Erhabene weilte, wechselte höflichen Gruß und freundliche,
denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und stellte sich seitwärts
hin. Seitwärts stehend sprach nun Dīghanakho der Pilger also
zum Erhabenen:
»Ich aber, o Gotamo, sage und lehre: ›Nichts gefällt mir.‹«
»Und auch die Lehre da, Aggivessano[73], die du behauptest,
›Nichts gefällt mir‹, gefällt dir auch diese nicht?«
»Und wenn mir, o Gotamo, diese Lehre gefiele, so wär’s doch nur
dasselbe, so wär’s doch nur dasselbe!«
»Nun giebt es freilich, Aggivessano, viel mehr der Menschen 498
in der Welt, die mit dir sagen ›So wär’s doch nur dasselbe,
so wär’s doch nur dasselbe‹, und die zwar diese Lehre nicht
lassen und doch eine andere annehmen. Nun giebt es freilich,
Aggivessano, viel weniger Menschen in der Welt, die mit dir
sagen ›So wär’s doch nur dasselbe, so wär’s doch nur dasselbe‹,
und die eben diese Lehre lassen und eine andere nicht annehmen.
»Manche Asketen und Priester, Aggivessano, sagen und lehren:
›Alles gefällt mir.‹ Manche Asketen und Priester, Aggivessano,
sagen und lehren: ›Nichts gefällt mir.‹ Manche Asketen und
Priester, Aggivessano, sagen und lehren: ›Manches gefällt
mir, manches missfällt mir.‹ Den Asketen und Priestern nun,
Aggivessano, die da sagen und lehren ›Alles gefällt mir‹,
denen gereicht diese Lehre zum Reize, zur Lockung, zur Freude,
zum Behagen, zum Anhalt. Den Asketen und Priestern nun,
Aggivessano, die da sagen und lehren ›Nichts gefällt mir‹,
denen gereicht diese Lehre nicht zum Reize, nicht zur Lockung,
nicht zur Freude, nicht zum Behagen, nicht zum Anhalt.«
Auf diese Worte hin wandte sich Dīghanakho der Pilger also an
den Erhabenen:
»Meinen Lehrsatz lobt Herr Gotamo, meinen Lehrsatz belobt Herr
Gotamo!«
»Den Asketen und Priestern nun, Aggivessano, die da sagen
und lehren ›Manches gefällt mir, manches missfällt mir‹, was
denen ihrer Lehre gemäß gefällt gereicht ihnen zum Reize, zur
Lockung, zur Freude, zum Behagen, zum Anhalt: und was denen
ihrer Lehre gemäß missfällt gereicht ihnen nicht zum Reize,
nicht zur Lockung, nicht zur Freude, nicht zum Behagen, nicht
zum Anhalt.
»Bei den Asketen und Priestern, Aggivessano, die da sagen
und lehren ›Alles gefällt mir‹, wird ein verständiger Mann
also überlegen: ›Diese Lehre da, ‚Alles gefällt mir‘, wenn
ich diese beharrlich pflegte, mir aneignete, behauptete ‚Dies
nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‘, so erführ’ ich doppelten
Widerspruch, von dem Asketen oder dem Priester, der da sagt
und lehrt ›Nichts gefällt mir‹, und von dem Asketen oder dem 499
Priester, der da sagt und lehrt ›Manches gefällt mir, manches
missfällt mir‹, von diesen beiden erführ’ ich Widerspruch,
und aus Widerspruch erfolgte Widerstreit, aus Widerstreit
Widerstand, aus Widerstand Widerwille‹; und weil er Widerspruch
und Widerstreit, Widerstand und Widerwillen in sich merkt,
lässt er eben diese Lehre und nimmt eine andere nicht an:
also werden diese Lehren verworfen, also werden diese Lehren
verleugnet. Bei den Asketen und Priestern, Aggivessano, die da
sagen und lehren ›Nichts gefällt mir‹, wird ein verständiger
Mann also überlegen: ›Diese Lehre da, ‚Nichts gefällt mir‘,
wenn ich diese beharrlich pflegte, mir aneignete, behauptete
‚Dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‘, so erführ’ ich
