3. Das Schreckensjahr 1639.

Das schrecklichste Jahr war das Jahr 1639.

Sobald die Schweden +Zwickau+ und +Chemnitz+ genommen hatten, teilte

+Baner+ wie das ganze Land, also auch den Obererzgebirgischen Kreis

unter seine Obersten und Regimenter. Das Amt +Schwarzenberg+ und Amt

+Grünhain+ kamen unter +Oberst Leßle+. Da war kein Amt, Stadt, Flecken,

Dorf oder Schloß im Gebirge, das nicht geplündert oder gebrandschatzt

wurde, von +Marienberg+ an im Gebirge hinunter bis an die +Flöha+ und

+Olbernhau+, ja gar nach Böhmen hinein.

Den 25. Februar kamen zwei Unteroffiziere vom +Leßlischen Regiment+.

Einer, +Barthel Moth+, kam ins Amt +Schwarzenberg+, der teilte

Sicherheitswachen aus. Das waren unberittene Reiter, die die Gemeinden

mußten verpflegen und versehen mit Pferden und Roßzeug, Stiefeln,

Kleidern, Röcken, Mänteln. Es wurde das ganze Amt gebrandschatzt um

6000 Thaler.

Der +Leutnant Peter Kupfer+ legte sich aufs Schloß in +Schlettau+ und

plünderte das Amt +Grünhain+ und was hineingehörte um 5000 Thaler,

auch +Schlettau+, auf welches allein 1250 Thaler kamen, nahm viel

an Geschmeide und auch den silbernen Schützenvogel, mitsamt den

Schulden 80 Thaler wert. Das Vieh mußten die +Schlettauer+ samt den

+Scheibenbergern+ nach +Schwarzenberg+ treiben. Das Volk war arm,

konnte nichts erwerben; daher konnten die Richter die Kriegssteuer

nicht eintreiben und zur rechten Zeit abstatten.

Der Richter +Hans Schwaner+ zu +Walthersdorf+ war nicht zu finden,

als die Boten +Kupfers+ erschienen. Da wurde der Ort zum großen Teile

niedergebrannt. Nichtsdestoweniger mußte das Dörflein seinen Teil

abstatten, alle Wochen 14 Thaler und Nahrungsmittel ohne Gnade geben.

Das Städtchen +Scheibenberg+ wollte der oben erwähnte Barthel Moth

wegbrennen lassen; doch es wurde durch Bitten und Versprechungen der

Bürger abgewendet. -- Es fehlte wenig, daß das ganze Amt +Wolkenstein+

von dem +Obersten Höcking+, der in +Annaberg+ auf Vorwache lag,

vernichtet worden wäre, weil dessen Vetter unterwegs von einer Rotte

loser Burschen erschlagen worden war. Das kurfürstliche Vorwerk und die

Schäferei zu +Geringswalde+, sowie der Försterhof zu +Hilmersdorf+,

die +Heinzebank+ genannt, waren bereits in Asche gelegt, da griff man

einen der Burschen auf, einen der harmlosesten, der nur das Pferd des

Ermordeten gehalten, prügelte ihn solange, bis er 21 Thaler und alle

seine Sachen, die er im Felde versteckt hatte, herausgab, und lieferte

ihn an den erzürnten Obersten ab. Dieser ließ ihn am 25. März vor dem

Thore vom Henker enthaupten und seinen Kopf aufs Rad legen. Das Haupt

eines +Buckauers+, der sich eines ähnlichen Vergehens schuldig gemacht

haben sollte, wurde zur Warnung für andere vor dem Thore auf eine

Stange gesteckt. Auch in +Wiesa+ war ein Soldat erschlagen worden;

da ließ der Oberst +Höcking+ die Edelfrau, der das Dorf gehörte, in

Annaberg einsperren, bis sie den Getöteten teuer bezahlte.

Aus dem gleichen Grunde wurden in +Königswalde+ elf Güter samt

dem Gerichte angezündet. Auch wurden im Dorfe +Olbernhau+ an der

Flöha Kirche, Pfarre, Schule, Försterhof und viele Bauernhäuser

niedergebrannt.

Nachdem +Baner+ im April die vereinigten Kaiserlichen und Kursachsen

bei +Chemnitz+ geschlagen, wobei fast das ganze sächsische Heer

aufgerieben worden war, gingen die Drangsale im Gebirge aufs neue an.

In +Annaberg+ lag ein schwedischer +Leutnant+, +Christian Zastro+, ein

Pommerischer von Adel, mit einer Sicherheitswache. Derselbe konnte es

nicht hindern, daß eine Abteilung Schweden am Palmsonntage einfiel

und vor ihrem Abzuge am nächsten Tage 3000 Thaler verpraßte. Als er

acht Tage später, am dritten Ostertage, den 16. April, 250 Mann vom

+Regimente Königsmark+, welche durch das Wolkensteiner Thor einfallen

wollten, nicht in die Stadt einließ, zündeten sie +Veit Wolfens+

Vorwerk an, schossen dessen Sohn, sowie den eines anderen Bürgers,

+Kaspar Enderlein+, die zum Löschen herbeieilten, nieder und stifteten

noch sonst viel Unglück.

+Zöblitz+ war am Gründonnerstage ganz ausgeplündert worden, und am

Karfreitage brannten es gar 500 Reiter weg. Da wurde auch von +Baners+

Scharen das Schloß +Niederlauterstein+ bei Zöblitz an der Pockau von

drei schwedischen Reitern in Brand gesteckt und von seinen Bewohnern

verlassen.

