Da berichtete nun Dīghatapassī der Freie Bruder Wort für Wort

das ganze Gespräch, das er mit dem Erhabenen geführt hatte,

dem Freien Bruder Nāthaputto. Hierauf sprach der Freie Bruder

Nāthaputto also zu Dīghatapassī dem Freien Bruder:

»Gut, gut, Tapassī: wie ein erfahrener Jünger, der des

Meisters Lehre von Grund aus versteht, hat eben da Tapassī

der Freie Bruder dem Asketen Gotamo Bescheid gegeben. Was

gilt wohl ein erbärmlicher Gedankenstreich im Vergleiche zu

dem so gewichtigen Werkstreich? Vielmehr ist ein Werkstreich

bei weitem der üblere, um böse That zu thun, um böse That zu

begehn, und nicht so sehr der Wortstreich, und nicht so sehr

der Gedankenstreich.«

Auf diese Worte wandte sich Upāli der Hausvater also an den

Freien Bruder Nāthaputto:

»Gut, gut ist, o Herr, Tapassī: wie ein erfahrener Jünger, der

des Meisters Lehre von Grund aus versteht, hat eben da der

erlauchte Tapassī dem Asketen Gotamo Bescheid gegeben. Was

gilt wohl ein erbärmlicher Gedankenstreich im Vergleiche zu

dem so gewichtigen Werkstreich? Vielmehr ist ein Werkstreich

bei weitem der üblere, um böse That zu thun, um böse That

zu begehn, und nicht so sehr der Wortstreich, und nicht so

sehr der Gedankenstreich. Wohlan, o Herr, auch ich will gehn

und den Asketen Gotamo in einem solchen Gespräche beim Wort

nehmen. Wenn mir da der Asket Gotamo ebenso entgegentritt,

wie er dem erlauchten Tapassī entgegengetreten ist, so werde

ich den Asketen Gotamo, gleichwie etwa ein starker Mann einen

langhaarigen Widder bei den Haaren ergreifen, heranziehn,

herumziehn, rings herumziehn mag, mit der Rede heranziehn,

herumziehn, rings herumziehn; oder gleichwie etwa der starke

Knecht eines Branntweinbrenners das große Filtriergeflecht in

einen tiefen Wasserpfuhl werfen, am einen Ende festhalten,

heranziehn, herumziehn, rings herumziehn mag, so werde auch ich

den Asketen Gotamo mit der Rede heranziehn, herumziehn, rings

herumziehn; oder gleichwie etwa ein rüstiger Branntweinsäuberer

das Destilliersieb am Henkel packen, hinschwenken,

herschwenken, ausseihen mag, so werde auch ich den Asketen

Gotamo mit der Rede hinschwenken, herschwenken, ausseihen; oder 375

gleichwie etwa ein sechzigjähriger Elephant in einen tiefen

Lotusweiher steigt und ein sogenanntes Spritzbad zur Erholung

vornimmt, so gedenke auch ich mit dem Asketen Gotamo eine Art

Spritzbad zur Erholung vorzunehmen. Wohlan, o Herr, auch ich

will gehn und den Asketen Gotamo in einem solchen Gespräche

beim Wort nehmen.«

»Gehe du, Hausvater, und nimm den Asketen Gotamo in einem

solchen Gespräche beim Wort: sei es ich eben, Hausvater, der

den Asketen Gotamo beim Wort nimmt, sei es Dīghatapassī der

Freie Bruder, sei es du.«

Auf diese Worte des Freien Bruders Nāthaputto erwiderte

Dīghatapassī der Freie Bruder:

»Das gefällt mir wahrlich nicht, o Herr, dass Upāli der

Hausvater den Asketen Gotamo beim Wort nehmen soll. Denn der

Asket Gotamo, o Herr, ist listig, versteht verlockende List,

wodurch er die Jünger anderer Asketen anlockt.«

»Unmöglich ist es, wahrlich, Tapassī, es kann nicht sein,

dass sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen

Gotamo bekehre: möglich aber ist es wohl, dass sich der Asket

Gotamo zum Jüngerthum des Hausvaters Upāli bekehre. Gehe

du, Hausvater, und nimm den Asketen Gotamo in einem solchen

Gespräche beim Wort: sei es ich eben, Hausvater, der den

Asketen Gotamo beim Wort nimmt, sei es Dīghatapassī der Freie

Bruder, sei es du.«

Und ein zweites Mal, und ein drittes Mal sprach Dīghatapassī

der Freie Bruder also zum Freien Bruder Nāthaputto:

»Es gefällt mir durchaus nicht, o Herr, dass Upāli der

Hausvater den Asketen Gotamo beim Wort nehmen soll. Der Asket

Gotamo, o Herr, ist ja listig, versteht verlockende List,

wodurch er die Jünger anderer Asketen anlockt.«

»Unmöglich ist es, wahrlich, Tapassī, es kann nicht sein,

dass sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen

Gotamo bekehre: möglich aber ist es wohl, dass sich der Asket

Gotamo zum Jüngerthum des Hausvaters Upāli bekehre. Gehe

du, Hausvater, und nimm den Asketen Gotamo in einem solchen

Gespräche beim Wort: sei es ich eben, Hausvater, der den

Asketen Gotamo beim Wort nimmt, sei es Dīghatapassī der Freie

Bruder, sei es du.«

»Recht so, Herr!« entgegnete da Upāli der Hausvater dem Freien

Bruder Nāthaputto. Dann stand er von seinem Stuhle auf,

begrüßte den Freien Bruder Nāthaputto ehrerbietig, ging rechts

herum und begab sich nach dem Mangohaine Pāvārikos, dorthin wo 376

der Erhabene weilte. Dort angelangt begrüßte er den Erhabenen

ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend

wandte sich nun Upāli der Hausvater also an den Erhabenen:

»Ist wohl, o Herr, Dīghatapassī der Freie Bruder hiergewesen?«

»Hiergewesen ist, Hausvater, Dīghatapassī der Freie Bruder.«

»Und hast du, o Herr, mit Dīghatapassī dem Freien Bruder ein

Gespräch geführt?«

»Ich habe, Hausvater, mit Dīghatapassī dem Freien Bruder ein

Gespräch geführt.«

»Und was war das, o Herr, für ein Gespräch, das du mit

Dīghatapassī dem Freien Bruder geführt hast?«

Da berichtete nun der Erhabene dem Hausvater Upāli Wort für

Wort das ganze Gespräch mit Dīghatapassī dem Freien Bruder.

Also berichtet erwiderte Upāli der Hausvater dem Erhabenen:

»Gut, gut ist, o Herr, Tapassī: wie ein erfahrener Jünger,

der des Meisters Lehre von Grund aus versteht, hat eben da

Dīghatapassī der Freie Bruder dem Erhabenen Bescheid gegeben.

Was gilt wohl ein erbärmlicher Gedankenstreich im Vergleiche zu

dem so gewichtigen Werkstreich? Vielmehr ist ein Werkstreich

bei weitem der üblere, um böse That zu thun, um böse That zu

begehn, und nicht so sehr der Wortstreich, und nicht so sehr

der Gedankenstreich.«

»Wenn du dich, Hausvater, bei der Rede an die Wahrheit halten

willst, so mag da unter uns ein Gespräch statthaben.«

»An die Wahrheit, o Herr, werde ich mich bei der Rede halten:

möge da unter uns ein Gespräch statthaben!«

»Was meinst du wohl, Hausvater: es sei da ein Freier Bruder,

der unwohl, leidend, schwerkrank ist und frisches Wasser

abweist, nur warmes Wasser gebraucht[17]; und weil er kein

frisches Wasser erhielte stürbe er. Wo aber, Hausvater, sagt da

der Freie Bruder Nāthaputto, erscheine ein solcher wieder?«

»Es giebt, o Herr, Götter, die heißen ›gedankenhaft‹: da

erscheint ein solcher wieder.«

»Und warum das?«

»Weil er ja, o Herr, gedankenergeben gestorben ist.«

»Hausvater, Hausvater, denke wohl nach, und dann, Hausvater,

antworte: denn es geht dir mit dem Ersten das Letzte nicht

zusammen, oder mit dem Letzten nicht das Erste. Doch hast du,

Hausvater, also gesprochen: ›An die Wahrheit, o Herr, werde

ich mich bei der Rede halten: möge da unter uns ein Gespräch

statthaben!‹«

»Wenn auch, o Herr, der Erhabene solches sagt, so ist

gleichwohl der Werkstreich bei weitem der üblere, um böse

That zu thun, um böse That zu begehn, und nicht so sehr der

Wortstreich, und nicht so sehr der Gedankenstreich.«

»Was meinst du wohl, Hausvater: es sei da ein Freier Bruder, 377

vierfach gezügelt in fester Zucht, der sich jeden Born

verbietet, jeden Born verwehrt, jeden Born verweist, jeden Born

versagt; und während er kommt und geht tritt er da viele kleine

Wesen zutode. Was aber, Hausvater, sagt da der Freie Bruder

Nāthaputto, sei die Folge davon?«

»Was ohne Absicht geschieht, o Herr, sagt der Freie Bruder

Nāthaputto, ist nicht so sehr von Uebel.«

»Wenn es aber, Hausvater, mit Absicht geschieht?«

»Dann, o Herr, ist es sehr von Uebel.«

»Die Absicht aber, Hausvater, giebt der Freie Bruder Nāthaputto

als was an?«

»Als Gedankenstreich, o Herr!«

»Hausvater, Hausvater, denke wohl nach, und dann, Hausvater,

antworte: denn es geht dir mit dem Ersten das Letzte nicht

zusammen, oder mit dem Letzten nicht das Erste. Doch hast du,

Hausvater, also gesprochen: ›An die Wahrheit, o Herr, werde

ich mich bei der Rede halten: möge da unter uns ein Gespräch

statthaben!‹«

»Wenn auch, o Herr, der Erhabene solches sagt, so ist

gleichwohl der Werkstreich bei weitem der üblere, um böse

That zu thun, um böse That zu begehn, und nicht so sehr der

Wortstreich, und nicht so sehr der Gedankenstreich.«

»Was meinst du wohl, Hausvater: dieses Nāḷandā blüht und

gedeiht, ist volkreich, von vielen Menschen bewohnt?«

»Gewiss, o Herr: dieses Nāḷandā blüht und gedeiht, ist

volkreich, von vielen Menschen bewohnt.«

»Was meinst du wohl, Hausvater: wenn da ein Mann herankäme, mit

einem gezückten Schwerdte in der Hand, und spräche also: ›Ich

werde was es auch an Lebendigen hier in Nāḷandā giebt in einem

Augenblick, in einem Nu zu einer einzigen Masse Mus, zu einer

einzigen Masse Brei machen‹; was meinst du wohl, Hausvater:

vermöchte nun etwa dieser Mann was es auch an Lebendigen hier

in Nāḷandā giebt in einem Augenblick, in einem Nu zu einer

einzigen Masse Mus, zu einer einzigen Masse Brei zu machen?«

»Selbst zehn Mann, o Herr, selbst zwanzig Mann, selbst dreißig

Mann, selbst vierzig Mann, selbst fünfzig Mann reichten

nicht hin was es hier in Nāḷandā an Lebendigen giebt in

einem Augenblick, in einem Nu zu einer einzigen Masse Mus,

zu einer einzigen Masse Brei zu machen: was gälte da nur ein

erbärmlicher Mann?«

»Was meinst du wohl, Hausvater: wenn da ein Asket oder ein

Priester herankäme, machtbegabt, geistesgewaltig, und spräche

also: ›Ich werde dieses Nāḷandā mit einem einzigen Zorngedanken

zu Asche machen‹; was meinst du wohl, Hausvater: vermöchte nun

etwa ein solcher Asket oder Priester dieses Nāḷandā mit einem

einzigen Zorngedanken zu Asche zu machen?«

»Selbst zehn Nāḷandā, o Herr, selbst zwanzig Nāḷandā, selbst 378

dreißig Nāḷandā, selbst vierzig Nāḷandā, selbst fünfzig

Nāḷandā vermöchte ein solcher Asket oder Priester mit einem

einzigen Zorngedanken zu Asche zu machen: was gälte da nur ein

erbärmliches Nāḷandā?«[18]

