Hausvaters, oder einer, der in anderem Stande neugeboren ward.
Nachdem er diese Lehre gehört hat, fasst er Vertrauen zum
Vollendeten. Von diesem Vertrauen erfüllt denkt und überlegt er
also: ›Ein Gefängniss ist die Häuslichkeit, ein Schmutzwinkel;
der freie Himmelsraum die Pilgerschaft. Nicht wohl geht es,
wenn man im Hause bleibt, das völlig geläuterte, völlig
geklärte Asketenthum Punkt für Punkt zu erfüllen. Wie, wenn
ich nun, mit geschorenem Haar und Barte, mit fahlem Gewande
bekleidet, aus dem Hause in die Hauslosigkeit hinauszöge?‹ So
giebt er denn später einen kleinen Besitz oder einen großen
Besitz auf, hat einen kleinen Verwandtenkreis oder einen großen 345
Verwandtenkreis verlassen, und ist mit geschorenem Haar und
Barte, im fahlen Gewande von Hause fort in die Hauslosigkeit
gezogen.
»Er ist nun Pilger geworden und hat die Ordenspflichten der
Mönche auf sich genommen. Lebendiges umzubringen hat er
verworfen, Lebendiges umzubringen liegt ihm fern: ohne Stock,
ohne Schwerdt, fühlsam, voll Theilnahme, hegt er zu allen
lebenden Wesen Liebe und Mitleid. Nichtgegebenes zu nehmen hat
er verworfen, vom Nehmen des Nichtgegebenen hält er sich fern:
Gegebenes nimmt er, Gegebenes wartet er ab, nicht diebisch
gesinnt, rein gewordenen Herzens. Die Unkeuschheit hat er
verworfen, keusch lebt er: fern zieht er hin entrathen der
Paarung, dem gemeinen Gesetze. Lüge hat er verworfen, von Lüge
hält er sich fern: die Wahrheit spricht er, der Wahrheit ist
er ergeben, standhaft, vertrauenswürdig, kein Häuchler und
Schmeichler der Welt. Das Ausrichten hat er verworfen, vom
Ausrichten hält er sich fern: was er hier gehört hat erzählt er
dort nicht wieder, um jene zu entzweien, und was er dort gehört
hat erzählt er hier nicht wieder, um diese zu entzweien; so
einigt er Entzweite, festigt Verbundene, Eintracht macht ihn
froh, Eintracht freut ihn, Eintracht beglückt ihn, Eintracht
fördernde Worte spricht er. Barsche Worte hat er verworfen, von
barschen Worten hält er sich fern: Worte, die frei von Schimpf
sind, dem Ohre wohlthuend, liebreich, zum Herzen dringend,
höflich, viele erfreuend, viele erhebend, solche Worte spricht
er. Plappern und Plaudern hat er verworfen, von Plappern und
Plaudern hält er sich fern: zur rechten Zeit spricht er, den
Thatsachen gemäß, auf den Sinn bedacht, der Lehre und Ordnung
getreu, seine Rede ist reich an Inhalt, gelegentlich mit
Gleichnissen geschmückt, klar und bestimmt, ihrem Gegenstande
angemessen.
Sämereien und Pflanzungen anzulegen hat er verschmäht. Einmal
des Tags nimmt er Nahrung zu sich, nachts ist er nüchtern,
fern liegt es ihm zur Unzeit zu essen. Von Tanz, Gesang,
Spiel, Schaustellungen hält er sich fern. Kränze, Wohlgerüche,
Salben, Schmuck, Zierrath, Putz weist er ab. Hohe, prächtige
Lagerstätten verschmäht er. Gold und Silber nimmt er nicht
an. Rohes Getreide nimmt er nicht an. Rohes Fleisch nimmt er
nicht an. Frauen und Mädchen nimmt er nicht an. Diener und
Dienerinen nimmt er nicht an. Ziegen und Schaafe nimmt er nicht
an. Hühner und Schweine nimmt er nicht an. Elephanten, Rinder
und Rosse nimmt er nicht an. Haus und Feld nimmt er nicht an.
