»Da hört, Anuruddher, ein Anhänger reden: Der und der Anhänger

ist gestorben, und der Erhabene hat von ihm offenbart: ›Nach

Vernichtung der fünf niederzerrenden Fesseln emporgestiegen,

um von dort aus zu erlöschen, nicht mehr zurückzukehren nach

jener Welt.‹ Und er hat jenen Ehrwürdigen selbst gesehn, oder

es ist ihm berichtet worden: ›Also lebte jener Ehrwürdige, so

und so, also lehrte jener Ehrwürdige, so und so, also wusste

jener Ehrwürdige, so und so, also weilte jener Ehrwürdige,

so und so, also löste sich jener Ehrwürdige, so und so.‹ Und

indem er seiner Zuversicht und seiner Tugend, seiner Erfahrung

und Entsagung und seiner Weisheit gedenkt, wendet er das Herz

dahin. Und auch auf solche Weise, Anuruddher, gewinnt ein

Anhänger sälige Ruhe. -- Da hört, Anuruddher, ein Anhänger

reden: Der und der Anhänger ist gestorben, und der Erhabene

hat von ihm offenbart: ›Nach Vernichtung der drei Fesseln,

von Gier, Hass und Irre erleichtert, fast schon geläutert,

wird er nur einmal wiederkehren, nur einmal noch zu dieser

Welt gekommen dem Leiden ein Ende machen.‹ Und er hat jenen

Ehrwürdigen selbst gesehn, oder es ist ihm berichtet worden:

›Also lebte jener Ehrwürdige, so und so, also lehrte jener

Ehrwürdige, so und so, also wusste jener Ehrwürdige, so und

so, also weilte jener Ehrwürdige, so und so, also löste sich

jener Ehrwürdige, so und so.‹ Und indem er seiner Zuversicht

und seiner Tugend, seiner Erfahrung und Entsagung und seiner

Weisheit gedenkt, wendet er das Herz dahin. Und auch auf solche

Weise, Anuruddher, gewinnt ein Anhänger sälige Ruhe. -- Da

hört, Anuruddher, ein Anhänger reden: Der und der Anhänger

ist gestorben, und der Erhabene hat von ihm offenbart: ›Nach

Vernichtung der drei Fesseln wird er zur Hörerschaft gelangen,

dem Verderben entronnen zielbewusst der vollen Erwachung

entgegeneilen.‹ Und er hat jenen Ehrwürdigen selbst gesehn,

oder es ist ihm berichtet worden: ›Also lebte jener Ehrwürdige,

so und so, also lehrte jener Ehrwürdige, so und so, also wusste

jener Ehrwürdige, so und so, also weilte jener Ehrwürdige,

so und so, also löste sich jener Ehrwürdige, so und so.‹ Und

indem er seiner Zuversicht und seiner Tugend, seiner Erfahrung

und Entsagung und seiner Weisheit gedenkt, wendet er das Herz

dahin. Und auch auf solche Weise, Anuruddher, gewinnt ein

Anhänger sälige Ruhe.

