Von der großen Glocke in dem alten Bergstädtchen Geyer, welche früher
in einem uralten viereckigen Turme an der Kirche hing, erzählt die
Sage, sie sei auf dem Geyersberge, an dessen Fuße die Stadt liegt,
durch eine Sau mehrere Ellen tief aus der Erde herausgewühlt und von
den Bürgern, welche sich dieses Fundes freuten, aufgehängt worden. Sie
soll aber nicht eher einen reinen und vollen Klang gegeben haben, als
bis ein Priester sie zu ihrer heiligen Bestimmung geweiht hatte.
Mit dem Reformationsfeste 1885 wurden es 350 Jahre, daß die jetzige
Glocke der protestantischen Gemeinde zu Geyer ihre eherne Stimme
geliehen hat. Sie trägt ein vortrefflich geschnittenes Rundbildnis des
+Herzogs Heinrich des Frommen+. Ihr erstes, majestätisches Geläute hat
sicher dem anwesenden Herzog Heinrich als Beförderer der evangelischen
Wahrheit und dem Feste der vollendeten Reformation in Geyer zugleich
gegolten. Die große Glocke hält 1,80 ~m~ im Durchmesser und ist 1,60
~m~ hoch. Sie stammt höchst wahrscheinlich aus der Hilligerschen
Gießhütte zu Freiberg. Sie trägt die ausgezeichnet geschnittene
Umschrift:
»Also hot got dy welt geliebt, daß ehr seinen einigen son gab
uf das alle dy an yn glauben nicht verloren werden sondern
haben das ewige leben. Johann am III.