Botschaften, Sendungen, Aufträge übernimmt er nicht. Von Kauf
und Verkauf hält er sich fern. Von falschem Maaß und Gewicht
hält er sich fern. Von den schiefen Wegen der Bestechung,
Täuschung, Niedertracht hält er sich fern. Von Raufereien, 346
Schlägereien, Händeln, vom Rauben, Plündern und Zwingen hält er
sich fern.
»Er ist zufrieden mit dem Gewande, das seinen Leib deckt,
mit der Almosenspeise, die sein Leben fristet. Wohin er auch
pilgert, nur mit dem Gewande und der Almosenschaale versehn
pilgert er. Gleichwie da etwa ein beschwingter Vogel, wohin er
auch fliegt, nur mit der Last seiner Federn fliegt, ebenso auch
ist der Mönch mit dem Gewande zufrieden, das seinen Leib deckt,
mit der Almosenspeise, die sein Leben fristet. Wohin er auch
wandert, nur damit versehn wandert er.
»Durch die Erfüllung dieser heiligen Tugendsatzung empfindet er
ein inneres fleckenloses Glück.
»Erblickt er nun mit dem Gesichte eine Form, so fasst er
keine Neigung, fasst keine Absicht. Da Begierde und Missmuth,
böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der
unbewachten Gesichtes verweilt, befleißigt er sich dieser
Bewachung, er hütet das Gesicht, er wacht eifrig über das
Gesicht.
»Hört er nun mit dem Gehöre einen Ton,
»Riecht er nun mit dem Geruche einen Duft,
»Schmeckt er nun mit dem Geschmacke einen Saft,
»Tastet er nun mit dem Getaste eine Tastung,
Erkennt er nun mit dem Gedenken ein Ding, so fasst er keine
Neigung, fasst keine Absicht. Da Begierde und Missmuth,
böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der
unbewachten Gedenkens verweilt, befleißigt er sich dieser
Bewachung, er hütet das Gedenken, er wacht eifrig über das
Gedenken.
»Durch die Erfüllung dieser heiligen Sinnenzügelung empfindet
er ein inneres ungetrübtes Glück.
»Klar bewusst kommt er und geht er, klar bewusst blickt er
hin, blickt er weg, klar bewusst regt und bewegt er sich, klar
bewusst trägt er des Ordens Gewand und Almosenschaale, klar
bewusst isst und trinkt, kaut und schmeckt er, klar bewusst
entleert er Koth und Harn, klar bewusst geht und steht und
sitzt er, schläft er ein, wacht er auf, spricht er und schweigt
er.
»Treu dieser heiligen Tugendsatzung, treu dieser heiligen
Sinnenzügelung, treu dieser heiligen klaren Einsicht sucht er
einen abgelegenen Ruheplatz auf, einen Hain, den Fuß eines
Baumes, eine Felsengrotte, eine Bergesgruft, einen Friedhof,
die Waldesmitte, ein Streulager in der offenen Ebene. Nach
dem Mahle, wenn er vom Almosengange zurückgekehrt ist, setzt
er sich mit verschränkten Beinen nieder, den Körper gerade
aufgerichtet, und pflegt der Einsicht. Er hat weltliche 347
Begierde verworfen und verweilt begierdelosen Gemüthes, von
Begierde läutert er sein Herz. Gehässigkeit hat er verworfen,
hasslosen Gemüthes verweilt er, voll Liebe und Mitleid zu
allen lebenden Wesen läutert er sein Herz von Gehässigkeit.
Matte Müde hat er verworfen, von matter Müde ist er frei;
das Licht liebend, einsichtig, klar bewusst, läutert er sein
Herz von matter Müde. Stolzen Unmuth hat er verworfen, er ist
frei von Stolz; innig beruhigten Gemüthes läutert er sein
Herz von stolzem Unmuth. Das Schwanken hat er verworfen, der
Ungewissheit ist er entronnen; er zweifelt nicht am Guten, vom
Schwanken läutert er sein Herz.