doppelten Widerspruch, von dem Asketen oder dem Priester, der
da sagt und lehrt ›Alles gefällt mir‹, und von dem Asketen
oder dem Priester, der da sagt und lehrt ›Manches gefällt
mir, manches missfällt mir‹, von diesen beiden erführ’ ich
Widerspruch, und aus Widerspruch erfolgte Widerstreit, aus
Widerstreit Widerstand, aus Widerstand Widerwille‹; und weil
er Widerspruch und Widerstreit, Widerstand und Widerwillen in
sich merkt, lässt er eben diese Lehre und nimmt eine andere
nicht an: also werden diese Lehren verworfen, also werden diese
Lehren verleugnet. Bei den Asketen und Priestern, Aggivessano,
die da sagen und lehren ›Manches gefällt mir, manches missfällt
mir‹, wird ein verständiger Mann also überlegen: ›Diese Lehre
da, ‚Manches gefällt mir, manches missfällt mir‘, wenn ich
diese beharrlich pflegte, mir aneignete, behauptete ‚Dies
nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‘, so erführ’ ich doppelten
Widerspruch, von dem Asketen oder dem Priester, der da
sagt und lehrt ›Alles gefällt mir‹, und von dem Asketen
oder dem Priester, der da sagt und lehrt ›Nichts gefällt
mir‹, von diesen beiden erführ’ ich Widerspruch, und aus
Widerspruch erfolgte Widerstreit, aus Widerstreit Widerstand,
aus Widerstand Widerwille‹; und weil er Widerspruch und
Widerstreit, Widerstand und Widerwillen in sich merkt, lässt er
eben diese Lehre und nimmt eine andere nicht an: also werden
diese Lehren verworfen, also werden diese Lehren verleugnet.
»Hier aber ist nun, Aggivessano, der Körper, der geformt, 500
aus den vier Hauptstoffen entstanden, von Vater und Mutter
gezeugt, durch Speise und Trank entwickelt, dem Vergehn, dem
Untergang, der Aufreibung, Auflösung, der Zerstörung verfallen
ist, als wandelbar, wehe, siech, bresthaft, schmerzhaft,
übel, gebrechlich, ohnmächtig, hinfällig, eitel, als nichtig
zu betrachten.[74] Wer diesen Körper als wandelbar, wehe,
siech, bresthaft, schmerzhaft, übel, gebrechlich, ohnmächtig,
hinfällig, eitel, als nichtig betrachtet, dem vergeht was beim
Körper Körperlust, Körperliebe, Körperverlangen ist.
»Drei Arten von Gefühlen, Aggivessano, giebt es: das wohlige
Gefühl, das wehe Gefühl und das weder wohlig noch wehe Gefühl.
Zu einer Zeit, Aggivessano, wo man ein wohliges Gefühl
empfindet, zu dieser Zeit empfindet man kein wehes Gefühl
und empfindet kein weder wohlig noch wehes Gefühl, eben ein
wohliges Gefühl empfindet man zu dieser Zeit. Zu einer Zeit,
Aggivessano, wo man ein wehes Gefühl empfindet, zu dieser Zeit
empfindet man kein wohliges Gefühl und empfindet kein weder
wohlig noch wehes Gefühl, eben ein wehes Gefühl empfindet man
zu dieser Zeit. Zu einer Zeit, Aggivessano, wo man ein weder
wohlig noch wehes Gefühl empfindet, zu dieser Zeit empfindet
man kein wohliges Gefühl und empfindet kein wehes Gefühl, eben
ein weder wohlig noch wehes Gefühl empfindet man zu dieser
Zeit. Wohlige Gefühle sind aber, Aggivessano, wandelbar,
zusammengesetzt, bedingt entstanden, müssen versiegen und
versagen, müssen aufhören und untergehn. Und auch wehe
Gefühle sind, Aggivessano, wandelbar, zusammengesetzt, bedingt
entstanden, müssen versiegen und versagen, müssen aufhören
und untergehn. Und auch weder wohlig noch wehe Gefühle sind,
Aggivessano, wandelbar, zusammengesetzt, bedingt entstanden,
müssen versiegen und versagen, müssen aufhören und untergehn.
