»Beglückend, o Herr, ist diese verlockende List, besäligend,

o Herr, ist diese verlockende List! Wenn sich, o Herr,

meine lieben Leute und Hausgenossen durch solche Verlockung

verleiten ließen, so würd’ es auch meinen lieben Leuten und

Hausgenossen lange zum Wohle, zum Heile gereichen. Wenn sich

auch, o Herr, alle Adeligen durch solche Verlockung verleiten

ließen, so würd’ es einem jeden von ihnen lange zum Wohle, zum

Heile gereichen. Wenn sich auch, o Herr, alle Priester und 384

alle Bürger und alle Diener durch solche Verlockung verleiten

ließen, so würd’ es einem jeden von ihnen lange zum Wohle, zum

Heile gereichen. Wenn sich auch, o Herr, die Welt mit ihren

Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar

von Büßern und Priestern, Göttern und Menschen durch solche

Verlockung verleiten ließe, so würd’ es auch der Welt mit

ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer

Schaar von Büßern und Priestern, Göttern und Menschen lange zum

Wohle, zum Heile gereichen. Und so will ich dir nun, o Herr,

ein Gleichniss geben: auch durch Gleichnisse wird da manchem

verständigen Manne der Sinn einer Rede klar.

»Es war einmal, o Herr, ein Brāhmane, der war alt und greis

und hochbetagt, und hatte eine junge Brāhmanin zur Frau, die

war schwanger, der Entbindung nahe. Und diese Brāhmanin, o

Herr, sprach also zu ihrem Gemahl: ›Gehe, Brāhmane, auf den

Markt, kaufe einen jungen Affen und bring’ ihn heim, auf dass

er meinem Knäblein ein Spielgenosse werde.‹ Auf diese Worte,

o Herr, erwiderte der Brāhmane seiner Gemahlin: ›Warte so

lange, liebe Frau, bis du geboren hast: wenn du, liebe Frau,

ein Knäblein gebären wirst, so werd’ ich auf den Markt gehn

und dir einen jungen Affen kaufen und heimbringen, auf dass er

deinem Knäblein ein Spielgenosse werde; wenn du aber, liebe

Frau, ein Mägdlein gebären wirst, so werd’ ich auf den Markt

gehn und dir eine junge Aeffin kaufen und heimbringen, auf dass

sie deinem Mägdlein eine Spielgenossin werde.‹ Und ein zweites

Mal, und ein drittes Mal, o Herr, sprach die Brāhmanin also zu

ihrem Gemahl. Da ging nun endlich, o Herr, der Brāhmane, der

seine Gemahlin sehr liebte, ihr innig zugethan war, auf den

Markt, kaufte einen jungen Affen, brachte ihn heim und sprach

also zu seiner Gemahlin: ›Da hast du, liebe Frau, den jungen 385

Affen: ich hab’ ihn am Markte gekauft und dir nun heimgebracht,

auf dass er deinem Knäblein ein Spielgenosse werde.‹ Auf diese

Worte, o Herr, erwiderte die Brāhmanin ihrem Gemahle: ›Gehe,

Brāhmane, mit diesem jungen Affen zu Rattapāṇi dem Färber und

sag’ ihm: ‚Ich wünsche, guter Rattapāṇi, dass dieser junge

Affe mit gelber Farbe gefärbt, aufgewalzt, durchgewalzt, auf

beiden Seiten geglättet werde.‘ Und der Brāhmane, o Herr, der

seine Gemahlin sehr liebte, ihr innig zugethan war, ging nun

zu Rattapāṇi dem Färber und sprach also zu ihm: ›Ich wünsche,

guter Rattapāṇi, dass dieser junge Affe mit gelber Farbe

gefärbt, aufgewalzt, durchgewalzt, auf beiden Seiten geglättet

werde.‹ Auf diese Worte, o Herr, erwiderte Rattapāṇi der Färber

dem Brāhmanen: ›Dieser junge Affe, o Herr, nimmt dir wohl Farbe

an, aber lässt sich nicht aufwalzen, lässt sich nicht glatt

machen.‹ Ebenso nun auch, o Herr, nimmt der thörigen Freien

Brüder Rede wohl Farbe an, für Thoren, nicht für Weise, aber

lässt sich nicht zurichten, lässt sich nicht glatt machen. --

Und jener Brāhmane, o Herr, ging nun ein anderes Mal mit einem

neuen Stück Tuch zu Rattapāṇi dem Färber und sprach also zu

ihm: ›Ich wünsche, guter Rattapāṇi, dass dieses neue Stück Tuch

mit gelber Farbe gefärbt, aufgewalzt, durchgewalzt, auf beiden

Seiten geglättet werde.‹ Auf diese Worte, o Herr, erwiderte

Rattapāṇi der Färber dem Brāhmanen: ›Dieses neue Stück Tuch,

