es ein Jenseits giebt, so wird dieser liebe Mann bei der
Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in
himmlische Welt gelangen. Mag es nun immerhin kein Jenseits
geben, wahr soll das Wort jener lieben Asketen und Priester
sein: aber dieser liebe Mann wird ja schon bei Lebzeiten von
Verständigen gepriesen: ‚Es ist ein gewissenhafter Mensch, der
die Dinge recht ansieht, an etwas glaubt.‘ Wenn es aber doch
ein Jenseits giebt, so hat dieser liebe Mann auf beiden Seiten
das Spiel gewonnen: erst, weil er schon bei Lebzeiten den Preis
Verständiger erwirbt; und dann, weil er bei der Auflösung des
Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt
gelangen wird. Also hat er diese fraglose Lehre wohl befolgt
und bewahrt, beide Ziele gelten und das Schlechte verkümmern
lassen.‹
»Es giebt, Hausväter, manche Asketen und Priester, die sagen
und lehren: ›Was einer begeht und begehn lässt: wer zerstört
und zerstören lässt, wer quält und quälen lässt, wer Kummer und
Plage schafft, wer schlägt und schlagen heißt, wer Lebendiges
umbringt, Nichtgegebenes nimmt, in Häuser einbricht, fremdes
Gut raubt, wer stiehlt, betrügt, Ehefrauen verführt, Lügen
spricht: was einer begeht, er begeht keine Schuld. Und wer da
gleich mit einer scharfgeschliffenen Schlachtscheibe alles
Lebendige auf dieser Erde zu einer einzigen Masse Mus, zu einer
einzigen Masse Brei machte, so hat er darum keine Schuld,
begeht kein Unrecht. Und wer auch am südlichen Ufer des Ganges
verheerend und mordend dahinzöge, zerstörte und zerstören
ließe, quälte und quälen ließe, so hat er darum keine Schuld,
begeht kein Unrecht: und wer auch am nördlichen Ufer des Ganges
spendend und schenkend dahinzöge, Almosen gäbe und geben
ließe, so hat er darum kein Verdienst, begeht nichts Gutes.
Durch Milde, Sanftmuth, Selbstverzicht, Wahrhaftigkeit erwirbt
man kein Verdienst, begeht nichts Gutes.‹ Nun sagen aber,
Hausväter, manche Asketen und Priester gerade das Gegentheil
davon und behaupten: ›Was einer begeht und begehn lässt: wer 405
zerstört und zerstören lässt, wer quält und quälen lässt, wer
Kummer und Plage schafft, wer schlägt und schlagen heißt, wer
Lebendiges umbringt, Nichtgegebenes nimmt, in Häuser einbricht,
fremdes Gut raubt, wer stiehlt, betrügt, Ehefrauen verführt,
Lügen spricht: was einer begeht, er begeht Schuld. Und wer
da etwa mit einer scharfgeschliffenen Schlachtscheibe alles
Lebendige auf dieser Erde zu einer einzigen Masse Mus, zu
einer einzigen Masse Brei machte, der hat darum Schuld, begeht
Unrecht. Und wer etwa am südlichen Ufer des Ganges verheerend
und mordend dahinzöge, zerstörte und zerstören ließe, quälte
und quälen ließe, der hat darum Schuld, begeht Unrecht: und
wer etwa am nördlichen Ufer des Ganges spendend und schenkend
dahinzöge, Almosen gäbe und geben ließe, der hat Verdienst,
begeht Gutes. Durch Milde, Sanftmuth, Selbstverzicht,
Wahrhaftigkeit erwirbt man Verdienst, begeht Gutes.‹ Was meint
ihr wohl, Hausväter: sagen da nicht die einen Asketen und
Priester gerade das Gegentheil von dem, was die anderen sagen?«
»Freilich, o Herr!«
»Da ist nun, Hausväter, von den einen Asketen und Priestern
zu erwarten, dass sie den guten Wandel in Werken, Worten
und Gedanken, diese drei heilsamen Dinge, aufgeben und den
schlechten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei
unheilsamen Dinge, annehmen werden: und warum das? Weil ja
jene lieben Asketen und Priester der unheilsamen Dinge Elend,
Ungemach, Trübsal, und der heilsamen Dinge, der Entsagung
vorzüglichen, läuternden Einfluss nicht merken. Denn obzwar
es ein Handeln giebt, erkennt ein solcher: ›Es giebt kein
Handeln‹; das ist seine falsche Erkenntniss. Denn obzwar es
ein Handeln giebt, sinnt er: ›Es giebt kein Handeln‹; das ist
seine falsche Gesinnung. Denn obzwar es ein Handeln giebt,
redet er: ›Es giebt kein Handeln‹; das ist seine falsche Rede.
