»Ebenso nun auch, Udāyī, haben da gar manche Thoren, von mir

ermahnt ›Das mögt ihr lassen‹, dann also gesprochen: ›Was wird

es auf solche Kleinigkeit, Winzigkeit ankommen? Allzu peinlich

genau ist doch dieser Asket!‹ Und sie lassen nicht davon ab und

setzen in Misstrauen zu mir die Mönche, die sich eifrig üben.

Denen wird das, Udāyī, eine feste Fessel, eine tüchtige Fessel,

eine zähe Fessel, keine faule Fessel, ein schwerer Block.

»Und wieder haben da, Udāyī, gar manche edle Söhne, von mir

ermahnt ›Das mögt ihr lassen‹, dann also gesprochen: ›Was wird 450

es auf solche Kleinigkeit, Winzigkeit ankommen, die zu lassen

ist, die uns der Erhabene zu lassen geheißen, die uns der

Willkommene verleugnen geheißen hat!‹ Und sie lassen eben davon

ab und setzen nicht in Misstrauen zu mir die Mönche, die sich

eifrig üben. Und weil sie das gelassen, verweilen sie gestillt,

ohne Widerstand, ohne Widerrede, mild geworden im Gemüthe.

Denen wird das, Udāyī, keine feste Fessel, eine schwache

Fessel, eine faule Fessel, ein haltlose Fessel.

»Gleichwie etwa, Udāyī, ein Königselephant, mit Doppelhauern,

zum Angriff geeignet, zum Kampf erzogen, der mit starken Riemen

und Seilen gefesselt ist, nur gering den Körper bewegend diese

Fesseln zerreißt und zertritt und hingeht wohin er will: wer

nun da, Udāyī, also spräche, ›Die starken Riemen und Seile,

womit dieser Königselephant mit Doppelhauern, zum Angriff

geeignet, zum Kampf erzogen, gefesselt ist, und die er, nur

gering den Körper bewegend, zerreißt und zertritt, um hinzugehn

wohin er will, das sind ja feste Fesseln für ihn, tüchtige

Fesseln, keine faulen Fesseln, ein schwerer Block‹, würde der

also, Udāyī, recht reden?«

»Gewiss nicht, o Herr! Die starken Riemen und Seile, o Herr,

womit dieser Königselephant mit Doppelhauern, zum Angriff

geeignet, zum Kampf erzogen, gefesselt ist, nur gering den

Körper bewegend zerreißt und zertritt er diese und geht hin

wohin er will: das sind ihm wahrlich keine festen Fesseln, sind

schwache Fesseln, faule Fesseln, haltlose Fesseln.«

»Ebenso nun auch, Udāyī, haben da gar manche edle Söhne, von

mir ermahnt ›Das mögt ihr lassen‹, dann also gesprochen: ›Was

wird es auf solche Kleinigkeit, Winzigkeit ankommen, die zu

lassen ist, die uns der Erhabene zu lassen geheißen, die uns

der Willkommene verleugnen geheißen hat!‹ Und sie lassen eben

davon ab und setzen nicht in Misstrauen zu mir die Mönche,

die sich eifrig üben. Und weil sie das gelassen, verweilen

sie gestillt, ohne Widerstand, ohne Widerrede, mild geworden

im Gemüthe. Denen wird das, Udāyī, keine feste Fessel, eine

schwache Fessel, eine faule Fessel, eine haltlose Fessel.