o Herr, das nimmt dir Farbe an und lässt sich aufwalzen und

lässt sich glatt machen.‹ Ebenso nun auch, o Herr, nimmt des

Erhabenen Rede, des Heiligen, vollkommen Erwachten, Farbe an,

für Weise, nicht für Thoren, und lässt sich zurichten und lässt

sich glatt machen.«

»Der König, o Hausvater, und das Hofgesinde weiß von dir:

›Upāli der Hausvater ist ein Jünger des Freien Bruders

Nāthaputto‹; für wessen Jünger, Hausvater, sollen wir dich

halten?«

Also befragt erhob sich Upāli der Hausvater von seinem Sitze,

entblößte die eine Schulter, verneigte sich ehrerbietig nach

der Richtung wo der Erhabene weilte, und gab nun dem Freien 386

Bruder Nāthaputto diese Antwort:

»So vernimm denn, o Herr, wessen Jünger ich bin.

»Des Weisen, den kein Wahn bethört,

Kein Unmuth ankommt und kein Sieg versucht,

Kein Uebel peinigt, keine Regung reizt,

Gereifte Tugend, rechter Witz beräth,

Erhaben über alle Welt kein Flecken fleckt:

Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des Frohen, der da nimmer fragt,

Zufrieden, weltgenussgenesen weilt,

Asketenkunst gemeistert hat als Mensch,

Den letzten Leib als Mann zu Ende trägt,

Erhaben ohnegleichen heiter glänzt:

Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des Kühnen, der kein Zagen kennt,

Gewisser Führer, bester Lenker ist,

So lieblich, wie kein Zweiter Wahrheit lehrt,

Von Sehnsucht lauter, hell wie Sonnenlicht,

Erhaben ohne Hoffart, heldensam:

Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des Aechten, der alleinig west[22]

Und unermesslich tief Gedanken denkt,

Gar wohl uns rathen, helfen kann,

In rechter Ordnung unverstörbar steht,

Erhaben kehrt aus Fesseln frei hervor:

Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des Großen, der entfremdet lebt,

Von jedem Band entbunden, freigelöst,

Besonnen keinem Frohne fröhnt,

Und ohne Absicht, ohne Wunscheshang

Erhaben abgewendet in sich ruht:

Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des hehrsten Sehers, der uns taugt,

Vollendet heilig, dreifach aufgeklärt,

Gewitzigt, weil das Wort er weiß.

Beschwichtigt, weil den Sinn er sieht,

Erhaben, wie der Götterkönig hold:

Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des Wackern, der sich selbst bewacht,

Getreu im Tritte, gern uns Kunde giebt,

Der in sich schaut und um sich schaut,

Geneigt ist keinem, keinem abgeneigt,

Erhaben herzensmächtig, unbewegt:

Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des Fürsten, der da Schauung übt,

Unhemmbar abgeschieden, rein entrückt,

Enthaftet keine Furcht erfährt[23],

Entwesen ledig, bis zum letzten Ziel,

Erhaben und errettet Retter ist:

Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des Sanften, der da reichlich weiß,

Gewaltig weiß, und keiner Sucht begehrt,

Vollkommen hier, willkommen hier,

Nicht einem ebenbürtig, ebenbild,

Erhaben weit hinausblickt, fein versteht:

Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des Wachen, den kein Durst mehr quält,

Kein Rauch umdüstert, nimmer Nebel netzt,

Des Geistes, den das Opfer ehrt,

Der wie kein andrer herrlich ragt empor,

Erhaben Erstgerühmter, riesenhoch:

Ja, dessen Jünger, der bin ich.«

»Wann hast du dir nur, Hausvater, diese Lobpreisungen des

Asketen Gotamo zusammengesucht?«

»Gleichwie etwa, o Herr, wenn da ein großer Haufe verschiedener

Blumen läge, und es bände ihn ein geschickter Gärtner oder 387

Gärtnergeselle zu einem bunten Strauße zusammen, ebenso nun

auch, o Herr, eignet Ihm, dem Erhabenen, vielfaches Lob,

vielhundertfaches Lob: und wer wird, o Herr, einen, der Lob

verdient, nicht loben?«

* * * * *

Aber dem Freien Bruder Nāthaputto, der des Erhabenen Ehrung

nicht länger zu ertragen vermochte, quoll da warmes Blut aus

dem Munde hervor.[24]

57.