»Hausvater, Hausvater, denke wohl nach, und dann, Hausvater,

antworte: denn es geht dir mit dem Ersten das Letzte nicht

zusammen, oder mit dem Letzten nicht das Erste. Doch hast du,

Hausvater, also gesprochen: ›An die Wahrheit, o Herr, werde

ich mich bei der Rede halten: möge da unter uns ein Gespräch

statthaben!‹«

»Wenn auch, o Herr, der Erhabene solches sagt, so ist

gleichwohl der Werkstreich bei weitem der üblere, um böse

That zu thun, um böse That zu begehn, und nicht so sehr der

Wortstreich, und nicht so sehr der Gedankenstreich.«

»Was meinst du wohl, Hausvater: hast du reden hören: ›Der

Daṇḍaker-Wald, der Mejjher-Wald, der Kāliṉger-Wald, der

Mātaṉger-Wald ist öder Urwald geworden‹?«

»Gewiss, o Herr: ich habe reden hören: ›Der Daṇḍaker-Wald, der

Mejjher-Wald, der Kāliṉger-Wald, der Mātaṉger-Wald ist öder

Urwald geworden.‹«

»Was meinst du wohl, Hausvater: hast du vielleicht reden hören,

wodurch der Daṇḍaker-Wald, der Mejjher-Wald, der Kāliṉger-Wald,

der Mātaṉger-Wald öder Urwald geworden ist?«

»Ich habe reden hören, o Herr: ›Durch der Seher Zorngedanken

ist der Daṇḍaker-Wald, der Mejjher-Wald, der Kāliṉger-Wald, der

Mātaṉger-Wald öder Urwald geworden‹.«

»Hausvater, Hausvater, denke wohl nach, und dann, Hausvater,

antworte: denn es geht dir mit dem Ersten das Letzte nicht

zusammen, oder mit dem Letzten nicht das Erste. Doch hast du,

Hausvater, also gesprochen: ›An die Wahrheit, o Herr, werde

ich mich bei der Rede halten: möge da unter uns ein Gespräch

statthaben!‹«

»Schon durch das erste Gleichniss, o Herr, hat mich der

Erhabene zufrieden und froh gemacht: aber ich wollte noch

diese reichlichen Fragen und Erklärungen vom Erhabenen hören;

und so dacht’ ich mir, ich dürfte dem Erhabenen Gegenrede

geben.[19] -- Vortrefflich, o Herr, vortrefflich, o Herr!

Gleichwie etwa, o Herr, als ob man Umgestürztes aufstellte,

oder Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder

Licht in die Finsterniss brächte: ›Wer Augen hat wird die Dinge

sehn‹: ebenso auch hat der Erhabene die Lehre von vielen Seiten

beleuchtet. Und so nehm’ ich, o Herr, beim Erhabenen Zuflucht,

bei der Lehre und bei der Jüngerschaft: als Anhänger möge mich 379

der Erhabene betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«

»Ueberleg’ es dir, Hausvater, gehörig: Ueberlegung ist bei

wohlbekannten Leuten euersgleichen rathsam.«[20]

»Dadurch hat mich, o Herr, der Erhabene nur noch viel mehr

zufrieden und froh gemacht, dass der Erhabene also zu mir

spricht: ›Ueberleg’ es dir, Hausvater, gehörig: Ueberlegung ist

bei wohlbekannten Leuten euersgleichen rathsam.‹ Denn als mich,

o Herr, die anderen Asketen zum Jünger gewonnen, da mochten

sie mich in ganz Nāḷandā als Fahne herumtragen: ›Upāli der

Hausvater hat sich zu unserem Jüngerthum bekehrt!‹ Doch der

Erhabene spricht nun also zu mir: ›Ueberleg’ es dir, Hausvater,

gehörig: Ueberlegung ist bei wohlbekannten Leuten euersgleichen

rathsam.‹ Und so nehm’ ich denn, o Herr, zum zweiten Mal beim

Erhabenen Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft:

