»Annehmen möge, o Herr, der Erhabene die Mönchgemeinde,

aufnehmen möge, o Herr, der Erhabene die Mönchgemeinde!

Gleichwie da, o Herr, der Erhabene früher die Mönchgemeinde

begnadet hat, ebenso nun auch möge der Erhabene jetzt die

Mönchgemeinde begnaden! Es sind hier, o Herr, neue Mönche,

erst seit kurzem Asketen, eben erst in diese Lehre und

Ordnung eingetreten: und wenn diese den Erhabenen nicht zu

sehn bekämen, so möchten sie verkümmern, möchten verderben.

Gleichwie etwa, o Herr, zarte Schößlinge ohne Wasser zu

bekommen verkümmern und verderben möchten, ebenso nun auch, o

Herr, giebt es hier neue Mönche, die erst seit kurzem Asketen,

eben erst in diese Lehre und Ordnung eingetreten sind: und

wenn diese den Erhabenen nicht zu sehn bekämen, so möchten sie

verkümmern, möchten verderben. Gleichwie etwa, o Herr, ein

zartes Kalb von der Mutter getrennt verkümmern und verderben

möchte, ebenso nun auch, o Herr, giebt es hier neue Mönche, die

erst seit kurzem Asketen, eben erst in diese Lehre und Ordnung

eingetreten sind: und wenn diese den Erhabenen nicht zu sehn

bekämen, so möchten sie verkümmern, möchten verderben. Annehmen

möge, o Herr, der Erhabene die Mönchgemeinde, aufnehmen möge, o

Herr, der Erhabene die Mönchgemeinde! Gleichwie da, o Herr, der

Erhabene früher die Mönchgemeinde begnadet hat, ebenso nun auch 459

möge der Erhabene jetzt die Mönchgemeinde begnaden!«

Und es gelang den Sakyerfürsten von Cātumā und Brahmā Sahampati

den Erhabenen zu versöhnen, durch das Gleichniss vom Schößling

und durch das Gleichniss vom Kalbe.[57] Und der ehrwürdige

Mahāmoggallāno wandte sich an die Mönche:

»Steht auf, ihr Brüder, und nehmt Mantel und Schaale: versöhnt

ist der Erhabene von den Sakyerfürsten aus Cātumā und von

Brahmā Sahampati, durch das Gleichniss vom Schößling und durch

das Gleichniss vom Kalbe.«

»Wohl, o Bruder!« sagten da jene Mönche, dem ehrwürdigen

Mahāmoggallāno willfahrend; und sie standen auf, nahmen Mantel

und Schaale und begaben sich dorthin wo der Erhabene weilte.

Dort angelangt begrüßten sie den Erhabenen ehrerbietig und

setzten sich seitwärts nieder. Und zum ehrwürdigen Sāriputto,

der an der Seite saß, sprach der Erhabene also:

»Was dachtest du, Sāriputto, da ich die Mönchgemeinde entließ?«

»Also dacht’ ich, o Herr, da der Erhabene die Mönchgemeinde

entließ: ›Selbstgenugsam will jetzt der Erhabene säliger

Gegenwart genießen, und auch wir wollen jetzt selbstgenugsam

säliger Gegenwart genießen.‹«

»Gehe du, Sāriputto, gehe du, Sāriputto: und nicht wieder,

Sāriputto, sollst du einen solchen Gedanken hegen.«

Und der Erhabene wandte sich an den ehrwürdigen Mahāmoggallāno:

»Was dachtest du, Moggallāno, da ich die Mönchgemeinde entließ?«

»Also dacht’ ich, o Herr, da der Erhabene die Mönchgemeinde

entließ: ›Selbstgenugsam will jetzt der Erhabene säliger

Gegenwart genießen, ich aber und der ehrwürdige Sāriputto

werden uns jetzt der Mönchgemeinde annehmen.‹«

»Gut, gut, Moggallāno: sei es eben ich, der sich da der

Mönchgemeinde annimmt, sei es eben Sāriputto und Moggallāno.«

Und der Erhabene wandte sich nun an die Mönche:

»Vier Gefahren, ihr Mönche, sind da bei einem Badenden zu

gewärtigen: welche vier? Die Gefahr der Woge, die Gefahr des

Krokodils, die Gefahr des Strudels, die Gefahr des Haies. Das,

ihr Mönche, sind die vier Gefahren, die bei einem Badenden zu

gewärtigen sind. Ebenso nun auch, ihr Mönche, sind da vier

Gefahren bei manchem Menschen zu gewärtigen, der in diese Lehre

und Ordnung, aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen ist:

welche vier? Die Gefahr der Woge, die Gefahr des Krokodils, die 460

Gefahr des Strudels, die Gefahr des Haies.