»Da hört, Anuruddher, eine Anhängerin reden: Die und die

Anhängerin ist gestorben, und der Erhabene hat von ihr

offenbart: ›Nach Vernichtung der fünf niederzerrenden Fesseln

emporgestiegen, um von dort aus zu erlöschen, nicht mehr

zurückzukehren nach jener Welt.‹ Und sie hat jene Schwester

selbst gesehn, oder es ist ihr berichtet worden: ›Also lebte

jene Schwester, so und so, also lehrte jene Schwester, so und

so, also wusste jene Schwester, so und so, also weilte jene

Schwester, so und so, also löste sich jene Schwester, so und

so.‹ Und indem sie ihrer Zuversicht und ihrer Tugend, ihrer 468

Erfahrung und Entsagung und ihrer Weisheit gedenkt, wendet

sie das Herz dahin. Und auch auf solche Weise, Anuruddher,

gewinnt eine Anhängerin sälige Ruhe. -- Da hört, Anuruddher,

eine Anhängerin reden: Die und die Anhängerin ist gestorben,

und der Erhabene hat von ihr offenbart: ›Nach Vernichtung der

drei Fesseln, von Gier, Hass und Irre erleichtert, fast schon

geläutert, wird sie nur einmal wiederkehren, nur einmal noch

zu dieser Welt gekommen dem Leiden ein Ende machen.‹ Und sie

hat jene Schwester selbst gesehn, oder es ist ihr berichtet

worden: ›Also lebte jene Schwester, so und so, also lehrte

jene Schwester, so und so, also wusste jene Schwester, so und

so, also weilte jene Schwester, so und so, also löste sich

jene Schwester, so und so.‹ Und indem sie ihrer Zuversicht und

ihrer Tugend, ihrer Erfahrung und Entsagung und ihrer Weisheit

gedenkt, wendet sie das Herz dahin. Und auch auf solche Weise,

Anuruddher, gewinnt eine Anhängerin sälige Ruhe. -- Da hört,

Anuruddher, eine Anhängerin reden: Die und die Anhängerin

ist gestorben, und der Erhabene hat von ihr offenbart: ›Nach

Vernichtung der drei Fesseln wird sie zur Hörerschaft gelangen,

dem Verderben entronnen zielbewusst der vollen Erwachung

entgegeneilen.‹ Und sie hat jene Schwester selbst gesehn, oder

es ist ihr berichtet worden: ›Also lebte jene Schwester, so und

so, also lehrte jene Schwester, so und so, also wusste jene

Schwester, so und so, also weilte jene Schwester, so und so,

also löste sich jene Schwester, so und so.‹ Und indem sie ihrer

Zuversicht und ihrer Tugend, ihrer Erfahrung und Entsagung und

ihrer Weisheit gedenkt, wendet sie das Herz dahin. Und auch auf

solche Weise, Anuruddher, gewinnt eine Anhängerin sälige Ruhe.

»Und somit, Anuruddher, ist es nicht für die Neugier der Leute,

nicht zum Gerede der Leute, nicht um Almosen, Ehre und Ruhm zu

erlangen, nicht in der Absicht: ›Man soll mich erkennen!‹, dass

der Vollendete Jünger, die dahingegangen, gestorben sind, je

nach ihrer Auferstehung offenbart: ›Jener ist da auferstanden,

dieser ist dort auferstanden‹, sondern weil es, Anuruddher,

edle Söhne giebt, die Zuversicht hegen, hohe Begeisterung, hohe

Freude; und haben die das gehört, so wenden sie das Herz dahin:

denen, Anuruddher, gereicht es lange zum Wohle, zum Heile.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige

Anuruddho über das Wort des Erhabenen.

69.

Siebenter Theil Neunte Rede

GULISSĀNI

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 469

Rājagaham, im Bambusparke, am Hügel der Eichhörnchen.

Um diese Zeit nun war ein Mönch Namens Gulissāni, ein

Waldeinsiedler, ein Höhlenasket, zu den Ordensbrüdern auf

Besuch gekommen, zu irgend einem Zwecke. Da nun wandte sich der

ehrwürdige Sāriputto, in Beziehung auf den Mönch Gulissāni,

also an die Mönche:

»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, der den Orden aufsucht, im

Orden verweilt, hat die Ordensasketen mit Achtung zu behandeln

und Ergebenheit. Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler, der

den Orden aufsucht, im Orden verweilt, die Ordensasketen ohne

Achtung behandelt und ohne Ergebenheit, so sagt man von ihm:

›Was taugt es wohl diesem ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass er

allein im Walde für sich lebt, da er seine Ordensbrüder ohne

Achtung behandelt und ohne Ergebenheit!‹: also spricht man von

ihm. Darum hat ein Waldeinsiedler, der den Orden aufsucht, im

Orden verweilt, die Ordensasketen mit Achtung zu behandeln und

Ergebenheit.