Denn obzwar es ein Handeln giebt, behauptet er: ›Es giebt kein
Handeln‹; und den Heiligen, die vom Handeln aussagen, denen
stellt er sich entgegen. Denn obzwar es ein Handeln giebt,
belehrt er die anderen: ›Es giebt kein Handeln‹; das ist seine
unrichtige Belehrung. Und um dieser unrichtigen Belehrung
willen brüstet er sich noch und verachtet die anderen. So
hat er was da früher etwa Gutes an ihm war verleugnet und
Schlechtes angenommen: das ist falsche Erkenntniss, falsche 406
Gesinnung, falsche Rede, Widerstand gegen Heilige, unrichtige
Belehrung. Eigenlob und Nächstentadel. Also entwickeln sich an
ihm diese verschiedenen bösen, unheilsamen Dinge aus falscher
Erkenntniss.
»Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: ›Wenn es
kein Handeln giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung
des Körpers, nach dem Tode, heil ausgehn; wenn es aber ein
Handeln giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung des
Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, zur
Tiefe hinab, in höllische Welt gelangen. Mag es nun immerhin
kein Handeln geben, wahr soll das Wort jener lieben Asketen und
Priester sein: aber dieser liebe Mann zieht sich ja schon bei
Lebzeiten den Tadel Verständiger zu: ‚Es ist ein gewissenloser
Mensch, der die Dinge falsch ansieht, an kein Handeln glaubt.‘
Wenn es aber doch ein Handeln giebt, so hat dieser liebe Mann
auf beiden Seiten das Spiel verloren: erst, weil er sich schon
bei Lebzeiten den Tadel Verständiger zuzieht; und dann, weil
er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf
schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt gelangen
wird. Also hat er diese fraglose Lehre übel befolgt und
bewahrt, nur ein Ziel gelten und das Gute verkümmern lassen.‹
»Da ist nun, Hausväter, von den anderen Asketen und Priestern
zu erwarten, dass sie den schlechten Wandel in Werken, Worten
und Gedanken, diese drei unheilsamen Dinge, aufgeben und
den guten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei
heilsamen Dinge, annehmen werden: und warum das? Weil ja jene
lieben Asketen und Priester der unheilsamen Dinge Elend,
Ungemach, Trübsal, und der heilsamen Dinge, der Entsagung
vorzüglichen, läuternden Einfluss merken. Und weil es eben ein
Handeln giebt, erkennt ein solcher: ›Es giebt ein Handeln‹;
das ist seine rechte Erkenntniss. Und weil es eben ein Handeln
giebt, sinnt er: ›Es giebt ein Handeln‹; das ist seine rechte
Gesinnung. Und weil es eben ein Handeln giebt, redet er: ›Es
giebt ein Handeln‹; das ist seine rechte Rede. Und weil es
eben ein Handeln giebt, behauptet er: ›Es giebt ein Handeln‹;
und den Heiligen, die vom Handeln aussagen, denen stellt er
sich nicht entgegen. Und weil es eben ein Handeln giebt,
belehrt er die anderen: ›Es giebt ein Handeln‹; das ist seine
richtige Belehrung. Und um dieser richtigen Belehrung willen
brüstet er sich nicht, verachtet nicht die anderen. So hat er 407
was da früher etwa Schlechtes an ihm war verleugnet und Gutes
angenommen: das ist rechte Erkenntnis, rechte Gesinnung, rechte
Rede, kein Widerstand gegen Heilige, richtige Belehrung, kein
Eigenlob und kein Nächstentadel. Also entwickeln sich an ihm
diese verschiedenen heilsamen Dinge aus rechter Erkenntniss.[34]
»Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: ›Wenn es
ein Handeln giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung
des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt
gelangen. Mag es nun immerhin kein Handeln geben, wahr soll das
Wort jener lieben Asketen und Priester sein: aber dieser liebe
Mann wird ja schon bei Lebzeiten von Verständigen gepriesen:
‚Es ist ein gewissenhafter Mensch, der die Dinge recht ansieht,
an das Handeln glaubt.‘ Wenn es aber doch ein Handeln giebt, so
hat dieser liebe Mann auf beiden Seiten das Spiel gewonnen:
erst, weil er schon bei Lebzeiten den Preis Verständiger
erwirbt: und dann, weil er bei der Auflösung des Körpers, nach
dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt gelangen wird.
