Rand

mit Nahrung gefüllt ein. ‚Karge Nahrung nimmt der Asket Gotamo 319

ein und preist das Lob der kargen Ernährung‘: wenn mich also,

Udāyī, die Jünger werthhielten, hochschätzten, achteten und

ehrten und auch des Vertrauens würdigten, so möchten jene,

Udāyī, meiner Jünger, die nur einen Napf, nur einen halben

Napf, nur eine Bilva, nur eine halbe Bilva voll Nahrung

einnehmen, nicht um solche Eigenschaft mich werthhalten,

hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen.

»‚Zufrieden ist der Asket Gotamo mit was immer für einem

Gewande und preist das Lob der Zufriedenheit mit jeglichem

Gewande‘: wenn mich also, Udāyī, die Jünger werthhielten,

hochschätzten, achteten und ehrten und auch des Vertrauens

würdigten, so giebt es da Jünger, Udāyī, bei mir, die sich

in Fetzen hüllen, rauhe Gewänder anlegen: vom Leichenplatze,

vom Kehrichthaufen, vom Tandelmarkte lesen sie Lumpen[105]

auf, stücken den Mantel zurecht und tragen ihn. Ich aber

trage, Udāyī, zuweilen bürgerliche Gewänder, aus festem rauhen

Gewebe[106], wie Kürbissfäden. ‚Zufrieden ist der Asket

Gotamo mit was immer für einem Gewande und preist das Lob der

Zufriedenheit mit jeglichem Gewande‘: wenn mich also, Udāyī,

die Jünger werthhielten, hochschätzten, achteten und ehrten und

auch des Vertrauens würdigten, so möchten jene, Udāyī, meiner

Jünger, die sich in Fetzen hüllen, rauhe Gewänder anlegen, die

vom Leichenplatze, vom Kehrichthaufen, vom Tandelmarkte Lumpen

auflesen, den Mantel zurechtstücken und tragen, nicht um solche

Eigenschaft mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren

und auch des Vertrauens würdigen.

»‚Zufrieden ist der Asket Gotamo mit was immer für 320

Almosenbissen und preist das Lob der Zufriedenheit mit

jeglichen Almosenbissen‘: wenn mich also, Udāyī, die Jünger

werthhielten, hochschätzten, achteten und ehrten und auch des

Vertrauens würdigten, so giebt es da Jünger, Udāyī, bei mir,

die um Almosenbissen ausgehn, von Haus zu Hause hintreten,

mit Resten schon befriedigt sind[107], und stehn sie im Hofe

des Hauses und werden zum Sitzen eingeladen, nehmen sie es

nicht an. Ich aber nehme, Udāyī, zuweilen auch eingeladen

Reis zu mir, der gekocht und gesichtet, saftig und würzig

bereitet ist. ‚Zufrieden ist der Asket Gotamo mit was immer

für Almosenbissen und preist das Lob der Zufriedenheit mit

jeglichen Almosenbissen‘: wenn mich also, Udāyī, die Jünger

werthhielten, hochschätzten, achteten und ehrten und auch des

Vertrauens würdigten, so möchten jene, Udāyī, meiner Jünger,

die um Almosenbissen ausgehn, von Haus zu Hause hintreten, mit

Resten schon befriedigt sind, und, stehn sie im Hofe des Hauses

und werden zum Sitzen eingeladen, es nicht annehmen, nicht um

solche Eigenschaft mich werthhalten, hochschätzen, achten und

ehren und auch des Vertrauens würdigen.