»Gleichwie etwa, Udāyī, wenn da ein Mann wäre, arm, unfrei,

unselbständig; und er besäße ein einziges Häuschen, verfallen

und zerfallen, den Krähen gar sehr zugänglich, durchaus

nicht schön, eine einzige Lagerstatt[53], verfallen und

zerfallen, durchaus nicht schön, einen einzigen Scheffel 451

voll Getreidesaamen, durchaus nicht schön, ein einziges

Weib, durchaus nicht schön: und er sähe in einem Haine

einen Mönch, mit rein gewaschenen Händen und Füßen, heiter

blickend, nach eingenommenem Mahle, in kühlem Schatten sitzen,

hohem Gedenken hingegeben. Und es würd’ ihm also zumuthe:

›Sälig ist, wahrlich, Asketenschaft, leidlos ist, wahrlich,

Asketenschaft! O wär’ ich doch ein solcher, dass ich, mit

geschorenem Haar und Barte, mit fahlem Gewande bekleidet, aus

dem Hause in die Hauslosigkeit hinauszöge!‹ Und er vermöchte

nicht das eine Häuschen, verfallen und zerfallen, den Krähen

gar sehr zugänglich, durchaus nicht schön, zu lassen, die eine

Lagerstatt, verfallen und zerfallen, durchaus nicht schön, zu

lassen, den einen Scheffel voll Getreidesaamen, durchaus nicht

schön, zu lassen, das eine Weib, durchaus nicht schön, zu

lassen und, mit geschorenem Haar und Barte, mit fahlem Gewande

bekleidet, aus dem Hause in die Hauslosigkeit hinauszuziehn.

Wer nun da, Udāyī, also spräche, ›Die Bande, womit dieser

Mann gebunden nicht vermag das eine Häuschen, verfallen und

zerfallen, den Krähen gar sehr zugänglich, durchaus nicht

schön, zu lassen, die eine Lagerstatt, verfallen und zerfallen,

durchaus nicht schön, zu lassen, den einen Scheffel voll

Getreidesaamen, durchaus nicht schön, zu lassen, das eine Weib,

durchaus nicht schön, zu lassen und, mit geschorenem Haar und

Barte, mit fahlem Gewande bekleidet, aus dem Hause in die

Hauslosigkeit hinauszuziehn, das sind ja für ihn keine festen

Bande, sind schwache Bande, faule Bande, haltlose Bande‹, würde

der also, Udāyī, recht reden?«

»Gewiss nicht, o Herr! Die Bande, o Herr, womit dieser Mann

gebunden nicht vermag das eine Häuschen, verfallen und

zerfallen, den Krähen gar sehr zugänglich, durchaus nicht

schön, zu lassen, die eine Lagerstatt, verfallen und zerfallen,

durchaus nicht schön, zu lassen, den einen Scheffel voll

Getreidesaamen, durchaus nicht schön, zu lassen, das eine Weib,

durchaus nicht schön, zu lassen und, mit geschorenem Haar und

Barte, mit fahlem Gewande bekleidet, aus dem Hause in die

Hauslosigkeit hinauszuziehn, das sind ja für ihn feste Bande,

tüchtige Bande, zähe Bande, keine faulen Bande, ein schwerer

Block.«

»Ebenso nun auch, Udāyī, haben da gar manche Thoren, von mir

ermahnt ›Das mögt ihr lassen‹, dann also gesprochen: ›Was wird

es auf solche Kleinigkeit, Winzigkeit ankommen? Allzu peinlich

genau ist doch dieser Asket!‹ Und sie lassen nicht davon ab und

setzen in Misstrauen zu mir die Mönche, die sich eifrig üben.

Denen wird das, Udāyī, eine feste Fessel, eine tüchtige Fessel,

eine zähe Fessel, keine faule Fessel, ein schwerer Block.

»Gleichwie etwa, Udāyī, wenn da ein Hausvater wäre, oder 452

der Sohn eines Hausvaters, reich, mit Geld und Gut mächtig

begabt, im Besitze vieler Haufen Goldes, im Besitze vieler

Massen Getreides, im Besitze vieler Felder und Wiesen, im

Besitze vieler Häuser und Höfe, im Besitze vieler Schaaren von

Frauen, im Besitze vieler Schaaren von Dienern, im Besitze

vieler Schaaren von Dienerinen: und er sähe in einem Haine

einen Mönch, mit rein gewaschenen Händen und Füßen, heiter

blickend, nach eingenommenem Mahle, in kühlem Schatten sitzen,

hohem Gedenken hingegeben. Und es würd’ ihm also zumuthe:

›Sälig ist, wahrlich, Asketenschaft, leidlos ist, wahrlich,

Asketenschaft! O wär’ ich doch ein solcher, dass ich, mit

geschorenem Haar und Barte, mit fahlem Gewande bekleidet, aus

dem Hause in die Hauslosigkeit hinauszöge!‹ Und er vermöchte

die vielen Haufen Goldes zu lassen, die vielen Massen Getreides

zu lassen, die vielen Felder und Wiesen zu lassen, die vielen

Häuser und Höfe zu lassen, die vielen Schaaren von Frauen zu

lassen, die vielen Schaaren von Dienern zu lassen, die vielen

Schaaren von Dienerinen zu lassen und, mit geschorenem Haar

und Barte, mit fahlem Gewande bekleidet, aus dem Hause in die

Hauslosigkeit hinauszuziehn. Wer nun da, Udāyī, also spräche,

›Die Bande, womit dieser Mann gebunden vermag viele Haufen

Goldes zu lassen, viele Massen Getreides zu lassen, viele

Felder und Wiesen zu lassen, viele Häuser und Höfe zu lassen,

viele Schaaren von Frauen zu lassen, viele Schaaren von Dienern

zu lassen, viele Schaaren von Dienerinen zu lassen und, mit

geschorenem Haar und Barte, mit fahlem Gewande bekleidet, aus

dem Hause in die Hauslosigkeit hinauszuziehn, das sind ja für

ihn feste Bande, tüchtige Bande, zähe Bande, keine faulen

Bande, ein schwerer Block‹, würde der also, Udāyī, recht reden?«

»Gewiss nicht, o Herr! Die Bande, o Herr, womit dieser Mann

gebunden vermag viele Haufen Goldes zu lassen, viele Massen

Getreides zu lassen, viele Felder und Wiesen zu lassen, viele

Häuser und Höfe zu lassen, viele Schaaren von Frauen zu lassen,

viele Schaaren von Dienern zu lassen, viele Schaaren von

Dienerinen zu lassen und, mit geschorenem Haar und Barte, mit

fahlem Gewande bekleidet, aus dem Hause in die Hauslosigkeit

hinauszuziehn, das sind ja für ihn keine festen Bande, sind

schwache Bande, faule Bande, haltlose Bande.«

»Ebenso nun auch, Udāyī, haben da gar manche edle Söhne, von

mir ermahnt ›Das mögt ihr lassen‹, dann also gesprochen: ›Was

wird es auf solche Kleinigkeit, Winzigkeit ankommen, die zu

lassen ist, die uns der Erhabene zu lassen geheißen, die uns

der Willkommene verleugnen geheißen hat!‹ Und sie lassen eben

davon ab und setzen nicht in Misstrauen zu mir die Mönche,

die sich eifrig üben. Und weil sie das gelassen, verweilen

sie gestillt, ohne Widerstand, ohne Widerrede, mild geworden 453

im Gemüthe. Denen wird das, Udāyī, keine feste Fessel, eine

schwache Fessel, eine faule Fessel, eine haltlose Fessel.

»Vier Arten von Menschen, Udāyī, finden sich hier in der Welt

vor: welche vier? Da ist, Udāyī, ein Mensch auf dem Wege das

Anhaften zu lassen, das Anhaften zu verleugnen; und während

er auf dem Wege ist das Anhaften zu lassen, das Anhaften zu

verleugnen, kommen ihn mit Anhaften verbundene Erinnerungen

an: und er gönnt ihnen Raum, verleugnet sie nicht, vertreibt

sie nicht, vertilgt sie nicht, erstickt sie nicht im Keime.