»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, der den Orden aufsucht, im

Orden verweilt, hat zu wissen wie man Platz nimmt, so zwar:

›Die alten Mönche werd’ ich nicht aufstehn lassen um mich zu

setzen, die jungen Mönche nicht von ihren Sitzen gehn heißen.‹

Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler, der den Orden aufsucht,

im Orden verweilt, nicht weiß wie man Platz nimmt, so sagt man

von ihm: ›Was taugt es wohl diesem ehrwürdigen Waldeinsiedler,

dass er allein im Walde für sich lebt, da er nicht einmal

die Regeln des Betragens kennt!‹: also spricht man von ihm.

Darum hat ein Waldeinsiedler, der den Orden aufsucht, im Orden

verweilt, zu wissen wie man Platz nimmt.

»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, der den Orden aufsucht,

im Orden verweilt, hat nicht zur Unzeit nach dem Dorfe zu

gehn, nicht bis Mittag auszubleiben. Wenn, ihr Brüder, ein

Waldeinsiedler, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt, zur

Unzeit nach dem Dorfe geht, bis Mittag ausbleibt, so sagt man

von ihm: ›Was taugt es wohl diesem ehrwürdigen Waldeinsiedler,

dass er allein im Walde für sich lebt, da er zur Unzeit nach

dem Dorfe geht, bis Mittag ausbleibt!‹: also spricht man von

ihm. Darum hat ein Waldeinsiedler, der den Orden aufsucht, im

Orden verweilt, nicht zur Unzeit nach dem Dorfe zu gehn, nicht

bis Mittag auszubleiben.

»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, der den Orden aufsucht, im

Orden verweilt, hat nicht vor dem Mahl und nach dem Mahl 470

bei den Häusern um Almosen zu stehn. Wenn, ihr Brüder, ein

Waldeinsiedler, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt, vor

dem Mahl und nach dem Mahl bei den Häusern um Almosen steht, so

sagt man von ihm: ›Nun hat sich gar dieser Waldeinsiedler, der

allein im Walde für sich lebt, an den Gang zur Unzeit gewöhnt;

selbst als Ordensasket lässt er sich verleiten!‹: also spricht

man von ihm. Darum hat ein Waldeinsiedler, der den Orden

aufsucht, im Orden verweilt, nicht vor dem Mahl und nach dem

Mahl bei den Häusern um Almosen zu stehn.

»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, der den Orden aufsucht, im

Orden verweilt, hat weder stolz zu sein noch unstet. Wenn, ihr

Brüder, ein Waldeinsiedler, der den Orden aufsucht, im Orden

verweilt, stolz ist und unstet, so sagt man von ihm: ›Nun hat

sich gar dieser Waldeinsiedler, der allein im Walde für sich

lebt, an Stolz und Unstete gewöhnt; selbst als Ordensasket

lässt er sich verleiten!‹: also spricht man von ihm. Darum hat

ein Waldeinsiedler, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt,

weder stolz zu sein noch unstet.

»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, der den Orden aufsucht,

im Orden verweilt, hat nicht gesprächig zu sein und

vielrednerisch. Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler, der

den Orden aufsucht, im Orden verweilt, gesprächig ist und

vielrednerisch, so sagt man von ihm: ›Was taugt es wohl diesem

ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass er allein im Walde für sich

lebt, da er gesprächig ist und vielrednerisch!‹: also spricht

man von ihm. Darum hat ein Waldeinsiedler, der den Orden

aufsucht, im Orden verweilt, nicht gesprächig zu sein und

vielrednerisch.

»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, der den Orden aufsucht, im

Orden verweilt, hat sanft zu reden und gütig. Wenn, ihr Brüder,

ein Waldeinsiedler, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt,

beißend redet und boshaft, so sagt man von ihm: ›Was taugt es

wohl diesem ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass er allein im Walde

für sich lebt, da er beißend redet und boshaft!‹: also spricht

man von ihm. Darum hat ein Waldeinsiedler, der den Orden

aufsucht, im Orden verweilt, sanft zu reden und gütig.