»Er hat nun diese fünf Hemmungen aufgehoben, hat die Schlacken
des Gemüthes kennen gelernt, die lähmenden; gar fern von
Begierden, fern von unheilsamen Dingen lebt er in sinnend
gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit, in der Weihe der
ersten Schauung.
»Weiter sodann, Hausväter: nach Vollendung des Sinnens und
Gedenkens gewinnt der Mönch die innere Meeresstille, die
Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in
der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten
Schauung.
»Weiter sodann, Hausväter: in heiterer Ruhe verweilt der Mönch
gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet
er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig
Einsichtige lebt beglückt‹; so gewinnt er die Weihe der dritten
Schauung.
»Weiter sodann, Hausväter: nach Verwerfung der Freuden und
Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns
erreicht der Mönch die Weihe der leidlosen, freudlosen,
gleichmüthig einsichtigem vollkommenen Reine, die vierte
Schauung.
»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen,
schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar,
richtet er das Gemüth auf die erinnernde Erkenntniss früherer
Daseinsformen. Er erinnert sich an manche verschiedene frühere
Daseinsform, als wie an ein Leben, dann an zwei Leben, dann an
drei Leben, dann an vier Leben, dann an fünf Leben, dann an
zehn Leben, dann an zwanzig Leben, dann an dreißig Leben, dann
an vierzig Leben, dann an fünfzig Leben, dann an hundert Leben,
dann an tausend Leben, dann an hunderttausend Leben, dann an
die Zeiten während mancher Weltenentstehungen, dann an die
Zeiten während mancher Weltenvergehungen, dann an die Zeiten
während mancher Weltenentstehungen-Weltenvergehungen. ›Dort
war ich, jenen Namen hatte ich, jener Familie gehörte ich an,
das war mein Stand, das mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe
ich erfahren, so war mein Lebensende; dort verschieden trat
ich anderswo wieder ins Dasein: da war ich nun, diesen Namen
hatte ich, dieser Familie gehörte ich an, dies war mein Stand,
dies mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so
war mein Lebensende; da verschieden trat ich hier wieder ins 348
Dasein.‹ So erinnert er sich mancher verschiedenen früheren
Daseinsform, mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den
eigenartigen Beziehungen.
»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert,
gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest,
unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die Erkenntniss des
Verschwindens-Erscheinens der Wesen. Mit dem himmlischen Auge,
dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden,
kann er die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen sehn,
gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und
unglückliche, er kann erkennen wie die Wesen je nach den Thaten
wiederkehren. ›Diese lieben Wesen sind freilich in Thaten
dem Schlechten zugethan, in Worten dem Schlechten zugethan,
in Gedanken dem Schlechten zugethan, tadeln Heiliges, achten
Verkehrtes, thun Verkehrtes; bei der Auflösung des Leibes, nach
dem Tode, gelangen sie auf den Abweg, auf schlechte Fährte,
zur Tiefe hinab, in untere Welt. Jene lieben Wesen sind aber
in Thaten dem Guten zugethan, in Worten dem Guten zugethan,
in Gedanken dem Guten zugethan, tadeln nicht Heiliges, achten
Rechtes, thun Rechtes; bei der Auflösung des Leibes, nach dem
Tode, gelangen sie auf gute Fährte, in sälige Welt.‹ So kann
er mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche
Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und
wiedererscheinen sehn, gemeine und edle, schöne und unschöne,
glückliche und unglückliche, er kann erkennen, wie die Wesen je
nach den Thaten wiederkehren.
»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen,
schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar,
richtet er das Gemüth auf die Erkenntniss der Wahnversiegung.