Vor +Marienberg+ erschien ein Trupp nach dem andern und begehrte

Einlaß, sodaß die Sicherheitswachen kaum Steine genug hatten, um

die Zudringlichen zurückzutreiben. Friedens halber mußte man ihnen

Brot und Bier hinausschicken. +Lößnitz+ und +Aue+ wurden wiederholt

geplündert. Am 19. April wurden die +Leßlischen Offiziere+ samt

den Sicherheitswachen abgefordert. Die Durchzüge der schwedischen

Regimenter nach Böhmen und ihre Kämpfe dauerten bis August. Den 23.

Mai wurden vier Regimenter unter den +Obersten+ und dem +Herzoge von

Holstein+ in +Annaberg+ untergebracht, die es so arg gemacht als auf

dem Lande, also daß mancher arme Landmann im Gebirge nicht einen Löffel

wiedergefunden, und viele feine Bürger mußten nach dem lieben Brot

gehen, weil es sehr teuer war und doch nichts zu erwerben war.

+Baner+ ließ nach dem ausgesogenen Böhmen Vorräte aus Sachsen

herbeischaffen. Ein solcher Vorratszug war unter starker Bedeckung

am 19. August abends um 5 Uhr von +Chemnitz+ aus in +Marienberg+

eingetroffen. Da erschien plötzlich der kurfürstliche Befehlshaber von

Freiberg, +Florian Stritzky+, mit vier Kompanien Dragonern und einer

starken Reiterabteilung aus +Dresden+, drang durch drei Thore in die

Stadt ein und fiel über die vom langen Marsche ermüdeten Schweden her.

Ein Major und acht Soldaten wurden erschossen, der gefürchtete +Oberst

Höcking+, vier Oberstleutnants, sieben Rittmeister, vier Hauptleute,

zwei Reiterfähnriche, zwei Fähnriche, viele Unteroffiziere und

Mannschaften gefangen genommen und samt ihrem Vorrate, ihren Weibern

und Sachen nach +Freiberg+ abgeführt. Auch der +Leutnant Zastro+ mit

seinem eigenen Schatze und 20000 Thalern Kriegskosten, die er für

seinen +Obersten Leßli+ eingetrieben hatte, befand sich unter den

Gefangenen. Viele Bürger von +Annaberg+, welche sich dem Obersten

Höcking angeschlossen hatten, um in dem schwedischen Lager ihre Waren

zu verhandeln, kamen bei dieser Gelegenheit ebenfalls um das Ihrige. Es

wurde ihnen alles als schwedische Beute mit abgenommen.

Seit +Gustav Adolfs+ Tode völlig im Kriege verwildert, brachen die

Schweden 1639 über das Erzgebirge in Böhmen ein und warfen Feuer

in jeden Ort, sodaß das +Egerland+ vom Gebirge aus einem riesigen

Flammenmeere glich. Vor den Unholden waren die Bewohner des Gebirges

wieder in die Wälder geflüchtet. Auf dem +Bärensteine+ war ein Wächter

bei einer hohen Stange. Nahte von irgend einer Seite ein Feind, so

warf er seine Stange um. Das war das verabredete Zeichen, auf das sich

alle ins Dickicht warfen. 1640 wurden die Schweden wieder nach Sachsen

getrieben. Sie deckten den Rückzug für ihre Geschütze und ihre Beute

in den Pässen auf dem Gebirgskamme. Auf diesem Rückzuge wohnte +Baner+

in Annaberg. Schon im nächsten Jahre erschien er wieder, verfolgt von

den Sachsen. Wie durch ein Wunder entkam er auf Eilmärschen. Sein

verschanztes Lager hielt die Kaiserlichen lange auf. Endlich steckte er

es in Brand und vernichtete seine 500 Vorratswagen. Nachzügler zündeten

+Hassenstein+, +Preßnitz+, den +Weiperter+ Grund an. 1643 gingen 600

Reiter +Torstensons+ durch die Pässe nach +Kaden+. 1644 waren Pässe und

Schanzen in den Händen der Kaiserlichen. Im Herbste stand +Torstenson+

davor und erzwang im Januar 1645 den Durchbruch nach Böhmen.

+Christian Lehmann+ erzählt, daß die Befreiung +Freibergs+ von den

Schweden zu Neujahr 1643 in +Elterlein+ einem Mädchen, das sich vor den

schwedischen Einfällen sehr geängstigt hat, im Traume sei geoffenbaret

worden. Sie hat im Traume gesehen, daß zwar +Torstenson+ die Stadt an

einer Kette hatte; aber es kam ein vornehmer Reiter mit einem bloßen

Schwerte geritten, der hieb die Kette mit einem Streiche entzwei, daß

der Torstenson mit der halben Kette zurückfiel. Darüber sind seine

Soldaten erschrocken und ausgerissen.

Nach sieben Wochen ging der Traum in Erfüllung, und der Feind mußte

abziehen.

Die Greuel nahmen im Gebirge erst ein Ende, als 1645 der Kurfürst mit

den Schweden den Waffenstillstand zu +Kötzschenbroda+ schloß.

Nach Chr. Lehmann, ~Dr.~ Pöschel und ~P.~ Schultze.

Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte · 第 83 / 209 题