In solchem Anblick, Aggivessano, wird der erfahrene heilige
Jünger des wohligen Gefühles überdrüssig und wird des wehen
Gefühles überdrüssig und wird des weder wohlig noch wehen
Gefühles überdrüssig. Ueberdrüssig wendet er sich ab. Abgewandt
löst er sich los. ›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese
Erkenntniss geht auf. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das
Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹
versteht er da.
»Ein also gemütherlöster Mönch, Aggivessano, spricht keinem zu,
spricht keinem ab, und was in der Welt geredet wird lässt er
unberührt.«
Um diese Zeit nun hatte der ehrwürdige Sāriputto hinter dem
Erhabenen gestanden und dem Erhabenen Kühlung gefächelt. Und 501
der ehrwürdige Sāriputto gedachte da: ›Diese und jene Dinge
soll man, sagt der Erhabene, durchschauen und lassen, diese und
jene Dinge soll man, sagt der Willkommene, durchschauen und
verleugnen!‹ Und als der ehrwürdige Sāriputto solches im Geiste
erwog, löste sich ihm das Herz vom Wahne haftlos ab.
Dīghanakho aber, dem Pilger, ging das abgeklärte, abgespülte
Auge der Wahrheit auf:
›Was irgend auch entstanden ist
Muss alles wieder untergehn.‹
Und Dīghanakho der Pilger, der die Wahrheit gesehn, die
Wahrheit gefasst, die Wahrheit erkannt, die Wahrheit ergründet
hatte, zweifelentronnen, ohne Schwanken, in sich selber gewiss,
auf keinen anderen gestützt im Orden des Meisters, der wandte
sich nun an den Erhabenen also:
»Vortrefflich, o Gotamo, vortrefflich, o Gotamo! Gleichwie
etwa, o Gotamo, als ob man Umgestürztes aufstellte, oder
Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg zeigte, oder Licht
ins Dunkle hielte: ›Wer Augen hat wird die Dinge sehn‹: ebenso
auch hat Herr Gotamo die Lehre gar vielfach dargelegt. Und so
nehm’ ich bei Herrn Gotamo Zuflucht, bei der Lehre und bei der
Jüngerschaft: als Anhänger möge mich Herr Gotamo betrachten,
von heute an zeitlebens getreu.«[75]
75.
Achter Theil Fünfte Rede
MĀGANDIYO
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene
im Kurū-Lande, bei einer Stadt der Kurūner Namens
Kammāsadammam[76], am Opferherde eines Brāhmanen aus dem
Bhāradvājer-Geschlechte, auf einer Strohmatte. Und der
Erhabene, zeitig gerüstet, nahm Mantel und Schaale und ging
nach Kammāsadammam um Almosenspeise. Und als der Erhabene,
von Haus zu Haus tretend, Almosen erhalten, kehrte er zurück,
nahm das Mahl ein und begab sich dann in ein nahe gelegenes
Waldgehölz, für den Tag. Im Inneren dieses Waldgehölzes setzte
sich der Erhabene am Fuß eines Baumes nieder, bis gegen
Sonnenuntergang da zu verweilen.
Da nun kam Māgandiyo, ein Pilger, auf einem Spaziergange 502
lustwandelnd, zum Opferherde des Bhāradvājer-Brāhmanen hin.
Und er sah dort die Strohmatte zurechtgelegt, und als er das
bemerkt hatte, sprach er also zum Bhāradvājer-Brāhmanen:
»Für wen ist wohl hier am Opferherde des Herrn Bhāradvājo die
Strohmatte zurechtgelegt? Sie sieht aus wie ein Asketensitz.«
»Es ist, o Māgandiyo, der Asket Gotamo, der Sakyersohn, der
dem Erbe der Sakyer entsagt hat! Diesen Herrn Gotamo aber
begrüßt man allenthalben mit dem frohen Ruhmesrufe, so zwar:
›Das ist der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, der
Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner,
der unvergleichliche Leiter der Männerheerde, der Meister der
Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene.‹ Für diesen
Herrn Gotamo ist der Sitz hier zurechtgemacht.«
»Schlechtes, wahrlich, o Bhāradvājo, haben wir gesehn, die wir
den Sitz jenes Herrn Gotamo, des Kernhauers, gesehn haben!«
»Lasse, Māgandiyo, solche Rede, lasse, Māgandiyo, solche Rede!