›Das ist das Leiden‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist
die Leidensentwicklung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist
die Leidensauflösung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist
der zur Leidensauflösung führende Pfad‹ erkennt er der Wahrheit
gemäß. ›Das ist der Wahn‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das
ist die Wahnentwicklung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das
ist die Wahnauflösung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist
der zur Wahnauflösung führende Pfad‹ erkennt er der Wahrheit
gemäß.
»Also erkennend, also sehend wird da sein Gemüth erlöst vom
Wunscheswahn, erlöst vom Daseinswahn, erlöst vom Irrwahn.
›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese Erkenntniss geht auf.
›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt
das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹, versteht er da.
»Den heißt man, Hausväter, einen Menschen, der weder ein
Selbstquäler, nicht der Uebung der Selbstquaal eifrig
ergeben ist, noch ein Nächstenquäler, nicht der Uebung der
Nächstenquaal eifrig ergeben ist: der ohne Selbstquaal, ohne 413
Nächstenquaal schon bei Lebzeiten ausgeglüht, erloschen, kühl
geworden ist, sich wohlfühlt, heilig geworden im Herzen.«
* * * * *
Nach dieser Rede sprachen die brāhmanischen Hausleute von Sālā
also zum Erhabenen:
»Vortrefflich, Herr Gotamo, vortrefflich, Herr Gotamo!
Gleichwie etwa, Herr Gotamo, als ob man Umgestürztes
aufstellte, oder Verborgenes enthüllte, oder Verirrten den Weg
wiese, oder ein Licht in die Finsterniss hielte: ›Wer Augen
hat wird die Dinge sehn‹: ebenso auch ist von Herrn Gotamo die
Lehre gar vielfach gezeigt worden. Und so nehmen wir bei Herrn
Gotamo unsere Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft:
als Anhänger möge uns Herr Gotamo betrachten, von heute an
zeitlebens getreu.«
SIEBENTER THEIL
BUCH DER MÖNCHE
61.
Siebenter Theil Erste Rede
RĀHULOS ERMAHNUNG
-- I --
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 414
Rājagaham, im Bambusparke, am Hügel der Eichhörnchen. Um diese
Zeit aber weilte der ehrwürdige Rāhulo im Mangohage.[35]
Als nun der Erhabene gegen Abend die Gedenkensruhe beendet
hatte, begab er sich nach dem Mangohage, dorthin wo der
ehrwürdige Rāhulo sich aufhielt. Und es sah der ehrwürdige
Rāhulo den Erhabenen von ferne herankommen, und als er ihn
gesehn stellte er einen Stuhl zurecht und Wasser für die Füße.
Es setzte sich der Erhabene auf den angebotenen Sitz, und als
er saß spülte er sich die Füße ab. Und auch der ehrwürdige
Rāhulo setzte sich, nach des Erhabenen Begrüßung, zur Seite
nieder.
Und der Erhabene ließ einen geringen Rest von Wasser im Becken
zurück und wandte sich an den ehrwürdigen Rāhulo:
»Siehst du wohl, Rāhulo, diesen geringen Rest von Wasser da im
Becken?«
»Ja, o Herr!«
»Ebenso gering ist, Rāhulo, das Asketenthum derer, die sich vor
bewusster Lüge nicht scheuen.«
Und der Erhabene goss diesen geringen Rest von Wasser aus und
sprach zum ehrwürdigen Rāhulo:
»Siehst du wohl, Rāhulo, dass dieser geringe Rest von Wasser
ausgegossen ist?«
»Ja, o Herr!«
»Ebenso ausgegossen ist, Rāhulo, das Asketenthum derer, die
sich vor bewusster Lüge nicht scheuen.«
Und der Erhabene kehrte das Wasserbecken um und sagte zum
ehrwürdigen Rāhulo:
»Siehst du wohl, Rāhulo, dass dieses Wasserbecken umgekehrt
ist?«
»Ja, o Herr!«
»Ebenso umgekehrt ist, Rāhulo, das Asketenthum derer, die sich
vor bewusster Lüge nicht scheuen.«
Und der Erhabene kehrte das Wasserbecken auf und fragte den
ehrwürdigen Rāhulo:
»Siehst du wohl, Rāhulo, dass dieses Wasserbecken hohl und leer
ist?«
»Ja, o Herr!«
»Ebenso hohl und leer ist, Rāhulo, das Asketenthum derer, die
sich vor bewusster Lüge nicht scheuen.