»‚Zufrieden ist der Asket Gotamo mit was immer für Sitz und

Lager und preist das Lob der Zufriedenheit mit jeglichem Sitz

und Lager‘: wenn mich also, Udāyī, die Jünger werthhielten,

hochschätzten, achteten und ehrten und auch des Vertrauens

würdigten, so giebt es da Jünger, Udāyī, bei mir, die unter

Bäumen leben, in der offenen Ebene leben, die acht Monde kein

Obdach aufsuchen.[108] Ich aber wohne, Udāyī, zuweilen auch

in Parkhäusern, wo die Wände, Stürmen zu wehren, mit Kalk

bestrichen, mit Kalk verstrichen, die Thüren verriegelt, die

Fenster verschlossen sind. ‚Zufrieden ist der Asket Gotamo 321

mit was immer für Sitz und Lager und preist das Lob der

Zufriedenheit mit jeglichem Sitz und Lager‘: wenn mich also,

Udāyī, die Jünger werthhielten, hochschätzten, achteten und

ehrten und auch des Vertrauens würdigten, so möchten jene,

Udāyī, meiner Jünger, die unter Bäumen leben, in der offenen

Ebene leben, die acht Monde kein Obdach aufsuchen, nicht um

solche Eigenschaft mich werthhalten, hochschätzen, achten und

ehren und auch des Vertrauens würdigen.

»‚Abgeschieden ist der Asket Gotamo und preist das Lob

der Abgeschiedenheit‘: wenn mich also, Udāyī, die Jünger

werthhielten, hochschätzten, achteten und ehrten und auch

des Vertrauens würdigten, so giebt es da Jünger, Udāyī, bei

mir, die Waldeinsiedler, fern abgelegen sind, sich tief

im Walde an fern abgelegenen Orten einsam aufhalten, die

halbmonatlich hingehn zur Mönchgemeinde, wann die Regel

verkündet wird. Ich aber lebe, Udāyī, zuweilen in Gesellschaft

der Mönche und Nonnen, der Anhänger und Anhängerinen, des

Königs und königlicher Fürsten, der Büßer und büßender

Pilger. ‚Abgeschieden ist der Asket Gotamo und preist das

Lob der Abgeschiedenheit‘: wenn mich also, Udāyī, die Jünger

werthhielten, hochschätzten, achteten und ehrten und auch des

Vertrauens würdigten, so möchten jene, Udāyī, meiner Jünger,

die Waldeinsiedler, fern abgelegen sind, sich tief im Walde

an fern abgelegenen Orten einsam aufhalten, die halbmonatlich

hingehn zur Mönchgemeinde, wann die Regel verkündet wird, nicht 322

um solche Eigenschaft mich werthhalten, hochschätzen, achten

und ehren und auch des Vertrauens würdigen.

»Und also, Udāyī, sind es nicht diese fünf Eigenschaften,

warum die Jünger mich werthhalten, hochschätzen, achten und

ehren und auch des Vertrauens würdigen; vielmehr sind es,

Udāyī, fünf andere Eigenschaften, warum die Jünger mich

werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des

Vertrauens würdigen: welche fünf?

»Da sind mir, Udāyī, die Jünger um Tugend zugethan: ›Tugendächt

ist der Asket Gotamo, mit der höchsten Tugendheit begabt‹;

weil mir aber, Udāyī, die Jünger um Tugend zugethan sind:

›Tugendächt ist der Asket Gotamo, mit der höchsten Tugendheit

begabt‹, so ist das, Udāyī, die erste Eigenschaft, warum die

Jünger mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und

auch des Vertrauens würdigen.

»Weiter sodann, Udāyī, sind mir die Jünger um zunehmende

Wissensklarheit zugethan: ›Wissend nur sagt der Asket Gotamo

‚Ich weiß es‘, sehend nur sagt der Asket Gotamo ‚Ich seh’ es‘,

zum Erkennen legt der Asket Gotamo die Lehre dar, nicht zum

Verkennen, begründet legt der Asket Gotamo die Lehre dar, nicht

unbegründet, erfassbar legt der Asket Gotamo die Lehre dar,

nicht unerfassbar‹;[109] weil mir aber, Udāyī, die Jünger um

zunehmende Wissensklarheit zugethan sind: ›Wissend nur sagt der

Asket Gotamo ‚Ich weiß es‘, sehend nur sagt der Asket Gotamo

‚Ich seh’ es‘, zum Erkennen legt der Asket Gotamo die Lehre 323

dar, nicht zum Verkennen, begründet legt der Asket Gotamo

die Lehre dar, nicht unbegründet, erfassbar legt der Asket

Gotamo die Lehre dar, nicht unerfassbar‹, so ist das, Udāyī,

die zweite Eigenschaft, warum die Jünger mich werthhalten,

hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen.