Sechster Theil Siebente Rede

DER HUNDELEHRLING

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene im Lande

der Koḷiyer, zu Haliddavasanam, einer Burg im Koḷiyergebiete.

Da nun begab sich der Koḷiyer Puṇṇo, ein Kuhlehrling, und

Seniyo der Unbekleidete, ein Hundelehrling, dorthin wo

der Erhabene weilte. Dort angelangt begrüßte der Koḷiyer

Puṇṇo, der Kuhlehrling, den Erhabenen ehrerbietig und setzte

sich seitwärts nieder; während Seniyo der Unbekleidete,

der Hundelehrling, mit dem Erhabenen höflichen Gruß und

freundliche, denkwürdige Worte wechselte und sich dann wie ein

Hund eingerollt seitwärts hinsetzte.

Seitwärts sitzend sprach nun der Koḷiyer Puṇṇo, der

Kuhlehrling, zum Erhabenen also:

»Dieser Unbekleidete, o Herr, Seniyo der Hundelehrling, übt

schwere Buße: auf die Erde geworfene Nahrung nimmt er zu

sich. Er hat das Hundegelübte lange Zeit hindurch befolgt und

bewahrt: wohin wird er gelangen, was darf er erwarten?«

»Genug, Puṇṇo, lass es gut sein, frage mich das nicht!«

Und zum zweiten Mal, und zum dritten Mal sprach der Koḷiyer

Puṇṇo, der Kuhlehrling, zum Erhabenen also:

»Dieser Unbekleidete, o Herr, Seniyo der Hundelehrling, übt

schwere Buße: auf die Erde geworfene Nahrung nimmt er zu

sich. Er hat das Hundegelübde lange Zeit hindurch befolgt und

bewahrt: wohin wird er gelangen, was darf er erwarten?«

»Wohlan denn, Puṇṇo, du giebst mir nicht nach: genug, Puṇṇo,

lass’ es gut sein, frage mich das nicht; so will ich dir nun

Rede stehn. Da verwirklicht, Puṇṇo, einer das Hundegelübde,

kommt ihm ganz und gar nach, verwirklicht die Hundegewohnheit,

kommt ihr ganz und gar nach, verwirklicht das Hundegemüth,

kommt ihm ganz und gar nach, verwirklicht das Hundegehaben, 388

kommt ihm ganz und gar nach. Und hat er das Hundegelübde

verwirklicht, ist ihm ganz und gar nachgekommen, hat er

die Hundegewohnheit verwirklicht, ist ihr ganz und gar

nachgekommen, hat er das Hundegemüth verwirklicht, ist ihm ganz

und gar nachgekommen, hat er das Hundegehaben verwirklicht,

ist ihm ganz und gar nachgekommen, so gelangt er bei der

Auflösung des Körpers, nach dem Tode, unter Hunden wieder zum

Dasein. Wenn er aber die Meinung hegt: ›Durch diese Uebungen

oder Gelübde, Kasteiung oder Entsagung werd’ ich ein Gott

werden oder ein Göttlicher!‹, so ist es eine falsche Meinung.