»Gleichwie etwa, Rāhulo, wenn ein Königselephant, mit
Doppelhauern, zum Angriff geeignet, zum Kampf erzogen, in den
Kampf gerathen mit den Vorderfüßen sein Werk verrichtet und mit
den Hinterfüßen sein Werk verrichtet, mit dem Vorderleibe sein
Werk verrichtet und mit dem Hinterleibe sein Werk verrichtet,
mit dem Kopfe sein Werk verrichtet, mit den Ohren sein Werk
verrichtet, mit den Hauern sein Werk verrichtet, mit dem
Schwanze sein Werk verrichtet und nur den Rüssel zurückhält; da 415
weiß der Elephantenlenker: ›Nicht hat der Königselephant das
Leben preisgegeben.‹ Wenn aber, Rāhulo, ein Königselephant, mit
Doppelhauern, zum Angriff geeignet, zum Kampf erzogen, in den
Kampf gerathen mit den Vorderfüßen sein Werk verrichtet und mit
den Hinterfüßen sein Werk verrichtet, mit dem Vorderleibe sein
Werk verrichtet und mit dem Hinterleibe sein Werk verrichtet,
mit dem Kopfe sein Werk verrichtet, mit den Ohren sein Werk
verrichtet, mit den Hauern sein Werk verrichtet, mit dem
Schwanze sein Werk verrichtet und mit dem Rüssel sein Werk
verrichtet; da weiß der Elephantenlenker: ›Preisgegeben hat der
Königselephant das Leben, alles ist jetzt der Königselephant
imstande zu thun.‹ Ebenso nun auch, Rāhulo, sag’ ich, dass wer
sich da vor bewusster Lüge nicht scheut alles Böse zu thun
imstande ist. Darum merke dir, Rāhulo: ›Nicht einmal im Scherze
will ich Lüge reden‹: also hast du dich, Rāhulo, wohl zu üben.
»Was meinst du wohl, Rāhulo: wozu taugt ein Spiegel?«
»Um sich zu betrachten, o Herr!«
»Ebenso nun auch soll man sich, Rāhulo, betrachten und
betrachten bevor man Thaten begeht, betrachten und betrachten
bevor man Worte spricht, betrachten und betrachten bevor man
Gedanken hegt.
»Was immer du, Rāhulo, für eine That begehn willst, eben diese
That sollst du dir betrachten: ›Wie, wenn diese That, die ich
da begehn will, mich selber beschwerte, oder andere beschwerte,
oder alle beide beschwerte? Das wär’ eine unheilsame That,
die Leiden aufzieht, Leiden züchtet.‹ Wenn du, Rāhulo, bei
der Betrachtung merkst: ›Diese That, die ich da begehn will,
die kann mich selber beschweren, kann andere beschweren, kann
alle beide beschweren: es ist eine unheilsame That, die Leiden
aufzieht, Leiden züchtet‹, so hast du, Rāhulo, eine derartige
That sicherlich zu lassen. Wenn du aber, Rāhulo, bei der 416
Betrachtung merkst: ›Diese That, die ich da begehn will, die
kann weder mich beschweren, noch kann sie andere beschweren,
kann keinen von beiden beschweren: es ist eine heilsame That,
die Wohl aufzieht, Wohl züchtet‹, so hast du, Rāhulo, eine
derartige That zu thun.