»Weiter sodann, Udayī, sind mir die Jünger um Weisthum

zugethan: ›Weise ist der Asket Gotamo, mit der höchsten

Weisheit begabt; dass er etwa eine künftige Redeweise nicht

vorhersehn, oder eine gegebene Gegenrede nicht mit Recht

wohlabgewiesen abweisen könnte, nicht findet sich ein solcher

Fall.‹ Was meinst du wohl, Udāyī: möchten da nun meine Jünger,

also wissend, also sehend, sich in Zwischenfragen einlassen?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Denn ich erwarte, Udāyī, von den Jüngern keine Belehrung,

sondern die Jünger erwarten Belehrung von mir. Weil mir aber,

Udāyī, die Jünger um Weisthum zugethan sind: ›Weise ist der

Asket Gotamo, mit der höchsten Weisheit begabt; dass er etwa

eine künftige Redeweise nicht vorhersehn, oder eine gegebene

Gegenrede nicht mit Recht wohlabgewiesen abweisen könnte, nicht

findet sich ein solcher Fall‹, so ist das, Udāyī, die dritte

Eigenschaft, warum die Jünger mich werthhalten, hochschätzen,

achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen.

»Weiter sodann, Udāyī, gehn mir die Jünger, um was sie

leiden in Leiden versunken, in Leiden verloren, entgegen

und fragen mich um die heilige Wahrheit vom Leiden; und ich 324

geb’ ihnen, um die heilige Wahrheit vom Leiden befragt,

die Antwort: und ich erhebe ihnen das Herz durch der Frage

Beantwortung. Und sie fragen mich um die heilige Wahrheit von

der Leidensentwicklung, von der Leidensauflösung, von dem

Pfade, der zur Leidensauflösung führt; und ich geb’ ihnen,

also befragt, die Antwort: und ich erhebe ihnen das Herz durch

der Frage Beantwortung. Weil mir aber, Udāyī, die Jünger,

um was sie leiden in Leiden versunken, in Leiden verloren,

entgegengehn und mich um die heilige Wahrheit vom Leiden

fragen; und ich geh’ ihnen, um die heilige Wahrheit vom Leiden

befragt, die Antwort und erhebe ihnen das Herz durch der Frage

Beantwortung, und sie fragen mich um die heilige Wahrheit von

der Leidensentwicklung, von der Leidensauflösung, von dem

Pfade, der zur Leidensauflösung führt, und ich geb’ ihnen, also

befragt, die Antwort und erhebe ihnen das Herz durch der Frage

Beantwortung: so ist das, Udāyī, die vierte Eigenschaft, warum

die Jünger mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und

auch des Vertrauens würdigen.

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen,

auf deren Stegen meine Jünger zu den vier Pfeilern der Einsicht

gelangen: da wacht, Udāyī, der Mönch beim Körper über den

Körper, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung

weltlichen Begehrens und Bekümmerns; wacht bei den Gefühlen

über die Gefühle, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig,

nach Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns; wacht

beim Gemüthe über das Gemüth, unermüdlich, klaren Sinnes,

einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens und

Bekümmerns; wacht bei den Erscheinungen über die Erscheinungen,

unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung

weltlichen Begehrens und Bekümmerns. Da haben denn meine Jünger

der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht. 325

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen,

auf deren Stegen meine Jünger die vier gewaltigen Kämpfe

bestehn: da weckt, Udāyī, der Mönch seinen Willen, dass

er unaufgestiegene üble, unheilsame Dinge nicht aufsteigen

lasse, er müht sich darum, muthig bestrebt, rüstet das

Herz, macht es kampfbereit; weckt seinen Willen, dass er

aufgestiegene üble, unheilsame Dinge vertreibe, er müht sich

darum, muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit;

weckt seinen Willen, dass er unaufgestiegene heilsame Dinge

aufsteigen lasse, er müht sich darum, muthig bestrebt, rüstet

das Herz, macht es kampfbereit; weckt seinen Willen, dass er

aufgestiegene heilsame Dinge sich festigen, nicht lockern,

weiterentwickeln, erschließen, entfalten, erfüllen lasse, er

müht sich darum, muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht es

kampfbereit. Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte

Vollendung reichlich erreicht.

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, zweiter Band · 第 20 / 45 段