»Was ist aber, ihr Mönche, die Gefahr der Woge? Da ist, ihr

Mönche, ein edler Sohn von Zuversicht bewogen aus dem Hause in

die Hauslosigkeit gewandert: ›Versunken bin ich in Geburt, in

Altern und Sterben, in Wehe, Jammer und Leiden, in Gram und

Verzweiflung, in Leiden versunken, in Leiden verloren! O dass

es doch etwa möglich wäre dieser ganzen Leidensfülle ein Ende

zu machen!‹[58] Mit solcher Gesinnung hat er der Welt entsagt,

und seine Ordensbrüder belehren ihn, ermahnen ihn: ›So sollst

du herzugehn, so sollst du hinweggehn, so sollst du aufblicken,

so sollst du wegblicken, so sollst du dich neigen, so sollst du

dich heben, so sollst du des Ordens Gewand und Almosenschaale

tragen.‹ Und es wird ihm also zumuthe: ›Wir, die wir früher als

Hausleute lebten, haben andere belehrt und ermahnt: und diese,

die wohl unsere Kinder, wohl unsere Enkel sein könnten, meinen

uns belehren und ermahnen zu müssen!‹ Und er giebt die Askese

auf und kehrt zur Gewohnheit zurück. Ein solcher, ihr Mönche,

sagt man, hat aus Furcht vor der Gefahr der Woge die Askese

aufgegeben und ist zur Gewohnheit zurückgekehrt. ›Die Gefahr

der Woge‹, ihr Mönche: das ist eine Bezeichnung für Zorn und

Verzweiflung.