Einen solchen Menschen, Udāyī, nenn’ ich gefesselt, nicht

entfesselt: und warum das? Weil ich die Sinnesart, Udāyī,

bei diesem Menschen gemerkt habe. Da ist ferner, Udāyī, ein

Mensch auf dem Wege das Anhaften zu lassen, das Anhaften zu

verleugnen; und während er auf dem Wege ist das Anhaften zu

lassen, das Anhaften zu verleugnen, kommen ihn mit Anhaften

verbundene Erinnerungen an: und er gönnt ihnen keinen Raum,

verleugnet sie, vertreibt sie, vertilgt sie, erstickt sie im

Keime. Auch einen solchen Menschen, Udāyī, nenn’ ich gefesselt,

nicht entfesselt: und warum das? Weil ich die Sinnesart, Udāyī,

bei diesem Menschen gemerkt habe. Da ist ferner, Udāyī, ein

Mensch auf dem Wege das Anhaften zu lassen, das Anhaften zu

verleugnen; und während er auf dem Wege ist das Anhaften zu

lassen, das Anhaften zu verleugnen, kommen ihn gelegentlich

hie und da wirre Gedanken, mit Anhaften verbundene Erinnerungen

an. Langsam, Udāyī, treten die Gedanken auf, aber gar eilig

verleugnet er sie, vertreibt sie, vertilgt sie, erstickt sie im

Keime. Gleichwie etwa, Udāyī, wenn ein Mann auf eine tagüber

am Feuer glühende eiserne Pfanne zwei oder drei Wassertropfen

herabträufeln ließe -- langsam, Udāyī, wäre der Fall der

Tropfen, aber gar eilig würden sie aufgelöst und verschwunden

sein --: ebenso nun auch, Udāyī, ist da ein Mensch auf dem Wege

das Anhaften zu lassen, das Anhaften zu verleugnen; und während

er auf dem Wege ist das Anhaften zu lassen, das Anhaften zu

verleugnen, kommen ihn gelegentlich hie und da wirre Gedanken,

mit Anhaften verbundene Erinnerungen an. Langsam, Udāyī, treten

die Gedanken auf, aber gar eilig verleugnet er sie, vertreibt

sie, vertilgt sie, erstickt sie im Keime. Auch einen solchen

Menschen, Udāyī, nenn’ ich gefesselt, nicht entfesselt: und

warum das? Weil ich die Sinnesart, Udāyī, bei diesem Menschen 454

gemerkt habe. Und ferner, Udāyī, hat da ein Mensch gemerkt

›Anhaften ist des Leidens Wurzel‹, und er haftet nirgend an und

ist im Versiegen des Anhaftens erlöst. Einen solchen Menschen,

Udāyī, nenn’ ich entfesselt, nicht gefesselt: und warum das?

Weil ich die Sinnesart, Udāyī, bei diesem Menschen gemerkt habe.

»Fünf Begehrungen, Udāyī, giebt es: welche fünf? Die

durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen, die

ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem

Begehren entsprechenden, reizenden; die durch das Gehör

ins Bewusstsein tretenden Töne, die ersehnten, geliebten,

entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden,

reizenden; die durch den Geruch ins Bewusstsein tretenden

Düfte, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem

Begehren entsprechenden, reizenden; die durch den Geschmack

ins Bewusstsein tretenden Säfte, die ersehnten, geliebten,

entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden,

reizenden; die durch das Getast ins Bewusstsein tretenden

Tastungen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen,

dem Begehren entsprechenden, reizenden. Das sind, Udāyī, die

fünf Begehrungen. Was da, Udāyī, Wohl und Erwünschtes diesen

fünf Begehrungen gemäß geht, das nennt man Begierdenwohl,

kothiges Wohl, gemeines Menschenwohl, unheiliges Wohl. Nicht zu

pflegen, nicht zu hegen, nicht zu mehren ist es: zu hüten hat

man sich vor solchem Wohle, sag’ ich.