Also hat er diese fraglose Lehre wohl befolgt und bewahrt,
beide Ziele gelten und das Schlechte verkümmern lassen.‹
»Es giebt, Hausväter, manche Asketen und Priester, die sagen
und lehren: ›Es giebt keinem Grund, es giebt keine Ursache der
Verderbniss der Wesen; ohne Grund, ohne Ursache werden die
Wesen verderbt. Es giebt keinen Grund, es giebt keine Ursache
der Läuterung der Wesen; ohne Grund, ohne Ursache werden die
Wesen lauter. Es giebt keine Macht und keine Kraft, es giebt
keine Mannesgewalt und keine Mannestapferkeit. Alle Wesen, alle
Lebendigen, alle Gewordenen, alle Geborenen sind willenlos,
machtlos, kraftlos. Nothwendig kommen sie zustande und
entwickeln sich zur Reife und empfinden je nach den sechs Arten
von Dasein Wohl und Wehe.‹ Nun sagen aber, Hausväter, manche
Asketen und Priester gerade das Gegentheil davon und behaupten:
›Es giebt einen Grund, es giebt eine Ursache der Verderbniss
der Wesen; aus Grund und Ursache werden die Wesen verderbt.
Es giebt einen Grund, es giebt eine Ursache der Läuterung der
Wesen; aus Grund und Ursache werden die Wesen lauter. Es giebt
Macht und Kraft, es giebt Mannesgewalt und Mannestapferkeit.
Kein Wesen, kein Lebendiges, kein Gewordenes, kein Geborenes
ist willenlos, machtlos, kraftlos. Nicht Nothwendigkeit ist es,
wodurch die Wesen zustandekommen, sich zur Reife entwickeln und
je nach den sechs Arten von Dasein Wohl und Wehe empfinden.‹
Was meint ihr wohl, Hausväter: sagen da nicht die einen Asketen 408
und Priester gerade das Gegentheil von dem, was die anderen
sagen?«
»Gewiss, o Herr!«
»Da ist nun, Hausväter, von den einen Asketen und Priestern
zu erwarten, dass sie den guten Wandel in Werken, Worten
und Gedanken, diese drei heilsamen Dinge, aufgeben und den
schlechten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei
unheilsamen Dinge, annehmen werden: und warum das? Weil ja
jene lieben Asketen und Priester der unheilsamen Dinge Elend,
Ungemach, Trübsal, und der heilsamen Dinge, der Entsagung
vorzüglichen, läuternden Einfluss nicht merken. Denn obzwar
es einen Grund giebt, erkennt ein solcher: ›Es giebt keinen
Grund‹; das ist seine falsche Erkenntniss. Denn obzwar es einen
Grund giebt, sinnt er: ›Es giebt keinen Grund‹; das ist seine
falsche Gesinnung. Denn obzwar es einen Grund giebt, redet
er: ›Es giebt keinen Grund‹; das ist seine falsche Rede. Denn
obzwar es einen Grund giebt, behauptet er: ›Es giebt keinen
Grund‹; und den Heiligen, die vom Grunde aussagen, denen stellt
er sich entgegen. Denn obzwar es einen Grund giebt, belehrt er
die anderen: ›Es giebt keinen Grund‹; das ist seine unrichtige
Belehrung. Und um dieser unrichtigen Belehrung willen brüstet
er sich noch und verachtet die anderen. So hat er was da früher
etwa Gutes an ihm war verleugnet und Schlechtes angenommen:
das ist falsche Erkenntniss, falsche Gesinnung, falsche Rede,
Widerstand gegen Heilige, unrichtige Belehrung, Eigenlob und
Nächstentadel. Also entwickeln sich an ihm diese verschiedenen
bösen, unheilsamen Dinge aus falscher Erkenntniss.
»Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: ›Wenn es
keinen Grund giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung
des Körpers, nach dem Tode, heil ausgehn; wenn es aber einen
Grund giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung des
Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, zur
Tiefe hinab, in höllische Welt gelangen. Mag es nun immerhin
keinen Grund geben, wahr soll das Wort jener lieben Asketen und
Priester sein: aber dieser liebe Mann zieht sich ja schon bei
Lebzeiten den Tadel Verständiger zu: ‚Es ist ein gewissenloser
Mensch, der die Dinge falsch ansieht, an keinen Grund glaubt.‘
Wenn es aber doch einen Grund giebt, so hat dieser liebe Mann
auf beiden Seiten das Spiel verloren: erst, weil er sich schon 409
bei Lebzeiten den Tadel Verständiger zuzieht; und dann, weil
er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf
schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt gelangen
wird. Also hat er diese fraglose Lehre übel befolgt und
bewahrt, nur ein Ziel gelten und das Gute verkümmern lassen.‹
»Da ist nun, Hausväter, von den anderen Asketen und Priestern
zu erwarten, dass sie den schlechten Wandel in Werken, Worten
und Gedanken, diese drei unheilsamen Dinge, aufgeben und
den guten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei
heilsamen Dinge, annehmen werden: und warum das? Weil ja jene
lieben Asketen und Priester der unheilsamen Dinge Elend,
Ungemach, Trübsal, und der heilsamen Dinge, der Entsagung
vorzüglichen, läuternden Einfluss merken. Und weil es eben
einen Grund giebt, erkennt ein solcher: ›Es giebt einen Grund‹;
das ist seine rechte Erkenntniss. Und weil es eben einen Grund
giebt, sinnt er: ›Es giebt einen Grund‹; das ist seine rechte
Gesinnung. Und weil es eben einen Grund giebt, redet er: ›Es
giebt einen Grund‹; das ist seine rechte Rede. Und weil es
eben einen Grund giebt, behauptet er: ›Es giebt einen Grund‹;
und den Heiligen, die vom Grunde aussagen, denen stellt er
sich nicht entgegen. Und weil es eben einen Grund giebt,
belehrt er die anderen: ›Es giebt einen Grund‹; das ist seine
richtige Belehrung. Und um dieser richtigen Belehrung willen
brüstet er sich nicht, verachtet nicht die anderen. So hat er
was da früher etwa Schlechtes an ihm war verleugnet und Gutes
angenommen: das ist rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung,
rechte Rede, kein Widerstand gegen Heilige, richtige Belehrung,
kein Eigenlob und kein Nächstentadel. Also entwickeln sich an
ihm diese verschiedenen heilsamen Dinge aus rechter Erkenntniss.
»Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: ›Wenn es
einen Grund giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung
des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt
gelangen. Mag es nun immerhin keinen Grund geben, wahr soll das
Wort jener lieben Asketen und Priester sein: aber dieser liebe
Mann wird ja schon bei Lebzeiten von Verständigen gepriesen:
‚Es ist ein gewissenhafter Mensch, der die Dinge recht ansieht,
an den Grund glaubt.‘ Wenn es aber doch einen Grund giebt so 410
hat dieser liebe Mann auf beiden Seiten das Spiel gewonnen:
erst, weil er schon bei Lebzeiten den Preis Verständiger
erwirbt; und dann, weil er bei der Auflösung des Körpers, nach
dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt gelangen wird.