Und seine falsche Meinung, sag’ ich, Puṇṇo, lässt ihn nach

der einen oder nach der anderen Seite gelangen: in höllische

Welt oder in thierischen Schooß. So führt also, Puṇṇo, das

Hundegelübde, wenn es gelingt, zu den Hunden hin, und wenn es

misslingt, in höllische Welt.«

Auf diese Worte brach Seniyo der Unbekleidete, der

Hundelehrling, in Wehklagen und Thränen aus. Und der Erhabene

sprach nun zum Koḷiyer Puṇṇo, dem Kuhlehrling, also:

»Du hast mir ja, Puṇṇo, nicht nachgeben wollen: genug, Puṇṇo,

lass’ es gut sein, frage mich das nicht!«

»Nicht klage ich, o Herr, weil der Erhabene solches über mich

ausgesagt hat, sondern weil ich, o Herr, dieses Hundegelübde

lange Zeit hindurch befolgt und bewahrt habe! -- Dieser Koḷiyer

Puṇṇo, o Herr, der Kuhlehrling, hat das Kuhgelübde lange Zeit

hindurch befolgt und bewahrt: wohin wird er gelangen, was darf

er erwarten?«

»Genug, Seniyo, lass’ es gut sein, frage mich das nicht!«

Und zum zweiten Mal, und zum dritten Mal sprach Seniyo der

Unbekleidete, der Hundelehrling, zum Erhabenen also:

»Dieser Koḷiyer Puṇṇo, o Herr, der Kuhlehrling, hat das

Kuhgelübde lange Zeit hindurch befolgt und bewahrt: wohin wird

er gelangen, was darf er erwarten?«

»Wohlan denn, Seniyo, du giebst mir nicht nach: genug, Seniyo,

lass’ es gut sein, frage mich das nicht; so will ich dir nun

Rede stehn. Da verwirklicht, Seniyo, einer das Kuhgelübde,

kommt ihm ganz und gar nach, verwirklicht die Kuhgewohnheit,

kommt ihr ganz und gar nach, verwirklicht das Kuhgemüth, kommt

ihm ganz und gar nach, verwirklicht das Kuhgehaben, kommt ihm

ganz und gar nach. Und hat er das Kuhgelübde verwirklicht,

ist ihm ganz und gar nachgekommen, hat er die Kuhgewohnheit

verwirklicht, ist ihr ganz und gar nachgekommen, hat er das

Kuhgemüth verwirklicht, ist ihm ganz und gar nachgekommen,

hat er das Kuhgehaben verwirklicht, ist ihm ganz und gar

nachgekommen, so gelangt er bei der Auflösung des Körpers,

nach dem Tode, unter Kühen wieder zum Dasein. Wenn er aber die

Meinung hegt: ›Durch diese Uebungen oder Gelübde, Kasteiung 389

oder Entsagung werd’ ich ein Gott werden oder ein Göttlicher!‹,

so ist es eine falsche Meinung. Und seine falsche Meinung, sag’

ich, Seniyo, lässt ihn nach der einen oder nach der anderen

Seite gelangen: in höllische Welt oder in thierischen Schooß.

So führt also, Seniyo, das Kuhgelübde, wenn es gelingt, zu den

Kühen hin, und wenn es misslingt, in höllische Welt.«

Auf diese Worte brach der Koḷiyer Puṇṇo, der Kuhlehrling, in

Wehklagen und Thränen aus. Und der Erhabene sprach nun zu

Seniyo dem Unbekleideten, dem Hundelehrling, also:

»Du hast mir ja, Seniyo, nicht nachgeben wollen: genug, Seniyo,

lass’ es gut sein, frage mich das nicht!«

»Nicht klage ich, o Herr, weil der Erhabene solches über mich

ausgesagt hat, sondern weil ich, o Herr, dieses Kuhgelübde

lange Zeit hindurch befolgt und bewahrt habe. -- So viel trau’

ich, o Herr, dem Erhabenen zu und glaube, der Erhabene kann

die Lehre derart zeigen, dass ich eben von diesem Kuhgelübde,

Seniyo aber der Unbekleidete, der Hundelehrling, von dem

Hundegelübde abstehn mag!«

»So höre denn, Puṇṇo, und achte wohl auf meine Rede.«

»Gewiss, o Herr!« erwiderte da aufmerksam der Koḷiyer Puṇṇo,

der Kuhlehrling, dem Erhabenen. Der Erhabene sprach also:

»Vier Arten von Thaten, Puṇṇo, hab’ ich mir offenbar

gemacht, verwirklicht und erklärt: welche vier sind das? Es

giebt, Puṇṇo, dunkle That, die dunkle Folge hat; es giebt,

Puṇṇo, lichte That, die lichte Folge hat; es giebt, Puṇṇo,

dunkel-lichte That, die dunkel-lichte Folge hat; es giebt,

Puṇṇo, weder dunkle noch lichte That, die weder dunkle noch

lichte Folge hat, That, die zur Thatenversiegung führt. Was ist

das aber, Puṇṇo, für eine That, die dunkel ist und dunkle Folge

hat? Da begeht einer, Puṇṇo, in Werken beschwerhafte Handlung,

begeht in Worten beschwerhafte Handlung, begeht in Gedanken

beschwerhafte Handlung. Und hat er in Werken beschwerhafte

Handlung begangen, in Worten beschwerhafte Handlung begangen,

in Gedanken beschwerhafte Handlung begangen, so gelangt er

in beschwerhafter Welt wieder zum Dasein. Und ist er in

beschwerhafter Welt wieder zum Dasein gelangt, so empfangen ihn

beschwerhafte Empfindungen. Und von beschwerhaften Empfindungen

empfangen fühlt er ein beschwerhaftes Gefühl, einzig leidvoll,

gleichwie etwa höllische Wesen. Also kommt, Puṇṇo, nach dem 390

Wirken des Wesens Wiedersein zustande. Was einer wirkt lässt

ihn wiedersein; wiedergeworden empfangen ihn Empfindungen.

Darum aber, Puṇṇo, sag’ ich: Erben der Werke sind die Wesen.

Das heißt man, Puṇṇo, dunkle That, die dunkle Folge hat.

»Und was ist das, Puṇṇo, für eine That, die licht ist

und lichte Folge hat? Da begeht einer, Puṇṇo, in Werken

beschwerlose Handlung, begeht in Worten beschwerlose Handlung,

begeht in Gedanken beschwerlose Handlung. Und hat er in

Werken beschwerlose Handlung begangen, in Worten beschwerlose

Handlung begangen, in Gedanken beschwerlose Handlung begangen,

so gelangt er in beschwerloser Welt wieder zum Dasein. Und

ist er in beschwerloser Welt wieder zum Dasein gelangt, so

empfangen ihn beschwerlose Empfindungen. Und von beschwerlosen

Empfindungen empfangen fühlt er ein beschwerloses Gefühl,

einzig freudvoll, gleichwie etwa strahlende Götter. Also kommt,

Puṇṇo, nach dem Wirken des Wesens Wiedersein zustande. Was

einer wirkt lässt ihn wiedersein; wiedergeworden empfangen ihn

Empfindungen. Darum aber, Puṇṇo, sag’ ich: Erben der Werke sind

die Wesen. Das heißt man, Puṇṇo, lichte That, die lichte Folge

hat.

»Und was ist das, Puṇṇo, für eine That, die dunkel-licht ist

und dunkel-lichte Folge hat? Da begeht einer, Puṇṇo, in Werken

beschwerhafte Handlung und beschwerlose Handlung, begeht in

Worten beschwerhafte Handlung und beschwerlose Handlung,

begeht in Gedanken beschwerhafte Handlung und beschwerlose

Handlung. Und hat er in Werken beschwerhafte Handlung und

beschwerlose Handlung begangen, in Worten beschwerhafte

Handlung und beschwerlose Handlung begangen, in Gedanken

beschwerhafte Handlung und beschwerlose Handlung begangen, so

gelangt er in beschwerhafter und beschwerloser Welt wieder

zum Dasein. Und ist er in beschwerhafter und beschwerloser

Welt wieder zum Dasein gelangt, so empfangen ihn beschwerhafte

und beschwerlose Empfindungen. Und von beschwerhaften

und beschwerlosen Empfindungen empfangen fühlt er ein

beschwerhaftes und beschwerloses Gefühl, freudvoll und leidvoll

gemischt, gleichwie etwa Menschen, und manche Götter und manche

Geister.[25] Also kommt, Puṇṇo, nach dem Wirken des Wesens

Wiedersein zustande. Was einer wirkt lässt ihn wiedersein;

wiedergeworden empfangen ihn Empfindungen. Darum aber, Puṇṇo,

sag’ ich: Erben der Werke sind die Wesen. Das heißt man, Puṇṇo,

dunkel-lichte That, die dunkel-lichte Folge hat.