»Da weilt, Udāyī, ein Mönch, gar fern von Begierden, fern

von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener

säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung. Nach

Vollendung des Sinnens und Gedenkens erwirkt er die innere

Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von

gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit,

die Weihe der zweiten Schauung. In heiterer Ruhe verweilt er

gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet

er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig

Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der

dritten Schauung. Nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach

Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns erwirkt er

die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen

vollkommenen Reine, die vierte Schauung. Das nennt man Wohl

der Entsagung, Wohl der Einsamkeit, Wohl der Beruhigung, Wohl

der Erwachung. Zu pflegen und zu hegen und zu mehren ist es:

nicht zu hüten hat man sich vor solchem Wohle, sag’ ich.

»Da weilt, Udāyī, ein Mönch, gar fern von Begierden, fern

von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener

säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung. Das aber

nenn’ ich, Udāyī, der Regung unterworfen: und was ist da der

Regung unterworfen? Was eben dabei als Sinnen und Gedenken

nicht ausgerodet ist, das gilt hier als Regung. Da gewinnt,

Udāyī, ein Mönch nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens die

innere Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen,

von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit,

die Weihe der zweiten Schauung. Auch das nenn’ ich, Udāyī, der

Regung unterworfen: und was ist da der Regung unterworfen?

Was eben dabei als sälige Heiterkeit nicht ausgerodet ist,

das gilt hier als Regung. Da verweilt, Udāyī, ein Mönch in

heiterer Ruhe, gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein

Glück empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der

gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die

Weihe der dritten Schauung. Auch das nenn’ ich, Udāyī, der

Regung unterworfen: und was ist da der Regung unterworfen?

Was eben dabei als säliger Gleichmuth nicht ausgerodet ist,

das gilt hier als Regung. Da erwirkt, Udāyī, ein Mönch nach 455

Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des

einstigen Frohsinns und Trübsinns die Weihe der leidlosen,

freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine,

die vierte Schauung. Und das nenn’ ich, Udāyī, keiner Regung

unterworfen.

»Da weilt, Udāyī, ein Mönch, gar fern von Begierden, fern

von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener

säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung. Das

aber nenn’ ich, Udāyī, unzulänglich, und sage ›Verwerft es‹,

sage ›Ueberwindet es‹: und was ist hier die Ueberwindung? Da

gewinnt, Udāyī, ein Mönch nach Vollendung des Sinnens und

Gedenkens die innere Meeresstille, die Einheit des Gemüthes,

die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene

sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung. Das ist hier

die Ueberwindung. Auch das nenn’ ich, Udāyī, unzulänglich,

und sage ›Verwerft es‹, sage ›Ueberwindet es‹: und was ist

hier die Ueberwindung? Da verweilt, Udāyī, ein Mönch in

heiterer Ruhe, gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein

Glück empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der

gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die

Weihe der dritten Schauung. Das ist hier die Ueberwindung.

Auch das nenn’ ich, Udāyī, unzulänglich, und sage ›Verwerft

es‹, sage ›Ueberwindet es‹: und was ist hier die Ueberwindung?

Da erwirkt, Udāyī, ein Mönch nach Verwerfung der Freuden

und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und

Trübsinns die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig

einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung. Das ist

hier die Ueberwindung. Auch das nenn’ ich, Udāyī, unzulänglich,

und sage ›Verwerft es‹, sage ›Ueberwindet es‹: und was ist

hier die Ueberwindung? Da gewinnt, Udāyī, ein Mönch nach

völliger Ueberwindung der Formwahrnehmungen, Vernichtung der

Gegenwahrnehmungen, Verwerfung der Vielheitwahrnehmungen in dem

Gedanken ›Gränzenlos ist der Raum‹ das Reich des unbegränzten

Raumes. Das ist hier die Ueberwindung.[54] Auch das nenn’ ich,

Udāyī, unzulänglich, und sage ›Verwerft es‹, sage ›Ueberwindet

es‹: und was ist hier die Ueberwindung? Da gewinnt, Udāyī, ein

Mönch nach völliger Ueberwindung der unbegränzten Raumsphäre

in dem Gedanken ›Gränzenlos ist das Bewusstsein‹ das Reich

des unbegränzten Bewusstseins. Das ist hier die Ueberwindung.