»Was aber, ihr Mönche, ist die Gefahr des Krokodils? Da ist,

ihr Mönche, ein edler Sohn von Zuversicht bewogen aus dem

Hause in die Hauslosigkeit gewandert: ›Versunken bin ich in

Geburt, in Altern und Sterben, in Wehe, Jammer und Leiden,

in Gram und Verzweiflung, in Leiden versunken, in Leiden

verloren! O dass es doch etwa möglich wäre dieser ganzen

Leidensfülle ein Ende zu machen!‹ Mit solcher Gesinnung hat

er der Welt entsagt, und seine Ordensbrüder belehren ihn,

ermahnen ihn: ›Das darfst du kauen, das darfst du nicht kauen,

das darfst du essen, das darfst du nicht essen, das darfst

du schmecken, das darfst du nicht schmecken, das darfst du

trinken, das darfst du nicht trinken; Geziemendes darfst du

kauen, Ungeziemendes darfst du nicht kauen, Geziemendes darfst

du essen, Ungeziemendes darfst du nicht essen, Geziemendes

darfst du schmecken, Ungeziemendes darfst du nicht schmecken,

Geziemendes darfst du trinken, Ungeziemendes darfst du nicht

trinken; zur Zeit darfst du kauen, zur Unzeit darfst du nicht

kauen, zur Zeit darfst du essen, zur Unzeit darfst du nicht

essen, zur Zeit darfst du schmecken, zur Unzeit darfst du nicht

schmecken, zur Zeit darfst du trinken, zur Unzeit darfst du

nicht trinken.‹ Und es wird ihm also zumuthe: ›Wir, die wir 461

früher als Hausleute lebten, haben gekaut was wir wollten,

und was wir nicht wollten, das haben wir nicht gekaut, haben

gegessen was wir wollten, und was wir nicht wollten, das

haben wir nicht gegessen, haben geschmeckt was wir wollten,

und was wir nicht wollten, das haben wir nicht geschmeckt,

haben getrunken was wir wollten, und was wir nicht wollten,

das haben wir nicht getrunken; Geziemendes haben wir gekaut,

und Ungeziemendes haben wir gekaut, Geziemendes haben wir

gegessen, und Ungeziemendes haben wir gegessen, Geziemendes

haben wir geschmeckt, und Ungeziemendes haben wir geschmeckt,

Geziemendes haben wir getrunken, und Ungeziemendes haben wir

getrunken; zur Zeit haben wir gekaut, und zur Unzeit haben wir

gekaut, zur Zeit haben wir gegessen, und zur Unzeit haben wir

gegessen, zur Zeit haben wir geschmeckt, und zur Unzeit haben

wir geschmeckt, zur Zeit haben wir getrunken, und zur Unzeit

haben wir getrunken. Wenn uns gläubige Hausleute mittags zur

Unzeit an Speise und Trank Gutes darreichen, so halten uns

diese hier gleichsam den Mund zu!‹ Und er giebt die Askese

auf und kehrt zur Gewohnheit zurück. Ein solcher, ihr Mönche,

sagt man, hat aus Furcht vor der Gefahr des Krokodils die

Askese aufgegeben und ist zur Gewohnheit zurückgekehrt. ›Die

Gefahr des Krokodils‹, ihr Mönche: das ist eine Bezeichnung für

Gefräßigkeit.

»Was aber, ihr Mönche, ist die Gefahr des Strudels? Da ist, ihr

Mönche, ein edler Sohn von Zuversicht bewogen aus dem Hause

in die Hauslosigkeit gewandert: ›Versunken bin ich in Geburt,

in Altern und Sterben, in Wehe, Jammer und Leiden, in Gram

und Verzweiflung, in Leiden versunken, in Leiden verloren!

O dass es doch etwa möglich wäre dieser ganzen Leidensfülle

ein Ende zu machen!‹ Mit solcher Gesinnung hat er der Welt

entsagt, und er geht, zeitig gerüstet, mit Mantel und Schaale

versehn, nach dem Dorfe oder nach der Stadt um Almosenspeise,

aber ohne den Körper zu hüten, ohne die Rede zu hüten, ohne

die Einsicht gewärtig zu halten, ohne die Sinne gezügelt zu

haben. Und da erblickt er einen Hausvater, oder den Sohn eines

Hausvaters, mit dem Besitz und Genuss der fünf Begehrungen

begabt. Und es wird ihm also zumuthe: ›Wir, die wir früher als

Hausleute lebten, waren mit dem Besitz und Genuss der fünf

Begehrungen begabt. Wir sind reich zuhause: man kann den

Reichthum genießen und Gutes thun!‹ Und er giebt die Askese

auf und kehrt zur Gewohnheit zurück. Ein solcher, ihr Mönche,

sagt man, hat aus Furcht vor der Gefahr des Strudels die Askese

aufgegeben und ist zur Gewohnheit zurückgekehrt. ›Die Gefahr

des Strudels‹, ihr Mönche: das ist eine Bezeichnung für die

fünf Begehrungen.

»Und was ist, ihr Mönche, die Gefahr des Haies? Da ist, ihr 462

Mönche, ein edler Sohn von Zuversicht bewogen aus dem Hause in

die Hauslosigkeit gewandert: ›Versunken bin ich in Geburt, in

Altern und Sterben, in Wehe, Jammer und Leiden, in Gram und

Verzweiflung, in Leiden versunken, in Leiden verloren! O dass

es doch etwa möglich wäre dieser ganzen Leidensfülle ein Ende

zu machen!‹ Mit solcher Gesinnung hat er der Welt entsagt, und

er geht, zeitig gerüstet, mit Mantel und Schaale versehn, nach

dem Dorfe oder nach der Stadt um Almosenspeise, aber ohne den

Körper zu hüten, ohne die Rede zu hüten, ohne die Einsicht

gewärtig zu halten, ohne die Sinne gezügelt zu haben. Und

da erblickt er ein Weib, halb angekleidet nur oder nur halb

verhüllt. Und weil er ein Weib gesehn hat, halb angekleidet nur

oder nur halb verhüllt, wird sein Herz von Gier geschwellt. Und

weil sein Herz von Gier geschwellt ist, giebt er die Askese

auf und kehrt zur Gewohnheit zurück. Ein solcher, ihr Mönche,

sagt man, hat aus Furcht vor der Gefahr des Haies die Askese

aufgegeben und ist zur Gewohnheit zurückgekehrt. ›Die Gefahr

des Haies‹, ihr Mönche: das ist eine Bezeichnung für das Weib.