»Und was ist das, Puṇṇo, für eine That, die weder dunkel noch 391

licht ist und weder dunkle noch lichte Folge hat, That, die

zur Thatenversiegung führt? Es ist da, Puṇṇo, was dunkle That

anlangt, die dunkle Folge hat, deren Verleugnung, die gedacht

wird; und ist was lichte That anlangt, die lichte Folge hat,

deren Verleugnung, die gedacht wird; und ist was dunkel-lichte

That anlangt, die dunkel-lichte Folge hat, deren Verleugnung,

die gedacht wird. Das heißt man, Puṇṇo, weder dunkle noch

lichte That, die weder dunkle noch lichte Folge hat, That, die

zur Thatenversiegung führt.

»Das aber, Puṇṇo, sind die vier Arten von Thaten, die ich mir

offenbar gemacht, verwirklicht und erklärt habe.«

Nach diesen Worten wandte sich der Koḷiyer Puṇṇo, der

Kuhlehrling, also an den Erhabenen:

»Vortrefflich, o Herr, vortrefflich, o Herr! Gleichwie etwa,

o Herr, als ob man Umgestürztes aufstellte, oder Verdecktes

enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder ein Licht in die

Finsterniss hielte: ›Wer Augen hat wird die Dinge sehn‹: ebenso

auch hat der Erhabene die Lehre gar vielfach gezeigt. Und so

nehm’ ich, o Herr, beim Erhabenen Zuflucht, bei der Lehre und

bei der Jüngerschaft: als Anhänger möge mich der Erhabene

betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«

Seniyo aber der Unbekleidete, der Hundelehrling, sprach zum

Erhabenen also:

»Vortrefflich, o Herr, vortrefflich, o Herr! Gleichwie etwa,

o Herr, als ob man Umgestürztes aufstellte, oder Verdecktes

enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder Licht in die

Finsterniss hielte: ›Wer Augen hat wird die Dinge sehn‹: ebenso

auch hat der Erhabene die Lehre gar manigfach gezeigt. Und so

nehm’ ich, o Herr, beim Erhabenen Zuflucht, bei der Lehre und

bei der Jüngerschaft: möge mir, o Herr, der Erhabene Aufnahme

gewähren, die Ordensweihe ertheilen!«

»Wer da, Seniyo, erst einem anderen Orden angehörte und in

diese Lehre und Zucht aufgenommen werden, die Weihe erhalten

will, der bleibt vier Monate bei uns; und nach Verlauf von

vier Monaten wird er, wenn er also verblieben ist, von innig

erfahrenen Mönchen aufgenommen und eingeweiht in das Mönchthum:

denn ich habe hier manche Veränderlichkeit erfahren.«

»Wenn, o Herr, die früheren Anhänger anderer Orden, welche in

diese Lehre und Zucht aufgenommen werden, die Weihe erhalten

wollen, vier Monate bleiben, und nach Verlauf von vier Monaten,

wenn sie also verblieben sind, von innig erfahrenen Mönchen

aufgenommen und eingeweiht werden in das Mönchthum, so will ich

vier Jahre bleiben[26]: und nach Verlauf von vier Jahren sollen

mich, wenn ich also verblieben bin, innig erfahrene Mönche

aufnehmen und einweihen in das Mönchthum.«

Es wurde Seniyo der Unbekleidete, der Hundelehrling, vom

Erhabenen aufgenommen, wurde mit der Ordensweihe belehnt.

Nicht lange aber war der ehrwürdige Seniyo in den Orden

aufgenommen, da hatte er, einsam, abgesondert, unermüdlich,

in heißem, innigem Ernste gar bald was edle Söhne gänzlich 392

vom Hause fort in die Hauslosigkeit lockt, jenes höchste Ziel

des Asketenthums noch bei Lebzeiten sich offenbar gemacht,

verwirklicht und errungen. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet

das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt

verstand er da. Auch einer war nun der ehrwürdige Seniyo der

Heiligen geworden.[27]

58.

Sechster Theil Achte Rede

ABHAYO DER KÖNIGSOHN

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei

Rājagaham, im Bambusparke, am Hügel[28] der Eichhörnchen.