Auch das nenn’ ich, Udāyī, unzulänglich, und sage ›Verwerft

es‹, sage ›Ueberwindet es‹: und was ist hier die Ueberwindung?

Da gewinnt, Udāyī, ein Mönch nach völliger Ueberwindung der

unbegränzten Bewusstseinsphäre in dem Gedanken ›Nichts ist da‹

das Reich des Nichtdaseins. Das ist hier die Ueberwindung.

Auch das nenn’ ich, Udāyī, unzulänglich, und sage ›Verwerft

es‹, sage ›Ueberwindet es‹: und was ist hier die Ueberwindung?

Da erreicht, Udāyī ein Mönch nach völliger Ueberwindung der

Nichtdaseinsphäre die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung.

Das ist hier die Ueberwindung. Auch das nenn’ ich, Udāyī, 456

unzulänglich, und sage ›Verwerft es‹, sage ›Ueberwindet es‹:

und was ist hier die Ueberwindung? Da erreicht, Udāyī, ein

Mönch nach völliger Ueberwindung der Gränzscheide möglicher

Wahrnehmung die Auflösung der Wahrnehmbarkeit. Das ist hier

die Ueberwindung. Und so sag’ ich denn, Udāyī, dass auch die

Gränzscheide möglicher Wahrnehmung zu überschreiten sei. Siehst

du etwa, Udāyī, eine Fessel, fein oder gemein, die zu lassen

ich nicht geheißen habe?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige

Udāyī über das Wort des Erhabenen.[55]

67.

Siebenter Theil Siebente Rede

VOR CĀTUMĀ

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei

Cātumā, im Āmalakīwalde.[56]

Zu dieser Zeit nun waren mit Sāriputto und Moggallāno gegen

fünfhundert Mönche in Cātumā angekommen, den Erhabenen zu sehn.

Und diese ankommenden Mönche, die sich mit den anwesenden

Mönchen freundlich begrüßten und denen Sitz und Lagerstatt

angewiesen und Mantel und Schaale abgenommen wurde, machten

lauten Lärm, großen Lärm. Da nun wandte sich der Erhabene an

den ehrwürdigen Ānando:

»Was ist das nur, Ānando, für lauter Lärm, großer Lärm? Als ob

Fischer um die Beute rauften.«

»Es sind da, o Herr, mit Sāriputto und Moggallāno gegen

fünfhundert Mönche in Cātumā angekommen, den Erhabenen zu sehn.

Und diese ankommenden Mönche, die sich mit den anwesenden

Mönchen freundlich begrüßen und denen Sitz und Lagerstatt

angewiesen und Mantel und Schaale abgenommen wird, machen

lauten Lärm, großen Lärm.«

»So geh’ denn, Ānando, und sage den Mönchen in meinem Namen:

Der Meister lässt euch Ehrwürdige rufen.«

»Wohl, o Herr!« erwiderte der ehrwürdige Ānando, dem Erhabenen

gehorchend, und begab sich dorthin wo jene Mönche weilten. Dort

angelangt sprach er also zu ihnen: »Der Meister lässt euch

Ehrwürdige rufen.«

»Gut, o Bruder, wir kommen!« erwiderten jene Mönche dem

ehrwürdigen Ānando und begaben sich dorthin wo der Erhabene

weilte. Dort angelangt begrüßten sie den Erhabenen ehrerbietig 457

und setzten sich seitwärts nieder. Und zu den Mönchen, die da

seitwärts saßen, sprach der Erhabene also:

»Was macht ihr nur, Mönche, für lauten Lärm, großen Lärm? Als

ob Fischer um die Beute rauften.«

»Es sind hier, o Herr, mit Sāriputto und Moggallāno gegen

fünfhundert Mönche in Cātumā angekommen, den Erhabenen zu sehn.

