54. Torfstecherei im Erzgebirge.

Neben dem Filzteiche befindet sich eine beträchtliche Torfstecherei.

Man hat schon ums Jahr 1708 im obern Erzgebirge Versuche mit Torfgraben

gemacht, z. B. am Kranichsee bei Carlsfeld, bei Scheibenberg und

Schneeberg. Aber kein Mensch wollte Torf kaufen, denn man hatte des

Holzes genug; und so blieb es bei dem Versuche, der im Jahre 1756 fast

ebenso erfolglos wiederholt wurde. Man gab da für 1000 Torfziegel zu

stechen 10½ Groschen und verkaufte solche zu 21 Groschen. Aber die

Macht des Vorurteils war so groß, daß man den Torf nicht einmal umsonst

haben wollte, sodaß viele hunderttausend Stück Ziegel verdarben und

zerfielen. Erst seit dem Jahre 1789 wurde auf wiederholte Anordnung des

Finanzkollegiums die Torfstecherei am Filzteiche ordentlich in Gang

gebracht, und im Jahre 1790 wurden auch Trockenhäuser und Kohlenschauer

angelegt. Ein einziger Arbeiter konnte täglich über 1000 Stück stechen;

sogar Kinder verdienten dabei ihr Brot, denn man bediente sich ihrer

zum Zählen und Aufschlichten der Ziegel. Der Torf, ein aus Wurzeln

bestehender Filz, ist schwarzbraun. Die Ziegel wurden in den 4 großen

Trockenhäusern gedörrt und dann nach Schneeberg ins Torfmagazin

geschafft. Man verkohlte deren viele Hunderttausende in Meilern zu

36000 Stück. Im Jahre 1795 wurden 1000 Stück zu 8 Groschen verkauft.

-- Nicht weit vom Filzteiche ist auf Johannisgrüner Revier im Jahre

1791 eine zweite Torfstecherei angelegt worden. Die Torffeuerung ist in

Sachsen schon seit dem Jahre 1560 bekannt.

Nach Schumann.

Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte · 第 114 / 209 题