»Das sind, ihr Mönche, die vier Gefahren, die man da, bei

manchem Menschen, der in diese Lehre und Ordnung, aus dem Hause

in die Hauslosigkeit gezogen ist, zu gewärtigen hat.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche

über das Wort des Erhabenen.

68.

Siebenter Theil Achte Rede

VOR NAḶAKAPĀNAM

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene im

Reiche der Kosaler, bei Naḷakapānam, im Laubwalde.[59]

Zu dieser Zeit nun waren gar viele wohlbekannte, wohlangesehne

edle Söhne um des Erhabenen willen, von Zutrauen bewogen, aus

dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen[60], der ehrwürdige

Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo und der ehrwürdige Kimbilo,

der ehrwürdige Bhagu und der ehrwürdige Kuṇḍadhāno, der

ehrwürdige Revato und der ehrwürdige Ānando, und noch andere

wohlbekannte, wohlangesehne edle Söhne.

Da saß denn einst der Erhabene, von der Mönchgemeinde umgeben,

unter freiem Himmel. Und der Erhabene wandte sich, in Beziehung 463

auf jene edlen Söhne, also an die Mönche:

»Jene edlen Söhne, ihr Mönche, die um meinetwillen, von

Zutrauen bewogen, aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert

sind, vielleicht sind, ihr Mönche, diese Mönche mit dem

Asketenthum wohlzufrieden.«

Auf diese Worte blieben die Mönche schweigsam. Und ein zweites

Mal, und ein drittes Mal wandte sich der Erhabene, in Beziehung

auf jene edlen Söhne, also an die Mönche:

»Jene edlen Söhne, ihr Mönche, die um meinetwillen, von

Zutrauen bewogen, aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert

sind, vielleicht sind, ihr Mönche, diese Mönche mit dem

Asketenthum wohlzufrieden.«

Und ein zweites Mal, und ein drittes Mal verharrten die Mönche

in Schweigen. Und der Erhabene sprach zu sich: ›Wie, wenn ich

nun diese edlen Söhne selbst fragte?‹ Und der Erhabene wandte

sich also an den ehrwürdigen Anuruddho:

»Seid ihr denn, Anuruddher, mit dem Asketenthum wohlzufrieden?«

»Freilich, o Herr, sind wir mit dem Asketenthum wohlzufrieden.«

»Recht so, recht so, Anuruddher. Das steht euch an, Anuruddher,

die ihr als edle Söhne von Zuversicht bewogen aus dem Hause

in die Hauslosigkeit gegangen, dass ihr mit dem Asketenthum

wohlzufrieden seid. Die glückliche Jugend, Anuruddher, die euch

in erster Mannesblüthe glänzend dunkelhaarig die Welt genießen

lassen könnte, diese glückliche Jugend, Anuruddher, hat euch

in erster Mannesblüthe glänzend dunkelhaarig aus dem Hause in

die Hauslosigkeit hinausziehn heißen. Denn euch, Anuruddher,

hat ja kein König gezwungen aus dem Hause in die Hauslosigkeit

zu wandern, kein Räuber, keine Schuldenlast, keine Furcht,

keine Lebensnothdurft hat euch vermocht aus dem Hause in die

Hauslosigkeit fortzuziehn, sondern ihr habt gemerkt: ›Versunken

bin ich in Geburt, in Altern und Sterben, in Wehe, Jammer und

Leiden, in Gram und Verzweiflung, in Leiden versunken, in

Leiden verloren! O dass es doch etwa möglich wäre dieser ganzen

Leidensfülle ein Ende zu machen!‹ Seid ihr, Anuruddher, nicht

also von Zuversicht bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit

gegangen?«

»Ja, o Herr!«

»Und wer also entsagt hat, Anuruddher, als edler Sohn, was mag

der zu thun haben? Wer fern, Anuruddher, von Wünschen, fern von

Schlechtem, keine heitere Säligkeit findet oder Anderes, noch

Besseres, dessen Gemüth wird von Gier erfasst und gefesselt,

wird von Hass erfasst und gefesselt, wird von matter Müde

erfasst und gefesselt, wird von stolzem Unmuth erfasst und

gefesselt, wird von schwankender Ungewissheit erfasst und

gefesselt, wird von Unlust erfasst und gefesselt, wird von 464

Trägheit erfasst und gefesselt; fern, Anuruddher, von Wünschen,

fern von Schlechtem findet er keine heitere Säligkeit oder

Anderes, noch Besseres: wer fern, Anuruddher, von Wünschen,

fern von Schlechtem heitere Säligkeit findet und Anderes,

noch Besseres, dessen Gemüth wird von keiner Gier erfasst

und gefesselt, wird von keinem Hass erfasst und gefesselt,

wird von keiner matten Müde erfasst und gefesselt, wird von

keinem stolzen Unmuth erfasst und gefesselt, wird von keiner

schwankenden Ungewissheit erfasst und gefesselt, wird von

keiner Unlust erfasst und gefesselt, wird von keiner Trägheit

erfasst und gefesselt; fern, Anuruddher, von Wünschen, fern

von Schlechtem findet er heitere Säligkeit und Anderes, noch

Besseres.

»Vielleicht, Anuruddher, meint ihr von mir: ›Der Wahn,

der besudelnde, Wiederdasein säende, entsetzliche, Leiden

ausbrütende, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugende, der

ist vom Vollendeten nicht überstanden; darum mag der Vollendete

eins mit Bedacht pflegen, und eins mit Bedacht dulden, eins mit

Bedacht fliehn, und eins mit Bedacht bekämpfen.‹«

»Nicht doch, o Herr, denken wir vom Erhabenen also: ›Der Wahn,

der besudelnde, Wiederdasein säende, entsetzliche, Leiden

ausbrütende, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugende, der

ist vom Vollendeten nicht überstanden; darum mag der Vollendete

eins mit Bedacht pflegen, und eins mit Bedacht dulden, eins mit

Bedacht fliehn, und eins mit Bedacht bekämpfen‹, sondern also

denken wir, o Herr, vom Erhabenen: ›Der Wahn, der besudelnde,

Wiederdasein säende, entsetzliche, Leiden ausbrütende, wiederum

Leben, Altern und Sterben erzeugende, der ist vom Vollendeten

überstanden; darum mag der Vollendete eins mit Bedacht pflegen,

und eins mit Bedacht dulden, eins mit Bedacht fliehn, und eins

mit Bedacht bekämpfen.‹«

»Recht so, recht so, Anuruddher. Der Vollendete, Anuruddher,

hat den Wahn, den besudelnden, Wiederdasein säenden,

entsetzlichen, Leiden ausbrütenden, wiederum Leben, Altern und

Sterben erzeugenden, überstanden, an der Wurzel abgeschnitten,

einem Palmstumpf gleichgemacht, so dass er nicht mehr keimen,

nicht mehr sich entwickeln kann. Gleichwie etwa, Anuruddher,

eine Palme, der man die Krone abgeschnitten hat, nicht wieder

emporwachsen kann, ebenso auch, Anuruddher, hat der Vollendete

den Wahn, den besudelnden, Wiederdasein säenden, entsetzlichen,

Leiden ausbrütenden, wiederum Leben, Altern und Sterben

erzeugenden, überstanden, an der Wurzel abgeschnitten, einem

Palmstumpf gleichgemacht, so dass er nicht mehr keimen, nicht

mehr sich entwickeln kann; darum mag der Vollendete eins mit

Bedacht pflegen, und eins mit Bedacht dulden, eins mit Bedacht

fliehn, und eins mit Bedacht bekämpfen.[61]

»Was meint ihr wohl, Anuruddher: welcher Umstand veranlasst

den Vollendeten die Jünger, die dahingegangen, gestorben

sind, je nach ihrer Auferstehung zu offenbaren: ›Jener ist da

auferstanden, dieser ist dort auferstanden‹?«

»Vom Erhabenen stammt unser Wissen, o Herr, vom Erhabenen geht 465

es aus, auf den Erhabenen geht es zurück. Gut wär’ es, o Herr,

wenn doch der Erhabene den Sinn solcher Rede erklären wollte!