Und eben diese ankommenden Mönche, die sich mit den anwesenden

Mönchen freundlich begrüßen und denen Sitz und Lagerstatt

angewiesen und Mantel und Schaale abgenommen wird, machen

lauten Lärm, großen Lärm.«

»Geht weiter, Mönche, ich entlass’ euch: nicht sollt ihr bei

mir sein.«

»Also, Herr!« erwiderten jene Mönche, dem Erhabenen gehorchend,

standen von ihren Sitzen auf, begrüßten den Erhabenen

ehrerbietig, schritten rechts herum, brachten ihr Lager in

Ordnung, nahmen Mantel und Schaale und zogen von dannen.

Um diese Zeit nun waren die Sakyerfürsten von Cātumā im

städtischen Herrenhause zusammengekommen, irgend eine

Angelegenheit zu berathen. Es sahn aber die Sakyerfürsten von

Cātumā jene Mönche wie sie von ferne heranzogen, und als sie

die Mönche gesehn gingen sie ihnen entgegen und sprachen sie

also an:

»Ei, wo geht ihr denn, Ehrwürdige, wieder hin?«

»Der Erhabene, ihr Lieben, hat die Mönchgemeinde entlassen.«

»So nehmt doch, Ehrwürdige, eine Weile hier Platz: vielleicht

gelingt es uns den Erhabenen zu versöhnen.«

»Gern, ihr Lieben!« erwiderten jene Mönche den Sakyerfürsten

von Cātumā.

Und die Sakyerfürsten von Cātumā begaben sich dorthin wo der

Erhabene weilte. Dort angelangt begrüßten sie den Erhabenen

ehrerbietig und setzten sich seitwärts nieder. Seitwärts

sitzend sprachen nun die Sakyerfürsten von Cātumā zum Erhabenen

also:

»Annehmen möge, o Herr, der Erhabene die Mönchgemeinde,

aufnehmen möge, o Herr, der Erhabene die Mönchgemeinde!

Gleichwie da, o Herr, der Erhabene früher die Mönchgemeinde

begnadet hat, ebenso nun auch möge der Erhabene jetzt die

Mönchgemeinde begnaden! Es sind hier, o Herr, neue Mönche,

erst seit kurzem Asketen, eben erst in diese Lehre und

Ordnung eingetreten: und wenn diese den Erhabenen nicht zu

sehn bekämen, so möchten sie verkümmern, möchten verderben.

Gleichwie etwa, o Herr, zarte Schößlinge ohne Wasser zu

bekommen verkümmern und verderben möchten, ebenso nun auch, o 458

Herr, giebt es hier neue Mönche, die erst seit kurzem Asketen,

eben erst in diese Lehre und Ordnung eingetreten sind: und

wenn diese den Erhabenen nicht zu sehn bekämen, so möchten sie

verkümmern, möchten verderben. Gleichwie etwa, o Herr, ein

zartes Kalb von der Mutter getrennt verkümmern und verderben

möchte, ebenso nun auch, o Herr, giebt es hier neue Mönche, die

erst seit kurzem Asketen, eben erst in diese Lehre und Ordnung

eingetreten sind: und wenn diese den Erhabenen nicht zu sehn

bekämen, so möchten sie verkümmern, möchten verderben. Annehmen

möge, o Herr, der Erhabene die Mönchgemeinde, aufnehmen möge, o

Herr, der Erhabene die Mönchgemeinde! Gleichwie da, o Herr, der

Erhabene früher die Mönchgemeinde begnadet hat, ebenso nun auch

möge der Erhabene jetzt die Mönchgemeinde begnaden!«

Nun aber gewahrte Brahmā Sahampati des Erhabenen

Herzenserwägung im Herzen; und so schnell wie etwa ein

kräftiger Mann den eingezogenen Arm ausstrecken oder den

ausgestreckten Arm einziehn mag, verschwand er da aus der

Brahmawelt und erschien vor dem Erhabenen. Und Brahmā Sahampati

entblößte eine Schulter, faltete die Hände zum Erhabenen und

sprach zum Erhabenen also:

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, zweiter Band · 第 12 / 45 段