»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, der den Orden aufsucht, im

Orden verweilt, hat die Thore der Sinne zu hüten. Wenn, ihr

Brüder, ein Waldeinsiedler, der den Orden aufsucht, im Orden

verweilt, die Thore der Sinne nicht hütet, so sagt man von ihm:

›Was taugt es wohl diesem ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass er

allein im Walde für sich lebt, da er die Thore der Sinne nicht 471

hütet!‹: also spricht man von ihm. Darum hat ein Waldeinsiedler

die Thore der Sinne zu hüten.

»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, hat beim Essen Maaß zu

halten. Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler beim Essen kein

Maaß kennt, so sagt man von ihm: ›Was taugt es wohl diesem

ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass er allein im Walde für sich

lebt, da er beim Essen kein Maaß kennt!‹: also spricht man von

ihm. Darum hat ein Waldeinsiedler beim Essen Maaß zu halten.

»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, hat sich der Wachsamkeit zu

weihen. Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler die Wachsamkeit

versäumt, so sagt man von ihm: ›Was taugt es wohl diesem

ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass er allein im Walde für sich

lebt, da er die Wachsamkeit versäumt!‹: also spricht man von

ihm. Darum hat sich ein Waldeinsiedler der Wachsamkeit zu

weihen.

»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, hat sich eifrig zu üben.

Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler feige verzagt ist, so

sagt man von ihm: ›Was taugt es wohl diesem ehrwürdigen

Waldeinsiedler, dass er allein im Walde für sich lebt, da er

feige verzagt ist!‹: also spricht man von ihm. Darum hat sich

ein Waldeinsiedler eifrig zu üben.

»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, hat sich die Einsicht gewärtig

zu halten. Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler der Einsicht

vergisst, so sagt man von ihm: ›Was taugt es wohl diesem

ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass er allein im Walde für sich

lebt, da er der Einsicht vergisst!‹: also spricht man von ihm.

Darum hat sich ein Waldeinsiedler die Einsicht gewärtig zu

halten.

»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, hat gesammelt zu sein. Wenn,

ihr Brüder, ein Waldeinsiedler zerstreut ist, so sagt man von

ihm: ›Was taugt es wohl diesem ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass

er allein im Walde für sich lebt, da er zerstreut ist!‹: also

spricht man von ihm. Darum hat ein Waldeinsiedler gesammelt zu

sein.

»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, hat weise zu sein. Wenn, ihr

Brüder, ein Waldeinsiedler thörig ist, so sagt man von ihm:

›Was taugt es wohl diesem ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass er 472

allein im Walde für sich lebt, da er thörig ist!‹: also spricht

man von ihm. Darum hat ein Waldeinsiedler weise zu sein.

»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, hat über die Lehre und über

die Regel ernstlich nachzudenken. Es kommt vor, ihr Brüder,

dass man einem Waldeinsiedler über die Lehre und über die Regel

Fragen stellt. Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler, über die

Lehre und über die Regel befragt, nicht zu antworten weiß,

so sagt man von ihm: ›Was taugt es wohl diesem ehrwürdigen

Waldeinsiedler, dass er allein im Walde für sich lebt, da er,

über die Lehre und über die Regel befragt, nicht zu antworten

weiß!‹: also spricht man von ihm. Darum hat ein Waldeinsiedler

über die Lehre und über die Regel ernstlich nachzudenken.

»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, hat über jene heiligen

Erlösungen, die, jenseit der Formen, keinerlei Form behalten,

ernstlich nachzudenken. Es kommt vor, ihr Brüder, dass man

einem Waldeinsiedler über jene heiligen Erlösungen, die,

jenseit der Formen, keinerlei Form behalten, Fragen stellt.

Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler, über jene heiligen

Erlösungen, die, jenseit der Formen, keinerlei Form behalten,

befragt, nicht zu antworten weiß, so sagt man von ihm: ›Was

taugt es wohl diesem ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass er allein

im Walde für sich lebt, da er, über jene heiligen Erlösungen,

die, jenseit der Formen, keinerlei Form behalten, befragt,

nicht zu antworten weiß!‹: also spricht man von ihm. Darum hat

ein Waldeinsiedler über jene heiligen Erlösungen, die, jenseit

der Formen, keinerlei Form behalten, ernstlich nachzudenken.

»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, hat über die Dinge, die

jenseit menschlichen Ermessens liegen, ernstlich nachzudenken.

Es kommt vor, ihr Brüder, dass man einem Waldeinsiedler über

die Dinge, die jenseit menschlichen Ermessens liegen, Fragen

stellt. Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler, über die Dinge,

die jenseit menschlichen Ermessens liegen, befragt, nicht

zu antworten weiß, so sagt man von ihm: ›Was taugt es wohl

diesem ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass er allein im Walde

für sich lebt, da er ja das Ziel, warum er hinausgezogen ist,

nicht einmal kennt!‹: also spricht man von ihm. Darum hat

ein Waldeinsiedler über die Dinge, die jenseit menschlichen

Ermessens liegen, ernstlich nachzudenken.«

Nach dieser Rede wandte sich der ehrwürdige Mahāmoggallāno an

den ehrwürdigen Sāriputto und sprach:

»Und hat wohl nur ein Waldeinsiedler, Bruder Sāriputto, diese

Dinge insgesammt zu beobachten, oder auch ein Landpilger?«

»Ein Waldeinsiedler hat wohl, Bruder Moggallāno, diese Dinge 473

insgesammt zu beobachten: wie erst ein Landpilger!«

70.

Siebenter Theil Zehnte Rede

VOR KĪṬĀGIRI

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit wanderte der Erhabene

im Lande der Benāreser von Ort zu Ort, von vielen Mönchen

begleitet. Da nun wandte sich der Erhabene an die Mönche:

»Ich nehme, ihr Mönche, nur zu anderer Zeit und nicht am Abend

Nahrung ein: und weil ich nun, ihr Mönche, nur zu anderer

Zeit und nicht am Abend Nahrung einnehme, wahr’ ich mir

Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein. So

nehmet auch ihr denn, Mönche, nur zu anderer Zeit und nicht am

Abend Nahrung ein: nur zu anderer Zeit, ihr Mönche, und nicht

am Abend Nahrung einnehmend werdet auch ihr Gesundheit und

Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein euch wahren.«

»Gern, o Herr!« erwiderten da jene Mönche dem Erhabenen

gehorsam.

Und der Erhabene wanderte im Lande der Benāreser von Ort zu Ort

weiter und kam in die Nähe von Kīṭāgiri, einer Burg im Gebiete

von Benāres.

Vor Kīṭāgiri weilte nun der Erhabene, vor der benāresischen

Burg. Und gerade damals hielten sich die Jünger Assaji und

Punabbasu mit ihren Mönchen bei Kīṭāgiri auf.

Da nun begaben sich viele Mönche dorthin wo Assaji und

Punabbasu mit ihren Mönchen weilten. Dort angelangt sprachen

sie also zu ihnen:

»Der Erhabene, ihr Brüder, nimmt nur zu anderer Zeit und nicht

am Abend Nahrung ein, und auch die Mönchgemeinde: nur zu

anderer Zeit und nicht am Abend, ihr Brüder, Nahrung einnehmend

wahren sie sich Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke

und Wohlsein. So nehmet, Brüder, auch ihr nur zu anderer Zeit

und nicht am Abend Nahrung ein: nur zu anderer Zeit, ihr

Brüder, und nicht am Abend Nahrung einnehmend werdet auch ihr

Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein euch

wahren.«

Auf diese Worte sprachen die Mönche Assajis und Punabbasus also 474

zu den Mönchen:

»Und wir, Brüder, nehmen eben abends Nahrung ein und morgens

und mittags, außer der Zeit: und weil wir eben abends Nahrung

einnehmen und morgens und mittags, außer der Zeit, wahren wir

uns Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein.