»Und während du, Rāhulo, eine That begehst, sollst du dir
eben diese That betrachten: ›Weil ich nun diese That begehe,
beschwert sie mich da selber, oder beschwert sie etwa andere,
oder beschwert sie alle beide? Ist es eine unheilsame That,
die Leiden aufzieht, Leiden züchtet?‹ Wenn du, Rāhulo, bei
der Betrachtung merkst: ›Diese That, die ich da begehe,
die beschwert mich selber, oder sie beschwert andere, oder
beschwert alle beide: es ist eine unheilsame That, die Leiden
aufzieht, Leiden züchtet‹, so hast du, Rāhulo, einer derartigen
That Einhalt zu thun. Wenn du aber, Rāhulo, bei der Betrachtung
merkst: ›Diese That, die ich da begehe, die beschwert weder
mich selber, noch beschwert sie andere, beschwert keinen von
beiden: es ist eine heilsame That, die Wohl aufzieht, Wohl
züchtet‹, so hast du, Rāhulo, eine derartige That zu fördern.
»Und hast du, Rāhulo, eine That begangen, so sollst du dir eben
diese That betrachten: ›Weil ich nun diese That begangen habe,
beschwert sie mich da selber, oder beschwert sie etwa andere,
oder beschwert sie alle beide? Ist es eine unheilsame That,
die Leiden aufzieht, Leiden züchtet?‹ Wenn du, Rāhulo, bei der
Betrachtung merkst: ›Diese That, die ich da begangen habe,
die beschwert mich selber, oder sie beschwert andere, oder
beschwert alle beide: es ist eine unheilsame That, die Leiden
aufzieht, Leiden züchtet‹, so hast du, Rāhulo, eine derartige
That dem Meister oder erfahrenen Ordensbrüdern anzugeben,
aufzudecken, darzulegen; und hast du sie angegeben, aufgedeckt,
dargelegt, dich künftighin zu hüten. Wenn du aber, Rāhulo, bei 417
der Betrachtung merkst: ›Diese That, die ich da begangen habe,
die beschwert weder mich selber, noch beschwert sie andere,
beschwert keinen von beiden: es ist eine heilsame That, die
Wohl aufzieht, Wohl züchtet‹, so hast du, Rāhulo, eben diese
sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu pflegen.
»Was immer du, Rāhulo, für ein Wort sprechen willst, eben
dieses Wort sollst du dir betrachten: ›Wie, wenn dieses
Wort, das ich da sprechen will, mich selber beschwerte, oder
andere beschwerte, oder alle beide beschwerte? Das wär’ ein
unheilsames Wort, das Leiden aufzieht, Leiden züchtet.‹ Wenn
du, Rāhulo, bei der Betrachtung merkst: ›Dieses Wort, das ich
da sprechen will, das kann mich selber beschweren, kann andere
beschweren, kann alle beide beschweren: es ist ein unheilsames
Wort, das Leiden aufzieht, Leiden züchtet‹, so hast du, Rāhulo,
ein derartiges Wort sicherlich zu lassen. Wenn du aber, Rāhulo,
bei der Betrachtung merkst: ›Dieses Wort, das ich da sprechen
will, das kann weder mich beschweren, noch kann es andere
beschweren, kann keinen von beiden beschweren: es ist ein
heilsames Wort, das Wohl aufzieht, Wohl züchtet‹, so hast du,
Rāhulo, ein derartiges Wort zu sprechen.
»Und während du, Rāhulo, ein Wort sprichst, sollst du dir eben
dieses Wort betrachten: ›Weil ich nun dieses Wort spreche,
beschwert es mich da selber, oder beschwert es etwa andere,
oder beschwert es alle beide? Ist es ein unheilsames Wort,
das Leiden aufzieht, Leiden züchtet?‹ Wenn du, Rāhulo, bei
der Betrachtung merkst: ›Dieses Wort, das ich da spreche, das
beschwert mich selber, oder es beschwert andere, oder beschwert
alle beide: es ist ein unheilsames Wort, das Leiden aufzieht,
Leiden züchtet‹, so hast du, Rāhulo, einem derartigen Worte
Einhalt zu thun. Wenn du aber, Rāhulo, bei der Betrachtung
merkst: ›Dieses Wort, das ich da spreche, das beschwert weder
mich selber, noch beschwert es andere, beschwert keinen von 418
beiden: es ist ein heilsames Wort, das Wohl aufzieht, Wohl
züchtet‹, so hast du, Rāhulo, ein derartiges Wort zu fördern.