Gar viele gelehrte Fürsten und gelehrte Priester, gelehrte
Bürger und gelehrte Asketen sind von diesem Herrn Gotamo ganz
begeistert, heilig und ächt eingeweiht, in heilsames Recht.«
»Und wenn uns gleich, o Bhāradvājo, jener Herr Gotamo zu
Gesicht käme, so würden wir es ihm ins Gesicht sagen: ›Ein
Kernhauer ist der Asket Gotamo, sag’ ich: und warum sag’ ich
das? Weil er als solcher gegen unsere Satzungen vorgeht.‹«
»Wenn es Herrn Māgandiyo genehm ist, will ich das dem Asketen
Gotamo mittheilen.«
»Nicht wollt’ ich Herrn Bhāradvājo damit bemühen, doch mag er’s
sagen.«
Es vernahm aber der Erhabene mit dem himmlischen Gehör, dem
geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, dieses
Gespräch des Brāhmanen aus dem Bhāradvājer-Geschlechte mit
Māgandiyo dem Pilger.
Als nun der Erhabene gegen Abend die Gedenkensruhe beendet
hatte, kehrte er zum Opferherde des Bhāradvājer-Brāhmanen
zurück und nahm auf der bereitgelegten Strohmatte Platz.
Da kam denn der Bhāradvājer-Brāhmane zum Erhabenen heran,
wechselte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit
dem Erhabenen und setzte sich zur Seite nieder. Und als der
Bhāradvājer-Brāhmane zur Seite saß, wandte sich der Erhabene
also an ihn:
»Hast du wohl, Bhāradvājo, mit Māgandiyo dem Pilger über diese 503
Strohmatte hier irgend eine Unterhaltung gehabt?«
Auf diese Worte erwiderte Bhāradvājo der Brāhmane, schauernd
ergriffen, dem Erhabenen also:
»Das eben wollten wir jetzt Herrn Gotamo mittheilen: aber Herr
Gotamo hat mich ja nun verstummen machen!«
Und kaum hatte diese Unterredung des Erhabenen mit, dem
Bhāradvājer-Brāhmanen begonnen, da kam Māgandiyo der Pilger,
auf seinem Spaziergange lustwandelnd, zum Opferherde des
Bhāradvājer-Brāhmanen zurück; und er schritt zum Erhabenen hin,
wechselte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte
mit dem Erhabenen und setzte sich zur Seite nieder. Und als
Māgandiyo der Pilger zur Seite saß, wandte sich der Erhabene
also an ihn:
»Das Auge, Māgandiyo, fröhnt den Formen, freut sich der Formen,
ergetzt sich an Formen: das hat der Vollendete gebändigt,
gewartet, gezäumt und gezügelt; ihm Zügel anzulegen zeigt
er die Lehre. Hast du etwa, Māgandiyo, daran gedacht als du
sprachst: ›Ein Kernhauer ist der Asket Gotamo‹?«
»Daran eben, freilich, o Gotamo, hab’ ich gedacht als ich
sprach: ›Ein Kernhauer ist der Asket Gotamo, sag’ ich: und
warum sag’ ich das? Weil er als solcher gegen unsere Satzungen
vorgeht.‹«
»Das Ohr, Māgandiyo, fröhnt den Tönen, die Nase, Māgandiyo,
fröhnt den Düften, die Zunge, Māgandiyo, fröhnt den Säften, der
Leib, Māgandiyo, fröhnt den Tastungen, der Geist, Māgandiyo,
fröhnt den Gedanken, freut sich der Gedanken, ergetzt sich an
Gedanken: den hat der Vollendete gebändigt, gewartet, gezäumt
und gezügelt; ihm Zügel anzulegen zeigt er die Lehre. Hast du
etwa, Māgandiyo, daran gedacht als du sprachst: ›Ein Kernhauer
ist der Asket Gotamo‹?«
»Daran eben, freilich, o Gotamo, hab’ ich gedacht als ich
sprach: ›Ein Kernhauer ist der Asket Gotamo, sag’ ich: und
warum sag’ ich das? Weil er als solcher gegen unsere Satzungen
vorgeht.‹«
»Was meinst du wohl, Māgandiyo: es sei da erst einer mit 504
den durch das Auge ins Bewusstsein tretenden Formen bedient,