Da nun begab sich Abhayo der Königsohn dorthin wo der Freie

Bruder Nāthaputto weilte, begrüßte den Freien Bruder Nāthaputto

ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder. Und zu Abhayo

dem Königsohn, der zur Seite saß, sprach der Freie Bruder

Nāthaputto also:

»Gehe, du Königsohn, und nimm den Asketen Gotamo beim Worte:

dann wird man dir mit dem frohen Ruhmesrufe begegnen: ‚Abhayo

der Königsohn hat den Asketen Gotamo, den so mächtigen, so

gewaltigen, beim Worte genommen!‘«

»Wie aber, o Herr, soll ich den Asketen Gotamo, den so

mächtigen, so gewaltigen, beim Worte nehmen?«

»Gehe, du Königsohn, hin wo der Asket Gotamo weilt, und sprich

dann also zu ihm: ›Mag wohl, o Herr, der Vollendete Dinge

sagen, die den anderen unlieb und unangenehm sind?‹ Wenn dir

der Asket Gotamo auf diese Frage also antwortet: ›Sagen mag,

o Königsohn, der Vollendete Dinge, die den anderen unlieb und

unangenehm sind‹, so hast du also zu ihm zu reden: ›Aber was

ist dann nur, o Herr, für ein Unterschied zwischen dir und

einem gewöhnlichen Menschen? Denn auch der gewöhnliche Mensch

mag Dinge sagen, die den anderen unlieb und unangenehm sind.‹

Doch wenn dir der Asket Gotamo auf deine Frage also antwortet:

›Nicht mag, o Königsohn, der Vollendete Dinge sagen, die den

anderen unlieb und unangenehm sind‹, so hast du also zu ihm zu 393

reden: ›Aber hast du denn nicht, o Herr, von Devadatto gesagt:

‚Unsälig ist Devadatto, unrettbar ist Devadatto, Zwecke sucht

Devadatto[29], unheilbar ist Devadatto‘? Und diese deine Worte

haben Devadatto zornig und unzufrieden gemacht!‹ Legst du,

o Königsohn, dem Asketen Gotamo diese doppeldeutige Frage

vor, so wird er weder ausschlingen noch einschlingen können.

Gleichwie etwa ein Mann, dem ein eiserner Ring um den Hals

gelegt ist, nicht ausschlingen kann und nicht einschlingen,

ebenso nun auch, o Königsohn, wird der Asket Gotamo auf diese

doppeldeutige Frage weder ausschlingen noch einschlingen

können.«

»Gut, o Herr!« erwiderte da gehorsam Abhayo der Königsohn dem

Freien Bruder Nāthaputto. Und er stand von seinem Sitze auf,

begrüßte den Freien Bruder Nāthaputto ehrerbietig, ging rechts

herum und begab sich dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßte

den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder.

Als nun Abhayo der Königsohn zur Seite saß, da sah er nach

der Sonne und gedachte: ›Es ist heute nicht an der Zeit, den

Erhabenen beim Worte zu nehmen; morgen dann will ich in meinem

Hause den Erhabenen beim Worte nehmen‹: und er sprach zum

Erhabenen also:

»Gewähre mir, o Herr, der Erhabene die Bitte, morgen selbviert

bei mir zu speisen!«

Schweigend gewährte der Erhabene die Bitte.

Als nun Abhayo der Königsohn der Zustimmung des Erhabenen

sicher war, stand er von seinem Sitze auf, begrüßte den

Erhabenen ehrerbietig, ging rechts herum und entfernte sich.

Und der Erhabene begab sich am nächsten Morgen, zeitig

gerüstet, mit Mantel und Schaale versehn, nach dem Hause Abhayo

des Königsohns. Dort angelangt nahm der Erhabene auf dem

dargebotenen Sitze Platz. Und Abhayo der Königsohn bediente und

versorgte eigenhändig den Erhabenen mit ausgewählter fester

und flüssiger Speise.

Nachdem nun der Erhabene gespeist und das Mahl beendet hatte,

nahm Abhayo der Königsohn einen von den niederen Stühlen zur

Hand und setzte sich zur Seite hin. Zur Seite sitzend sprach

dann Abhayo der Königsohn zum Erhabenen also:

»Mag wohl, o Herr, der Vollendete Dinge sagen, die den anderen

unlieb und unangenehm sind?«

»Nicht wohl, Königsohn, einzig das.«

»Das haben, o Herr, die Freien Brüder vorgebracht.«

»Warum denn, Königsohn, sprichst du also: ›Das haben, o Herr,

die Freien Brüder vorgebracht‹?« 394

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, zweiter Band · 第 5 / 45 段