als Anhänger möge mich der Erhabene betrachten, von heute an

zeitlebens getreu.«

»Lange Zeit ist, Hausvater, dein Thor den Freien Brüdern

gastlich offen gewesen, so dass du ihrer, die um Almosen zu dir

kommen, milde gedenken mögst.«

»Auch dadurch hat mich, o Herr, der Erhabene noch viel mehr

zufrieden und froh gemacht, dass der Erhabene also zu mir

spricht: ›Lange Zeit ist, Hausvater, dein Thor den Freien

Brüdern gastlich offen gewesen, so dass du ihrer, die um

Almosen zu dir kommen, milde gedenken mögst.‹ Ich habe mir

sagen lassen, o Herr: ›Der Asket Gotamo spricht also: ‚Mir nur

ist Gabe darzubringen, nicht den anderen; nur meinen Jüngern

ist Gabe darzubringen, nicht den Jüngern anderer; nur die mir

dargebrachte Gabe lässt hohen Lohn erlangen, nicht die den

anderen dargebrachte Gabe; nur die meinen Jüngern dargebrachte

Gabe lässt hohen Lohn erlangen, nicht die den Jüngern anderer

dargebrachte Gabe.‘‹ Doch der Erhabene ermahnt mich nun, auch

den Freien Brüdern Gabe zu geben. Gewiss, o Herr: wir werden da

schon der Zeit achthaben. Und so nehm’ ich denn, o Herr, zum

dritten Mal beim Erhabenen Zuflucht, bei der Lehre und bei der

Jüngerschaft: als Anhänger möge mich der Erhabene betrachten,

von heute an zeitlebens getreu.«

Da hat denn der Erhabene Upāli den Hausvater allmälig in das

Gespräch eingeführt, sprach erst mit ihm vom Geben, von der

Tugend, von säliger Welt, machte des Begehrens Elend, Ungemach,

Trübsal, und der Entsagung Vorzüglichkeit offenbar. Als der

Erhabene merkte, dass Upāli der Hausvater im Herzen bereitsam,

geschmeidig, unbehindert, aufgerichtet, heiter geworden 380

war, da gab er die Darlegung jener Lehre, die den Erwachten

eigenthümlich ist: das Leiden, die Entwicklung, die Auflösung,

den Weg.

Gleichwie etwa ein reines Kleid, von Flecken gesäubert,

vollkommen die Färbung annehmen mag, ebenso auch ging da

Upāli dem Hausvater, während er noch da saß, das abgeklärte,

abgespülte Auge der Wahrheit auf:

›Was irgend auch entstanden ist

Muss alles wieder untergehn.‹

Und Upāli der Hausvater, der die Wahrheit gesehn, die Wahrheit

gefasst, die Wahrheit erkannt, die Wahrheit ergründet hatte,

zweifelentronnen, ohne Schwanken, in sich selber gewiß, auf

keinen anderen gestützt im Orden des Meisters, der wandte sich

nun an den Erhabenen also:

»Wohlan denn, jetzt, o Herr, wollen wir gehn: manche Pflicht

wartet unser, manche Obliegenheit.«

»Wie es dir nun, Hausvater, belieben mag.«

Und Upāli der Hausvater, durch des Erhabenen Rede erfreut und

befriedigt, stand auf von seinem Stuhle, begrüßte den Erhabenen

ehrerbietig, ging rechts herum und begab sich nach Hause. Zu

Hause angekommen befahl er dem Pförtner:

»Von heute an, guter Pförtner, ist meine Pforte den Freien

Brüdern und Freien Schwestern verschlossen: unverschlossen

ist sie den Jüngern des Erhabenen, den Mönchen und Nonnen,

den Anhängern und Anhängerinen.[21] Wenn da ein Freier Bruder

herankommt, so hast du einem solchen zu sagen: ›Bleibe, o

Herr, wolle nicht eintreten: von heute an hat sich Upāli

der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt.

Verschlossen ist die Pforte den Freien Brüdern und Freien

Schwestern: unverschlossen ist sie den Jüngern des Erhabenen,

den Mönchen und Nonnen, den Anhängern und Anhängerinen. Wenn

du, o Herr, Almosen bedarfst, so bleibe nur hier: man wird es

dir hierher bringen.‹«

»Jawohl, Herr!« erwiderte da gehorsam der Pförtner Upāli dem

Hausvater.