mit den ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem
Begehren entsprechenden, reizenden; der habe dann später
eben der Formen Entstehn und Vergehn, Labsal und Elend und
Ueberwindung der Wahrheit gemäß verstanden und die Lust an den
Formen verworfen, das Fieber an den Formen verleugnet, habe den
Durst bezwungen und die Ebbung des eigenen Gemüthes erlangt:
was möchtest du nun, Māgandiyo, gegen einen solchen einwenden?«
»Nichts weiter, o Gotamo!«
»Was meinst du wohl, Māgandiyo: es sei da erst einer mit
den durch das Ohr ins Bewusstsein tretenden Tönen, mit den
durch die Nase ins Bewusstsein tretenden Düften, mit den
durch die Zunge ins Bewusstsein tretenden Säften, mit den
durch den Leib ins Bewusstsein tretenden Tastungen bedient,
mit den ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem
Begehren entsprechenden, reizenden; der habe dann später eben
der Tastungen Entstehn und Vergehn, Labsal und Elend und
Ueberwindung der Wahrheit gemäß verstanden und die Lust an den
Tastungen verworfen, das Fieber an den Tastungen verleugnet,
habe den Durst bezwungen und die Ebbung des eigenen Gemüthes
erlangt: was möchtest du nun, Māgandiyo, gegen einen solchen
einwenden?«
»Nichts weiter, o Gotamo!«
»Ich habe früher, Māgandiyo, auch im Hause gelebt und war
mit dem Besitz und Genuss der fünf Begehrungen begabt: der
durch das Auge ins Bewusstsein tretenden Formen, der durch
das Ohr ins Bewusstsein tretenden Töne, der durch die Nase
ins Bewusstsein tretenden Düfte, der durch die Zunge ins
Bewusstsein tretenden Säfte, der durch den Leib ins Bewusstsein
tretenden Tastungen, der ersehnten, geliebten, entzückenden,
angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden. Und ich
besaß, Māgandiyo, drei Paläste, einen für den Herbst, einen
für den Winter, einen für den Sommer.[77] Und ich brachte,
Māgandiyo, die vier herbstlichen Monate im Herbstpalaste zu,
von unsichtbarer Musik bedient, und stieg nicht vom Söller
herab. Später hab’ ich dann eben des Begehrens Entstehn und
Vergehn, Labsal und Elend und Ueberwindung der Wahrheit gemäß
verstanden und die begehrende Lust verworfen, das begehrende
Fieber verleugnet, habe den Durst bezwungen und die Ebbung des
eigenen Gemüthes erlangt. Und ich sah wie die anderen Wesen,
dem Begehren hingegeben, von begehrendem Dürsten verzehrt,
von begehrendem Fieber entzündet, den Begierden fröhnen; und
ich konnte sie nicht beneiden, keine Freude daran finden: und
warum nicht? Weil ja, Māgandiyo, meine Freude, gar fern von
Begierden, fern von unheilsamen Dingen, bis an himmlisches Wohl
heranreichte: solcher Freude genießend mocht’ ich Gemeines 505
entbehren, keine Freude daran finden.
»Gleichwie etwa, Māgandiyo, wenn da ein Hausvater wäre, oder
der Sohn eines Hausvaters, reich, mit Geld und Gut mächtig
begabt, im Besitz und Genuss der fünf Begehrungen. Der sei in
Werken, Worten und Gedanken auf dem rechten Wege gewandelt
und bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute
Fährte, in himmlische Welt gelangt, zu den Dreiunddreißig
Göttern empor. Und er lebte dort im Wonnigen Walde, im Reigen
von Huldinen, im Besitz und Genuss der himmlischen fünf
Begehrungen. Und er nähme einen Hausvater wahr, oder den Sohn
eines Hausvaters, der die fünf Begehrungen besitzt und genießt.