Also hat er diese fraglose Lehre wohl befolgt und bewahrt,
beide Ziele gelten und das Schlechte verkümmern lassen.‹
»Es giebt, Hausväter, manche Asketen und Priester, die sagen
und lehren: ›Es giebt keine gänzlich formlosen Welten.‹ Nun
sagen aber, Hausväter, manche Asketen und Priester gerade das
Gegentheil davon und behaupten: ›Es giebt gänzlich formlose
Welten.‹ Was meint ihr wohl, Hausväter: sagen da nicht die
einen Asketen und Priester gerade das Gegentheil von dem, was
die anderen sagen?«
»Freilich, o Herr!«
»Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: ›Wenn da
die einen lieben Asketen und Priester sagen und lehren ‚Es
giebt keine gänzlich formlosen Welten‘, so hab’ ich das nicht
gesehn; und wenn da die anderen lieben Asketen und Priester
sagen und lehren ‚Es giebt gänzlich formlose Welten‘, so
hab’ ich das nicht erfahren. Doch wenn ich mich nun, ohne es
erfahren, ohne es gesehn zu haben, einzig für eines entschiede,
‚Dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‘, so stände mir das
übel an. Ist es nun wahr, was da die einen lieben Asketen und
Priester sagen und lehren ‚Es giebt keine gänzlich formlosen
Welten‘, so kann es wohl sein, dass mir unter den Göttern, die
formhaft sinnlich bestehn, ein Wiederdasein fraglos erreichbar
sei; ist aber das wahr, was da die anderen lieben Asketen und
Priester sagen und lehren ‚Es giebt gänzlich formlose Welten‘,
so kann es wohl sein, dass mir unter den Göttern, die formlos
wahrnehmbar bestehn, ein Wiederdasein fraglos erreichbar sei.
Wo es nun Form giebt, da giebt es Wüthen und Blutvergießen,
Krieg und Zwietracht, Zank und Streit, Lug und Trug: das aber
giebt es ganz und gar nicht in formloser Welt.‹ Also überlegend
wird er eben der Formen überdrüssig, wendet sich ab, löst sich
los.
»Es giebt, Hausväter, manche Asketen und Priester, die sagen
und lehren: ›Es giebt keine gänzliche Auflösung des Daseins.‹
Nun sagen aber, Hausväter, manche Asketen und Priester gerade
das Gegentheil davon und behaupten: ›Es giebt eine gänzliche 411
Auflösung des Daseins.‹ Was meint ihr wohl, Hausväter: sagen da
nicht die einen Asketen und Priester gerade das Gegentheil von
dem, was die anderen sagen?«
»Allerdings, o Herr!«
»Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: ›Wenn da
die einen lieben Asketen und Priester sagen und lehren ‚Es
giebt keine gänzliche Auflösung des Daseins‘, so hab’ ich
das nicht gesehn; und wenn da die anderen lieben Asketen und
Priester sagen und lehren ‚Es giebt eine gänzliche Auflösung
des Daseins‘, so hab’ ich das nicht erfahren. Doch wenn ich
mich nun, ohne es erfahren, ohne es gesehn zu haben, einzig
für eines entschiede, ‚Dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‘,
so stände mir das übel an. Ist es nun wahr, was da die einen
lieben Asketen und Priester sagen und lehren ‚Es giebt keine
gänzliche Auflösung des Daseins‘, so kann es wohl sein, dass
mir unter den Göttern, die formlos wahrnehmbar bestehn, ein
Wiederdasein fraglos erreichbar sei; ist aber das wahr, was da
die anderen lieben Asketen und Priester sagen und lehren ‚Es
giebt eine gänzliche Auflösung des Daseins‘, so kann es wohl
sein, dass mir noch bei Lebzeiten Wahnerlöschung erreichbar
sei. Den Asketen und Priestern nun, die da sagen und lehren ‚Es
giebt keine gänzliche Auflösung des Daseins‘, denen gereicht
diese Lehre zum Reize, zur Lockung, zur Freude, zum Behagen,
zum Anhalt: den Asketen und Priestern aber, die da sagen und
lehren ‚Es giebt eine gänzliche Auflösung des Daseins‘, denen
gereicht diese Lehre nicht zum Reize, nicht zur Lockung,
nicht zur Freude, nicht zum Behagen, nicht zum Anhalt.‹ Also
überlegend wird er eben des Daseins überdrüssig, wendet sich
ab, löst sich los.