Das Wort des Erhabenen werden die Mönche bewahren.«

»Nicht eben, Anuruddher, für die Neugier der Leute, nicht zum

Gerede der Leute, nicht um Almosen, Ehre und Ruhm zu erlangen,

nicht in der Absicht[62]: ›Man soll mich erkennen!‹, offenbart

der Vollendete die Jünger, die dahingegangen, gestorben sind,

je nach ihrer Auferstehung: ›Jener ist da auferstanden, dieser

ist dort auferstanden‹, sondern weil es, Anuruddher, edle Söhne

giebt, die Zuversicht hegen, hohe Begeisterung, hohe Freude;

und haben die das gehört, so wenden sie das Herz dahin: denen,

Anuruddher, gereicht es lange zum Wohle, zum Heile.

»Da hört, Anuruddher, ein Mönch reden: Der und der Mönch ist

gestorben, und der Erhabene hat von ihm offenbart: ›Gewiss

bestanden.‹ Und er hat jenen Ehrwürdigen selbst gesehn, oder

es ist ihm berichtet worden: ›Also lebte jener Ehrwürdige, so

und so, also lehrte jener Ehrwürdige, so und so, also wusste

jener Ehrwürdige, so und so, also weilte jener Ehrwürdige,

so und so, also löste sich jener Ehrwürdige, so und so.‹ Und

indem er seiner Zuversicht und seiner Tugend, seiner Erfahrung

und Entsagung und seiner Weisheit gedenkt, wendet er das Herz

dahin. Und auch auf solche Weise, Anuruddher, gewinnt ein

Mönch sälige Ruhe. -- Da hört, Anuruddher, ein Mönch reden:

Der und der Mönch ist gestorben, und der Erhabene hat von

ihm offenbart: ›Nach Vernichtung der fünf niederzerrenden

Fesseln emporgestiegen, um von dort aus zu erlöschen, nicht

mehr zurückzukehren nach jener Welt.‹ Und er hat jenen

Ehrwürdigen selbst gesehn, oder es ist ihm berichtet worden:

›Also lebte jener Ehrwürdige, so und so, also lehrte jener

Ehrwürdige, so und so, also wusste jener Ehrwürdige, so und

so, also weilte jener Ehrwürdige, so und so, also löste sich

jener Ehrwürdige, so und so.‹ Und indem er seiner Zuversicht

und seiner Tugend, seiner Erfahrung und Entsagung und seiner

Weisheit gedenkt, wendet er das Herz dahin. Und auch auf solche

Weise, Anuruddher, gewinnt ein Mönch sälige Ruhe. -- Da hört,

Anuruddher, ein Mönch reden: Der und der Mönch ist gestorben,

und der Erhabene hat von ihm offenbart: ›Nach Vernichtung der

drei Fesseln, von Gier, Hass und Irre erleichtert, fast schon

geläutert, wird er nur einmal wiederkehren, nur einmal noch

zu dieser Welt gekommen dem Leiden ein Ende machen.‹ Und er

hat jenen Ehrwürdigen selbst gesehn, oder es ist ihm berichtet

worden: ›Also lebte jener Ehrwürdige, so und so, also lehrte

jener Ehrwürdige, so und so, also weilte jener Ehrwürdige,

so und so, also löste sich jener Ehrwürdige, so und so.‹ Und

indem er seiner Zuversicht und seiner Tugend, seiner Erfahrung

und Entsagung und seiner Weisheit gedenkt, wendet er das Herz

dahin. Und auch auf solche Weise, Anuruddher, gewinnt ein 466

Mönch sälige Ruhe. -- Da hört, Anuruddher, ein Mönch reden:

Der und der Mönch ist gestorben, und der Erhabene hat von ihm

offenbart: ›Nach Vernichtung der drei Fesseln wird er zur

Hörerschaft gelangen, dem Verderben entronnen zielbewusst der

vollen Erwachung entgegeneilen.‹ Und er hat jenen Ehrwürdigen

selbst gesehn, oder es ist ihm berichtet worden: ›Also lebte

jener Ehrwürdige, so und so, also lehrte jener Ehrwürdige, so

und so, also wusste jener Ehrwürdige, so und so, also weilte

jener Ehrwürdige, so und so, also löste sich jener Ehrwürdige,

so und so.‹ Und indem er seiner Zuversicht und seiner

Tugend, seiner Erfahrung und Entsagung und seiner Weisheit

gedenkt, wendet er das Herz dahin. Und auch auf solche Weise,

Anuruddher, gewinnt ein Mönch sälige Ruhe.