Was meinst du wohl, Māgandiyo: würde da etwa dieser Göttersohn,
der im Wonnigen Walde im Reigen von Huldinen die himmlischen
fünf Begehrungen besitzt und genießt, jenen Hausvater, oder
Sohn eines Hausvaters, beneiden und die menschlichen fünf
Begehrungen vermissen, sich menschlichen Begierden zuwenden?«
»Gewiss nicht, o Gotamo!«
»Und warum nicht?«
»Menschlichen Begierden, o Gotamo, sind himmlische Begierden
voranzusetzen und vorzuziehn.«
»Ebenso nun auch, Māgandiyo, hab’ ich früher im Hause gelebt
und war mit dem Besitz und Genuss der fünf Begehrungen
begabt. Später hab’ ich dann eben des Begehrens Entstehn und
Vergehn, Labsal und Elend und Ueberwindung der Wahrheit gemäß
verstanden und die begehrende Lust verworfen, das begehrende
Fieber verleugnet, habe den Durst bezwungen und die Ebbung des
eigenen Gemüthes erlangt. Und ich sah wie die anderen Wesen,
dem Begehren hingegeben, von begehrendem Dürsten verzehrt,
von begehrendem Fieber entzündet, den Begierden fröhnen; und 506
ich konnte sie nicht beneiden, keine Freude daran finden: und
warum nicht? Weil ja, Māgandiyo, meine Freude, gar fern von
Begierden, fern von unheilsamen Dingen, bis an himmlisches Wohl
heranreichte: solcher Freude genießend mocht’ ich Gemeines
entbehren, keine Freude daran finden.
»Gleichwie etwa, Māgandiyo, wenn ein Aussätziger, dessen
Glieder mit Geschwüren bedeckt, faulig geworden, von Würmern
zerfressen, von den Nägeln wund aufgekratzt sind, Fetzen davon
herabreißend an einer Grube voll glühender Kohlen den Leib
ausdörren ließe. Und seine Freunde und Genossen, Verwandte und
Vettern bestellten ihm einen heilkundigen Arzt, und dieser
heilkundige Arzt gäbe ihm ein Heilmittel, und er gebrauchte
dieses Heilmittel und würde vom Aussatz befreit und wäre
genesen, fühlte sich wohl, unabhängig, selbständig, könnte gehn
wohin er wollte. Und er erblickte einen anderen Aussätzigen,
dessen Glieder mit Geschwüren bedeckt, faulig geworden, von
Würmern zerfressen, von den Nägeln wund aufgekratzt sind, wie
er Fetzen davon herabreißend an einer Grube voll glühender
Kohlen den Leib ausdörren lässt. Was meinst du wohl, Māgandiyo:
würde da etwa dieser Mann jenen Aussätzigen beneiden und
die glühende Kohlengrube und den Gebrauch des Heilmittels
vermissen?«
»O nein, o Gotamo!«
»Und warum nicht?«
»Ist man krank, o Gotamo, so braucht man ein Heilmittel: ist
man nicht krank, braucht man es nicht.«
»Ebenso nun auch, Māgandiyo, hab’ ich früher im Hause gelebt
und war mit dem Besitz und Genuss der fünf Begehrungen
begabt. Später hab’ ich dann eben des Begehrens Entstehn und
Vergehn, Labsal und Elend und Ueberwindung der Wahrheit gemäß
verstanden und die begehrende Lust verworfen, das begehrende
Fieber verleugnet, habe den Durst bezwungen und die Ebbung des
eigenen Gemüthes erlangt. Und ich sah wie die anderen Wesen,
dem Begehren hingegeben, von begehrendem Dürsten verzehrt,
von begehrendem Fieber entzündet, den Begierden fröhnen; und
ich konnte sie nicht beneiden, keine Freude daran finden: und
warum nicht? Weil ja, Māgandiyo, meine Freude, gar fern von
Begierden, fern von unheilsamen Dingen, bis an himmlisches Wohl
heranreichte: solcher Freude genießend mocht’ ich Gemeines
entbehren, keine Freude daran finden.
»Gleichwie etwa, Māgandiyo, wenn ein Aussätziger, dessen 507
Glieder mit Geschwüren bedeckt, faulig geworden, von Würmern
zerfressen, von den Nägeln wund aufgekratzt sind, Fetzen davon
herabreißend an einer Grube voll glühender Kohlen den Leib
ausdörren ließe. Und seine Freunde und Genossen, Verwandte und
Vettern bestellten ihm einen heilkundigen Arzt, und dieser
heilkundige Arzt gäbe ihm ein Heilmittel, und er gebrauchte
dieses Heilmittel und würde vom Aussatz befreit und wäre
genesen, fühlte sich wohl, unabhängig, selbständig, könnte gehn
wohin er wollte. Und zwei kräftige Männer ergriffen ihn unter
den Armen und schleppten ihn zu der glühenden Kohlengrube hin.