* * * * *

Es hörte nun Dīghatapassī der Freie Bruder das Gerede: ›Upāli,

sagt man, der Hausvater, soll sich zum Jüngerthum des Asketen

Gotamo bekehrt haben!‹ Und Dīghatapassī der Freie Bruder begab

sich zum Freien Bruder Nāthaputto und sprach also zu ihm:

»Das Gerücht, o Herr, ist mir zu Ohren gekommen, Upāli der

Hausvater habe sich zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt.«

»Unmöglich ist es, wahrlich, Tapassī, es kann nicht sein, dass

sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo

bekehrt habe: möglich aber ist es wohl, dass sich der Asket

Gotamo zum Jüngerthum des Hausvaters Upāli bekehrt habe.«

Und zum zweiten Mal, und zum dritten Mal sprach Dīghatapassī 381

der Freie Bruder zum Freien Bruder Nāthaputto also:

»Das Gerücht, o Herr, ist mir zu Ohren gekommen, Upāli der

Hausvater habe sich zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt.«

»Unmöglich ist es, wahrlich, Tapassī, es kann nicht sein, dass

sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo

bekehrt habe: möglich aber ist es wohl, dass sich der Asket

Gotamo zum Jüngerthum des Hausvaters Upāli bekehrt habe.«

»So will ich denn hingehn, o Herr, um zu erfahren, ob sich

Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt

oder nicht bekehrt hat.«

»Gehe hin, Tapassī, und überzeuge dich, ob sich Upāli der

Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt oder nicht

bekehrt hat.«

Und Dīghatapassī der Freie Bruder machte sich nun auf den Weg

zur Wohnung des Hausvaters Upāli. Es sah aber der Pförtner

Dīghatapassī den Freien Bruder von ferne herankommen, und als

er ihn gesehn sprach er also zu ihm:

»Bleibe, o Herr, wolle nicht eintreten: von heute an hat sich

Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt.

Verschlossen ist die Pforte den Freien Brüdern und Freien

Schwestern: unverschlossen ist sie den Jüngern des Erhabenen,

den Mönchen und Nonnen, den Anhängern und Anhängerinen. Wenn

du, o Herr, Almosen bedarfst, so bleibe nur hier: man wird es

dir hierher bringen.«

»Ich brauche, o Freund, kein Almosen« sagte er, kehrte um,

begab sich zum Freien Bruder Nāthaputto zurück und sprach also

zu ihm:

»Wahr ist es wirklich, o Herr, dass sich Upāli der Hausvater

zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt hat. Und du hast es

mir, o Herr, nicht zugestanden, als ich sagte: ›Es gefällt mir

durchaus nicht, o Herr, dass Upāli der Hausvater den Asketen

Gotamo beim Wort nehmen soll. Denn der Asket Gotamo, o Herr,

ist listig, versteht verlockende List, wodurch er die Jünger

anderer Asketen anlockt.‹ Und weggelockt ist dir, o Herr, Upāli

der Hausvater worden vom Asketen Gotamo durch verlockende

List!«

»Unmöglich ist es, wahrlich, Tapassī, es kann nicht sein, dass

sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo

bekehrt habe: möglich aber ist es wohl, dass sich der Asket

Gotamo zum Jüngerthum des Hausvaters Upāli bekehrt habe.«

Und zum zweiten Mal, und zum dritten Mal sprach Dīghatapassī

der Freie Bruder zum Freien Bruder Nāthaputto also:

»Es ist wirklich wahr, o Herr: Upāli der Hausvater hat sich

zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt. Und du hast es mir, 382

o Herr, nicht zugestanden, als ich sagte: ›Es gefällt mir

durchaus nicht, o Herr, dass Upāli der Hausvater den Asketen

Gotamo beim Wort nehmen soll. Denn der Asket Gotamo, o Herr,

ist listig, versteht verlockende List, wodurch er die Jünger

anderer Asketen anlockt.‹ Und weggelockt ist dir, o Herr, Upāli

der Hausvater worden vom Asketen Gotamo durch verlockende List!«

»Unmöglich ist es, wahrlich, Tapassī, es kann nicht sein, dass

sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo

bekehrt habe: möglich aber ist es wohl, dass sich der Asket

Gotamo zum Jüngerthum des Hausvaters Upāli bekehrt habe. So

will ich denn hingehn, Tapassī, und mich selbst überzeugen,

ob sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo

bekehrt oder nicht bekehrt hat.«

Und der Freie Bruder Nāthaputto zog nun in Begleitung einer

großen Schaar Freier Brüder zur Wohnung des Hausvaters Upāli

hin. Und es sah der Pförtner den Freien Bruder Nāthaputto von

ferne herankommen, und als er ihn gesehn sprach er also zu ihm:

»Bleibe, o Herr, wolle nicht eintreten: von heute an hat sich

Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt.