* * * * *
»Vier Arten von Menschen, Hausväter, finden sich hier in
der Welt vor: welche vier? Da ist, Hausväter, einer ein
Selbstquäler, ist der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben;
da ist, Hausväter, einer ein Nächstenquäler, ist der Uebung
der Nächstenquaal eifrig ergeben; da ist, Hausväter, einer
ein Selbstquäler, ist der Uebung der Selbstquaal eifrig
ergeben, und er ist ein Nächstenquäler, ist der Uebung der
Nächstenquaal eifrig ergeben; da ist, Hausväter, einer weder
ein Selbstquäler, ist nicht der Uebung der Selbstquaal eifrig
ergeben, noch ist er ein Nächstenquäler, ist nicht der Uebung
der Nächstenquaal eifrig ergeben: ohne Selbstquaal, ohne 412
Nächstenquaal ist er schon bei Lebzeiten ausgeglüht, erloschen,
kühl geworden, fühlt sich wohl, heilig geworden im Herzen.
»Was ist das aber, Hausväter, für ein Mensch, der ein
Selbstquäler, der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist?
Da ist, Hausväter, einer ein Unbekleideter, ein Ungebundener, 342
ein Handverköster, kein Ankömmling, kein Abwärtling, gestattet
keine Darreichung, keine Vergünstigung, keine Einladung, späht
beim Empfangen des Almosens nicht nach dem Topfe, nicht nach
der Schüssel, nicht über die Schwelle, nicht über das Gitter,
nicht in den Kessel hinein, nimmt nicht von zu zweit Speisenden
an, nicht von einer Schwangeren, nicht von einer Säugenden,
nicht von einer, die vom Manne kommt, nicht von Beschmutzten,
nicht wo ein Hund dabei steht, nicht wo Fliegen hin und her
schwärmen, isst keinen Fisch, kein Fleisch, trinkt keinen
Wein, kein gebranntes Wasser, keinen gegohrenen Haferschleim.
Er geht zu einem Hause und begnügt sich mit einer handvoll
Almosenspeise; geht zu zwei Häusern und begnügt sich mit zwei
handvoll Almosenspeise; geht zu sieben Häusern und begnügt
sich mit sieben handvoll Almosenspeise. Er fristet sein Leben
durch die Mildthätigkeit von nur einer Spenderin, von nur
zwei Spenderinen, von nur sieben Spenderinen. Er nimmt nur
jeden ersten Tag Nahrung ein, nur jeden zweiten Tag, nur jeden
siebenten Tag. Solcherart wechselnd beobachtet er streng diese 343
bis auf einen halben Monat ausgedehnte Fastenübung. Oder er
lebt von Kräutern und Pilzen, von wildem Reis und Korn, von
Saamen und Kernen, von Pflanzenmilch und Baumharz, von Gräsern,
von Kuhmist, fristet sich von Wurzeln und Früchten des Waldes,
lebt von abgefallenen Früchten. Auch trägt er das hänfene Hemd,
trägt das härene Hemd, trägt einen Rock, geflickt aus den im
Leichenhof und auf der Straße gefundenen Fetzen, hüllt sich
in Lumpen, in Felle, in Häute, gürtet sich mit Flechten aus
Gras, mit Flechten aus Rinde, mit Flechten aus Laub, birgt
die Blöße unter pelzigem Schurze, unter borstigem Schurze,
unter einem Eulenflügel. Und er rauft sich Haupt- und Barthaar
aus, die Regel der Haar- und Bartausraufer befolgend; ist ein
Stetigsteher, verwirft Sitz und Lager; ist ein Fersensitzer,
übt die Zucht der Fersensitzer; ist Dornenseitiger und legt
sich zur Seite auf ein Dornenlager; steigt allabendlich zum
dritten Mal herab ins Büßerbad. So übt er sich gar vielfach
in des Körpers inbrünstiger Schmerzensaskese. Den heißt man,
Hausväter, einen Menschen, der ein Selbstquäler, der Uebung der
Selbstquaal eifrig ergeben ist.