Was werden wir da ein Gegenwärtiges aufgeben um einem Künftigen

nachzujagen? Sondern abends wollen wir Nahrung einnehmen und

morgens und mittags, außer der Zeit.«

Da nun jene Mönche die Mönche Assajis und Punabbasus nicht

aufzuklären vermochten, begaben sie sich zum Erhabenen zurück,

begrüßten den Erhabenen ehrerbietig und setzten sich zur Seite

nieder. Zur Seite sitzend berichteten nun jene Mönche dem

Erhabenen Wort um Wort den ganzen Vorgang. Und der Erhabene

wandte sich an einen der Mönche:

»Gehe, o Mönch, und sage in meinem Namen den Mönchen Assajis

und Punabbasus: Der Meister lässt euch Ehrwürdige rufen.«

»Wohl, o Herr!« erwiderte jener Mönch, dem Erhabenen

gehorchend, und begab sich dorthin wo die Mönche Assajis und

Punabbasus weilten. Dort angelangt sprach er also zu ihnen:

»Der Meister lässt euch Ehrwürdige rufen.«

»Gut, o Bruder, wir kommen!« erwiderten die Mönche Assajis

und Punabbasus jenem Mönche und begaben sich dorthin wo der

Erhabene weilte. Dort angelangt begrüßten sie den Erhabenen

ehrerbietig und setzten sich zur Seite nieder. Und zu den

Mönchen Assajis und Punabbasus, die da zur Seite saßen, sprach

der Erhabene also:

»Ist es wahr, wie man sagt, ihr Mönche, dass viele Mönche euch

besucht und euch zugesprochen haben: ›Der Erhabene, ihr Brüder,

nimmt nur zu anderer Zeit und nicht am Abend Nahrung ein, und

auch die Mönchgemeinde: nur zu anderer Zeit und nicht am Abend,

ihr Brüder, Nahrung einnehmend wahren sie sich Gesundheit und

Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein. So nehmet, Brüder,

auch ihr nur zu anderer Zeit und nicht am Abend Nahrung ein:

nur zu anderer Zeit, ihr Brüder, und nicht am Abend Nahrung

einnehmend werdet auch ihr Gesundheit und Frische, Munterkeit, 475

Stärke und Wohlsein euch wahren.‹ Auf diese Worte, ihr Mönche,

sollt ihr dann also zu den Mönchen gesprochen haben: ›Und wir,

Brüder, nehmen eben abends Nahrung ein und morgens und mittags,

außer der Zeit: und weil wir eben abends Nahrung einnehmen und

morgens und mittags, außer der Zeit, wahren wir uns Gesundheit

und Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein. Was werden wir

da ein Gegenwärtiges aufgeben um einem Künftigen nachzujagen?