Verschlossen ist die Pforte den Freien Brüdern und Freien

Schwestern: unverschlossen ist sie den Jüngern des Erhabenen,

den Mönchen und Nonnen, den Anhängern und Anhängerinen. Wenn

du, o Herr, Almosen bedarfst, so bleibe nur hier: man wird es

dir hierher bringen.«

»Wohlan denn, guter Pförtner, geh’ zu Upāli dem Hausvater und

melde ihm: ›Der Freie Bruder, o Herr, Nāthaputto steht mit

einer großen Schaar Freier Brüder vor dem Thore draußen: er

möchte dich sehn.‹«

»Jawohl, Herr!« erwiderte da gehorsam der Pförtner dem Freien

Bruder Nāthaputto; und er ging zu Upāli dem Hausvater und

meldete ihm:

»Der Freie Bruder, o Herr, Nāthaputto steht mit einer großen

Schaar Freier Brüder vor dem Thore draußen: er möchte dich

sehn.«

»So stelle denn, guter Pförtner, in der mittleren Thorhalle die

Stühle zurecht.«

»Jawohl, Herr!« erwiderte da gehorsam der Pförtner Upāli dem

Hausvater; und er stellte in der mittleren Thorhalle die Stühle

zurecht, und ging dann zu Upāli dem Hausvater und meldete ihm:

»Zurechtgestellt, o Herr, sind dir in der mittleren Thorhalle

die Stühle, wie es dir beliebt.«

Und Upāli der Hausvater trat nun in die mittlere Thorhalle ein, 383

nahm dort auf dem ersten und besten, höchsten und vornehmsten

Sitze Platz, und befahl dann dem Pförtner:

»So geh’ denn, guter Pförtner, zum Freien Bruder Nāthaputto und

melde ihm: ›Upāli, Herr, der Hausvater, lässt sagen: ‚Wolle

nähertreten, o Herr, wenn es dir genehm ist.‘‹«

»Jawohl, Herr!« erwiderte da gehorsam der Pförtner Upāli

dem Hausvater; und er ging zum Freien Bruder Nāthaputto und

meldete ihm: ›Upāli, Herr, der Hausvater, lässt sagen: ‚Wolle

nähertreten, o Herr, wenn es dir genehm ist.‘‹

Und der Freie Bruder Nāthaputto trat nun mit seiner großen

Schaar Freier Brüder in die mittlere Thorhalle ein. Und

Upāli der Hausvater, der da früher, sobald er den Freien

Bruder Nāthaputto von ferne herankommen sehn, ihm alsbald

entgegengegangen und den ersten und besten, höchsten und

vornehmsten Sitz dort eingeräumt, mit dem Mantel abgestäubt und

angeboten hatte, der saß nun selbst dort auf dem ersten und

besten, höchsten und vornehmsten Sitze; und er sprach also zum

Freien Bruder Nāthaputto:

»Es sind hier, o Herr, Sitze bereit: wenn du willst setze dich.«

Also angesprochen entgegnete der Freie Bruder Nāthaputto Upāli

dem Hausvater:

»Von Sinnen bist du, Hausvater, verloren hast du, Hausvater!

Du hast ja gesagt: ›Hingehn will ich, o Herr, und den Asketen

Gotamo beim Wort nehmen‹, und bist ausgezogen und mit einer

gewaltigen Niederlage deiner Redekunst heimgekehrt. Gleichwie

etwa, Hausvater, wenn ein Mann auszöge, Hoden auszureißen,

und mit ausgerissenen Hoden heimkehrte; oder gleichwie etwa,

Hausvater, wenn ein Mann auszöge, Augen auszureißen, und mit

ausgerissenen Augen heimkehrte: ebenso nun auch, Hausvater,

hast du gesagt: ›Hingehn will ich, o Herr, und den Asketen

Gotamo beim Wort nehmen‹, und bist ausgezogen und mit einer

gewaltigen Niederlage deiner Redekunst heimgekehrt. Weggelockt

worden bist du nun, Hausvater, vom Asketen Gotamo durch

verlockende List.«

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, zweiter Band · 第 4 / 45 段