»Was ist das aber, Hausväter, für ein Mensch, der ein
Nächstenquäler, der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben
ist? Da ist, Hausväter, einer ein Schlächter, der Schaafe und
Schweine schlachtet, ist ein Vogelfänger, ein Wildsteller, ein
Jäger, ein Fischer, ein Räuber, ein Henker, ein Kerkermeister,
oder was man da sonst noch anderes als grausames Handwerk
betreibt. Den heißt man, Hausväter, einen Menschen, der ein
Nächstenquäler, der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben ist.
»Was ist das aber, Hausväter, für ein Mensch, der ein
Selbstquäler, der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist,
und der ein Nächstenquäler, der Uebung der Nächstenquaal eifrig
ergeben ist? Da ist, Hausväter, einer ein König, ein Herrscher,
dessen Scheitel gesalbt ist, oder ein hochmögender Priester.
Der hat im Osten der Stadt ein neues Herrenhaus errichten
lassen. Und mit geschorenem Haar und Barte, mit rauhem Felle
gegürtet, mit Butteröl am Körper bestrichen, den Rücken mit
einem Hirschhorne reibend tritt er in das Herrenhaus ein,
begleitet von der ersten Gemahlin und dem Oberpriester. Dort
nimmt er im offenen Hofe, von wo man das Gras entfernt hat,
Platz. Einer Kuh, die ein ihr gleichendes Kalb bei sich hat,
wird an dem einen Euter die Milch ausgemolken, und damit der 344
König bedient; wird an dem zweiten Euter die Milch ausgemolken,
und damit die Königin bedient; wird an dem dritten Euter die
Milch ausgemolken, und damit der Oberpriester bedient; wird
an dem vierten Euter die Milch ausgemolken, und damit dem
Feuer geopfert. Was noch bleibt wird dem Kalbe gelassen. Und
er gebietet: ›Soviele Stiere sollen erschlagen werden um des
Opfers willen, soviele Farren sollen erschlagen werden um des
Opfers willen, soviele Färsen sollen erschlagen werden um des
Opfers willen, soviele Ziegen sollen erschlagen werden um des
Opfers willen, soviele Schaafe sollen erschlagen werden um
des Opfers willen, soviele Bäume sollen gefällt werden, als
Pfosten zu dienen, soviel Gras soll gemäht werden, als Streu zu
dienen!‹ Und seine Knechte und Söldner und Werkleute gehn aus
Furcht vor Strafe, von Angst eingeschüchtert, mit thränenden
Augen klagend daran, den Befehl auszuführen. Den heißt man,
Hausväter, einen Menschen, der ein Selbstquäler, der Uebung der
Selbstquaal eifrig ergeben ist, und der ein Nächstenquäler, der
Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben ist.
»Was ist das aber, Hausväter, für ein Mensch, der weder
ein Selbstquäler, nicht der Uebung der Selbstquaal eifrig
ergeben ist, noch ein Nächstenquäler, nicht der Uebung der
Nächstenquaal eifrig ergeben ist: der ohne Selbstquaal, ohne
Nächstenquaal schon bei Lebzeiten ausgeglüht, erloschen, kühl
geworden ist, sich wohlfühlt, heilig geworden im Herzen? Da
erscheint, Hausväter, der Vollendete in der Welt, der Heilige,
vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der
Willkommene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter
der Männerheerde, der Meister der Götter und Menschen,
der Erwachte, der Erhabene. Er zeigt diese Welt mit ihren
Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar
von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen, nachdem er
sie selbst verstanden und durchdrungen hat. Er verkündet die
Lehre, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende
begütigt, die sinn- und wortgetreue, er legt das vollkommen
geläuterte, geklärte Asketenthum dar.