»Da hört, Anuruddher, eine Nonne reden: Die und die Nonne ist

gestorben, und der Erhabene hat von ihr offenbart: ›Gewiss

bestanden.‹ Und sie hat jene Schwester selbst gesehn, oder

es ist ihr berichtet worden: ›Also lebte jene Schwester, so

und so, also lehrte jene Schwester, so und so, also wusste

jene Schwester, so und so, also weilte jene Schwester, so und

so, also löste sich jene Schwester, so und so.‹ Und indem

sie ihrer Zuversicht und ihrer Tugend, ihrer Erfahrung und

Entsagung und ihrer Weisheit gedenkt, wendet sie das Herz

dahin. Und auch auf solche Weise, Anuruddher, gewinnt eine

Nonne sälige Ruhe. -- Da hört, Anuruddher, eine Nonne reden:

Die und die Nonne ist gestorben, und der Erhabene hat von ihr

offenbart: ›Nach Vernichtung der fünf niederzerrenden Fesseln

emporgestiegen, um von dort aus zu erlöschen, nicht mehr

zurückzukehren nach jener Welt.‹ Und sie hat jene Schwester

selbst gesehn, oder es ist ihr berichtet worden: ›Also lebte

jene Schwester, so und so, also lehrte jene Schwester, so und

so, also wusste jene Schwester, so und so, also weilte jene

Schwester, so und so, also löste sich jene Schwester, so und

so.‹ Und indem sie ihrer Zuversicht und ihrer Tugend, ihrer

Erfahrung und Entsagung und ihrer Weisheit gedenkt, wendet

sie das Herz dahin. Und auch auf solche Weise, Anuruddher,

gewinnt eine Nonne sälige Ruhe. -- Da hört, Anuruddher, eine

Nonne reden: Die und die Nonne ist gestorben, und der Erhabene

hat von ihr offenbart: ›Nach Vernichtung der drei Fesseln,

von Gier, Hass und Irre erleichtert, fast schon geläutert,

wird sie nur einmal wiederkehren, nur einmal noch zu dieser

Welt gekommen dem Leiden ein Ende machen.‹ Und sie hat jene

Schwester selbst gesehn, oder es ist ihr berichtet worden:

›Also lebte jene Schwester, so und so, also lehrte jene

Schwester, so und so, also wusste jene Schwester, so und so,

also weilte jene Schwester, so und so, also löste sich jene

Schwester, so und so.‹ Und indem sie ihrer Zuversicht und

ihrer Tugend, ihrer Erfahrung und Entsagung und ihrer Weisheit

gedenkt, wendet sie das Herz dahin. Und auch auf solche Weise,

Anuruddher, gewinnt eine Nonne sälige Ruhe. -- Da hört,

Anuruddher, eine Nonne reden: Die und die Nonne ist gestorben,

und der Erhabene hat von ihr offenbart: ›Nach Vernichtung der

drei Fesseln wird sie zur Hörerschaft gelangen, dem Verderben

entronnen zielbewusst der vollen Erwachung entgegeneilen.‹ Und 467

sie hat jene Schwester selbst gesehn, oder es ist ihr berichtet

worden: ›Also lebte jene Schwester, so und so, also lehrte

jene Schwester, so und so, also wusste jene Schwester, so und

so, also weilte jene Schwester, so und so, also löste sich

jene Schwester, so und so.‹ Und indem sie ihrer Zuversicht und

ihrer Tugend, ihrer Erfahrung und Entsagung und ihrer Weisheit

gedenkt, wendet sie das Herz dahin. Und auch auf solche Weise,

Anuruddher, gewinnt eine Nonne sälige Ruhe.

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, zweiter Band · 第 13 / 45 段