2. Die Schweden werden aus Marienberg vertrieben.

Den 26. Februar 1639 nahte das schwedische Unheil auch der Stadt

Marienberg; denn der Geschichtsschreiber teilt folgendes mit: »Ein

schwedischer Fähnrich kam mit seinen Reitern und begehrte alsobald die

schwedischen 2000 Rthlr, so ihnen vor zwei Jahren sein Rest geblieben,

davon uns aber nichts wissend. Ist schwer hergegangen und hat der halbe

Teil an Geld, Pferden, Speisen, Schuhen, Stiefeln und Tuchen an 500

Rthlr zusammengelaufen, und 500 Rthlr alsdann Rest geblieben, haben's

aber doch bezahlen müssen, daher auch Stücke verpfändet worden, so den

Vermächtnissen und dem Armenkasten zuständig, weil sonst kein ander

Mittel gewesen.«

Im Februar 1639 floh alles, was fliehen konnte, in die Städte

+Freiberg+, +Annaberg+ und +Marienberg+; die Landgeistlichen schafften

ihre Frauen und Kinder wenigstens dahin in Sicherheit, um bei

wirklicher Gefahr schneller mit dem Reste der Kirchenkinder in die

Wälder flüchten zu können. Die Nähe der großen Waldungen ist damals für

das Gebirge die Rettung aus tausend Todesgefahren gewesen. Vom Februar

an streiften bereits schwedische Banden überall im Gebirge umher, und

es wurde damals auch von nur drei schwedischen Reitern das Schloß

+Lauterstein+ angezündet und in Asche gelegt.

Am 12. April, es war Karfreitag, kamen etwa 500 solcher schwedischer

Brandstifter, nachdem sie +Zöblitz+ geplündert und angezündet,

sowie dessen Bewohner in jeder Weise mißhandelt hatten, auch

nach +Marienberg+. Es heißt hierüber: »Dieselbigen kamen vor das

Annabergische Thor, wollen dasselbe aufhauen, gaben auch Feuer

darauf. Da man sie aber mit Gottes Hilfe durch hinausgeworfene Steine

abgetrieben, mußten sie weichen. Sie zündeten aber das Schießhaus an

und die Hilligersche Scheune, da denn die Bürgerschaft in sehr großer

Gefahr war.« Am ersten Osterfeiertage kehrten die Erbitterten in noch

größerer Anzahl zurück, aber ein gleicher Steinhagel lehrte ihre

verwundeten Köpfe, daß die Bürger hier fest wie ihre Steine wären.

Einige Tage darauf wurde erneuter Sturm dadurch glücklich abgewehrt,

daß die Bürger anstatt der Steine -- Brot hinauswarfen.

Glücklich sollte das fast täglich in Angst und Schrecken gesetzte

Marienberg am 10. August desselben Jahres wegkommen, als der

schwedische Oberst +Holck+ mit 250 Reitern und 200 Infanteristen Einlaß

in die Stadt verlangte. Zagend öffnete man die Thore, und drohend

ziehen die Schweden ein. Es fehlte Brot und Bier so ganz in der armen

Stadt, und diese wilden Gäste verlangten doch so viel und drohten,

die Stadt aufs äußerste zu quälen. Sie verteilen sich bereits in die

Häuser, wo Jungfrauen und Kinder sich verkrochen haben und angst- und

hungerbleich der Bürger die Räuber empfängt, die unter gräßlichen

Verwünschungen Geld, Brot und Bier und was nicht alles, fordern. Da --

ruft plötzlich die Trompete; die Soldaten stürzen auf den Markt vor;

dieser füllt sich mit sächsischen Dragonern; ein wütendes Gemetzel

beginnt; die Schweden ergeben sich; einzelne entfliehen; der Oberst mit

mehreren Offizieren und Frauen wird gefangen genommen, und es werden

gegen 6000 Rthlr Wert erbeutet. Der sächsische Oberst +Stritzky+ hatte

der Stadt Rettung gebracht.

Nach Donat-Holzhaus.

Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte · 第 82 / 209 题