Sondern abends wollen wir Nahrung einnehmen und morgens und

mittags, außer der Zeit.‹«

»Ja, o Herr!«

»Wie nun, ihr Mönche? Wisst ihr etwa, dass ich also die Lehre

gezeigt habe: ›Was immer auch ein Mensch empfindet, sei es

Wohl, oder Wehe, oder weder Wohl noch Wehe, da mindern sich bei

ihm die unheilsamen Dinge und mehren sich die heilsamen‹?«

»Das nicht, o Herr!«

»So wisst ihr denn, Mönche, dass ich also die Lehre gezeigt

habe: Da empfindet einer irgend ein wohliges Gefühl und

ihm mehren sich die unheilsamen Dinge und mindern sich die

heilsamen, und wieder einer empfindet irgend ein wohliges

Gefühl und ihm mindern sich die unheilsamen Dinge und mehren

sich die heilsamen; da empfindet einer irgend ein wehes Gefühl

und ihm mehren sich die unheilsamen Dinge und mindern sich die

heilsamen, und wieder einer empfindet irgend ein wehes Gefühl

und ihm mindern sich die unheilsamen Dinge und mehren sich die

heilsamen; da empfindet einer irgend ein weder wohlig noch

wehes Gefühl und ihm mehren sich die unheilsamen Dinge und

mindern sich die heilsamen, und wieder einer empfindet irgend

ein weder wohlig noch wehes Gefühl und ihm mindern sich die

unheilsamen Dinge und mehren sich die heilsamen.«

»Freilich, o Herr!«

»Gut, ihr Mönche. Hätt’ ich das, ihr Mönche, nicht erkannt,

nicht gesehn, nicht gefunden, nicht offenbar gemacht, nicht

weise gefasst: ›Da empfindet einer irgend ein wohliges Gefühl

und ihm mehren sich die unheilsamen Dinge und mindern sich

die heilsamen‹, wüsst’ ich das nicht und spräche: ›Derartiges

wohlige Gefühl sollt ihr lassen‹, würde mir denn solches, ihr

Mönche, zukommen?«

»Allerdings nicht, o Herr!«

»Weil ich nun aber das, ihr Mönche, erkannt, gesehn, gefunden,

offenbar gemacht, weise gefasst habe: ›Da empfindet einer

irgend ein wohliges Gefühl und ihm mehren sich die unheilsamen 476

Dinge und mindern sich die heilsamen‹, darum sag’ ich:

›Derartiges wohlige Gefühl sollt ihr lassen.‹ -- Hätt’ ich das,

ihr Mönche, nicht erkannt, nicht gesehn, nicht gefunden, nicht

offenbar gemacht, nicht weise gefasst: ›Da empfindet einer

irgend ein wohliges Gefühl und ihm mindern sich die unheilsamen

Dinge und mehren sich die heilsamen‹, wüsst’ ich das nicht und

spräche: ›Derartiges wohlige Gefühl sollt ihr gewinnen‹, würde

mir denn solches, ihr Mönche, zukommen?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Weil ich nun aber das, ihr Mönche, erkannt, gesehn,

gefunden, offenbar gemacht, weise gefasst habe: ›Da empfindet

einer irgend ein wohliges Gefühl und ihm mindern sich die

unheilsamen Dinge und mehren sich die heilsamen‹, darum

sag’ ich: ›Derartiges wohlige Gefühl sollt ihr gewinnen.‹ --

Hätt’ ich das, ihr Mönche, nicht erkannt, nicht gesehn, nicht

gefunden, nicht offenbar gemacht, nicht weise gefasst: ›Da

empfindet einer irgend ein wehes Gefühl und ihm mehren sich

die unheilsamen Dinge und mindern sich die heilsamen‹, wüsst’

ich das nicht und spräche: ›Derartiges wehe Gefühl sollt ihr

lassen‹, würde mir denn solches, ihr Mönche, zukommen?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Weil ich nun aber das, ihr Mönche, erkannt, gesehn, gefunden,

offenbar gemacht, weise gefasst habe: ›Da empfindet einer

irgend ein wehes Gefühl und ihm mehren sich die unheilsamen

Dinge und mindern sich die heilsamen‹, darum sag’ ich:

›Derartiges wehe Gefühl sollt ihr lassen.‹ -- Hätt’ ich das,

ihr Mönche, nicht erkannt, nicht gesehn, nicht gefunden, nicht

offenbar gemacht, nicht weise gefasst: ›Da empfindet einer

irgend ein wehes Gefühl und ihm mindern sich die unheilsamen

Dinge und mehren sich die heilsamen‹, wüsst’ ich das nicht und

spräche: ›Derartiges wehe Gefühl sollt ihr gewinnen‹, würde mir

denn solches, ihr Mönche, zukommen?«

»Freilich nicht, o Herr!«

»Weil ich nun aber das, ihr Mönche, erkannt, gesehn, gefunden,

offenbar gemacht, weise gefasst habe: ›Da empfindet einer

irgend ein wehes Gefühl und ihm mindern sich die unheilsamen

Dinge und mehren sich die heilsamen‹, darum sag’ ich:

›Derartiges wehe Gefühl sollt ihr gewinnen.‹ -- Hätt’ ich das,

ihr Mönche, nicht erkannt, nicht gesehn, nicht gefunden, nicht

offenbar gemacht, nicht weise gefasst: ›Da empfindet einer

irgend ein weder wohlig noch wehes Gefühl und ihm mehren sich

die unheilsamen Dinge und mindern sich die heilsamen‹, wüsst’

ich das nicht und spräche: ›Derartiges weder wohlig noch wehe

Gefühl sollt ihr lassen‹, würde mir denn solches, ihr Mönche,

zukommen?«

»Allerdings nicht, o Herr!«

»Weil ich nun aber das, ihr Mönche, erkannt, gesehn, gefunden,

offenbar gemacht, weise gefasst habe: ›Da empfindet einer

irgend ein weder wohlig noch wehes Gefühl und ihm mehren sich

die unheilsamen Dinge und mindern sich die heilsamen‹, darum

sag’ ich: ›Derartiges weder wohlig noch wehe Gefühl sollt ihr

lassen.‹ -- Hätt’ ich das, ihr Mönche, nicht erkannt, nicht

gesehn, nicht gefunden, nicht offenbar gemacht, nicht weise

gefasst: ›Da empfindet einer irgend ein weder wohlig noch

wehes Gefühl und ihm mindern sich die unheilsamen Dinge und

mehren sich die heilsamen‹, wüsst’ ich das nicht und spräche:

›Derartiges weder wohlig noch wehe Gefühl sollt ihr gewinnen‹,

würde mir denn solches, ihr Mönche, zukommen?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Weil ich nun aber das, ihr Mönche, erkannt, gesehn, gefunden,

offenbar gemacht, weise gefasst habe: ›Da empfindet einer

irgend ein weder wohlig noch wehes Gefühl und ihm mindern sich

die unheilsamen Dinge und mehren sich die heilsamen‹, darum

sag’ ich: ›Derartiges weder wohlig noch wehe Gefühl sollt ihr 477

gewinnen.‹

»Nicht sag’ ich, ihr Mönche: ›Ein jeder Mönch muss unermüdlich

kämpfen‹, noch auch sag’ ich, ihr Mönche: ›Ein jeder Mönch muss

nicht unermüdlich kämpfen.‹ Jene Mönche, ihr Mönche, die da

Heilige, Wahnversieger, Endiger sind, die das Werk gewirkt,

die Bürde abgelegt, das Heil errungen, die Daseinsfesseln

vernichtet haben, die in vollkommener Weisheit Erlösten,

von solchen Mönchen, ihr Mönche, sag’ ich: ›Nicht müssen

sie unermüdlich kämpfen.‹ Und warum nicht? Gekämpft haben

sie unermüdlich, sie können nicht mehr ermüden. Jene Mönche

aber, ihr Mönche, die als Kämpfer, mit streitendem Busen

die unvergleichliche Sicherheit zu erringen trachten, von

solchen Mönchen, ihr Mönche, sag’ ich: ›Unermüdlich müssen

sie kämpfen.‹ Und warum das? ›Vielleicht werden noch diese

Ehrwürdigen, an geeigneten Orten verweilend, im Umgang mit

frommenden Freunden, die Sinne sicher hinlenken und jenes

Ziel, um dessen willen edle Söhne gänzlich vom Hause fort in

die Hauslosigkeit ziehn, die höchste Vollendung der Heiligkeit

noch bei Lebzeiten sich offenbar machen, verwirklichen und

erringen‹: das ist es, ihr Mönche, was ich bei diesen Mönchen

als Lohn der Unermüdlichkeit vorhersehe, und darum sag ich:

›Unermüdlich müssen sie kämpfen.‹

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, zweiter Band · 第 14 / 45 段