Was meinst du wohl, Māgandiyo: würde da nun dieser Mann auf
jede nur mögliche Weise den Leib zurückziehn?«
»Gewiss, o Gotamo!«
»Und warum das?«
»Jenes Feuer, o Gotamo, ist ja gar schmerzlich zu ertragen und
furchtbar versengend und furchtbar versehrend.«
»Was meinst du wohl, Māgandiyo: ist etwa jetzt erst das Feuer
schmerzlich zu ertragen und furchtbar versengend und furchtbar
versehrend, oder war es schon früher schmerzlich zu ertragen
und furchtbar versengend und furchtbar versehrend?«
»Jetzt eben, o Gotamo, ist das Feuer schmerzlich zu ertragen
und furchtbar versengend und furchtbar versehrend, und auch
früher war das Feuer schmerzlich zu ertragen und furchtbar
versengend und furchtbar versehrend. Jener Aussätzige,
freilich, o Gotamo, dessen Glieder mit Geschwüren bedeckt,
faulig geworden, von Würmern zerfressen, von den Nägeln
wund aufgekratzt waren: Fetzen davon herabreißend war er
sinnesverwirrt geworden, und indem er das Feuer nur schmerzlich
ertrug wähnte er ›Das thut wohl‹.«
»Ebenso nun aber, Māgandiyo, waren auch die Begierden der
Vergangenheit gar schmerzlich zu ertragen und furchtbar
versengend und furchtbar versehrend, und werden auch die
Begierden der Zukunft gar schmerzlich zu ertragen sein und
furchtbar versengend und furchtbar versehrend, und sind auch
heute die Begierden der Gegenwart gar schmerzlich zu ertragen
und furchtbar versengend und furchtbar versehrend. Doch diese
Wesen, Māgandiyo, dem Begehren hingegeben, von begehrendem
Dürsten verzehrt, von begehrendem Fieber entzündet, sind
sinnesverwirrt geworden, und indem sie die Begierden nur
schmerzlich ertragen wähnen sie ›Das thut wohl‹.
»Gleichwie etwa, Māgandiyo, wenn ein Aussätziger, dessen
Glieder mit Geschwüren bedeckt, faulig geworden, von Würmern
zerfressen, von den Nägeln wund aufgekratzt sind, Fetzen
davon herabreißend an einer Grube voll glühender Kohlen den
Leib ausdörren lässt; je mehr und mehr nun, Māgandiyo, jener
Aussätzige den Leib da ausdörren lässt, desto mehr und mehr
füllen sich ihm seine offenen Wunden eben nur weiter mit
Schmutz, Gestank und Eiter an, und doch empfindet er ein 508
gewisses Behagen, einen gewissen Genuss indem er die offenen
Wunden abreibt: ebenso nun auch, Māgandiyo, fröhnen die Wesen,
dem Begehren hingegeben, von begehrendem Dürsten verzehrt, von
begehrendem Fieber entzündet, den Begierden; und je mehr und
mehr nun, Māgandiyo, die Wesen, dem Begehren hingegeben, von
begehrendem Dürsten verzehrt, von begehrendem Fieber entzündet,
den Begierden fröhnen, desto mehr und mehr nur wächst in
ihnen die begehrende Lust, werden sie vom begehrenden Fieber
entzündet, und doch empfinden sie ein gewisses Behagen, einen
gewissen Genuss indem sie den fünf Begehrungen nachgehn.
»Was meinst du wohl, Māgandiyo: hast du etwa einen König oder
einen Fürsten gesehn oder von einem solchen gehört, der, mit
dem Besitz und Genuss der fünf Begehrungen begabt, ohne die
begehrende Lust verworfen, das begehrende Fieber verleugnet zu
haben, den Durst bezwungen und die Ebbung des eigenen Gemüthes
gefunden hat, oder findet, oder finden wird?«
»Das wohl nicht, o Gotamo!«