»Und hast du, Rāhulo, ein Wort gesprochen, so sollst du
dir eben dieses Wort betrachten: ›Weil ich nun dieses Wort
gesprochen habe, beschwert es mich da selber, oder beschwert
es etwa andere, oder beschwert es alle beide? Ist es ein
unheilsames Wort, das Leiden aufzieht, Leiden züchtet?‹
Wenn du, Rāhulo, bei der Betrachtung merkst: ›Dieses Wort,
das ich da gesprochen habe, das beschwert mich selber, oder
es beschwert andere, oder beschwert alle beide: es ist ein
unheilsames Wort, das Leiden aufzieht, Leiden züchtet‹, so hast
du, Rāhulo, ein derartiges Wort dem Meister oder erfahrenen
Ordensbrüdern anzugeben, aufzudecken, darzulegen; und hast du
es angegeben, aufgedeckt, dargelegt, dich künftighin zu hüten.
Wenn du aber, Rāhulo, bei der Betrachtung merkst: ›Dieses Wort,
das ich da gesprochen habe, das beschwert weder mich selber,
noch beschwert es andere, beschwert keinen von beiden: es ist
ein heilsames Wort, das Wohl aufzieht, Wohl züchtet‹, so hast
du, Rāhulo, eben diese sälig heitere Uebung im Guten Tag und
Nacht zu pflegen.
»Was immer du, Rāhulo, für einen Gedanken hegen willst, eben
diesen Gedanken sollst du dir betrachten: ›Wie, wenn dieser
Gedanke, den ich da hegen will, mich selber beschwerte, oder
andere beschwerte, oder alle beide beschwerte? Das wär’ ein
unheilsamer Gedanke, der Leiden aufzieht, Leiden züchtet.‹ Wenn
du, Rāhulo, bei der Betrachtung merkst: ›Dieser Gedanke, den
ich da hegen will, der kann mich selber beschweren, kann andere
beschweren, kann alle beide beschweren: es ist ein unheilsamer
Gedanke, der Leiden aufzieht, Leiden züchtet‹, so hast du,
Rāhulo, einen derartigen Gedanken sicherlich zu lassen. Wenn du
aber, Rāhulo, bei der Betrachtung merkst: ›Dieser Gedanke, den
ich da hegen will, der kann weder mich beschweren, noch kann er
andere beschweren, kann keinen von beiden beschweren: es ist
ein heilsamer Gedanke, der Wohl aufzieht, Wohl züchtet‹, so 419
hast du, Rāhulo, einen derartigen Gedanken zu hegen.
»Und während du, Rāhulo, einen Gedanken hegst, sollst du dir
eben diesen Gedanken betrachten: ›Weil ich nun diesen Gedanken
hege, beschwert er mich da selber, oder beschwert er etwa
andere, oder beschwert er alle beide? Ist es ein unheilsamer
Gedanke, der Leiden aufzieht, Leiden züchtet?‹ Wenn du,
Rāhulo, bei der Betrachtung merkst: ›Dieser Gedanke, den ich
da hege, der beschwert mich selber, oder er beschwert andere,
oder beschwert alle beide: es ist ein unheilsamer Gedanke, der
Leiden aufzieht, Leiden züchtet‹, so hast du, Rāhulo, einem
derartigen Gedanken Einhalt zu thun. Wenn du aber, Rāhulo,
bei der Betrachtung merkst: ›Dieser Gedanke, den ich da hege,
der beschwert weder mich selber, noch beschwert er andere,
beschwert keinen von beiden: es ist ein heilsamer Gedanke,
der Wohl aufzieht, Wohl züchtet‹, so hast du, Rāhulo, einen
derartigen Gedanken zu fördern.