55. Die Auer Porzellanerde.

Bei Aue wurde noch am Anfange dieses Jahrhunderts in der +Fundgrube

des Weißen St. Andreas+ weiße Thonerde bergwerksmäßig gewonnen und

zur Verfertigung des Meißener Porzellans verwendet. Es fuhren außer

dem Steiger täglich 32 Bergleute an. Die Erde oder das »Weiße Zeug«

wurde getrocknet, von wilden Arten oder Beimischungen geschieden,

und fässerweise wurden aller 14 Tage gegen 120 Zentner durch zwei

verpflichtete Fuhrleute nach Meißen geschafft. Die Fässer waren

umschnürt und wohlversiegelt. Die Erde durfte nicht außer Lande

geschafft werden, ja auf der Zeche selbst bekam man sie kaum zu

sehen. In die Gruben, Trocken- und Vorratshäuser durfte niemand ohne

Erlaubnis. In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Ausfuhr des

weißen Thons der Auer Gegend anfänglich bei großer Geldstrafe und

im Jahre 1745 sogar beim Strange verboten. Im 7jährigen Kriege ließ

Friedrich der Große mehrere Wagen voll Auer Erde nach Berlin schaffen,

um sie untersuchen zu lassen, damit er in seinen Ländern nach ähnlicher

graben lasse. Es entstand auch daraufhin die Berliner Porzellanfabrik.

Nach Schumann.

Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte · 第 115 / 209 题